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42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Meisterhafte Poesie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
70 Erzählungen, ja Reiseberichte legt uns C. Ransmayr hier vor - zunächst möchte man also fast nicht von Belletristik sprechen. Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise rund um die Welt, manchmal zu bekannten, meist aber zu unvertrauten Orten. Er schärft unseren Blick für das Kleine, zeigt aber auch darin das Große auf, umschreibt mit ungeheurer Präzision und Poesie Orte und Menschen, zieht einen hinein in einen ganz eigenen Kosmos. Er ist Beobachter, nicht wertend und doch mitfühlend. Er verschweigt, wo nötig, nicht das Grauen und zeigt doch immer wieder auch den Horizont des Schönen. Er fügt Details zum Verständnis ein, erklärt und läßt doch genügend offen für die eigenen Bilder und Phantasien. Er macht Lust auf (literarische) Reisen und zeigt doch auch das Ängstigende des Unvertrauten auf. Und schließlich schafft er es, in diesem Atlas eine Gesamtschau auf das Menschsein zu gestalten. Und schreibt somit einen großen "Roman", der so noch nicht da gewesen ist. Es ist die Geschichte von und über das Menschliche mit all seinen Facetten. Ransmayr findet immer wieder faszinierende (Sprach-) Bilder, Details, die mal als "Normalsterblicher" so wohl kaum wahrnehmen würde. Er verschont uns nicht und tröstet trotzdem durch die Kraft seiner poetischen Sprache.Im allgemeinen bin ich ja kein Fan von Hörbüchern. Aber gerade bei diesem Werk lohnt sich die Überlegung vielleicht doch: weil C. Ransmayr ein wundervoller Vorleser ist. Und weil es bei dieser Art des Reisens vielleicht schön ist, an der Hand genommen zu werden, erzählt zu bekommen. Letztendlich sind es zwar nicht Geschichten aus 1001 Nacht, sondern "leider" nur 70 - aber diese haben es in sich und eignen sich zum Anhören besonders gut. Ich wechsle ab zwischen Anhören und Lesen und bin immer wieder überrascht, wie anders die Wirkung der gleichen Erzählung sein kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die Reise zum Mittelpunkt der Seele,
Von
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Ich entdecke gerade Christoph Ransmayr als einen der interessantesten Schriftsteller unserer Zeit. Nachdem mich schon Die Schrecken des Eises und der Finsternis", jener wahre Begebenheiten und Tagebucheinträge mit einer fiktiven Geschichte verknüpfende Roman über die österreichische Expedition, die zur Entdeckung des Franz-Joseph-Landes führte, restlos begeistert hat, habe ich mich nun seinem neuesten Werk Atlas eines ängstlichen Mannes" angenommen. Auch hier spielen Fakten wieder eine gewichtige Rolle, und vordergründig ist das Buch als episodenhafter Reisebericht aufgebaut. Aber auch wie bei Die Schrecken des Eises und der Finsternis" sind es weniger die realen Ereignisse, auf deren Erzählung Ransmayr abzielt, sondern das dahinterliegende Menschliche selbst.Ransmayr hat einen ungemein scharfsichtigen Blick und die sprachlichen Fähigkeiten, jede Wahrnehmungsnuance treffend zu verdichten. Es geht ihm bei seinen Reiseskizzen nicht darum, Gesehenes zu vermitteln, sondern das Ungesehene, zwischen den Begegnungen Mitschwingende. Dass er jede Sequenz mit Ich sah ..." beginnt, ist ein spannender Kniff, denn vom Visuellen ausgehend geht er in die Tiefe, und am Ende jeder Sequenz bleibt Ungesagtes als Frage, als Möglichkeit im Raum hängen. Auf Ransmayrs Reisen erfährt der Lesende weniger über die bereisten Orte selbst, sondern mehr über den Reisenden, über diesen klarsichtigen und zutiefst menschlichen Schriftsteller, der sich selbst immer wieder neu prüft (ohne zu urteilen) an den Weltbildern und Erfahrungen der Menschen, die er trifft. Ganz im Sinne eines Camus, von dem der Ausspruch stammt: Das Reisen führt uns zu uns selbst zurück." Ist das Buch nun als Reisebericht zu empfehlen? Nein, das wohl eher nicht. Es ist kein Reisebericht. Es ist eine Sammlung von Beobachtungen, die allesamt am Ende Fragen aufwerfen. Wer aber gewillt ist, sich diesen Fragen zu stellen, sich selbst dabei zu prüfen, der wird sich bei dieser Lektüre von Seite zu Seite staunen - und am Ende vielleicht sogar ein bisschen mehr über sich selbst wissen. Nur um etwas über fremde Orte zu erfahren im Sinne einer Weiterbildung sind die kurzen Skizzen in diesem Buch hingegen ungeeignet. Aber das war von Anfang an auch nicht Ransmayrs Ziel. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Das Unerwartete lauert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Endlich einmal wieder Lesestoff von Christoph Ransmayr! Seit dem 'Fliegenden Berg' warte ich auf Neues, las in meiner Sehnsucht alles Zurückliegende und Fernliegende - und bin nachhaltig begeistert, wie von keinem anderen zeitgenössischen Schriftsteller. Ransmayrs Sprache liebe ich über alles, denn er schmiegt die Worte den Dingen an, dass sie aufstehen und Wirklichkeit werden vor den Augen des Lesers. Ich bin zu Tode erschrocken über die schwarze Tür, durch die der irrsinnige Häftling im griechischen Lager geschleppt wird, mir stockt der Atem, wenn der Stier in der Arena zum letzten Mal sich erhebt und dem weißen Pferd zurennt, ich spüre das Entsetzen, das Ransmayr ergriff, als die Nacht schwarz war, wo sie doch hätte von den Lichtern der Stadt durchstrahlt sein müssen. Und so regt jede der 70 Seelen-Karten dieses Atlas, die Orte abbilden, zum Erwandern, Durchstreifen, Erleben an, das stets in ein neues Abenteuer führt. Denn Ransmayr öffnet immer wieder eine Tür, oftmals eine konkrete, durch die Gewaltig-Schreckliches dringt - wie in der Vision an Homers Grab, da hinter dem einen modernen Kriegsschiff die Flotte Agamemnons segelt, nicht des Helden, sondern des Völkermörders.Ich hatte das Glück, Christoph Ransmayr bei einer Lesung persönlich zu erleben; daher ist mir sein neues Buch besonders kostbar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
60 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine äußerst horizonterweiternde Unterhaltung!,
Von Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Warum der Autor sein Buch "Atlas eines ängstlichen Mannes" nennt, habe ich bis zum Schluß nicht kapiert. Vielmehr bin ich noch immer von der Vielzahl der Geschichten und Länder fasziniert die Christoph Ransmayr hier beschreibt.Egal ob Laos, Chile, Tibet, Malaysia oder Indien, der Autor war gefühlt in jedem Winkel der Erde schon mindestens ein Mal. Man sollte ihn mal fragen, wo er noch nicht war? Es gibt ähnliche Bücher wie das vorliegende. Aber einen grundlegenden Unterschied hat es allen anderen gegenüber. Christoph Ransmayr schiebt sich in keiner seiner Geschichten auch nur einen einzigen Zentimeter weit in den Vordergrund. Seine Kunst ist es, das Geschehene exakt zu beschreiben, nicht zu bewerten, dies überlässt er dem mündigen Leser und dies empfand ich als sehr wohltuend! Bleibt mir die Frage nach dem sonderbaren Buchtitel. Der begnadete Erzähler Christoph Ransmayr fordert seine Leser, er geht nicht ausgelatschte Wege mit ihnen. Unter einem Atlas stellen wir uns gewöhnlich ein Buch mit Länder - und Weltkarten vor. Der Autor überreicht mir mit seinem Buch 70 Teile der Welt, so wie er sie erlebt hat. Es ist so als würde er mir mit seinem Buch die Welt in 70 Teile überreichen, ich steh nun vor der Aufgabe alles für mich zu einem Weltbild zusammenzufügen. Ängstlich kommt mir Ransmayr in keiner seiner Geschichten vor, eher ehrfurchtsvoll vor der Fülle die unsere Erde zu bieten hat. Eine äußerst horizonterweiternde Unterhaltung! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Korb voller Kleinode,
Von Manarola (Salzburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Ich sah einen in verschiedenen Blauschattierungen gefassten Einband, deren Abstufungen die unterschiedlichen Tiefen eines bis in 6.000 Meter tiefgehenden Meeres kennzeichneten, wie es aus den Atlanten der Schulzeit bekannt war, und in dessen flachen, nördlich gelegenen Gewässern, in dunklem, ruhigen Blau die Lettern „Atlas eines ängstlichen Mannes“ wie eingeprägt lagen, darüber der Name des Autors in dezentem Dunkelrot – Christoph Ransmayr.Vielleicht hätte der Autor so oder ähnlich die erste Begegnung mit seinem eigenen – bislang letzten -Werk begonnen, so wie er alle anderen 70 Texte mit „Ich sah …“ beginnen ließ. Es ist kein Roman, den uns Christoph Ransmayr hier vorlegt, sondern eine Aneinanderreihung von 70 nur etwa vier bis höchstens 10, 12 Seiten langen Texten. Es sind Begebenheiten, Erlebnisse, Ereignisse, die sich wohl in vielen Reisen an die exotischsten Orte der Welt, aber auch in der Heimat so zugetragen haben. Sie erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte, bis in die Kindheit zurück, der größte Teil mochte sich aber in den vergangen 10 bis maximal 20 Jahren zugetragen haben. Jeder Text ist in sich geschlossen eine kurze Geschichte. Eine Begebenheit, die kaum von irgendeiner größeren Bedeutung ist, oft etwas Beiläufiges hat und doch immer wieder eine Bedeutungsschwere hervorruft, die ihres gleichen sucht. Der Autor beobachtet sehr genau, beschreibt präzise und jeder Satz wirkt wohlgeformt. Nicht manieriert, ohne Effekthascherei, nicht einfach und auch nicht komplex: jedes Wort erscheint gut überlegt, steht dort, weil es dort stehen muss und würde fehlen, wenn es nicht da wäre. Und die Geschichten, die in ihrem Verlauf oftmals vom einleitenden „Ich sah“ wegführen, kehren immer wieder zum Ausgangspunkt zurück, schließen den begonnenen Kreis. Die Begegnungen – so möchte ich die Texte bezeichnen – strahlen eine wohltuende Ruhe aus. Sie stellen einen Kontrapunkt zu unserer schnelllebigen, hektischen Alltagswelt dar. Sie lassen uns in etwas entfliehen, was wir vielleicht schon lange und immer wieder vermissen. Ein Versinken, ein Eintauchen in die Welt, eine Reflektieren von dem was außerhalb von uns vorgeht, uns aber berührt. Etwas, das wir aufnehmen und von dem wir aufgenommen werden. Es ist ein Verschmelzen von dem, was draußen ist und was wir sind. Es mag wohl kein Zufall sein, dass sich viele Geschichten im asiatischen Raum, auf kleinen Inseln oder in entfernten Weltregionen zutragen. Sie haben etwas Meditatives an sich, in ihrem reflektierenden Fortgang. Der Autor ist ein Lehrmeister – wider Willen vermutlich – ein Lehrmeister der Beobachtung: er zeigt uns das Bedeutsame im Nebensächlichen, er lenkt unseren Blick auf etwas, was uns normaler Weise entgeht. Er führt uns vor, wie wir auch daraus in unaufgeregter Form etwas gewinnen können. Christoph Ransmayrs Buch entzieht sich der Kritik herkömmlicher Romane, es sind für mich die Schubert'schen "moments musicaux" der Literatur, es ist das Buch für den Nachttisch, mit Geschichten zum immer wieder rein blättern, zum verweilen, zum nachlesen. Ein wunderbares Buch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Seelenlandschaften,
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Christoph Ransmayrs Reisebeschreibungen berühren einen nicht nur wegen seiner sensiblen Sprache und seiner feinen Beobachtung, sondern sie gehen unter die Haut, weil sie das Menschsein in seiner Zerbrechlichkeit, Einzigartigkeit, Tragik und Wucht - als Menschsein - wahrnehmbar machen. Er hat sich auf seinen Reisen wirklich eingelassen auf das Andere, das Fremde, an dem wir im Spiegel erfahren, wer wir selber sind. Natur und Kreatur durften ihm nahe kommen. Dieser ängstliche Mann hat seiner Angst die Stirn geboten und sich geöffnet - und uns damit beschenkt, an seinen tiefen Erfahrungen teilhaben zu können. Danke sehr!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Am Rande der Wildnis oder: Auf dem kürzesten Weg zu den Sternen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
"In Christchurch hatte ein Junge mit dem Revolver seines Vaters einen Freund erschossen. An der Nordküste waren drei Dutzend Grindwale gestrandet und erstickt, und drei von fünf Besatzungsmitgliedern waren ertrunken, nachdem ein Fischkutter in einer Monsterwelle gekentert war. In Afghanistan war Krieg. In einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens war ein Schüler Amok gelaufen." Meldungen wie diese geistern tagtäglich durch die Gazetten, beherrschen die Berichterstattungen auf der ganzen Welt. Doch unter ihrer destruktiven Oberfläche sucht sich ein zartes Pflänzchen seinen Weg ins Licht. Es trägt den Namen Hoffnung, erwachsen aus der Schönheit des Augenblicks. Und dies klingt dann so: "...die fernen, lautlos rauschenden Bäume der Donau-Auen, sanft bewegte Kronen riesiger Schwarzpappeln, Silberweiden und Eichen, Wasserwälder, in denen ein Labyrinth von Altarmen der Donau, ausgedehnte Schilfseen und von blühendem Dickicht umschlossene Tümpel das Spiegelbild abendlicher Wolkentürme in den Himmel zurückwarfen."Beide Textpassagen stammen aus Christoph Ransmayrs "Atlas eines ängstlichen Mannes". Sie stehen bezeichnend für den Stil der siebzig Episoden, die der österreichische Autor in seinem neuen Buch erzählt. Sie nehmen den Leser auf eine Reise quer über den Kontinent mit, von Europa nach Chile, Brasilien, Mexiko und Bolivien, von Nepal über Indien bis nach Sri Lanka, springen über nach Kambodscha, Malaysia, Indonesien und Neuseeland, um sich hernach einen Weg über die Russische Arktis zum nördlichsten Punkt der Erde zu bahnen. Ransmayr berichtet aus Südafrika, Mauritius oder Japan und strandet wie einst die Meuterer der Dreimastbark Bounty im Südpazifik, auf der Insel Pitcairn. Aber es sind keine Reiseberichte der üblichen Art. Sondern allen wohnt ein Erkennungszeichen inne: die Grenze zwischen den Orten der Lebenden und denen der Toten verwischen, deren Welten fließen ineinander. Jede Erzählung handelt zugleich von Trauer und Freude, von Grauen und Schönheit, von Gewalt und Hoffnung. Manchmal trennt diese Gegensätze nur ein kurzer Augenblick, ein anderes Mal liegen Jahre dazwischen. Sicher sein kann man sich jedenfalls nie am eben noch geschilderten "funkelnden Frieden einer Sommernacht, an dieser Windstille, dieser Wärme", da ihnen immerzu etwas Trügerisches, ja Bedrohliches innezuwohnen scheint, deren seismische Wellen zerstören können oder nur ein leichtes, die Gefahr andeutendes Vibrieren zurücklässt..."eine trügerische Ferne". In seiner unverkennbaren, poetischen, zögernden, zweifelnden und suchenden Sprache verwebt Christoph Ransmayr Erlebnisse aus vierzig Jahren Reiseerfahrung zu einem unglaublich dichten Textgewebe, das letztendlich wie ein Samen als "eine Art Ewigkeit aus den Zweigen auf uns herab"fällt und den Leser in ein Kokon vielfältigster Emotionen einspinnt. Der Autor folgt dabei keinem stringenten Weg, läuft auf keinem geraden Pfad zur Pointe jeder Erzählung. Er nähert sich stets aus zwei Gesichtspunkten seinem Ziel, legt konträre Schichten übereinander, die gegenseitig konkurrieren und findet manchmal sogar Wege zurück in die Vergangenheit, an den Ursprung der Zeit, Wege in die Kindheit. Fernab jeder gewöhnlichen Touristenpfade sieht er Außergewöhnliches, Ungewöhnliche und Faszinierendes, beobachtet Scheues oder entdeckt Verborgenes. Er folgt Flussläufen, Straßen oder klettert auf Berge und Hügel, um die Schönheit unseres Planeten zu entdecken, sich aber auch seiner dunklen Seite zu stellen und um vielleicht so wie Pavlik, ein pensionierter Lehrer aus dem tschechischen Trebic, der Tag um Tag die verfallene Mauer eines ehemaligen jüdischen Friedhofs neu errichtet, "mehr Licht in die Köpfe der nächsten Generation" zu bringen. In Ransmayrs Weltenatlas taucht man ein und nimmt dabei den Lärm der Oberwelt nur noch gedämpft war. Alle Bilder, die unweigerlich bei der Lektüre dieses großartigen Buches vor dem geistigen Auge entstehen, spiegeln nicht nur die Farben seiner literarischen "Wandgemälde" wider, sondern sie steigen Bild um Bild aus einer imaginären Tiefe empor. Vergleichbar mit einem beeindruckenden Erlebnis, das der Autor bei einer Begegnung mit einer Buckelwalkuh auf den Silverbanks vor der Küste von Haiti und der Dominikanischen Republik hatte: "Vielleicht war diese Riesin in Schwarz tatsächlich aus ihrer Tiefe zu einem Atlantikschwimmer emporgeschwebt, um ihm eine Ahnung davon zu vermitteln, wie reich, wie vielfältig, unverändert und selbstverständlich die Welt ohne ihn war." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt.",
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Ransmayr sucht im Facettenreichtum der Welt nach dem, was sich unserer direkten Wahrnehmung entzieht. Er arrangiert aus siebzig Geschichten eine betörende Essenz. Die Abfolge der Erzählungen erscheint zwar komponiert, aber ganz gleich an welcher Stelle des Buches man einsteigt, und in welcher Reihenfolge gelesen wird, Ransmayr zeigt mit jeder Episode, wie sich auch noch mit dem Kleinsten die Erfahrung der Wirklichkeit des große Ganzen vervollständigt.Er beginnt jede der siebzig Geschichten mit: "Ich sah", erzählt dann aber doch von Dingen, die den Augen verborgen bleiben. Er befasst sich intensiv mit der Wirklichkeit und sieht das Dasein der Menschen in ihr nicht als Anspruch, sondern als Privileg. Er begreift, stellt sich selbst in Frage und nimmt sich in der Wortwahl zurück. Durch seine Kunst der Beschreibung weckt er beim Leser das Verlangen unter die Oberfläche der reinen Begrifflichkeit der Worte zu blicken. Ängstlichkeit als Teil der Wahrnehmung ist Reflexion, die uns über den Augenblick erhebt, ist etwa sinngemäß im Text zu lesen. Ransmayrs Ängstlichkeit kommt in seinem Suchen und der gleichzeitigen Zurückhaltung zum Ausdruck. Die Faszination und Bewunderung begleiten Demut, aber auch Zweifel und die Sorge um den Erhalt der unerschöpflichen Vielfalt. Wem manche der aktuell populären Reisebücher vielleicht zu sehr als Feuilleton oder zu sachlich, zu egozentrisch oder auch zu trivial daherkommen, sollte es möglicherweise einmal mit diesem wundervollen Stück Literatur versuchen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
"Ich sah ...",
Von Th. Leibfried (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (TOP 500 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
Damit beginnt jede der siebzig Episoden, in denen Christoph Ransmayr jeweils eine Gegebenheit von einer seiner zahllosen Reisen schildert. Er ist Beobachter, das drückt er aus mit diesem monotonen Beginn, nicht Akteur. Und auch der Titel mit dem Wort "ängstlich" drückt eher passives Verhalten aus, das den Ich-Erzähler nach eigenen Aussagen vielmals vor Schaden bewahrt hat. Die Angst ist das wichtigste Gefühl, um das Überleben zu sichern, in der Vergangenheit unter unseren Urahnen noch viel mehr als das heute der Fall ist. So erklärte Ransmayr den Titel bei einer Lesung aus diesem Werk vor einigen Wochen.Ransmayr schildert diese Episoden von überall auf der Welt. Aus Österreich, Russland und Griechenland genauso wie aus Chile, Costa Rica und Südafrika oder aus Nepal, Indonesien oder Neuseeland. Da wird allerdings auch schon einmal aus einer Mücke der berühmte Elefant gemacht und Dinge, die der Beobachter zu sehen glaubt, lösen sich vor den Augen des Lesers in Luft auf. Unbestritten ist er ein sehr guter Beobachter, dem kein Detail entgeht. Ransmayr gerät auf seinen Fahrten vielfach in Situationen, von denen man sich als normal Reisender fragt, wie einem das passieren kann. Und nicht nur, wenn seine Gruppe von einem Tiefflieger attackiert wird. Er gibt sich in seinen Beschreibungen als Universalgelehrter, bewandert in Fauna und Flora, in Geografie sowieso, in Geschichte, Religion, Politik und Literatur. Eine Aufzählung jagt die andere, gleich ob es sich um afrikanische Stämme, chinesische Dynastien oder Schriftsteller, Haiarten oder Berge handelt. Es ist schwer vorstellbar, dass es Schriftsteller gibt, die mehr verschiedene Wörter und Begriffe in einem Roman dieser Größenordnung verwenden als Ransmayr. Keine rhetorische Verschnaufpause gönnt er der Leserin und dem Leser bei seinem Ehrgeiz, der deutschen Sprache alles abzuverlangen, was sie an Vielfalt hergibt. Aber wie das so ist mit von verschiedensten Geschmäckern und zahlreichen Aromen gezeichneten Speisen, man sehnt sich an einem bestimmten Punkt nach etwas Einfachem, nach etwas, das klarer, berechenbarer ist und das die eigenen Sensoren nicht permanent einer drohenden Überfrachtung aussetzt. Christoph Ransmayr gehört zu den bemerkenswertesten Schriftstellern der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, in die Liste meiner persönlichen Lieblingsautoren wird er es allerdings nicht schaffen. Dazu balanciert er zu beständig an der Grenze zum Überladenen, manchmal Affektierten, Gespreizten, ja überschreitet in meinen Augen diese unsichtbare Grenze des Öfteren mit einem oder gar zwei Füßen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
aus dem vollen leben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Atlas eines ängstlichen Mannes (Gebundene Ausgabe)
christoph ransmayr greift ins füllhorn des lebens und präsentiert ausschnitte voller intensität, geruch und geschmack. "wo war der mann noch nicht?", fragt man sich unwillkürlich spätenstens am ende des buches, das weltgegenden und bewohner vorstellt, die man im besten fall aus dokumentationen im fernseh kennt, von dort aber nur oberflächlich und beschreibend. ransmayr erzählt mit einer kleinen, auf vier oder fünf seiten beschriebenen begebenheit mehr von diesen teils weit abgelegenen und nur mit mühe und unter inkaufnahme von grossen gefahren erreichbaren gegenden als so mancher fernsehfilmer in einer einstündigen dokumentation: sehr wohl das eigene erleben fokussierend, aber unaufdringlich und ohne jede überheblichkeit, mit der sich so manch anderer weltreisender umgibt. ransmayr kennt die welt sprichwörtlich von innen und von aussen und er lässt uns daran teilhaben, wofür ihm grosser dank gebührt. dass in diesen erlebnis-essenzen kein wort unbedacht geschrieben wurde, ist man von den andern büchern ransmayrs ja schon gewohnt. kopfkino im besten sinn des wortes, grandios, nur fünf sterne werden diesem meisterwerk leider nicht gerecht!
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Atlas eines ängstlichen Mannes von Christoph Ransmayr (Audio CD - 23. Oktober 2012)
EUR 34,95
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