Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:    (0)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Verhältnis zwischen Kulturmanagement und Kulturpolitik muss nach diesem Buch neu gestaltet werden., 21. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Kulturmanagement und Kulturpolitik: Jahrbuch für Kulturmanagement 2011 (Broschiert)
Der inzwischen dritte Herausgeberband des Fachverbands Kulturmanagement geht inhaltlich zurück auf seine vorletzte Tagung in Basel im Januar 2011. Sie war geprägt von einer intensiven Debatte über das Verhältnis zwischen Kulturmanagement und Kulturpolitik. Dies schlägt sich entsprechend auf den Inhalt des Jahrbuchs nieder - die Positionen könnten unterschiedlicher nicht sein: da sieht Pius Knüsel einen gefährlichen Pakt der Kunst mit der Politik, der seiner Meinung nach dazu führte, dass inzwischen Kultur "als Allheilmittel für die Fragen der Integration, des Stadtmarketings, der Intelligenzförderung, der Klimarettung .." eingespannt wird. Zuletzt werde sie sogar am Beispiel der Kreativwirtschaft in die Pflicht genommen, der Wirtschaftsförderung zu dienen. Knüsel ist der Meinung, dass dies nicht dazu beigetrug, dass Kultur an Glaubwürdigkeit gewonnen oder gar soziale Gestaltungskraft entfaltet hat. Im Gegenteil: die Nutzerzahlen stagnieren, und Treiber des gesellschaftlichen Wandels sind ökonomische oder wissenschaftliche Innovationen. Fast noch spannender, weil möglicherweise konstruktiver wird Knüsel wenig später, wenn er die Wirkung von Kulturpolitik und in diesem Zusammenhang die Rollen von Kulturmanagern beschreibt.

Auch Birgit Mandel zweifelt an den Deutungsmustern im Beziehungsgeflecht zwischen Kulturmanagement und -politik. Hierarchisch allein ist diese Beziehung ihrer Auffassung nach nicht: der Kulturmanager also nicht einzig auf eine Rolle als Ratgeber und Umsetzer einer bestimmten Kulturpolitik zu reduzieren. Vielmehr sieht sie künftig in "kooperativen Steuerungsformen" zwischen den Akteuren eine stärkere Bedeutung. Mandel ergänzt diese Prognosen um Beobachtungen, wie kulturpolitische Strukturen in Deutschland funktionieren: die Ähnlichkeit parteipolitischer Programme für Kulturpolitik, die förderale Struktur, die starke Fokussierung auf institutionelle Förderung, die anhaltende Trennung zwischen der sog. E- und U-Kultur, die Rolle des Feuilletons usw. Dementsprechend leitet auch Mandel wie zuvor Knüsel zu den Rollenmodellen künftiger Kulturmanager über.

Bernd Wagner beklagt in seinem Beitrag zu Recht die Defizite der Kulturpolitik-Forschung. Hier helfen die zahlreichen Kulturwissenschaftsstudiengänge kaum, die sich in den Geisteswissenschaften verortet sehen und sich daher zu selten dem spannenden "Beziehungsgeflecht zwischen Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und kulturelle-künstlerischem Bereich" widmen. Wagner erinnert an die drei englischen Begriffe Polity (Struktur), Policy (Ziele) und Politics (Prozesse), die die Dimensionen von Politik viel besser verständlich machen als dies die deutsche Terminologie vermag. Sein folgendes Kapitel zu Kultur und Macht zeigt auf, warum Kulturpolitik eben mehr ist als die Frage, wie man Kultur fördert. Es geht immer auch um Repräsentation und Einfluß. Insofern ist es alles andere als ausgemacht, dass es der Staat (auf welcher Ebene auch immer) sein muss, der Kultur fördert. Einzelne gesellschaftliche Gruppen können über die Finanzierung und Förderung von Kultur ihre Werte und damit ihren politischen Einfluss dokumentieren. Insofern kann man gerade hierzulande längst nicht mehr von national einheitlichen Kulturen, Identitäten und Werten sprechen.

Auch in den folgenden Beiträgen ist spüren, wie stark der Impuls bei den Autoren gewirkt hat, der spannungsreichen Beziehung zwischen Kulturmanagement und Kulturpolitik nachzugehen. Es eint sie der Konsens darüber, dass man sich wissenschaftlich wie praktisch ausreichend der politischen Seite im Kulturmanagement gewidmet hat. Offenkundig wurde Kulturmanagement, wie Doreen Götzky es formuliert, "vornehmlich als Grenzgängerin zwischen Kunst und Ökonomie betrachtet".

Einen anderen Akzent setzt Birgit Priddat. Er möchte Kulturmanagement nicht länger als "Kunst, Kultur bei eingeschränkten Budgets zu produzieren", betrachtet wissen. Vielmehr sieht er im Wagnis von Exzellenz und Innovation die Aufgabe eines Kulturmanagers neuen Typs. Freilich betont dieser Ansatz das Risiko jedweden Handelns, doch gibt es Beispiele zuhauf, wo die vermeintlich professionell durch Kulturmanager verwalteteten Theater oder Museen dennoch in Schwierigkeiten gerieten. Priddat sieht ganz offenkundig einen Kulturmanager, der selbst zum Gestalter wird. Nur vordergründig ist sein Beitrag einer, der vom Politischen ablenkt. Vor allem überrascht er durch einen innovativen Wortschatz - oder wissen Sie auf Anhieb, was mit Differenzierungsturbulenz oder agglomertierten Arbeits- und Kulturclustern gemeint ist?

Priddat gibt ebenso sprachliche "Nussknacker" auf wie anschließend Matthias Kettner, der allerdings für unseren Geschmack übertreibt, indem er die Sätze schlichtweg überfrachtet. Überhaupt zerfasert der Herausgeberband nach knapp 100 Seiten etwas. Entgegen des Untertitels enthält er später noch fünf Beiträge zur Kultur- und Kreativwirtschaft, die durchaus anderswo besser aufgehoben wären. Nichtsdestotrotz ist es aus unserer Sicht das bisher stärkste der Jahrbücher für Kulturmanagement, denn es besitzt eine große, tagesaktuelle Relevanz. Es wäre zu hoffen, wenn der angestoßene Diskurs nun vom Nachwuchs aufgegriffen werden würde - ein Diskurs, der gern auch gesellschaftpolitisch geführt werden darf. Es ist insofern offen, wie Kulturpolitik in 20 oder 30 Jahren aussieht. --- Dirk Heinze, Kulturmanagement Network, Weimar
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Kulturmanagement und Kulturpolitik: Jahrbuch für Kulturmanagement 2011
Kulturmanagement und Kulturpolitik: Jahrbuch für Kulturmanagement 2011 von Sigrid Bekmeier-Feuerhahn (Broschiert - Dezember 2011)
EUR 33,80
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen