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5.0 von 5 Sternen Grundlagenforschung / Singularitätsforschung, 1. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Von Kunst aus: Kunstvermittlung mit Gilles Deleuze (Broschiert)
Eine Warnung vorneweg: was Kunstvermittlung "ist" wird frau/man von diesem Buch nicht erfahren - zumindest nicht so, dass alle Fragen zu diesem Thema zufriedenstellend geklärt würden. Es ist viel besser: es konfrontiert mit Positionen zur Kunstvermittlung, die durchaus auch im Widerstreit miteinander stehen und zwingt so dazu, selbst darüber nachzudenken, was das jeweils sei: "Kunstvermittlung".

Der Einstieg ins Buch erfordert erstmal einen un-mittelbaren Sprung (vom Springen wird im Buch noch viel die Rede sein) in die (Begriffs-)Welt des Gilles Deleuze. Wer sich diesen traut wird direkt zum Versprechen "von Kunst aus" geleitet, das insofern gehalten wird, als eine begriffliche Erschließung von "Kunst" mit Deleuze am Anfang steht. "Schlitze in den Schirm" macht sie, die Kunst. Schlitze in den Schirm unseres wohlgeordneten Weltverständnisses. Aufgabe von Kunstvermittlung, die sich "von Kunst aus" begreift kann es also nicht sein, eben diese Schlitze mit wohlklingenden Kunsterklärungen zu stopfen, sondern die Schlitze sich in den Museums-, Schul- und/oder sonstigen sozialen Raum fortsetzen zu lassen.
Auf diesem Weg arbeitet Eva Sturm auch am Begriff "Vermittlung" selbst. Sie zeigt einerseits Ambivalenzen und Möglichkeiten des "Medium-Sein" im Kontext Kunst auf. Sie bohrt andererseits mit Deleuze tief in der Begriffsgeschichte von "Vermittlung" und entlarvt - wieder mit Deleuze - den Begriff der Vermittlung als einen, der scheinbar "Schlichtung" (z.B. im Widerstreit) und sichere Identität verspricht. (Allein wie mit "der" Dialektik an dieser Stelle umgegangen wird bin ich nicht immer einverstanden.) Also stopft "Vermittlung" per se Schlitze? Ist der Begriff "Vermittlung" jetzt gut oder schlecht? Auf dieses Entweder/Oder-Spiel läßt sich Sturm nicht ein sondern plädiert für eine "Reformulierung des Vermittlungsbegriffs", der seine eigene Schwierigkeiten, Fallstricke aber auch Möglichkeiten kennt. In diesem Sinne betreibt Eva Sturm Grundlagenforschung für den Kontext Kunstvermittlung, die dringend gebraucht wird. Gerade in Zeiten, in denen das Label "Kunstvermittlung" für nahezu jedwede Unternehmung im erweiterten Kontext-Kunst verwendet wird: vom Kulturmanagement über Museumspädagogik, Institutionskritik, Galerie-PR zum Curating.

Am Ende des Buches steht ein Vorschlag: der Vorschlag, gemeinsam mit allen am Bilden mit Kunst Beteiligten "Singularitätsforschung" zu betreiben. Es geht darum, sich in der Praxis Kunstvermittlung nicht auf sicher abgesteckten Positionen, Methoden und Ideen auzuruhen, sondern sich immer auf das einzulassen, was sich jeweils singulär "zeigt". Wer sich darauf ernsthaft einläßt, der spürt auch mal den Boden unter den Füssen wanken. Sich gemeinsam als Forschende zu begreifen kann dann helfen. Und überhaupt: wer im Umgang mit ungewissen und unverfügbaren Situationen ungeübt ist, der "wende sich an Kunst".

Das Buch "von Kunst aus" ist also kein Sicherheits-Ratgeber und auch keine Ab-Handlung in dem Sinn, die versucht Kunstvermittlung ein "an sich" zu unterstellen, das frau/man restlos untersuchen und darstellen könnte. Es geht vielmehr um diesen "Rest", der bleibt, um als Motor das eigene Denken zu befeuern.
Die Wendung "Das Buch stellt mehr Fragen als es klärt" trifft also und trifft auch wieder nicht. Ja, das Buch wirft eine ganze Menge neuer Fragen zu Kunstvermittlung auf und nein, es klärt durchaus, aber so, dass die Fragen präziser gestellt werden können.

Das Buch "Von Kunst aus" ist also viele Bücher:
Es ist ein Praxisbuch, das nahe legt, sich selbst mit forschender/lauernder Haltung in Vermittlungs-/Bildungssituationen mit ungewissen Ausgang zu begeben.
Es ist ein Theoriebuch.
Es ist ein biographisches Buch, das einige Stationen und Positionen von Eva Sturm als Kunstvermittlerin in Theorie und Praxis aufgreift, aber mit neuen Klammern versieht.
Es ist ein begriffspädagogisches Buch, das Grundlagenforschung betreibt.
Es ist ein Arbeitsbuch - im besten Sinne des Wortes -; es schafft Arbeit, die noch viele Jahre beschäftigen wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... von Kunst aus ... zum Leben hin, 23. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Von Kunst aus: Kunstvermittlung mit Gilles Deleuze (Broschiert)
Wenn sie wissen möchten, was Luftballons aufblasen und eine Strickgruppe mit Kunst und Kunstvermittlung zu tun haben, dann lassen sie alles, was sie bisher darüber dachten los, öffnen das Buch von Eva Sturm und sie werden Neues über sich, das Leben und die Kunst herausfinden'
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Von Kunst aus: Kunstvermittlung mit Gilles Deleuze
Von Kunst aus: Kunstvermittlung mit Gilles Deleuze von Eva Sturm (Broschiert - Juni 2011)
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