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38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Sprache der Gewalt im Alten Testament - kurze aber anregende Studie
Mit diesem Band wird ein Ende 2004 von Jan Assmann in Wien gehaltener Vortrag vorgelegt, der sich mit der Sprache der Gewalt im Alten Testament befasst. Das Problem, das erörtert wird, ist nicht die physische Gewalt, mit der der Monotheismus durchgesetzt wurde, sondern die Funktion des Themas Gewalt in den heiligen Texten (S. 22). Ein in Zeiten des sich auf die...
Veröffentlicht am 19. Februar 2007 von Sebastian Prignitz

versus
4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geistreich - aber nützlich, oder gar wahr?
Der Autor erläutert in diesem höchst interessanten Vortrag, dass "die Gewalt dem Monotheismus nicht als notwendige Konsequenz eingeschrieben ist." (S. 56) sowie dass "die Sprache der Gewalt dem politischen Druck entstammt, aus dem der Monotheismus gerade befreien will" (S. 56). Daraus folgert er, abschliessend: "Die Sprache der Gewalt, wird als eine Ressource im...
Veröffentlicht am 15. September 2011 von Sceptique500


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38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Sprache der Gewalt im Alten Testament - kurze aber anregende Studie, 19. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Band wird ein Ende 2004 von Jan Assmann in Wien gehaltener Vortrag vorgelegt, der sich mit der Sprache der Gewalt im Alten Testament befasst. Das Problem, das erörtert wird, ist nicht die physische Gewalt, mit der der Monotheismus durchgesetzt wurde, sondern die Funktion des Themas Gewalt in den heiligen Texten (S. 22). Ein in Zeiten des sich auf die Schrift berufenden djihad hochaktuelles und brisantes Thema, dessen sich Assmann aus historischer Perspektive annimmt.

Zunächst definiert Assmann den Monotheismus in seinen Erscheinungsformen. In Abgrenzung zu polytheistischen Religionen seien Judentum, Christentum und Islam exklusive Religionen, die zu gewalttätiger Abgrenzung gegen Andersgläubige auffordern, vor allem aber gegen andere im eigenen Einflussbereich. Der Grund sei die ihnen gemeinsame Devise "Keine anderen Götter!" Es folgt eine Analyse mehrerer Stellen des Alten Testaments, das Assmann als besonders eindrückliches Fallbeispiel für die Gewalt in monotheistischen Religionen dient. Schließlich bespricht Assmann drei dem Monotheismus eigene Phänomene: Performativer Schriftgebrauch, Martyrium und Konversion (S. 46ff.). Er beweist hier wieder einmal, wie er wichtige Gesichtspunkte seines Themas mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann.

Mehrfach sichert sich Assmann gegen Kritik ab, sein Begriff von Monotheismus sei ein "ahistorischer Popanz" (S. 25). Eigentlich ist das kleinformatige Büchlein, das nur 63 Seiten stark ist (der eigentliche Vortrag umfasst sogar nur 40 Seiten) eher eine Quellensammlung und Ergänzung zu zwei anderen Büchern von Assmann, nämlich "Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus" (2000) und "Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur" von 2001. Das ist kein Vorwurf. Aufgrund der für den Verfasser typischen Prägnanz und pointierten Textauswertung ist das Buch ohne weiteres für sich allein verständlich.

Das Vorwort, offensichtlich von einem Kulturpolitiker geschrieben, der in etwas übertriebener Weise auf political correctness bedacht ist, hätte man sich sparen können. Stattdessen wünscht man sich eine Erweiterung der Untersuchung beispielsweise auf den Koran und das Neue Testament. Nichtsdestotrotz ist es das Verdienst des Verlages, eine bedeutsame kulturtheoretische Schrift herausgebracht zu haben, die zur Anschaffung sehr empfohlen werden kann.
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum ist die Bibel voller Gewalt?, 28. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
"Die Sprache der Gewalt in den heiligen Schriften der Juden, Christen, Muslime und vieler anderer auf einen exklusiven Wahrheitsbegriff gegründeter Religion ist ein Phänomen, das zunächst einmal jenseits aller Kritik und Polemik verstanden werden will und das umso mehr, als, wie gesagt, die heutige Welt in bislang unbekanntem und von niemanden vorhergesehenem Umfang von Gewalt heimgesucht wird, die sich auf Gott und die heiligen Schriften beruft" (20).

In seinem Vortrag "Monotheismus und die Sprache der Gewalt", den der Ägyptologe und Kulturtheoretiker 2006 im Wieder Rathaus gehalten hat, analysiert Jan Assmann, wie die Gewaltexzesse in Alten und Neuen Testament zu interpretieren sind. Assmanns These ist, "dass sich die monotheistische Gewalt vor allem nach innen wendet und nicht nacht außen" (40). Die zahlreichen Massaker, die vor allem die Tora, also die ersten fünf Bücher Mose, durchziehen, seien nicht als Aufruf zu Gewalt gegen Andersgläubige, sondern vielmehr metaphorisch gegen Abweichler in den eigenen Reihen zu verstehen. Die Radikalität lasse sich aus der historischen Ausnahmesituation der jüdischen Gefangenschaft in Ägypten verstehen, die es unbedingt notwendig machte, die jüdische Identität mit allen Mitteln zu bewahren.

Das Problem sei aber, dass dieses ursprüngliche Bedeutungsschema im heutigen kulturellen Gedächtnis kaum mehr eine Rolle spiele, so dass die Gewaltszenen nun als Rechtfertigung zur Gewalt gegenüber Andersgläubigen herangezogen werden: "Die Sprache der Gewalt wird als eine Ressource im politischen Machtkampf missbraucht" (60) schlussfolgert Assmann. Daher sei es so wichtig, die historische Entwicklung dieser Texte nachzuvollziehen und sich bewusst zu machen.

Fazit: Nach seinen beiden Darstellungen "Moses der Ägypter" und "Die Mosaische Unterscheidung" ist Assmann heftig kritisiert worden. Er habe den monotheistischen Religionen den Krieg erklärt, hieß es des Öfteren. Dieser Vorwurf lässt sich hier nicht erneuern. Sachlich und präzise analysiert er die gewalttätige Sprache der Bibel und rekonstruiert ihren historischen Entwicklungsprozess. Dank der Kürze ist die Darstellung für jeden an der Thematik Interessierten zu empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine notwendige Darstellung, 28. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mal abgesehen davon, dass das schmale Bändchen einen wahren Orkan von Kontroversen ausgelöst hat - auf den immanenten Zusammenhang zwischen Gewalt und Monotheismus hinzuweisen, war eine weniger kühne als vielmehr höchst notwendige Tat. Und der Autor ist glücklicherweise renommierter Wissenschafter genug, als dass man Versuche, ihn ins polemische Eck zu stellen, ernst nehmen dürfte.

Natürlich sind es nicht die (legendären) Stifter der Religionen, die zu Gewalt aufrufen oder selber tendiert haben, aber es liegt - das eben die Kernbotschaft - im Wesen des Alleinstellungsanspruchs einer Gottheit, dass Menschen, die sich die Sache dieser Religionsausprägung zu eigen machen, zu gewaltsamer Überzeugungsarbeit tendieren. Da nützt es auch nichts, dass sich in allen diesen heiligen Schriften auch Passagen zu Friede, Toleranz und Koexistenz finden. Denn daneben stehen die sattsam bekannten und oftmals zitierten Gewaltexzesse. Beides kann man so oder so interpretieren, keine Interpretation steht aber für den Geist der jeweiligen Religion - der ist die Summe der Dummköpfe, die ihr folgen, denn die Klugen setzen sich bei sowas bekanntlich nie durch.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Am Anfang war das Wort." (Joh 1,1), 11. Mai 2008
Von 
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
"Am Anfang war das Wort." (Joh 1,1)

Assmann (1938-) bezieht sich auf die Zielsetzung der bekannten Wiener Vorlesungsreihe im Rathaus, nämlich Bedingungshorizonte des Historischen mit der Gegenwart zu konfrontieren. So folgt seine Vorlesung der Erkenntnis, dass die Wirklichkeit des Menschen aus diskursiven Elementen besteht. Fakt und Diskurs sind die Elemente der sprachlichen Gewalt und ihre Auswirkungen in der Tat. Beiden entgegengesetzt wird die kulturelle Notwendigkeit der Zurückdrängung gefordert.

Zunächst mag es in Hinblick auf die conditio humana beruhigen, dass Gewaltanwendung durch sprachliche Exzesse vorbereitet sein will. Prediger und Ideologen, Wissenschaftler und Publizisten müssen das Terrain vorbereiten in Anerkennung des historischen Befundes über die Verbindung von Sprachgewalt und Tatgewalt. Jüngste Zeugnisse, sei es die Gefangenenlager auf Kuba oder die Ermordung des niederländischen Filmemachers, untersteichen diese Botschaft. Auch sind wir Zeugen einer Entwicklung in den abrahamitischen Religionen in Richtung eines neuen Fundamentalismus. "Diese Religionen haben zugleich mit der Wahrheit, die sie verkünden, auch ein gegenüber, das sie bekämpfen", so Assmann. Und doch ist festzustellen, in welchem historischen Kontext die uns heute als überflüssig erscheinende Sprache der Gewalt in den Texten der Bücher Moses ihre Begründung findet.

Assmann ist Ägyptologe und insofern eng mit der Geschichte des Landes vertraut. Der Auszug aus Ägypten, so Assmann, löschte jede Beziehung zur vorhergehenden Väterzeit aus, die Offenbarung des Gesetzes am Sinai ist ein totaler Neubeginn. Die Kultur im Gegensatz zur Natur erzeugt in dem, was ihre Selbstwahrnehmung, ihre narrative Selbstinszenierung und vor allem ihre Erinnerung angeht, Sprünge. In diesen Sprüngen sieht Assmann den Schlüssel zu dem Problem. Sprache und Gewalt betrachtet er als kultur-historische Reflexion, als kulturelle Semantik, in der die großen Erzählungen die Kultur geschichtlich bestimmen und die Leitunterscheidungen artikulieren. Es geht somit nicht um die gewaltsame Durchsetzung des Monotheismus, sondern vielmehr darum: "Warum wurde seine Durchsetzung in der Sprache der Gewalt dargestellt und erinnert"?

So bleibt eine geschichtliche Entwicklung der Sprache in ihrer Absicht eine Entwicklung der Begriffe und ihrer Bedeutung. Ist Monotheismus nicht gar ein Reifezustand des Polytheismus? Alle Götter sind Eins. Oder: Keine anderen Götter aus Gott! Doch in beiden Fällen tritt das Zeichen des Einen auf, damit eine Abgrenzung einer Gruppe zu anderen. Die Bibel (Ex, Dt, Num, Makk) zeigt, dass in Bezug auf die Zugehörigkeit zur Gruppe der Machtaspekt im Sinne der Gewalt am intensivsten auftreten muss. Der Zusammenhalt erzeugt die Kongruenz von Ich und Wir und lässt ein wahres Du erst zu, wenn die Einheit gegeben ist. Und doch muss diese Einheit immer wieder bewiesen werden im Sinne der Erinnerung. Der Auszug aus Ägypten ist damit nicht mehr als eine Konversion in eine neue Offenbarung, die immerwährend ist, da der Ursprung nicht vergessen wird. Im Gegensatz zur Assimilation, die das völlige, erinnerungsfreie Eintreten in eine neue Kultur meint, ist der Konvertit gebunden an seine Vergangenheit und diese erinnert ihn immer wieder an die neue, freie eigene Entscheidung eines kulturellen Wechsels. In Folge dieser Erinnerung wird die gewaltbereite Sprache zur Sicherung des assyrischen Königreichs verwand in den Büchern Moses und sie hat genau dort ihre geschichtliche Ortung und in diesem Kontext ihre Bedeutung. Ein Transfer in die Gegenwart und deren Interpretation ohne psycho-historischen Kontext verwässert und wird damit selbst zu einem Spiel der Sprache zur Untermauerung der subjektiven Wahrheit. Eifer, Eifersucht, Liebe, Gnade sind die Aspekte, die den Gedanken und die Notwendigkeit einer gewaltigen Sprache untermauern. Die Chiffre Kanaan wird in Verbindung mit Gewalt zum Zweck einer Einheit. In dieser Einheit gedeihen Liebe und Gnade unter Einhaltung von Recht und Gesetz. Zwischen Recht und Religion wurde nicht unterschieden, wie man in den Makkabäerbüchern nachlesen kann, genau wie auch die Frage des Martyriums sich dort darstellt als ein Sterben für das Gesetz. Es meint damit, das ein Leben dem Gesetz gemäß gefordert ist und da mit der Schrift die Monotheismen zur Buchreligion geworden sind, dieses Gesetz der Schrift im Leben als Gebot gilt. Ein exklusiver Monotheismus (Keine anderen Götter) ist als gesellschaftliche Konversion im Alten Testament wie eine kulturelle Metamorphose, ein Sprung in eine komplett neue Existenzform. Sich Gott als monos theos vorzustellen, heißt ihn in eine Einsamkeit, in ein Alleinsein zu setzen, was nur als Spiegelbild einer gesteigerten Subjektivität unter anthropologischen Gesichtspunkten zu sehen ist. Diese Subjektivität zeigt sich im Begriff der Reue, die in anderen Religionen nicht bekannt ist. Reue ist Konversion mit Rückkehr. Konversion wie Reue bedürfen einer negativen Selbsterkenntnis in Anerkennung der Gesetze und befähigen zur Hinwendung bzw. Umkehr. Sie betreffen den inneren Menschen.

Wahr und falsch sind auch im digitalen wie globalen Zeitalter von Bedeutung. Den kulturellen Sprung der Antike beweist die Thora und der Monotheismus. Er zeigt auch, dass die Unterscheidung von wahr und falsch nicht gewalttätig ist. Sprachliche Gewalt entspringt politischem Druck, in der Zeit der Assyrer oder heute, es geht um den Sprung aus dem Alten ins Neue. Nicht Gläubige sondern Fundamentalisten werden vom semantischen Dynamit alter Texte entzündet. Wem es um politische Macht geht, bedient sich sprachlicher Gewaltmotive. Feindbilder, Angstmotive, Bedrohungsbewusstsein sind Mittel, die Massen hinter sich zu bringen. Die alten Motive sind zu historisieren und bei deren Ursprung zu belassen. Die Motive des war on terror und deren Maßnahme können reflektiert werden, in dem man die Genese des Historischen aufdeckt und in ihrer Geltung einschränkt. Monotheismus nach Assmann ist damit nicht ursächlich für die Gewalt, vielmehr zeigt er, dass die kulturelle Konversion in den exklusiven Monotheismus den einzelnen Menschen vom politischen Druck befreit.

Assmanns kulturtheoretischer Ansatz ist sehr zu empfehlen, erweitert er deutlich die Diskussion um Sprache und Gewalt in der Bibel um einen sachdienlichen Beitrag und reduziert die vorurteilsbezogenen subjektiven Sichtweisen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geistreich - aber nützlich, oder gar wahr?, 15. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
Der Autor erläutert in diesem höchst interessanten Vortrag, dass "die Gewalt dem Monotheismus nicht als notwendige Konsequenz eingeschrieben ist." (S. 56) sowie dass "die Sprache der Gewalt dem politischen Druck entstammt, aus dem der Monotheismus gerade befreien will" (S. 56). Daraus folgert er, abschliessend: "Die Sprache der Gewalt, wird als eine Ressource im politischen Machtkampf missbraucht (...). Daher kommt est darauf han, die Motive zu historisieren, indem man sie in ihre Ursprungssituation zurückführt." (S. 57).

Das ist sicher richtig, und die "historisierenden" Erläuterungen im Vortrag sind ein geistreicher Beitrag zu einer plausiblen Entstehungsgeschichte der monotheistischen Semantik. Leider ist Geschichte aber nur Rohmaterial; man könnte sagen: ein Müllhaufen, worin jeder nach Belieben nach Ideen und Weltanschauungen wühlt. Daraus wird eine imaginäre Welt konstruiert, die mit der Vergangenheit eine gewisse Ähnlichkeit haben mag, oder auch nicht. Schaut euch den Begriff "ground zero" an: 1945 bezeichnete dieser Begriff Hiroshima, und potentiell eine amerikanische Schande. Dieser Begriff wurd nun auf die beiden WTT angewandt, und als Symbol unschuldigen amerikanischen Leidens umgepolt The War Complex: World War II in Our Time. Proximität ist nie automatisch Kausalität.

Die Feststellung des Historikers "so war es damals nicht" dürfte in der politischen Auseinandersetzung wenig Gewicht tragen (das bewiest der Streit um des Propheten Bart betr. des Begriffs "djihad" - den gewisse Zeloten kämpferisch, statt eifernd, deuten). Übrigens all dies hatte Dostojevski bereits Jesus durch den Grossen Inquisitor sagen lassen. Als "historisierender" Vortrag ist somit der Text interessant. Was man damit praktisch machen kann, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Und ich will nicht davon sprechen, dass für den monotheistischen Gläubiger die Schrift göttlichen Ursprungs ist - mit Historizität hat für sie das Wort Gottes schon gar nichts zu tun. Eine "historische" Auslegung würde nicht zur Kenntnis genommen, so wie z.B. die katholische Kirche die Tatsache nicht war haben will, dass die "Jungfrau" Maria auf ein Übersetzungsfehler eines Textes von Isaiah zurückzuführen ist.

Der Autor scheut das Wort "Monolatrie" bis zum Schluss, und reiht somit die traditionelle jüdische Religion unter den Monotheismen ein. Da bin ich nicht einverstanden. Die "Eifersucht" Gottes (S. 33) lässt sich nur und ausschliesslich aus der Sicht der Monolathrie verstehen, wo es unter Göttern eine rege Konkurrenz gibt. Die Dreifaltigkeit und Allah sind nicht eifersüchtig, weil sie eben keine Konkurrenz haben. Gleichstellung der drei Religionen ist umsomehr problematisch, als der Judaismus die Offenbarung Gottes an den mythischen Anfang stellt - Gott zieht sich darnach allmählich aus dem Geschäft zurück - während die beiden anderen Monotheismen die Präsenz Gottes (oder seines Stellvertreters) in die damalige historische Gegenwart stellten. Das ist eine Umkehrung des Modells - dafür wäre eine Erklärung nötig. Und da ich gerade dabei bin: Die Jüdische Religion hat klare tribale Grenzen, und Bekehrungen wurden still behandelt (siehe Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand). Die beiden anderen Monotheismen hingegen stellten, im Gegensatz dazu, den universellen Charakter ihrer Religion im Mittelpunkt. Zu diesen beiden zentralen Punkten gibt der Autor keine Antwort - und der Text muss deshalb als "unvollständig" taxiert werden.

Die Glaubwürdigkeitsfrage des Buches hat mit dem Begriff "historisieren" zu tun. Sachliche Kausalzusammenhänge in der Geschichte festzustellen ist schwierig genug. In der Kulturgeschichte ist dies rundweg unmöglich. Es handelt sich dabei durchwegs um persöhnlich-subjektive Konstrukte, die dann von Zeitgenossen übernommen und legitimiert, dann bei jeder Generation neu vertanden, angereichtert, verdreht, zensuriert wurden - da kann man Alles und dessen Gegenteil behaupten - solang's nur geistreich ist. Kommt dazu, dass Kultur keine Grenzen kennt und bei ihren Wanderungen keine feststellbare Markierungen hinterlässt. Plausibilität ist das beste, was man so machen kann. Menschen sind dazu veranlagt oder verdammt, einander Geschichten zu erzählen. Aber auch schöne, oder plausible Geschichten haben nicht notwendigerweise Wahrheitsgehalt, und verdienen den Rang "Historisierung" nicht.

Wieso die jüdische Monolatrie entstand? Hier meine Hypothese. Palestina wurde von Gruppen besiedelt, die aus der Kanaanischen Ebene allmählich in die benachbarten Hügeln zogen, nachdem sie die nötigen Überlebenstechnologien entwickelt hatten (Archeologen würden dies für durchaus möglich halten). Weil es sich hier um Gruppen, und nicht Sippen gehandelt haben mag, wurde ein kultureller, anstatt eines genetischen, Kitt entwickelt, der das Gruppen-Mosaik zum Volk machte. Mehr braucht's eigentlich nicht, davon kann man das Meiste ableiten. Ob die aegyptische" Erfahrung direkt, indirekt (durch generelle kuturelle Diffusion), partiell war - oder ganz erfunden: Das kann man alles getrost beiseite legen.

"Natura non facit saltus" sowie "cultura facit saltus" (übrigens die kanonische Leibnitzer Formula sagt "saltum"): Dieser Gegensatz wird dem Vortrag zugrunde gelegt. Der erste Text stammt aus pre-evolutionärer Zeit, und ist, heute gesehen, evolutionsgeschichtlich problematisch. Es stimmt, dass der natürliche Anpassungsprozess an die Umwelt allmählich erfolgt. Die Änderung der (mir dem Anpassungsprozess dialektisch wirkenden) Umwelt selbst kann aber brutal rasch erfolgen: Kommt ein Meteorit daher, und schon sind abends alle Dinosaurier weg. Derartige Dissonanzen oder "Sprünge" erlauben uns, die geologische Vergangenheit zu unterteilen.

"Cultura facit saltum". Was die Kultur anbelangt: da gibt's einfach Alles. Gewisse fundamentale Änderungen erfolgen unmerklich langsam und sogar unbewusst, so bei Familiensysthemen, oder in der Bevölkerungsdynamik (Die allgemeine Lese- und Schreibefähigkeit dürfte zu den fundamentalsten Errungenschaften der Menschheit gehören. In Vergleich ist die von Braudel als "histoire évenimentielle" Geschichte reine Makulatur. Jedermann weiss, wann Amerika entdeckt wurde. Wer weiss, wann ungefähr sich in seinem Land diese Fähigkeit durchgesetzt hat?) In anderen Fällen geht's rasant - Manien gibt es nicht nur an der Börse. Die Festellung ist somit inhaltsleer. Zentral ist überdies, dass es sich hier unweigerlich um Rezeptionsgeschichte handelt; auf Rezeption können Gesetze der Geschichtsschreibung nicht einfach extrapoliert werden, denn dort is alles subjektiv (jeder rezipiert im stillen Kämmerlein).

"Das umstürzend Neue aus dem exklusiven Monotheismus ist, dass er nicht nur Sache des Kults und vielleicht auch des allgemeinen Weltverhältnisses ist, sondern die gesamte Lebensführung (...) regeln will." (S. 46). So umstürzend neu ist dies auch wieder nicht: Schon bevor 1000 v.Ch. hatte das chinesische Weltbild echt ethische Regeln für Jedenmann - ohne Monotheismus.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jeder der an Gott glaubt sollte dieses Buch lesen, 6. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sehr gute und bildhaft dargestellte Erklärung des monotheistischen Fehlglaubens. Sehr logisch und leicht nachzuvollziehende Interpretationd, der der von den Juden angebeteten assyrischen Besatzungsgesetzte, welche dann die Grundlage für die christliche und moslimische Religion wurden. Sehr empfelenswert!!
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Titel verspricht mehr als drin ist, 12. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
Der Titel klingt nach einem umfassenden Werk, während es sich hier um ein dünnes Büchlein handelt. Ich habe mir etwas mehr erwartet als eine Art Kommentar und die weitgehende Beschränkung auf das Christentum.
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3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klein aber Fein, 2. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
Dieses kleinformatige Buch von Jan Assmann ist eine erweiterte Ergänzung zu einem Vortrag in Wien über die Gewaltsprache des Alten Testament und dem Monotheismus.

Spannende Ansichten eines interessanten Wissenschaftlers!
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2 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nicht überzeugend, 25. August 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Monotheismus und die Sprache der Gewalt (Gebundene Ausgabe)
habe Jan Assmann mal im Fernsehen in einer Talkshow gesehen, wo er über das Thema was sagte und sein Buch vorstellte.

Hätte danach das Buch nicht mehr kaufen müssen, alles was er in fünf Minuten Sendezeit von sich gegeben hat, steht auch in diesem 62 Seiten Büchlein. Es wird nur noch wiedergekäut.

Nicht empfehlenswert, gibt darüber bessere Bücher mit mehr Tiefgang.
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Monotheismus und die Sprache der Gewalt
Monotheismus und die Sprache der Gewalt von Jan Assmann (Gebundene Ausgabe - 1. Januar 2006)
EUR 8,90
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