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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Familie mit den fünf Geschwistern, 10. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Das schönste an dem Buch ist dessen handwerkliche Seite: Einband und Schriftbild sind, wie so oft in "Die Andere Bibliothek" den anderen Büchern überlegen. Das Buch lebt von der Leichtigkeit, mit der Vladimir Jabotinsky die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts fließen lässt. Die jüdische Familie Milgrom besteht aus skurrilen Figuren, davon haben es zwei dem Autor besonders angetan: Die umwerfende Marussja, die mit ihren zahlreichen Verehrern, den so genannten "Passagieren", ein etwas ungewöhnliches Spiel treibt und ihr Bruder Serjosha, der um keine Pointe verlegenen ist. Beide nehmen das Leben wie es kommt, aber wie so oft bei solchen Charakteren, liegt dahinter eine morbide Melancholie, die am Ende des Buches, bei den beiden und eigentlich allen anderen Angehörigen der Familie, mit Ausnahme des Vaters vielleicht, zum Durchbruch kommt und auf ein bitteres Ende zusteuert.
Das eindrücklichste Kapitel ist das "eingeschobene" Kapitel 14, das gefällt mir besonders gut, in diesem wird die Natur um Odessa auf ungewöhnliche Weise vorgestellt.
Wer sich von der Atmosphäre des Um- und Aufbruchs in Russland und Europa um 1900 einfangen lassen will, der sollte zu diesem Buch greifen.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erinnerungen an das legendäre Odessa, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Es sind zwei höchst liebevolle Porträts, die Vladimir Jabotinsky in seinem 1936 in Paris erschienenen Roman zeichnet: von Odessa einer-, von der jüdischen Familie Milgrom andererseits. Wie in einer griechischen Tragödie - laut einer beliebten Interpretation geht der Stadtname Odessa auf eine antike griechische Siedlung zurück - steuert die Geschichte beider unaufhaltsam auf das bittere Ende zu: den Verfall. Doch, wie eine Romanfigur meint: "Zeiten des Verfalls sind manchmal die glanzvollsten".

"Die Fünf" ist denn auch ein mit grosser Sympathie geschriebener Abgesang auf das alte Odessa, in dem um 1900 ungefähr ein Drittel aller Einwohner jüdisch war. Am Schwarzen Meer gelegen, war Odessa multikulturell und multireligiös, weltoffen und tolerant, und es genoss ein für Russland ungewöhnlich hohes Mass an Freiheit - "damals war Odessa noch eine Königin". Dennoch mag Jabotinsky die "gute, alte Zeit" mitunter verklärt haben: Leicht war das Leben für Minderheiten im zaristischen Russland beileibe nicht. - Noch heute ist die Stadt berühmt für die prachtvolle Deribasovskaya-Strasse, die Potemkinsche Treppe mit ihren 192 zum Meer führenden Stufen und für den (gescheiterten) Aufstand der Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin 1905 gegen ihre zaristischen Offiziere, den Jabotinsky in die Rahmenhandlung einbaut. Geboren in Odessa, war Jabotinsky (1880-1940) Schriftsteller und zionistisch-revisionistischer, auch in Palästina tätiger Politiker, der die jüdische Selbstverteidigung propagierte.

So schillernd wie das Schicksal Odessas ist jenes der fiktiven Familie Milgrom Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Antisemitismus, aufkeimenden Kommunismus und zaristischer Repression. Fünf Kinder - Marussja, Serjosha, Marko, Lika and Torik - hat das Ehepaar Milgrom, und alle haben einen einzigartigen Charakter. Dennoch gilt von den Fünf Marussja und Serjosha die ungeteilte Sympathie des Ich-Erzählers, der, mittlerweile Schriftsteller geworden, sich an seine Jugendzeit in Odessa erinnert, als er ein talentierter Feuilleton-Redakteur einer lokalen Tageszeitung war.

Die libertäre Marussja, eine strahlende junge Schönheit, sammelt um sich "Passagiere", einen Kreis junger, meist jüdischer Intellektueller und Künstler, die sich im Hause Milgrom regelmässig zu einem regen Gedankenaustausch treffen. So manchem bricht Marussja das Herz. Dass sie schliesslich eine eher unscheinbare Nebenfigur heiratet, ist jedoch schlüssig und konsequent. Ihr Bruder Serjosha ist eine ebenso einprägsame Persönlichkeit: Hochintelligent und mit zahlreichen Talenten begnadet, weiss der charmante Shlemihl doch nicht so recht, in welche konstruktiven Bahnen er seine Energien lenken soll. Seinen kleinkriminellen Machenschaften geht er nicht aus Bosheit oder Geldgier nach, sondern, so gewinnt man den Eindruck, schlicht aus Überdruss und Langeweile. Zum Verhängnis wird ihm letztlich eine für die damalige Zeit unerhörte Dreiecksaffäre mit einer verheirateten Mutter - und ihrer Tochter.

Ohne zu viel zu verraten: Das Ende von zumindest vier Milgrom-Kindern ist tragisch. Ihr Schicksal nimmt damit den weiteren Verlauf der Geschichte der Juden wie jener Odessas vorweg. Verwunderlich an "Die Fünf" ist nur, warum die Milgroms, Eltern wie Kinder, dermassen grossen Gefallen am Ich-Erzähler finden, den sich der Leser zwar als einfühlsamen Gesprächspartner, sonst aber wenig charismatisch vorzustellen vermag. Insbesondere sein asexuelles Verhalten der schönen Marussja gegenüber wirkt heute befremdlich.

Der Anderen Bibliothek ist es hoch anzurechnen, einen verschollenen literarischen und historischen Schatz erstmals auf Deutsch und in der bekannt hochwertigen bibliophilen Ausstattung (z.B. mit Odessa-Stadtkarten aus dem Jahr 1921 auf den Vor- und Nachsatzpapieren) aufgelegt zu haben.
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufstieg und Niedergang einer jüdischen Familie im alten Odessa um 1905., 10. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Vladimir Jabotinsky hat sich in seinen Erinnerungen in die Stadt Odessa zu Beginn des 20. Jahrhunderts begeben.

Dort, in der Vielvölkerstadt, lernte er die Familie Milgrom kennen.
Die fünf Kinder der jüdischen Familie bilden die Rahmenhandlung zu einer Geschichte, in der es um Judentum, Assimilation, Gesellschaftsleben und Aufruhr geht.

Marussja, Marko und Lika, die Rebellische, Serjosha und Torik sind die handelnden Personen. Über allen wacht ihre Mutter Anna Michailowna Milgrom. Der Autor begegnet Mutter und Tochter Marusscha zum ersten Mal im Theater und danach immer wieder bei diversen Geselligkeiten.

Es fällt nicht ganz leicht, dem Handlungsstrang zu folgen. Die Stadt Odessa ist zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine lebendige Metropole, in der sich die Welt im Kleinen spiegelt. Geschichtlich gehörte Odessa zuerst zum Osmanischem Reich, danach vorübergehend zu Österreich-Ungarn und ab 1922 zur Sowjetunion.

Die Schulstreiche der Kinder der Familie Milgrom, erste Annäherungen an die schon ältere Marussja und die politisch aufsässige Lika bieten Stoff, um über jeden einzelnen von ihnen zu berichten. Anna Michailowna ist die liberale, gütige jüdische Mutter, eine junge Mutter dazu, die ihren Kindern mit Aufmerksamkeit zur Seite steht.

In der "Literaturka" versammeln sich Anhänger mit aufsässigem Gedankengut. Hier herrscht das freie Wort und Gedankenfreiheit, und der Autor wundert sich selbst, dass die Obrigkeit diesen keinen Einhalt gebot. "Tschechows Wehmut wurde als Protest gegen die herrschende Ordnung und Dynastie verstanden, Gorkis erfundene Barfüßer bis hin zu Malwa als Barrikadenruf; wie und warum, könnte ich jetzt nicht mehr erklären, aber so war es."
In diesem Ton geht die Geschichte voran, bezieht sich auf Zusammenkünfte, auf die herrschende Stimmung in der Stadt mit ihrer Vielfalt kultureller Möglichkeiten.

Vladimir Jabotinsky ist in Gestalt eines Journalisten immer dabei, wenn es Neuigkeiten in der Familie zu erzählen oder zu erleben gibt. Dass er darüber hinaus dem Bild Odessas, ihrer ausnehmend anspruchsvollen und von zahlreichen Einflüssen geprägten Architektur und der mit Akazien gesäumten Steilküste zum Schwarzen Meer hin gedenkt, geben seiner Erzählung den äußeren Anstrich, von dem man sogleich neugierig auf die Ereignisse blickt.

Man erlebt die Familie umsäumt von den politischen Geschehnissen, die einzelne Familienmitglieder der Familie entfremden. Was aus ihnen allen geworden ist, nimmt breiten Raum ein und schlägt den Leser in Bann. Zwischen Faulenzerei und Aufruhr, zwischen Schicksalsschlägen und Verlust betrachtet man Aufstieg und Niedergang einer Familie, die symptomatisch für das aufstrebende Bürgertum und seinen Fall war.

Der Journalist und Zionist Vladimir Jabotinsky ( 1880 -1940) galt zu seiner Zeit als politisch engagierter Kopf, der den Staat Israel in den Grenzen des biblischen Palästinas forderte. Er war zugleich Schriftsteller und Politiker. Seine Prosa ist durchsetzt mit poetischen Bildern und bietet Einblicke in die Welt des jüdischen Odessas mit allen ihren Möglichkeiten zur Entfaltung einer differenzierten, kultivierten und aufgeschlossenen Geisteshaltung der Bewohner. Es sind diese Merkmale, die das kaufmännische Großbürgertum ausmachten.

Die äußere Aufmachung des Buches ist edel und anspruchsvoll und erscheint in der Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt und Jekatherina Lebedewa.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "...aus dem Leben des vergangenen Odessa...", 11. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Die Fünf sind die fünf Kinder - 2 wunderschöne Töchter und 3 Söhne - des in Odessa ansässigen Getreidehändlers Milgrom, die der Erzähler nacheinander kennenlernt, als er mit dem ältesten Sohn Serjosha Freundschaft schließt. Er geht in dem Haus der reichen, jüdischen Familie ein und aus und gehört gewissermaßen dazu. Es sind die unbeschwerten Jahre und unvergesslichen Sommer in einer reichen, polyglotten Hafenstadt im zaristischen Russland, wobei der Zar und St. Petersburg weit entfernt sind und man nationale Ereignisse wie den russisch-japanischen Krieg nicht wirklich wahrnimmt. Der Erzähler arbeitet wie sein Autor als Journalist und schildert die Zeit in Odessa an Hand von einzelnen Begebenheiten im Zusammenhang mit den fünf Geschwistern, die ihm im Gedächtnis geblieben sind. Er verlässt Odessa später irgendwann vor oder nach dem 1. Weltkrieg und trifft auf seinen Reisen in Europa immer wieder Schul- und Studienfreunde aus seiner Heimatstadt und verfolgt die Schicksale der Fünf, die als ein Teil des Lebens in Odessa den Gang der Geschichte und die Entwicklung der Stadt widerspiegeln.
Jabotinsky setzt seiner Heimstadt ein Denkmal und jeder Leser wird darin seine eigene Heimat und seine Jugend- und Studienjahre wiederfinden und das Gefühl, sich vorzustellen, wie es ist, wenn man sich seiner Heimat nach langer Abwesenheit wieder nähert und das Ende der Reise angesichts der vertrauten Umgebung vor Augen hat. Unbedingt lesen. Den Herausgebern der Anderen Bibliothek mag man danken, dass sie dieses Buch veröffentlicht haben, trotzdem sollte man bei den Anmerkungen zum Romantext ein bisschen mehr Sorgfalt walten lassen, viele wichtige Dinge werden nicht erklärt, dafür gibt es dann relativ unnütze Anmerkungen zu Begriffen oder Namen, die keiner Erklärung bedürfen. Aber dafür kann der Autor natürlich nichts.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ode an da alte Odessa, 4. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Empfohlen an alle die Isaak Babel's "Geschichten aus Odessa" gelesen haben.
Odessa, immer ein Staat im Staat, ob das alte Russland, die UdSSR oder die heutige Ukraine.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Fünf, 26. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fünf (Gebundene Ausgabe)
Liebevoll gestaltetes Buch. Mit Vergnügen zu lesende Erzählung aus und über Odessa aus der Zeit vor der Revolution, als die Hafenstadt ihre internationale Blüte erlebte. Leicht zu lesen, informativ und entspannende Lektüre.
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Die Fünf
Die Fünf von Vladimir Jabotinsky (Gebundene Ausgabe - Februar 2013)
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