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3,5 von 5 Sternen
Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte
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103 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 21. November 2013
Im letzten Jahr hat mich die britische Autorin Rachel Joyce mit ihrem emotionalen Debüt "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" zu Tränen gerührt. Also war für mich sofort klar, dass ich auch ihren zweiten Roman lesen werde.

Erzählt wird die ungewöhnlich betitelte Geschichte in zwei Zeitebenen und beginnt im Sommer 1972. Im Mittelpunkt stehen dort der 10 jährige Byron, seine hinreißende Mutter Diana, Byrons bester Freund James und die im Titel angekündigten 2 Sekunden, die aller Leben für immer verändern werden.

Es ist beeindruckend, wie authentisch Rachel Joyce in die Psyche des liebenswerten Jungen eindringt und seine Gedanken beschreibt, zeigt, welche Fragen seinen Verstand verwirren. Aus seinem Blickwinkel erscheinen gewöhnliche Dinge in einem ganz neuen Licht. Er interpretiert Situationen mit seiner kindlichen Naivität und entdeckt Dinge, für die wir Erwachsenen nicht mehr empfänglich sind. Im Gegensatz zu Byron spüren wir Leser recht schnell, dass mit seiner Mutter irgendetwas nicht stimmt. Nach außen hin erscheint sie perfekt, doch ihre Seele leidet fürchterlich.

Zwischen den Kapiteln reist man in die Gegenwart, in dem ein gewisser Jim in den Fokus rückt. Jim ist ein Mann mittleren Alters, ohne Wurzeln und ohne Vergangenheit. Mit seinem Leben ist er sichtlich überfordert. Der Graben, den er zwischen sich und der Welt gezogen hat, scheint unüberwindbar. Sein Leben ist mit Schwierigkeiten behaftet, aber nach und nach erkennt er, dass es doch Menschen gibt, die sich um ihn sorgen.

Besonders in diesen Abschnitten hat mich die ausdrucksvolle und einfühlsame Sprache der Autorin beeindruckt. Von der ersten Sekunde an empfand ich Mitleid mit Jim, aber auch Verwirrung. Denn so ganz kann man Jims gegenwärtige Geschichte nicht mit den Ereignissen aus dem Jahr 1972 zusammenbringen.
Doch gerade das Wissen, dass beide Handlungsstränge am Ende zusammenfinden werden, macht neugierig und baut eine ungemeine Spannung auf.

***Fazit***

Erneut überzeugt Rachel Joyce mit einem beeindruckend gewaltigen und klaren Schreibstil. Allein literarisch betrachtet ist dieses Werk ganz großes Kino.

Zugegeben, die Lektüre ist nicht leicht. Die Zusammenhänge lassen sich lange Zeit nur erahnen. Doch das Durchhalten wird belohnt.
Denn "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist eine faszinierende, subtile, dunkle und komplexe Geschichte über die Fehlbarkeit eines jeden Menschen und erzählt von der heilenden Kraft der Freundschaft und der Hoffnung.

Für Menschen, die glauben den Boden unter den Füßen verloren zu haben, wird dieser bittersüße Roman wie ein zarter Hoffnungsschimmer sein.
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87 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 22. November 2013
Nach ihrem überwältigenden Harold Fry-Bestseller hatte die Autorin für ihren neuen Roman die Wahl, entweder etwas Ähnliches, vielleicht sogar eine Art Fortsetzung zu schreiben, oder etwas ganz Anderes, Neues. Die Autorin hat sich für das zweite entschieden und damit eine gute Wahl getroffen - für sich und für ihre Leser. Warum ich hiervon überzeugt bin, möchte ich im Folgenden zeigen und dabei auf verschiedene Aspekte ihres Romans eingehen.

DER BUCHTITEL
Eigentlich fast das Einzige, was mir an dieser deutschen Ausgabe nicht so gefallen hat. Ich weiß nicht, woher die "Unsitte" kommt, einem Roman, dem die Autorin ganz bewusst einen bestimmten Titel gegeben hat, bei der Veröffentlichung in einem anderen Land, in einer anderen Sprache einen völlig anderen Titel zu geben. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" klingt so technisch, als ginge es darum, ein mathematisches oder astronomisches Problem zu lösen. Im englischen Original heißt der Roman ja einfach nur "Perfect" Wahrscheinlich meinte der Fischer- Verlag, dass das für deutsche Ohren zu banal, zu kitschig klingen könnte. "Perfekt" wäre jedenfalls nach meiner Meinung der viel bessere Titel auch für die deutsche Ausgabe gewesen, weil er den Inhalt des Romans viel besser widerspiegelt. Denn es geht im Buch ja darum, dass die Dinge des Lebens eben nicht immer perfekt sind, und man dies akzeptieren muss, statt sich um eine Perfektion zu bemühen, die alles eher noch komplizierter macht.

DIE STORY
Hier will ich mich kurz fassen, weil die Handlung ja schon in der oben stehenden Buchbeschreibung angedeutet ist, und sicher auch von vielen meiner Mitrezensenten ausführlich beschrieben wird. Es geht also darum, dass im Jahr 1972 zwei Sekunden dazu addiert werden, und bei dieser minimalen Zeitumstellung ein Unfall passiert, der das Leben aller Beteiligten verändert. Obwohl es diese Schaltsekunden damals wirklich gab, sind sie im Buch auch eine Art "Aufhänger" für das, um was es der Autorin in ihrem Roman geht: zu zeigen, wie vergänglich alles ist, wie schnell sich im Leben alles ändern kann - manchmal eben innerhalb von Sekunden.

DER AUFBAU DES ROMANS
Es gibt zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der erste Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und beschreibt den erwähnten Unfall und seine Nachwirkungen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart und beschreibt das Leben eines einsamen, durch Krankheiten gebeutelten, aber nicht unsympathischen 50-jährigen, der immer noch irgendwie seinen Platz im Leben sucht. Die Verknüpfung von zwei scheinbar nicht im Zusammenhang stehenden Geschichten innerhalb eines Romans ist immer eine schriftstellerische Herausforderung, ein riskantes Unternehmen, das auch scheitern kann. Hier ist es aber nach meiner Meinung eindeutig gelungen, denn die Autorin schafft es, den ganzen Roman über die Neugier darüber aufrecht zu erhalten, was denn beide Geschichten, die ja zeitlich Jahrzehnte auseinander liegen, miteinander zu tun haben könnten und löst das Geheimnis erst endgültig auf den letzten Seiten auf - und zwar in überzeugender Weise.

WARUM MICH DAS BUCH ZUM NACHDENKEN ANREGTE
Die Geschichte von Rachel Joyce hat einem so viel zu sagen, wenn man sich auf sie einlässt. Ich möchte als Beispiel nur die Figur des 11-jährigen Byron herausnehmen, der den oben erwähnten Unfall verursachte, bei dem seine Mutter ein Mädchen angefahren hat, ohne dies überhaupt zu merken - nur Byron selbst bemerkte es. Er fühlt sich schuldig und will es unbedingt wieder gutmachen. Dabei gerät er in Situationen die ihn überfordern, missdeutet Gespräche, die er als 11-jähriger noch nicht verstehen kann, gerät an Dinge des Lebens, die seinen geistigen Horizont übersteigen. Und obwohl das alles aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, ist aus meiner Sicht die unausgesprochene Botschaft der Autorin an den Leser: Wir alle kennen vom Leben viel weniger, als wir glauben. Die Möglichkeiten, es zu beeinflussen, oder auch nur zu verstehen sind viel kleiner als wir es wahrhaben wollen - und das sollten wir auch akzeptieren, statt nach Perfektion zu streben. Demut ist das, was man aus dem Buch mitnimmt.

FAZIT
Wie schon oben erwähnt, ist dieser Roman komplett anders als sein Vorgänger. Den Harold Fry konnte man praktisch jedem risikolos als Geschenk in die Hand drücken und sich schon im Voraus über dessen anerkennenden Dank nach der Lektüre freuen. Denn wer liest nicht schon gern so eine herzerwärmende Geschichte die so voller Lebensmut steckt. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist anders: ernster, nachdenklicher, ja auch dunkler - aber deswegen keinesfalls weniger wertvoll. Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Menschen: man braucht die Optimisten, die für gute Stimmung sorgen. Man braucht aber auch die Nachdenklichen, die die Dinge des Lebens ergründen wollen. Und zu dieser zweiten Kategorie gehört Joyces aktueller Roman. Vielleicht ist es nicht unbedingt das ideale (Weihnachts)Geschenkbuch. (zumindest nicht für jeden) Dafür aber ein Buch, was man sich selber schenkt, wenn man erspüren möchte, was das Leben ausmacht.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Dezember 2014
Ich bin ganz erschüttert, wie schlecht dieses Buch bei den Leuten ankommt. Ich dachte, ich brauche diesmal keine Rezension schreiben, weil sicherlich bereits 500 Menschen fünf Sterne und allerlei lobende Worte gefunden haben - und dann das. Begeisterte und Enttäuschte halten sich für mich sehr überraschend die Waage. Ich für meinen Teil zähle zu den absolut Hingerissenen! Ja, auch ich habe Harold Fry gelesen und fand es wirklich gut, aber "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte", ist in meinen Augen nochmals eine deutliche Steigerung.

Das Buch wird in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen geschrieben, die sich im Abstand von etwa vierzig Jahren abspielen. Beide Geschichten, nämlich die zweier elfjähriger Jungen, die sich in einer tragischen Geschichte immer weiter verheddern, und die eines um die fünfzig jährigen Ex-Psychiatriepatienten, der seinen Alltag nur unter ihn massiv einschränken Ritualen meistern kann, passen erstmal nicht so recht zusammen.

Klar, am Ende fügt sich alles ineinander und die Stories treffen sich und diesen guten Schachzug finde ich wesentlich ausgeklügelter, als die Geschichte von Harold Fry, bei dem von Anfang an alles klar ist. Auch die beiden Handlungen jeweils für sich betrachtet sind in sich raffinierter, es liegen die ganze Zeit Fragen in der Luft, die man geklärt haben möchte, und so habe ich weiter und immer weitergelesen. Alles zeigt, dass die Geschichte nicht mal eben schnell ausgedacht worden ist, wie viele hier behaupten. Ich finde diese Geschichte hier deutlich kantiger als Harold Fry und damit ist sie bei mir an genau der richtigen Stelle angeeckt.

Es ist eben kein Groschenroman, bei dem alles Friede, Freude und so weiter ist. Man macht keine fröhlichen Luftsprünge, wenn man es liest. Es ist durchaus melancholisch und etwas Unheilvolles schwingt die ganze Zeit mit. Etwas Bedrückendes, fast Bedrohliches, "wie die drückende Stimmung vor einem schweren Sommergewitter", würde Rachel Joyce vielleicht dazu sagen. (Allgemein wird sehr viel Natur und Umgebung geschildert, was erstmal langweilig klingt, aber man kann irgendwie auch nicht einfach überspringen)

Ich fand es sehr spannend, konnte mich sehr gut in die Story einfitzen (...bin allerdings auch Schwester in der Psychiatrie) und habe dieses Jahr glaube ich kein besseres Buch gelesen. Was jedoch der breiten Masse gefällt, ist mir angesichts der Rezensionen nun allerdings nicht mehr ganz so klar. Wahrscheinlich sind die meisten schon so gestrickt, dass sie heftige Happy Ends brauchen oder Geschichten, die sagen wir Kapitel für Kapitel eine eindeutige, runde Sache ergeben. Keine Ahnung. Jedenfalls scheint man keine derartige Gewitterstimmung zu mögen - oder man kann sie nicht recht fassen.

Wenn ich einen Kritikpunkt an dem Buch finden soll, dann würde ich das Ende der Geschichte eventuell heranziehen. Ich habe mich endlos gefreut, was der fünfzigjährige am Ende gemacht hat, dabei hätte ich es belassen. Tatsächlich kam Hoffnung auf nach dem ganzen Trübsal (ich musste schon auch heulen) und ich witterte einen weiteren klugen Schachzug, den Joyce dann aber doch nicht genutzt, vielleicht gar nicht erkannt hat. Leider hat sie wenige Sätze später, als man gerade zuklappen wollte, wieder einen Teil der Hoffnung mitgenommen - und sagt es sogar wortwörtlich selbst. Da fehlte mir dann doch auch der Kitsch ein bisschen, wenngleich logisch betrachtet sicher ist, dass nicht alles rosig weitergehen kann im Leben der Figuren. Ich ziehe aber trotzdem keinen Punkt ab, weil es wie gesagt nur ein kleines Manko, vielleicht nur meine eigene Spinnerei, war.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. November 2014
Byron, 11 Jahre, kann nicht glauben, was sein bester Freund James ihm erzählt hat:
2 Sekunden werden in diesem Jahr der Zeit hinzugefügt – eine nicht vorhandene Zeit, in der vielleicht Dinge geschehen können, die sonst nicht passiert wären. Und tatsächlich, in einem unaufmerksamen Moment fährt seine Mutter auf dem Schulweg ein Mädchen an – und merkt es nicht….Der darauffolgende Sommer 1972 wird für James und Byron eine merkwürdige Zeit, in denen die Dinge ihren ganz eigenen Lauf nehmen…
Jim ist ein gebrochener und von Zwangsneurosen beherrschter Mittfünfziger unserer Zeit. Über Jahre hinweg in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht ist er hilflos und unsicher im Umgang mit anderen Menschen.

Die beiden Geschichten werden abwechselnd erzählt. Mit atmosphärischer Dichte, Tiefgang und Feingefühl versetzt Rachel Joyce den Leser in die Situationen und Emotionen der Protagonisten ohne dabei ihre Beschreibungen ins überladene oder triviale abgleiten zu lassen. Der stille Spannungsbogen wird bis zum Schluss gehalten. Was für ein Moment, wenn sich die beiden Geschichten aufeinander zu bewegen und man erkennt, welcher Zusammenhang zwischen beiden besteht….!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. März 2014
Hiermit bekenne ich mich offiziell zum Fan von "Rachel Joyce".

Nachdem ich "die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry", welches sofort zu der Liste meiner Lieblingsbücher avanciert ist, förmlich verschlungen habe, musste natürlich auch das nachfolgende Buch rasch herhalten: "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte"

Meiner Meinung nach in keiner Weise vergleichbar mit dem ersten, aber dennoch fesselnd und superschön.
Die Kapitel sind recht kurz, so dass man (zumindest theoretisch) zwischendurch gut mal eine Pinkelpause einlegen kann, ohne mitten auf einer Seite aufhören zu müssen. (Sowas mag ich!) Praktisch lässt es sich aber schlechter beseite legen.
Der regelmäßige Wechsel zwischen den Hauptakteuren - dem elfjährigen Byron, der seinen Sommer '72 und dessen Ereignisse beschreibt, und dem über fünfzigjährigen Jim, der in der Gegenwart lebt und mit Zwangsstörungen kämpft, - macht das Buch noch interessanter. Ebenso wie die Tatsache, dass sich der Zusammenhang zwischen beiden Handlungssträngen erst fast ganz am Schluss erschliesst.
Auch wie schon in "der Pilgerreise" war ich nicht vom Ende enttäuscht, was nicht sehr häufig der Fall ist.

Also: Klare Leseempfehlung!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Mai 2015
Nachdem ich von Rachel Joyce Harolds Pilgerreise, Queenies Tagebuch sowie die Weihnachtskurzgeschichte begeistert gelesen habe, habe ich erwartungsvoll zu "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" gegriffen.
Ich stellte mir eine Geschichte vor, die den andern in nichts nachsteht. Doch dem war nicht so. Während in den andern Büchern eine positive Grundstimmung vorherrscht, ist diese einfach nur beklemmend und deprimierend.

James erzählt Byron in der Schule von einem Artikel, den er in der Zeitung gelesen hat. Die Regierung will dem neuen Jahr, 1972, zwei zusätzliche Sekunden zufügen. Byrons Gedanken kreisen seither nur noch um die Frage wie das geschehen soll. Nicht gut für ein Kind, und erst recht nicht für eins, dessen Vater die Woche über abwesend ist und unter der Woche nur mit Kontrollanrufen Kontakt zu seiner Familie hält. Der Vater ist ein Tyrann, der auf Schein statt Sein setzt. Seine Frau leidet darunter, was sie den Kindern verheimlichen will. Byron merkt dies und lenkt sich durch Dinge ab, die James ihm erzählt. So werden diese "zwei Sekunden" fast zur Obsession für ihn. Als er eines Morgens auf einem Umweg zur Schule gefahren wird denkt er, dass seine Mutter ein Mädchen angefahren hat. Doch sie weiss nichts davon. Er steigert sich innerlich in etwas hinein, bis Byron nach Wochen erst den Mut aufbringt seiner Mutter davon zu erzählen.

Als Byron seiner Mutter endlich davon erzählt, ist man mit dem Buch fast bis zur Hälfte durch - das findet im ersten Erzählstrang, der um 1972 spielt, statt. Im zweiten Strang sind wir im Jahre 2012, in dem es um einen Mann namens Jim geht, der in einem Wohnwagen wohnt und einige Ticks hat.
Wie die beiden Erzählungen miteinander verbunden sind, erfährt man erst gegen Ende. Irgendwann ist man soweit, dass man eine Vermutung dazu hat. Wenngleich man etwas in diese Richtung geahnt hat, schockiert die Auflösung dieses Rätsels und macht wütend. Das Ende ist somit das einzig Fesselnde in diesem Roman und ich kann jeden begreifen, der auf der Strecke aufgibt. Wenn ich viel Zeit brauche um ein Buch zu lesen, dann ist das ein schlechtes Zeichen. In diesem Fall ein Zeichen dafür, dass es langatmig ist. Langatmig deswegen, weil eine extrem bedrückende, negative Stimmung vorliegt und vieles sich nur gedanklich abspielt. Ausserdem sind sämtliche Personen problembeladen; einige davon am Rande der Lebensfähigkeit. Die Kombination von unscheinbar und schwermütig ergibt keine Höhen und so bleibt der Inhalt kontinuierlich flach. Wenn man das Buch dann auch noch in einer Zeit liest, in der man wegen Hochnebels seit zwei Wochen keine Sonne mehr sah, muss man aufpassen, dass einem diese depressive Stimmung nicht einholt. Vielleicht liest man es besser im Sommer bei Sonnenschein :-)

Dieses Buch wurde zwar vor den ganz oben genannten Romanen geschrieben, aber anscheinend erst danach veröffentlicht. Ich bin froh, dass es so ist und nicht umgekehrt; damit bleibt die Hoffnung, dass allfällige weitere Bücher der Autorin eher im Stil von Harold und Queenie geschrieben werden.

Da Rachel Joyce die Protagonisten mit ausgefeilten Charakteren ausgestattet hat und der Schluss ein wenig versöhnend wirkt, runde ich trotz enormer Düsterheit auf 4 Punkte auf.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. April 2015
In zwei Sekunden kann viel geschehen. Byron weiß das nur zu gut, denn er ist sich sicher, wenn diese zwei Sekunden nicht gewesen wären, hätte seine Mutter sicher niemals das kleine Mädchen auf dem roten Fahrrad angefahren. Warum mussten sie auch unbedingt jetzt diese zwei Sekunden hinzufügen? Byron ist elf Jahre alt, genau wie sein Freund James. Gemeinsam versuchen sie, herauszubekommen, was genau passiert ist. Byron's Vater hat seiner Frau erst vor kurzem dieses Auto geschenkt. Er darf von diesem Unfall nie erfahren. Aber was ist mit seiner Mutter los? Scheinbar hat sie von diesem Unfall überhaupt nichts bemerkt. Doch als Byron sie davon überzeugen kann, dass es tatsächlich geschehen ist, verändert sie sich langsam, aber sicher.

Meine Meinung
Es braucht weniger als eine Sekunde, wenn ein Unglück passiert. Und hier sind es eben zwei Sekunden, die ausgerechnet in dem Moment dazugefügt wurden, um die Zeit korrekt laufen lassen zu können.
Es ist mein erstes Buch von Rachel Joyce und ihr Stil ansich gefällt mir ganz gut. Es ist eine interessante Idee, die sie hier auf Papier bringt. Und auch die Protagonisten sind gut dargestellt. Aber all das nutzt nichts, wenn die Geschichte zu lang wird. Im Grunde genommen sind es zwei Geschichten, die abwechselnd erzählt werden. Die eine handelt im Jahr 1972, als der Unfall geschah. Byron und James sind noch Kinder und ihre Welt gerät vollkommen durcheinander.
Die andere Hälfte des Buches besteht aus der gegenwärtigen Zeit, mindestens vierzig Jahre nach dem Unfall und handelt von Jim.
Im Laufe der Erzählung erfährt man von ihm, dass er seit seiner Jugend immer wieder in psychiatrischen Einrichtungen behandelt wurde und auch heute noch bestimmten Zwangshandlungen unterliegt.
Es hat ein wenig gedauert, bis ich dahinter kam, was es mit diesem Jim auf sich hat. Leider zieht sich das Ganze dabei zu sehr in die Länge, bis die Autorin endlich auf den Punkt kommt. Wo anfänglich noch Neugier herrscht, hofft man irgendwann nur noch auf das Ende. Trotzdem wollte ich es auch nicht vorzeitig beiseite legen, denn es ist sehr vielfältig. Hier treffen psychische Probleme und Wahrheiten aufeinander, hier verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Alltägliche Gegebenheiten lösen massive Konflikte aus und bringen so scheinbar perfekte Idylle förmlich zum Einstürzen.

Meine Meinung
Alles in allem schon berührend, aber durch die Längen hat es mich nicht wirklich mitgerissen. Dabei ist es kein schlechtes Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2015
Anfangs wurde ich mit dem Buch nicht recht warm, aber nach und nach hat es sich in mein Herz geschlichen. Ich konnte einfach mit diesem seltsamen Titel gar nichts anfangen, wurde aber durch eine positive Reportage im Radio auf das Buch aufmerksam. Also habe ich es einfach mal versucht.

Byron ist mit seiner Schwester und seiner Mutter auf dem Weg zur Schule als es passiert: Diana fährt ein kleines Mädchen an. Der einzige, der den Unfall gesehen hat, war Byron. Und genau dieser Unfall ist der rote Faden, der durch das ganze Buch führt. Alles, was passiert führt unweigerlich immer wieder dorthin zurück. Dabei ist es in keinster Weise langweilig oder gar nervig. Das Ende hat mich zwar nicht total überrascht, aber das ganze Drumherum hat mir zu gut gefallen, so dass mich das gar nicht gestört hat.

Wir lernen Byron und seinen Freund James kennen. Ihre Geschichte spielt Anfang der 70er Jahre und deckt in etwa ein Jahr ab, nämlich den Zeitpunkt des Unfalls und die Monate, die darauf folgen. Dann lernen wir noch Jim kennen. Jim lebt in der heutigen Zeit und ihm ist irgend etwas widerfahren, was so schlimm war, dass er sich selber in die Psychiatrie eingewiesen hat. Unter dieser Erfahrung leidet Jim immer noch. Was das ist, erfährt der Leser im Laufe des Buches, daher verrate ich es natürlich nicht.

Die Kapitel sind immer abwechselnd aus Byrons und aus Jims Sicht geschrieben. Die Autorin hat es dabei verstanden sowohl die kindliche Denkweise als auch die Denkweise eines psychisch Kranken so rüber zu bringen, dass ich nach einer kurzen Eingewöhnung Jims Handeln gar nicht mehr so seltsam fand. Das Buch ist zu keiner Sekunde langweilig, ob wohl es kein Thriller ist. Die Nebenfiguren waren ebenfalls sehr glaubhaft dargestellt.

Bisher habe ich noch nie bewusst ein Hörbuch, das von Wanja Mues eingesprochen wurde, gehört. Dieses hier hat mich aber restlos überzeugt. Der Sprecher ist in der Lage, die einzelnen Charaktere so umzusetzen, wie die Autorin sie höchstwahrscheinlich darstellen wollte. Ich kann das Hörbuch bedingungslos empfehlen und werde mit Sicherheit noch weitere Bücher der Autorin hören oder lesen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es wurden tatsächlich 1972 erstmalig Schaltsekunden zur Anpassung an die Ungenauigkeiten der Erdrotation eingeführt, wie sie auch heute immer wieder und von den meisten Menschen unbemerkt eingeschoben werden. Für den elfjährigen Byron, dessen hochbegabter Freund ihm von der Maßnahme erzählt hat, werden diese beiden Sekunden ein lebenslanges gewaltiges Echo haben, obwohl sie keineswegs an dem Tag "generiert" wurden, an dem er sie zu erleben meint.
Und es geht sehr rasch nicht mehr nur um die Ängste eines Kindes, sondern um eine instabile Familie, mit einem tyrannischen, reichen Vater, einer von diesem eingeschüchterten, wirklichkeitsfremden Mutter und Kindern, die an diesen Verhältnissen zerbrechen; ebenso jedoch um die gesamte englische Mittelschicht jener Zeit, patriarchalisch, in einer scheinbar idyllischen Parallelwelt lebend, verlogen und oberflächlich, in die Byrons Familie aufgestiegen ist.
Jim, der Protagonist aus dem um vierzig Jahre verschobenen anderen Handlungsstrang, gehört zu jenen, die auf der Strecke geblieben sind, weil sie die ungeschriebenen Regeln dieser Schicht nicht befolgen konnten oder wollten.
Die Suche nach der Wahrheit, die so relativ ist wie Raum und Zeit, steht im Zentrum dieses in einer sehr poetischen Sprache verfassten Romans. Es gelingt der Autorin, einen heißen Sommer darzustellen und zugleich auf meisterliche Weise eine düstere, bedrückende Stimmung zu schaffen, die den Leser wie ein Sog erfasst und mit sich zieht in Richtung der sich zunehmend klar abzeichnenden Katastrophe. Dem gegenüber steht der zweite Handlungsstrang, in dem ein Gefühl tiefer Hoffnungslosigkeit zu dominiert, doch, gegenläufig zur Geschichte von 1972, ahnt der Leser einen Lichtschimmer am Horizont.
Zwar kommen einige Passagen etwas schleppend voran, und man könnte auch kritisieren, dass die Protagonisten überzeichnet wirken, vor allem Byrons sehr naive Mutter. Wer jedoch bereit ist, sich auf die surreale Stimmung des Romans einzulassen – und darauf zielt die Autorin ab -, wird die Figuren als perfekt auf ihre Welt abgestimmt empfinden, eine Welt, deren Absurdität und Falschheit sich mit Fortschreiten der Handlung zunehmend offenbart, bis die zentralen Charaktere an ihr scheitern. Und doch gibt es Freundschaft und Liebe, in dieser überspannten, bis zur Groteske selbstgerechten Mittelschichtwelt ebenso wie in Jims Umgebung, die für das hedonistisch-saturierte gehobene Bürgertum den Bodensatz der Gesellschaft darstellt. Rachel Joyce versteht es meisterlich, zwischenmenschliche Wärme und echte Gefühle, die manchmal überraschend aufflammen, falschen Freundschaften und einer Liebe, die auf Besitzdenken basiert, gegenüberzustellen.
Ein starker Roman, den zu lesen sich definitiv lohnt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. April 2015
Byron hat mich berührt. Byron und seine Kindheit Anfang der 70er und Joyce's Vermögen, mit ihren geschriebenen Worten lebhafte Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen.
Wir begleiten Byron, der es immer etwas schwerer hatte als zB sein bester Freund James, in einem Leben voller ungesagter Worte und ungelebter Leben. Wir erleben seine Mutter, die eingeschüchtert durch den herrschsüchtigen Vater ihr Selbst aufgibt, die Schwester Lucy, zu klein um vieles zu verstehen und Byron, der unausgesprochen und wehmütig in kindlichem Wissen zuviel Mitbekommt und an allem zu scheitern scheint.
Und dann geschieht ein Unfall. Den nur Byron bemerkt, er aber mit dieser Last nicht leben kann und er daran zu ersticken droht, wenn er seine Mutter nicht darauf hinweist, was sie getan hat. Und das Leben nimmt seinen Lauf und verschlingt alles und jeden, wie ein gefräßiges Monster. Zwei Sekunden, die Alles und Jeden verändern werden.

"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist ein trauriges Stück Leben. Es ist schwermütig und doch nett und manchmal zum Grinsen gut geschrieben. Aber der wehmütige Unterton bleibt. Wer hier ein Stück heitere Literatur erwartet, wird enttäuscht. Wer keine Angst vor einem traurigen "slice of life" hat, wird seine Freude haben.
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