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Adelbert von Chamisso war ein wahres Multitalent. Als Literat erlangte er Weltruhm und auch als Naturforscher war er ambitioniert, obwohl er sich erst relativ spät in seinem Leben der Botanik zuwandte. Er wird im Nachwort sogar mit Alexander von Humboldt und anderen Größen der Naturwissenschaft verglichen, was wohl etwas zu hoch gegriffen ist. Chamisso war ein fleißiger Sammler und Dokumentar auf seiner Weltumsegelung 1815-18 an Bord der Rurik, aber weder hatte die Rurik-Expedition einen naturwissenschaftlichen Hintergrund, noch hatte Chamisso die enzyklopädische Bildung oder gestalterische Freiheit eines Humboldt (der seine berühmte Amerikareise selbst finanzierte). Wirklich Bahnbrechendes hat Chamisso auf dem Gebiet der Naturwissenschaften nur wenig geleistet. Unsterblich ist er dagegen durch sein literarisches Werk und seine "Reise um die Welt", die 20 Jahre nach der eigentlichen Expedition erschien, entstammt nur zu deutlich der Feder eines herausragenden Schriftstellers, der jedoch niemals die wissenschaftlichen Präzision der Poesie unterordnet. Dieses Buch ist völlig zu Recht ein Klassiker, der seit 180 Jahren immer wieder aufgelegt wird und seine Faszination nie verlieren wird.

Kaum ein Weltreisender jener Zeit hat seine Beobachtungen so wunderbar treffend formuliert wie Adelbert von Chamisso, der, von tiefer Humanität getragen, die Schönheit der Natur ebenso erfasst, wie er die sozialen Missstände in den russischen Kolonien (Alaska) geißelt. Er ist ein aufgeklärter Humanist und Romantiker, jemand der seine Gefühlswelt genauso in Worte fassen kann, wie die Natur an sich. Und so ist sein Bericht, mehr als bei den meisten anderen Reiseautoren dieser Zeit, ein unmittelbares Zeugnis seiner Erlebnisse, so nah an der Person Chamisso, wie es nur möglich ist. Der Leser erfährt schon bald von der Enttäuschung, als Chamisso entdeckt, dass seine Teilnahme als Naturwissenschaftler ein reines Feigenblatt für die eigentlich geopolitische Expedition ist, die eine Route für die Nordwestpassage finden soll. Er fühlt sich missachtet, lässt sich aber dennoch nicht entmutigen und botanisiert und sammelt bereits umfangreich in Alaska. Seine wahre Bestimmung aber findet er in den Tropen, und hier ähnelt er sowohl in seiner Begeisterung für die Fülle der Natur als auch im Sammelfleiß tatsächlich Humboldt. Polynesien wird seine "Entdeckung". Ähnlich wie Humboldt beschränkt er sich nicht auf eine einzige Disziplin, sondern sammelt Proben aus allen Naturreichen und vor allem auch die Artefakte der lokalen Kulturen. Die nicht sehr umfangreiche zoologische Sammlung findet sich übrigens heute im Museum für Naturkunde in Berlin, die erhaltenen Herbarien lagern in St. Petersburg.

Wie wichtig Chamisso der ozeanische Kulturkreis war, erkennt man bereits am Umfang, den dieser Reiseabschnitt in seinem Buch einnimmt. Obwohl nur ein fast verschwindend geringer Teil der gesamten Route die Tropen erfasst, setzt Chamisso hier einen erkennbaren Schwerpunkt. Nichts entgeht seiner Neugier, aber es ist vor allem das Leben der Menschen, das er aufsaugt und dokumentiert. Auch erfährt der Leser viel Detailreiches vom Leben an Bord, denn auftragsgemäß befindet sich die Rurik die überwiegende Zeit der dreijährigen Reise auf hoher See. Die Missachtung seiner Kompetenz als Naturwissenschaftler übertrug sich auch auf seine Sammlungen, die Chamisso mehrfach vor den eigenen Leuten retten musste und die schon auf der Reise schwere Schäden davontrug. Der russische Fürst Romanzoff als Auftraggeber überließ ihm die Sammlung im Anschluss sogar zum Eigentum, unter der Bedingung, dass er sie publizieren sollte. Auch das zeigt, wie wenig die Rurik-Expedition einen naturwissenschaftlichen Grund hatte.

Wie immer in der Anderen Bibliothek wird die Neuausgabe auch dieses historischen Reiseberichts durch eine sorgfältige editorische Dokumentation und die Ausstattung veredelt. Erstmals sind hier alle 150 vom Zeichner der Expedition, Ludwig Choris, angefertigten aquarellierten Lithografien vollständig publiziert, zwar oft in kleinem Format, aber immer ohne Verlust von Detailinformationen.

Absolut lesenswert ist auch Frank Glaubrechts Nachwort, der sich u. a. mit der Entstehungsgeschichte der "Reise um die Welt" auseinandersetzt, die nicht unkompliziert ist. Auch die Frage, was vom Naturwissenschaftler Chamisso geblieben ist, wird untersucht, wenn auch manchmal die tatsächliche Bedeutung etwas euphemisierend. Uneingeschränkt zustimmen kann ich allerdings Glaubrechts Verortung von Chamissos "Reise um die Welt" in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts. Auch mir ist vergleichend zuerst Darwins Reise mit der Beagle eingefallen, die sich ebenfalls durch diese wunderbare Mischung aus wissenschaftlicher Präzision und Lebendigkeit auszeichnet.

Diese "Reise um die Welt" ist zweifellos die schönste und sorgfältigste Edition, die es in deutscher Sprache gibt. Einem epochalen Meisterwerk in jeder Hinsicht würdig.
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am 16. April 2014
Das ist lesenswert: Man reist mit, versetzt sich in das frühe 19. Jahrhundert und macht sich Gedanken über den charakter von Chamisso und die gesellschaftlichen Randbedingungen. Besonders schön: die Zeichnungen!
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am 23. Februar 2015
Tolle Ausgabe! Leider kleine editorische Fehler auf Seite 191: Die dargestellte Pfeife ist von den Queen Charlotte Islands (heute Haida Gwaii) und die liegen an der Nordwestküste (nicht Nordost!) Amerikas! Die Bezeichnungen von Choris ist richtig, leider nicht die Bildunterschrift. Da ich nicht auf Fehlersuche aus war, kann ich nicht sagen, ob es weitere gibt. Ich hoffe natürlich nicht!
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am 10. November 2013
Jetzt wollte ich auch die Zeichnungen dazu haben. Ein großartiges Buch, der preis allerdings auch. Das Bild von der Königin von Hawai gefällt mir besonders.
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am 28. Mai 2013
Diese Reise ist sehr spannend, ich habe gelernt woher die Wörter Marinieren, Parka, tätowieren herkommen! Auch schreibt Chamisso über die Völker nicht so respektlos, wie z.B. Mark Twain.
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am 1. Juni 2015
Eine der letzten Forschungsreisen mit dem Segelschiff, die die Bezeichnung "romantisch" verdient (trotz des faulen Trinkwassers an Bord). Der Autor, Adelbert von Chamisso, dem Bildungsbürgertum meist nur als Dichter bekannt, schreibt auch als Forscher frisch und witzig. Das Dichten habe er sich der Wissenschaft wegen streng verkniffen. Dennoch sehr amüsant. Teuer, aber eine Zierde des Bücherregals.
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