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5.0 von 5 Sternen Eine schonungslose Tiefenanalyse der menschlichen Gewalttätigkeit
Girard versucht in dieser Monographie die psychodynamischen Prozesse zu erhellen, welche der menschlichen Gewalttätigkeit zugrunde liegen. Zu diesem Zweck greift er auf altphilologische, ethnographische und tiefenpsychologische Methoden und Forschungserträge zurück. Sein Gegenstand ist das sakrale Opfer.

Girards Ausgangspunkt ist, daß im...
Veröffentlicht am 7. Februar 2011 von Knöppler, Andreas

versus
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant
'Das Heilige und die Gewalt' von René Girard ist ein Werk dessen Wert für die Forschung nicht zu bestreiten ist, ob es deswegen auch ein 'gutes Buch' im Sinne von: sowohl fachlich als auch stilistisch perfekt, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Alles in allem ist dieses Buch die Erklärung, Erläuterung (an zahlreichen!!! Beispielen) und...
Veröffentlicht am 9. Oktober 2009 von Jana


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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine schonungslose Tiefenanalyse der menschlichen Gewalttätigkeit, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und die Gewalt (Broschiert)
Girard versucht in dieser Monographie die psychodynamischen Prozesse zu erhellen, welche der menschlichen Gewalttätigkeit zugrunde liegen. Zu diesem Zweck greift er auf altphilologische, ethnographische und tiefenpsychologische Methoden und Forschungserträge zurück. Sein Gegenstand ist das sakrale Opfer.

Girards Ausgangspunkt ist, daß im Menschen eine "wesenhafte Gewalt" existiert, deren Ursachen unbekannt sind. Sie herrscht im Begehren vor, wird externalisiert und wirkt dann von außen auf den Menschen ein. Ihrer wahren Natur nach ist die innere Gewalttätigkeit Blutrache. Diese setzt die Existenz der Gesellschaft insgesamt aufs Spiel und wird, solange noch kein Gerichtswesen vorhanden ist, in einer "Opferstellvertretung" bewältigt. Das Opfer schützt die gesamte Gemeinschaft vor ihrer eigenen Gewalt, es lenkt die aus nichtigsten Anlässen entstehende und hochgradig ansteckende (daher "mimetische" - nachahmende - Theorie) innere Gewalttätigkeit der Menschen auf andere Opfer außerhalb ihrer selbst und stellt die Harmonie innerhalb der Gemeinschaft wieder her. Wird das Bedürfnis nach Gewalt nicht gestillt, ergießt es sich mit vernichtender Gewalt in die Umgebung.

Ordnung, Frieden und Fruchtbarkeit gründen auf kulturellen Unterschieden. Beim Übergang von einer archaischen religiösen zu einer modernen staatlichen und gerichtlichen Ordnung gerät der Opferkult in eine Krise. Ein Entdifferenzierungs- bzw. Entstrukturierungsprozeß wird losgetreten, in dessen Folge die gesamte Kultur kollabiert. Die kollektive Gewalt sucht ein versöhnendes Opfer (Sündenbock), welches die Gewaltspirale beendet und den Kreis der Opferriten einleitet. Riten haben ausschließlich den Zweck, eine erneute Opferkultkrise zu verhindern. Sie sollen die Unterschiede wiederherstellen und festigen. Dies ist die "Gründungsgewalt", welche die kulturelle Ordnung insgesamt gründet: Religion, Inzestverbote, das zur Aufrechterhaltung des Gemeinwesens notwendige Minimum an Gewaltlosigkeit aber auch - durch die Mechanismen von Unterscheidung, Ausschluß und Verbindung - unser Symboldenken, Sprache, politische Gewalt, richterliche Gewalt, Heilkunst, Theater, Philosophie, Anthropologie.

Die 'abendländische Zivilisation' wird von Anfang an durch einen Zustand der Entdifferenzierung beherrscht, der jetzt auf die gesamte Menschheit übergreift. Es entsteht eine seltsame Art von Nicht-Kultur oder Antikultur, die wir Moderne nennen und die sich in einer immer schlimmeren Krise des Opferkultes einzurichten vermag. Doch auch am Horizont der Moderne droht die Maßlosigkeit der Gewalt, die auf den Flügeln der Wissenschaft wieder zu uns kommt. Girard glaubt, daß die Menschheit nur die Wahl zwischen der totalen Vernichtung oder dem totalen Verzicht auf Gewalt hat.

Im Rahmen seiner Theorie erklärt Girard u.a.: die Tabuvorschriften primitiver Völker, die Ambivalenz des Blutes, den Hintergrund ritueller Reinigungen, warum Zwillinge angstbesetzt sind, wie sich aus der gewalttätigen Entdifferenzierung die Mythenbildung und schließlich die tragische Inspiration entwickelte, Phänomene wie Lynchjustiz, Pogrome, 'summarische Gerichtsverfahren', den 'sparagmos', die Zerstückelung des lebendigen Opfers mit bloßen Händen durch einmütige und unbewaffnete Teilnehmer im Dionysos-Kult, das Phänomen des "Rivalen" und des "Doppelgängers", die tiefere Bedeutung der klassischen Tragödien, besonders des Ödipus-Dramas usw. usf.

Selbstverständlich ist Girards Ansatz aufgrund seiner Monokausalität angreifbar, doch bleibt es sein Verdienst, auf eine anthropologische Tiefendimension hingewiesen zu haben, die sich wirklichkeitsfremden pädagogisch-therapeutischen Deutungsbemühungen verschließt. Die menschliche Gewaltttätigkeit ist in der Tat ein aufklärungsresistentes Urphänomen, das gleichwohl in irgendeiner lebensdienlichen Weise bewältigt werden muß. Girard zeigt wie. Sein einzigartig vielschichtiges und komplexes Werk erschließt sich erst nach wiederholter Lektüre, so daß ich dringend zur Anschaffung rate. Als wertvolle Ergänzung ist Matthew ROSSANO: "Supernatural Selection. How Religion evolved" (2010) zu empfehlen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wortreich und schwierig, aber lohnenswert, 18. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und die Gewalt (Broschiert)
Zugegeben, das Buch liest sich nicht gerade leicht und ist sehr umfangreich. Der Autor platzt in sein Thema hinein und ich musste einiges mehrmals lesen, bis ich den roten Faden fand. Man muss sich an den Stil gewöhnen, der vermutlich nicht für normale Menschen, sondern eher für Fachpublikum gedacht ist. Und trotzdem fällt meine Bewertung sehr positiv aus, denn ich habe sehr viel Interessantes erfahren und mitgenommen, und vor allem denke ich relativ häufig an etwas, was ich in diesem Buch gelesen habe, zurück und kann es mit alltäglichen Dingen verknüpfen. Und das ist auf jeden Fall ein großes Plus.
Das Buch ist ein gewaltiger Rundumschlag zum Thema Gewalt und der Rolle des Opfers, mit dem diese Gewalt gesühnt und in Schach gehalten wird. Es geht um Naturreligionen, antike Dramen, biblische Begebenheiten, aber auch um die Entstehung und Funktion unseres heutigen Rechtsverständnisses. Sehr interessant ist auch, was Girard zur Entstehung von Gewalt (hier geht er z.B. auf die Doppelgängerproblematik ein und dass zuviel Gleichheit beängstigend ist)und dem Verständnis des Heiligen schreibt. Freud und der Ödipuskomplex kommt vor, Inzestverbot u.v.m. Ein besonderes Augenmerk gilt der Krise des Opferkultes, wie es zu großen Umstürzen in Zivilisationen und Kulturen kommt und warum auch unsere Gesellschaft keineswegs sicher ist vor dieser Krise.
Manches hätte sicher nicht so wortreich dargelegt werden müssen und gelegentlich neigt der Autor zu Wiederholungen, andererseits hat er sich ausgiebig mit Bräuchen sgn. primitiver Völker befasst, die ausgesprochen bemerkenswert sind.
Sich durch das Buch zu arbeiten ist mühsam, aber auf jeden Fall sehr lohnenswert! Und hat man sich erst einmal an die Art des Autors gewöhnt, geht es auch viel leichter.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, 9. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und die Gewalt (Broschiert)
'Das Heilige und die Gewalt' von René Girard ist ein Werk dessen Wert für die Forschung nicht zu bestreiten ist, ob es deswegen auch ein 'gutes Buch' im Sinne von: sowohl fachlich als auch stilistisch perfekt, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Alles in allem ist dieses Buch die Erklärung, Erläuterung (an zahlreichen!!! Beispielen) und Verteidigung von Girards These der 'Krise des Opferkultes'.
Hier ist nicht der Ort die These zu erklären, wer sich dafür interessiert sollte das Buch wirklich lesen.
Dann muss er sich allerdings auf eine nicht gerade einfache, wenn auch zweifelsfrei im Grunde sehr interessante Lektüre einstellen. Das Thema ist wie gesagt ohne Zweifel interessant, allerdings konnte mich René Girard gegen Ende der Lektüre immer weniger fesseln, da ich immer mehr das Gefühl bekam, dass sich der Text immer wieder im Kreis dreht ohne wirklich voran zu kommen. Es wird nicht wirklich eine Entwicklung der These dargestellt, sondern allein die These an sich wird immer und immer wieder von allen Seiten beleuchtet, beweihräuchert und verteidigt, als die wahre Weiterentwicklung von Freuds Thesen zu Gewalt (wie zum Beispiel dem Ödipus-Komplex) dargestellt.
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Das Heilige und die Gewalt
Das Heilige und die Gewalt von Elisabeth Mainberger-Ruh (Übers.) (Gebundene Ausgabe - 22. Februar 2012)
EUR 24,90
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