Kundenrezensionen


10 Rezensionen
5 Sterne:
 (7)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz großes Epos
Im Wallstein Verlag ist dieses, von dem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schweizer Schriftsteller, Lyriker, Romancier und Biograph Ralph Dutli entworfene Epochenbild erschienen. Es ist ein Roman über Kindheit, Krankheit und künstlerisches Werk des weißrussisch - jüdischen Malers Chaim Soutine, eines Zeitgenossen von Chagall, Picasso,...
Vor 13 Monaten von Carl-heinrich Bock veröffentlicht

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Manchmal kommt das Beste eben zum Schluss!
Nicht jeder Bücherfreund wird mit dem Namen Chaim Soutine etwas anfangen können, es sei denn, er kennt sich gut aus in der Welt der Malerei. Spätestens mit der Lektüre des Romans «Soutines letzte Fahrt» von Ralph Dutli, dem Erstling dieses als Lyriker bekannten Schweizer Autors, dürfte sich das entscheidend ändern. Schon das vollformatige,...
Vor 9 Monaten von Borux veröffentlicht


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz großes Epos, 25. Juli 2013
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Wallstein Verlag ist dieses, von dem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schweizer Schriftsteller, Lyriker, Romancier und Biograph Ralph Dutli entworfene Epochenbild erschienen. Es ist ein Roman über Kindheit, Krankheit und künstlerisches Werk des weißrussisch - jüdischen Malers Chaim Soutine, eines Zeitgenossen von Chagall, Picasso, Modigliani und Cocteau.

Auf dem Cover dieses Lebensromans ist ein kleiner Konditor aus Céret zu sehen, einem Ort nahe der französischen Pyrenäen, dort wo Soutine zahlreiche Bilder malte. Auf bedeutenden Kunstauktionen erzielen seine Werke heute noch Traumpreise.

Dieser Roman beschreibt das Leben des 1893, als zehntes von elf Kindern eines armen jüdischen Fllickschneiders, geborene Kind. Als jüdischer Emigrant, immer am Rande der Armutsgrenze lebte Soutine auf Montparnasse, später in Céret und in Chartres auf dem Gut eines Gönners. Ralph Dutli hat das Leben dieses einzigartigen Malers in wunderbaren, expressionistischen Pastellfarben ausgemalt.

Der Roman beginnt am 6. August 1943 als Soutine in einem Leichenwagen versteckt von der Provinzstadt Chinon an der Loire nach Paris gefahren wird. Dem Wunsch seiner Geliebten folgend, soll die Operation eines fortgeschrittenen schweren Magengeschwürs nicht in der Provinz stattfinden. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Operation in einem Pariser Hospital scheint größer. Soutine ringt im Morphium Rausch mit dem Tod. Er hat sich bereits der Deportation durch die Gestapo entzogen, deshalb muss man auch jetzt auf der Fahrt nach Paris peinlich genau darauf achten nicht in einen Kontrollposten der Besatzungsmacht zu geraten.

Während der langen - 24 Stunden dauernden rasenden Fahrt durch die Nacht - träumt Soutine von bizarren Bildern, die mal fiktiv, mal historisch von seiner Kindheit in der Nähe von Minsk, von seinen ersten Malversuchen im Alter von 13 Jahren, von seinen Studienjahren in Vilnius und seinen Jahren in Paris, der Hauptstadt des Schmerzes und der Hauptstadt der Farben handeln. In Trugbildern sieht er ein Paradies in gebrochenem Weiß, eine Klinik in gebrochenem Weiß. Und immer wieder kommt die Farbe Schwarz ins Spiel, die Herkunft, Elend und Tod spiegelt. Dieser Lebensroman endet ohne Überraschungen, denn er endet mit dem Tod des Malers während der Operation.

Die Darstellung des Lebens von Soutine, auf dieser Todesflucht, die Biographie eines solch großen Malers in Bildern einzufangen, ein einzigartiges Gemälde quasi als Wortgemälde zu entwerfen ist ein unglaublich ambitiöses Vorhaben. Ralph Dutli ist das ganz großartig, Herz zerreißend gelungen. Soutine war zeitlebens von Angst, Kummer und Gewalt hin- und hergerissen und das ihn bedrückende Unglück malt er in seinen Bildern. Wenn sie ihm nicht gefallen zerstört er sie.

Dutli versteht es mit schönen poetischen Sätzen eine grauenhafte, gewalttätige Lebensrealität, diese zerstörerischen mit Wut befallenen Momente dieser exzentrischen Figur mit Sanftmut, feinfühlig, voller Respekt, voller Mitgefühl zu beschreiben und macht so dieses extrem rohe Leben, diese extremen Lebenssituationen, beim Lesen erträglich. Zum Ende kommt der Erzähler auch noch als Ich Erzähler in den Fokus, begründet die Erzählung dieser Geschichte mit dem Umstand, dass ihn die Bilder Soutines so ergriffen haben.

Mit großartigen Bildern und beeindruckenden Metaphern, mit einer starken Sprache und einer dichten Erzählung gelingt es Dutli das wechselvolle, selbstzerstörerische Künstlerleben Soutines auf nur 220 Seiten, in einer zauberhaften Sanftheit und voller Barmherzigkeit zu spiegeln. Das Buch hat mich sehr berührt und ich habe zwei Dinge kennengelernt, zum einen Dutli als Großmeister der Poesie, zum anderen Soutine als einen Großmeister in der europäischen Künstlerszene.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausflug in die Künstlerwelt mit wortgewandten Zwischenstoppps, 27. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Chaim Soutine geht es schlecht. Sehr schlecht. Aus dem Lexikon wissen wird, dass er bald sterben wird. Der Maler, der mit Modigliani eng befreundet war, fährt an diesem Tag, dem 6. August 1943, zusammen mit seiner Ma-Be in einem Leichenwagen durch das besetzte Frankreich. Ihm geht es schlecht. Er muss ins Krankenhaus. Doch als weißrussischer Jude ist in dieser Zeit die Chance im Konzentrationslager zu enden um ein Vielfaches höher als Hilfe angeboten zu bekommen. Deswegen das Versteck …, nein –spiel wäre hier mehr als unangebracht.
Die Schmerzen des Magengeschwürs im Mix mit dem schmerzlindernden Morphium treiben Soutines Gedanken voran und zurück. Er blickt zurück auf ein Leben, das geprägt war von Entbehrungen und großen Glücks. Als er zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris, der Welthauptstadt der Malerei ankommt, ist er überglücklich. Doch das harte Brot des Geldverdienen-Müssens zieht ihn teils unter den Boden der Tatsachen hinunter.
Erst die Freundschaft zu Modigliani, der dem desillusionierten Maler seinen Kunsthändler vorstellt, bringt Licht ins Dunkel des Schaffens. Doch Leopold Zborowski ist anfangs so gar nicht begeistert von der Morbidität der Werke. Außerdem ist er mehr als nur der Kunsthändler Modiglianis. Amadeo Modigliani ist die fette Gans, die ihm das Leben ermöglicht – da duldet man selten weiteres Vieh, das eh nur Arbeit macht. Erst ein Milliardär – ein echter self-made-man aus den Staaten – bringt Schwung in Soutines Arbeitsroutine.
Chaim Soutines Werk ist geprägt von den Eindrücken, die der Maler in der Ausübung seines Berufes empfindet. Vor seinen Augen altern seine Modelle – und auch die Leinwand mit den Farbstrichen altert zusehends. Sie wirken auf den ersten Blick verstörend, verzerrend. Genauso so verzerrt ist Soutines Leben im Moment des Erinnerns.
Ralph Dutlis Roman ist eine Mischung aus wahrer Historie und eigener Phantasie. Chaim Soutine existierte wirklich, auch wenn ihn nur Wenig kennen. Ob die letzten Tage wirklich so vergingen, keiner weiß es. Das kann dem Roman in keinster Weise etwas anhaben. Die Geschicklichkeit, mit der Ralph Dutli die Worte wählt – gleich in Zeile neun packt er den Leser mit dem Vergleich eines Kindes, das mitten im August (1943) verschnupft ist, genauso wie das besetzte Land (Frankreich).
An Chaim Soutines Grab in Paris stehen im August 1943 nur fünf Menschen, unter ihnen Pablo Picasso und Jean Cocteau. Die Kunstwelt wird Schlange stehen, um ein Buch über einen fast schon vergessenen Künstler zu ergattern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ralph Dutli schenkt uns einen grossartigen Roman, 13. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die raffiniert angelegte, in drastischen und poetischen Bildern erzählte Geschichte einer paradoxen Irrfahrt durch das besetzte Frankreich und durch das Leben des Malers Chaim Soutine ist ein wunderbarer, intensiver, vielschichtiger und packender Roman. Figuren voller Widersprüche, Farbigkeit und Schrägheit und Millieuschilderungen aus dem unromantischen Pariser Künstlerleben der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden buchstäblich in einer unvergleichlich schönen und genauen Sprache hingemalt.
Das Buch stellt zudem Fragen an iridisches Dasein, jenseitige Hoffnungen, an Künstlertum, Kunstschaffen und Kunstmarkt, an Freundschaft, Moral und Unmoral. Ein poetisch offener Schluss stimmt versöhnlich gegnüber Geworfensein, Schmerz, Elend und Getriebensein, welche einem das Leben zumuten. Ein tolles Buch - unbedingt lesen (wenn man auch Unzimperliches erträgt).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Manchmal kommt das Beste eben zum Schluss!, 21. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nicht jeder Bücherfreund wird mit dem Namen Chaim Soutine etwas anfangen können, es sei denn, er kennt sich gut aus in der Welt der Malerei. Spätestens mit der Lektüre des Romans «Soutines letzte Fahrt» von Ralph Dutli, dem Erstling dieses als Lyriker bekannten Schweizer Autors, dürfte sich das entscheidend ändern. Schon das vollformatige, bunte Titelbild wirkt ja erhellend, zeigt es doch des Malers wohl berühmtestes und in seiner speziellen Malweise für ihn typisches Gemälde, «Der Konditorjunge von Céret». In einer geschickt zwischen historischen Fakten und phantasievoller Fiktion hin und her pendelnden Erzählung schildert der Autor das turbulente Leben dieses weißrussischen Malers jüdischer Konfession in seinen Höhen und Tiefen, und sein Ende natürlich auch, auf das ja der Romantitel schon hinweist, seine «letzte Fahrt» nämlich.

«Die Welthauptstadt der Malerei» ist in dieser Biografie der eigentliche Schauplatz des Geschehens, das Paris der ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts, die Metropole des Expressionismus und Surrealismus. In den Cafés von Montmartre tummelt sich eine illustre Gesellschaft von Schriftstellern und Malern, viele bekannt Namen sind darunter, und Soutine ist einer von ihnen, erlebt in seinem Atelier die Höhen und Tiefen des Künstlertums jener Zeit. Bis dann der zweite Weltkrieg und die Besetzung der Stadt durch die Deutschen ihn als Juden in die Illegalität zwingt, er muss sich verstecken, schließlich aufs Land fliehen. Ein Magengeschwür, an dem er schon jahrelang leidet, zwingt ihn zur heimlichen Rückkehr, nur eine sofortige Operation in Paris könnte ihn eventuell noch retten. Und so wird er auf Nebenwegen, ständig den allgegenwärtigen Kontrollen der Besatzer ausweichend, in einem Leichenwagen versteckt nach Paris gebracht, begleitet von Marie-Berthe Aurenche, von ihm «Ma-Be» genannt, die ehemalige Frau von Max Ernst, die sich seiner wie ein Schutzengel angenommen hat.

Im Delirium ziehen während dieser beschwerlichen Fahrt die Stationen seines Lebens an dem unter Morphium stehende Maler vorbei, ein endloser innerer Monolog, von der frühesten Jugend in Smilowitschi bei Minsk über Wilna bis ins Mekka der Malerei, in die Stadt an der Seine. Halluzinierend durchlebt er noch mal die bitteren Hungerjahre seiner erbärmlichen Existenz, er erinnert sich an seine enge Freundschaft mit Amedeo Modigliani, an seinen langjährigen Kunsthändler Zborowski, an die glückhafte Entdeckung schließlich durch den amerikanischen Kunstsammler Barnes, der Dutzende seiner Werke kauft und ihm damit erstmals ein weniger bedrückendes Leben ermöglicht. In dieser an bizarren Details reichen Biografie kommt sogar das wegen der Gurlitt-Affäre hochaktuelle Thema Raubkunst zur Sprache, auch in Paris werden natürlich viele Kunstwerke für Görings «Carinhall» und für das geplante Linzer Führermuseum konfisziert. Bei Soutines Beisetzung schließlich auf dem Montparnasse stehen Max Jakob, Jean Cocteau und Pablo Picasso an seinem Grabe, und auch seine beiden letzten Frauen, «Mademoiselle Garde», mit der er eine uneheliche Tochter hat, und «Ma-Be» natürlich.

Ralph Dutli ist es gelungen, den Schreibstil seines Romans perfekt dem Sujet anzupassen, der expressiven Malkunst von Chaim Soutine. Beides jedoch dürfte nicht jedermanns Sache sein, die Malkunst wie die Sprachkunst. Letztere, und nur davon soll hier die Rede sein, leistet sich viele Längen, nervt zuweilen sogar mit den ausufernden Morphium-Fantasien. Und so ist denn auch das letzte Kapitel des Romans für mich das erfreulichste, denn überraschend tritt da plötzlich der Autor als Ich-Erzähler auf und erläutert seine Motive, seine Faszination für diesen Stoff, trifft dann auch noch auf einen mysteriösen, ehemaligen Geheimagenten, der einst bei der Beerdigung Soutines anwesend war und ihm einiges Denkwürdige sagt, sogar zum Thema innerer Monolog übrigens. Manchmal kommt das Beste eben zum Schluss!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Farbenfrohe starke Prosa., 9. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Kindle Edition)
Ralph Dutli hat mit seiner sinnlichen Sprache ein fulminantes Meisterwerk geschaffen. Es ist Anrührend, fesselnd, sanft und klug zu Papier gebracht. Die Biographie eines rohen, gewalttätigen Lebens wird hier mit ungewöhnlicher Zärtlichkeit beschrieben. Seite für Seite entsteht ein Wortgemälde aus faszinierender Prosa. Das verzückt den Liebhaber der Sprache. Auf nur 270 Seiten ist Dutli etwas großartiges gelungen. So großartig, es ist schwer sich vorzustellen, so ein komplexes Werk mit weniger als 1000 Seiten zu Ende zu bringen.
Bravo Ralph Dutli!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verwirrte Rückblende im Leichenwagen, 22. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Interessante Perspektive. Ralph Dutli übernimmt mit seinem Schreibstil Soutines Expressionismus und dies macht die Lektüre manchmal etwas beschwerlich. Soutines Leidensweg - unterbrochen von einem jähen Aufstieg zum Star, den die Magenkrankheitrasch wieder einholt, wird eindrücklich geschildert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Expressionistische Stilvariationen, 20. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ralph Dutli hat mit diesem Buch versucht, die Sprache an den Inhalt des Buches anzunähern, und das ist ihm durchaus auch gelungen. Ein expressionistisches Stakkato von Sätzen wird da auf die LeserInnen abgeschossen, sodass diese nicht mehr so recht wissen können, wie sie in Deckung gehen sollen.

Chaim oder Charles Soutine, wie er sich im von den Nazis besetzten Deutschland sicherheitshalber nennt, ist einer der weniger bekannten Maler im Umfeld des künstlerischen Aufbruches in der Welthauptstadt der Malerei Paris in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrunderts. Er hatte sich aus der Ärmlichkeit des jüdischen Schtetels dorthin aufgemacht, um zu malen, wie so viele andere. Er macht die Bekanntschaft der ganz Grossen: Modigliani, Picasso usw., und schafft es nach vielen Jahren der Entbehrung, von finanzkräftigen Amerikanern gesammelt zu werden. Als die Nazis Frankreich und damit Paris besetzen, taucht er in der Provinz unter, muss aber in die Hauptstadt zurück, als sein Magengeschwür, an dem er schon seit vielen Jahren laboriert, so akut wird, dass ihn nur mehr eine Operation in Paris retten kann, so glaubt zumindest seine Lebensgefährtin Marie-Berthe.

Die Geschichte Soutines, im Buch eine Vermischung aus Biographie und Fiktion, wird zum Grossteil aus dem fahrenden Auto erzählt; genau gesagt aus einem Leichenwagen, der Soutine zu der lebensrettenden Operation bringen soll (ein anderes Transportmittel stand nicht zur Verfügung, aber das Bild ist deutlich genug): Soutine erinnert/phantasiert sein Leben im Morphiumtraum, ohne die Droge wären die Schmerzen nicht mehr auszuhalten. In immer wiederkehrenden Sequenzen wird die Geschichte erzählt, das ist manchmal etwas langatmig, aber deckt sich auch mit der Art Soutines, ein Sujet seines Interesses immer und immer wieder zu malen.

Am Ende, Soutine ist schon tot, seine Seele gen Himmel gefahren in einem weiteren traumartigen, für mich chagalligen Kapitel, ergreift der Autor selbst das Wort, und auch das bringt einen interessanten Perspektivwechsel mit sich.

Abgesehen von den manchmal etwas lästigen Längen und Wiederholungen in den Morphiumtraumphantasieerinnerungen ein interessantes Buch, das sich im gewählten Sprachduktus durchaus mit der Machart der Bilder, die ich von Soutine kenne (i.e. im Internet ergoogelt habe) in Deckung bringen lässt. Das ist schon interessant zu sehen/lesen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soutines letzte Fahrt, 22. Juni 2013
Von 
Hans Rudolf Guenther (Bern,Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auch das tragische Schicksal von Chaime Soutines Leben hat mich beeindruckt.Nicht nur seine wunderbaren Gemälde.Für mich bleibt es ein Traum, ein Bild von ihm zu besitzen.
Hans R. Günther
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soutine, 18. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sehr gut geschrieben! Mitdenken und vor allem Einfühlen ist gefordert. Kenntnis der Modernen Kunst vor dem 2. Weltkrieg ist von Vorteil.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch war ein Geschenk an einen Freund. Er finder es sehr gut., 5. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soutines letzte Fahrt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch hat meinem Freund, der es von mir als Geschenk erhalten hat, sehr gut gefallen. Er liebt den Maler Soutine.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Soutines letzte Fahrt: Roman
Soutines letzte Fahrt: Roman von Ralph Dutli (Gebundene Ausgabe - März 2013)
EUR 19,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen