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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Achthundert beachtenswerte Seiten zu den vielen Seiten von Religion und Vernunft, 4. Oktober 2013
Von 
Neuschäfer "Lesenslust" (Erkelenz, Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Zwischen Religion und Vernunft: Vermessung eines Terrains (Gebundene Ausgabe)
Dieses Opus magnus des Fränkischen Philosophen und Theologen beeindruckt durch einen hervorragenden Druck und einen eindrücklichen Inhalt!
Zur Vermessung des Terrains von Vernunft und Religion gehört für den Autor zurecht eine unermessliche Fülle an Facetten, Fragen und Fakten. Diese bereitet das Buch ausgesprochen ansprechend auf, sodass sich die Herausforderung der vielen Seiten allemal lohnt. Schon die ersten Seiten wecken Lust nach Mehr und eine Leidenschaft für ein Denken, das nicht im augenblicklich Gefälligen hängenbleibt, sondern eine Durchdringung in Tiefe zurecht erwartet und leistet.

Der belesene Autor hält die Balance von schwerer Kost und angenehmen Gängen zur Verköstigung wesentlicher Impulse, Informationen und Ideen. Harald Seubert hat dabei den Mut zur Revidierung mancher Floskeln und eingefahrener Denkwege in der Theologie und auch Philosophie. Er entlarvt die Schmalspurigkeit mancher Praktischer und Systematischer Theologen, ohne wirklich zu brüskieren oder zu verletzen (z.B. bei Hans Küng zum Weltethos). Immer geht es ihm um ein begründetes Urteil und eine klare Einschätzung.

Zum einen spielt der Blick in die Geschichte eine wesentliche Rolle, zum anderen ist für den Autor die Inblicknahme von Grundlagen und Grundsätzen entscheidend.

Nach einer hilfreichen Einleitung, die auch zur Gewöhnung an Denkwege und Formulierungen zum Tragen kommt, widmet sich ein erster Teil den "Konstellationen zwischen Glaube und Vernunft" (S. 59-472). Klare Begriffsbestimmungen und ein solider Umgang mit philosophischen und theologischen Termini zeichnen diesen ausgezeichneten Teil aus, dessen dreizehn Kapitel durch drei Exkurse ergänzt werden. Sämtliche Aspekte, Antwortversuche und Auseinandersetzungen der Philosophie- und Theologiegeschichte werden hier aufgegriffen, gut geordnet und sprachlich auf den Punkt gebracht. Der zweite Teil ist überschrieben mit "Probleme und Phänomene" (S. 475-673) und bietet acht Kapitel, deren Überschriften bereits für sich sprechen und aufzeigen, in welche Tiefen der Autor vordringt, ohne Religion mit Christentum gleichzusetzen oder religiöse Erfahrung als Wert an sich zu verschleier(macher)n:
- Philosophie, Theologie, Religionswissenschaft - eine Topologie
- Religion und Politik
- Herrlichkeit: Religion und Kunst - Religionsphilosophie und Ästhetik
- Religion und Religionen. Fäden für ein Gespräch
- Das Böse und die Verzeihung - ein "Nervus prbandi" von Religion
- ...

Der Epilog (Logos zwischen Vernunft und Offenbarung) bringt entscheidende (und scheidende!) Einsichten gleichsam auf einen Nenner bzw. auf den Punkt und bietet damit einen systematischen Rückblick, der die Lektüre des Buches zwar nicht ersetzt, aber nochmal wesentliche Marksteine setzt.

Ein Verzeichnis ausgewählter Literatur und Bildquellen führt nochmal den breiten und aktuellen Horizont des Autors vor Augen und mündet schließlich in ein Personenregister und ein Sachregister.

Ein rundum lesefreundliches Buch für philosophisch und theologisch einigermaßen bewanderte Theologen und Philosophen.

Diesem Werk ist sehr zu wünschen, dass auch Kollegen/-innen der Theologie und Philosophie dieses Werk wahrnehmen und würdigen werden!

Überaus empfehlenswert!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine gewaltige Leistung, 15. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Zwischen Religion und Vernunft: Vermessung eines Terrains (Gebundene Ausgabe)
Der erste Eindruck ist der einer gewissen Fassungslosigkeit vor der Größe des hier gewagten Unternehmens. Eine philosophische Darstellung, mehr noch: Deutung und gar gedankliche Weiterführung der gesamten abendländischen Religionsphilosophie? Dies von einer interdisziplinären, interreligiösen und interkulturellen Warte aus, zugleich traditionsbewußt und modern? Wer hätte solches wann zuletzt gewagt?

Der Eindruck verfestigt sich bei näherer Betrachtung. Seubert denkt scharf. Überall leuchtet hinter den Ecken des geistigen Nachvollzugs dieser Diskussion oder jener geistigen Tradition schon das sichere, streitbare Urteil hervor oder, wo das Urteil sich noch nicht gefestigt hat, der hör- und erschaubare Zweifel eines sich seiner eigenen Unvollkommenheit bewußten Geistes. Der Verfasser ist ein tief überzeugter Anhänger der christlich-abendländischen Überlieferung und das heißt auch: der kultur- und völkerübergreifenden, stets mit mindestens einem Auge nach dem Horizont hin blickenden intellektuellen Neugierde einer selbst sehr fest verwurzelten Geistestradition. Ersichtlich nimmt Seubert diesen Begriff der "traditio" wörtlich als "Übergabe", wenn er versucht, nicht nur nachzuerzählen und nachzuempfinden, was früher einmal über Gott und die Religion gedacht wurde, sondern dies auch in die eigene Gegenwart fortzusetzen. Immer fragt er, explizit oder implizit, nach der Bedeutung des Früheren für die eigene Zeit mit ihren eigenen Fragen, die doch substantiell nie gänzlich neu sind.

Inhaltlich ist der Titel des Buches Programm. Dem Verfasser geht es weniger um die religiösen Phänomene als vielmehr um den Zusammenhang zwischen Religion als religio und fides (also nicht: nur transzendente Rückbindung und Erschauern vor dem Heiligen, oder: nur Frömmigkeit, Gefühl und Geborgenheit) einerseits und ratio andererseits. Der Autor hat den Anspruch, Herz und Kopf zu verbinden, den Stachel des modernen Relativismus zu ziehen und den Weg hin zur Vereinigung des (scheinbar!) so Gegensätzlichen so weit zu gehen, wie das aus interreligiös-dialogischer Perspektive möglich ist. Atemberaubend ist dabei auch seine durch eine Vielzahl an Literaturnachweisen in tausenden von Fußnoten doch mehr angedeutete als gezeigte Forschungs- und Themenkenntnis. Das wichtigste aber ist: er philosophiert. Den Leser erwartet hier keine nüchtern-sachliche Bestandsaufnahme, sondern eine leidenschaftliche Auseinandersetzung, eine Selbst-auseinander-Setzung mit einem Thema, das den Autor ersichtlich schon seit Jahren umtreibt. In die oft selbstzufriedene, ewig-ortlos um sich selbst und die eigenen Scheingewißheiten kreisende akademische Geisteslandschaft heutiger Prägung könnte dieses Buch mit seiner objektiv streng rückgebundenen Subjektivität einschlagen wie eine Bombe. Zwar wird hier nicht mit dem Hammer philosophiert, sondern eher mit dem Florett, aber Fechtwaffen sind bekanntlich sehr spitz und, ins Herz des aufnahmebereiten Lesers gesetzt, ebenso tödlich für Vorurteile und andere Dummheiten wie ein Hammer auf den Kopf. Man möchte den unangemessenen Vergleich mit Jakob vermeiden, aber Seubert ringt durchaus mit dem Stoff oder besser: er hat damit gerungen und weist nun den Weg für den Leser zum Kampfplatz. Daß der Verfasser an einer nicht-staatlichen evangelischen Hochschule in der Schweiz lehrt, mag in puncto Geistesfreiheit und Eigensinn eine Rolle spielen.

Wenn an diesem Buch Kritik zu üben ist, so kann sie kaum inhaltlich sein, denn dies bedeutete die implizite Behauptung besserer eigener Kenntnis der im Buch dargestellten Zusammenhänge, und das wäre grotesk. Daher sei nur darauf hingewiesen, daß das Buch an einigen wenigen Stellen anscheinend sinnentstellende syntaktische oder grammatische Fehler enthält, was die Lektüre des ohnedies hochkomplexen Buches nicht erleichtert. Hierauf für eine zweite Auflage zu achten wäre geboten.

Der Rezensent zeigt sich überwältigt von der Fülle des gebotenen Materials und befürchtet, nun ein Leben lang an dem Stoff arbeiten zu müssen. Seubert gelingt es, die wie wild in alle Richtungen durchgehenden Gedankenrösser seiner geistigen Vorfahren aus Jahrtausenden zu bändigen und zu kommandieren - das heißt aber nicht, daß die Fahrt im angehängten Wagen deshalb für den Leser gemütlich wäre. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, der kommt davon nicht so schnell los; er ist aufgefordert, mit-, nach- und weiterzudenken.

Vor dem Hintergrund dieser gewaltigen Leistung erscheint sogar der ebenfalls gewaltige Preis als gerechtfertigt. Wer sich das Buch nicht leisten kann, der möge es in einer Bibliothek entleihen - aber gelesen werden muß es!
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Zwischen Religion und Vernunft: Vermessung eines Terrains
Zwischen Religion und Vernunft: Vermessung eines Terrains von Harald Seubert (Gebundene Ausgabe - 22. August 2013)
EUR 98,00
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