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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Totschlag-Ideologem instrumentalisiert, 25. Mai 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: "Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument (Broschiert)
Moshe Zuckermann verarbeitet essayistisch überwiegend Presseberichte und Interneteinträge.
Die Shoah sei für fremdbestimmte Belange instrumentalisiert worden. Als Beispiel dafür interpretiert er die Rede von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vom 24. September 2009 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Ein weiteres Beispiel sei der Außenminister Lieberman, den Zuckermann einen faschistisch getriebenen Rassisten nennt, der das Andenken der Shoah zum Spielball fremdbestimmter politischer Interessen entarten lässt. Als drittes Beispiel analysiert und zerpflückt Zuckermann die Rede vom 27.1. 2010 anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages vom israelischen Staatspräsidenten Peres vor dem deutschen Bundestag.

Ausführlich beleuchtet er das Verhalten der Siedler im Westjordanland.

Dann nimmt Zuckermann sich die ganze Ausgabe der Zeitung Haaretz vom 7. März 2010 vor, um über Israels politische Kultur nachzudenken. Sein Fazit: eine wirkliche Linke hat es in Israel noch nicht gegeben. "Shoah" und "Antisemitismus" seien degeneriert zum Instrument der Abwehr aller Kritik an Israel.
Argumentiert Zuckermann hier wie Martin Walser in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels? Walser sei auf Provokation und nicht auf kritische Reflexion aus gewesen. Heute würde er jedoch unverhohlen des Antisemitismus beschuldigt werden, wenn er die gleiche Rede hielte.
Im weiteren diskutiert Zuckermann das Verhältnis von SPD, Grünen, Linken und den 68ern zum "linken Antisemitismus", der Gretchenfrage, wie man es mit Israel halte. Es dürften Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik nicht zusammengeworfen werden.

Eine Rede von Bundeskanzlerin Merkel aus dem März 2008 vor der Knesset wird analysiert (entweder sei sie subversiv oder zynisch); ein Artikel Elie Wiesels aus amerikanischen Zeitungen vom 16. April 2010 kommentiert (kitschig-emotional). Beiden sei gemein: wer sie dafür angreife, gelte als "Antisemit".

Ausführlicher geht Moshe Zuckermann auf ein Ereignis vom 25.10. 2009 in Hamburg ein, bei dem der Film "Warum Israel" von Claude Lanzmann nicht gezeigt werden konnte. Lag hier Antisemitismus vor?
Am Beispiel der Ausladung von Norman Finkelstein von einem israelkritischen Vortrag diskutiert der Autor den Begriff des "jüdischen Antisemiten" oder des "selbsthassenden Juden". Soll damit Kritik unterdrückt werden?

Fazit des gesamten Buches: der Antisemitismus-Vorwurf diene manchmal als Herrschaftsinstrument und solle Kritik an der realen Politik Israels abblocken.

Wer Netanjahus heutige Rede vor dem amerikanischen Kongress besser einordnen können will, sollte zu diesem Buch greifen.
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen IDEOLOGIEKRITIK MIT AKTUELLEN BEZÜGEN, 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: "Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument (Broschiert)
Idelogiekritik mit aktuellen Bezügen

Dieses Buch über den Antisemitismus als Herrschaftinstrument in Israel und Deutschland verbindet scharfsichtige Analyse mit aufklärerischer Leidenschaft, ganz im Sinne des Diktums von Jean Améry, dass Aufkärung ihrer Aufgabe nur dann gerecht werden kann, wenn sie sich mit Leidenschaft ans Werk macht.

In der Vorbemerkung zu seinem Buch "'Antisemit!' : Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument" legt Moshe Zuckermann dar, dass die Beschreibbarkeit, Analysierbarkeit und Präzisierung des Antisemitismusproblems aus seiner sozialen Einbettung resultieren. In Anlehnung an Max Horkheimer ist ihm das Insistieren auf Erkenntnis wichtig, damit die mit der geistigen Kapitulation vor den Antisemiten einhergehende Banalisierung des Grauens und der trivialisierende Umgang mit der Monstrosität der Shoah nicht um sich greifen. Denn: "Noch nie sind 'Shoah', 'Antisemitismus', 'Juden' und 'Judenhasser' so vollmundig zelebriert und mit Genuss öffentlich gefaucht worden."
Nachdem Norman G. Finkelstein den Antisemitismus als politische Waffe in Israel und Amerika entlarvt hat, stellt Zuckermann Israel und Deutschland in den Focus seiner Aufmerksamkeit, wobei die USA und Österreich, wo sinnvoll, miteinbezogen werden.

Die jeweils gut achtzigseitigen Ausführungen über den Antisemitismus in den beiden Ländern sind strukturell ähnlich angelegt. Nach grundlegenden Erörterungen folgt ihre Exemplifikation durch Einzelbeispiele aus dem politischen Leben der Jahre 2008 bis 2010, die das Thema durch ihre Nähe zum Zeitgeist weiter erhellen und amplifizieren.

Sehr empfehlenswert für alle, die sich für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel interessieren.

Rainer Kessler

Moshe Zuckermann, "Antisemit!" : Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument, Wien : Promedia 2010, ISBN 978-3-85371-1, br., 208 S., 15,90 Euro, 29,00 sFr.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Differenzierte und kompetente Aufsätze, 9. Dezember 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: "Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument (Broschiert)
Der Sohn polnischer Holocaust- Überlebender Moshe Zuckerman entschloss sich mit 20 Jahren, seinen zehnjährigen Aufenthalt in Deutschland zu beenden und wieder nach Israel zurückzukehren, wo er 1949 in Tel Aviv geboren war. Dort avancierte der mittlerweile in seiner Geburtsstadt als Professor für Geschichte und Philosophie lehrende Wissenschaftler zu einem bekannten, profunden und deswegen auch anerkannten Kritiker der israelischen Politik. Er ist ein engagierter Vertreter der Zwei-Staaten-Lösung, mit der er glaubt, dass der schon Jahrzehnte andauernde und den Weltfrieden bedrohende israelisch-palästinensische Konflikt befriedet und gelöst werden kann.

Sein 2009 erschienenes Buch "Sechzig Jahre Israel. Die Genesis einer politischen Krise des Zionismus" wurde nicht nur in Israel sehr beachtet und diskutiert.

In dem hier vorliegenden Buch befasst er sich mit der Geschichte des Antisemitismusvorwurfs als Herrschaftsinstrument. Er konstatiert, dass die Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als Parole im vermeintlichen Kampf gegen Antisemitismus "in eine fürchterliche Epidemie umgeschlagen ist". Dieses Instrument sei schon lange zu einem ideologischen Totschlagargument politisch-moralischer Gutmenschen geworden.

Man muss es erklären, um genau verstehen zu können, was da in der Debatte abgeht. Denn: "Zu viel steht auf dem Spiel. Zu desaströs sind die Auswirkungen dieser Epidemie auf vernunftgesteuerte, emanzipative Bestrebungen der Gegenwart. Zu offensichtlich kommen gerade jene zu Schaden, die die historisch Verfolgten und ihre Nachkommen 'beschützen' wollen - freilich nicht zuletzt durch das Selbstversschulden derer, die sich im Wohlgefühl einer Solidarität ausruhen, die keine ist und ihrem Wesen nach auch keine sein kann."

Diese differenzierten und kompetenten Aufsätze sind eine Pflichtlektüre für alle, die sich vielleicht schon sehr lange mit dem Antisemitismus, aber auch mit dem Staat Israel, und dem Konflikt zwischen Juden und Palästinensern auseinandersetzen. Auch die immer wieder entlang dieser Muster aufflammenden Debatten in Deutschland kann man nach der Lektüre diese Buches besser einordnen.
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"Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument
"Antisemit!": Vorwurf als Herrschaftsinstrument von Moshe Zuckermann (Broschiert - 5. Oktober 2010)
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