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371 von 395 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ist doch wurscht, ob du denkst, es ist peinlich. In einem geklauten Lada ist eh nichts mehr peinlich."
>Tschick< ist das wunderbarste Buch, das ich je über das Erwachsenwerden gelesen habe.
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert, stellenweise fast kaputtgelacht, nicht alleine wegen dem jugendlichen Sprachgebrauch, sondern auch wegen der kuriosen Figuren, der stimmigen Dialoge und der hinreißenden Situationskomik.

Wolfgang...
Veröffentlicht am 7. April 2011 von Regina Berger

versus
276 von 324 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kann den Erfolg nicht nachvollziehen
Ich habe nach all den Rezensionen und Artikeln (u.a. in der FAZ) den Eindruck gewonnen, dass es sich eindeutig nicht um einen Jugendroman handelt, auch wenn die beiden Protagonisten Jugendliche sind. Anhand dieser Erwartung habe ich das Buch gekauft, gelesen und nun auch bewertet.

Fangen wir mit dem Positiven an: Ich habe das Buch in 3 Tagen durchgelesen, was...
Veröffentlicht am 27. April 2012 von C. Schoen


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371 von 395 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ist doch wurscht, ob du denkst, es ist peinlich. In einem geklauten Lada ist eh nichts mehr peinlich.", 7. April 2011
Von 
Regina Berger "Gina" (Rottach-Egern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Gebundene Ausgabe)
>Tschick< ist das wunderbarste Buch, das ich je über das Erwachsenwerden gelesen habe.
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert, stellenweise fast kaputtgelacht, nicht alleine wegen dem jugendlichen Sprachgebrauch, sondern auch wegen der kuriosen Figuren, der stimmigen Dialoge und der hinreißenden Situationskomik.

Wolfgang Herrndorf erzählt die Geschichte zweier Achtklässler, zweier uncooler vierzehnjähriger Außenseiter, die auf Umwegen zueinander finden, und sich in den ersten Tagen ihrer Sommerferien mit einem gestohlenen Lada auf den Weg in die Walachei machen. So beginnt die haarsträubende Reise der beiden planlosen Helden Maik und Tschick (der eigentlich Andrej Tschichatschow heißt) durch die ostdeutsche Provinz. Und diese rastlose Reise hat es in sich, denn was der langweilige Maik und der durchtriebene Tschick zusammen erleben ist komisch, reichlich durchgeknallt und stets ein klein wenig nachdenklich.

In unverkrampft frecher Sprache hat Wolfgang Herrndorf die Gefühlswelt zweier Heranwachsender zu Papier gebracht. Dabei gelingt es ihm ganz wunderbar, die jugendliche Zerissenheit zwischen rührender Einsamkeit, Unsicherheit, liebevoller Empfindsamkeit und der vorhandenen pubertären Coolness einzufangen. (Und ganz nebenbei: "Tschick" ist nicht nur die Abkürzung für Tschichatschow, sondern im österreichischen auch der Ausdruck für "Kippe" - also Coolness bereits im Titel mit inbegriffen...) Der Ton ist durchwegs richtig getroffen und läßt trotz all dem Witz auch Themen wie Freundschaft, Zugehörigkeit, erste Liebe und Endlichkeit anklingen.

Der Roman beginnt mit dem Ende und endet viel zu schnell. Und trotz des Tempos ist >Tschick< ein kluges Buch, ein endkomischer Roman, ein abgefahrenes Roadmovie und im besten Sinne beste Unterhaltung mit zwei Helden, die dem Leser einfach ans Herz wachsen.

Ein Dankeschön an den großartigen Autor für diesen literarischen Spaß! Doch in welchem Genre sucht man dieses originelle Buch nun? Ist es ein Jugendbuch? Ein Abenteuerroman? Ein Heimatroman? Ein Stück deutsche Literatur? - Schwer zu beschreiben, denn es ist wohl von allem ein bisschen und noch viel mehr, es ist einfach >Tschick<!
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99 von 111 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Universell und wunderbar, 3. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Ein universelles Buch, in das man hineintaucht und nie wieder von der Außenwelt gestört werden möchte. Treffend und genau inspiziert Herrndorf die dem Menschen eigene Komik und macht Lust auf noch mehr Tschick.

Der Klappentext überschlägt sich förmlich vor Lob, er wird sogar neben der "verdammten Blechtrommel" eingereiht. Kein Wunder also, dass die Erwartungen entsprechend hoch sind. Umso mehr erstaunt es jedoch, dass dieser kleine Spiegel-Bestseller allesamt weit übertrifft.

Witzig und charmant erzählt Herrndorf die Geschichte vom ungelenk-coolen Tschick und Maik, der nicht weiß wie er aus seiner eigenen Langweiligkeit ausbrechen soll. Mit Tschick hat er einen Charakter zum Leben erweckt, der noch viele Lesegenerationen nach uns seine Lebendigkeit verloren haben wird. Ein Poet im Russenkostüm und jüdischer Zigeuner zugleich, mit einer lässigen Galanz, die jeden Hipster in den Schatten stellt.

Sich selbst definiert er in aller Bescheidenheit. Wichtig für ihn ist nur, dass er aus der Walachei kommt und einen Opa ohne Zähne und fünf Zigaretten im Ohr hat. Kaum mehr weiß Maik von diesem neuen Klassenkameraden als dieser eines Tages mit einem geknackten Lada in der Hofeinfahrt auftaucht und ihn zu einem Trip durch Deutschland überredet. Und Maik lässt sich schneller auf dieses Angebot ein, als sein Vater die neue Sekretärin flachlegen kann.

Warum auch nicht, er hat schließlich allen Grund dazu. Ein Vater, der ihn nicht verstehen will, eine Mutter, die ihn dafür zwar für voll nimmt - aber leider ein lästiges Alkoholproblem hat und schließlich ein Mädchen, in das er heillos verliebt ist. Doch in seinem Leben regt sich nicht das kleinste Abenteuerlüftchen, denn obwohl Maik unter seiner spröden Schale kein Langweiler ist, verharrt sein Alltag in regungslosem, vor Langeweile starrendem Stillstand.

Jetzt bietet sich die beste Gelegenheit dazu, denn Maik sitzt einsamgelassen daheim, die Mutter mal wieder auf Entzug, der Vater in Affärengefilden, also was mit der ungewollten Freizeit anfangen?

Mit vor Sarkasmus triefenden Sätzen würzt der Autor das Buch und man kann gar nicht genug davon bekommen. Man hofft, man will, man verlangt eine Fortsetzung!

Bei ihrer wilden Reise durch Deutschland treffen sie bald auf Isa, die einen Mut beweist, der jeden Erwachsenen in die Knie zwingt und ausgestattet mit einer Lebenslust, die ihresgleichen sucht. Wild und geheimnisvoll wie sie ist, dauert es nicht lange, und Maik verliebt sich in diesen Ronja-Räubertochter-Verschnitt. Einem Umstand, dem wir Leser einige wunderschöne Absätze zu verdanken haben, die man einrahmen und sich über Bett hängen möchte.

Pointiert und witzig zeigt Herrndorf auf die Banalitäten des deutschen Alltags und manche Parallelen zu aktuellen Ereignissen ziehen die Mundwinkel immer wieder gekonnt himmelwärts.
Er schreckt nicht davor zurück, Tabuthemen mit einer jugendlichen Naivität und leicht schräggelegtem Kopf zu betrachten und setzt dabei schonungslos den Finger in so manch offene Gesellschaftswunde. So komisch, so traurig, so treffend, das man sich auch hin und wieder an die Gegenwartsphilosophen Calvin und Hobbes erinnert fühlt.

Nur einen kleinen Pro-Forma-Negativpunkt habe ich als Randnotiz: Die beiden Protagonisten sind so cool, so lässig, so "angekommen", dass man ihnen ihr zartes Alter von 14 Jahren nur schwer abnimmt. Gleichzeitig fragt man sich, warum man selbst damals so ein übersteuerter Hormonhaufen war und wird ein wenig neidisch auf diese wundervolle Zeit.

Auf ihrem Weg in die Walachei machen Tschick und Maik eine wichtige Entdeckung: dass der Mensch lange nicht so schlecht ist, wie allerorts gepredigt wird. Subtil beschämt liest man, dass niemand einen mehr auf das Gute im Menschen vorbereitet.
Und tatsächlich haben die beiden viele kuriose Begegnungen, die uns in Erinnerung rufen, dass auch wir in diesen Genuss kommen könnten - wenn wir es nur zulassen. Schließlich beschert eines dieser Aufeinandertreffen uns unvergessliche Sätze wie diesen hier:

"Glaubt mir", sagte er, "ihr schließt ein Mal die Augen und öffnet sie wieder, und welk hängt das Fleisch in Fetzen. Die Liebe, die Liebe! Carpe diem."

Also, liebe Leute, lest das Buch! Es kostet nicht viel Zeit und ist sie hundertmal wert.
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161 von 186 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wehmut, 9. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Gebundene Ausgabe)
Der Ich-Erzähler Maik Klingenberg ist 14 Jahre alt, geht in Berlin auf's Gymnasium; ist ein Langweiler, ein Außenseiter, hat keine Freunde. Sein Vater ist erfolgreicher Immobilienmakler, seine Mutter geht regelmäßig 'auf die Beautyfarm', wie sie ihre Entzugsklinik bezeichnet. Die drei wohnen in einem tollen Haus mit Pool. Eine ganz normale deutsche Familie eben. Da kommt der gleichaltrige Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, in Maiks Klasse. Die beiden mögen sich nicht und es passiert erst mal nichts Weltbewegendes. Doch irgendwann in den unvermeidlichen Sommerferien brechen die zwei mit einem 'gefundenen' Lada auf zu einer abenteuerlichen Spritztour gen Walachei, durch unbekannte Gegenden Brandenburgs. Sie treffen auf ihrer Reise die sonderbarsten und eigentümlichsten Menschen.

Der Plot scheint klar und vorhersehbar. Herrndorfs Sprache wirkt zu Beginn aufgesetzt jugendlich cool und gebrochen. Doch die Geschichte entwickelt einen magischen Sog, die beiden zunehmend sympathischen Protagonisten gönnen dem Leser einen eigenwillig schrägen Blick auf und in unsere nahe und manchmal fremde Welt. Es geht um die erste Liebe, ums Erwachsenwerden, um Freundschaft und Menschlichkeit, um Verantwortung und Freiheit, um Denkschablonen und Phantasie, um Oberflächlichkeiten und political incorrectness. Die vielschichtige Geschichte ist in einem passend schnoddrigen Tonfall geschrieben und entwickelt sich absolut fesselnd; für Jugendliche wie für Erwachsene.
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276 von 324 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kann den Erfolg nicht nachvollziehen, 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Ich habe nach all den Rezensionen und Artikeln (u.a. in der FAZ) den Eindruck gewonnen, dass es sich eindeutig nicht um einen Jugendroman handelt, auch wenn die beiden Protagonisten Jugendliche sind. Anhand dieser Erwartung habe ich das Buch gekauft, gelesen und nun auch bewertet.

Fangen wir mit dem Positiven an: Ich habe das Buch in 3 Tagen durchgelesen, was ich bei Büchern eigentlich sehr selten tue. Das bedeutet, dass das Buch sehr angenehm und interessant zu lesen ist. Sprachlich zwar sehr einfach gestrickt und oftmals auch ein zu künstlicher Jugendslang ('alter Finne' nervt mich bereits nach dem zweiten Mal, dazu der sehr unauthentisch konstruierte Satzbau), dafür aber mit vielen lustigen Passagen und Anekdoten, die wohl jeder aus seiner Schulzeit kennt. Das beinhaltet sowohl die Beschreibung verschiedener Lehrer-Stereotypen, die oftmals auftretende Langeweile in den Sommerferien und die Aufregung rund um die erste Liebe. Bis hierhin kann ich nachvollziehen, warum die meisten Rezensenten von einer sehr angenehmen Reise in ihre eigene Vergangenheit sprechen.

Relativ schnell wird das Buch für mich dann aber unglaubwürdig, überzeichnet und wiederholend. Dass zwei Jugendliche im Alter von 14 Jahren ein Auto klauen und damit mehrere Tage quer durch Deutschland heizen, mag man mit viel Phantasie noch durchgehen lassen. Die einzelnen Geschichten, die ihnen während dieser Fahrt aber widerfahren, lassen für mich eigentlich keine andere Schublade als den typischen Jugendroman offen. Von schießenden Kriegsveteranen über Verfolungsjagden mit der Polizei, Krankenhausaufenthalte und überschlagenden Autos wird keine absurde Szene ausgelassen. Das ist schade, da zwischenzeitlich auch wieder interessante und realistische Passagen auftreten: das Treffen mit Isa auf dem Schrottplatz und die Beschreibung der Familie um Friedemann beispielsweise haben mir sehr gut gefallen und sorgen dafür, dass ich das Buch insgesamt als lesbar bezeichnen würde - das wäre es nämlich ohne die sporadischen Highlights nicht.

Und genau hier frage ich mich, was an diesem Buch nun so genial sein soll (Zitat FAZ: "Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen.")! Mir fehlt die inhaltliche Tiefe und die Genialität darin. Wie gesagt, das Buch liest sich angenehm und oftmals lustig, kommt für mich aber nicht über einen (guten) klischeehaften Jugendroman hinaus, auch wenn vereinzelte Dialoge beweisen, dass dieses Buch großartig hätte werden können. Nach und nach werden die Erlebnisse aber immer surrealer und sorgen so dafür, dass die gesamte Authenzität und der mitschwingende Wehmut plastisch wirkt. Ich kann so etwas leider nicht ausblenden, vor allem nicht, wenn ich ein Buch unter derart anderen Erwartungen lese.

Daher mein Fazit: Als gutes Jugendbuch zu empfehlen, dessen Kauf man auf keinen Fall bereuen wird. Unter Berücksichtigung der bisherigen Rezensionen und Kritiken blieb das Buch für meinen Geschmack jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück, weswegen ich die Lobenshymnen - gerade aus dem Feuilleton - nicht nachvollziehen kann.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitreißend, 5. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Die Geschichte von Maik und Tschick hat mich von der ersten Zeile an in ihren Bann gezogen. Dem Autor gelingt es meisterhaft, nicht nur den Ton, sondern auch die Gedankenwelt des vierzehnjährigen Protagonisten zu treffen. Das Buch erzählt - oft auf gelungene Weise zwischen den Zeilen versteckt - von der Schwierigkeit, zwischen oberflächlichen Gleichaltrigen, egozentrischen Erwachsenen, Vernachlässigung und Materialismus seinen eigenen Weg hinein in diese Welt zu finden.
Ich habe mir einige der Ein-Sterne-Rezensionen durchgelesen, weil ich wissen wollte, was Leser an dem Buch auszusetzen haben. Da ist zum Einen der schnodderige Ton, in dem es verfasst ist. Diesen jedoch empfinde ich als der Geschichte durchaus angemessen, entspricht er doch dem Formulierungsniveau der Altersklasse. Ich weiß, wovon ich rede, denn meine Kinder sind vierzehn und fünfzehn Jahre alt. Wie soll man deren Welt anders darstellen und dem Leser begreiflich machen, wenn nicht in deren Tonfall?
Zum Anderen wird an dem Buch kritisiert, dass die Geschehnisse mitunter abstrus und unlogisch sind. Das mag sein, doch möchte ich diesen Kritikern entgegenhalten, dass es nicht die Aufgabe einer fiktiven Geschichte ist, stets logisch zu sein. Wichtig sind doch Inhalt und Botschaft des Erzählten, es ist ein Roman, keine Doku-Soap.
Man kritisiert auch, dass dieses Buch auf den Lehrplänen der Schulen steht, wo es doch so viele literarisch höherstehende Werke gibt, die man dort einbringen könnte. Die gibt es mit Sicherheit. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass es nicht unbedingt gelingt, die Kids unserer schnelllebigen Zeit, die ihre Freizeit mit X-Box, YouTube und WhatsApp verbringen, mit Kafka fürs Lesen zu begeistern. Mit Herndorfs Tschick gelingt das Wunder: Mein Sohn war fasziniert und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Ende kam viel zu schnell. Aber es ist ein Ende, das die Geschichte im Kopf weiterleben lässt.
Ein tolles Buch!
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101 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Young Easy-Rider auf dem Weg in die Walachei, 7. Dezember 2010
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Gebundene Ausgabe)
Maik Klingenberg ist voll verliebt und hat totalen Frust, weil die Tatjana aus seiner Klasse, hat alle zu ihrer Party eingeladen - alle nur die größten Langweiler, Assis und Idioten haben keine Einladung bekommen und er hat eben auch keine Einladung bekommen und nun ist er unsicher, zu welcher Gruppe er zählt.
So voller Frust geht er in die Sommerferien und die Perspektive für die nächsten Wochen ist nicht gut: Die Mutter zieht es mal wieder in die Entzugsklinik, die sie überall als Schönheitsfarm bezeichnet und der Vater entschwindet mit seiner flotten Sekretärin am Arm für zwei Wochen, um eine wichtige Dienstreise anzutreten.
Als er sich schon fast mit einer Endlosschleife gähnender Langeweile abgefunden hat, steht sein Mitschüler Tschick mit einem geklauten Lada vor dem Haus und eine abenteuerliche Reise beginnt, die eigentlich in der Walachei bei den Verwandten von Tschick enden soll.

Nachdem ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen hatte, beschloss ich dieses Lesevergnügen in die Länge zu ziehen und wohl dosiert jeden Tag nur ein paar Seiten zu lesen, um möglichst lange in dieser tollen Geschichte bleiben zu können.
Man könnte sagen, es handele sich um ein Roadmovie-Motiv, denn die aberwitzige Reise der beiden Jugendlichen im gestohlenen Wagen geht ein wenig in diese Richtung, doch in diesem Buch findet sich viel mehr. Zuerst fällt die Sprache auf, die frisch und jugendlich daher kommt, allerdings mangelt es an Oberflächlichkeit, die man von Jugendlichen in dem Alter erwartet. Stattdessen stößt man immer wieder überraschend auf eine Tiefe und Weisheit, die berührt. Spritzig und voller Wortwitz erzählt Maik seine Abenteuer auf der Landstraße und doch ist hinter dem Humor für alle sichtbar eine gewisse Trostlosigkeit zu erkennen.

Tschick, der mit seinem Bruder aus Russland kam und der in ärmlichen Verhältnissen lebt, scheint offensichtlich "schlechter dran" zu sein, als Maik, der Sohn aus reichem Hause, doch das täuscht und so finden sich zwei, die eigentlich niemanden im Leben haben und eine ungewöhnliche Freundschaft beginnt.

Man möchte gern noch lange mit den beiden durch die Lande reisen und hoffen, dass sie irgendwann ihr Ziel erreichen, denn man wünscht ihnen, dass sie dort, "irgendwo in der Walachei" das Glück und die Wärme finden, die ihnen hier versagt bleiben.
Ich habe jede einzelne Seite dieses Buches genossen und behalte es als ein wunderschönes Wohlfühlbuch in Erinnerung, das ich sicher noch mehrmals verschenken werde.
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76 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unfälle, Verfolgungsjagden, Schiessereien (Ach Quatsch) und andere Abenteuer..., 17. November 2010
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Gebundene Ausgabe)
"Ich dachte, dass es Schlimmeres gab als eine Alkoholikerin als Mutter. Ich dachte daran, dass es jetzt nicht mehr lange dauern würde, bis ich Tschick in seinem Heim besuchen konnte, und ich dachte an Isas Brief. Auch an Horst Fricke und sein Carpe Diem musste ich denken. Ich dachte an das Gewitter über dem Weizenfeld, an Pflegeschwester Hanna und den Geruch von grauem Linoleum. Ich dachte, dass ich das alles ohne Tschick nie erlebt hätte in diesem Sommer und dass er ein toller Sommer gewesen war, der beste Sommer von allen, und an all das dachte ich, während wir da die Luft anhielten und durch das silberne Schillern und die Blasen hindurch nach oben guckten, wo sich zwei Uniformen ratlos über die Wasseroberfläche beugten und in einer stummen, fernen Sprache miteinander redeten..."

Diese zitierte Stelle, kommt ziemlich am Ende des Buches, und zeigt überdeutlich, welch talentierten und sprachbegabten jungen Schriftsteller hier wir vor uns haben, dem ich persönlich nur gratulieren kann und dem man ein grosses schriftstellerisches Potential anmerkt. Eine Jugendstory, von 2 Jugendlichen, Tschick (Abk. für Andrey Tschichatschow) und Maik Klingenberg, die etwa 14 Jahre alt sind. Sie leben in Berlin, gehen zusammen in die Schule freunden sich an, tauschen sich aus, bis sie sich irgendwann mit einem gestohlenen Auto, einem Lada, das Tschick geklaut hat, auf eine Abenteuerfahrt machen, wo sie so manchens erleben, von dem das zitierte Intro hier erzählt. Ein unglaublich warm geschriebenes Buch, das über eine Jugendfreundschaft zweier Jungs erzählt, von dem was sie erleben und teilen. Man fühlt sich selbst an die eigene Jugend zurückgeführt und erinnert so manche kostbare Momente, jener einzigartigen Zeit..

In einer frischen, frechen, manchmal auch vulgären Umgangssprache, erzählt uns hier ein mir bis dato unbekannter Autor, das Innenleben, heutiger berliner Jugendlicher. Es erzählt vom Verliebtsein, oder dem was es ev. schwierig macht, was junge Leute heute beschäftigt, wie sie denken und reden, und dem, wenn sie ausbrechen wollen, um etwas zu erleben, auch wenn es gegen die Regeln verstösst. Ein Buch, das einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, und man irgendwann nicht mehr anders kann, als nur noch laut hinauszulachen, weil man alles so urkomisch und lustig findet! Herrndorf, zeichnet das Bild von Jugendlichen, das von Unschuld und Lebensneugier zeugt, lässt sie in ihrer Sprache auftreten, so authentisch, wir nur möglich, gibt dem Ganzen einen Sprachwitz und Humor, wo man sich köstlich unterhalten fühlt. Es ist süss, es ist hinreissend, es ist lustig, und trotz allem hat dieses Buch Charme, weil es so frisch geschrieben ist...

Fazit: Ein überaus lesenswerter Unterhaltungsroman, der zwar sprachlich keine höchste Ansprüche stellt, aber einen guten Unterhaltungswert hat, leicht und flüssig zu lesen ist, und Lachmomente vorprogrammiert sind, die einen freuen und beglücken. Für mich eine kleine Überraschung, über das Erwachsenwerden, und dem was junge Menschen im Teenie-Alter beschäftigt. Ob auch Jugendliche daran Interesse haben dürften, wird sich erst noch zeigen. Ich zumindest habe mich köstlich amüsiert, wenn man mal vom Bindefehler der Druckerei absieht, denn ab Seite 128 beginnt meine Buch wieder auf S. 97! (Es fehlen 31 Seiten) Beim Versuch, das Buch umzutauschen, hatte das Buch in der Buchhandlung den selben Bindefehler. Kann ja mal passieren, Wolfgang Herrndorf, kann ganz sicher nichts dafür, denn sein neuer Roman ist so brilliant und unterhaltend zum Lachen lustig geschrieben, dass man ihn gerne, nein sehr gerne weiterempfiehlt...

2002 ist von Wolfgang Herrndorf (geb. 1965 in Hamburg) sein Debutroman In Plüschgewittern erschienen, sowie 2007 der Erzählband Diesseits des Van-Allen-Gürtels. Er studierte ursprünglich Malerei, und hat für den Haffmanns Verlag als Illustrator sowie für die Zeitschrift "Titanic" gezeichnet und gearbeitet. 2004 hat hat er am Ingeborg Bachmann-Preis teilgenommen, wo er den Kelagpreis erhielt, 2008 erhielt er den neu gestifteten Deutschen Erzählerpreis, für Diesseits des Van-Allen Gürtels.

Nachbemerkung / Anmerkung zu den Kommentaren:

Zu meiner Betroffenheit, habe ich erst im Nachhinein (nach dieser Rezension) erfahren, dass Wolfgang Herrndorf von einer schweren Erkrankung (Hirntumor) betroffen ist. Bei meiner Formulierung "Grosses voraussagen" (die ich entfernt habe) bin ich von dem ausgegangen, was ich an sprachlichem Talent, der Lesefreude und schriftstellerischer Begabung wahrnahm, ohne von der gesundheitlichen und ernsten Situation von Wolfgang Herrndorf zu wissen. In keiner Weise, war ich mir bewusst, wie ernst die gesundheitliche Situation des Schriftstellers ist, an dieser Stelle, mit den besten Besserungswünschen für seine gesundheitliche Situation und meiner persönlichen Anteilnahme. Es tut mir leid, wenn ich dadurch, jemanden verletzt haben sollte. Und, dass Menschen, oft von unheilbarer oder tödlicher Erkrankung, andere Menschen zum Lachen bringen, (dieses Buch tut es) ist eine menschliche Erscheinung, die jeder interpretieren möchte, wie er will, da können wir nur noch fassungslos dastehen und staunen..ich zumindest tue es, denn wir erleben, etwas in diesem Moment, was vielleicht mit Worten nicht mehr zu beschreiben ist, braucht es auch nicht, nämlich dort, wo Worte aufhören und an dessen Stelle die unmittelbare Erfahrung steht. Den Kommentatoren, dieser Rezension, danke ich für Ihre Hinweise, um diese Anmerkung noch nachträglich zu ermöglichen.

A.Zanker / 28.11.2010

Empfehlung. Jetzt erst recht

Eine Art Nachruf:

27.8.2013 / Wolfgang Herrndorf ist tot.

Gerade erreicht mich die schmerzliche Nachricht, dass sich Wolfgang Herrndorf am Montagabend in Berlin / am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen hat. Offenbar, wurde auch sein Blog vom Netz genommen, in dem er aus seinem täglichen Leben geschrieben hatte. Offensichtlich hatte Herrndorf an dem weiterführenden Projekt von "Tschick" nämlich Isa geschrieben. Tschick wurde über 1 Mio. mal verkauft und steht wohl vor der Verfilmung. Vielleicht wird es ja seinen Blog, der auch eine Art Chronik eines angekündigten Todes war, irgendwann in Buchform geben, ich hätte ihm so sehr noch ein wenig Aufwind und Genesung für sein Leben gewünscht. Natürlich kann man nicht in einen Menschen sehen, der die Diagnose eines bösartigen Hirntumors hat. Und trotzdem ist es immer wieder schmerzlich, wenn sich Menschen das Leben nehmen. Was bleibt, ist die Lesefreude und die beiden anderen Bücher, die uns Wolfgang Herrndorf gegeben hat. In Plüschgewittern, Diesseits des Van-Allen-Gürtels und Sand.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben, 11. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow gehen in einer Klasse. Während Maik aus einer finanziell gut gestellten Familie kommt, wo die Mutter Alkoholikerin ist und der Vater eine junge Geliebte hat, ist Andrej, genannt Tschick, aus einer Aussiedlerfamilie, in der sich ebenfalls niemand um ihn kümmert. Als die Sommerferien beginnen, gehen die beiden Aussenseiter gemeinsam auf eine unvergessliche Reise in einem geklauten Lada. Sie lernen Menschen kennen, die ihnen trotz ihrer Fremdheit offen und menschlich gegenüber treten und sie erleben einen sagenhaften Sommer von Freiheit und verrückten Ideen.

Tschick ist in die Sektion Jugendliteratur einzuordnen, aber auch für Erwachsene ein lesenswertes Buch, das an die eigene Jugend erinnert, an Freiheitsgedanken in den langen Sommerferien und an große Abenteuer.

Herrndorf zeichnet das Bild von vierzehnjährigen Jungen, die gerade erwachsen werden und noch ihren Platz im Leben finden wollen. Sie sind neugierig auf das Leben und so erscheint auch dieser Roman voller Entdeckungsfreude und Überraschung. Als Leser ist man hingerissen von der einfachen jugendlich anmutenden Sprache, die zwar mit vielen Kraftausdrücken daherkommt, aber präzise die Gefühls- und Gedankenwelt von Jugendlichen ausdrückt.

Dieser schnoddrige Ton liest sich zwar locker, wird jedoch von tiefen Gedanken eines Heranwachsenden beseelt. Hier geht es um die Probleme des Lebens, die erste Liebe, um Freundschaft und Mitmenschlichkeit und gegenseitige Anerkennung. Dabei zieht die Story den Leser unmerklich in einen fesselnden Sog. Begeistert, aber auch ein wenig traurig oder entsetzt folgt man den sympathischen Protagonisten, die hier einen unvergesslichen Sommer verleben und innehalten, wenn die Nacht einbricht und der Sternenhimmel ihnen wunderschön vorkommt. Auch der Sprachwitz gelingt dem Autor gut. Aus Maiks Sichtweise erlebt man viele Momente, die einen zum Lachen bringen. Die Straftaten und Unfälle sind von verrückter Art und Weise und zeigen den unbedachten unreifen Charakter der Figuren.

Ein unterhaltsam schräges Buch aus der Sicht von Heranwachsenden, über das Erwachsenwerden, über die Erwachsenen und das Leben an sich. Eine Geschichte, die von einer außergewöhnlichen Reise und Freundschaft erzählt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zukünftiger Klassiker!, 28. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
Es soll ja Leute geben, die mit gerümpfter Nase von sich geben, sie würden doch kein Buch eines Autors lesen, der erst aus seinem in Folge einer Krebserkrankung begangenen Selbstmord im Jahr 2013 bekannt geworden wäre. Und überhaupt: Ist „Tschick“ nicht lediglich ein Jugendbuch, das zudem auch noch in vielen Bundesländern Pflichtlektüre in der Mittelstufe ist, also ganz bestimmt keine "richtige" Literatur? Von solchen Einwänden sollte sich keiner abhalten lassen: Bei "Tschick" handelt es sich um einen der besten deutschsprachigen Romane der vergangenen Jahre, der in der Tat das Zeug hat, zu einem Klassiker zu werden.

Maik Klingenbergs Mutter ist mal wieder auf Entziehungskur und sein Vater muss ganz dringend mit seiner "Sekretärin" auf Geschäftsreise. Er lässt ihm noch 200 Euro da und schon ist der 14-jährige zu Beginn der Sommerferien auf einmal allein zu Haus. Doch aus dem entspannten Herumlungern am Pool der elterlichen Villa wird nichts, denn auf einmal steht Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, mit einem geklauten Auto vor der Tür. Dieser ist erst vor kurzem in Maiks Klasse gekommen, wohnt im Hochhaus-Ghetto und schreibt in den Arbeiten Noten zwischen eins und sechs, abhängig davon, ob er gerade gesoffen hat oder nicht. Maik hat überhaupt keine Lust auf eine Spritztour und möchte sich eigentlich viel lieber selbst bemitleiden, da er als einer der wenigen nicht zu der großen Party der schönen Tatjana, seiner heimlichen Liebe, eingeladen worden ist. Doch natürlich kommt alles anders und der Trip der beiden zu Tatjanas Party ist nur der Beginn einer langen Reise durch die ewigen Weiten der ostdeutschen Provinz.

"Tschick" begeistert durch eine Geschichte voller kurioser Charaktere und Begegnungen, die mal lustig, mal traurig, mal bewegend, aber immer irgendwie authentisch sind und im Verlaufe welcher unsere beiden Helden Erkenntnisprozesse verschiedenster Art unterlaufen, auch wenn man trotzdem nicht gleich von einem Bildungsroman sprechen muss. Einzigartig bleibt dabei Herrndorfs Stil, der die Jugendsprache gut einfängt, ohne sich dabei einem gewissen Slang anzubiedern oder ins Lächerliche abzugleiten.

Fazit: Grandioses Buch eines viel zu früh verstorbenen Autors. Genauso bewegend wie der Roman ist seine Entstehungsgeschichte, die Herrndorf, neben vielen anderen Dingen, in seinem Blog geschildert hat, der nach seinem Tod unter dem Titel "Arbeit und Struktur" veröffentlicht worden ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der beste Sommer von allen, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
»Was soll ich denn machen? Soll ich zu Tatjana gehen und sagen, herzlichen Glückwunsch, ich hab hier ein kleines Geschenk für dich zum Geburtstag – und es stört mich auch überhaupt nicht, dass ich nicht eingeladen bin und jeder andere Spacken schon, ja wirklich, kein Problem. Und ich komm hier auch nur zufällig vorbei und geh auch gleich wieder – viel Spaß mit dieser Zeichnung, an der ich mir drei Monate lang den Arsch abgearbeitet hab?«
Tschick kratzte sich am Hals. Er legte die Zeichnung auf den Schreibtisch, betrachtete sie kopfschüttelnd und sah mich dann wieder an und sagte: »Genau so würd ich’s machen.«

Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, sind in ihrer Klasse klare Außenseiter. Maik, weil er so „langweilig“ ist und Tschick, weil er in einer „Asi-Gegend“ wohnt, die Förderschule besucht hat und mit abgerissener Kleidung und Alkoholfahne in die Schule kommt. Auch Maik kann ihn zunächst nicht leiden, dank Tschicks Hartnäckigkeit ändert sich das aber bald. Tschick hat nämlich genau das, was Maik fehlt: Selbstvertrauen.
Als Maik am ersten Sommerferientag allein am elterlichen Pool liegt (weil seine Mutter mal wieder zwecks Alkoholentzug in der Klinik und sein Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise ist) und zudem in Selbstmitleid badet (weil er drei Monate an einer Zeichnung für das Mädchen seiner Träume gesessen hat und nun nicht zur Party eingeladen wurde) reißt er ihn aus seiner Apathie und bringt in auf Kurs: Zuerst zu Tatjana, um ihr ganz lässig das Geschenk zu überreichen und anschließend Richtung Walachei. Zu Tschicks Opa. In einem gestohlenen Lada. Der Roadtrip der beiden 14jährigen wird ihnen in Erinnerung bleiben als der chaotischte und beste Sommer von allen…

Dieses Buch hat wieder richtig Spaß gemacht. Die beiden Protagonisten sind zwar jünger als meine Kinder, was gleichzeitig bedeutet, dass ich schon lange keine Jugendliche mehr bin, aber das störte in keinem Moment.
Maik und Tschick sind total sympathisch. Gerne verzeiht man ihnen, dass sie stehlend durchs Land ziehen, Auto fahren und sich die ein oder andere Verfolgungsjagd mit Polizisten liefern, denn sie wirken nicht bösartig, sondern strahlen lediglich ein Übermaß an jugendlichem Leichtsinn aus. Bemüht, dem eigenen Gewissen gerecht zu werden, klauen sie „nur“ ein „Schrottauto“, das der Besitzer sicher nicht vermisst und wollen es „nachher wieder zurückbringen“. Zudem konnte ich den Wunsch der beiden, einfach mal „Urlaub zu machen wie alle anderen“ so gut nachvollziehen! Schließlich ist ihre Ausgangssituation wirklich nicht rosig.
Sehr gut wird dabei klargemacht, dass es nicht nur auf den finanziellen Hintergrund ankommt, denn Maiks Eltern haben zwar eine Villa mit Pool, das hilft aber Maik nicht, der viel sich selbst überlassen ist und unter der Alkoholsucht seiner Mutter leidet. Auf der anderen Seite ist Tschick zu bewundern, der es geschafft hat, sich von der Förderschule bis zum Gymnasium hochzuarbeiten.

Auf ihrer Reise lernen die beiden noch Isa kennen, ein etwa gleichaltriges Mädchen, das auf einer Müllkippe zu leben scheint und den Anschein erweckt, bereits über einen sexuellen Erfahrungsschatz zu verfügen. Aus zwei reisenden Außenseitern werden nun drei und auch Isa verfügt über Fähigkeiten und Ansichten, die überraschen.

In einem Buch, dessen Helden Jugendliche sind, kommen die Erwachsenen nicht selten schlecht weg. Das ist hier aber nicht der Fall. Im Gegenteil finden die Freunde zu ihrer Überraschung immer wieder Menschen, die bereit sind, ihnen zu helfen. Auch das ist ein Punkt, der dazu beiträgt, dass das Buch ein gelungenes Leseerlebnis für mehrere Generationen sein kann.
Die Sprache ist typischer Jugendslang, wirkt also sehr authentisch. Gleichzeitig ist sie, vor allem wenn Maik seine Gefühle und Gedanken beschreibt, enorm berührend. Manche Textstellen gingen mir ans Herz, andere fand ich herrlich lustig.

Fazit: Freundschaft, Liebe, Abenteuer, Selbstvertrauen und ein Schuss Gesellschaftskritik sind die großen Themen des Buchs. Nach der Lektüre weiß jeder, was für großartige und liebenswerte Menschen solche Außenseiter sein können.

»Wie wär’s, wenn wir uns einfach in fünfzig Jahren wiedertreffen? Genau hier, in fünfzig Jahren. Am 17. Juli, um fünf Uhr nachmittags, 2060. Auch wenn wir vorher dreißig Jahre nichts mehr voneinander gehört haben. Dass wir alle wieder hierherkommen, egal, wo wir dann gerade sind, ob wir Siemens-Manager sind oder in Australien. Wir schwören uns das, und dann reden wir nie wieder drüber.«
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Tschick (Hörbestseller)
Tschick (Hörbestseller) von Wolfgang Herrndorf (Audio CD - 20. September 2012)
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