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Adrian ist verschwunden und seine Partnerin Annika muss sich eingestehen, dass er sich bereits ein paar Tage vorher merkwürdig benommen hat. Das Paar, das an der nordfriesischen Küste lebt, hat eine gemeinsame Tochter. Auf den Anruf einer Frau hin, um die er sich in deren Kindheit einmal gekümmert hat, ließ Adrian nun alles stehen und liegen. Annika grübelt, ob Dhanavati, die Anruferin, vielleicht doch Adrians leibliche Tochter sein könnte. Vertrauen hatte doch beiden immer bedeutet, dass man einander nicht bedrängt. Würde Adrian seine leibliche Tochter zugunsten seiner Pflegetochter im Stich lassen? Während seines bewegten Lebens hat Adrian vor zwanzig Jahren in einer Bhagwan-Kommune auf der Insel Gotland gelebt, gemeinsam mit Dhanavatis Mutter Gisela. Politisch war es eine aufregende Zeit; der Vater eines der Kommunarden war Weggenosse Olof Palmes. Gisela hatte sich zwar gewünscht, dass Adrian sich weiter um Dhana kümmern sollte, falls das einmal nötig sein sollte. Doch da sie in Deutschland noch Eltern und einen Bruder hat, bleibt Giselas Wunsch nach ihrem Tod leider nur ein Traum. Adrian hat als Pflegevater keine Ansprüche auf Dhana. Das Mädchen wächst bei Onkel und Tante in Westfalen auf und arbeitet inzwischen in Dänemark als promovierte Mathematikerin über die Verbreitung von Seuchen. Beruflich steht Dhana gerade vor einem Umbruch. Sie realisiert, dass ihre Arbeitsergebnisse für die biologische Kriegsführung einzusetzen sind und dass sich Institutionen für sie als Mitarbeiterin interessieren, deren Ziele Dhana nicht gutheißen kann. So machen sich drei Personen auf die Suche: Annika sucht Adrian, Dhana will endlich wissen, wer ihr leiblicher Vater ist und Jens Nilsson sucht im Auftrag eines deutschen Forschungsinstituts den Kontakt zu Dhana. Jeder von ihnen konstruiert seine persönliche Wahrheit und setzt sich ganz individuell mit den eigenen Fehleinschätzungen und Lebenslügen auseinander. Angelpunkt der drei Suchbewegungen ist Bengt Eglund, einer von Giselas Mitbewohnern in Visby, der inzwischen in seinem Metier ein mächtiger Mann geworden ist. Dass Eglund die Grenze zwischen privaten und geschäftlichen Angelegenheiten anders festlegt als sie selbst, erkennt Dhana erst, nachdem sie sich in eine gefährliche Situation manövriert hat.

In einer Handlung, die mich streckenweise wie ein Wissenschafts-Thriller fesselte, habe ich mich den Figuren in "Visby" außerordentlich nahe gefühlt. Mit Dhana und ihrer Chefin Maria schafft Barbara Slawig mit dem Hintergrund ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Epidemien sehr glaubwürdige Figuren. Auch Jens wird kaum einen Leser unberührt lassen, wenn er in einem schriftlichen Bericht seine Irrwege in dieser komplizierten Geschichte offenlegt. Ein großartiges, lebenskluges Buch, das die Bedeutung frühkindlicher Bindung und den Konflikt zwischen biologischer und sozialer Elternschaft eindringlicher vermittelt als manch umfangreiches Fachbuch das kann.
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am 20. August 2012
>Ich öffnete den Mund, um sie anzuschreien – und da begriff ich, was ihre Fragen bedeuteten.
„Soll das heißen, du weißt nicht, wo er ist?“
Danach war es still. Sehr lange. Ich kann diese Stille immer noch hören, ich muss nur die Augen schließen, schon ist sie da. Der Wasserhahn tropft. Feuchtigkeit zischelt aus dem Holz im Ofen.<

Zwanzig Jahre lang hat Annika ihre Angst begraben. Die Angst, dass ihr Lebensgefährte Adrian sie und die gemeinsame Tochter Nina verlassen wird – für Dhanavati, die Tochter von Gisela, seiner großen Liebe, die bei Visby von den Klippen in den Tod gesprungen ist. Und jetzt ist genau das passiert: Adrian ist verschwunden. Ohne Abschied, ohne eine Nachricht. Seit drei Monaten hat Annika nichts mehr von ihm gehört, und als nun auch noch Dhanavati bei ihr auftaucht und nach ihm fragt, entschließt sich Annika, nicht länger auf Adrian zu warten. Sondern ihn zu suchen.

Auch Dhanavati ist auf der Suche. Sie möchte herausfinden, warum ihre Mutter bei Visby von den Klippen gesprungen ist. Und sie möchte endlich wissen, wer ihr Vater ist. Adrian? Oder Bengt Eglund? Der Kopf der Kommune, der damals wegen Drogenhandels verhaftet wurde? Ohne es zu ahnen, bringt Dhanavati sich durch ihre Nachforschungen in große Gefahr – denn Eglund ist inzwischen im internationalen Waffenhandel tätig.

Und dann ist da noch Jens Nilsson – Dipl.-Ing. Institut für Angewandte Informatik. Köln. Das steht auf seiner Visitenkarte, die er Annika bei ihrem ersten Treffen überreicht. Und auch er ist auf der Suche: Er will Dhanavati finden, die er im Verdacht hat, geheime Forschungsergebnisse ihres Instituts verraten zu haben. Aber wer ist dieser Jens Nilsson wirklich? Und für wen arbeitet er?

Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, denn „Visby“ entfaltet von den ersten Seiten an einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Barbara Slawig erzählt in ihrem beeindruckenden Roman ein intensives Beziehungsdrama mit Krimi-Elementen. Und die Präzision, mit der sie das zwischenmenschliche Geflecht aus Lügen und (Halb-)Wahrheiten in einer sehr spannenden Handlung seziert, hat mich ungemein fasziniert und begeistert. Was ist die Wahrheit? Und welchen Preis ist man dafür zu zahlen bereit? Das Ende von "Visby" hat mich regelrecht erschüttert, gerade weil die „endgültige“ Wahrheit ans Licht kommt, aber vor allem, weil bereits in diesem Augenblick auch schon die nächste Lüge geboren wird. Und konsequent wie die Autorin ist, bleibt der Leser mit der Frage zurück, die lange in ihm nachhallt: Was hätte ich gemacht? Was wäre die richtige Entscheidung gewesen? Das Verschweigen der Wahrheit oder das Aussprechen?

Oder wie es der Autor Andrea Bajani formuliert hat: „Am Ende prägt das Ungesagte, das Geheimgehaltene die Beziehungen von Paaren, Familien, Generationen stärker als die Dinge, die ans Licht kommen.“ Ein Satz, der perfekt auf das Leben der jungen Mathematikerin Dhanavati zutrifft. Was für ein Mensch wäre ich heute, könnte ich heute sein, wenn ich um das Gestern wüsste? Und eigentlich vereint dieser Roman vier Geschichten in sich: die von Dhanavati, die von Annika, die von Jens Nilsson - und die des Lesers, der aus diesen drei Perspektiven eine eigene Wahrheit erhält.

Darüberhinaus hat mich "Visby" mit seiner eindringlichen, wunderschönen Sprache absolut verzaubert:
>Dies ist kein Ort, an dem man jemanden findet. Hier gehen die Menschen eher verloren, sie treten hinter einen Felsen und sind nicht mehr da. Man schlendert ein paar Schritte ohne sie weiter, bleibt stehen und schaut aufs Meer, und man hört nur noch das unrhythmische Klatschen der Wellen und das Rascheln und Pfeifen und Sausen des Windes, eine rauschende Stille, die Ohren und Gedanken betäubt: bis man aufschrickt, weil man schon zu lange allein ist, und man kehrt um und ruft und schaut hinter den Felsen, hinter dem der andere verschwunden ist, aber dort sind nur weitere Felsen. Und Wind, und ein Möwenschrei, und Stille.<

Ich kann diesen spannenden und beeindruckenden Roman nur allerallerwärmstens empfehlen!
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am 21. Dezember 2013
Dhanavati muss als fünfjähriges Mädchen miterleben, wie ihre Mutter Selbstmord beging. Sie waren damals Mitglieder einer spirituellen Kommune. Bis heute weiß sie nicht, wer ihr Vater ist und macht sich auf die Suche nach ihm. Auf ihrer Suche stößt sie auf Eglund, den ehemaligen Kopf der Kommune, der inzwischen in Waffengeschäfte verwickelt sein soll. Ist er ihr Vater? Oder vielleicht Adrian, der sich nach dem Tod der Mutter um sie gekümmert hat? Und warum heften sich auf ihrer Suche zwei Unbekannte an ihre Fersen und bedrohen sie?

Die Autorin hat das Buch aus der Sicht mehrerer Personen und auch in verschiedenen Zeiten geschrieben. Die Protagonistin Dhanavati begleitet man auf ihrer Vatersuche quer durch Europa. Sie handelt manchmal sehr kopflos und übereilt. Annika sucht ihren Lebensgefährten Adrian, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat. Adrian hat Dhanavati nach dem Tod der Mutter aufgenommen und daher hofft Annika, dass sie ihn über Dhanavati finden kann. Anschaulich beschreibt die Autorin die Gefühle und Beweggründe ihrer Protagonisten. Ihre Schwächen werden auch klar aufgezeigt, so dass man sich gut in die Personen hineindenken kann. Manche Handlungen sind für mich schwer nachvollziehbar, aber jeder handelt anders. Schritt für Schritt offenbart die Autorin neue Details und so wird es eine sehr spannende Suche mit einem doch überaus überraschendem Ende. Vieles bleibt unausgesprochen oder wird später erst erwähnt und man muss zwischen den Zeilen lesen. Durch die zeitlichen Sprünge war das Buch nicht ganz so leicht zu verstehen und man muss mitdenken. Das Cover ist wunderschön und sehr passend zu dem Buch. Ein Buch das ohne Blut und Mord auskommt und trotzdem von Anfang an Spannung erzeugt.
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am 12. September 2012
Dhanavati ist eine begnadete Mathematikerin mit einem interessanten Job in der Epidemieforschung in Århus, Dänemark, umgeben von netten Kollegen, ihre Patentante Maria als Chefin.
In Dhanis Leben liegt jedoch einiges im Argen. Einerseits leidet sie unter Panikattacken und Klaustrophobie. Andererseits hat sie nie das Gefühl, dazuzugehören. Schon immer war sie ein Fremdkörper. Bei den strikten Verwandten, bei denen sie aufwuchs. unter den Wissenschaftskollegen einer Tagung.

"Ein Anker. Diese innere Gewissheit, dass man in die Welt hineingehörte. Was Timo besaß. Und Maria natürlich, kein anderer Mensch so stark wie Maria."

Diesen Anker hat Dhanavati verloren, als sie mit fünf Jahren Zeugin wurde, wie ihre Mutter sich in Schweden von den Klippen warf, in Visby, wo sie mit einer Hippie-Kommune lebte. Dhani weiß noch nicht einmal, wer ihr Vater ist.
Adrian, der sich immer um sie kümmerte? Bengt, der die Hippie-Kommune leitete? Und wer war dieser Mann, mit dem ihre Mutter sich gestritten hat, bevor sie losrannte?
Dhanavati beginnt, in Internetforen zu forschen.
Als ihr ein Job in einem Institut angeboten wird, das mit Rüstungsforschung zu tun hat, beschuldigt der Sicherheitschef Nilsson sie, Geheimnisse verraten zu haben. Agenten bedrängen sie. Ihre Vatersuche hat Staub aufgewirbelt: Bengt, der einstige Guru der Hippie-Kommune, ist inzwischen im internationalen Waffenhandel tätig.
Adrian verschwindet spurlos und lässt Freundin und Tochter im Stich.
Dhanavati muss Hals über Kopf fliehen.
Niemand ist mehr da, dem sie vertrauen kann.

Jedes Kind will wissen: Wer bin ich, wo komme ich her? Doch was ist, wenn einem Kind alle Gewissheit weggerissen wird? Diese Frage stellt die Autorin in ihrem Roman. Dhanavati, eine facettenreiche, unter die Haut gehende Hauptperson bei ihrer Suche zu beobachten, ist faszinierend.
Barbara Slawig rollt die Geschichte nicht chronologisch auf. Wie Mosaiksteine ergeben die Kapitel das Gesamtbild, erst am Ende werden die Zusammenhänge klar. Abwechselnd aus der Sicht von Dhanavati, Adrians Freundin Annika und dem Sicherheitsbeamten Nilsson erzählt, erfährt der Leser verschiedene Versionen der Geschehnisse. Was ist wahr, was gelogen? Welche Erinnerungen trügen?
Was passiert, wenn Menschen einer Kommune, die sich den Idealen von Liebe und Frieden verschrieben haben, diese verraten? Inwieweit können Hass und Neid Leben zerstören?
Durch seine thrillerartige Spannung und unerwartete Wendungen lässt sich das Buch kaum aus der Hand legen und es bietet sich an, nach dem Ende wieder vorne anzufangen, um die komplexen Zusammenhänge und versteckten Hinweise aufzuspüren.
Barbara Slawig erzählt in einer präzisen Sprache, kristallklar, wie aus Eis gemeißelt, manche Passagen möchte man laut lesen.
Ihre Beschreibungen erzeugen stimmungsvolle Bilder.

"Es lag am Licht. Diesem gleichmäßigen Licht. Es füllte das Zimmer, obwohl die Fenster nach Norden gingen. Es füllte jeden Raum, jeden Winkel, es bleichte die Nächte und dünnte den Schlaf aus; es filterte, was von der Außenwelt zu ihr drang. Als schwebte sie in der Mitte eines Ballons, der mit diesem Licht gefüllt war, so dass alles, was draußen lag, schemenhaft wurde, zweidimensionale Formen auf der Außenhülle des Ballons."

Die wunderbaren Beschreibungen, zusammen mit den lebensechten Figuren, geben dem Buch einen langen Nachhall. Das geheimnisvolle Buchcover mit dem überdimensionierten Sternenhimmel und den Lichtschwaden passt hervorragend zur Stimmung des Romans.

Barbara Slawig, 1956 in Braunschweig geboren, lebt in Berlin. Sie hat Biologie studiert und eine Doktorarbeit über Meningitis-Epidemien in Afrika geschrieben. Seit 1990 übersetzt sie englischsprachige Belletristik. Sie schreibt Erzählungen und Romane, häufig mit phantastischem Einschlag. 2003 erschien Die lebenden Steine von Jargus" im Argument-Verlag; unter dem Pseudonym Carla Rot schrieb sie zwei Kriminalromane (Patentlösung" und Blutasche"), die im Droste Verlag erschienen.
Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie u.a. ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.
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VINE-PRODUKTTESTERam 13. März 2014
Die junge Mathematikerin Dhanavati Reinerts ist auf der Suche nach der Wahrheit. Was passierte damals, vor 20 Jahren, wirklich in Visby? Warum beging ihre Mutter Suizid? Wer ist ihr Vater und wo? Und was hat die spirituelle Kommune, in der ihre Mutter lebte, mit all dem zu tun?
Dhanavatis Suche beginnt und bald gerät sie in eine Welt voll von Drohungen, Waffenhandel und Geheimnissen.
Auf „Visby“ von Barbara Slawig war ich schon sehr gespannt. Vorweg, ich finde, dass die Bezeichnung „Roman“, so wie sie auf der Hardcoverausgabe aufgeführt wird, weitaus passender als „Thriller“ auf der Taschenbuchausgabe.
Aus drei Perspektiven wird die Geschichte erzählt: Annika, Freundin von Adrian, der spurlos verschwindet, weil er Dhanavati, die Tochter seiner Jugendfreundin, treffen will. Jens Nilsson, der ebenfalls auf der Suche nach Dhana ist. Und Dhanavati.
Dabei bekommt man einen kleinen Einblick in das jeweilige Leben und spürt auch eine gewisse Distanz zu den Personen. Ich konnte mit keinem wirklich Sympathie oder Empathie empfinden.
Das hat den Lesespaß aber keineswegs geschmälert.
Slawigs Schreibstil ist flüssig, bildreich und mitreißend. Die Handlung ist fließend und besonders ab der Hälfte des Buches nimmt das Tempo enorm zu und endet in atemberaubender Spannung im letzten Drittel.
„Visby“ kann zudem auch mit interessanten Hintergrundinformationen zu Biowaffen, Lassafieber, Epidemiemodellen und Forschungsarbeit aufwarten.
Für mich war es ein atmosphärisch gutes, vielschichtiges und teilweise bedrückendes Buch, das zum Nachdenken anregt und bei mir in Erinnerung bleiben wird.

4,5 von 5 Sternen!
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am 8. März 2014
[I]„Es lag am Licht. Diesem gleichmäßigen Licht. Es füllte das Zimmer, obwohl die Fenster nach Norden gingen. Es füllte jeden Raum, jeden Winkel, es bleichte die Nächte und dünnte den Schlaf aus; es filterte, was von der Außenwelt zu ihr drang. Als schwebte sie in der Mitte eines Ballons, der mit diesem Licht gefüllt war, so dass alles, was draußen lag, schemenhaft wurde, zweidimensionale Formen auf der Außenhülle des Ballons.“[/I]

.[/quote]

Genau dies fast poetisch anmutenden Beschreibungen von Stimmung und Landschaft habe mich in diesem Buch fasziniert.
Trotz der etwas herben aber immer klaren und genauen Ausdrucksweise liest sich das Buch oft wie eine Reisebeschreibung. Wobei reisen ja bei den verschiedenen Protagonisten Vorrang und Sinn hat.
Womit ich etwas Probleme hatte, waren die Wechsel der erzählenden Personen, das wäre ein gutes Mittel um unterschiedliche Sichtweisen und Erlebnisse deutlicher zu machen, wenn sie entweder chronologisch folgen würden oder aber datiert wären.
So gab es immer einen kleinen Ruck, bis man wieder wusste, aha, das war früher oder danach.

Dhanavati, die kühle Mathematikerin, die versucht ihre Ängste und Panikattacken naturwissenschaftlich in Griff zu bekommen, ist auf der Suche nach ihrem Vater. Lang ist es her, zuletzt sah sie ihn als kleine Kind in Visby, einer Stadt auf Gotland, wie er von der Polizei verhaftet wurde.
Da ist Annika, die auf ihren Freund und Vater ihrer Tochter blind vertraute und der doch nach merkwürdigen Besuchen auch eine Suche beginnt.
Der ganze Roman, der thrillerartige Züge trägt und ziemlich spannungsgeladen ist, wird durch wahrheitssuchende Personen geprägt. Am Ende ist nichts wie es schien, fast jeder bleibt enttäuscht zurück und muss einen neuen Platz in seinem Leben finden und einrichten.
Nicht alle Handlungen sind nachvollziehbar und Annika kehrt von ihrer Suche nach Adrian eher ernüchtert zurück.
Brisante Diskussionen könnten auch entstehen durch den evtl. Missbrauch wissenschaftlicher Daten die im Falle eines Krieges zu unabsehbaren Folgen führen könnten. Das steht zwar im Buch nicht im Vordergrund aber ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin durchaus zum Nachdenken anregen wollte.

4 von 5 Sternen, weil ich das Buch wirklich verschlungen habe.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Januar 2014
„…Gibt es eine überabzählbare Teilmenge der reellen Zahlen, die in ihrer Mächtigkeit kleiner ist als die der reellen Zahlen?...“

Das Buch beginnt mit zwei kurzen Szenen, zwischen denen 20 Jahre liegen.
Ein Kind, 5 Jahre alt, sieht, wie ihre Mutter bei Visby von einer Klippe springt.
Annika, eine junge Frau, bekommt Besuch von Dhanavati. Diese fragt nach Adrian. Annika aber glaubte, Adrian, ihr Lebensgefährte, wäre zu Dhanavati gefahren. Nun macht sich Annika auf den Weg nach Visby, um Adrian zu suchen.
Annika und Dhanavati sind die beiden Frauen, die im Mittelpunkt des Romans stehen. Beide wurden gut charakterisiert.
Dhanavati ist Mathematikerin. Sie arbeitet an einem Modell zur Vorhersage der Ausbreitung von Epidemien. Doch sie ist auch auf der Suche nach ihren Wurzeln. Wer ist ihr Vater? Warum sprang damals ihre Mutter? Diese Fragen möchte sie beantwortet haben. Ihre sachliche und logische Vorgehensweise gefällt mir.
Annika hat sich in vielen Dingen auf ihren Lebensgefährten Adrian verlassen. Die Probleme in der Beziehung hat sie nie gesehen oder sehen wollen. Adrians Fortgang trifft nicht nur ihre Tochter Nina hart, er bedeutet für Annika auch finanzielle Sorgen.
Das Buch zeigt, wie unterschiedlich die beiden Frauen mit dem Verlust eines Angehörigen umgehen. Dabei spricht Annika ihren Part selbst, während Dhanavatis Geschichte in der dritten Person erzählt wird.
Zusätzliche Brisanz kommt in die Handlung, als Jens Nilsson auftaucht. Er ist der Sicherheitsbeauftragte einer Firma, die Dhanavati einen Job angeboten hat. Als Interna in der Öffentlichkeit auftauchen, bekommt Jens den Auftrag, die Quelle zu finden. Auch er spricht seinen Teil der Geschichte selbst.
Der Roman beginnt spannend. Doch der Autorin gelingt es, diesen Spanungsbogen noch zu steigern. Dhanavati stößt mit ihrer Untersuchung in ein Wespennest. Plötzlich zeigt sich, dass die Vergangenheit bis heute nachwirkt.
Die Geschichte lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Dabei ist sie geschickt aufgebaut. Die Autorin wechselt nicht nur zwischen den drei Protagonisten, sie erlaubt auch nur nach und nach einen Blick in die Vergangenheit. Die Einbeziehung von E-Mails und Fanfiction bringen neue Möglichkeiten, die Handlung voranzutreiben.
Sehr gut gelingt es ihr, Gefühle und unterschwellige Strömungen darzustellen. Das gilt insbesondere dann, wenn es um das Leben vor 20 Jahren geht. Die neue alternative Lebensform erweist sich als Alptraum. Dafür sorgt ein kompliziertes Beziehungsgeflecht aus Liebe, Eifersucht, Machtstreben und den Kampf um Anerkennung.
Auch die Gegenwart wird sehr realistisch geschildert. Welche Finessen und Winkelzüge es bedarf, um an dringend benötigte Forschungsgelder zu kommen, wird eindrucksvoll dargestellt. Der einzelne ist dabei nur eine unwichtige Figur im Spiel des Lebens, die man hin- und herschieben kann.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Dazu beigetragen haben neben der abwechslungsreichen Handlung die unterschiedlichen Protagonisten, die sich als Menschen mit Stärken und Schwächen zeigen, und die angesprochenen politischen Probleme. Außerdem hat sich die Autorin nicht gescheut, ab und an mathematische Aufgabenstellungen zu erwähnen. Für Dhanavati waren sie Halt in schwierigen Situationen. Obiges Zitat gehört dazu. Mathemuffel können problemlos darübreg lesen, ohne dass der Handlungsablauf gestört wird.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. September 2012
Barbara Slawig erzählt die Geschichte der jungen und äusserst klugen Mathematikerin Dhanavati deren Mutter vor zwanzig Jahren im Visby mit einem Sprung über die schroffen Klippen Selbstmord begangen hat. In diesem kleinen schwedischen Dorf lebte Dhanavati damals als fünfjährige in einer religiösen Gemeinschaft die sich an den Lehren Bhagvans orientiert hat und die von einem Guru namens Bengt Englund geführt wurde. In dieser spirituellen Bewegung dürfte auch ihr unbekannter Vater zu suchen sein. Aber wer von den männlichen Sektenmitgliedern die auf Gotland lebten ist ihr Vater? Warum hatte sich die Kommune aufgelöst? War es nur wegen Englunds Verhaftung wegen Drogenhandels oder schlummern da noch andere Gründe im Verborgenen? Ist es klug die ruhenden Geister der Erinnerung zu neuem Leben zu erwecken?

Es ist ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit auf der Suche nach der inneren Gewissheit, dass man in diese Welt hineingehört sondern das Hier und Jetzt spielt eine wichtige Rolle. Es geht um mathematische Programme und Modelle die den Verlauf und die Verbreitung von Epidemien und Krankheiten nachbilden und um Insiderwissen über dieses Projekt das nach aussen dringt. In der Folge nimmt der Roman phasenweise krimihafte Züge an und mit der stets wechselnden Erzählperspektive verschiedener Personen wird die Geschichte zunehmend komplexer was es schwierig macht den Inhalt weiter zusammenzufassen. Meiner Meinung nach verlangt der Roman sowieso eine hohe Konzentration und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lesers und selbstverständlich ein stetes Mitdenken damit alle Vorgänge, Fakten und Personen gedanklich erfasst werden können.

Es ist eine Geschichte voller Unterströmungen, wie Wasser, das oberflächlich still wirkt und einem doch in die Tiefe zieht. Leise. Beiläufig. Unaufhörlich. Eine Geschichte die sich kontinuierlich ändert wie ein kleiner sich selbst stabilisierender Wirbel. Mit hoher sprachlicher Sensibilität werden Erinnerungsspuren der Vergangenheit mit gegenwärtigen Wünschen und Ängsten verwoben und so entsteht ein aussergewöhnlich dichter Roman der mit seiner ruhigen Erzählweise über weite Strecken zu überzeugen vermag.
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am 3. Februar 2014
Dhanavati, eine junge Mathematikerin will nach über zwanzig Jahren endlich wissen, warum ihre Mutter Selbstmord beging und wer ihr Vater ist. Dabei wirft sie immer mehr Fragen auf, als dem Ziel näher zu kommen. Wer waren die Mitglieder der spirituellen Kommune, in der sie mit ihrer Mutter lebte. Adrian, ein ehemaliges Mitglied und Vertrauter, unterstützt Dhanavati, verschwindet dann aber spurlos. Vermeintliche Helfer erweisen sich als Gegner. Am Ende muss sie um ihr Leben fürchten und befindet sich auf der Flucht.

Die Autorin Barbara Slawig verbindet verschiedene Handlungsstränge und unterschiedliche Erzählperspektiven miteinander. Dadurch gelingt es ihr, die einzelnen Akteure deutlich herauszuarbeiten.
Als Beobachter erlebt man Dhanavatis Handlungen. Ihre Zerrissenheit und ihre Ängste kommen dadurch noch deutlicher zum Vorschein. Lediglich die klaren Strukturen der Mathematik geben ihr Halt und retten sie vor dem Fall in die Isolation.
Ganz anders erlebt man Annika. Durch die Ich-Form ist der Leser ganz nah und nimmt jede Gefühlsregung der Protagonistin wahr. Die Angst, den Mann zu verlieren, den Zusammenhalt der Familie in Gefahr zu wissen, spürt man direkt.
Dann ist da noch Jens, der Ermittler, der eigentlich Nachforschungen für den zukünftigen Arbeitgeber von Dhanavati anstellen soll. Seine Erlebnisse werden in einer Art neutralem Bericht wiedergegeben, die es dem Leser ermöglichen die vielfältigen Details des Geschehens besser zu verstehen.

Nicht immer führt eine Suche zum gewünschten Ziel, manchmal bleibt man unwissender zurück.

Ein Roman der zum Nachdenken anregt und nachwirkt.
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am 20. Dezember 2013
Ein sehr guter Krimi, ungwöhnlich, und das auf ganz viele verschiedene Arten. Angefangen bei dem Cover, mit den Sternen und den Nordlichten. Schön stimmungsvoll und es bereitet den Leser, zusammen mit dem Titel, auf Schweden vor.

Denn das Buch nimmt seine Leser mit auf eine Reise quer durch Europa.
Die Hauptperson, Dhanavati, ist eine junge Mathematikerin, die sich auf diese Reise begibt. Sie möchte mehr über ihre Wurzeln und den Selbstmord ihrer Mutter herausfinden.
Die Geschichte wird immer mal wieder aus einer anderen Perspektive erzählt. Das steht aber über jedem Kapitel drüber, wer gerade "redet".

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, jedem der drei erzählenden Protagonisten eine ganz charakteristische Erzählweise zuzuweisen. Der eine militärisch kurz und knapp, eine sehr gefühlsbetont und eine analytisch, aber etwas weltfremd.
Leider hatte ich bei einer davon etwas Schwierigkeiten mit diesem Erzählstil. Er war mir etwas zu wirr. Dafür ziehe ich den einen halben Punkt ab. Und das wird dann natürlich wieder auf 5 Punkte aufgerundet.

Das Buch ist sehr spannend, absolut ungewöhnlich (manchmal etwas wirr) und unvorhersehbar.
Es gibt ein unfassbares, aber stimmiges Ende.
Das aber auch nur sehr schwer zu begreifen ist.
Darin und in den ungewöhnlichen Erzählern sehe ich leider eine Gefahr, daß dieses Buch es vielleicht schwer haben wird. Denn einige Leser werden damit mehr Schwierigkeiten haben als ich und es dann nicht mehr so genießen können.
Mir hat es sehr gefallen und ich würde jedem raten, es auszuprobieren - und zu genießen!
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