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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der schlampige Umgang mit der eigenen Geschichte,
Von Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Ach, Austria - verrücktes Alpenland: Eine Beobachtungsreise zu Österreichs Merkwürdigkeiten (Gebundene Ausgabe)
Die SPIEGEL-Journalistin Marion Kraske (und bis heuer Korrespondentin für Österreich und Südosteuropa - Standort Wien) hält in den 10 Kapiteln, in die ihr Buch gegliedert ist, Österreich und den Österreichern den Spiegel vor. Und was man da erblickt, ist vielfach keineswegs schön.Ausgehend von der Schönheit des Landes (die ja unbestreitbar vorhanden ist) - laut dem "Psychiater der Nation", Erwin Ringel, "die schöne Stube" - beschäftigt sich die Autorin vor allem mit dem "2. Zimmer": in ihm blühten "Absurditäten, Merkwürdigkeiten, Skurrilitäten". Die Autorin beschreibt etwa den Minderwertigkeitskomplex vieler Österreicher, teilweise begründet in der Geschichte (1918: "Der Rest ist Österreich") und sich ausdrückend vor allem im Sport ("W i r haben 1978 Deutschland in Cordoba geschlagen"); weiters den Alltagsrassismus und die Fremdenabwehr; die "Krankheit namens Europhobie" und die "rechten Rattenfänger und ihre Helfershelfer". Viel Raum nehmen die "Kärntner Verrücktheiten" ein (aktuell passend zu den diversen unsäglichen Peinlichkeiten rund um den 1. Todestag von Jörg Haider) sowie die "Kronenzeitung", vor der (fast) alle Politiker Angst haben - und die nicht (nur) ein Nachrichtenmedium sei, sondern die Politik (und Politiker) mache (und auch vernichte). Das wohl beschämendste Kapitel behandelt den Umgang der Österreicher mit der eigenen Vergangenheit: Jahrzehntelang wurde der Beitrag vieler Österreicher zum "Holocaust" ver - und geleugnet - "selektive Geschichtswahrnehmung" nennt das Marion Kraske. (Fast) nur Negatives über Österreich? Nein, ausdrücklich gelobt wird etwa das "Kunstrückgabegesetz" (hier ist Österreich Deutschland weit voraus!) Resistenz gegen Kritik, Harmoniebedürftigkeit und ungestörtes Wohlfühlen: etwas weniger davon würde vielen Österreichern nur guttun! Belegt sind Marion Kraskes Thesen mit vielen Zitaten (6 Seiten Literatur- und Quellenliste!) - das für mich treffendste stammt von Gerd Bacher, ehemals Generalintendant des ORF. Er attestiert dem Besitzer (und Macher) der "Kronenzeitung", Hans Dichand, "einen besonderen Geruchssinn für Massenausdünstungen." Marion Kraske hat ein sehr wichtiges, sehr interessantes, dabei leicht lesbares Buch geschrieben. Es darf (muss) allerdings befürchtet werden, dass das Buch nicht auf den österreichischen Bestsellerlisten landen wird! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Österreichs dunkle Seite,
Von Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Ach, Austria - verrücktes Alpenland: Eine Beobachtungsreise zu Österreichs Merkwürdigkeiten (Gebundene Ausgabe)
Für Touristen ist Österreich ein attraktives Land, Urlaubsidylle pur, mit Bergen, Seen, und Schneevergnügen, doch das ist nur die eine Seite der auch wirtschaftlich prosperierenden Alpenrepublik. Bis 2009 war Marion Kraske Spiegel-Korrespondentin in Wien und hat dabei wie im Sommer des Jahres 2007 bekanntlich auch ihre eigenen leidvollen Erfahrungen mit der anderen Seite der Republik und ihren Institutionen gemacht, wobei der betreffende Vorfall überraschenderweise nun doch keinen Eingang in das Werk gefunden hat. In "Ach Austria" zeigt sie dem interessierten Leserkreis all das wobei einem auf gut österreichisch schon einmal "ganz schirch" werden kann und mancher sich womöglich dabei ertappt reflexartig durch Widerspruch die "Ehre" des Landes retten zu wollen.Dabei bleibt Kraske angenehm sachlich und ist erfolgreich bemüht sich nicht dem Klischee der besserwisserischen Bundesdeutschen entsprechend in Szene zu setzen, denn sie trifft mit ihren Analysen schlicht ins Schwarze, bringt prägnant auf den Punkt worüber Österreichs Politikwissenschaftler und -journalisten eben auch angeregt diskutieren. So kann man beispielsweise manche Argumentationsansätze zu den Themen Rechtspopulismus und Rassismus auch in Reinhold Gärtners 2009 veröffentlichtem "Politik der Feindbilder" wiederfinden. Wüsste man nicht dass Frau Kraske Auslandskorrespondentin ist, man könnte sie problemlos für eine erfrischend präzise Innenpolitik-Journalistin halten. Allerdings bewiesen manche deutsche Tages- und Wochenzeitungen schon 2008 anlässlich der Nationalratswahlen und dem Erdrutschsieg des Dritten Lagers ein eindrucksvolles Verständnis österreichischer Innenpolitik, weit entfernt von der ressentimentüberladenen und nicht nur massiv überzogenen, sondern teils auch auf falschen Fakten beruhenden Berichterstattung diverser britischer Medien (so wurde im Daily Telgraph aus Jörg Haider mal schnell der Chef der FPÖ, während Strache zum Obmann eines ominösen Bündnisses für die Zukunft Österreichs erkoren wurde). "Ach Austria" merkt man an, dass seine Autorin sich intensiv und langwierig mit der österreichischen Politik und Gesellschaft auseinandergesetzt hat. Da zugleich durch keine Blattlinie an einen Kuschelkurs gegenüber bestimmten Parteien gebunden oder aus Kalkül es sich nicht mit manchen Herrschaften zu verscherzen, kann Kraske umso offener Punkte ansprechen, die hinter vorgehaltener Hand zwar oft genug für Diskussionsstoff und Empörung sorgen, offiziell aber nach Möglichkeit verdrängt werden. Da mit dem Jahr 2009 auch Kraskes Ära als Korrespondentin in Wien endet braucht sie zudem auch keine künftigen Kampagnen gegen ihre Person fürchten, auch wenn sie doch bloß als neutrale Beobachterin eine treffende Analyse zu Papier gebracht hat, die eben leider den Tatsachen entspricht. Couragiert wagt weiß Kraske zudem von ganz alltäglicher Fremdenfeindlichkeit (eben auch Deutschen gegenüber) zu berichten und liefert interessante Außenbetrachtungen eines Phänomens, dem gegenüber man sich anscheinend nicht kritisch äußern darf, will man nicht als "linkslink", "Gutmensch" und dergleichen deklassiert werden. In diesem Zusammenhang nennt Kraske insbesonders die Kronen Zeitung Hans Dichands als eine maßgebliche Kraft, die zur Verdammung jeglicher liberaler Standpunkte beigetragen hat und von der Autorin im Zusammenhang mit der Anti-EU-Kampagne als massiver Einflussfaktor auf den Euroskeptizismus der Österreicher genannt wird. Schuld daran ist allerdings auch die Doppelmoral der Bundespolitik, welche sich weigert für in den Ministerräten einstimmig beschlossene "EU-Gesetze" Verantwortung zu übernehmen oder eben ihr (S. 66) "Einknicken vor der öffentlichen Meinung, vor dem Heer der (EU)-Verdrossenen, die Anbiederung an eine kampagnenreitende, machtlüsterne Zeitung", denn "all das zeigt anschaulich, wie in Österreich (Europa)-Politik gemacht wird. Es ist Politik auf Leserbrief-Niveau." Kommt noch hinzu, dass Dichand sich ein fast schon weltweit einmaliges Erfolgsprodukt geschaffen hat, dass typischen "Bild" Zeitungsjournalismus mit einem politischen Missionierungsdrang kombiniert und das bei einer Reichweite von ca. 42 Prozent. Um Kraske hierzu zu zitieren (S. 179) "Das ist - nimmt man Fidel Castros Parteizeitung Granma oder andere Propagandatraktake in diktatorischen Regimen einmal aus - im weltweiten Vergleich nahezu unerreicht. Nur das kleine Luxemburg leistet sich mit dem 'für Wahrheit und Recht' schreibenden Luxemburger Wort eine vergleichsweise dominante Zeitung, auf einem allerdings wesentlich breitgefächerteren Tageszeitungsmarkt." Den Rest besorgt nämlich der vom Boulevard dominierte österreichische Zeitungsmarkt, der einerseits von einer beträchtlichen Medienkonzentration und andererseits wie im Falle des ORF eben von zunehmender politischer Einflussnahme geprägt ist. Unabhängigkeit und Kritik sind da klarerweise nicht erwünscht. Zum Tragen kommt darüber hinaus dass sich Kraske bewundernswerterweise auch mit der österreichischen Zeitgeschichte auseinandergesetzt hat und dadurch auf die Wurzeln mancher heute schlagend gewordener Probleme der Zweiten Republik schließen kann. Wie die Verdrängung dieser "Gescheiterten Republik" und ihrem Ende in der ständestaatlichen Diktatur. Dank dieses Hintergrundwissens wirft Kraske auch ein Schlaglicht auf den Sonderfall Kärnten, die Waldheim-Affäre und den Aufstieg der FPÖ. Möglich durch fehlende klare Distanzierung der Großparteien und eine (S. 81) "naiv anmutende Verharmlosung", die sie als Leitmotiv der österreichsichen Politik im Umgang mit den Rechten bezeichnet. Der Burgfrieden mit dem potentiellen Koalitionspartner geht realpolitisch über alles und wird höher eingeschätzt als der (S. 86) "Schutz der Staatsämter vor der Infiltrierung durch diskreditierte Politvertreter." Einen besonders heiklen und doch allgegenwärtigen Punkt spricht Kraske an, indem sie unter dem Titel "Korruption & Co" der wenngleich statistisch beschönigten, doch weit verbreiteten "Verhaberung" nachspürt und wohl selbst für überzeugte "Inländer" ärgerliches zu Tage fördert, bei dem man sich schon mal die Frage stellt "Quo vadis Austria?". "Von der Sinnlosigkeit des Kommentierens" weiß das letzte Kapitel "Ach Austria" schließlich zu berichten und beschäftigt sich mit den verstummten Kritikern der Republik, welche noch in den 90er-Jahren gegen die politische Situation anzuschreiben versuchten, mittlerweile aber weitgehend die Sinnlosigkeit ihres Tun erkannt haben wollen, ändert sich doch nichts und wiederholt sich das ganze doch nur wieder. Fazit: Scharfsinnige Analysen und klare Worte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
gut zu lesen, viel Hintergrund, aber........,
Von Esther (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ach, Austria - verrücktes Alpenland: Eine Beobachtungsreise zu Österreichs Merkwürdigkeiten (Gebundene Ausgabe)
Der "gewöhnliche" Tourist kennt Österreich aus einer ganz anderen Perspektive als die Autorin, die als Korrespondentin auch mit den (politischen) Schwergewichten zu tun hatte. Dass das Bild des Durchschnitts-Österreich-Reisenden einem Klischée entspricht, mag wohl stimmen. Das dürfte jedoch für jedes andere Land, in dem der Tourismus ein so wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, nicht anders sein. Im täglichen Leben des Bürgers zeigen sich Umstände, wie die Macht eines einzelnen Politikers, die Unfähigkeit einer Regierung, die Fremdenfeindlichkeit, die mächtige Position eines Mediums in der Zeitungslandschaft, das "Gutdenken" etc., in Österreich vielleicht ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern. Aber vorhanden sind sie überall.Der Leser erfäht in diesem Buch viel Hintergrund vorallem über die politischen Zusammenhänge, oft auch in Verbindung mit den historischen Begebenheiten. Auch in diesem Buch nimmt die Politik Kärnten's und seiner politischen Aushängeschilder ein Kapitel ein. Obwohl die Autorin den medialen Hipe darum negativ beurteilt, kommt auch sie offensichtlich nicht darum herum - aus welchen Gründen auch immer. Ist das nun schlecht oder gehört dieses Kapitel halt einfach dazu, weil es im Land doch auch etwas bewegt hat, in welcher Richtung auch immer? Eine Aussensicht ist nie schlecht - auch wenn sie weh tut. Für das hätte das Buch eigentlich 5 Sterne verdient: für den Spiegel, den es jedem Land vorhält. Dass sich die Autorin auf Österreich "eingeschossen" hat, dafür sind die 3 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Ach, Austria - verrücktes Alpenland: Eine Beobachtungsreise zu Österreichs Merkwürdigkeiten von Marion Kraske (Gebundene Ausgabe - 15. September 2009)
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