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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dissonanzen und Enthüllungen oder Die Interpunktion der Stille, 11. Oktober 2007
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Taktverschiebung (Gebundene Ausgabe)
Enddreißiger Jack Middleton, einer von "Englands vielversprechendsten jungen Komponisten", reich verheiratet mit der aristokratischen Milly du Cran, besucht 1999 Tallinn, um sich inspirieren lassen. Doch anstatt Musik zu komponieren, beginnt er eine leidenschaftliche Affäre mit Kaja, einer schönen estnischen Frau.

Sechs Jahre später taucht Kaja plötzlich in London auf, begleitet von einem kleinen Jungen, Jacks Sohn: das Ergebnis der damaligen dreiwöchigen "Inspirationssuche" in Tallinn. Kaja möchte, dass ihr Sohn seinen Vater regelmäßig sieht, und Jack kann das Geheimnis vor seiner Frau nicht mehr länger verbergen. Als Milly die Wahrheit erfährt, verlässt sie Jack. Seine allgemeine Unentschlossenheit und nebulöse Positionierung veranlasst auch Kaja, nach Estland zurückzukehren, wo sie einen Zimmermann heiratet und versucht, die Vergangenheit zu vergessen. Erst jetzt trifft Jack Middleton seine erste veritable Entscheidung: Er folgt Kaja in ihre Heimat - mit tödlichen Konsequenzen.

Der Roman offenbart eine raffinierte Erzählstruktur: an das Ende fügt sich homogen der Anfang. Adam Thorpe erzählt eine zauberhafte Liebesgeschichte mit den Grundzügen einer leichten Komödie. Jedoch ist das Komödiantische nur ein Teil der Mischung.
Großbritannien und dessen geld- und besitzgeprägte Hauptstadt London, außerhalb der idyllischen Verzauberung von Hampstead, dem Landsitz von Jacks Schwiegereltern, skizziert Thorpe als trostlosen Platz.

"Taktverschiebung" enthält überdies Elemente des Melodramas. Überall im Buch gibt es Referenzen zu "Madam Bovary". Thorpe modernisiert Flaubert: Emma, Rodolphe und Charles sind hier Jack, Milly und Kaja. Der Roman kann - genau wie bei Flaubert - als Satire auf die selbstzufriedene bürgerliche Kultur des alten Europas gelesen werden, beleuchtet gleichzeitig aber auch den moralischen und materiellen Zerfall des kommunistischen Europas und die zweifelhaften kapitalistischen Folgen. Tallinn, mit Thorpes Augen betrachtet, ist ein baltisches Prag unter der Belagerung von Sextourismus und Billigflieger-Invasionen.

Der Roman hat seine Stärken ganz klar in Estland. Der Anfang und das Ende sind Thorpes Meisterstücke. Im Mittelteil ufert der Autor gelegentlich etwas zu weit aus und spickt seine Zeilen für einen Laien mit zum Teil schwer verständlichen Musikreferenzen von Cornelius Cardew bis György Ligeti.
Die Hauptprotagonisten sind durchgehend gut gezeichnet. Zu deren Unterstützung agieren eine Reihe englischer Exzentrikern: Jacks Nachbar Edward Cochrane, sein homosexueller Musiker-Freund Howard Davenport oder aber seine aristokratischen Schwiegereltern Marjorie und Richard du Crane. Diese Personen und deren grundverschiedene Ansichten verleihen dem Buch eine besondere Würze.

Fazit:
"Taktverschiebung" ist ein eindrucksvoller, ideenreicher, kluger und komplexer Roman: gut beobachtet, humorvoll und gleichzeitig nachdenklich stimmend: ein wunderbares Sitten- und Zeitengemälde des "neuen" und "alten" Europas, flüssig und ideenreich übersetzt von Matthias Müller.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine estnische Affäre, 28. Dezember 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Taktverschiebung (Gebundene Ausgabe)
Tallinn - vor der wunderbaren Kulisse der Alexander-Nevsky-Kathedrale stellt sich der englische Komponist Jack einmal mehr die Frage aller Fragen, "was wohl der Sinn des Lebens sei". Er wird die Antwort genau so wenig finden, wie alle vor ihm. Dafür hat der Leser die wunderbare Chance, einen herrlich intelligenten Roman zu lesen.

Adam Thorpe, Jahrgang 1956, hat bereits mit "Die Regeln der Perspektive" einen erstaunlichen Künstlerroman geschrieben. Künstler ist auch der Held des Romans "Taktverschiebung" - Tonkünstler, Komponist und Verehrer Arvo Pärts. Auf den Spuren seines Idols in Tallinn, in Estland, will Jack sich inspirieren lassen zu dem großen Auftragswerk, das er für die Eröffnung des Millenium-Doms in London schreiben soll.

Jack Middleton, Ende Dreißig, gehört "zu Englands vielversprechenden Komponisten". Er ist erfolgreich und wohlhabend; nicht zuletzt dank einer Einheirat in aristokratische Kreise. Das hindert ihn nicht, in eine veritable Midlife-Crisis zu geraten, die auch zunehmend sein Verhältnis zu seiner Frau Mily du Crane belastet. So wird der "Ausflug" nach Estland zu einer Art wohlverbrämter Flucht aus mancherlei Dilemma. Inklusive einer künstlerischen Blockade und der Sinnfrage. "Man entwickelt sich", stellt er fest, "man löst Probleme, indem man diesen Weg nimmt oder jenen...". Wirklich?

Man findet aber auch Probleme. Es ist eine Art amour fou, die er mit der schönen Estin Kaja - Musikerin, ehemalige Meisterturnerin und Aushilfskellnerin - erlebt. Eine Affäre von drei Wochen, in denen vieles gesagt und vieles ungesagt bleibt. Zum Beispiel, dass Jacks Frau schwanger ist. Inzwischen ist Jack jedoch in England zurück. Das Kind wird tot geboren, die Krise bleibt - menschlich und künstlerisch. Jacks Frau weiß natürlich nichts von der estnischen Affäre, bis Kaja auftaucht: mit Jacks Sohn. Seine Ehe zerbricht, Kaja reist nach Estland zurück, wo sie einen Zimmermann heiratet. Als sich der bisher prinzipiell unentschlossene Komponist nun doch zu einer Entscheidung durchringt - er folgt Kaja in ihre Heimat - bekommt die Geschichte endgültig tragische Züge. Eine Taktverschiebung eben.

So hat der Roman alles, was man von einem guten Roman erwartet: eine literarisch raffinierte Konstruktion, prägnante Charaktere (vor allem die Figur des Jack ist grandios gelungen); er hat eine hohe Musikalität, nicht nur thematisch, sondern auch im sprachlichen Duktus, und er hat Spannung. Innenwelt und Außenwelt des Helden im Widerstreit, Liebe und Betrug, Alter und Tod machen die Geschichte so menschlich und der nahezu satirische Blick das alte und neuen Europa geben ihr einen gesellschaftspolitischen Touch. Einfach lesenswert.
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5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Roman, 28. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Taktverschiebung (Gebundene Ausgabe)
Eine Inhaltsangabe muss ich hier nicht mehr machen, siehe Produktinformation und andere Rezensionen. Dieses Buch ist hervorragend geschrieben, mitunter entwaffnend offen und so, dass es mich immer neugierig gemacht hat, viel mehr zu erfahren. Die estnische Affäre sorgt am Ende für die Taktverschiebung im sonst so ruhigen, bequemen Leben des Komponisten. Bestimmt war das nicht das letzte Buch von diesem Autor, das ich lesen werde. Nur zu empfehlen, alle Sternchen!
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Taktverschiebung
Taktverschiebung von Adam Thorpe (Gebundene Ausgabe - August 2007)
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