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Kundenrezensionen

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am 17. Februar 2010
"Aber ich hätte nie gedacht, dass man so fallen konnte, so tief, dass man neben sich steht und sich fallen sieht, so tief, dass einem klar wird, man kommt nie wieder zurück..."

Dieser Satz würde die Grundstimmung des Romans wohl sehr gut beschreiben, wäre da nicht der immer wieder aufkeimende Wunsch des Kai Samwebers zu leben, zu lieben, etwas zu spüren, der dessen unaufhaltbaren Untergang entgegenwirkt.

Der Autor verwendet eine milieuhafte Sprache, die es einem ermöglicht, ganz in die Welt des 'frischgebackenen' Drogenkuriers einzutauchen. Wenn ich auch einige Seiten gebraucht habe, bis ich mich an diese Sprache gewöhnt hatte, finden darin eine verkappte Kindheit, der Hass auf Nazis, der Verrat von Freundschaft, das Unverständnis für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten ihren Platz. Das sind nur einige Themen, die in diesem Roman behandelt werden.

"Man Down" ist ein spannendes Buch, das man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand geben will. Selten hat mich ein Buch mit dem (oberflächlich betrachteten) Hauptthema 'Drogen' so berührt, weil der Autor eine mir fremde Welt (Drogen, Kriminalität) mit dem mir und wohl jedem Menschen bekannten Wunsch nach Leben und Lieben verbindet.
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am 17. März 2010
*** Kurzinhalt ***
Schöne neue kaputte Welt? Das fällte einem spontan ein, wenn man Man Down zu lesen beginnt. Kai ist/war Dachdecker und ist durch einen unglücklichen Unfall arbeitsunfähig geworden. Und was macht man wenn man zuviel Zeit hat, weil keiner einem einen Job und damit eine Chance geben will? Richtig, man greift zu Alkohol und Drogen. Und nicht nur das: Weil er bei den Brüdern seines Kumpels Shane sehr viele Schulden hat, spielt Kai auch noch den Drogenkurier. Er steht am Abgrund und könnte tiefer nicht mehr fallen.
Einziger Hoffnungsschimmer ist Marion, sie ist seine Traumfrau und die beiden werden ein Paar. Wird jetzt alles vielleicht gut ... oder kommt es doch ganz anders. Ein Buch, wie es das wahre Leben schreibt.

*** Stil und Sprache ***
Der Schreibstil von André Pilz ist recht gewöhnungsbedürftig. Er ist sehr direkt und ehrlich und spart auch nicht an Kraft- und Schimpfausdrücken.
Dadurch dass der Roman in Ich-Perspektive geschrieben ist, kann man sich viel leichter mit Kai identifizieren. Man kann ihm nachfühlen, entwickelt aber nicht unbedingt eine Art Mitleid, auch wenn man ihm natürlich am liebsten helfen möchte.
Zwischen den verschiedenen Abschnitten finden sich immer wieder Absätze in Kursivschrift. Es handelt sich dabei [wie man später erst herausfindet] um Briefe, die Kai an seinen verstorbenen Bruder schreibt, um Dampf abzulassen. Manch einer schreibt Tagebuch, Kai schreibt eben Briefe, die er nie abschickt.

*** Figuren ***
Protagonist Kai hat es wirklich schwer: Kein Job, seine Bleibe ist die reinste Bruchbude, und um sich über Wasser halten zu können, "hilft" er beim Verticken von Drogen. Sein Kumpel Shane ist da auch nicht gerade besser. Seine Brüder haben Kai Geld geliehen und wenn sie das nicht zurückbekommen, dann wird"s ungemütlich. Einziger Lichtblick ist Burcak, eine kluge, selbstbewusste junge Türkin, mit der Kai und Shane befreundet sind. Sie will Kai helfen, doch er lehnt ab, schließlich will er es alleine schaffen und nicht mehr von anderen abhängig sein. Als Marion in Kais Leben tritt, geht für ihn die Sonne auf. Sie wird seine große Liebe und die beiden ein Herz und eine Seele. Doch es ist kein Happy End vorgesehen.
Alle Figuren sind durchgehen glaubhaft dargestellt und scheinen, als könnten sie tatsächlich so existieren.

*** Persönliche Meinung ***
Dieses Buch ist anders, es ist gnadenlos ehrlich und neigt nicht zur Schönmalerei. Es wird dem Leser vor Augen geführt, wie ein einzelnes Schicksal stellvertretend für eine ganze Gesellschaftsschicht steht. Trotz dass der Roman manchmal ein wenig arg deprimierend oder gar depressiv wirkte, ist er eine einzigartige Bereicherung des Buchmarktes.
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am 21. Februar 2010
...ich habe manchmal solche Angst, dass ich mir wünsche, ich wäre tot, damit die Angst ein Ende hat. Damit nur diese verdammte Angst ein Ende hat... (S.20)

Kai Samweber ist nach einem schweren Arbeitsunfall erfolglos auf Arbeitssuche.
Seine Wohnung ist ein Drecksloch, in der niemand freiwillig leben würde.
Einzig seine Flucht in Alkohol und Drogen hilft ihm, dem menschenunwürdigen Alltag zu entkommen, wenn auch immer nur für kurze Zeit.
Selbst kann er sich nicht mehr finanzieren, daher ist er auf seinen Kumpel Shane angewiesen. Er versorgt ihn mit den nötigen Substanzen, um sein Leben kurzzeitig erträglicher zu machen.
Da dies aber auch nicht ausreicht, macht er zusätzlich noch Schulden bei Shanes Brüdern.
Zurückzahlen wollte er die Schulden mit seinem Gehalt, welches zu diesem Zeitpunkt immer noch aussteht, aber ihm von seinem ehemaligen Arbeitgeber 'bei seiner Ehre' zugesichert wurde.
Aber wie könnte es anders sein, natürlich geht auch dieser Plan nicht auf.
Shane verschafft ihm aber eine Möglichkeit, seine Schulden doch nicht abzuzahlen...

Ein kleiner Lichtblick taucht auf, als er Marion kennen lernt. Er spürt gleich, dass sie die Frau aller Frauen ist, seine Traumfrau.
Aber auch sie hat eine tragische Lebensgeschichte und so scheint das kurze Gefühl des vollkommenen Glücks auch hier gefährdet.

Andre Pilz hält uns in diesem Buch den Spiegel vor.
Kai ist genau das, wovor sich fast jeder fürchten muss. Eine Existenz am Rande der Gesellschaft.
Jeder kann heute von Arbeitslosigkeit betroffen sein und nicht jeder bringt die Kraft auf, um sich selbst aus diesem Loch der Verzweiflung und Perspektivlosigkeit wieder rauszuziehen.

Die Sprache der Personen im Buch ist authentisch; hart, direkt, schonungslos, auf den Punkt.
Alles andere hätte die Charaktere auch lächerlich wirken lassen.

Besonders gut haben mir die Seitenhiebe auf die Gesellschaft und die Politik gefallen. Firmenbosse, die ihre Angestellten ausbeuten wie billige Arbeitssklaven. Banker, die einen Trümmerhaufen hinterlassen und dafür mit Abfindungen belohnt werden. Die 'Elite' untereinander, die sich gegenseitig kein Auge aushackt.
All das fädelt der Autor geschickt in die Handlung ein, ohne dass es unpassend wirkt. Es unterstreicht viel mehr die Ungerechtigkeit, die man einfach nicht nachvollziehen kann und vor allem auch gar nicht will.

Mein Fazit: Wenn man sich auf das Experiment 'man down' einlassen kann und sich nicht von der direkten Sprache abschrecken lässt, erfährt man zu deutlich, was alles in der heutigen Zeit schief läuft. Es wird Zeit, davor nicht mehr die Augen zu verschließen.
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am 22. Dezember 2013
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mitgerissen. Diese Ehrlichkeit, Offenheit und Direktheit verleihen den Charakteren absolute Authentizität. André Pilz nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er die harte Realität beleuchtet, von der die Charaktere täglich umgeben sind. Sie sind ständig konfrontiert mit den Widersprüchen der modernen Gesellschaft und damit beschäftigt, einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. Ein Leben gezeichnet durch Gewalt, Drogen, Liebe, Freundschaft, Sex, Hass und Betrug.
**********************

Zur Geschichte:
Shane und Kai sind beste Freunde. Kai arbeitete als Dachdecker, bis er eines Tages vom Dach fällt und von Ärzten die Diagnose gestellt bekommt, dass er in diesem Beruf nicht mehr arbeiten kann. Für Kai bricht eine Welt zusammen, er lebt von Hartz4, bekommt seine letzten Gehälter nicht ausgezahlt und ist völlig verschuldet. Shane, leiht ihm Geld und bietet ihm an, seine Schulden als Drogenkurier abzuarbeiten. Schnell wird ihm klar, dass das sehr riskant ist, er aber keine andere Wahl hat.

Als Kai auf Marion trifft, ist er sofort sehr fasziniert von ihr und verliebt sich in sie. Sie scheint ihn auch zu mögen, doch Marion umgibt ein dunkles Geheimnis.
Auch wenn Kai ständig von „Freunden“ umgeben ist, ist er doch vollkommen allein.
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am 16. Februar 2010
Kai ist durch einen Sturz vom Dach arbeitslos geworden. Doch vom Staat aushalten lassen kommt für ihn nicht in Frage; er will kein Harz IV-Empfänger sein, in nem Loch wohnen und dreckige Klamotten tragen; er will einfach nur wieder arbeiten gehen. Doch seine gesundheitlichen Probleme verhindern eine neue Anstellung. So tröstet er sich mit Drogen und Alkohol, um seinem düsteren Leben wenigstens für kurze Zeit zu entfliehen. Um über die Runden zu kommen, leiht er sich von den Brüdern seines besten Freundes Shane Geld. Als er es nicht zurückzahlen kann, muss er als Drogenkurier arbeiten. Der einzige Lichtblick in seinem Leben: Marion, die entfernt Ähnlichkeit mit Cameron Diaz hat und in die er sich sofort verliebt. Und diese Traumfrau interessiert sich tatsächlich auch für ihn, hat kein Problem mit seinen abgerissenen Klamotten und seinem chronischen Geldmangel. Doch wie auch Kai hütet Marion ein unangenehmes Geheimnis...

Das war mein erstes Buch von André Pilz, daher bin ich ohne jegliche Erwartungen an die Geschichte herangegangen; aber die Inhaltsangabe ließ schon auf eine bedrückende Handlung schließen. Nicht jeden Tag liest man ein Buch, in dem ein Harz IV-Empfänger die Hauptrolle spielt. Dabei geht André Pilz sehr offen und unverblümt mit dem Thema um. Schonungslos ehrlich und mit derber Sprache schildert André Pilz Kais Leben, das mich als Leser wirklich runterzieht, auch wenn ich weiß, dass ich einfach durch das Zuklappen des Buches wieder in meine kleine heile Welt zurückkehren kann. Aber sein Schicksal spukt mir trotzdem noch durch den Kopf. Seine Wut auf den ehemaligen Arbeitgeber, der sein Gehalt nicht auszahlt, seine Verzweiflung angesichts der Schulden, seine Angst beim Drogenschmuggel und seine Liebe zu Marion, all das beschreibt Pilz mit einer Eindringlichkeit, mit harten aber wahren Worten, die absolut authentisch wirken und einen die Seiten nur so verschlingen lassen. Wer ein Problem mit vulgären Wörtern hat, dem sei von diesem Buch abgeraten; selten hab ich so viele Schimpf- und Fäkalwörter in einem Buch gelesen. Eine gehobene, blumige Sprachweise würde bei dem beschriebenen Milieu aber einfach unglaubwürdig wirken.

Wer André Pilz kennt, weiß, dass er berühmt ist für seine eher düsteren Geschichten über die Grenzgebiete unserer Gesellschaft. Sein erster Roman aus dem Jahr 2005, "No llores, mi querida - Weine nicht, mein Schatz" ist eine Geschichte aus der Sicht eines Skinheads. "Bataillon dAmour: Eine Geschichte von Liebe und Gewalt", sein nächstes Buch von 2007, dreht sich um eine junge Kolumbianerin, die in Deutschland zur Prostitution gezwungen wird. Starker Tobak, wie man sieht.
André Pilz wurde 1972 in Österreich geboren und lebt heute in München und Vorarlberg.

Mein Fazit: Man Down ist ein aufwühlendes, brutales, glaubwürdiges, sehr gutes Buch über die multikulturelle deutsche Unterschicht!
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VINE-PRODUKTTESTERam 10. Februar 2010
Inhalt:

Kai Samweber hat nach einem Arbeitsunfall ein finanzielles Tief: Er bezieht Hartz IV, lebt in einem Drecksloch von Wohnung, nimmt Drogen und trinkt und hat nur einen Freund. Shane, der Deutschtürke, der ihm den Stoff verschafft und auch einen Auftrag, als Kai die Schulden an dessen Brüder nicht zurückzahlen kann'

Schreib-/Erzählstil:

Pilz riss mich von der ersten Seite an mit. Die Verzweiflung und völlige Aussichtslosigkeit Kais hat er mit tiefgründigen und verständlichen Worten umgesetzt. Ich habe Kai vor mir sehen können, die Nebencharaktere rückten weites gehend in den Hintergrund, ohne ganz zu verschwinden. Pilz baut seine Erzählung logisch und konsequent aus, ohne ein Märchen vom Abhängigen zum Millionär zu konstruieren. Die Wut Kais stellt er ohne Kompromisse dar.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch verschlungen, mich in Kais Lage versetzt, die Handlung aufgesogen und hatte Bilder vor Augen. Die Situation, die Worte, die Pilz benutzt hat und die Idee mit den Briefen, die Kai an seinen Bruder Florian schreibt, wirken authentisch.

Kai rettet sich aufgrund seiner Arbeitslosig- und Rastlosigkeit in den Drogensumpf und benötigt Schlüsselereignisse, um sich aus seinem Leben zu retten. Pilz differenziert klar zwischen den Momenten und dem Inneren Kais ' wie es ihm wirklich geht, erfährt man durch die Briefe an Florian, seinen Bruder. Die Situation Deutschlands und die allgemeine Unruhe erfährt man ebenfalls durch Man Down ' Kai rettet sich in Drogen und Alkohol aufgrund seiner Arbeitslosigkeit, andere Menschen, die in diesem Moment wirklich leben, retten sich vielleicht ebenfalls in diese Ersatzmittel, vielleicht aber auch in andere Probleme oder auch glückliche Momente, die ihnen durch die Finger rinnen. Die Unruhe, die unterschwellig im Land herrscht wird klar heraus gestellt und mich erschreckte, wie oft ich bejahen musste, als Pilz einwarf, dass sich die Großen das Geld in die Tasche stecken und wir 'Kleinen' auf der Strecke bleiben.

Fazit:

Für mich eins der besten Neuerscheinungen im Jahr 2010 ' klar, offen, strukturiert, mit viel Wortgewalt und brutal ehrlich.
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am 11. Februar 2011
Andre Pilz Romane "Weine nicht, mein Schatz" und "Bataillon dAmour" weisen eine Intensitaet auf, die kaum noch zu uebertreffen ist und tiefe Betroffenheit beim Leser hinterlaesst. Logischerweise musste dagegen "Man Down" abfallen, auch wenn die Betroffenheit bleibt. Zumindest bei denjenigen, die ueber ein Mindestmass an Verstand und Gefuehl verfuegen. Die Story ist schnell erzaehlt: Menschen am Rande unserer Gesellschaft, bei denen die Chancengleicheit spaetestens mit der Geburt aufhoert. Menschen, die kaempfen, bis sie auf ungleiche Gegner treffen, die Recht definieren und Unrecht zu Recht machen, wenn es darauf ankommt. Kai, der mit allen legalen und in Laufe seines Lebens notwendig werdenden illegalen Mitteln zu ueberleben versucht, hat im Grunde keine Chance auf ein selbstbestimmtes und ihm gerecht werdendes Leben. Der Leser wird dabei mit Lebensformen und Verhaltensweisen konfrontiert, die ihn abstossen und zugleich verweilen laessen, um herauszufinden, wie kann so etwas passieren und wohin fuehrt es. Eine Gesellschaft, die wertemaessig aus den Fugen geraten ist, fordert ihren Tribut in Form von Typen wie Kai und Marion, die gescheitert sind, keine Einzelschicksale darstellen und denen andere in viel groesserem Umfang folgen werden.
Pilz entwirft die Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, deren duestere, geradezu endzeitbezogene Atmosphaere kaum noch Platz fuer Hoffnung laesst. Loesungen werden dabei nicht angeboten, Betroffenheit fuehrt beim Leser zu Panik und Angst und der Frage: Wie konnte, wie kann so etwas passieren? Diejenigen allerdings, die bei "DSDS" oder "GNSM" den Fernseher einschalten, sollten sich diese Fragen nicht mehr stellen.
Lesenswert, wie alles, was aus der Feder Pilz entspringt.
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TOP 1000 REZENSENTam 26. Dezember 2010
Ein Arbeitsunfall reißt den 25jährigen Kai Samweber aus seinem bisherigen Leben. Ohne Aussicht auf einen neuen Job, von seinem früheren Chef betrogen, muss Kai, der immer nur arbeiten will, Hartz IV beantragen. In einer heruntergekommenen Wohnung fristet er ein trauriges Dasein. Drogen, Schmerzmittel, Alkohol und sein einziger Freund Shane bestimmen sein Leben. Als er Marion, eine attraktive Studentin, kennenlernt, entdeckt er die wahre Liebe. Doch da sind noch seine Schulden, die er bei Shanes Brüdern hat. Sie verlangen ihr Geld zurück und zwingen ihn als Drogenkurier seine Schulden abzuarbeiten. Für ein glückliches Leben mit Marion wagt er diesen Schritt, um dann festzustellen, dass sie nicht die Frau ist, die glaubt zu kennen.

Schon ein Blick auf den Klappentext und das Cover mit dem harten und traurigen Gesichtern sprechen für sich. 'Man Down' ist kein Buch für schwache Nerven. André Pilz schreibt ehrlich, brutal, kompromisslos und komplett schonungslos über eine völlig verzweifelte Generation und Schicht in vielen Städten weltweit. Ich durfte als Leser in eine Welt eintauchen, die authentischer nicht hätte sein können. Drogen, Alkohol, Sex, Kriminalität und das wahre Leben am Rande der unteren Schicht. Aus der Ich-Perspektive wurde mir von Kai seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die von Freundschaft, Liebe, Wünschen und einem harten Abstieg handelt. Ich wurde mitten in seinen Alltag aus Drogen, Alkohol und Selbstbefriedigung geworfen. Nach und nach erfährt man die Gründe für sein verkorkstes Leben. Es ist erschütternd,bewegend und traurig zu gleich. Beim Lesen stellt man schnell fest, das Kais Geschichte kein Einzelfall ist. Er hat hart gearbeitet, durch einen Arbeitsunfall alles verloren und steht nun vor einem riesigen Scherbenhaufen.Zugleich zeigt André Pilz, dass auf der anderen Seite sein reicher Chef ist, der trotz Konkurs eine neue Firma gründet, anstatt ihm seinen offenen Lohn zu zahlen. Ein Schicksal, wie es tausende auf der Welt gibt.

Dabei erzählt André Pilz nicht nur den Alltag, sondern auch die komplette Gefühlswelt. Dazu benutzt André Pilz ein Briefformat. Kai schreibt regelmäßig an seinen verstorbenen Bruder Briefe geschrieben. Dort konnte ich als Leser einen Blick hinter seine coole Fassade werfen. Lediglich einige Schlüsselereignisse, wie Marion, helfen ihn den ganzen Scheiß zu vergessen. Ansonsten hat er keinen Grund mehr zu leben und wünscht sich mehr als nur einmal den Tod.

Wer jetzt an einen völlig abgestumpften Junkie denkt, liest dieses Buch nur oberflächlich. André Pilz hat Kais Drogenkarriere nur als Aufhänger benutzt. Beim Lesen wird jeder merken, dass er vorher noch ein ganz normaler Arbeiter war, der von der Gesellschaft betrogen wurde und sein Leben so keinen Sinn mehr hat, dass er keinen Ausweg mehr sieht, als sich zu zudröhnen. Realistisch und ohne jegliche Beschönigung setzt sich der Autor mit dieser Thematik auseinander. Dabei passt er sich sprachlich der Gesamtsituation an. Brutal, stellenweise vulgär und nicht immer jugendfrei lässt er Kai sein Leben erzählen. Genau diese Sprache vermittelt ein authentisches Bild der deutschen, jungen Unterschicht.

Ich habe das Buch angefangen und konnte es trotz seiner harten Sprache nicht aus der Hand legen. An keiner Stelle wirkt diese Geschichte künstlich oder erfunden.

Besonders am Ende wird dies deutlich. Statt einem Happy End gibt es auch hier einen harten Schluss. Eben das reale Leben.

Dieses Buch wirkt nachhaltig auf den Leser. Während der Handlung kommt man wenig zum Nachdenken. Vieles bleibt jedoch hängen und am Ende dieser Geschichte muss man dies erstmal sacken lassen und verarbeiten. Auch wenn die Sprache deutlich unter Gürtellinie ist, ist es die Sprache vieler Menschen. Jeder Lehrer würde bei den vielen Fäkal-Wörtern den Kopf schütteln. Trotzdem finde ich dieses Buch sehr wertvoll und für Schulklassen ein Muss. Schließlich zeigt es die großen Unterschiede der verschiedenen Schichten. Hier wird genau der Unterschied zwischen Oberschicht und Unterschicht aufgezeigt, aber auch wie schnell der Abstieg gehen kann.

Aus diesem Grund kann ich das Buch empfehlen. Es ist hart und sicherlich nicht der Geschmack der Mehrheit. Wer es aber gelesen hat, wird begeistert sein. Grausam, aber das ist die Wahrheit immer.

===Bewertung===
Brutal, schonungslos und völlig authentisch setzt sich André Pilz mit der heutigen Gesellschaft auseinander. Dazu konstruiert er eine realistische und bewegende Geschichte über einen raschen Abstieg eines Einzelnen. Für mich eins der besten Bücher 2010. Ein Buch, dass man so schnell nicht vergisst. Dafür gibt es fünf Sterne.
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am 14. Februar 2010
Ein Arbeitsunfall wird Kai Samweber zum Verhängnis. Er findet keinen neuen Job. Der Abgrund ist tief, denn Drogen und Alkohol werden seine besten Freunde. Er wohnt in der letzten Absteige und macht schließlich Schulden bei den Brüdern seines besten Kumpels Shane. Um diese zu tilgen, muss er Drogen schmuggeln. Als er Marion trifft, die für ihn die große Liebe darstellt, ändert sich alles...
Das war mein erster André Pilz Roman, den ich gelesen habe und es wird bestimmt nicht der letzte gewesen sein.

Wer hier eine "normale" Geschichte eines Mannes erwartet, dessen Leben aus den Fugen gerät, der ist hier falsch. André Pilz schreibt alles auf, was der Person in den Sinn kommt. Alles was normalerweise in den Köpfen vorgeht, dass steht hier Schwarz auf Weiß. Es ist brutal. Es ist hart. Es ist direkt. Natürlich kann man nicht den Schluss ziehen, dass alles nur negativ verläuft, denn auch die Liebe findet in dieser Verzweiflung und Einsamkeit einzug.

Oft musste ich innehalten und nachdenken. Sowas wie "Nein, das hat er jetz nich wirklich geschrieben" oder "Ja, leider isses so" ging mir durch den Kopf. Man fühlt mit und ist gespannt, wie sich der Protagonist weiterentwickelt. Kommt er aus dem Drogensumpf wieder heraus oder ist sein Schicksal schon längst besiegelt?

Ein wirklich gelungener Roman!
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am 30. Juni 2013
Ich will nicht versuchen die Handlung oder den Stil des Buches mit weiteren Worten zu beschreiben, da könnte ich den Ausführungen der Vorrezensenten ohnehin kaum noch etwas von Belang hinzufügen. Mit meiner Bewertung wollte ich hauptsächlich meine Wertschätzung und Dankbarkeit für dieses große Stück der Gegenwartsliteratur zum Ausdruckt bringen.
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