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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle wichtigen Geschichten wurden schon einmal erzählt, 4. September 2013
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Liebe, Leid und Tod - Daseinsdeutung in antiken Mythen (Gebundene Ausgabe)
Die Lektüre der griechischen Sagen gehört heutzutage nicht mehr zum Pflichtstoff eines Germanisten. Zumindest in der Schweiz nicht. Das ist nicht nur erstaunlich, sondern deutet auch auf ein fehlendes Verständnis von Storytelling und kollektivem Unbewussten hin. Denn es gibt nicht beliebig viele Urthemen. Das bestätigen selbst Wissenschaftler, deren Tätigkeitsgebiete sich ausserhalb der Philologie befinden. Alles, was uns Menschen zutiefst beschäftigt und deshalb starke Emotionen auslöst, wurde in den grossen Geschichtensammlungen bereits erzählt. Und dazu gehören neben der Bibel, Tausend und eine Nacht oder Grimms Märchen selbstverständlich auch die griechischen Sagen.

Das ist natürlich auch einem so belesenen Psychoanalytiker und Schriftststeller wie Eugen Drewermann klar. Daher erstaunt es nicht, dass er sein über achtzig Bücher umfassenden Werk um den Titel „Liebe, Leid und Tod. Daseinsdeutung in antiken Mythen erweitert. Auch wenn ich mich immer wieder frage, wie es der ehemalige Priester schafft, so viele Bücher zu schreiben, weist nichts auf einen Schnellschuss hin. Im Gegenteil, er verarbeitet so viele Quellen, dass einige Leser ein schlechtes Gewissen bekommen, nur wenige davon im Original zu kennen.

Wenn Eugen Drewermann beim Kapitel „Liebe als Dualunion oder: Der Wunsch nach Einssein“ davon ausgeht, dass jeder die Geschichte von Pygmalion kennt, täuscht er sich. Auf Zweifel an seiner Annahme deutet hin, dass er die wichtigsten Inhalte zusammenfasst, im Anhang mythische Stammbäume aufzeichnet und längere Passagen aus den Quellen zitiert. Trotzdem richtet sich sein spannendes Buch an Leser, die bereits eine Ahnung haben, welchen Geschichten die Menschen im alten Griechenland lauschten.

Obwohl der 1940 geborene Psychoanalytiker und Schriftsteller konsequent nach den Wurzeln menschlicher oder kultureller Muster sucht, ist sein Blick auch nach vorne gerichtet. Das zeigt sich in diesem Buch, indem er seine Leser immer wieder mit den heutigen Gegebenheiten konfrontiert und auf die zeitgenössische Rezeption der antiken Sagen eingeht. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, eine Kulturgeschichte in die Hand zu bekommen, die ein paar Tausend Jahre umfasst.

Den Inhalt eines so dichten und dicken Werks zusammenzufassen, ist in wenigen Zeilen ein Ding der Unmöglichkeit. Ich begnüge mich deshalb damit, aus dem Inhaltsverzeichnis zu zitieren. Der erste Teil „Geschichten von Liebe und Tod“ umfasst die folgenden Kapitel: Liebe als Dualunion oder: Der Wunsch nach Einssein – Tabus oder: Zerrissene Zäune – Unterschiede, die Unterschiede machen, oder: Ungleichheiten und Ungleichzeitigkeiten – Misstrauen, Eifersucht und Untreue, oder: Selbstzerstörung verängstigter Liebe – Verbotene Liebe oder: An den Grenzen der Gesellschaft – Abschied oder: Von Trennung und Tod. Die jeweiligen Unterkapitel geben eine Vorschau, welche Helden, Gottheiten und Sagen im Zentrum stehen.

Im zweiten Teil „Geschichten von Tod und Unsterblichkeit“ lauten die Kapitelüberschriften folgendermassen: Erfahrungen – Bilder – Mysterien. Es spricht übrigens auch nichts dagegen, bei diesem Buch mit dem letzten Kapitel zu beginnen. Denn in „Nachklang: Paulus in Athen oder: Man kann nur richtig leben im Unendlichen“ wird das Denkmodell klarer, das hinter Drewermanns Betrachtungen steht.

Mein Fazit: Nimmt man den Tipp ernst, sich vor oder parallel zur Lektüre dieses Buches mit den wichtigsten griechischen Sagen vertraut zu machen, hat man genug Lesestoff für ein Jahr. Und auf die oft gestellte Frage, welche drei Bücher man auf die einsame Insel mitnehmen würde, könnte „Liebe, Leid und Tod“ von Eugen Drewermann, die griechischen Sagen und die Bibel eine Antwort sein. Zumindest für Menschen, die mehr über sich und ihren Platz in der Welt erfahren möchten.
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Liebe, Leid und Tod - Daseinsdeutung in antiken Mythen
Liebe, Leid und Tod - Daseinsdeutung in antiken Mythen von Eugen Drewermann (Gebundene Ausgabe - 10. April 2013)
EUR 44,00
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