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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politisch-literarisches Lehrstück, 5. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Kästners "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" ist nun endlich - nach über 80 Jahren - in der vom Autor ursprünglich beabsichtigten Form und unter seinem Wunschtitel, "Der Gang vor die Hunde" erschienen.

Wer Kästner schon als Kind gelesen hat, erkennt sofort seinen typischen Stil wieder, der wirkt wie mühelos hingeworfen. Auch die pointierten Dialoge, den frechen Witz, das alles kennen wir bereits aus "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" und haben die heiteren Illustrationen von Walter Trier vor Augen. Doch die Bilder, die Kästner im "Gang vor die Hunde" malt, erinnern an die Werke von George Grosz, der wie kein anderer die Dekadenz der Weimarer Republik verbildlicht hat, sein Erzählton manchmal an seine Gedichte.

Die Situation zur Zeit der Erstausgabe, gesellschaftlich wie politisch, ist prekär. Der erste Weltkrieg hat die alte Ordnung in einer blutigen Welle weggeschwemmt, die Philosophie des Humanismus scheint ad absurdum geführt, eine neue Ordnung hat sich noch nicht etabliert. Die deutsche Wirtschaft ist dabei, zusammenzubrechen, Arbeitslosigkeit und Armut steigen exponentiell. Eine verzweifelte Lebensgier greift um sich; Berlin tanzt auf dem Vulkan.

Kästner lässt die Figur des Fabian als passiven Beobachter durch dieses Berlin flanieren. Es gibt im Grunde keine Handlung, doch der Text wäre nicht Kästner, läse er sich nicht trotzdem höchst unterhaltsam. Figuren treten umstandslos auf, verkörpern etwas (Opportunismus, Verzweiflung, Gier), zeigen etwas (das gewandelte Geschlechterverhältnis, den Verfall der Moral, den Wahnsinn des Kapitalismus) und treten ebenso umstandslos wieder ab. Manche sind nicht totzukriegen, andere kommen so sinnfrei ums Leben, dass man Einspruch erheben möchte. Der Protagonist hält sich aus allem heraus und versucht, seine Ideale hochzuhalten. Zwar gelangt er sukzessive zu einer realistischeren Lebenshaltung, aber da ist es schon zu spät. Wer Erfolg haben oder auch nur überleben will, muss sich prostituieren. Wer das nicht tut, geht unter, wie am Ende Fabian (und mit ihm die Moral), buchstäblich baden geht.

Kästners Sprache spart sich literarische Schnörkel; sie ist frivol, sie ist direkt, sie nennt die Dinge beim Namen. Das wirkt auch nach 80 Jahren noch erfrischend provokant. Sein Roman verblüfft nicht nur durch ein zeitloses Menschenbild, sondern auch als Instrument der Propaganda: Etwas, das der Autor, ganz wie seine Figur Fabian, zwar meisterlich beherrscht, aber verachtet. Jedoch, wie Kästner selbst in seinem Nachwort von 1931 sagt: Der Roman "wollte mit angemessenen, das konnte in diesem Falle nur bedeuten, mit allen Mitteln, in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen." Wir wissen, dass ihm das nicht gelungen ist. Das aber macht den Roman und seine Intention nicht kleiner.

Der Anhang des Münchner Literaturprofessors und Kästnerbiographen Sven Hanuschek, gut ein Viertel des Textumfanges, setzt alles in Perspektive. Hier kann man im Detail die Textänderungen im Vergleich zur Erstausgabe nachlesen. Hier gibt es das Kapitel, das Kästner als Ersatz für das ursprüngliche, wegzensierte Kapitel 3 schreiben musste, alle Nachworte des Autors, und die sehr wechselvolle Rezeptionsgeschichte des Romans enthält es auch.

Kann man den "Gang vor die Hunde" also auch heute noch mit Gewinn lesen? Vor allem: Mit mehr Gewinn als die Erstausgabe? Man kann nicht nur, man sollte! Aber Warnung: (Literatur-)Geschichte fügt Ihnen erhebliche Denkanstöße zu.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erich Kästner für Unerschrockene!, 27. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
„Machthunger und Geldgier sind Geschwister, aber mit mir sind sie nicht verwandt“, sagt Jakob Fabian, er ist Kästners tragischer Beobachter der Auswüchse und Paradoxien einer Gesellschaft, in der sich die Kunst prostituieren, sich die Kreativität den Forderungen des Formalismus unterwerfen muss – um etwas zu beissen zu haben, in der das Kleinbürgertum verelendet, die Arbeitslosigkeit die Menschen entweder in den Suizid oder die Revolution treibt und sich auf der einen Seite der Waagschale, die Sitten in Auflösung befinden, andererseits humorfrei jede Abweichung von der Norm Empörung hervorruft.

Der studierte Jakob Fabian will Distanz halten zu so einer Welt, abwarten, bis sich die Anständigkeit durchsetzt, erst dann will er seine Verweigerungshaltung aufgeben. Da wird er durch die Liebe kurzfristig in Versuchung geführt. Doch es ist zu spät, zehn nach zwölf, er hat zu lange gezögert.

Erich Kästners Ironie, sein teilweiser Sarkasmus wird oft als Humor verkannt, ist jedoch purer Gesellschaftspessimismus, paradoxerweise begleitet von einer nicht totzuschlagenden Hoffnung auf Besserung, obwohl Mensch auf Schritt und Tritt doch eines Besseren belehrt wird. Der Mensch lebt in einer dem Selbstzweck dienenden sinnentleerten Mühle (Maschinerie), die ihn seiner Identität beraubt.

„Der Gang vor die Hunde“ ist trotz seiner Geschichtsbezogenheit vor der großen Rezession der frühen 30er Jahre aktuell, scheint die heutige Gesellschaft abzubilden, denn der Mensch bleibt über Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte hinweg, das, was er ist: Mensch im Schlechtesten und im Besten, immer haarscharf beieinander.

Fazit: Emotionen weckt dieser Roman nicht, er ist auch trotz Wortwitz nicht lustig. Er ist eine Bestandsaufnahme. Doch wer Erich Kästners Kinderbücher liebt(e), muss auch diesen Kästner lesen. Denn „Der Gang vor die Hunde“ ist ein echter, grossartiger Kästner, ein Kästner für Erwachsene. Kästners Gespür für Bilder, für groteske Zusammenstellungen, die Fähigkeit, zeitlose Wahrheiten lakonisch auf den Punkt zu bringen ist ganz grosse Literatur.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Stück Literaturgeschichte und auch heute noch mit Gewinn zu lesen, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Der Roman ist eine Neuauflage von Kästners „Fabian“ und zwar in der Form, wie Kästner ihn ursprünglich geschrieben hat. Bei der Erstauflage musste er einiges ändern und sogar ein ganzes Kapitel neu schreiben, spätere Auflagen erhielten nur marginale Änderungen. Hier ist der Roman erstmals mit dem Text und dem Titel veröffentlicht worden, wie ihn der Autor vorgesehen hatte, also sozusagen der „Directors Cut“.

Der Roman erzählt von einigen Tagen im Leben Jakob Fabians und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Berlin um 1930, lässt die Weltwirtschaftskrise, den aufkommenden Nationalsozialismus, aber auch das turbulente (Liebes)Leben der damaligen Zeit lebendig werden.

Im Anhang finden sich außer den verschiedenen Vorworten, die der „Fabian“ im Laufe der Zeit von Kästner selbst erhalten hatte, auch eine Auflistung der verschiedenen Änderungen inkl. des Kapitels, das der Autor alsErsatz für das zunächst gestrichene geschrieben hatte. Außerdem findet sich dort ein umfassendes Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Sven Hanuschek, das den Roman perfekt abrundet und dem Leser nicht nur Einblicke in die Biografie Kästners und in die damalige Zeit vermittelt sondern z. B. auch die Umstände der Entstehung des Romans und der Änderungen.

Der Roman ist auf jeden Fall lesenswert, nicht nur für Kästner-Fans, er ist ein Stück Literaturgeschichte und lässt sich auch heute noch mit Gewinn lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fabian endlich in Originalfassung, 11. August 2014
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Ich lese Kästner sehr gern – bisher hatte ich „Fabian“ aus der Feder von Erich Kästner schon immer einmal lesen wollen, aber es noch nicht geschafft. Nun habe ich mich an die ungekürzte Fassung gewagt: „Der Gang vor die Hunde“ !!!

Man muss dazu wissen, dass „Fabian“ – weit bekannter als „Der Gang vor die Hunde“ vor dem Erscheinen verändert und verkürzt worden war. Nun liegt zum ersten Mal die Geschichte so vor, wie sie Kästner erdacht und vorgesehen hatte. Einmalig !!!

Gliederung und Inhalt:
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Jakob Fabian ist arbeitslos – seines Zeichens Germanist – wir befinden uns in den 20er Jahren und Berlin ist überhitzt. Die Stadt ist vielfach im Ausnahmezustand. Als obszön verschrien – wohl gemerkt in der gekürzten und veränderten Fassung - war das Buch, welches Kästner im politischen und erotischen Berlin spielen lässt.

Die mir nun vorliegende Fassung wurde von Sven Hanuschek, den man als Kästner-Experten bezeichnen kann, rekonstruiert. Ein Nachwort ist angefügt, welches ebenso interessant ist und detaillierte Einblicke liefert.

Leseprobe:
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17. Kapitel

Kalbsleber, aber ohne Flexen – Er sagt ihr die Meinung – Ein Reisender verliert die Geduld

„Ich habe gelogen“, sagte die Frau am anderen Morgen. „Ich gehe gar nicht ins Geschäft. Und die Wohnung gehört mir. Und wir sind ganz allein. Komm in die Küche.“
Sie goss Kaffee ein, strich Brötchen, klopfte ihm zärtlich auf die Wange, band die Schürze ab und setzte sich zu ihm an den Küchentisch. „Schmeckt's?“ fragte sie munter, obwohl er nicht aß. „Blass siehst du aus, Schatz. Es ist aber auch kein Wunder. Greif tüchtig zu, damit du wieder groß und stark wirst. ….

Mit zahlreichen typisch „Kästnerischen“ Pointen versehen und einer Schreibweise, bei der man sofort Kästners Stil spürt, ist diese Geschichte lebendig, spannend, real und authentisch – einmal bezogen auf den lebendigen Stil und auch bezogen auf den glaubhaft realen Inhalt.

Polistisches Berlin und Leben zur damaligen Zeit – aber auch der Hauptcharakter und sein Leben werden ideal miteinander verbunden.

Interessant fand ich die passive Betrachtungsweise, innerhalb derer der Autor seinen Protagonisten mit dem Buch verbindet. Auch wird die wirtschaftliche Lage Berlins – Deutschlands damals thematisiert und in die fiktive Handlung eingebunden.

Die Handlung ist nicht so einfach zu beschreiben, da es sie im Prinzip gar nicht gibt, oder doch ??? Ich kann es nicht beschreiben und erklären, man muss es gelesen haben, wenn man Kästner mag – dann sowieso, wenn man ihn kennen lernen möchte, dann auch unbedingt.

Ich finde das Buch absolut genial, habe „Fabian“ noch nicht gelesen, werde es zum Vergleich ganz gewiss aber noch tun.

Kästner nimmt hier in jedem Fall kein Blatt vor den Mund – das hat mir gefallen, das war gut so und ich bin echt froh, dass man das Buch jetzt endlich in seiner Originalfassung lesen kann und auch mit dem Titel versehen, den der Autor für seine Geschichte vorgesehen hatte.

Absolute Empfehlung !!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Urfassung des "Fabian", 9. Februar 2014
Von 
Jürgen Zeller (Kanton Bern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Den Schriftsteller Erich Kästner kannte ich bisher nur als Autor für Jugendbücher. Es sind wohl fast drei Jahrzehnte vergangen seit ich den letzten Roman von ihm gelesen habe. Und nun dieses Buch das er ausschliesslich für Erwachsende geschrieben hat und das seit letztem Herbst erstmals, ganz in Kästners Sinne, in seinem originalen Urtext vorliegt. Unter dem Titel "Fabian" wurde es in gekürzter Form und textlich, inhaltlich modifiziert von verschiedenen Verlagen publiziert. Es befasst sich mit einer Zeit der Weimarer Republik, die 19 zwanziger/dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwischen den beiden Weltkriegen, und beschreibt diese Ära so wie ich es bisher von keinem Schriftsteller je gelesen habe.

Dieser Roman hat zwar einen roten Faden der sich durch das Buch zieht aber ich ich würde es eher episodische Kurzgeschichten nennen die sich an und rund um die Hauptfigur Fabian orientieren. Prägnant werden in jedem Kapitel auf ein paar Seiten Szenen aus dem Leben treffsicher erzählt. Der konzeptionelle Aufbau mag ungewöhnlich wirken und der Stil etwas altmodisch aber genau deswegen hebt sich das Buch von der breiten Masse ab und macht es besonders für Vielleser interessant. Die Geschichten verlangen zudem von der Leserschaft ein stetes mitdenken damit die Feinheiten erkannt, aufgenommen und jeder Leser/-in für sich innerlich bewertet werden können.

In diesem Buch werden Erotik, die Dekadenz und die moralischen Werte in einer schwierigen Zeit thematisiert. Die grosse Arbeitslosigkeit ist das Produkt einer wirtschaftlichen und seelischen Depression die sich Hand in Hand über das Land verbreitet. Wie ist ein literarisches Werk zu beschreiben das sich mit Sitten oder eben Sittenverfall befasst? Darf man den Erich Kästner einen Moralisten nennen? Oder sind die Schilderungen der grossstädtischen Zustände von Anno Dazumals eher von einem Satiriker geschrieben worden? Ich glaube, es ist eine Mischung von beidem. Ein Zerrspiegel von Wertvorstellungen bis hin zur leicht übertrieben Karikatur.

Vor rund 80 Jahren mag der Inhalt so provokant gewesen sein das man der Meinung war ihn entschärfen zu müssen. In der heutigen Zeit gelesen wo erotische Trivialliteratur Bestseller sind mag man sich über die damaligen Wertvorstellungen (vielleicht?) etwas wundern. Allesinallem ein lesenswertes Buch das wohl leider nie in den Bestsellerlisten auftaucht. Schade eigentlich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstaunlich aktuell, 26. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Kästner schreibt ehrlich, wortgewaltig und trotz Bitterkeit in einer gewissen Leichtigkeit über die Verwirrung und Traurigkeit, die sein Charakter erfährt. Das Berlin der 30er jahre scheint dem heutigen Berlin nicht so unähnlich zu sein, was interessant und erschreckend zugleich ist. Das Buch hat mich berührt und fasziniert. Jeder sollte Kästner so kennen.
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5.0 von 5 Sternen Gehen wir heute auch noch vor die Hunde?, 6. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Kindle Edition)
Sehr schöne Gesellschaftssatire der Zeit zwischen den zwei großen Kriegen des Zwanzigsten Jahrhunderts.
Und: Ja! Schaut und hört man sich um, gehen wir heute auch noch vor die Hunde!
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5.0 von 5 Sternen Zeitspiegel, 6. Januar 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Kindle Edition)
Endlich....es ist schon erstaunlich, wie lange es dauerte, nun kann man endlich denn unzensierten Text Kästners lesen. Es ist ein Genuss, diese Sprache, dieser Humor bei aller Ernsthaftigkeit. Ich fühlte mich zurückversetzt in diese besondere Zeit des vergangenen Jahrhunderts. Mit dem Abstand der Jahre wird es aus meiner Sicht noch interessanter.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was soll man sagen ? Einfach ein Klassiker ! Kästner ist immer sein Geld wert., 23. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Zeitlos ! Eines der besten Bücher Kästners. Sehr empfehlenswert und nichts für Moralisten. Preis ist etwas hoch aber jeden Cent wert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 5vor12, Momentaufnahmen in einer Republik kurz vor dem Abgrund, 20. Februar 2014
Von 
Marc Ahlburg (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Wer Erich Kästner bisher nur als Kinderbuchautor sah, wird, genau wie ich, überrascht sein, dass er auch Bücher für Erwachsene geschrieben hat. Mit „Der Gang vor die Hunde“ erschien im letzten Jahr die ungekürzte beziehungsweise von Kästner ursprünglich angedachte Ausgabe von „Fabian – Die Geschichte eins Moralisten“. Diese Geschichte lässt uns in die Zeit der Weimarer Republik eintauchen, als es mit ihr schon wieder bergab ging und die ersten Tendenzen in Richtung Nationalsozialismus auftauchten. Wir lernen den 32- Jährigen Werbetexter und Propagandisten Jacob Fabian kennen, der im Berlin Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre lebt. Wir begleiten ihn in Situationen, die an der Grenze des moralischen sind und immer wieder haarscharf an dieser entlang schrammen. Er begibt sich gedankenlos in diese Momente. Ihm fehlt es an einem strukturellen Tagesablauf und Zukunftsdenken, was ihn so durch die Zeit treiben lässt.

Das Buch fängt damit an, dass Fabian in eine Art Verbindungsclub Einlass ersucht, den man nur vom Hörensagen kennen darf und der ihm von einem Arbeitskollegen empfohlen wurde. In diesem Lokal können sich Männer und Frauen ganz ungezwungen treffen und bei gefallen zu sich nach Hause gehen, um ungezwungen das zu tun, was zwei erwachsene Menschen gerne im Schlafzimmer (außer schlafen) machen. In diesem Lokal lernt Fabian eine Frau namens Irene Moll kennen, die den widerspenstigen Fabian mit zu sich nach Hause nimmt, um ihn zu verführen. Als sich herausstellt, dass Irene Moll eigentlich verheiratet ist und ihr Mann … Moll dieses ganze Treiben absegnet, wenn der vermeintliche Liebhaber von Irene Moll seinen Maßstäben genügt, ist das Fabian zu viel und er verlässt dieses skurrile Ehepaar mit dem Hintergedanken diese nie wieder zusehen, was sich im Falle von Irene Moll leider nicht erfüllen wird, da sie Fabians Wege immer wieder kreuzt und ihm unmoralische Angebote unterbreitet und das in Momenten in denen es Fabian eigentlich nicht passt. Auch wenn Fabian kein Schwerenöter ist, lässt er Irene Moll als Einzige während der ganzen Geschichte immer wieder mit ihren Forderungen im Regen stehen.

Seine Arbeit als Werbetexter für eine Zigarettenmarke macht er mehr gelangweilt als inspiriert und die Ideen für seine Texte fallen ihm auch immer wieder vor die Füße, weshalb er die Vorgaben von Direktor Breitkopf, was Pünktlichkeit und Arbeitsmoral angeht, nie ernst nimmt und sogar verhöhnt. Damit macht sich Fabian bei Direktor Breitkopf nicht gerade beliebt, obwohl er das alles mehr im Scherze sagt und immer etwas zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. Daraus entsteht eine Situation, in der er Direktor Breitkopf zum Spaß provoziert und mit Übertreibungen in die Weißglut treibt. Das bringt Fabian in ein Dilemma, die ihn in einer Zeit empfindlich treffen wird.

Mit seinem Freund Stephan Labude, der an einer Doktorarbeit im literarischen Gebiet arbeitet und kurz vor seinem Abschluss steht und der mit vollem Verstand an seiner Zukunft feilt, macht er Berlin unsicher. Eines Tages wird Fabian von Labude zu einem Atelier geführt, in welchem es etwas freizügiger vonstattengeht. Dort lernt Fabian die angehende Juristin Cornelia Battenberg kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Da sie auch noch zufällig im selben Haus wohnen, steht einer ernsten Beziehung nichts mehr im Wege und die Zukunft, die für Fabian bisher immer im Nebel lag, nimmt immer schärfere Konturen an. Doch dann bricht mit seiner plötzlichen Arbeitslosigkeit und der prekären Beschäftigungssituation in Berlin diese klar geglaubte Zukunft in sich zusammen. Ein kurzer Hoffnungsschimmer keimt auf, als Cornelia einen Termin zum Vorsprechen für eine Rolle in einem Film zugesagt bekommt und sie diese Rolle auch bekommt. Doch der Preis dafür ist hoch und die Beziehung zwischen den beiden auf dem Prüfstand. Was danach geschieht raubt Fabian den letzten Glauben an einen Weg in die sicher geglaubte Zukunft.

„’[…]Ich saß in einem Wartesaal, und der hieß Europa. Acht Tage später fuhr der Zug. Das wusste ich. Aber wohin er fuhr und was aus mir werden sollte, das wusste kein Mensch. Und jetzt sitzen wir wieder im Wartesaal, und wieder heißt er Europa! Und wieder wissen wir nicht was geschehen wird. Wir leben provisorisch, die Inflation nimmt kein Ende!’
[…]
‚Die Vernünftigen werden nicht an die Macht kommen’ sagte Fabian, ‚und die Gerechten noch weniger.’“

Wer Erich Kästner bisher nur als Autor von Werken wie „Emil und die Detektive“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ kannte, in denen er pointiert Geschichten präsentierte, die für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet sind, wird überrascht sein, dass es auch einen anderen Kästner gab. Mir war jedenfalls nicht geläufig, dass Kästner auch Bücher geschrieben hat, die sich zielgerichtet an ein erwachsenes Publikum richten. Das Wissen darum änderte sich, als ich im Herbst letztes Jahr einen Artikel in der FAZ las, der von einer Neuauflage seines Werkes „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ (von dem ich schon öfter mal gehört habe, aber nie wusste, um was es in dem Buch geht) unter dem ursprünglich geplanten Namen „Der Gang vor die Hunde“ las. Hier präsentiert uns Kästner einen Blick in das Berlin der Weimarer Republik Ende der 20er Anfang der 30erJahre des 20.Jahrhunderts, als der 1.Weltkrieg schon überwunden war und die Nationalsozialisten langsam am Horizont auftauchten. Mit den Augen des Jacob Fabian sehen wir eine Welt, in der es, wenn auch übertrieben dargestellt, an unmoralischen und unmenschlichen Situationen nur so wimmelt. Wie sich die Menschen den einfachen Gelüsten hingeben, wie die Kultur immer mehr den Bach runter geht und wie der Umgang der Menschen untereinander nicht mehr durch Respekt sondern durch gegenseitiges Misstrauen, langsam steigende Angst und der Sicherung der eigenen Existenz geprägt ist. Fabian entzieht sich diesem Rummel, indem er belustigt den Beobachter der Lage spielt und abwarten möchte, wohin sich denn alles entwickeln wird. Er lässt sich einfach treiben, er weiß nur nicht wohin die Reise geht.

„Den Untergang Europas konnte er auch dort abwarten, wo er geboren worden war. Das hatte er davon, dass er sich einbildete, der Globus drehe sich nur, solange er ihm dabei zuschaue. Dieses lächerliche Bedürfnis anwesend zu sein! […] Und er musste, noch dazu freiwillig, hinterm Zaune stehen, zusehen und ratenweise verzweifeln.“

Dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Man erkennt den Erich Kästner wieder, den man mit seiner Kinderliteratur lieb gewonnen hat. Seinen ironischen Biss, der auch in den Kinderbüchern durchleuchtet, verstärkt er hier, in dem noch Zynismus hinzukommt, um die Zustände anzuprangern und anzumahnen, dass die Zukunft noch schlimmeres bereit halten wird. In manchen Passagen will man eigentlich über die übertrieben dargestellten Situationen und die Komik die sie eigentlich ausstrahlen schmunzeln, doch dieses bleibt einem meist im Halse stecken und wandelt sich teilweise in einen kalten Schauer um, weil die Weitsicht, die Kästner hier an den Tag legt, beängstigend erscheint. Seine Sprache, die er dafür verwendet ist gewandt, teilweise dreckig und er beschreibt auch Tätigkeiten sexueller Natur, vor denen die meisten zu der Zeit zurückschreckten. Diese Passagen sind es größtenteils auch, die sein damaliger Lektor anmahnte zu kürzen oder umzuschreiben, damit es keinen großen Aufschrei gibt, denn Kästner war zu dem Zeitpunkt als Fabian erschien schon ein bekannter und erfolgreicher Autor. Jede neue Erscheinung des „Fabian“ war also eine „gekürzte“ Variante dessen, was Erich Kästner ursprünglich plante. Durch Zufall ist der Herausgeber des vorliegenden Bandes, Sven Hanuschek, auf das Originalmanuskript von „Fabian“ gestoßen. Dieses sorgsam redigierte Manuskript enthielt auch alle Passagen, die damals für die Erstausgabe herausgestrichen wurden. Hanuschek hat diese Puzzleteile in mühevoller Kleinstarbeit wieder zu dem Roman zusammengefügt, wie ihn Erich Kästner ursprünglich andachte, und er hat die Puzzlearbeit auch im Detail in einem Anhang ausgewiesen, in dem die geänderten Stellen dem Originalmanuskript gegenüber gestellt werden. Außerdem sind dem Roman alle Nachworte von Erich Kästner angehängt, die er je zu Fabian geschrieben hat und ebenfalls erzählt Hanuschek in einem kleinen Essay die wechselvolle Geschichte dieses Buches.

„Deshalb ist es schon ein seltenes Glück philologischer Arbeit, plötzlich in der Stille und Konzentration des Deutschen Literaturarchivs in Marbach vor einem verblüffend gut erhaltenen, handschriftlich korrigierten Typoskript zu sitzen und genau dieses Leseerlebnis zu haben, das nun, mehr als 80 Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe, an das lesende Publikum weitergegeben werden kann. Es ist geeignet, das Bild dieses Autors zu verändern, im feinen stilistischen Detail ebenso wie durch Wiedereinsetzung der Streichung im gröberen Register, im politischen wie im erotischen bzw. sittengeschichtlichen: ein freier, frecher Kästner zeigt sich, der seine besten und kreativsten Jahre vor 1933 hatte und der seine ästhetischen Mittel souverän beherrschte.“

Auch wenn ich vielleicht ein wenig zu euphorisch urteile, so muss ich für mich persönlich anmerken, ein ganz großes Werk deutscher Literatur gelesen zu haben, dass man nun endlich in der Fassung vor sich liegen hat, wie es eigentlich schon für 1931 zur Veröffentlichung vorgesehen war. Geschichtlich gesehen ist dieses Buch ebenfalls als ein wichtiges einzuordnen, denn es war, ebenso wie einige lyrische Werke, ein Grund dafür, dass Kästner durch die Nationalsozialisten zu den verbotenen Autoren gezählt und mit einem Veröffentlichungsverbot belegt wurde. Leider hat sich Kästner als Schriftsteller nie wieder davon erholt. Er hat zwar in der Folge weiterhin wundervolle Kinderbücher geschrieben, aber Literatur mit erhobenem Zeigefinger und mit Anspruch war von ihm nur noch selten bis gar nicht mehr zu lesen. Auch wenn es ein relativ versautes Buch ist, würde ich sogar so weit gehen zu sagen, dass dieses Buch einen Kästner in Hochform repräsentiert und Pflichtlektüre in den höheren Klassen der Schule sein sollte und das man gelesen haben muss.
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Der Gang vor die Hunde
Der Gang vor die Hunde von Erich Kästner (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 2013)
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