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4,3 von 5 Sternen
Schnelles Denken, langsames Denken
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232 von 254 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Kahnemann stellt im Buch die Frage, wie Menschen heute Entscheidungen treffen und welchen Irrtümern und Fehleinschätzungen sie dabei unterliegen. Er geht dabei von einem Zusammenspiel zweier Denk-Systeme aus: einem schnellen, intuitiven, dass häufig zu falschen Entscheidungen führt, und einem zweiten, analytischerem , dass wir erschütternd oft unbewusst umgehen.

Das schnelle, assoziative Denken nennt er System 1. Wenn zum Beispiel nach der Hauptstadt von Frankreich gefragt wird, hat man sofort Paris im Sinn. Und bei der Frage nach dem Ergebnis von 2 + 2 weiss man sofort: 4. Aber dieses schnelle, assoziative Denken hat eben auch seine Tücken, führt zu eingeschränkter Wahrnehmung. Hier sei der berühmte "Gorilla-Test" angeführt. Dabei sollten Probanten in einem Video sich nur auf die Spieler in Weiß konzentrieren. 50 % von ihnen bemerkten nicht den schwarzen Gorilla, der auch mit im Bild war. Oft übersehen wir also Offensichtliches.

Das langsame, wohlüberlegte, rationale Denken soll uns davor schützen. Der Autor nennt es das System 2. Auch hierzu nennt der Autor ein einleuchtendes Beispiel. Ausgehend von der bereits erwähnten Frage nach dem Ergebnis von 2 plus 2 macht er die Rechenaufgabe nun wesentlich schwieriger. Er fragt nämlich nach dem Ergebnis von 13 mal 18. Natürlich kommt man (ohne Taschenrechner) auch irgendwann auf das richtige Ergebnis von 234. Aber es ist schon wesentlich mühseliger.

Das langsame, analytische Denken (System 2) ist also anstrengend, kostet mentale Energie, so dass man unbewusst dazu neigt, es zu umgehen. Hierzu ebenfalls ein Beispiel aus dem Buch. Es wurden die Urteile von Richtern untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass die Urteilsspüche weniger mit den individuellen Fällen und stattdessen mehr mit dem Tagesablauf der Richter zu tun hatten. Die Richter haben viel mehr Leute auf Bewährung entlassen, wenn der Fall früh oder nach der Mittagspause dran kam. Die schlechtesten Chancen hatten Häftlinge, wenn ihr Fall verhandelt wurde und die Richter schon mehrere Stunden gearbeitet hatten. Hier wurden die meisten Bewährungsanträge abgelehnt.

Kahnemann erklärt dieses Phänomen mit mentaler Müdigkeit. Er sagt, dass die Arbeit von Richtern in erster Linie langsames, analytisches Denken beansprucht. Dies ist aber anstrengend und laugt die mentalen Energiereserven aus. Deshalb ist es eine menschliche Reaktion der Richter, irgendwann im "Standard-Modus" zu denken. In diesem Fall mit der Überlegung: er sitzt schon im Gefängnis, also lieber nichts dran ändern.

Fazit: Das Buch ist sehr wissenschaftlich und oft anstrengend. Schliesslich hat man es auch mit einem Nobelpreisträger zu tun. Aber die Lektüre lohnt doch aufgrund der vielen interessanten Fallstudien und der damit verbundenen Denkanstösse.
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198 von 217 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juni 2012
Ich habe mir dieses Buch vor ein paar Wochen bei AMAZON bestellt und bin absolut begeistert davon ! Öfters bleibe ich an bestimmten Stellen hängen und ich muss dann den Satz wiederholen,denn dieses Buch stellt für mich (nur Hauptschulabschluss !) eine wahre Herausforderung dar.
Aber genau das ist ja mitunter das so Interssante an diesem sehr umfangreichen Werk,dass dem Leser einen sehr hohen Informationsgehalt bietet und ihm immer wieder zum Nachdenken und Reflektieren animiert. Es lässt sich meiner Meinung nach ein hoher Nutzen daraus ziehen,da erklärt wird,wie geistige Prozesse im Allgemeinen so ablaufen und wie sehr die Realität oft von Illusionen verblendet wird. Nur,und was mich sehr fasziniert hat ist die Tatsache,dass auch das was man sieht und 100 Prozent für richtig hält oft täuscht und verzerrt und erst bei genauer Betrachtung und unter Einsatz des Denkapparates objektiv transparent wird.
Ich denke,dass es Kahnemann darum geht,dass die Menschen einfach mit bewussteren Augen durch die Welt gehen und dass sie viele Fallstricke schon im Ansatz vorwegnehmen und dann eventuell die Richtung ändern oder den Plan bei mehr Aufwand als Nutzen aufgeben .Was mir auch sehr gut gefallen hat war,dass es nicht von Vorteil ist,schwierige Fragen durch leichte zu ersetzen. Diese erschreckende Thematik wird von einigen Menschen,die ich kenne geradezu passioniert betrieben und ich kann dazu nur ein bisschen was von Einstein zitieren: Innerhalb des Problemrahmens kann man das Problem nicht lösen.
Meiner Meinung nach ist dieses Buch sehr lehrreich und ich empfehle es uneingeschränkt weiter !!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 15. April 2015
Dem 1934 in Tel-Aviv geborenen Kahneman wurde 2002 der 'Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaft zur Erinnerung an Alfred Nobel', umgangssprachlich 'Wirtschaftsnobelpreis', zugesprochen. Das vorliegende Buch ist eine Art Wegbeschreibung der Theorien, Versuche und Irrtümer, die Kahneman und sein Kumpel Amos Tversky im Laufe der Zeit entwickelt bzw. gemacht haben. Es fasst deren Verständnis und Vorstellung von Urteils- und Entscheidungsprozessen (unter Ungewissheit) beim Menschen zusammen, die maßgeblich von den Entwicklungen und Entdeckungen in der kognitiven und Sozialpsychologie der letzten Jahrzehnte geprägt wurden.

Das Buch besteht aus fünf recht unterschiedlichen Teilen. Im ersten Teil stellt Kahneman seine Theorie der Urteils- und Entscheidungsprozesse auf Basis zweier unterschiedlicher Arten des Denkens vor: des unwillkürlichen, automatisch laufenden System 1 und des mühevollen, für die Selbstbeherrschung zuständigen System 2. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Urteilsheuristiken und kognitiven Verzerrungen. Darauf basierend beschreibt der Autor im dritten Teil, 'Selbstüberschätzung', diese erstaunliche Konsequenz der menschlichen Probleme im Umgang mit statistischen Daten. Im vierten Teil präsentiert Kahneman die Schlüsselkonzepte seiner 'Neuen Erwartungstheorie (Prospect theory)', die er und Amos Tversky bereits 1979 veröffentlichten. Der letzte Teil schließt das Werk mit Betrachtungen über die Diskrepanz zwischen Erinnerung und Wirklichkeit.

Der Ansatz der beiden widerstreitenden Systeme 1 und 2 wird im ersten Teil ausführlich, recht überzeugend und mit vielen Experimenten und Versuchsanordnungen unterfüttert vorgestellt. Kahneman schreibt locker und fesselnd, seine Beispiele sind zwar nicht immer überzeugend, aber insgesamt sehr bedenkenswert. Das ändert sich, wenn sich der Autor mit Statistik befasst. Seine Verallgemeinerungen in Bezug auf heuristische Verzerrungen und logische Fehlinterpretationen sind nicht immer einleuchtend. Es mag daran liegen, dass ich persönlich eine gewisse Affinität zur Mathematik nicht leugnen kann. Doch mit der Verwendung der Bayesschen Statistik bei einfachen Wahrscheinlichkeitsberechnungen schießt Kahneman meines Erachtens mit Kanonen auf Spatzen. Einfaches Nachdenken und Beschreiben überzeugt mehr als komplizierte Berechnungen. Auch im dritten Teil, wo Kahneman die Bedeutung von Glück im Sinne zufälliger Ereignisse einführt und die Regression zum Mittelwert perpetuiert darlegt, sind seine künstlichen Experimente und die darauf basierenden Überlegungen empirisch nicht eindeutig fundiert. Menschen lassen sich nicht auf simple Wahrscheinlichkeiten reduzieren. Der Preisträger zeigt sich hier als bemerkenswerter Technokrat. Auch ist Selbstüberschätzung kein unbekanntes Phänomen; doch warum sind gerade diese Personen (trotzdem oder deswegen?) in unserer Gesellschaft so erfolgreich?

Kahneman und Tversky erforschten in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts, wie Menschen Entscheidungen treffen. In zahlreichen Beispielen zeigten die beiden, dass Verluste stärker ins Gewicht fallen als entsprechende Gewinne. Die Autoren fokussierten dabei auf die Fehleinschätzungen von Wahrscheinlichkeiten. Aussagen wie »Tsunamis sind selbst in Japan sehr selten, aber das Bild ist so anschaulich und eindringlich, dass Touristen zwangsläufig ihre Wahrscheinlichkeit überschätzen« sind statistisch sicher belegbar, wirken heute, 4 Jahre nach dem verheerenden Unfall in Fukushima, aber deplatziert, makaber. Begriffe wie 'Econs', 'Humans', 'Priming', 'Framing' 'Verlustaversionen' oder 'emotionale Saldi' wurden von den beiden Forschern benutzt und erläutert, jedoch nicht auf ihre kulturellen und soziologischen Komponenten untersucht. Überhaupt wirkt der Autor sehr von amerikanischen Werten und Vorstellungen geprägt, die er zu selten kritisch hinterfragt.

Kahnemans Ideen manifestieren sich in drei menschlichen Dualitäten des Denkens und Handelns:
- System 1, das für das schnelle Denken sowie für intuitive Urteils- und Entscheidungsfehler zuständig ist, und das gemächlichere System 2, das das erste zu überwachen versucht.
- Humans, die in der realen Welt agieren, und die gegensätzlichen Econs, die realitätsgebunden, rational, kalt sind.
- Die beiden Selbste, das erlebende und das erinnernde, das sich seine Welt zurechtbiegt.

Im Anhang sind zwei Artikel von Kahneman und Tversky auf insgesamt weniger als 50 Seiten abgedruckt, deren Inhalt die vorausgehenden 500 Seiten ausgezeichnet zusammenfasst. Die vorausgehenden ausschweifenden autobiografischen Erzählungen zu Irrungen und Wirrungen des Autors als Psychologe in der israelischen Armee sind zwar auflockernd, aber teilweise auch sehr zäh zu lesen. Manchmal wirkt Kahneman erstaunlich unwissenschaftlich, ja pauschalisierend. So bleiben viele seiner Auslegungen diskussionswürdig, seine ungewöhnlichen Interpretationsansätze aber immer anregend.
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129 von 146 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 1. November 2012
Der prominenteste und erklärteste Kritiker Kahnemanns ist Gerd Gigerenzer, Direktor des Center for Adaptive Behavior and Cognition (ABC) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Gigerenzer, wie Kahnemann Psychologe, hat sich mit Forschungen zum heuristischen Denken und Entscheidungen bei Risiken und Unsicherheiten einen Namen gemacht und mit einer Reihe von Werken auch an ein größeres Publikum gewandt: Das Einmaleins der Skepsis: Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken,Gut Feelings: The Intelligence of the Unconscious,Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition,Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen - 2 CDs - JOK2286C.

A) GIGERENZERS HAUPTEINWAND
gegen Kahnemann greift schon im Titel des Buches an, in dem Kahnemann einen irreführenden Gegensatz zwischen dem schnellen, assoziativen Denken (System 1) und dem langsamen rationalen Denken (System 2) aufbaut.

Um zu begründen, daß Kahnemann irrt, mußte Gigerenzer nur zeigen, daß das rationale Denken auch schnell sein kann, wenn man effektive Heuristiken entwickelt und bewußt anwendet:

I. Unbewußt und schnell: Die Ballannahme beim Fußballspiel
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Um den Auftreffpunkt eines hohen Balles auf dem Rasen zu berechnen, müßte ein Fußballspieler eigentlich eine komplizierte Differentialgleichung lösen, in die u.a. Windgeschwindigkeit, Luftwiderstand und Drall eingehen, dann dort hinrennen und den Ball annehmen. So macht er das gewiß nicht, schafft es aber immer wieder dort zu sein, wo der Ball landet. Des Rätsels Lösung ist die sog. Blickheuristik (engl. „gaze heuristic“): Wenn ein Ball von oben herunterkommt, fixiert ihn der Spieler und fängt an zu laufen. Die Heuristik besteht darin, seine Laufgeschwindigkeit so anzupassen, daß der Blickwinkel, der Winkel zwischen Auge und Ball konstant bleibt.
Der Witz dabei ist, daß der Fußballer den Landepunkt des Balles weder kennt noch vorausberechnet, aber durch Anwendung dieser Methode eben zur gleichen Zeit wie der Ball an der Stelle ist, wo der auftrifft ;-). Der Fußballer muß sie sich nicht bewußt machen, es gelingt unabhängig davon; Hunde können es im Prinzip auch.

II. Bewußt und schnell: Die Vorbereitung einer Notlandung
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Ausgebildete Piloten nutzen die Blickheuristik dagegen ganz bewußt, um zu einer schnellen Entscheidung zu kommen. Das Beispiel, das Gigerenzer gerne verwendet, ist die bravouröse Notlandung des „Helden vom Hudson-River“. Der Pilot Sullenberger des US-Airways-Fluges 1549 war im Jahre 2009 mit dem Unglück konfrontiert, daß seine Maschine noch im Steigflug in einer Höhe von weniger als 1 km durch Vogelschlag einen Schubverlust beider Triebwerke erlitt. Er gelang ihm, auf dem Hudson notzulanden. Vorher meldete er, daß er es nicht schaffen werde zum New Yorker Flughafen LaGuardia zurückzukehren und auch nicht zu einem zweiten Flugplatz mit Sichtkontakt. Wie konnte er das so sicher und schnell sagen? Gigerenzer erzählt, daß Sullenberger bei dieser Frage auf die Blickheuristik der Piloten beim Gleitflug verwies. Sinkt ein anvisierter Zielort im Blickfeld des Piloten relativ zum Horizont, würde er ihn überfliegen, steigt er dagegen, wird er ihn mit Sicherheit verfehlen.

B) ZUR IRRTUMSGEFAHR BEI INTUITIVEN ANTWORTEN
Um die Irrtumsanfälligkeit intuitiver Antworten hervorzuheben, stellt Kahnemann Probleme gerne so, daß jeder prompt eine falsche Antwort gibt. Die berühmte Mammographie-Frage, die fast alle Ärzte falsch beantworten, die Laien erst recht, stellt er so:
a) die Krankheitshäufigkeit von Brustkrebs sei P(K)=1%
b) die Entdeckungsrate der Mammographie liege bei P(Pos/K)=80%
c) die falsch-positive Diagnose, bei der eine Gesunde als krank eingestuft wird, sei P(Pos/G)=10%
Gesucht ist P(K/Pos), also: Wieviel Prozent der Frauen, die positiv getestet wurden, haben wirklich Brustkrebs? Die meisten antworten 75% oder so, was ganz ganz falsch ist und Kahnemann freut sich riesig, daß er recht zu haben scheint.

Gigerenzer würde aber schon die Informationen zur obigen Frage, wieviel der positiv Getesteten wirklich krank sind, erfrischend anders präsentieren. Nämlich so:
a) 10 Frauen von 1000 haben Brustkrebs
b) die Mammographie entdeckt von diesen 10 genau 8
c) von dem Rest von 990 werden 99 falsch-positiv diagnostiziert

Und schon schwant dem Befragten, daß er nun nur noch 8 durch 99 teilen muß, um zu der ziemlich erschreckenden, guten oberen Abschätzung zu gelangen, daß also weniger als 8% der Frauen, die den schlimmen Befund bekommen, wirklich erkrankt sind. Aber selbst die genaue Rechnung ist nicht viel aufwendiger. Dafür muß er 8 durch 99+8, also 8 durch 107 dividieren, was 7,5% ergibt. Richtig gerechnet! Jetzt freut sich aber Gigerenzer.

Das überlegene, aber angeblich immer langsame rationale System 2 Kahnemanns sähe die Anwendung der Bayesschen Formel für bedingte Wahrscheinlichkeiten vor: P(K|Pos) = [P(Pos|K) x P(K)] / P(Pos) = [0,8 x 0,01] /[0,8 x 0,01 + 0,99 x 0,1] . Das ist aber - wie man gesehen hat - bei adäquater Fragestellung überhaupt nicht nötig, so daß auch dieser Punkt m.E. an Gigerenzer geht.

FAZIT
Die Gegenüberstellung vom schnellen Denken in unbewußter und bewußter Variante (I und II) zeigt, daß auch Nobelpreisträger schwere Einwände fürchten müssen. Gigerenzer meint, daß Kahnemann, der Vater des sanften Paternalismus, mit seinem Buch nur heillose Verwirrung stiftet. Meine Empfehlung ist daher, nach der Lektüre unbedingt zum Gegengift der Schriften Gigerenzers zu greifen ;-).
(s.o. oder Simple Heuristics That Make Us Smart (Evolution and Cognition) und Adaptive Thinking: Rationality in the Real World (Evolution and Cognition))
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86 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Februar 2013
Da die wirklich sehr interessanten Erkenntnisse des Herrn Kahneman schon oft rezensiert wurden, möchte ich mich hier mehr auf den Schreibstil konzentrieren.

Obwohl der Inhalt des Buches wirklich sehr interessant ist, schafft es der Autor nicht, dass sich beim Leser ein gewisses Lesevergnügen einstellt. Ein "Leseflow" stellt sich hier nur selten ein. Mühsam muss man manche Sätze 2-3 mal lesen (zumindest wenn man, wie ich, gerne alles verstehen würde), ehe man einigermaßen nachvollziehen kann, was der Autor mit seiner abstrakten Bemerkung nun eigentlich sagen will (vor allem auf den letzten 200 Seiten fiel mir das verstärkt auf). Immerhin gibt es zahlreiche Beispiele und Studien, die dann im Anschluss klar machen sollen, was der Autor sagen will, wenn er Sätze raushaut wie z.B.

"Die Definition von Rationalität als Kohärenz ist in einer wirklichkeitsfremden Weise restriktiv." (s.S.508 unten)

Sowas will doch niemand lesen, der kein Masochist ist. Es wirkt geradezu absurd, dass der Autor zu Beginn des Buches darauf hinweist, dass es ein Zeichen von Intelligenz sei, wenn man in der Lage ist, sich durch eine einfache und klare Sprache verständlich zu machen. Unterbewusst will er sich dann als Nobelpreisträger aber wohl doch etwas eloquenter ausdrücken als es tatsächlich nötig wäre. Mag sein, dass das Buch im Original flüssiger zu lesen ist, aber die deutsche Übersetzung (und die wird hier rezensiert) ist meines Erachtens stark verbesserungswürdig.
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42 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Titel "Nobelpreisträger" scheint viele Leser noch immer in stillen Ehrfurcht erstarren zu lassen. Während andere Rezensenten gleich alles mit 5 Sternen belohnen, was von einem Nobelpreisträger stammt, entschuldigen die Kritiker dieses Buches den zum Teil unnötig schwerfälligen Stil von Daniel Kahneman mit dem Hinweis auf Kahnemans wissenschaftliches Renommee. Aber andere Nobelpreisträger haben zum Glück bewiesen, dass sich selbst komplexe Zusammenhänge und ausgeklügelte Experimente verständlich vermitteln lassen, ohne gleich in dumme Vereinfachungen zu verfallen. Kurz: Es braucht ein gehöriges Mass an Konzentration und Ausdauer, um dieses gut 600 Seiten dicke Werk durchzuackern.

Mit dem Siegeszug der Hörbücher hat sich jedoch die Möglichkeit ergeben, die Leseleistung auszulagern und sich den roten Faden von einem geschulten Sprecher knüpfen zu lassen. Bei Werken, die mich so interessieren wie dieses, mache ich jeweils von dieser Option Gebrauch und kaufe sowohl das Buch als auch die CDs. Das sind in diesem Falle dank dem mp3-Format nur deren drei, obwohl die vollständige Lesung 20 Stunden und 46 Minuten dauert. Und weil Jürgen Holdorf selbst holprige Stellen liest, als stammten die Sätze von Thomas Mann, bleibt die Aufmerksamkeit hoch.

Was der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman geschrieben hat, sei eine Betriebsanleitung für unser Gehirn, meint Denis Schreck von der ARD. Diese Einschätzung teile ich nicht, obwohl wir tatsächlich eine Unmenge über das blumenkohlähnliche Ding auf unserem Hals erfahren. Denn Kahneman konzentriert sich vor allem auf Vorgänge, die mit Entscheidungen zu tun haben. Zudem führt er Begriffe ein, die nicht zum Sprachschatz der Neurowissenschaftler gehören und zu Missverständnissen führen können. Aber indem Kahneman von System 1 und System 2 spricht, umschifft er elegant die fruchtlosen Auseinandersetzungen um die richtigen Definitionen von Bewusstein, Unbewusstem und Vorbewusstem.

Gründe, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen, gibt es genug. Zu den wichtigsten zähle ich den Anstoss, sich intensiver mit der Rolle der unbewusst arbeitenden Hirnareale zu beschäftigen. Denn es ist nun mal so, dass menschliches Verhalten mehrheitlich von Hirnregionen gesteuert wird, auf die unser bewusstes Ich keinen Einfluss hat. Und weil wir das noch immer nicht wahrhaben wollen, trägt der dritte Teil die Überschrift „Selbstüberschätzung“.

Nach der Einleitung, in der Daniel Kahneman eine kurze Bestandesaufnahme macht, stellt der Autor die beiden Systeme vor, deren Verständnis unabdingbar ist, um seinen weiteren Ausführungen folgen zu können. Unsere kognitiven Verzerrungen erklärt Kahneman anhand vieler Beispiele, von denen allerdings die meisten auch schon von anderen Autoren aufgenommen wurden. Zu etlichen inhaltlichen Wiederholungen kommt es im vierten Teil „Entscheidungen“, da sich Themen der Heuristik durch das ganze Buch ziehen. Und vor dem gut 100 Seiten umfassenden Anhang sagt uns Daniel Kahneman noch, was er unter „Zwei Selbste“ versteht.

Mein Fazit: Das Verdienst von Daniel Kahneman besteht vor allem darin, dass er mit seinem Renommee ein breites Publikum anzieht und damit den Abschied vom Homo oeconomicus wesentlich beschleunigt. Auch wenn es noch einige Jahre dauern wird, bis die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung und der Verhaltensökonomie lieb gewonnene Weltbilder und Modelle verändern, ist der Anfang nun gemacht. Wer sich mit Daniel Kahnemans Ausführungen über menschliche Verhaltensweisen beschäftigt, erhält jedenfalls ein differenziertes Bild, als es in populärwissenschaftlich verkürzten Werken vermittelt wird.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Februar 2015
Ist es System 1 oder System 2, das mich gerade reitet – das ist hier die Frage. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann bezeichnet das System 1 als unser Bauchgefühl, unsere unbewusste Assoziationsmaschine, schnell und mühelos, dabei geneigt sich selbst zu überschätzen und oft zu falschen (weil irrationalen) Schlussfolgerungen führend.
System 2, unser Verstand, ist dagegen langsam und faul und kostet zudem deutlich mehr Energie. Dafür aber ist er in der Lage, etwas sorgfältig und genauer zu überdenken und viel differenzierter abzuwägen, als dies System 1 in der Lage wäre.
Als Coach bin ich in zweierlei Hinsicht von diesem Buch beeindruckt. Einmal weil man auf sein Bauchgefühl in vielen Situationen zwingend angewiesen ist und deshalb gut daran tut, seine Grenzen zu kennen. Ansonsten kann man gerade in meinem Beruf schnell die falschen Schlüsse ziehen.
Andererseits, weil es Entscheidern und Führungskräften, eine Fülle von Anregungen bietet, die großen Vorzüge von System 1, dem Bauchgefühl, zu nutzen, dabei aber seine Unzulänglichkeiten mit Hilfe des Systems 2, des Verstandes, auszugleichen.
Um das Problembewusstsein zu wecken beschreibt der Autor viele Mängel von System 1, zum Beispiel den Rückschaufehler, allseits bekannt auch als „Wusste ich es doch“. Danach gibt der Autor dem Leser jede Menge hilfreicher Methoden an die Hand, wie die Premortem Analyse, die es ermöglicht, Planungsfehler unseres ach-so-wissenden Systems 1 zu vermeiden.
Alles in allem ein unterhaltsames und sehr fundiert geschriebenes Buch, dass auf keinem Schreibtisch fehlen sollte.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Januar 2014
Ich habe das Buch zunächst in der englischen Originalfassung gelesen, später dann noch einmal auf Deutsch. Für die deutsche Fassung teile ich die Kritik, dass die Sprache relativ schwer verständlich ist. Dies gilt allerdings nicht für das englische Original – vorausgesetzt, das eigene Englisch ist gut genug. Kahneman schreibt – in bester amerikanischer Tradition – nahezu »plain english«; bei einigermaßen ausreichenden Kenntnissen ist es wirklich ein Vergnügen, das Original zu lesen. Warum die Übersetzung so daneben geraten ist, weiß ich nicht. Vielleicht wollte der Übersetzer zeigen, dass er »wissenschaftlich« formulieren kann. Deutsche Autoren – und Übersetzer! – sollten sich wirklich mal ein Beispiel an den Amerikanern nehmen.
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54 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juni 2012
Wenn der Nobelpreisträger und Psychologieprofessor Daniel Kahnemann als Grund aufführt, dass uns oft mentale Müdigkeit zu Fehlurteilen verleitet, so betrifft dies auch sein eigenes Buch. Meine Rezension sollte also ebenso unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden, denn das Buch ist zwar sehr klug, aber auch überaus anstrengend. Eine gewisse mentale Müdigkeit stellte sich beim Lesen schon ein. Aber immer wieder gelingt es Kahnemann spannende Fakten einzustreuen (z.B. eben die "Richter-Studie", die zeigt, wie sehr Justiz-Entscheide von der momentanen mentalen Verfassung der urteilenden Richter abhängen), die verwundern und uns aufzeigen, wie sehr wir uns falsch einschätzen und uns einer Objektivität verdächtigen, die es nicht gibt. Und so lassen wir uns aufgrund unserer nicht erkannten Limiten und Gewohnheiten immer wieder die schönsten Chancen entgehen oder ordnen Dinge in einer Art und Weise ein, die nicht den Tatsachen entspricht.

Das Buch ist kein Ratgeber, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Sachbuch, das Kahnemanns jahrzehntelanges Forschen und Betrachten zusammenfasst. Es zeigt uns, wie sehr unser Denken uns in die Irre führen kann, aber wie schwierig es gleichzeitig auch ist, dieser Falle zu entkommen. Denn es ist ja zuerst einmal unser Denken das dieses falsche Denken erkennen müsste - was naturgemäss schwierig ist.

Die Lösung liegt im Akzeptieren dieser Tatsachen, in einer täglich grössen Achtsamkeit und in vielen kleinen Schritten. Nur durch das Bewusstwerden können wir diese Trittfallen in unserem Leben mehr und mehr wahrnehmen und ihnen entkommen.

Aber wenn wir das angehen, werden wir mit etwas Grossartigem belohnt: mit mehr Freiheit, einer offeneren Sichtweise und neuen Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten.

Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten", "Das Zen des glücklichen Arbeitens" u.a.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Juni 2014
Ein absolutes Muss! Total spannend erklärt der Autor warum wir manche Dinge rasch, instinktiv abarbeiten (müssen) und warum manche Probleme in unserem Gehirn Zeit brauchen. Habs in einem durchgelesen, nehms jetzt nochmal in den Urlaub mit und les es nochmal in Ruhe. Für mich persönlich haben sich neue Einsichten in mein eigenes Verhalten ergeben, ich verstehe jetzt auch einiges in meinem Umfeld besser. Weil das übrigens jemand hier geschrieben hat: Ich fand den Stil nicht schwerfällig, sondern eher locker, erzählend. Drum, voll Überzeugung, 5 Sterne!
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