Kundenrezensionen


88 Rezensionen
5 Sterne:
 (55)
4 Sterne:
 (13)
3 Sterne:
 (10)
2 Sterne:
 (6)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


71 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sine ira et studio
»...ein Homer hätte keinen Achill, ein Goethe keinen Faust gedichtet, wenn Homer ein Achill und wenn Goethe ein Faust gewesen wäre«, schreibt Nietzsche.

Wenigstens ersteres hat Ernst Jünger mit diesem Buch widerlegt. Er ist erst Kriegsheld, erhält den während des gesamten Ersten Weltkrieges nur knapp über 600 Mal vergebenen Orden...
Veröffentlicht am 5. Dezember 2009 von Anja Friedrich

versus
7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ernst Jüngers Erstlingswerk
In Stahlgewittern, Erstlingswerk Ernst Jüngers und kalt-nüchterne Beschreibung des I. Weltkriegs aus Sicht des Offiziers und Pour-le-Mérite - Trägers, ist nicht unbedingt das, was an Ernst Jüngers Oeuvre besticht und war auch stets der Hauptgrund für die Attribute "umstritten" und "kriegsverherrlichend", die...
Am 6. September 1999 veröffentlicht


‹ Zurück | 1 29 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

71 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sine ira et studio, 5. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
»...ein Homer hätte keinen Achill, ein Goethe keinen Faust gedichtet, wenn Homer ein Achill und wenn Goethe ein Faust gewesen wäre«, schreibt Nietzsche.

Wenigstens ersteres hat Ernst Jünger mit diesem Buch widerlegt. Er ist erst Kriegsheld, erhält den während des gesamten Ersten Weltkrieges nur knapp über 600 Mal vergebenen Orden Pour le Mérite (dessen letzter lebender Träger er viele Jahre später werden sollte) und schreibt dann ein epochemachendes Werk über diesen entsetzlichen Krieg.

Grauen und Entsetzen des Krieges konnte er nur darstellen, in dem er versuchte sine ira et studio zu schreiben. »In Stahlgewittern« ist folglich weder ein Anitikriegsroman noch ein die Schlachten verherrlichendes Werk, sondern ein nüchterner Bericht. Dass er das Buch in meinem Alter geschrieben hat, also mit Anfang zwanzig, erfüllt mich mit Verblüffung und Bewunderung.

Ich habe das Buch fünf Mal gelesen, jedes Mal erfüllt von der Dankbarkeit, zu einer Generation zu gehören, die den Krieg nicht am eigenen Leib erlebt (möge es so bleiben) und von der Bewunderung für die Klarsicht und Beobachtungsschärfe, die Fairness gegenüber dem Gegner und die gegen sich selbst schonungslose Ehrlichkeit des jungen Ernst Jünger.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


221 von 243 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Must Read, 4. März 2003
Von 
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Als jemand der 1970 geboren wurde, verwundert mich nach der Lektüre dieses Buches zunächst, dass es uns in der Schule, sowohl im Literatur- als auch Geschichtsunterricht vorenthalten wurde und weiters, der seltsame Geruch der Jünger immer wieder angedichtet wurde (Revisionist, Nazi-Wegbereiter).
Das Buch liefert nämlich im Gegenteil in den letzten Kapiteln eindrucksvolle Darstellungen wie sehr die Allierte Seite bereits überlegen war (z.B. die vollen Vorratskammern in den Schützengräben der schottischen Highlander-Division, die von den Deutschen entdeckt werden als sie deren Stellungen überrennen), ein Sieg aussichtslos war.
Statt Jünger war uns in der Schule Remarque verordnet, und sein sicher auch wertvolles Im Westen nichts Neues. Der Unterschied in beiden Büchern erschließt sich wohl vor allem aus dem persönlichen Erlebnishorizont: während der eine im Krieg hauptsächlich im Lazarett die Halbtoten und Toten vor Augen hat, kämpft der andere in den Schützengräben an vorderster Front.
Wer verstehen will, was die jungen Menschen von damals in diesem Kampf getrieben und motiviert hat, der ist mit Jünger endlich bedient. Aus der Lazarettperspektive erschließt sich der Krieg als einzige Blutmühle, während Jünger - wohl in einiger Selbstüberschätzung - schildert, wie er an vorderster Front eine Offensive stoppt, denn "auch in den hochtechnisierten Schlachten sind es immer wieder einzelne Menschen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden".
Ein faszinierendes Buch, das ich atemlos gleich bis zum Schluss gelesen habe. Ich wage zu behaupten, mit Remarque sind diese Schlachten nicht zu verstehen, Jünger dagegen ist ein Beitrag gelungen. Diese Faszination, die hier unweigerlich spürbar wird, ist wohl der Grund warum das Buch vielfach totgeschwiegen wird, so wie man geheimes "böses" Wissen vertuschen will. Dabei wird insgesamt vergessen, dass Jüngers glasklare Schilderung des Krieges und seiner Schrecken, aber auch seiner Faszination, die wohl beste Impfung ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


67 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kampf als äußerstes Erlebnis, 2. November 2006
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
"Stahlgewitter", "Trommelfeuer", "Flammenmeer", "Leichenfelder", "Eisenhagel", "Feuersturm" - so lauten die immer wiederkehrenden Elementarbegriffe in Jüngers Beschreibung seiner Erlebnisse in den vordersten Linien der Materialschlachten des Ersten Weltkriegs. Viele dieser bildhaften Begriffe lehnen sich an das Vokabular tosender, zerstörerischer Naturgewalten an. Und genauso wird der Krieg auch von Jünger erfahren: als eine vernichtende Urkraft. Der Autor hat den Ersten Weltkrieg als junger Soldat und als Stoßtruppführer mitgemacht und aus seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen diesen berühmten literarischen Bericht geformt, eines der bedeutendsten Kriegsbücher deutscher Sprache. Völlig ohne Sentimentalität oder Betroffenheit wird das Kriegsgeschehen vor dem Leser ausgebreitet, es erscheint wie ein einziges großes Abenteuer. Jüngers "heroische" Haltung wurde allerdings vielfach als Kriegsverherrlichung und reaktionärer Kämpfermystizismus verstanden. Dennoch: "In Stahlgewittern" ist ein sehr lesenswertes Buch, gerade in Zeiten, in denen Anzug tragende Kriegstreiber Lügen wie die vom "sauberen Krieg" oder von "chirurgisch präzisen Luftschlägen" verbreiten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aussergewöhnliches, fast unheimliches Buch, 14. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Ich habe soeben die "Stahlgewitter" fertig gelesen und bin dermassen beeindruckt wie noch nie zuvor von einem Buch.

Wer verstehen will, WAS und WIE Krieg ist - vor allem das unfassbare Grauen der Grabenkämpfe - kommt um dieses Werk nicht herum.

Es sind vor allem die unheimlichen Details (zB ein am Helm abprallendes Geschoss ist dermassen laut das es als langes Echo durch die Gräben hallt, oder Granaten entzünden das Gras am Schlachtfeld sodass etliche Verwundete verbrennen)

Besonders gegen Ende zu - der grossen Schlacht - fühlt man sich derart miteinbezogen in dieses allumfassende Gemetzel, dass man die Beweggründe der im Blutrausch Vorstürmenden einfach versteht - jenseits irgendwelcher aufgesetzten und angelernten Moralvorstellungen.

Welch ein Glück, dass Jünger weit entfernt von allen Schulmeistereien und Pseudo-Belehrungen einfach nur zeigt wie sich der Krieg im Kopf des einzelnen miteinbezogenen Kämpfers auswirkt.

Jünger - weit mehr als eine Jahrhunderterscheinung - gestorben erst mit 103 Jahren - stellt sich als granitharte Überlebensmaschine dar (er war auch im WW2 Soldat) - der sich politisch jedoch nie kaufen oder vereinnahmen liess.
Dieses Buch - schon früh in den Zwanzigerjahren zum Kultbuch geworden - ist von einem verfasst worden, der nicht nur beteiligter Soldat war (er war hochdekorierter Stosstruppführer)- sondern an vordester Front im Blutrausch wütender Berserker, der trotzdem akriebisch genau die Gemetzel festhält.

Dieses Buch hat etwas Unheimliches, Bedrohliches - die Bilder die es erzeugt bleiben im Gedächtnis des Lesers.

Und: Es ist mit Sicherheit die drastischste und brutalste Kriegsschilderung die ich kenne - Dantes Inferno zum Quadrat.

Also nichts für zarte Gemüter!

Wer Mut hat lese dieses - zugegeben kontroverse - Buch.

Ein Jahrhundertbuch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jede Seite lesenswert!, 6. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Ernst Jünger beschreibt hier seine Erlebnisse als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg, wo er ab 1915 (bis 1918) an den Kämpfen in Frankreich und Belgien teilgenommen hat. Er entwickelt sich vom einfachen Soldaten in der Gruppe zum Offizier und Kompanieführer, hat eine gute Hand als Führungskraft und kommt so manches Mal mit viel Glück durch höchst lebensgefährliche Lagen. Der Autor vermittlet seine zahlreichen Erlebnisse nicht nur logisch aufgebaut, chronologisch und gut strukturiert; viel mehr erzeugt er stets Bilder in den Köpfen der Leser. Ernst Jünger beschreibt die Schützengräben, Unterstände, Stollen, Dörfer, Wälder und Sümpfe, die ihn umgeben. Er gibt die Geräusche, die Gerüche, das Licht, die Erschütterungen und die Atmosphäre um ihn herum wieder. Der Leser lernt die Waffen, Ausstattung, Einsatzmittel, bis hin zu genauen Beschreibungen der zahlreichen Artilleriegeschosse kennen, mit denen sich ein Leutnant an der Westfornt "anfreunden" musste. Gleichzeitig lernt der Leser die Organisation Militär, ihre Taktik und die Menschen kennen, die den Autor an der Front begleitet haben.
Ernst Jünger schreibt seine aus heutiger Sicht unglaublichen Erlebnisse in einer Umgebung des absoluten Grauens auf eine Art und Weise nieder, die einen erkennen lässt, wie schlimm dieser Krieg für die Soldaten einerseits war, wie der Autor selbst aber motiviert, pflichtbewusst und besonnen mit außerordentlicher mentaler Stärke seinen Auftrag erledigt hat, ohne zu jammern. Mannestugend, Sportsgeist und Ehre sind dem Autor, ganz dem damaligen Offiziersgeist entspechend, wichtig; er achtet den "Feind" und begenet ihm mit Respekt, obwohl dieser "Feind" ihm und seinen Kameraden so viel Schlimmes zumutet. Ernst Jünger verherrlicht den Krieg nach meiner Empfindung aber nicht; er beschreibt ihn nur sehr anschaulich, mitunter soldatisch kernig und ohne Selbstmitleid.

Spätestens, wenn man dieses Buch gelesen hat, empfindet man Hochachtung für das, was diese Soldaten, egal ob Deutsche, Engländer oder Franzosen, damlas ertragen und geleistet haben.
Ich bin sehr glücklich, im Jahr 2013 in einem friedlichen Westeuropa zu leben und den Frieden hier vor Ort als eine ganz normale Sache erleben zu dürfen.

Abschließend möchte ich anmerken, dass Remarque's "Im Westen nichts neues" zwar der Klassiker schlechthin auf diesem Gebiet ist, ich das Werk von Ernst Jünger "In Stahgewittern" persönlich aber besser finde. Besonders kann ich außerdem noch "Heeresbericht" von Edlef Köppen empfehlen; dieses Buch ist zutiefst beeindruckend.
Wer dazu noch ein Top Sachbuch sucht: Hew Strachan, "Der Erste Weltkrieg".
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


45 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der großen Weltkrieg I-Romane, 27. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Ja, dieses Buch ist politisch unkorrekt !!! Aber - ist es auch kriegsverherrlichend ? Uneingeschränkt kann ich dieses Urteil nicht gelten lassen und deshalb wundere ich mich über Ein-Punkte-Wertungen mit dem Tenor "Tolle Sprache, sehr gut geschrieben, aber kriegsverherrlichend". Denn das dieses Buch von seiner sprachlichen Kraft und seinem Bilderreichtum her eine Wucht ist, scheint ja kaum jemand zu bestreiten. Mein Eindruck ist, das hier dem Kampf der Grabenbesatzungen gegen den Gegner (der übrigens respektvoll beschrieben wird) und vor allem gegen die lebensfeindliche Umwelt (Gasangriffe, ständiger Artilleriebeschuß), also dem Kampf an sich als sinnstiftendem Element im menschlichen Leben, ein Denkmal gesetzt wurde. Sehr befremdend ist natürlich die Todesverachtung dieses Mannes, er scheint an seinem Leben kaum zu hängen, er beschreibt einen Augenblick, in dem er meint zu sterben, als einen der "ganz wenigen, von denen ich sagen kann, daß er wirklich glücklich gewesen ist". Trotzdem: Er beschreibt seine Freundschaft zu den französischen "Gastfamilien", bei denen er einquartiert wurde, er zollt dem Gegner Respekt (und das selbst in der Ausgabe aus der Zeit des Dritten Reiches, die ich gelesen habe), er beschreibt auch die Verzweiflung, die ihn befällt, als durch einen Artillerievolltreffer ein Großteil seiner Kompanie getötet wird. Dieses Buch und "Im Westen nichts Neues" sollte man beide gelesen haben, sie ergänzen sich gut. Das Buch als Kriegsverherrlichung oder gar als einer der Wegbereiter des Dritten Reiches zu bezeichnen, halte ich für abwegig, wenn man das Buch gründlich liest, wird man feststellen, das dem nicht so ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentisches Nacherleben jenseits des kanonisierten Mainstreams, 17. April 2011
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Jünger versteht es sein eigenes Kriegserlebnis, aus dem er hochdekoriert hervorging, sprach- und wortgewaltig, schonungslos, erschütternd und präzise wiederzugeben. Dabei simuliert er erzählerisch anspruchsvoll und mitreißend die synästhetischen, bisweilen bizarren Eindrücke des Frontoffiziers im Krieg.
Der Roman ist eindeutig autobiographisch ausgelegt und stellt die eigene Erfahrung in den Vordergrund, während andere Figuren Statisten bleiben.
Jünger versuchte mit 'In Stahlgewittern' nicht nur das Kriegserlebnis zu verarbeiten, sondern auch sein eigenes anachronistisches heroisches Lebenskonzept vor der Realität der modernen Material- und gesichtslosen Massenschlacht des ersten Weltkrieges zu verteidigen.
Wenn man die Biographie des Autors in Betracht zieht, ist diese positive Deutung des Kriegeserlebnisses als unvergleichliche 'Schule des Lebens'alles andere als hohle Phrasendrescherei, sondern ein glaubwürdiges, knallhartes Nacherleben aus der Sicht eines Stoßtruppführers an vorderster Front, ohne in irgendeiner Form pathetisch zu wirken. Zugleich ist es eine Sinnsuche für den Autor, der über der offiziellen Propaganda zum Krieg steht, in den Abgrund des Massensterbens geblickt hat und mehr als einmal dem Tod nur knapp entgangen ist.
Der Roman ist absolut lesenswert, auch wenn er für eine heute entsprechend sozialisierte Generation verstörend wirken mag, und bietet authentische Einblicke jenseits des kanonisierten Mainstreams.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie kann man..., 13. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
Wie kann man dieses im deutschsprachigen Raum mehr berüchtigte als berühmte Buch zustimmend rezensieren, ohne falsch verstanden zu werden? Ernst Jünger war offensichtlich nicht der Ansicht, dass eine Welt ohne Krieg überhaupt vorstellbar sei. Ich dagegen sehr wohl. Ernst Jünger äußerte sich publizistisch antisemitisch. Ich sehe nicht, dass sich das entschuldigen ließe. Er doktorte seine Werke in der Nachkriegszeit um und wurde dafür von literaturkritischer Seite vielleicht zu Recht kritisiert. All dies aber lässt mich nicht übersehen, dass Jünger in seinem bekanntesten Werk eines der meines Wissens wenigen Beispiele eines psychologischen Modernismus in der deutschen Literatur vorlegt, also einer Literatur, die nicht sprachlich, sondern inhaltlich revolutionierend modern ist, da sie die psychologische Zersprengung des vermeintlich sich selbst kontrollierenden Selbst thematisiert. Dann woll'n wir mal gucken, sagt sich der Autor und begibt sich im Selbstversuch in die furchtbarste Kriegssituation, die bis zum Jahre 1939 erlebbar war. Materialschlacht, Fronteinsatz, Erster Weltkrieg. Diese Erfahrung gibt Jünger mit einer geradezu filmisch wirkenden Effektivität wieder. Die komplett entmenschte surreal-bittere grausame Mondlandschaft Erster Weltkrieg wird so eindringlich und erst einmal doch auch sehr unideologisch (sowohl im Für als auch im Wider) wiedergegeben, dass mir seit der Lektüre dieses Buch als Referenzpunkt für im Grunde unfassbare Kriegsgreuel in Erinnerung geblieben ist. Diese Buch ist ein Meisterwerk. Durchschauen muss man natürlich, dass hier ein Ich-Erzähler wie ein unverwundbarer Simplizissimus einen Krieg überlebt, an dessen menschenmordender Vernichtungskraft Jünger keinen Zweifel lässt. Den Mythos des überlebenden Anarchen hat Jünger gelungen an seiner eigenen Person zelebriert. Das tut der literarischen Aufklärungsleistung dieses bewundernswerten Buches keinen Abbruch. Was dem dankbar anzuerkennenden Pazifisten Remarque nicht gelang, gelingt dem schnoddrig wertungsfreien "Lebens-Experimentator" und Käfersammler Jünger. Ein Buch, das als erster Kronzeuge genannt werden kann, wenn Gründe gesucht werden, jeglichen Krieg zu ächten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kriegsverherrlichend oder ein Anti-Kriegsbuch?, 9. April 2014
Von 
Uwe Fischer (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Broschiert)
E. Jünger wurde jahrzehntelang gehasst: von den linken Kriegsgegnern (5 Kolonne Moskaus), von denen, die ihn nie verstanden und von Gutmenschen. Okay, manchmal hatte auch ich beim Lesen den Eindruck, als ob er den Krieg wie einen Ausflug schilderte. Aber ich glaube, eine Definition seiner Literatur trifft es am besten: Surreal! In dem er den Tod so nebensächlich geschehen lässt, fast in einem Nebensatz kurz erwähnend, wird der Schrecken des Krieges und des Todes präsenter. Ein tolles Meisterwerk!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packender und erschreckender Tatsachenbericht über das Grauen des Krieges, 24. Mai 2011
Von 
Leseratte (Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern (Gebundene Ausgabe)
"In Stahlgewittern" ist das erste Buch Ernst Jüngers. Es beschreibt Jüngers Erlebnisse an der deutschen Westfront im Ersten Weltkrieg von Januar 1915 bis August 1918. Das Buch begründete in den zwanziger Jahren Jüngers Ruhm als Schriftsteller.

Ernst Jünger wurde im März 1895 geboren - das heißt, bei seinen ersten im Buch geschilderten Erlebnissen ist er noch nicht einmal ganz 20 Jahre alt.

Im Urteil der Zeitgenossen wie auch späterer Kritiker spiegelt sich die Zwiespältigkeit des Werks wider, das den Krieg zwar in all seiner Brutalität beschreibt, ihn aber weder ausdrücklich verurteilt noch auf seine politischen Ursachen eingeht. Man kann es daher als Antikriegsbuch, neutral oder sogar kriegsverherrlichend lesen - letzteres aber meines Erachtens nur mit viel bösem Willen. Fernab jeder politischen oder moralischen Parteinahme wird das Kriegsgeschehen bei Jünger in allen Details geschildert. Jüngers Sprache ist die eines neutralen Berichterstatters, unprätentiös und klar - was den oftmals schrecklichen Inhalt noch plastischer und grauenvoller hervortreten lässt. Etwa, wenn Jünger minutiös den Ablauf und die Folgen eines Giftgasangriffs schildert - oder das Leben im Schützengraben, wenn bei Dauerregen der Schlamm die Leichen der vorherigen Stellungsbesatzung zu Tage fördert.

Das Werk basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen Jüngers, die er kurz nach dem Krieg zu einem Buch verarbeitete. Jünger schildert die Kampfhandlungen aus der Perspektive eines jungen Kriegsfreiwilligen, der sich nach seiner ersten, im Frühjahr 1915 in der Champagne erlittenen Verwundung zum Infanterieoffizier weiterbilden lässt und anschließend in der Gegend von Arras den Stellungskrieg kennenlernt. Im Zuge seiner Teilnahme an den Kriegsereignissen der folgenden Jahre (u. a. Schlacht an der Somme, Dritte Flandernschlacht, Schlacht von Cambrai, Deutsche Frühjahrsoffensive 1918) entwickelt er sich zum erfahrenen Stoßtruppführer, der zumeist an vorderster Front eingesetzt und mehrfach verwundet wird und hohe Tapferkeitsauszeichnungen erhält (die der Autor mehrfach erwähnt). Er begibt sich oftmals, häufig freiwillig und dem Anschein nach stärker von Neugier und Abenteuerlust als von Pflichtbewusstsein getrieben, in sehr gefährliche Situationen, die er oft nur mit unerhörtem Glück überlebt.

Alles in allem: Ein packender Tatsachenbericht über das Grauen des 1. Weltkriegs.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 29 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

In Stahlgewittern
In Stahlgewittern von Ernst Jünger (Audio CD - 12. Mai 2014)
EUR 34,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen