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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zündstoff (nicht nur) fürs Gedächtnis, 18. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Notabene 45: Ein Tagebuch (Taschenbuch)
Sie sollten "Zündstoff fürs eigene Gedächtnis" sein, diese Notizen, die sich Erich Kästner 1945 machte, Gerüst für einen Roman, den er dann doch nicht schrieb -- weil er's weder konnte noch wollte. Also veröffentlichte er sie 1961 und tat gut daran.

Man erlebt mit Kästner die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges in Berlin und Tirol, und die ersten Monate danach, in Tirol und Bayern. Er hält fest, was er sieht, hört und denkt -- die Bombardements von Berlin und die Reaktionen der Bevölkerung ebenso wie seine Angst um die Eltern nach der Bombardierung Dresdens. Hiobsbotschaften wie z.B. der Untergang der "Wilhelm Gustloff" stehen neben scharfsinnigen und -züngigen Anmerkungen zur Goebels-Propaganda; festgehalten werden menschenverachtende Durchhalte-Befehle, in ihrem Zynismus unfassbare Verlautbarungen von NS-Bonzen, Nachrichten über politische Morde; protokolliert werden auch Gerüchte über verschollene oder auf abenteuerlichen Wegen ins Ausland entkommene Bekannte (ganz nebenbei erfährt man auch das ein oder andere über den ein oder anderen prominenten Zeitgenossen).

Bald danach vermittelt ihm ein Freund die Flucht ins abgelegene Mayrhofen in Tirol, Hals über Kopf, mit gefälschtem Pass zu einem vorgeblichen Filmprojekt, und auch hier notiert sich Kästner, was immer er beobachten kann. Und er beobachtet manches, was den Beobachteten vielleicht gar nicht so recht ist... Von wegen "ahnungslose Mitläufer"!

Hier erlebt er auch das Kriegsende in all seinen grotesken Auswüchsen am Vorabend der Befreiung durch die amerikanischen Truppen: "Farbsatte Rechtecke an den Wänden erzählten uns, wie leicht Tapeten zu verschleißen pflegen und wie groß die Hitlerbilder gewesen waren. In dem einen oder anderen Zimmer standen die Hausväter vorm Rasierspiegel, zogen Grimassen und schabten, ohne rechten Sinn für Pietät, ihr tertiäres Geschlechtsmerkmal [...] von der Oberlippe. [...] Kurz und gut, es war ein lehrreicher Rundgang. Seit das Licht wieder aus den Häusern fällt, fällt auch wieder Licht hinein."

Den Neuanfang (der Begriff ist nicht eben unumstritten, aber hier passt er) erlebte Kästner hauptsächlich in Bayern. Auch hier sind in all die Beobachtungen aus dem Alltag die Nachrichten der Weltpolitik eingestreut -- nun aber sind es zuverlässige Nachrichten, z.B. über die jämmerlichen Versuche der NS-Bonzen, mit falschem Schnurrbart der Verhaftung zu entgehen. Kästner sieht die Befreiung als Chance, ein besseres Deutschland aufzubauen: "Nun kommt die nächste neue Zeit. Sie hat den Fuß schon in der Tür. Nun wird aus Unrecht, das Recht geworden war, wieder Unrecht." Blauäugig allerdings ist er nicht; diese Passage geht weiter: "Keine Angst, das Gewissen ist drehbar. Was immer die innere Stimme auch ruft oder widerruft, -- eines steht fest: Sie meint es immer ehrlich." Entsprechend enthusiastisch (aber auch skeptisch) lesen sich manche Passagen aus jenem dritten Teil, insbesondere die Reflexionen. Auch wenn manche Hoffnung bald enttäuscht worden sein dürfte -- Kästners Überlegungen sind auch heute noch lesenswert, beleuchten auch den ein oder anderen heutigen Missstand aus ungewohnter Perspektive, und brillant ist sein knapper Abriss der Geschichte des Nazi-Regimes (Eintrag vom 15. Juni 1945).

Während des Krieges hielt Kästner seine Aufzeichnungen tunlichst verborgen -- zu brisant war ihr Inhalt, zu prekär seine eigene Situation. Den stichwortartigen O-Text hat er vor der Veröffentlichung bearbeitet -- man kann es sich denken, denn Kästners pointierter Stil passt nicht zu stenographierten Aufzeichnungen. Es spricht aber für den Autor, dass er selber darauf hinweist. Inhaltlich habe er kein Jota geändert, auch "die Irrtümer [...] sorgfältig konserviert, auch die falschen Gerüchte, auch die Fehldiagnosen". Das kann man glauben oder auch nicht; ich persönlich glaube es. Aber das ist egal, denn die Durchschlagskraft des Buches mindert das auf keinen Fall. "Notabene 1945" dürfte die 1961 noch inbrünstig betriebene Verdrängungsorgie ziemlich durcheinander gerüttelt haben, denn vieles bringt Kästner hier messerscharf auf den Punkt. Wer seine Aufzeichnungen gelesen hat, der wird misstrauisch, wenn einer behauptet, nichts gewusst zu haben. Zumindest geahnt hat man manches... und oft genug wollte man's wohl einfach nicht wissen.

Kästner hatte jedenfalls recht mit seiner Hoffnung, dass neben den Tagebüchern aus der Nazi-Zeit noch Platz sei für seines. Mehr noch: Ohne seine Aufzeichnungen klaffte da eine Lücke.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Tagebuch gegen das Vergessen, 10. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Notabene 45: Ein Tagebuch (1945) (Gebundene Ausgabe)
Viele kennen Erich Kästner nur als Kinderbuchautor. Dabei war er viel mehr. "Notabene 45" sind seine Tagebuchaufzeichnungen, die er anfertigte, während das 3. Reich zerfiel. Hier präsentiert er sich als kritischer Zeitgeist, als glühender Gegner des NS-Regimes. Erstaunlich sind die Mutmaßungen, die er bereits zu diesem Zeitpunkt über das volle Übel, welches die Nazis angerichtet hatten, anstellte. Er raubt damit all den Leuten, die behaupten, man hätte nichts wissen können, mit einem Schlag die Glaubwürdigkeit. Mit am Beeindruckendsten ist beispielsweise, wie Kästner die Befreiung Österreichs (wo er sich zum Kriegsende befand) erlebte. Von einer Sekunde auf die andere wechselten alle Leute ihre Gesinnung und hatten viel mehr Probleme damit, Stoff für die neuen - österreichischen - Fahnen zu besorgen. "Jeder macht jeden verantwortlich. Jeder macht jedem Vorwürfe. Und jeder nimmt einen einzigen Menschen aus: sich selber", so Kästner. Insgesamt kann ich das Buch insbesondere jüngeren Leuten sehr empfehlen. Hier ist eines der erschreckendsten Kapitel unserer Geschichte aus Sicht eines Zeitzeugen nachzulesen. Es hilft, zu begreifen, daß all die Opfer der damaligen Zeit eben nicht nur "Zahlenketten" waren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen notabene, 2. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Notabene 45: Ein Tagebuch (1945) (Gebundene Ausgabe)
die zusendung erfolgte zuverlässig und sehr schnell,auch mit dem produkt war ich zufrieden,so daß ich den anbieter nur weiterempfehlen kann
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brandaktuell auch heute – das vielleicht beste Buch über das Kriegsende 1945, 17. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Notabene 45 (Gebundene Ausgabe)
Notabene 45 ist ein Buch, das mich nicht mehr losgelassen hat.

Kästner gelingt mit dieser ungeheuer fesselnden Beschreibung der letzten Kriegswochen, die als harmloses Tagebuch daherkommt, ein Meisterwerk. Das Buch ist von einer zeitlosen sprachlichen Kreativität und ironischen Finesse, auch wenn einem das Lachen oft im Hals stecken bleibt. Kästner ist in Hochform, so schrecklich die Umstände und so jämmerlich sein eignes Befinden in jener Zeit auch waren.

Sein Tagebuch ist ein Dokument der Zeitgeschichte, das auch aus heutiger Rückschau unglaublich viele kleine und große, immer erhellende und oft verstörende Details aus jener Zeit ins Gedächtnis ruft. Es dokumentiert, wie sich Menschen unter dem Druck von Krieg und Gesinnungsterror verbiegen und dann nach Kriegsende im Buhlen um die Gunste der neuen Herren reflexartig in Lüge und Heuchelei verfallen.

Kästner beginnt seine Aufzeichnungen im Februar 1945, als Berlin sich langsam im Chaos der alliierten Bomben auflöst. Weil jeder hingerichtet werden kann, der am "Endsieg" des Dritten Reichs zweifelt, führt Kästner sein Tagebuch zunächst verkürzt und in Steno, getarnt in einem sogenannten "Blindband": Einem fertig gebundenen, aber leeren Buch, wie es als Muster für die Produktion verwendet wird. Nachdem es zunächst unerkannt zwischen „tausend anderen“ in Kästners Berliner Bücherregal steht, geht es Mitte März 1945 unverhofft mit seinem Autor auf die Reise.

Grund ist die vielleicht bizarrste Episode der deutschen Filmgeschichte. Kästner hat sich auf Einladung eines Regisseurs mit seiner Partnerin Luiselotte (Lotte) Enderle einer kuriosen Reisegruppe von einhundert "Filmschaffenden" der Ufa angeschlossen. Ziel ist das österreichische Zillertal, wo ein Film mit dem Titel „Das verlorene Gesicht“ gedreht werden soll. Die Genehmigung dazu hat man den Nazi-Kulturbonzen mitten im Chaos des Endkampfes um Berlin mit einer raffinierten Fangfrage abgenötigt: Wenn der "Endsieg" gewiss ist, muss man dann für die Zeit "danach" nicht auch Filme produzieren? Die düpierte Behörde kann nicht hinter Göbbels' dröhnende Propaganda zurück, und so machen sich alle auf den Weg.

Dem Tross aus Schauspielern, Kameraleuten, Beleuchtern, Kostüm- und Maskenbildnern, Regisseuren und Produzenten fehlt dabei nur eins: Es ist kein Film in der Kamera. Denn Filmmaterial ist zu teuer und nicht mehr zu beschaffen. Doch daran darf das Unternehmen auf keinen Fall scheitern, denn die vorgeblichen Dreharbeiten dienen in Wahrheit nur dazu, möglichst viele aus dem umkämpften Berlin herauszuholen und die Männer vor dem Einzug zum "Volkssturm" und damit dem fast sicheren Tod bewahren.

Im idyllischen Mayrhofen angekommen, verändern sich die Dinge jedoch sehr schnell. Die „Dreharbeiten“ ohne Film gehen lustlos vonstatten, die Ufa zahlt nicht mehr, der Kontakt nach Berlin ist abgerissen, und die Einheimischen versuchen mit allen Mitteln, die Filmleute wieder loszuwerden, die mit ihnen um die immer knapper werdenden Nahrungsmittel konkurrieren. Zudem kommen täglich neue Flüchtlinge in den überfüllten Ort. Die meisten werden weitergeschickt, es sei denn, sie haben Geld.

Mit dem Kriegsende und den amerikanischen Besatzungstruppen kommt dann der plötzliche „Gesinnungswandel“ der Dorfbevölkerung hinzu. Den rasanten Umschwung von überzeugten Nazis zu leidenschaftlichen Widerstandskämpfern dokumentiert Kästner bissig und meisterhaft. Auch er selbst, dessen Bücher seit 1933 verboten waren, gerät ins Visier eines misstrauischen amerikanischen Offiziers: „Er bohrte an mir herum wie ein Dentist an einem gesunden Zahn. Er suchte eine kariöse Stelle und ärgerte sich, dass er keine fand.“

Das Filmteam löst sich auf, kann aber mangels Passierscheinen den Ort lange Zeit nicht verlassen. Die nachfolgenden Wirren lassen Kästner schließlich im Juli 1945 in München landen. Hier endet das Tagebuch abrupt, nachdem Kästner die fürchterlichen Schilderungen eines befreiten KZ-Häftlings notiert hat. Dieser Eintrag ist ein interessanter Beleg dafür, dass dass Kästner ebenso wie die meisten Deutschen zwar den öffentlichen Nazi-Terror gegen die Juden sehr genau wahrgenommen hat, und auch ahnen musste, dass in den KZs fürchterliches geschah. Das volle Ausmaß an Mord und Grausamkeit wurde ihm aber erst nach Kriegsende bekannt.

In jüngster Zeit hat Kästners „notabene 45“ erneut an Aktualität gewonnen, nämlich zum 75. Jahrestag des „Anschlusses“ Österreichs ans Dritte Reich. Kostprobe: „Sie [die Deutschen] wollen ganz einfach nicht begreifen, daß die Österreicher, nach 1933 mit der liberalen Welt und deren Presse noch fünf Jahre in engem Kontakt, d.h. sehenden Auges, 1938 dem Hitler zujubeln konnten. Jetzt, 1945, begreifen es die >Ostmärker< selber nicht mehr. Und was fangen sie mit ihrem sträflichen und irreparablen Irrtum an? Sie nehmen ihn uns übel. Nicht sie sind schuld, daß sie den Krieg mitverlieren und daß ihre Söhne mitfallen, sondern wir.“
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sein bestes Werk!, 9. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Notabene 45: Ein Tagebuch (Taschenbuch)
Kästner für Erwachsene - meiner Meinung nach sein bestes Werk! Packend und informativ geschrieben, über eigentlich "nur" ein paar Monate ab Februar 1945. Sozusagen das Deutsche Reich und seine Bewohner von innen. Das Buch hat mir mehr Informationen und Eindrücke über diese Vergangenheit, die ich nicht miterlebt habe, vermitteln können, als der Unterricht in der Schule oder die Dokumentationen in den Medien.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch ist ein Geschenk, 18. Januar 2013
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Rezension bezieht sich auf: Notabene 45: Ein Tagebuch (Taschenbuch)
Ich selbst habe das Buch nicht gelesen, jedoch der Beschenkte ist sehr zu frieden. Natürlich kann man ein Buch nach seinem Kaufwert beurteilen, aber Kauf und Anlieferung waren wie immer super bei Amazon. Und die Beschenkte mag Erich Kästner, was will man mehr :-)
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Notabene 45: Ein Tagebuch (1945)
Notabene 45: Ein Tagebuch (1945) von Erich Kästner (Gebundene Ausgabe - 1. Januar 1986)
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