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am 7. Oktober 2010
Wenn es in der Öffentlichkeit um Traumatherapie geht, fällt schnell das Stichwort EMDR, - eine Methode, durch Augenbewegungen neuronale Vorgänge zu stimulieren. Betroffene (und Kostenträger) versprechen sich von EMDR kürzere und erfolgreichere Therapiezeiten, Profis unterstreichen damit ihre traumatherapeutische Kompetenz. Zweifellos funktioniert EMDR - irgendwie! Verbunden mit den psychotraumatologischen Grundlagen der Traumatherapie ist es jedenfalls (noch) nicht. Herumgesprochen hat sich, daß EMDR durch das plötzliche Aufbrechen amnestischer Barrieren zu Retraumatisierungen führen kann (insbesondere bei Betroffenen mit komplexen dissoziativen Störungen). Besonders nützlich ist der Einsatz durch PsychotherapeutInnen offenbar bei Akuttraumatisierungen bzw. betroffenen Kindern, wenn also (noch) keine umfassende traumabedingte Veränderung der Persönlichkeitsstruktur stattgefunden hat. '
Etwas grundlegend anderes könnte es sein, wenn jemand die wirkungsvollen Augenbewegungen als Moment von Selbsthilfe an sich nutzt. Durch die fehlende Orienterung an einem Gegenüber, einer gegenwärtigen therapeutischen Situation stellt dies einen innerhalb des neurophysiologischen Systems entstandenen Impuls dar, durch den der Effekt neurophysiologisch eventuell in einer speziellen anderen Weise verknüpft wird. Das ist zwar auch nur hypothetisch, entspricht aber analogen Lebenserfahrungen, z.B. dem grundlegenden Unterschied, ob jemand zu uns sagt: "Sieh mal, dieser schöne Ausblick dort!" oder ob wir in einem bestimmten Augenblick diese Schönheit für uns erfahren, ohne begriffliche oder beziehungsmäßige Determiniertheit.
Immerhin gibt es weitere Techniken, bei denen das Hirn (bzw. das ZNS) durch rhythmisch-regelmäßige Reize stimuliert wird: die sogenanten "Meridiantherapien" (nach Roger Callahan). Zwei von ihnen werden offenbar seit längerer Zeit erfolgreich zur Selbsthilfe bei traumatischem Streß angewandt werden: EFT (von Gordon CRAIG) sowie die (umfassendere) "Energetische Psychotherapie" (von Fred GALLO). Von den neurophysiologischen Wirkungszusammenhängen wissen wir bei ihnen so wenig wie bei EMDR.

Sofia Sörensen (Jahrgang 1946) hat während Kindheit, Schulzeit und Lehre eine Kette von Mikrotraumatisierungen übelebt, dazu kam eine schwere Monotraumatisierung mit 8, später zerstörerische Eheerfahrungen, durch die traumatische Erinnerungsträume hervorbrachen, intrusive Gedanken, Flashbacks (seit 1980). Es folgten Demütigungen und Zurückweisungen im Zusammenhang mit Psychotherapie, danach eine Suche nach "selbsttherapeutischen" Möglichkeiten. Ab 2006 entdeckte Sörensen EMDR für sich und begann ' ohne therapeutische Begleitung! - eine analysierende aufdeckende Traumatherapie, offenbar erfolgreich. Die umfassende schriftliche Dokumentation des Weges (aus der u.a. das vorliegende Buch entstand) diente wohl nicht zuletzt zur Verstärkung der kognitiven Neuordnung.
Die Autorin ist einen induktiven (aus individueller Kreativität, aus der eigenen Mitte entstandenen) Heilungsweg gegangen, - in den sie verschiedenste psychologisch-therapeutische, psychotraumatologische und andere (natur-)wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen nachvollziehbar integriert hat. Bedachtsam, komplex und erfahrungsgeleitet werden in ihrem Buch unterschiedlichste Erkenntnisse und Erfahrungen miteinander verbunden, nahezu immer situativ-konkret fundiert, nicht im Sinne eines eklektischen Manuals therapeutischer Versatzstücken.
Wir finden in dem Buch ein Geflecht von Narrationen, Assoziationen, Reflexion, Kognitionen (sich schrittweise umformender Theory of Mind), (sich im Laufe des Lebens verändernde) Empfindungen (traumatische, Projektionen, gegenwartsbezogene): ein individueller tiefen-psychologischer Weg, den die Autorin aus Selbsterfahrung und (weitgehend autodidaktischem) Studium für sich entwickelt hat. Besonderen Stellenwert haben dabei Assoziationen, ein durchaus originärer Umgang mit Archetypen, Traumanalyse, Spiritualität , Vollwerternährung (nach Bruker) und (nicht zuletzt): Kreativität als grundlegende Ressource: "Wir benötigen eine Schule der Wissenschaft aus dem Selbst heraus!" (51) ' Die überlegungen und Erfahrungen sind durchaus kompatibel zur ebenfalls integrativen (und eklektischen) Traumatherapie. Überall finden sich originelle (nämlich: innengeleitete!) Verbindungen von Überlegungen verschiedener (traditioneller) Fachgebiete, deren Relevanz für Selbstentwicklung und seelische Heilung schon beim ersten Lesen zumindest bedenkenswert sind.
"Mein Buch ist keine Anleitung zur Scharlatanerie sondern zur eigenverantwortlichen Arbeit, und in erster Linie ist es mein ganz persönlicher Erfahrungsbericht, an dem unter bestimmten Voraussetzungen modellhaft gelernt werden kann. Das setzt uneingeschränkt konsequente Übernahme der Eigenverantwortung und intensives Studieren einschlägiger Fachbücher voraus." (177)
Aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit zweifellos unangemessenen Psychotherapien und der guten Erfahrung mit ihrer therapeutenlosen Selbsttherapie neigt Sofia Sörensen nun dazu, therapeutInnengstützte Therapien pauschal als "Quasselstunden" abzuurteilen, die als "jahrelange Redekur durch unaufgearbeitete Wiederholung der alten Gräuel eine erneute Traumatiserung darstellen können" (169). Zweifellos, nur sollte dies nicht verallgemeinert werden. Psychotraumatologisch orientierte Traumatherapie hat die Autorin offensichtlich nicht kennengelernt. Dadurch rennt sie an manchen Stellen offene Türen ein, wodurch die originellen, selbstdenkerischen Aspekte ihres Buches manchmal unter ärgerlichen Einseitigkeiten unterzugehen drohen.
Zu allen Zeiten gab es Menschen, die traumatische Erfahrungen überwunden haben ohne geführte Therapien, gerade KünstlerInnen oder Menschen, die dann besondere Entfaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten für sich entwickelt haben, - deren individuelle Ressourcen TherapeutInnen und Psychotherapieforscher leider kaum kennenlernen, weil es keine Kontakte gibt. Umso größer der Gewinn, wenn jemand einen derartigen Lebensweg dokumentiert wie im vorliegenden Buch.
Natürlich entfaltet sich das seelische Heilewachsen letztlich in jedem Fall von innen, es wird nicht "gemacht" vom Therapeuten. Glücklicherweise wird den individuellen Ressourcen heutzutage zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt (Stichwort "Recovery", "Resilienz"), gerade auch in traumatherpeutischen Konzepten. ' Eine Folge früher Psychotraumatisierungen sind jedoch nahezu immer schwerwiegende Bindungsstörungen. Durch dieses Defizits ist die nötige Nachreifung im Alltag zunächst kaum oder nur sehr eingeschränkt möglich. Mindestens hier liegt dann eine kaum verzichtbare Funktion eines Therapeuten/einer Therapeutin: nachholende Bindung zu ermöglichen, wodurch Entwicklungsfähigkeit erst aktiviert wird!
Sofia Sörensen war ohne Zweifel das, was man ein hochbegabtes Kind nennt. Mutmaßlich wurde das Lernen im Erwachsenenleben zur wichtigen identitätsstabilisierenden Lebensbewegung, das wird deutlich in ihrer Biografie, aber auch schon in diesem Buch. Offensichtlich hat sie sich im Zuge ihrer Selbsttherapie (oder schon früher) durch immens viel Literatur durchgearbeitet. Sehr vieles davon wurde in beeindruckender Weise im Buch genutzt; manchmal kippt der Bildungsberg leider um in Meinungsmache. Wenn ich dann allerdings ärgerlich "Blödsinn!" an den Rand schreiben will, geht es schon weiter mit klugen, tiefgründigen und bedenkenswerten Hinweisen oder punktgenauen kritischen Einwänden!
Manchmal hatte ich den Eindruck, Sofia Sörensen schreit noch immer an gegen die allzu lang erfahrene tiefgreifende Mißachtung, das nicht-angehört-Werden seit der Kindheit und später in der Ehe und bei professionellen TherapeutInnen. (Was in keiner Weise die Relevanz ihrer Erfahrungen und Reflexion schmälern will!) Mit seinem minuziös ausgebreiteten biografischen Material und andererseits der beeindruckenden rhetorischen Dichte seiner sachbezogenen Argumentaton ist dieses faszinierende, aber auch ausufernde Buch vielleicht nicht zuletzt ein Versuch des in-Beziehung-Tretens (zum Leser/zur Leserin), - Moment von legitimer und notwendiger nachholender Bindungserfahrung, die schließlich auch innerhalb der autonomen Selbsttherapie nicht stattfinden konnte.
So würden sich auch manche Nachteile des Buches erklären: manchmal ermüdende Redundanz, Verallgemeinerungen, anklagende Rundumschläge gegen Versäumnisse der gesellschaftlichen Umwelt gegen ihre schwächsten Mitglieder, Propagierung der Selbsttherapie mit EMDR offenbar als einzig erfolgversprechenden Weg. Dem Buch hätte an manchen Stellen ein solidarischer Lektor gut getan, aber wir sollten es annahmen als Ganzes, als Achtung gebietenden, durchweg wahrhaftigen Weg vom Überleben zum Leben, als Geschenk dieser Frau an die Gesellschaft.
"Das Wichtigste an jeder therapeutischen Arbeit ist die ursprüngliche, explorierende Kreativität, die der Klient in sich selbst geschehen lassen, sich von selbst vollziehen lassen muss. Den Zugang zu dieser inneren Heilquelle müssen wir lehren und nur das. Und dieser Zugang ist das aktive Loslassen." (39)
Künstlerischer Kreativität ist gemeint als kontinuierliches Interagieren des situativen Bewußtseins zwischen Erfahrungen und Empfindungen, und so (geradezu dialektisch) weiterschreitend: "Assoziationen sind durchaus als Poesie zu bezeichnen, Poesie als Assoziationen. (') Religion nenne ich die poetische Form der Philosophie wie der Psychologie (')." (52)
Sofia Sörensen bürstet implizit und explizit die Normalität von Therapie/Medizin gegen den Strich ' nicht wissenschaftstheoretisch oder sozialphilosophisch, sondern erfahrungsgeleitet. Ihre Nachdenklichkeit ist weitgehend orientiert an Gegenbewegungen zur gesellschaftlich konsensuellen Verdinglichung/Selbstentfremdung. (In letzter Konsequenz tendiert Sörensens Reflexion meines Erachtens zu einer tiefenpsychologisch-philosophisch-spirituellen erfahrungsgeleiteten Konzeption menschengerechten Lebens!)
Jedes inhaltliche Argument wird umrandet (gestützt?) von Erfahrungen, Assoziationen, Vergleichen, Lebensweisheiten; so scheint das Werk geradezu 1:1 den realen individuellen Bewußtseinsprozeß wiedergeben zu wollen (meine Assoziation: 'Ulysses' von James Joyce). Platt wird das (fast) nie, - aber über 600 Seiten vermag derlei schon zu ermüden. Auch eine inhaltlich angemessene Rezension dieses ausufernden, rhizomatisch wuchernden Buches ist kaum mehr möglich: zunächst müßte ich dem Inhalt ein mehr oder weniger lineares Argumentationsraster verpassen, das seinem Wesen in keiner Weise gerecht würde. '
Empfehlen möchte ich 'Seelische Selbstheilungskraft' (vorbehaltlos!) jedem an der menschlichen Psyche Interessierten, der oder die unzufrieden ist mit den allzu ordentlich in Schubladen abgelegten fachlichen Erkenntnissen. Unbedingt empfehlen möchte ich es traumatherapeutischen Profis, die sich Gedanken machen über individuelle Ressourcen, über Empowerment und Selbsthilfemöglichkeiten.
Die allermeisten Überlebenden von schweren Traumatisierungen in der Kindheit werden die nötige Konzentration kaum aufbringen, die die Lektüre dieses Buches erfordert; falls doch, möchte ich vermuten, daß sie auch individuell angemessene Schlüsse ziehen werden hinsichtlich einer Eigenanwendung von EMDR. "Gefährlich" (so die Lektorin eines Fachverlages) dürften für Betroffene eher autoritäre, dogmatische, überprotektive oder indolente TherapeutInnen sein als dieses Buch!
Nicht zuletzt wäre es gut, wenn die hier dargestellten Erfahrungen mit Selbsttherapie unter Nutzung von EMDR dazu anregen würde, in diese Richtung weiterzudenken. ' Zweckmäßige Anleitungen für die Selbsthilfe mit EMDR müßten dann allerdings erst noch verfaßt werden.
TRAUMA BERATUNG LEIPZIG
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TOP 500 REZENSENTam 22. September 2012
Sofia Sörensen hat in diesem Buch Ihre Erfahrungen mit dem Thema Selbsttherapie mit EMDR niedergelegt. Interessant ist dies Buch in mehrerlei Hinsicht. EMDR ist ein Verfahren das von Francine Shappiro vor etwa 20 Jahren mehr durch Zufall entdeckt wurde. Sie stellte fest, dass sie beim Blinzeln in die Sonne unwillkürliche waagerechte Augenbewegungen ausführte und dass bei dieser, bilateralen Stimulation wie das mittlerweile in ihren Büchern heißt, wenn sie an belastende Lebensereignisse dachte, diese in ihrer Intensität verringert wurden.
Inzwischen gibt es auch in deutscher Sprache eine Reihe guter Fachbücher, von Eschenröder, Lamprecht, Hofmann, eine Reihe von Autoren widmen dem EMDR einzelne Kapitel in ihren Büchern und die meisten sind überzeugt davon dass dies eine Wunderwaffe gegen traumatische Erfahrungen ist, genauer gesagt, gegen sog. Traumafolgestörungen.
Sofia Sörensen hat in ihrer Selbsttherapie, viel mehr getan als nur mit Augenbewegungen experimentiert, das kann man allein aus der umfänglichen Literaturliste erkennen. Ob alles daran auch zum Thema Trauma gehört, sei einmal dahingestellt. Ich beglückwünsche die Autorin zu ihrem persönlichen Erfolg, würde das aber trotzdem nicht zur Nachahmung empfehlen. Sie beschreibt in ihrem Buch ein Dilemma. Es gibt wenige Traumatherapeuten, zumindest sind es noch zu wenig. Nicht nur dem Therapeuten gebührt eine Auswahl der Patienten mit denen er arbeiten möchte, auch der Patient muss diese Wahl haben. Die Chemie muss auf beiden Seiten stimmen. Immerhin begibt man sich gemeinsam auf eine Reise in die Niederungen menschlichen Daseins. Das schlimmste Traum ist, nicht gewollt und nicht geliebt zu werden. Geschlagen und gar missbraucht zu werden, das sind wahrscheinlich erst die Folgen der ersten beiden Mängel.
Wer nicht geliebt wird hat keinen guten Start ins Leben. Erfährt nicht, was eine sichere Bindung ist, ins Leben hineingeliebt zu werden. Diese Wunde wird der Mensch sein ganzes Leben mit sich herumtragen. Und sie wird sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen.
EMDR gehört in die Hand ausgebildeter Therapeuten. Das muss deshalb betont werden, weil manchmal so belastende Erinnerungen, sog. Flashbacks, auftauchen, bei denen der Betroffene nicht zwischen „hier und jetzt“ und bereits zurückliegenden Erfahrungen unterscheiden kann. Deswegen ist es hilfreicher, diese Therapie in Begleitung eines erfahrenen Therapeuten durchzuführen.
Ich hege trotzdem eine Sympathie für den Versuch traumatische Erfahrungen selbst aufzulösen. Größer ist die Sympathie für die Notwendigkeit, durch erfahrene Hirnforscher genau zu verifizieren was während dieser Stimulation überhaupt geschieht. Denn wenn jemand nur ein Monotrauma erlebt hat, beispielsweise einen Unfall, bei dem er selbst oder andere zu Schaden gekommen sind, da mag es möglich sein mit einem selbst angewendeten Verfahren, das Belastende zu verringern.
Bei einem so dicken Buch muss es erlaubt sein einen kritischen Satz zu sagen. Es hätte ihm an mancher Stelle eine Lektorin gut getan. Die manches straffer formulier und klärt. Stilistisch hätte es vielleicht auch gut getan, sachlich informierende von tagebuchartigen Notizen mehr zu trennen.
Es ist aber eindeutig, dass sowohl der Selbstheilungsversuch als auch das umfangreiche Buch eine einmalige persönliche, sehr zu würdigende Leistung darstellen.
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Vor längerem las ich schon "Itacker müssen nicht sterben" von Sofia Sörensen, nun halte ich "Seelische Selbstheilungskraft" in Händen. Als nächstes folgt eventuell noch "Schillers Bürgschaft", dass nach den beiden anderen Büchern erschien und diese - so erwarte ich - gedanklich weiterspinnt. Was mir sogleich ins Auge fiel, war neben der Buchdicke und der (angenehm) breiten Format die reichliche Bestückung jeder einzelnen Seite mit Buchstaben. Das mag wie ein Scherz klingen. Aber ich habe gerade in jüngster Zeit festgestellt, dass die Menge an Text, die man erhält, ganz erheblich mit der Ausnutzung des Platzes pro Seite steht und fällt. Joachim "Blacky" Fuchsbergers "Zielgerade" bringt es z. B. nur auf etwas zwischen der Hälfte und Drittel von Worten pro Seite, wenn ich es mit dem Standardwerk Sörensens vergleiche. Das wollte ich deshalb vorwegnehmen, um darauf hinzuweisen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis hier mehr als stimmt.

######################## Zur Autorin Sofia Sörensen ########################

Die Autorin wurde 1946 und machte sich (mit viel Vorwissen im Background) 2006 auf den Weg ihrer Selbsttherapie. Allein das sie sich in ihrem Alter auf den Weg machte und EMDR in ganzheitlicheres Konzept miteinbezog, macht sie für mich unglaublich sympathisch. Die meisten Menschen gewinnen mit dem Alter an Trägheit und weichen zunehmend aus den Gebieten/Meinungen aus, die sie bereits kennen. Dieses Phänomen macht (leider) auch vor Philosophen und Psychotherapeuten nicht halt. Und so muss ich Frau Sörensen leider darin beipflichten, dass man oftmals sehr viel schneller ans Ziel kommt, wenn man sich selbst kümmert und sich nicht auf die Hilfe der Fachleute verlässt.

Weitere Informationen über den Werdegang können der Internetpräsenz der Autorin entnommen werden. Daher will ich an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gehen.

######################## Zu meiner Person ########################

Dazu will ich mich kurz als Beispiel anführen. Von meinem 3,5-Hauptschulabschluss(1999) bis zu meinem Abschluss als Sozialarbeiter (2013) war es ein langer Weg. Neben der intellektuellen Entwicklung habe ich auch emotional, psychisch und sozial ein drastisches Reifeprozess gemacht. Den ich immer wieder aus mir selbst heraus erwirkte (Seit 2001 hatte ich mich mit diverser Fach- und Ratgeberliteratur auseinandergesetzt). Umgekehrt hatten sich Fachleute durchgängig lediglich als mehr oder weniger große Hindernisse auf diesem Weg erwiesen. Aber (zumindest unterm Strich) niemals als wahre Hilfe. Diese Verteufelung der Professionellenseite ist natürlich insofern relativ zu sehen, als sowohl Frau Sörensen als auch ich unsere (Selbsttherapie-)Ansätze auf die Literatur von Fachleuten aufbauen. Und so doch von der Fachseite profitiert haben. Die Autorin spart hier auch nicht an Dankbarkeit gegenüber den Riesen, auf deren Schultern sie gewandelt ist. Und macht keinesfalls so, als sei sie nun allen (oder auch nur der Mehrheit) überlegen.

Dies wollte ich deshalb vorweg nehmen, weil allgemein gerne angenommen wird, professinelle Psychotherapie könne grundsätzlich bessere Ergebnisse liefern als Selbsthilfemaßnahmen. Aus der Erfahrung mit zahlreichen Fachleuten und viel eigenem Tun kann ich diese gemein weit verbreitete Idee nicht unterschreiben. Wobei weder Frau Sörensen noch ich der Meinung sind, dass sich Selbsttherapie und die Ergänzung der Psychotherapie (oder umgekehrt) keinesfalls gegenseitig ausschließen.

######################## Zum Buch ########################

Die Autorin hat in weiten Teilen autobiographische Sequenzen eingestreut. Darunter auch einige Erfahrungen mit der Professionellenseite. Mein erster Gedanke war, dass jemand, der sich selbst so ausgiebig präsentieren möchte, noch nicht besonders gut integriert sein kann. Oder diesen Weg zumindest noch nicht allzu weit beschritten haben kann. Aber nach eigener ausgiebiger Beschäftigung mit Traumatherapie (seit 2008) und EMDR (seit 2009) kann ich sagen, dass man (oder zumindest ich) schon sehr gut integriert und mit sich im Reinen sein muss, um seine Geschichte in einer solchen Detailiertheit aufschreiben zu können (Natascha Kampusch hatte das bei ihrem Buch etwa nicht geschafft -> Das Buch entstand mittels Interviews, aus welchen nicht Kampusch selbst das Buch zusammengestellt hat).

Das Inhaltsverzeichnis gliedert den Inhalt derart differenziert auf, dass man (bei Bedarf) jedoch auch die autobiographischen Sequenzen oder (wenn man mag) Teile davon problemlos überspringen kann. Was mir persönlich sehr gut gefällt ist, dass nicht nur Phänomene und Techniken bekannter Traumatherapietechniken verarbeitet werden. Sondern die Autorin auch manch eigene Idee und Abwandlung miteinbringt.

Generell ist das Buch in einem sehr persönlichen Stil gehalten. Mir wäre kein anderes Buch auf diesem Sektor bekannt, in welchem die persönliche Geschichte, die professionelle Anwendung von Psychotherapietechniken und der Verlass auf die eigene Stärke so miteinander verflochten werden. Mir wäre nicht bekannt, dass es ein zweites Buch dieser Art gäbe.

######################## Fazit ########################

Die Autorin hat ein sympathisches und gut lesbares Buch geschrieben, was (meinem subjektiven Empfinden nach) keinerlei anstrengende Längen hat. Und dem man mehr Leser wünscht. Das es verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit erhielt, führe ich darauf zurück, dass nur wenige Menschen das Selbstvertrauen haben, sich selbst auf den Weg zu machen. Für Menschen mit psychischen Problemen irgend einer Art geht das (leider) im Besonderen. Die Mehrzahl zeigt sich passiv, ihrem Schicksal ergeben und autoritätsvertrauend. Zumindest habe ich viele Menschen dieser Art kennengelernt.

Nochmals erwähnt sei an dieser Stelle, dass Selbsthilfe nicht grundsätzlich besser ist als professionelle Therapie. Das ist lediglich die Erfahrung von Sofia Sörensen und mir (Wobei hier anzumerken ist, dass wir beide psychotherapeutisch umfassend geschult und keine Laien sind). Und natürlich schließen sich Psychotherapie und Selbsthilfe nicht nur nicht gegenseitig aus, sondern können sich auch gegenseitig befruchten.

Ich wünsche ihm auch für die Zukunft noch viele Leser. In dem Vertrauen darauf, dass den meisten Menschen klar sein sollte, dass der Wert eines Buches nicht zwangsläufig durch sein Alter abnimmt. Die moderne Traumatherapie bzw. ein Zweig von ihr bezieht sich etwa sehr stark auf Pierre Janet (1859-1947), dessen Ideen (ungerechtfertigterweise!) lange "vergessen" und erst spät wieder aufgegriffen wurden.

######################## PS ########################

Ich bastele aktuell an einem eigenen Selbstherapiekonzept. Es basiert im wesentlichen auf den Grundgedanken Josef Kirschners (-> eigene Maßstäbe entwickeln), Autosuggestion (-> zur Selbstbeeinflussung), Imaginationstechniken (-> als stabilen Kern), Handeln (-> zur Herstellung äußerer Sicherheit) und einer speziellen selbst entwickelten EMDR-Technik. Die letztgenannte Komponente ist (wenn überhaupt) die einzige meines Gesamtkonzepts, die ich als "innovativ" bezeichnen würde. Ich habe sie in meiner Rezension zu "Ressourcenarbeit mit EMDR" (Ausgabe 2014) in einer Ergänzung erwähnt.

Frau Sörensen hatte mich wesentlich darin bestärkt, dass man sich selbst auf den Weg machen kann. Und man mit dieser Vorgehensweise auch nicht allein ist. Ich danke ihr sehr dafür!!!
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