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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Ein literarisches Feuerwerk,
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Das beeindruckende Debütwerk von Simon Urban hat alles, was einen lesenswerten Roman ausmacht: eine spannende Story, interessante Charaktere, einen klug ausbalancierten Spannungsbogen und viele originelle Einzelheiten, die den wortgewaltigen und brilliant formulierten Wälzer zum echten Lesevergnügen machen. Die Beschreibungen der Utopie Ostberlin im Jahre 2011 gelingen so anschaulich und eindrücklich, dass man gerne den mitunter etwas ausufernden Erzählstil in Kauf nimmt. Auch die Personae kann sich sehen lassen: von herrlich skurril, liebevoll kauzig bis schaurig gefährlich kommt sie souverän gezeichnet und ausgesprochen unterhaltsam daher. Allen voran der wahrheitsliebende Ostermittler Martin Wegener, stets leidend unter der Last seiner verlorenen Liebe, seinen stets zur Unzeit aufkommenden erotischen Gedanken und seinem Gefangensein in einem Land der Verlogenheit und des Verfalls. Wie alle guten Ermittler ist er Einzelkämpfer, der einzig Aufrechte unter lauter moralisch Deformierten, ein Antiheld, gedemütigt und getreten von den Frauen, seinen Vorgesetzten und seinem eigenen Minderwertigkeitsgefühl. Den Fall kann er lösen, dieser liebenswerte Martin Wegener, das Dilemma, in dem er am Ende des Romans sprichwörtlich steckt, verletzt, gebeutelt und geschlagen, das Dilemma des Unrechtstaates, dessen Schachfigur er ist, bleibt gleichwohl bestehen. In diesem Unrechtsstaat wird die Arbeit des Ermittlers von unsichtbaren Strippenziehern vorausbestimmt, offizielle Geheimniskrämerei verhindert lückenlöse Einsicht in wahren Strukturen. Das Schlimmste dabei: die omnipräsente Bespitzelungs- und Verstellungsmentalität. Wegener kann niemandem trauen, jeder kann sich jederzeit für jemand anderes ausgeben, als er wirklich ist. Dabei sehnt er sich so sehr nach Vertrauen, der radikalen Wahrheit in radikalen Zeiten. Seine Hoffnung bleibt, zumindest in diesem Roman, unerfüllt.Was zuweilen stört, ist der Wille zum unbedingten Komischsein. So wirken fast alle Dialoge wie geradewegs aus einer amerikanischen Sitcom eingeflogen. Das hat der Roman nicht nötig, er ist auch ohne diesen Schlagfertigkeitszwang seiner Figuren ausreichend witzig und prickelnd. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Den Sozialismus in seinem Lauf...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Es liest sich wie der gemeinsame Wunschtraum eines IM und eines Solizuschlagüberdrüssigen: 1989 brach die DDR nicht zusammen, die Mauer wurde schnell wieder undurchlässig und im Tausch gegen eine vorsichtig reformierte Stasi und ein Transitabkommen für russisches Gas gab es von der BRD noch mal einen Überbrückungskredit. 22 Jahre später existieren beide Staaten mehr oder wenig friedlich nebeneinander, wobei jeder sein Päckchen zu tragen hat. In der DDR bröckeln die Fassaden, es riecht überall nach Frittenfett (dem, allerdings unfreiwillig ökologisch korrekten Trabi-Treibstoff) und in der BRD ist Oskar Lafontaine Bundeskanzler. Ihm gegenüber regiert Egon Krenz und der hat ein Problem, das die Existenz des real existierenden Sozialismus ganz real bedroht. Ausgerechnet vor dem Abschluss des neuen Gasliefervertrages mit West-Deutschland wird eine Schlüsselfigur in Ostberlin ermordet. Ein hochbrisanter Fall, der Stasi und BND ausnahmsweise an einem Strang ziehen lässt. Oder vielleicht doch nicht? Ost-Kommissar Martin Wegener und Wessi Richard Brendel sollen gemeinsam ermitteln und je näher sie dem Geheimnis kommen, umso mehr Steine werden ihnen in den Weg gelegt. Die alten Kader-Seilschaften scheinen noch zu funktionieren.Ein überaus spannender Plot mit einer geradezu genialen Grundidee: Wie hätte sich die DDR entwickelt, wenn die Mauer nicht gefallen wäre? Simon Urban hat in seinem Erstlingswerk der Phantasie freien Lauf gelassen und die schöne sozialistische Welt mit Liebe zum Detail zum Leben erweckt. Im ostdeutschen McDonalds-Pendant gibt es Wart-Burger und das Ost-Handy ist nicht nur technologische Weltspitze, sondern heißt passenderweise "Minsk". Margot Honecker singt in dementer Hochstimmung im SED-Seniorenheim Biermann-Lieder, ihr Erich liegt im Berliner Prominentengrab. Urban, von Hause Werbetexter, versteht sein Handwerk. Geschliffene Dialoge, witzig und geistreich, eine Geschichte, die von allem etwas hat: Ein bisschen Voyeurismus, ein bisschen Sensation, Spannung, Sex und Staatsgeheimnis. Man ahnt geradezu das Drehbuch zum Film. Und es wäre nicht der schlechteste Film, denn die Personen sind "echt" und überzeugen vor allem durch die geistreichen Wortwechsel. Urban hat ein Ohr für elegante Satzmelodien und obwohl ich das Hörbuch nicht kenne, kann ich mir vorstellen, dass es dem Sprecher viel Freude bereitet hat. Ein Werbetexter ohne Sprachgefühl wäre natürlich auch ein tragischer Fall. Aber wie "Plan D" so unterhaltsam beweist, ist die Welt voll von tragischen Fällen. Und daran ändert auch nichts, dass die Mauer in der Realität eben doch gefallen ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Fantasievoll aber nicht fantastisch,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Simon Urban erzählt mit "Plan D" einen konventionellen, monoperspektivischen Politthriller, der jedoch unkonventionellerweise in einem fiktiven, jedoch vormals existierenden Staat, nämlich der DDR, spielt. Die Ausgangslage ist also als durchaus originell und fantasievoll zu bezeichnen. Auch die Sprache, die der Autor benützt, ist originell, manchmal geradezu schwallartig überbordend originell. Das gibt dann also zwei Sterne. Soweit, so gut.Der Protagonist ist ein wenig sympathischer, ewig nörgelnder, ewig geiler, feiger und hinter vorgehaltener Hand systemkritischer Volkspolizei-Kriminalkommissar, der in Liebeskummer versinkt und sich deswegen seitenlang in Selbstmitleid suhlt. Peinlich und bemühend. Die Prosa von Urban kommt teilweise wie ein Werbetext daher. Gespickt voll mit Adjektiven, teilweise Neologismen, aber immer oberflächlich, immer etwas provokant, und immer despektierlich, wenn es um die Beschreibung von DDR-Bürgern und deren Lebensverhältnisse geht. Das hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack. Nach rund 200 Seiten ist für einen erfahrenen Politthriller-Leser sonnenklar, wer in dieser Geschichte der "Maulwurf" ist. Wieso man dann nochmals über 300 Seiten warten und lesen muss, bis es schliesslich auch unserem ewig lamentierenden Protagonisten dämmert, leuchtet nicht ein. In den besagten dreihundert Seiten kommt nämlich kaum einmal etwas Spannung auf, wenn man vom kleinen, durchaus belustigenden Exkurs zum FKK-Strandbad absieht. Aber ich will hier nicht nur in Schwarz malen. Zum Schluss möchte ich positiv erwähnen, dass es dem Autor ausgesprochen gut gelungen ist, die Anlage am Treptower-Park, das leider verkannte, im Westen oft totgeschwiegene, äusserst beeindruckende Sowjetische Kriegsdenkmal in Berlin, zu beschreiben. Diese Location spielt nämlich eine wichtige Rolle im finalen Showdown. Dennoch, mehr als zwei Sterne gibt's von mir nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Was wäre wenn ...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Was wäre wenn? Wie oft hat sich nicht jeder von uns die Frage gestellt - Ja was wäre eigentlich, wenn '? Schon oft wurde diese Frage auch in der (Kriminal-)literatur erörtert, man erinnere sich nur an den großartigen Wurf von Robert Harris' 'Vaterland' in dem er sich die Frage stellte: 'Was wäre eigentlich, wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?'Dieser Tage ist ein Werk erschienen, das manchen krimiaffinen Leser stark an Harris' Fiktion denken lässt. Diesmal heißt das Reich, das in Simon Urbans 'Plan D' tapfer weiterbestehen darf, DDR und ist auch im Jahre 2011 trotz Maueröffnung in den Neunzigern immer noch nicht am Ende. Egon Krenz darf den sozialistischen Staat weiterregieren und nach einer kurzen Tauphase, in der die Mauer in nach 1989 offenstand und alles möglich schien, wurde die Grenze vom SED-Regime wieder dichtgemacht, als sich die Bevölkerung auf erschreckende Weise in den Westen verflüchtigte. Nun stehen im Oktober 2011 Sondierungsgespräche zwischen den beiden deutschen Teilstaaten an, bei denen es, wie sollte es anders sein, um die Energieversorgung des Westens geht. Zwar heißt der Mann an der Spitze der BRD inzwischen Oskar Lafontaine (sic!), doch die Probleme in den beiden Staaten sind dieselben: Der Osten braucht Geld und hat dafür eine Gaspipeline aus Russland, der Bruderstaat braucht das Gas und hat das Geld. Man scheint sich bereits handelseinig und erneut hat sich politisches Tauwetter angekündigt, das eine weitere Annäherung der Bruderstaaten in greifbare Nähe rücken lässt, da kommt nun, wenige Tage vor den wohl wichtigsten Verhandlungen in der Geschichte der beiden Staaten, eine delikate Angelegenheit natürlich denkbar schlecht daher. An der besagten Gaspipeline wird eine erhängte Leiche aus dem Politbüro von Egon Krenz entdeckt, ein ehemaliger Berater, der damals zur Zeit der Grenzöffnung in den Neunzigern mit dem sanften Wandel des sozialistischen Staates betraut war. Der geschasste Kommissar wird nun mit der Aufklärung dieses offensichtlich von ehemaligen Stasi-Kadern durchgeführten Mordes beauftragt, ein Himmelfahrtskommando par Excellence: Beide Staaten sind an der raschen Aufklärung des Mordes interessiert, doch die Stasi sollte mit der Angelegenheit natürlich nicht in Verbindung gebracht werden, da dies die Annäherung von BRD und DDR um Jahre zurückwerfen würde. Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, werden Wegener schon bald ein Partnerermittler aus Westberlin und ein BND-Agent zur Seite gestellt, die zusammen diese unappetitliche Geschichte rasch und lückenlos aufklären und einen Sündenbock für den Mord finden sollen. Doch wo auch Wegener überall forscht und ermittelt, stets rennt er mit seinen Partner gegen verschlossene Türen, da die Stasi mauert und keiner an der richtigen Aufklärung des Pipeline-Mordes interessiert scheint. Erste Spuren führen zu einem westdeutschen Solarunternehmen, das natürlich keineswegs an einer Gaspipeline aus Russland Interesse hegt, alten sozialistischen Kadern und zu einer Doppelexistenz des Toten, der sich offenbar jahrelang als Gärtner im DDR-Regierungsviertel verdingte. Doch trotz aller Hinweise und Fakten drehen sich die Ermittler im Kreis und es scheint, als würde die Leiche auf ewig ihre Geheimnisse behalten ' Müsste ich meinen Kriminalroman des Jahres wählen, wäre dies wohl momentan der heißeste Anwärter (in der Kategorie National hätte er den Preis bereits errungen)! Selten stößt man in der Literatur auf ein derart schlüssiges, fesselndes und komplexes Bild, das ein Autor zu zeichnen vermag. Man kann diesen Roman als vieles Lesen: Sozialistische Utopie, Kriminalroman oder Dramödie, Urban bietet in seinem Erstling wohlgemerkt ein faszinierendes, schlüssiges und auch beängstigendes Denkgebäude auf, dass da anfängt, wo die DDR aufhörte. Die Einfälle, mit denen der Berliner seine Fiktion würzt, sind hervorragend und wirklich humorvoll und zu viele, um sie hier aufzuzählen. Es seien an dieser Stelle nur genannt: Wolfgang Lippert moderiert weiterhin 'Wetten, dass '?', eine Physiknobelpreisträgerin Angela Kasner bewirbt den volkseigenen Phobos, eine Trabant-Weiterentwicklung die mit Frittierfett läuft, im angesagten Club 'Molotow' wird an der BIONIER-Brause genuckelt und Sahra Wagenknecht wird Filmstar. Doch all diese Ideensprengsel sind nur minimales, schmückendes Beiwerk, denn Urban lässt sich nicht von seiner Fiktion alleine tragen, das Grundgerüst ist die Kriminalhandlung rund um die Geheimnisse des erhängten ehemaligen Krenz-Beraters, und diese ist ihm wirklich ausnehmend gut gelungen. Zu rühmen ist auch die Dialogkunst Urbans, die für mich zum Besten zählt, was momentan auf dem Markt zu kaufen ist und sich nach meinem Dafürhalten auch mit Meistern wie Richard Price messen lassen kann. Die Wortgefechte sind auf den Punkt und zeigen einen verbitterten und desillusionierten Cop Martin Wegener, der vom System um seine Karriere und seine private Existenz gebracht wurde und nun zum Zyniker geworden ist. Mag man auch der ständigen Reflektionen Wegeners über das System, seine Liebe und die dauernden sexuellen Ablenkungen irgendwann überdrüssig sein, sie sind nur konsequent und zeichnen das glaubwürdige Portrait eines Mannes, der nur noch raus aus dieser Tretmühle Sozialismus will. Neben den scharf und nuanciert gezeichneten Charakteren kommt bei diesem Roman alles zusammen, was zusammen kommen muss, um eine herausragende Lektüre zu werden. Schlüssig fügt sich Puzzleteilchen an Puzzleteilchen und am Ende entsteht das Bild eines komplexen aber nie komplizierten Falles, der gekonnt den Bogen vom Anfang zum Ende spannt. Ein Roman, der für mich so hoch wie der Berliner Fernsehturm auf dem Cover über die kriminalliterarische Dutzendware von Serienkillern, depressiven Pathologen und anderen Belanglosigkeiten hinausragt - So muss ein Kriminalroman der Extraklasse sein und so ist es Simon Urbans 'Plan D' auch! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
50 Jahre seit Bau der Berliner Mauer ' und die DDR ist wieder da.,
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Passend zum 50. Jubiläum des Mauerbaus spielt der Autor in "Plan D" mit der Frage: Was wäre, wenn die DDR noch heute existieren würde? Und zeichnet das Bild eines nach Frittierfett stinkenden, Stasi-kontrollierten, einerseits armen und heruntergekommenen, gleichzeitig aber hochtechnologischen Staates, der um seine Existenz kämpft.In dieser "Zukunfts-DDR" wird der Volkspolizist Wegener mit der Aufklärung eines Mordfalls beauftragt: ein ehemaliger Berater von Egon Krenz ist an einer Gas-Pipeline erhängt aufgefunden worden. Alles deutet darauf hin, dass die Stasi ihre Finger im Spiel hatte - eine Tatsache, die das Land um wichtige Wirtschaftsabkommen bringen und die Staatspleite zur Folge haben könnte. Der Westen fordert volle Aufklärung, der Osten gezieltes Wegschauen und Martin Wegener muss sich entscheiden: entweder sein bequemes, sicheres Leben im Stasi-Staat weiterführen oder nach der Wahrheit hinter der Fassade der DDR suchen, die ihn schon seit Jahren beschäftigt. Der Autor schafft eine fiktionale Welt, die durch eine gelungene Mischung aus Fakten, Phantasie und Liebe zum Detail doch glaubwürdig und stimmig wirkt. Die Charaktere entpuppen sich im Laufe der Handlung als immer vielschichtiger und undurchsichtiger, so dass man als Leser die Erfahrungen des Kommissar Wegener teilt: Man ist nicht mehr sicher, wer Freund ist und wer Spitzel. Während man sich selbst in den unterschiedlichsten Vermutungen und Verdächtigungen verstrickt, behält der Autor die Fäden fest in der Hand und bringt den Fall zu einem logischen, konsequenten und zugleich absolut überraschenden Ende. Trotz über 500 Seiten und der bildhaften, manchmal verspielten und oft mit Ironie gespickten Sprache ist der Roman doch gut und flüssig zu lesen. Ich selbst habe es in 3 Tagen geschafft, denn einmal in die Handlung hineingeraten will man - genau wie der Kommissar Martin Wegener - unbedingt die Hintergründe des Mordfalles aufdecken. Alle Daumen hoch für dieses vielseitige, fesselnde Romandebut! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Guter Krimi, mehr nicht,
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Nicht wenige Kritiker vergleichen "Plan D" mit der "Blechtrommel" von Günter Grass, was völlig überzogen ist. Weder ist dieser Roman ein historisch bedeutendes Werk wie "Die Blechtrommel", noch reicht Urbans Sprache an die literarische Kunst eines Günter Grass heran. Im Gegenteil, der Autor hat einen Sprachpilz gezüchtet, der die Geschichte über weite Strecken zu ersticken droht und die Handlung unnötig streckt. Vor allem im mittleren Teil blähen die inneren Monologe der Hauptfigur den Text auf und bremsen die Story aus. Statt der 550 Seiten hätten auch 400 genügt, um den Mörder zu entlarven. Zudem merkt man dem Buch an, dass sein Verfasser nie in einer Diktatur gelebt hat. Es fehlt die biographische Resonanz, die man bei DDR-Autoren gemeinhin zwischen den Zeilen liest und die den Geschichten ihre historische Glaubwürdigkeit verleiht. Bei Urban hat man an keiner einzigen Stelle den Eindruck, dass er ähnliche Erfahrungen machen musste, seine Ausführungen zu diesem Thema sind Second-Hand-Ware, also recherchiert. Das ist nicht schlimm, reicht aber nicht für einen diktaturkritischen Roman. Wer sich für echte DDR-Literatur interessiert, sollte daher lieber zu Walter Kempowskis "Tadellöser & Wolff" und Uwe Tellkamps "Der Turm" greifen.Wenn wir es hier also entgegen der Meinung vieler Experten nicht mit einem politischen Roman zu tun haben, was ist "Plan D" dann eigentlich? Ganz einfach: ein guter Krimi. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Mordfall mit origineller Grundidee, dessen Lösung spannend ist und sich trotz der oben genannten Schwächen zu lesen lohnt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Gute Idee ... aber dann doch nur ein Allerweltskrimi !,
Von FrankS (Frankfurt) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Audio CD)
Urban läßt die DDR noch einmal aufleben und man fragt sich, wie würde der Osten wohl aussehen, wenn er nicht schon vor 22 Jahr "eingemeindet" worden wäre?Leider gibt Urban eben darauf keine Antwort - im Gegenteil er schreibt die DDR so einfallslos und langweilig fort, dass sich der Plott auch 1980 zugetragen haben könnte - nichts spiegelt die mögliche Entwicklung von über 20 Jahren wieder - ja es gibt einen neuen Trabant und Handys, die "Minsk" heißen, aber Marzahn ist immer noch ein Ghetto, die Stasi spielt immer noch die alten Spielchen etc. pp. Rechnet man diese "gepflegte Langeweile" raus, so bleibt kriminalistische Hausmannskost auf Curry-Wurst-Niveau - man kann damit leben, aber Gourmet ist es nicht! Auch der Umstand, dass es nicht um Geld oder Gold - sondern einfach nur um Plan D (B und C sind offenbar schon gescheitert), kann keine besondere Spannung erzeugen. Urban ist zwar sprachlich durchaus gewandt, aber seine philosophischen Anwandlungen passen einfach nicht in diesen schnoddrigen Roman, der sich auch nicht zu fein ist, mit einigen quasi-pornographischen (aber dennoch seltsam verklemmten) Passagen, Aufmerksamkeit zu heischen! Die Zeit ist bei Sherlock Holmes besser investiert, selbst wenn man den zum 15-ten Mal hört. gruß Frank Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Zwiespältig, zwiespältig, ..., aber gut ...,
Von Alex Wolff (Hohen Neuendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Selten habe ich ein so zwiespältiges Buch gelesen. Hingerissen zwischen sprachlicher Brillanz, Geschwätzigkeit und faszinierender bis unglaubwürdiger Geschichte. Aber der Reihe nach.Simon Urban, Jahrgang 1975 studierte Germanistik in Münster und genoss eine Ausbildung an der Texterschmiede Hamburg. Zudem studierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. In Interviews spricht er von der Faszination, die in Deutschland leider immer noch verhaftete Tradition von ernsthafter (E) Literatur und unterhaltender (U) Literatur aufzubrechen. Und satirische Züge sind seinem Debüt "Plan D" unbedingt zuzusprechen. Ein sehr lesenswertes Interview finden Sie übrigens bei [...] Für seine Texte erhielt er zahlreiche Preise. Er lebt im Norden Deutschlands und arbeitet bei einer Werbeagentur. Zum Buch: Die Grundannahme: die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, die DDR existiert noch und steht wirtschaftlich am Abgrund. Die letzten Hoffnungen werden in wirtschaftliche Konsultationen gesetzt, in denen die DDR als Transitland für das benötigte Gas Westdeutschlands unter Bundeskanzler Lafontaine herhalten soll. Dann wird ein ehemaliger Regierungsberater ausgerechnet an einer der Pipelines aufgefunden und alles weist auf eine Verstrickung der Stasi hin. Die Konsultationen drohen zu scheitern und die Ermittlung beginnt. Martin Wegener und zwei Kollegen von westdeutschen Geheimdiensten beginnen zu ermitteln. Dabei können sie niemandem trauen. Die Spuren führen in verschiedenste Richtungen: zu westdeutschen Solarunternehmen, alten sozialistischen Kadern, der Stasi und zu einer im Untergrund arbeitenden Widerstandsorganisation. Zudem tritt ein Doppelleben des Toten zu Tage, der jahrelang als Gärtner in der Nähe der DDR-Politik tätig war. Aus meiner Sicht sollte man den historischen Anspruch nicht zu hoch hängen. Aber es bleibt nicht verboten, sich einmal daran zu versuchen, die Bezüge zur heutigen Zeit herstellen. Die Menschen träumen von einer anderen Gesellschaftsform, wie sie in unseren aktuellen, vom liberalen Denken bestimmten Zeiten, ruhig auch mal geträumt werden darf. Neben aktuellen Themen, wie der Energiewende, kommt auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Und gerade das gibt Romanen ja ihre Faszination. Ob es sich um die Liebe dreht oder Gefühle, die durch jahreslanges Bespitzeln und Misstrauen ausgelöst werden können. Den ermittelnden Kommissar empfand ich nicht als letzten Aufrechten mit moralischen Ansprüchen. Auch er macht sich im Laufe des Buches schuldig. Sicherlich ist es kein neuer Typus eines ermittelnden Beamten, aber er hat sich aus seinem eigenen Lebenslauf heraus entwickelt. Und das macht die Stärke der Charaktere in diesem Buch aus. Gut, ein paar Schablonen mussten sein, aber die Hauptdarsteller sind allesamt fein herausgearbeitet worden. Ganz nebenbei hat Simon Urban tolle Produkte ins Leben gerufen: die DDR stellt Top-Handys her, die Potenzmittel heißen "Aufrecht" und ein Getränk nennt sich "Bionier-Brause". An vielen Stellen schimmern Ironie und Sarkasmus durch. An einigen Stellen empfand ich den Roman aber überdreht. Das war dann zu viel des Guten. Ob Innenansichten der Hauptdarsteller oder Beschreibungen diverser Orte - wenn dieselben Dinge zum dritten, vierten oder fünften Mal hintereinander beschrieben werden, dann reicht es. Jede einzelne dieser Beschreibungen ist lesenswert, drücken aber leider allesamt dasselbe aus. Zudem ist mir ab der guten Mitte des Buches ein Handlungsbruch aufgefallen. Bis dahin konnte Simon Urban noch die Balance zwischen Handlung und Innenansicht der Charaktere halten, dann wurde es schwierig. Die Handlung tröpfelte nur noch vor sich hin. Seine Stärken hat er immer dann ausgespielt, wenn die Handlung wieder vorankam. Die langen Früchtl-Dialoge (oder eher Monologe?) waren mir dann auch irgendwann zu viel. Fazit für mich: ein tolles, zwiespältiges Buch, das einige Kürzungen vertragen hätte. Viele Denkanstöße, teils großartiger Humor und eine faszinierende Idee. Aber machen Sie sich selbst ein Bild davon. Es kann sich lohnen. Zur Wertung: Originalität: **** Charakterzeichnung: ***** Handlung: *** Sprache: **** Humor: ** Gesamtwertung: 4 / 5 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Schade! Grandiose Idee zerschrieben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Den Inhalt des Romans muss ich nicht wiedergeben, das haben viele Rezensenten bereits vor mir getan.Nur soviel: Ich habe mich leider überwiegend durch das Buch gequält. Dabei ist die eigentliche Story absolut brilliant, angereichert mit vielen feinen Details und guten Ideen. Da verzeihe ich dem Autor gerne kleine Schönheitsfehler wie Moabit in Ostberlin oder eine sich drehende Fernsehturmkugel, etc. Selbst die teilweise pornographisch anmutenden Szenen würde ich hinnehmen, vielleicht sind diese dem Zeitgeist geschuldet. Was mir aber völlig missfällt, ist der Schreibstil: Seitenweise psychoanalytische Nabelschauen, gesetzt in überlange Schachtelsätze oft über eine halbe Seite, bei denen ich am Ende nicht mehr wusste, wie der Satz eigentlich begonnen hatte. Zielführend im Sinne der Story war das nicht, scheint mir. Und dann diese seltsam gekünstelte, verquaste Ausdrucksweise! Soll dem Leser damit ein intellektueller Anspruch vermittelt werden? Mich hat das am Ende nur genervt, und ich war froh, als ich das Buch ausgelesen hatte. Schade! Was hätte aus dieser Idee werden können, wenn Herr Urban diese einem fähigen Autor überlassen hätte! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Plan D,
Rezension bezieht sich auf: Plan D (Gebundene Ausgabe)
Titel und Klappentext wecken Interesse. Die erste Seite fing auch ganz gut an; ich dachte, hier kann einer richtig trocken und unzimperlich über die kleinen Sauerein des Lebens schreiben, ohne dass es bemüht wirkt. Dann kommt die eigentliche Geschichte bestimmt auch gut rüber. Leider verliert sich der Eindruck rasch. Und schließlich herrscht ein unsäglicher Schreibstil vor: hat kreatives Schreiben denn unbedingt etwas mit einer Inflation an Metaphern zu tun? Müssen bestimmte Gedanken, wie der an seine "Verflossene" wieder und wieder ergebnislos das ganze Buch durchziehen? Flapsen sich die Akteure, ob Ost oder West, nur permanent an, oder gibt es auch mal eine normale Unterhaltung, ohne dass Hintersinniges Hintersinniges jagd? Dann die sachlichen Fehler oder Unnötigkeiten: Wieso wird ständig von "Wiederbelebungszeit" gesprochen, wenn der schon vor Wiedervereinigung allgegenwärtige Ausdruck (selbst in der Partei) "Wende" hieß? Und dies ist leider nicht der einzige dicke historische Fehler; so kennt der Autor die Gliederungen der Staatsorgane der DDR wahrscheinlich gar nicht (was soll ein "Zentralkomitee der DDR" sein?), das Herz der DDR-Menschen hing überhaupt nicht so am Trabant (oder Phobos), wie es ständig dargestellt wurde (und wird), das war doch nur die Notdurft der Fortbewegung. Der begehrte DDR-Wagen war mindestens Wartburg 353 (zum Schluss dann der 1.4er), aber am ehesten jedoch der Lada (wer den hatte, der "hatte es geschafft"), und, und, und. Am liebsten möchte ich dem Autor sagen:"Schreibe das doch nochmal, das kannst Du mit Sicherheit besser! Das Sujet gibt was her! Aber vorher recherchiere ordentlich, und dann fahr den Stil runter: weniger Bilder, weniger Geflapse, ruhig ein paar windtrockene Sauereien (das kam schon ganz gut, und gibt einem Buch auch Würze, finde ich), aber das wird dann viel besser, wenn es nicht permanent runtergehuddelt wird, sondern wenn wir davon als Leser überrascht, ja erschreckt, von mir aus auch schockiert werden."Ich denke schon, dass wir von dem Autor nochmal positiv überraschen werden... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Plan D von Simon Urban (Audio CD - 8. August 2011)
EUR 19,99
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