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am 23. November 2009
Eine Biografie, die persönlich ist und doch nie zu privat wird. Das Politische interessiert Joachim Gauck eindeutig mehr, als das allzu Psychologische und Private. Dennoch erfahren wir genug über seine Kindheit, die Eltern, das plötzliche und willkürliche Verschwinden des Vaters 1951 - abgeholt durch die Stasi - das den jungen Joachim prägt und ihn fast automatisch zu einem kritischen Gegner des kommunistischen Regimes werden lässt. Gauck erzählt zwar chronologisch, beleuchtet in den Kapiteln aber auch einzelne Schwerpunkte, wie die Kirche im Sozialismus oder den Beginn des organisierten Widerstandes usw. Besonders spannend sind die Kapitel, welche den Aufbau der nach ihm benannten Gauck-Behörde beschreiben, wie praktisch aus dem Nichts und in kürzester Zeit ein Weg gefunden werden musste, um das Interesse der Bürger an "ihren" Akten zu befriedigen. Und wie viele unterschiedlichen Ansichten und und Bedenken es gab, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch geschrieben und liest sich gut. Es wird ausserdem durch einzelne dazwischen gestreute Zusatztexte bereichert. So erzählt zum Beispiel Hansjörg Geiger, der als Jurist und Gaucks Stellvertreter die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen mit aufbaute, aus seiner Sicht, wie er von einem Tag auf den anderen seine Stelle beim Bayerischen Datenschutzbeauftragten aufgab. Er zog nach Berlin und unterstützte Gauck dabei, den Bürgern die uneingeschränkte Einsicht in ihre Akten zu ermöglichen. Der Erfolg des Modells und die riesige Nachfrage nach Akteneinsicht gab beiden Recht. Gauck plädiert in seinem Buch vehement gegen das Prinzip des "Deckel drauf" und wie ein roter Faden durchzieht den Text seine Leidenschaft für demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Freiheit der Berufswahl, Versammlungs-, Forschungs- und Veröffentlichungsfreiheit, welche die "Wessis" manchmal fast zu selbstverständlich hinnehmen. Sie kennen nichts anderes. Joachim Gaucks Buch versteht es, die Augen dafür wieder neu zu öffnen. Die beeindruckende Biografie eines wahrhaften "Citoyens".
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am 5. November 2009
Dieses Buch von Joachim Gauck ragt unter den vielen Veröffentlichungen, die in diesem Jahr zum 20.Jahrestag des Mauerfalls und des Ende des Kalten Krieges auf den Markt gekommen sind, in einzigartiger Weise heraus.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass hier ein absolut integrer Mann sich an sein Leben in der DDR erinnert, dass schon 1951,als sein Vater "abgeholt" wurde, als Joachim gerade mal 11 Jahre alt war, geprägt war von Opposition gegen kommunistisches Unrecht. Für Joachim Gauck war nicht nur dieses Erlebnis prägend. Später, als er schon evangelischer Pfarrer war und in den achtziger Jahren Kirchentage als Keimzelle dessen, was sich später entwickeln sollte zum großen, gewaltfreien Bürgerprotest, organisierte, wurde er selbst zum Dissident.

Nach der Wende war Joachim Gauck ab dem Jahr 2000 der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, danach auch die "Gauck-Behörde" genannt.

Neben seinen lesenswerten Erinnerungen an die Zeit in der DDR, die bewegenden Monaten vor und nach der Wende, ist an diesem Buch eines ganz besonders wichtig: Gauck beschreibt aus einer detaillierten Innenkenntnis das Wesen des Stasisystems. Unglaubliches ist da zu lesen über den Umfang und die Intensität des staatlichen Spitzelwesens.

All dies bringt ihn immer wieder in diesem Buch zu dem Schluss, dass die Freiheit und die Grundrechte ein so hohes Gut sind, das die Bürger im Westen, aber auch diejenigen ehemaligen DDR-Bürger, die ihren damaligen Staat heute noch schön reden wollen, oft gar nicht recht ermessen können oder wollen. In der DDR, so schreibt er, konnte man nur wählen zwischen dem jeweiligen Grad der Anpassung. Nun leuchte die Freiheit, Frühling im Herbst . Diese Botschaft wird er im ganzen Buch nicht müde immer wieder denen zuzurufen, die kleinmütig sind und zweifeln, hier und dort.

Ein beeindruckendes Leben wird hier lesenwert und mit der Unterstützung von Helga Hirsch beschrieben. Solche furchtlosen, mutigen und hoffnungsfrohen Menschen bräuchte das Land mehr.
99 Kommentare|103 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Auf den knapp 350 Seiten dieses wichtigen Buches von Joachim Gauck hält man des Öfteren inne, ist berührt, fassungslos vor Wut, lässt möglicherweise eigene, ähnliche Erinnerungen Revue passieren, so man selbst in der DDR gelebt hat oder deren Insasse war, wie er trefflich formuliert. Doch auch wenn man diese Diktatur nur von außen kannte oder zu jung ist und sie nicht erlebt hat, führt sie der Autor dem Leser konzentriert vor Augen.
Verklärer und Schönredner, Weichzeichner und Verharmloser gibt es mit jedem Nachwendejahr anscheinend mehr, da tut es gut und ist von immenser Wichtigkeit, dass hier jemand frei von populistischen Anwandlungen anhand seiner Biographie noch einmal eine Vielzahl der alltäglichen Repressionen, Unanständigkeiten, Widerwärtigkeiten und die von Grund auf menschenverachtende Struktur dieses Regimes, dieses Überwachungs- und Unrechts-Staates darstellt.

Ich habe "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" nach Erscheinen Ende 2009 nun aus aktuellem Anlaß ein zweites mal gelesen (und vermute, ich werde es in einigen Jahren noch einmal zur Hand nehmen) und stieß neben vielen bemerkenswerten Gedanken vor allem im Schlusskapitel "Freiheit, die ich meine" auf Gedanken Gaucks, die, wie ich hoffe, durch seine Präsidentschaft im kollektiven Bewusstsein unseres Volkes wiederbelebt werden oder überhaupt ganz bewusst Einzug halten und sich verankern.

Dort berichtet Gauck von Erinnerungen an ein Gespräch mit einem in der Freiheit geborenen, der erfahren wollte was ihn, Gauck, treibt. Und er zählte diesem spontan Dinge auf, die der Frager im Grunde sein Leben lang kannte, aber wie er ergriffen am Ende des Gesprächs eingestand, schon lange nicht mehr als Kostbarkeiten wahrgenommen hatte und all das für selbstverständlich nahm.
Aus dem Buch: "Dort wo ich jetzt lebe, gibt es Kostbarkeiten, die dort, wo ich vorher gelebt hatte, nur in schäbigen Resten oder überhaupt nicht existierten.
Wo ich jetzt lebe, möchte ich sein, aber ich kann immerfort auch gehen.
Wo ich jetzt lebe, habe ich durch die Verfassung garantierte Grundrechte: Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit, Freiheit der Berufswahl, Versammlungsfreiheit, Forschungsfreiheit und Veröffentlichungsfreiheit.
Wo ich jetzt lebe, gründen Menschen Vereine, Bürgerinitiativen, Gewerkschaften, Parteien und übernehmen Verantwortung in ihnen.
Wo ich jetzt lebe, gelten Kritik, Diskurs und Dissens als Normalfall der politischen Kultur und nicht als politische Straftat... und seit mehr als sechzig Jahren hat dieses Land kein anderes überfallen und lebt mit allen Nachbarn in Frieden..."
Er fügt dann an, dass er noch weitaus mehr Kostbarkeiten hätte aufzählen können und sein Gegenüber erwiderte, dass er während der Aufzählung unentwegt etwas innerlich zustimmend "Ja, ja, ja" habe sagen hören.

Dieses zustimmende "Ja, ja, ja..." habe ich beim Lesen in mir auch vernommen, an vielen Stellen des Buches, aber in diesem Kapitel ganz intensiv, denn hier führt Joachim Gauck mit klaren, einfachen Worten aus, was uns eigentlich allen bewusst ist. Aber wertschätzen wir es auch? Sind wir uns der Bedeutung wirklich so bewusst und so davon beseelt, dass wir nicht Gefahr laufen zunehmend fahrlässig mit diesen Kostbarkeiten umzugehen?

Ich will nun nicht das große Wort der Dankbarkeit bemühen, aber wenn ich so manche öffentlich geführte Diskussion in der jüngeren Vergangenheit verfolge, nicht zuletzt auch in Bezug auf Joachim Gauck und seine Präsidentschaft, dann will mir das Bewusstsein und das Wertschätzen dieser Kostbarkeiten in weiten Teilen der Gesellschaft gefährdet scheinen.

All das ist nicht selbstverständlich! Den Wert dieser Kostbarkeiten zu betonen und so vielleicht für einige überhaupt wieder in Erinnerung zu rufen, bedeutet deshalb nicht, dass man unserem Gesellschaftsmodell unkritisch und willfährig gegenübersteht, wie einige Kritiker ihm nun gern versuchen zu unterstellen und auf mitunter bestürzend plumpe und infame Art den Versuch unternehmen so wichtige Gedanken umzudeuten.

Die Freiheit gebiert auch Auswüchse, die man nicht hinnehmen kann und wo es uns gelingen muß, diese Irrläufer einzufangen. Aber deshalb ein bewährtes Gesellschaftsmodell am liebsten über den Haufen zu werfen und abzuschaffen, oder um im Sprachbild zu bleiben, die Kostbarkeiten achtlos wegzuwerfen, wäre grober Unfug.
Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, ich kann einen Menschen von ganzem Herzen lieben, ohne deshalb seine Fehler widerspruchslos hinnehmen zu müssen. Oder wie Gauck es im Buch sagt, wir schaffen doch nicht den Fußballsport ab, nur weil zweifellos einige Spieler foul spielen und sich nicht an die Regeln halten.

Von Joachim Gauck kann man die Freiheit wieder intensiv lieben lernen, dafür ist dieses Buch hervorragend geeignet.

Sehr angenehm an diesem Buch ist neben der Rhetorik auch, dass, worauf der Titel-Zusatz "Erinnerungen" (nicht "Autobiographie") schon dezent hinweist, es sich zwar um durch und durch autobiographische Begebenheiten handelt, der Autor uns aber eine übermäßige Beleuchtung der Privatsphäre erspart.
Joachim Gauck erzählt im Grunde 70 Jahre deutsche Geschichte anhand seiner Biographie und öffnet die Tür zum Privaten nur soweit es nötig ist, um seinen individuellen Weg innerhalb dieser Zeit zu verstehen.

Abschließend will ich einen Gedanken den Joachim Gauck im Buch äußert nicht unerwähnt lassen und ausdrücklich unterschreiben. Er formuliert sein Unverständnis darüber, dass der Satz "Wir sind das Volk!", dieser schönste Satz den die deutsche Geschichte, das deutsche Volk hervorgebracht hat, nicht in jedem Klassenzimmer an der Wand hängt. Gibt es einen schöneren Ausspruch, der den Wert unserer freiheitlichen, pluralistischen, rechtstaatlichen und demokratischen Gesellschaftsordnung so kurz und so prägnant zum Ausdruck bringt und so unmissverständlich klarmacht, wer der Souverän im Lande ist, der heranwachsenden Schülern das Recht und die Pflicht zur Mitgestaltung vor Augen führt und sie lehrt mündige Bürger zu werden?

Man muß mit Joachim Gauck nicht in allem übereinstimmen, aber seine moralische Integrität und sein Verständnis von Freiheit und der daraus resultierenden Rechte, Pflichten und Verantwortungen sind beispielhaft.
Das Buch ist daher vielleicht gerade seinen Kritikern zu empfehlen.
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am 14. Oktober 2010
Ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen. Es hat mich tief bewegt. Viele Erinnerungen an die damalige Zeit, in der ich auch gelebt habe, wurden wieder wach. Auch die Zeit, die er nach 1989 beschreibt, die Gründung der Gauck-Behörde, wie das damals alles vonstatten ging, welche Hürden es galt, zu überwinden, war hoch interessant. Er beweist einmal mehr mit dem Buch sein großes Einfühlungsvermögen und scheut nicht davor, Namen zu nennen, die bei der Stasi als IM geführt wurden und heute zu den "großen" Politikern bzw. Wirtschaftsfunktionären gehören. Er stellt die DDR in dem Licht dar, wie sie wirklich war, was die Menschen dort bewegte. Auch ich gehöre zu denen, die vieles vergessen (oder auch verdrängt) haben. Dieses Buch ist wie ein Mahnmal und es sollte als Pflichtlektüre für den Geschichts- oder Politunterricht (falls es so ein Fach überhaupt gibt) an den Schulen eingeführt werden.
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am 12. Mai 2013
Die Selbstbeweihräucherung vom Gauck ist nur schwer zu ertragen. Wieso hat er es so lange ausgehalten, wenn es in der DDR so schlimm war? Das Buch ist nicht schlecht geschrieben, aber der Inhalt überzeugt mich nicht.
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am 18. Januar 2010
Joachim Gauck ist den Deutschen, die die Wiedervereinigung miterlebt haben, als erster Wächter über die Stasi-Unterlagen wohlbekannt. Sein Ernst und seine Sachlichkeit in Interviews haben den Eindruck der Würde und Unbestechlichkeit hinterlassen. Dieser Eindruck wiederholt sich in diesem Buch. Er erzählt sein Leben von Kindheit an bis zur Gegenwart, und der Leser erfährt oder bekommt bestätigt wie es wirklich in der DDR war, wie die Stasi alles Leben bewacht, jede freie Meinungsäußerung unmöglich ge-macht hat. Wer nach dem Lesen dieses Buches immer noch sagt, daß die DDR kein Unrechtsstaat war, ist nicht zu retten.
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am 11. April 2011
Gaucks Erinnerungen berührten mich emotional, obwohl sie doch den Weg der Sachlichkeit und auch Objektivität nie verließen.

Erinnerungen fangen gewöhnlich bei der Kindheit an, so auch hier. Gauck erzählt vom Aufwachsen, vom Gründen einer eigenen Familie, geht dann allerdings mehr in die politische Richtung und bettet sein berufliches Leben, natürlich geprägt vom kirchlichen Werdegang während seiner Zeit als Pastor, ein in die geschichtlichen Hintergründe der jeweiligen Zeit. Der Beruf des Pastors war damals für nicht wenige Menschen der Beruf, der ihnen politisches Engagement - soweit möglich - erlaubte, ohne wirklich politisch zu sein. Obwohl Gauck auch klarstellt, dass oft nur der Grad der Anpassung steuerbar war. Gleichwohl merkt man Gaucks Schreibstil an, dass er es gewohnt ist, seine Gedanken schriftlich niederzuschreiben und sie den Menschen verständlich mitzuteilen. Ein wunderbarer Stil. So lesen sich seine Erinnerungen manchmal fast wie ein Roman.

Wenn man eine Kurzform des Buches lesen will, sollte man nur die letzten Seiten zu Gaucks Gedanken zu unser aller Zukunft lesen. Die Freiheit als höchstes Gut steht für ihn über allem, und sich daran immer wieder zu erinnern, gibt er dem Leser mit auf den Weg.

Ich habe viel gelernt von diesem Buch, über das Innenleben der DDR, über die perfiden Mittel und Wege, die die Stasi benutzte, um die Menschen gefügig zu machen, über die mutigen Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen und kämpften. Das Buch ist ein Geschichtsbuch, empfehlenswert auch für den Schulunterricht.
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am 16. Februar 2015
Ich finde dieses Autobiografie im mildesten Sinne noch belanglos. Zudem gibt es aus dieser Zeit andere Menschen, welche meiner Erinnerung nach mehr zu sagen und mehr getan haben. So bleibt dieses Buch blass, wie seine bisherige Zeit als Bundespräsident eher belanglos und in bestimmten Bereichen einäugig und in anderen brav Systemkonformistisch!
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am 21. August 2010
Ich habe das Buch an zwei Abenden durchgelesen. Alles sehr verständlich und real beschrieben. Ich stamme aus Rostock, war in Stasigefängnissen inhaftiert, bin 1987 freigekauft worden. Absolut empfehlenswert ...
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am 8. August 2010
Ich hatte Gaucks Erinnerungen schon kurz nach deren Erscheinen 2009 im Visier; gekauft und dann auch gelesen habe ich sie aber erst anläßlich seiner Präsidentschaftskandidatur 2010. Schon der knappe Umfang von gerade einmal 346 Seiten macht deutlich, dass "Winter im Sommer, Frühling im Herbst" nicht in die Reihe der üblichen Politikererinnerungen gehört.

Dass Gauck sich selber nicht als Politiker, sondern in erster Linie als mündigen und freiheitsbewegten Bürger sieht, wird bereits nach wenigen Seiten deutlich. So schildert er zunächst seine familiären Wurzeln in Mecklenburg und seinen Berufsweg als Pastor in einem kirchenfeindlichen Staatswesen. Gauck beschreibt sehr präzise die Verhältnisse in der DDR, die zur Ausreise vieler seiner Familienmitglieder (erst seiner Geschwister, dann seiner eigenen Kinder) geführt haben. Ohne Pathos oder übermäßiges Selbstmitleid schildert er die Begrenzungen und Drangsalierungen, die er im Kirchenalltag erleben mußte und die Überzeugungen, die ihn zum Bleiben und Weiterkämpfen bewogen haben. Dass ein tiefgehendes Freiheitsideal in diesen Erfahrungen seinen Ursprung finden mußte, wird für den Leser nachempfindbar.

Spannend - wenn auch nur noch mit wenig neuen Erkenntnissen verbunden - sind dann die Schilderungen zur friedlichen Revolution in der DDR mit einem Fokus auf den Geschehnissen im Norden der DDR. Umso prägnanter habe ich dann Gaucks Erfahrungen aus der Nachwendezeit empfunden, zunächst als Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer und dann nach der Einheit als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Bemerkenswert differenziert und detailliert geht Gauck dabei auf einige der prominenteren Fälle von Stasiverwicklungen ostdeutscher Politiker (Stolpe, de Maiziere, Schnur, Gysi, Böhme) ein und kommt zu durchaus unterschiedlichen Bewertungen der individuellen Schuld. Dass nach Meinung Gaucks die Spitzelvergangenheit Gregor Gysis eindeutig erwiesen sei, auch wenn dieser ihm juristisch gewisse Aussagen per Unterlassungsklage untersagt habe, ist dabei eine interessante Randnotiz, die das Abstimmungsverhalten der Fraktion Gregor Gysis bei der Bundespräsidentenwahl in ein interessantes Licht rückt. Haben da einige Linke alte Stasi-Rechnungen begleichen wollen?

Gauck schließt mit einem Plädoyer für die Freiheit und Demokratie trotz aller Unzulänglichkeiten, die auch diese Staatsform gelegentlich mit sich bringt. Gaucks Empathie mit seinen Mitmenschen und zugleich nüchterne Darstellung des eigenen Wege ohne großes Pathos macht seine Erinnerungen zu einem lesenswerten Buch.
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