Kundenrezensionen


3 Rezensionen
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Er war kein Grüßer". Erzherzog Franz Ferdinand in seiner Zeit, 5. Januar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Franz Ferdinand: Die Biografie (Gebundene Ausgabe)
Der 1914 in Sarajewo ermordete österreichische Thronfolger Franz Ferdinand gehört, wenn man so will, zu den "Profiteuren" des heranrückenden Weltkriegsjubiläums. In jüngster Zeit sind zwei neue Biographien erschienen, die Leben und Persönlichkeit des Erzherzogs und Thronerben in den Blick nehmen. Der Böhlau-Verlag hat eine deutsche Ausgabe der Franz-Ferdinand-Biographie von Jean-Paul Bled herausgebracht, und bei Amalthea ist die vorliegende Biographie der Bonner Historikerin Alma Hannig erschienen. Beide Bücher gleichen sich inhaltlich und ihrer Bewertung Franz Ferdinands weitgehend, so dass keinem von beiden der Vorzug gegeben werden kann. Im Gegensatz zu früheren Autoren hat Hannig umfangreiche Archivstudien betrieben. Ihr Werk richtet sich sowohl an Fachhistoriker als auch an historisch interessierte Laien. Hannig möchte herausarbeiten, welche politischen Vorstellungen und Ziele der Erzherzog hatte und welchen konkreten Einfluss er auf die Regierungsgeschäfte nahm.

Die Biographie kombiniert den chronologischen mit einem thematischen Ansatz. Die ersten zwei Kapitel behandeln Kindheit und Jugend Franz Ferdinands, sein unverhofftes Aufrücken auf die Position des Thronfolgers und seine morganatische Ehe, die das Verhältnis zu Kaiser Franz Joseph nachhaltig belastete und den Erzherzog innerhalb der kaiserlichen Familie isolierte. Die folgenden Kapitel untersuchen Persönlichkeit und Wirken Franz Ferdinands aus verschiedenen Blickwinkeln. Hannig skizziert die Repräsentationsaufgaben, die der Erzherzog im Dienst der Monarchie erfüllte. Danach geht sie auf seine politischen Vorstellungen, seine Planungen für die Zeit nach dem Thronwechsel, sein Verhältnis zu den Ungarn, zu den politischen Parteien der Habsburgermonarchie, zur Presse und zur Katholischen Kirche ein. Hannig arbeitet heraus, dass Franz Ferdinand, ein in konventionellen monarchisch-konservativen Kategorien denkender Mann, keine konkreten Reformpläne entwickelte. Seinen Überlegungen und Gedankenspielen zur Zukunft der Habsburgermonarchie haftete stets etwas Unausgereiftes und Vorläufiges an. Zu keinem Zeitpunkt legte er sich auf eine bestimmte Option fest, sei es die Erweiterung des Dualismus zum Trialismus, sei es die Umwandlung des Vielvölkerreiches in eine Föderation von Nationalitäten.

Patentlösungen für die Strukturprobleme des Reiches hatte der Thronfolger nicht zur Hand. Ein brauchbares Programm für seine künftige Regierung zu entwickeln fiel ihm auch deshalb schwer, weil er keine nennenswerte politische Basis hatte, weder im Parlament noch unter den adligen Eliten des Reiches. Imagepflege hielt der Erzherzog für unnötig, eine Haltung, die wohl nur mit dynastischem Dünkel zu erklären ist. Hannig ist der Auffassung, dass Franz Ferdinands Desinteresse an seinem öffentlichen Image und am Aufbau einer politischen Basis nach dem Thronwechsel zu erheblichen Problemen geführt hätte. Für die Öffentlichkeit war der Thronfolger ein schwer einzuschätzender Mann. Er wurde als distanziert und unzugänglich wahrgenommen. Die Stilisierung zum verhinderten Retter der Monarchie, zum Hoffnungsträger, der tragischerweise nicht zum Zuge gekommen sei, erfolgte erst nach dem Ersten Weltkrieg. Vor dem Attentat von Sarajewo äußerten viele Stimmen Zweifel daran, ob Franz Ferdinand zum Herrschen geeignet sei und die vor ihm liegenden Herausforderungen werde meistern können.

Am Beispiel der Außenpolitik zeigt Hannig, dass Franz Ferdinand mehr Einfluss auszuüben vermochte als bislang angenommen. Sie stützt sich hierbei auf ihre eigenen Forschungen zur Diplomatie und Außenpolitik Österreich-Ungarns am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Der Thronfolger beeinflusste nicht nur wichtige Personalentscheidungen, sondern schaltete sich auch ins außenpolitische Tagesgeschäft ein. Franz Ferdinand setzte auf eine Verständigung mit Russland. Außerdem war er bestrebt, Österreich-Ungarn nicht zum Juniorpartner und Vasallen des Deutschen Reiches herabsinken zu lassen. Seine Hoffnungen, das Dreikaiserbündnis zwischen Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn erneuern zu können, bewertet Hannig als aussichtslos und wirklichkeitsfremd. Franz Ferdinand unterschätzte das russische Misstrauen gegenüber Österreich-Ungarn und das Konfliktpotential, das der Balkanpolitik der beiden Reiche innewohnte.

Damit nicht genug: Hannig bezweifelt auch, dass Franz Ferdinand den Ruf eines "Friedensfürsten" verdient, der den Krieg als Mittel der Politik kategorisch ausgeschlossen habe. Am Beispiel des Ersten Balkankrieges (1912/13) zeigt sie, dass der Thronfolger zeitweise sehr wohl bereit war, einen Präventivkrieg gegen das erstarkende Serbien zu führen. Mangelnde Rückendeckung aus Berlin verhinderte schließlich ein österreichisches Losschlagen gegen den verhassten Nachbarn. Hannig hält es für denkbar, dass Franz Ferdinand als Herrscher nach einer Phase innerer Reformen und Konsolidierung durchaus eine zupackende Außenpolitik verfolgt und Österreich-Ungarns Stellung als Großmacht notfalls auch durch Krieg gesichert hätte. Allerdings sei für ihn nur ein Krieg zum "richtigen" Zeitpunkt in Frage gekommen, d.h. in einer für Österreich-Ungarn günstigen außenpolitischen Großwetterlage.

Alma Hannig hat eine im besten Sinne seriöse und überdies gut lesbare Biographie vorgelegt, der viele Leser zu wünschen sind. An manchen Stellen wäre etwas mehr Kontextualisierung hilfreich gewesen. Die Probleme des Dualismus, das diffizile Verhältnis zwischen Österreich und Ungarn innerhalb der Doppelmonarchie hätten etwas ausführlicher erklärt werden können. Einige Kapitel sind recht kurz geraten und kratzen nur an der Oberfläche derjenigen Themen, die sie behandeln. Die schwierige Beziehung zwischen Franz Ferdinand und seinem Onkel, Kaiser Franz Joseph, hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Alles in allem zeichnet die Biographie aber ein plastisches und anschauliches Bild von der Persönlichkeit Franz Ferdinands. Frappierend ist der Kontrast zwischen dem durchaus geselligen und umgänglichen Privatmann einerseits und der öffentlichen Wahrnehmung des Erzherzogs andererseits. Die Biographie zeigt, wie schwer es diesem habsburgischen Thronerben fiel, ein konstruktives und zeitgemäßes Verhältnis zu der Gesellschaft zu entwickeln, die ihn umgab.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Endlich ein Buch das Franz Ferdinand gerecht wird, 14. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Franz Ferdinand: Die Biografie (Gebundene Ausgabe)
Ich habe bereits viele Bücher über FF aus verschiedenen Blickrichtungen gelesen. Das Buch von Alma Hanning ist meines Erachtens das Buch, welches dem Thronfolger wirklich gerecht wird. Alle Aussagen sind hervorragend recherchiert und mit Quellenangaben versehen. Das Leben von FF wird von verschiedenen Seiten beleuchtet und anhand von Dokumenten, Tagebuchaufzeichnungen oder Biografien bewertet. Eine echte 5-Sterne Empfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr als "Sarajewo 1914"!, 8. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Franz Ferdinand: Die Biografie (Gebundene Ausgabe)
Ende Juni 2014 wurde in Europa des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand von Habsburg-Este und seiner Frau Sophie gedacht, deren Tod in den Geschichtsbüchern als Auslöser des Ersten Weltkriegs verzeichnet ist. Damit wurde ihr Tod zugleich zum Ende einer Epoche und zum Beginn des schrecklichen 20. Jahrhunderts.

Einen Mann wie den habsburgischen Thronfolger heutigen Menschen mit ihren so völlig anderen Werthaltungen und Erfahrungshorizonten zu vermitteln, fällt schwer. Hannig begeht den großen Fehler allzu vieler heutiger Historiker und Autoren nicht: den portraitierten Menschen vorwiegend aus der heutigen Zeit heraus zu interpretieren. Auch da, wo sie sich deutlich von ihm und seinen Taten oder Meinungen distanziert (Jagd, Meinung zu Juden usw.), tut sie dies aus dem Verständnis für seine Zeit heraus. Sie wertet kaum, sondern vergleicht eher - wie haben Franz Ferdinands Zeitgenossen diesen oder jenen Punkt beurteilt? Galt, was er tat oder dachte, zu seiner Zeit als normal oder als Abweichung?

Überhaupt ist die Autorin sichtlich um ein Verständnis des Thronfolgers und um Gerechtigkeit bemüht. Schon die sehr gelungene Titelgestaltung illustriert das: der Erzherzog als Privatmann, leutselig lächelnd. Es ist nicht die steife, uniformtragende Figur der offiziellen Propaganda, die uns hier präsentiert wird, sondern ein Mensch, mit Tugenden und Fehlern wie jeder andere Mensch auch. Die Überhöhung berühmter Persönlichkeiten ins Übermenschlich-Irreale, wo weit über den Kategorien des Alltags "große Politik" gemacht wird, die man von "unten" nur bestaunen kann, ist Hannigs Sache nicht, zum Glück nicht. Auch wenn es eine schwierige Annäherung gewesen zu sein scheint, sie ist geglückt und hat dem Buch wohlgetan. Hannig hat es geschafft, Vorurteile abzubauen, ohne (z.T. auch deutliche) Kritik zu unterlassen.

Der Kronprinz erscheint als Privat- ebenso wie als Staatsmann, kein Aspekt wird über- oder unterbelichtet. Eine besonders wertvolle Zugabe sind die zahlreichen Bilder, die sowohl zivile, ja private Momente als auch offizielle Anlässe wiedergeben und in ihrem Abwechslungsreichtum gut ausgewählt sind. Besonders gefallen hat mir, daß auch bei der Beschreibung privater Ereignisse immer der Zusammenhang zum politischen Zeitgeschehen hergestellt wird. So wird, bei aller menschlichen Einfühlung, doch stets vor Augen geführt, daß ein Thronfolger eben kein Bürger wie jeder andere war. Im Detail zeigt sich leider mitunter Nachlässigkeit: z.B. zeigt Bild 6 neben Franz Ferdinand 8 Personen, aber nur 7 Personen werden durch die Bildlegende vorgestellt.

Das Buch enthält wenige Rechtschreib- oder sonstige Fehler. Trotzdem gibt es an seiner Sprache manches auszusetzen. Nicht nur ist der Band manchmal recht betulich geschrieben, es begegnen auch nicht wenige inhaltliche und (teils auch wörtliche) Formulierungswiederholungen. Wenn Themen doppelt behandelt werden, fördert das nicht gerade die konzentrierte Lektüre. Deshalb und wegen der teils ausführlichen Erörterung von relativen Nebensächlichkeiten könnte das Buch mit seinen 282 Seiten durchaus 20 oder 30 Seiten kürzer sein.

Im Übrigen ist das Buch gut verständlich geschrieben, ohne unterkomplex zu sein. Es richtet sich an interessierte Laien, ist aber dank des beeindruckenden Anhangs mit sehr vielen Literaturhinweisen und fast 1200 Anmerkungen auch für Experten geeignet. Wer nicht wissenschaftlich damit arbeiten will, kann die Anmerkungen aber auch ignorieren, sie sind als Endnoten hinter den Text gesetzt, wo sie den Lesefluß nicht stören (und es handelt sich ganz überwiegend um Literatur- und Quellenangaben, sodaß man nicht hin- und herblättern muß, um zu schauen, ob in den Anmerkungen nicht noch längere Erläuterungen auf ihre Entdeckung warten).

Etwas schade ist das Fehlen der Binnenverweise, so wird weder konkret im Text vor- oder zurückverwiesen noch auf die Bilder hingewiesen. Wenn man nicht immer wieder nachschaut oder sich am Anfang der Lektüre die abgedruckten Bilder merkt, dann fehlt einem beim Lesen die Bebilderung selbst, wenn genau der Gegenstand des Textes abgebildet ist.

Fazit: eine nicht zu kurze und nicht zu lange, objektive und gut zu lesende Biographie, die sich ihren Platz in der populären und vielleicht auch fachlichen Geschichtsschreibung erobern wird, ohne spektakuläre Neuigkeiten aufzudecken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Franz Ferdinand: Die Biografie
Franz Ferdinand: Die Biografie von Alma Hannig (Gebundene Ausgabe - 8. Oktober 2013)
EUR 24,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen