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Es ist ebenso seltsam wie bezeichnend, dass Meret Oppenheim nur selten genannt wird, wenn die Frage nach weiblichen Heldinnen beantwortet werden soll. Diesen blinden Fleck verantwortet die Künstlerin auch selber, da sie eine regelrecht Abneigung gegen Biografien und jede Art von Zurschaustellung persönlicher Belange hegte. Daher gab sie ihrer Schwester Kristin auch die klare Weisung, ihren Briefwechsel frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod zu veröffentlichen. Diesem Willen haben Kristin Bühler-Oppenheims Erben und die Familie Wenger auch 27 Jahre lang entsprochen. Und obwohl die hier veröffentlichten Briefe nur einen Teil des gesamten überlieferten Materials ausmachen, sind sie wohl die wichtigsten und interessantesten.

Die Dokumente offenbaren neue Facetten von Merets Persönlichkeit und auch neue Details zu entscheidenden Beziehungen, die Meret Oppenheim mit Künstlern, Kritikern und Vertretern der Kunstszene führte. Der erste Teil enthält Briefe an die Familie und Antwortschreiben des Vaters, der Mutter und des Ehemanns Wolfgang La Roche. Der zweite Teil umfasst Meret Oppenheims Album „Von der Kindheit bis 1943“, das im Buch zum ersten Mal ungekürzt und als Faksimile wiedergegeben wird. Im dritten Teil folgen die Briefe an Freundinnen und Freunde, Kunstschaffende und Intellektuelle aus verschiedenen Branchen.

Das künstlerische Werk von Meret Oppenheim ist nicht sehr umfangreich, was auch mit der Art ihres Schaffens zu tun hat. Ob Zeichnung, Bild oder Objekt, bei vielen Werken geht der Vollendung ein langsames, oft monate- oder jahrelanges „Brüten“ voraus. Zum Schaffensprozess schreibt Martina Corgnati in ihrem Vorwort die treffenden Sätze: „Es wäre zu einfach, im Werk von Meret Oppenheim nach stilistischer Kohärenz zu suchen: Vielmehr muss man die Einheit und grundlegende Kontinuität erkennen, die nicht nur das künstlerische Schaffen prägen, sondern auch für die Träume, Gedichte, Collagen, Alben, Gespräche, Notizen und Schriften gelten, die auf verschiedene Weise viele Elemente des malerischen und plastischen Werks wieder aufgreifen oder vorwegnehmen und so ein mächtiges, originelles Gewebe bilden.“

Welche Arbeit hinter diesem Buchprojekt steckt, wird im Vorwort von Lisa Wenger mehr als deutlich. Als sie Mitte der 1990er-Jahre von ihrem Vater eine große Schachtel voller Dokumente erhielt, ahnte sie noch nicht, was auf sie zukommt. Doch als sie durch Merets Freund Roberto Lupo die Mitherausgeberin Martina Corgnati kennenlernte, waren sich die beiden bald einig, dass aus den vielen Dokumenten ein Buch entstehen musste. Das hatte allerdings zur Folge, dass Lisa Wengers Mutter die in alter Sütterlinschrift verfassten Briefe lesen und diktieren musste und aufwändige Nachforschungen nach den Adressatinnen und Adressaten von Merets Briefe notwendig wurden.

Das Layout der Briefe halte ich für beispielhaft. Nach einem einleitenden Text, der die abgedruckten Briefe geschichtlich und persönlich verortet, sind zwei Spalten für die Briefe vorgesehen. Dazwischen findet sich eine Doppelspalte für die zahlreichen Anmerkungen, Worterklärungen und Verweise, so dass kein Vor- oder Zurückblättern notwendig ist. Ohne deshalb in einen Kulturpessimismus zu verfallen, fragte ich mich bei der Lektüre immer wieder, wie hoch der Preis ist, den wir für die Beschleunigung der Kommunikation zu entrichten haben. Das Lesen von Meret Oppenheims Briefen macht es jedenfalls noch möglich, an der Art ihres Denkens einigermaßen teilzuhaben und dabei zu sein, wenn ein neues Wort entsteht.

Ab Seite 87 ist das Album „Von der Kindheit bis 1943“ in Faksimilie abgedruckt. Und auch wer kein Freund von Briefwechseln ist, wird an diesem Buch seine helle Freude haben. Denn die folgenden 111 Seiten sind schlicht und einfach ein Ereignis. Schöner und eindrücklicher habe ich den Werdegang großer Künstler nie gesehen. Und beim Betrachten von Merets Kinderzeichnungen stellte ich mir einmal mehr die Frage, wie weit die pädagogische Sozialisierung den Menschen ihr eigenes Künstlerdasein austreibt oder es in die Bahn des Gewöhnlichen leitet.

Mein Fazit: Obwohl ich inzwischen selten Briefwechsel lese, bin ich froh, glücklicher Besitzer dieses Buches zu sein. Denn allein Meret Oppenheims Album „Von der Kindheit bis 1943“ weckte so viele eigene Erinnerungen an meine frühen Jahre, dass sich die Zeit mit der Beschäftigung von Merets Aufzeichnungen lohnte. Zudem verführte mich dieser Teil des Buches auch dazu, nach Briefen Ausschau zu halten, die mir Einlass in eine andere Welt gewährten, die letztlich auch mit meinen eigenen Lebensgeschichten zu tun hat.
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am 28. September 2013
Ein ganz wunderschönes Buch. Man erfährt viel über Meret Oppenheims Beziehung zu anderen Menschen, über ihren Sprachwitz, ihren verbalen Umgang. Das Faksimile ein Genuß. Ohnehin ist das Buch formal - wie von einem Schweizer Buch fast nicht anders zu erwarten - sehr schön gemacht. Mit Fadenbindung: es wird also nicht so schnell auseinanderfallen, selbst bei vielmaligem durchblättern.
Einzigster Wermutstropfen: leider wurden die französischen Texte nicht ins Deutsche übertragen!
Dies bedeutet, daß ein Viertel des Buches für Französischunkundige nicht lesbar ist.
Wie gesagt, ein wunderschönes Buch, aber dieser Punkt ist äusserst bedauerlich!
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