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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Boyd...
Woran spürt man eigentlich, dass ein süffig geschriebener Roman mit Spionagenote, wirklich gut ist? Man könnte sagen, dass bei Boyd der Hauptprotagonist eine Person ist, mit der man sich gerne identifiziert, weil sie einen mitnimmt in eine Welt, die man mit ihm zusammen abenteuerlich erlebt. Man merkt es aber auch an der Nachwirkung, an dem wie der Roman...
Veröffentlicht am 12. März 2012 von A. Zanker

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsam distanziert
Die Hauptfigur des neuesten Romans von William Boyd ist der junge englische Schauspieler Lysander Rief, der ein sexuelles Problem hat und sich Abhilfe durch den Psychoanalytiker Dr. Bensimon verspricht. Zu diesem Zweck reist er nach Wien, wo er im Wartezimmer des besagten Doktors die geheimnisvolle Hettie Bull kennenlernt und der Künstlerin mit Haut und Haaren...
Veröffentlicht am 11. April 2012 von H. Gardner


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echter Boyd..., 12. März 2012
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Woran spürt man eigentlich, dass ein süffig geschriebener Roman mit Spionagenote, wirklich gut ist? Man könnte sagen, dass bei Boyd der Hauptprotagonist eine Person ist, mit der man sich gerne identifiziert, weil sie einen mitnimmt in eine Welt, die man mit ihm zusammen abenteuerlich erlebt. Man merkt es aber auch an der Nachwirkung, an dem wie der Roman noch ein einem weiter wirkt, schwingt und lebt. Boyd schafft es unübertrefflich, raffiniert zu komponieren, verschiedene Ebenen aufzublättern, wo am Ende wieder alles zusammen kommt, sprachlich gut geschrieben, mit einem subtilen Sog an Spannung, die sich mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr zu steigern schafft. Boyd gehört für mich schon längst zu jenem Genre, wo man sich auf den Autor verlassen kann, weiss dass der Autor sein Handwerkszeug beherrscht und gut geschriebene Unterhaltung, einer Prise Psychologie, und klasse gemachtem Plot eigentlich alles liefert, was einen Roman lesenswert macht.

Boyd erzählt aus zwei verschiedenen Erzählebenen. Zum einen der des Erzählers, zum Anderen aus der Ich-Perspektive, die wie ein Tagebuchstil anmutet, jeweils mit der Überschrift "Autobiographische Untersuchungen" einleitend. Wir sind in Wien im Jahre 1913, der junge englische Schauspieler Lysander Rief, nimmt sich eine Auszeit, reist von London nach Wien, begibt sich dort in psychoanalytische Behandlung bei Dr. Bensimon, der bei Freud seine Ausbildung genoss. Lysander hat Stress mit seiner Se*ualität und seiner Verlobten Blanche. Als er in der dortigen Praxis die attraktive Hettie kennen lernt, zu der er sich hingezogen fühlt, gerät Lysander in einen Strudel von Problemen, die sich zwischen Anschuldigung, Flucht, dem Versuch eine Beziehung aufzubauen, und der politischen Situation angesichts des nahenden 1. Weltkriegs ihn letztendlich immer tiefer in die Rolle eines Agenten drängt, obwohl seine berufliche Absicht eigentlich der Schauspielerei gilt. Lysander kämpft um sein Leben, erweist sich als vortrefflicher Agent, will die Mitte in sich selbst finden, und dann sind da noch verschiedene Frauen, zu denen er eine er*tische Anziehung verspürt...

Fazit: Ähnlich wie Einfache Gewitter, begeistert dieser Roman, durch einen sympathischen Protagonisten, mit dem man sich gerne identifiziert, und als Leser wie gemeinsam mit ihm zusammen die bestehenden Abenteuer und Prüfungen zu bestehen hat. Ein Roman der ein Licht auf die Zeit von 100 Jahren wirft und dies eindrücklich, anhand der beschriebenen Atmosphären schafft. Eine einfühlsame wie raffinierte Psychologie mit subtiler thrillerhafter Spannung verschafft diesem Roman einen Lesesog, den ich nicht oft bei Romanen finde, Boyd schafft das allemal. "Eine grosse Zeit", ist ein gut geschriebener Roman, der mit so mancher unvorhersehbaren Überraschung aufwartet und verblüfft. Eine Story, wo man bis zur letzten Seite mit Lysander bangt, hofft und nicht weiss, wie es letztendlich ausgehen wird. Man fiebert mit und wird regelrecht davon nicht mehr losgelassen. Boyd ist ein souveräner Autor, der sein Handwerk ganz einfach versteht und anständige Unterhaltung, in gut geschriebener Sprache liefert, Nachwirkung inklusive. Volle Punktzahl für eine klasse gemachte Story, die in einem noch weitergeht, obwohl man längst das Buch zugeschlagen hat..

Empfehlung.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein atmosphärisch dichtes Buch, 4. April 2012
Von 
Klara Fall "Die nackten Hausfrauen im Wind" - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ich habe schon mehrere Romane von William Boyd mit Begeisterung gelesen und freute mich deshalb schon auf "Eine große Zeit". Auch sein jüngstes Werk hat mir sehr gut gefallen und Boyd kann hier problemlos an bisherige Erfolge wie "Ruhelos", "Die neuen Bekenntnisse" oder "Eines Menschen Herz" anknüpfen.
Wieder spielt die Handlung in einem historisch wichtigen Abschnitt des 20. Jahrhunderts: Diesmal ist es die Zeit des Ersten Weltkrieges, wieder geht es um Spionage.
Der junge Schauspieler Lysander Rief aus London hat sich vor seiner Hochzeit mit einer Kollegin nach Wien begeben, um dort mit einem Experten der Psychoanalyse an einem heiklen Problem zu arbeiten. Im Wartezimmer des Psychiaters trifft er erstmals auf Miss Bull, die in jeglicher Hinsicht umwerfend und ziemlich hysterisch ist. Nachdem er sie häufiger trifft und sich die beiden immer näher kommen, löst sich zwar sein sexuelles Problem (das natürlich mit Schuld zu tun hat) auf, aber er wird tief in eine Sache verstrickt, aus der er sich nicht mehr selbst befreien kann. Er flüchtet aus Wien und wird zum Agenten rekrutiert - was in den Wirren des Krieges einiges an Schwierigkeiten mit sich bringt...

Mir gefällt Boyds Stil sehr gut und er trifft den Ton der Zeit in meinen Augen auch hervorragend. Ich konnte die Atmosphäre der Vorkriegs- und Kriegszeit sehr deutlich aufnehmen und hatte das Gefühl, in diese "große Zeit" der Wirren einzutauchen. Auch die Gestaltung der Charaktere ist sehr gut gelungen. Die Figuren sind weder platt noch überkandidelt - sie sind glaubhaft, wenngleich teilweise auch extrem (Miss Hettie Bull ist schon keine einfache Frau...) Auch die Probleme sind in meinen Augen nicht an den Haaren herbeigezogen - es war damals einfach eine andere Zeit und ich hatte schon das Gefühl, dass Boyd hier ausführlich recherchiert hat und die Atmosphäre einer bedeutenden Epoche sehr authentisch einfängt. Mich hat die Lektüre jedenfalls beeindruckt und ich bin gespannt auf den nächsten Boyd!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Roman, 14. März 2012
Von 
HeikeM - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
1913-1915. Lysander Rief, ein junger und kurz vor der Hochzeit stehender Schauspieler aus London, kam nach Wien, um sich durch eine Psychoanalyse seines sehr speziellen Problems zu entledigen. Im Wartezimmer von Dr. Bensimon lernte er Hettie Bull kennen und verliebte sich in sie. Hettie gewährte Lysander Eintritt die Wiener Künstlerszene und in ihr Bett, zeigte ihn dann aber wegen Vergewaltigung an. Zwei britische Agenten retteten ihn vor der Verurteilung und dem Gefängnis, fordern aber später Spionage für Großbritannien als Gegenleistung von ihm.
Mit "Eine große Zeit" ist William Boyd ein wirklich großer Roman gelungen. Spannung, Zeitgeschichte und Unterhaltung verbindet der Autor auf sehr gekonnte Art und Weise. So war es nicht schwer, die Zeit um 100 Jahre zurückzudrehen, um sich in Lysander Riefs Welt zu orientieren. Detailliert und authentisch beschreibt Boyd seine Handlungsorte und schon nach kurzer Lesezeit baute sich die Kulisse des Romans vor dem inneren Auge auf. Dem "Kopfkino" stand nichts mehr entgegen. Mit Lysander Rief wurde ein glaubwürdiger und sympathischer Held geschaffen, den man als Leser gern durch die Stationen seines Lebens begleitet, mit dem man mitfiebert und -hofft. Aber auch die anderen handelnden Personen waren gut gezeichnet und Kinder ihrer Zeit. Die Handlung war spannungsgeladen. Durch die zwei Erzählebenen, in einer berichtet ein Erzähler und in den "Autobiographischen Untersuchungen" schildert der Protagonist seine persönlichen Eindrücke, erhält der Leser eine komfortable Außen- und Innenwahrnehmung der Handlung und der Persönlichkeiten. Dadurch wurde es förmlich möglich mit den Protagonisten die Handlung zu erleben. Das Zusammenspiel von fein gezeichneten Charakteren, spannender Handlung und hervorragenden Beschreibungen von Ort und Zeit erfüllen den Zeitraum von 1913 - 1915 mit Leben und lassen den Leser in der Vergangenheit auftauchen, so dass er das Gefühl hat, Augenzeuge zu sein. So schafft er es auf beeindruckende Weise ein wirklichkeitsnahes Zeitgefühl zu vermitteln. Wie nebenbei erklärt der Autor dabei auch noch politische Hintergründe und den Stand der Technik zu Beginn des Ersten Weltkrieges.
Sprachlich ist der Roman von William Boyd auf einem hohen Niveau angesiedelt, kraftvoll und mitreißend, das findet man bei diesem Genre eher selten, deshalb ist es besonders erwähnenswert.
"Eine große Zeit" ist ein echter Boyd. Mich hat das Buch gefesselt und aufs angenehmste unterhalten. Dieser Roman bekommt meine uneingeschränkte Leseempfehlung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsam distanziert, 11. April 2012
Von 
H. Gardner - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Die Hauptfigur des neuesten Romans von William Boyd ist der junge englische Schauspieler Lysander Rief, der ein sexuelles Problem hat und sich Abhilfe durch den Psychoanalytiker Dr. Bensimon verspricht. Zu diesem Zweck reist er nach Wien, wo er im Wartezimmer des besagten Doktors die geheimnisvolle Hettie Bull kennenlernt und der Künstlerin mit Haut und Haaren verfällt. Daraus ergeben sich die verschiedensten Verwicklungen, zumal beide schon anderweitig gebunden sind. Im Zuge dessen kommen Mitarbeiter der englischen Botschaft, der Geheimdienst, mehrere attraktive Damen und hohe Militärs ins Spiel und auch Lysanders Mutter steht immer wieder im Vordergrund. Den historischen Rahmen liefert der beginnende Erste Weltkrieg, in dem Lysander ebenfalls eine kleine Rolle zugewiesen wird. Im Namen der Regierung hat er den Auftrag, einen Landesverräter zu enttarnen. Auf seinen zweckgebundenen Reisen lernt er anständige und weniger anständige Menschen kennen und stolpert von einem persönlichen Brennpunkt zum nächsten...

Es gibt Bücher, bei denen ich am liebsten nie ans Ende käme, so gut gefallen sie mir. Bei dem neuen Roman von William Boyd war das leider nicht der Fall. Dabei klang der Klappentext so vielschichtig wie tiefgründig. Entpuppt hat sich die Geschichte dann aber schnell als eine merkwürdige Ansammlung von Themen, die nicht recht zusammenpassen wollten. Jedenfalls nicht auf die Art und Weise, in der William Boyd sie miteinander zu verknüpfen versucht. Mal geht es auf einer Handvoll Seiten um den Parallelismus in der Psychoanalyse, dann liegt Lysander ebenso kurzzeitig im Schützengraben herum, um im nächsten Moment mit seiner Mutter einen gemütlichen Plausch in ihrem Garten zu halten. In regelmäßigen Abständen werden auch seine sexuellen Bedürfnisse und Ängste erneut aufgegriffen. So flapsig, wie ich es geschrieben habe, stellte sich mir persönlich die Handlung auch wirklich dar. Alles sehr oberflächlich und stark vereinfachend präsentiert. In letzter Zeit fallen mir immer öfter Romane in die Hände, die nicht sonderlich viel Umfang haben, aber umso mehr verschiedene "weltbewegende" Themen darin unterbringen wollen. Wo ist die packende Intensität so manch früherer Werke geblieben, wie z.B. bei Boyds "Eines Menschen Herz"? Keine positive Entwicklung!

Zwischendurch wechselt der Autor des Öfteren zwischen der Perspektive des Ich-Erzählers und der dritten Person. Erstere Passagen sind mit "Autobiographische Untersuchungen" überschrieben und sollen Lysander durch ihre Tagebuchform dabei helfen, sein Seelenleben leichter zu erforschen. Der tiefere Sinn dahinter erschloss sich mir jedoch nicht, da die betreffenden Textstellen für mich im Grunde nur eine geringfügig abgeänderte Wiederholung bereits geschilderter Ereignisse darstellten. Den Anfang und das Ende erzählt ein Unbekannter, dessen Identität im Dunkeln bleibt. Neben mehreren eingestreuten sinnfreien Gedichten von Lysander wirkten diese Besonderheiten im Erzählstil auf mich übertrieben künstlich und auf eine beinahe karikierende Art intellektuell. Ich fühlte mich von William Boyd etwas auf den Arm genommen und an sein Buch "Nat Tate" erinnert.

Zwei Dinge muss ich dem Autor jedoch lassen. Erstens hat er sehr gute Recherchearbeit geleistet, was die historischen Details in Bezug auf Mode, Essen und Getränke, Kunstströmungen und ähnliches anbelangt, zum Zweiten verfügt er über ein enorm ausgeprägtes, ästhetisch orientiertes Sprachgefühl und das Erzählte liest sich sehr angenehm. Eventuell hat er sich zu sehr auf seine Rahmenhandlung konzentriert, denn die Figuren des Romans bleiben allesamt blass und farblos. Leere Hüllen, die eine langweilige und arg konstruierte Handlung transportieren. Lysander habe ich seine etwas härteren Seiten nicht abgekauft, sowenig ließen sie sich für mich mit seinem ansonsten extrem weichen, manchmal weinerlichen Wesen vereinbaren. Auch hier hätte der Autor bessere Arbeit leisten können. Was Boyd seiner Leserschaft mit "Eine große Zeit" sagen will, ist mir schleierhaft. Das Buch hat mich leider emotional nicht im Geringsten angesprochen und ich gebe ihm nur aufgrund der zu Beginn des Absatzes angesprochenen positiven Aspekte gutgemeinte 3 Sterne.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein vielschichtiger, lesenswerter Roman, 11. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Nachdem mich schon der Roman 'Einfache Gewitter' von William Boyd schwer begeistert hat, habe ich mich mit großer Vorfreude auf seinen neuen Roman gestürzt. 'Eine große Zeit' (im Original: 'Waiting for sunrise') ist zur Zeit des 1. Weltkriegs angesiedelt, wobei sich der Leser auf eine Reise durch Europa - von Wien (1913) über London (1914) bis nach Genf (1915) - begibt.

Story:
Wien, August 1913: Der Londoner Lysander Ulrich Rief (seine Mutter ist Österreicherin) hat ein pikantes Problem, wofür er einen Spezialisten sucht. Diesen findet er in Dr. Bensinom, der seinen Sitz in Wien hat. Rief wirft seine Zukunftspläne über den Haufen, kratzt seine Ersparnisse zusammen und reist von London nach Wien. Sein Leben nimmt eine bedeutende Wendung, als er im Wartezimmer auf die Künstlerin Hetti Bull trifft, von der er den Blick nicht mehr lassen kann ('Die Augen eines Löwen [...]. Im Namen trug sie aber den Bullen.', S. 22). Ziemlich schnell ergibt sich daraus eine Affäre. Sein Leben nimmt plötzlich eine schicksalhafte Wendung, als er der Vergewaltigung von Hetti bezichtigt und verhaftet wird. Mit Hilfe der britischen Botschaft gelingt Rief die Flucht zurück nach London. Von hier an nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Rief, nach seiner Flucht nicht nur hoch verschuldet, steht tief in der Schuld der britischen Regierung. Um seine Schuld zu tilgen, nimmt er einen 'Spezialauftrag' an, der ihn in das beschauliche Genf führt. Dabei deckt er nach und nach ein Netzwerk aus Abhängigkeiten und Lügen auf. Wem kann er noch trauen?

Kritik:
Boyds Roman ist wortgewaltig von der ersten Seite an. Seine Beschreibungen sind intensiv und detailreich, jedoch so authentisch und bildhaft (z. B. 'zitronengelbes Sonnenlicht', 'ochsenblutrote Schuhe'), dass man das Gefühl hat, man würde sich direkt vor Ort befinden: 'Auf der Bank im Hofgarten [...| auf der er [...] gesessen und in einem Anfall rasender Unentschlossenheit ein Blumenbeet angestarrt hatte.' (S. 13). Der Roman wartet zudem mit vielen unerwarteten Wendungen auf und stellt die sympathische und vielschichtige Figur des Lysander Rief vor eine Vielzahl von Herausforderungen, die er meistern muss. Besonders sind auch die kleine Details, die gekonnt in die Handlung einfließen, z. B. die 'zufällige' Begegnung Riefs mit Sigmund Freud in einem Café-Haus. Im Vergleich zu 'Einfache Gewitter' ist der Roman jedoch an einigen Stellen etwas ausschweifend und daher nicht immer ganz so fesselnd.
Daher: 4 von 5 Sternen.

Fazit:
'Eine große Zeit' ist eine gelungene Mischung aus Psychoanalyse und Spionageroman inszeniert vor der Kulisse des 1. Weltkrieges. Einzigartig und absolut lesenswert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Roman, 13. März 2012
Von 
Marius (Augsburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Er ist zweifelsohne einer der größten lebenden englischsprachigen Autoren der Gegenwart: die Rede ist von William Boyd, einem wahren Kosmopoliten, der das Spiel mit den literarischen Genres beherrscht wie kaum ein anderer zeitgenössischen Autor. Pünktlich zu seinem 60. Geburtstag legt er, drei Jahre nach dem Thriller "Einfache Gewitter", wieder einen großen Roman vor, der gekonnt mit den Sujets Spionage, Psychoanalyse und Erster Weltkrieg spielt.

Manch ein Leser mag aktuell an den Kinofilm "Eine dunkle Begierde" von David Cronenberg denken, wenn man die ersten 100 Seiten von "Eine große Zeit" liest. Der junge Schauspieler Lysander Rief, halb Österreicher, halb Brite, kommt 1913 in das brodelnde Wien, die Stadt der Zwölftonmusik und Sigmund Freuds, um sich dort einer Psychoanalyse bei Dr. Bensimon zu unterziehen. Ein delikates Problem im Bereich unterhalb der Gürtellinie plagt ihn und er hofft bei dem britischen Psychoanalytiker Heilung zu finden. Doch die Gespräche mit Dr. Bensimon werden allmählich von der Obsession einer Mitpatientin überschattet. Denn Hettie Bull, die bei Dr. Bensimon ebenfalls in Behandlung ist, zieht Lysander schon bald völlig in ihren Bann und hinein in das ausschweifende Wiener Künstlerleben. Schon bald beginnt Lysander eine leidenschaftliche Affäre mit Hettie und wird in eine für ihn unbekannte Situation gestürzt. Doch die Liaison währt nicht lange, denn Lysander muss nach seiner Verhaftung aus dem Vorkriegs-Wien mithilfe zweier britischer Agenten fliehen und wird in ein turbulentes Spiel um Spionage und Identität gestürzt.

Das Thema der Selbstbehauptung wider alle Umstände durchzieht die Werke William Boyds wie ein roter Faden und wird selbstverständlich auch in "Eine große Zeit" aufgegriffen. Nach seiner Flucht aus Wien wird Lysander, von Selbstzweifeln geplagt, von den beiden Agenten, die ihm bei seinem Entkommen halfen, als Spion für England rekrutiert und muss in den Wirren, die durch das Aufrüsten eines ganzen Kontinents bedingt sind, seiner Selbst treu bleiben. Boyd stürzt seinen Protagonisten in einen Strudel aus Geschehnissen, der ihn von Wien über England bis nach Genf führt, und in dem er von einem adoleszenten, unbedarften Jungen zu einem Spion reift, der sich zwischen den Kriegsparteien und seinen widerstreitenden Gefühlen behaupten muss. Boyd strukturiert das Buch in mehrere Teile und lässt uns intensiv am Seelenleben seines Helden teilnehmen, da Lysander während des Romans ständig eine Art Psychoanalyse-Tagebuch führt, in dem er aus der Ich-Perspektive einen weiteren Blickwinkel auf die Geschehnisse erlaubt.
Was mir bei allen Romanen William Boyds besonders gefällt ist die Tatsache, dass er es immer schafft, glaubwürdige Charaktere in einer wirklich spannenden Erzählung zu verankern, die sowohl Krimifans als auch Freunde der anspruchsvolleren Literatur zufriedenstellen dürfte. Auch bei "Eine große Zeit" gelingt es dem Engländer wieder hervorragend, mit Lysander Rief eine authentische Figur zu kreieren und diese in eine spannendes Umfeld einer Welt im Umbruch zu setzen.
Wer sich nach "Einfache Gewitter" und "Ruhelos" fragte, ob es William Boyd gelingen würde, wieder ein rundes und aufregendes Werk zu schaffen, der dürfte sich mit "Eine große Zeit" bestätigt fühlen. Das Werk ist zweifelsohne erneut "Ein großer Roman", dem man jedem Freund guter Literatur und spannender Geschichten mühelos ans Herz legen kann. Für mich steht nach der Lektüre fest: egal ob Afrika, London, Zeitgeschichte oder Vergangenheit - ich folge William Boyd überall gerne hin und hoffe, das er uns noch viele Romane dieser Qualität schenkt!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Clever, lebendig und spannend geschrieben: eine mitreißende Geschichte über James Bonds Großväter im Geheimdienst Ihrer Majestät, 2. November 2013
Von 
FG "fg" (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Sommer 1913 reist Lysander Rief, ein junger britischer Schauspieler, in die Hauptstadt Österreich-Ungarns. Leidlich erfolgreich, attraktiv und mit einer adretten Aktrice verlobt, scheint Rief keine weltbewegenden Probleme zu kennen bis auf eines: In Wien soll ihm ein renommierter Seelenarzt helfen, eine delikate Erkrankung, vermutlich mit psychischen Ursachen, zu kurieren. Noch in seinen ersten Tagen in der Donaumetropole begegnet Rief in der Praxis des Arztes neben einem britischen Offizier der quirligen, lebenslustigen und hochspontanen Hettie Bull. Was sich anfangs als persönliche, dramatische Geschichte von Vernarrtheit und Ehebruch entwickelt, bekommt in den Tagen des herannahenden Weltkrieges eine politische Dimension, und der Leser kann Lysander Riefs Spur durch England, Frankreich und die Schweiz verfolgen. Der Show-down dieser Geschichte von Verrat und Täuschung soll jedoch Jahre später in London stattfinden.

Zuerst: „Eine große Zeit“ ist ganz ohne Zweifel ein cleveres, fesselndes Buch - und es liest sich wie geschnitten Brot.

Allem voran begeistern interessante Figuren, eine dichte, mit viel Mühe beschriebene Atmosphäre und ein Handlungsfaden, der es beinah unmöglich macht, das Buch wieder hinzulegen. Boyd verwendet viel Zeit auf die detailgetreue Schilderung des Gesamtbildes. Kleidung, Architektur, Landschaft, nichts wirkt schablonenhaft, sondern alles trägt zu der Lebendigkeit der Geschichte bei („Sie trug ein magentarotes Stadtkostüm mit taillenkurzer Jacke und Humpelrock. Im Ausschnitt ihrer Seidenbluse steckte ein Nickituch, ein violettrotes Samtbarett, dunkler als ihr Kostüm, saß schräg auf ihrem Kopf.“, S. 385). Coole Gestalten wie Lysanders Onkel Hamo - Offizier, Kriegsheld, Forscher, Schriftsteller, leicht introvertiert und in wilder Ehe mit seinem westafrikanischen Assistenten Femi lebend – sind wirklich ein Gewinn und machen es außerordentlich einfach, in Lysander Riefs Europa anno 1913 einzutauchen.

Freunde einer realitätsnahen Geschichte werden trotzdem etwas zu kritisieren finden. Manche Wendung in der Handlung geschieht zu abrupt und öfter als einmal frug ich mich, wie Rief (der Schauspieler!) zu den Dingen in der Lage ist, die er im Dienste ihrer Majestät plötzlich tut. Irgendwo im Klappentext heißt es, es gehe um einen Spionageroman und um die „Erkundung der Tiefen menschlicher Psyche“. Damit tut man Boyd Unrecht, wie ich finde. Atmosphäre, lebendige Figuren, Spannung, komplette, sehr authentische Biographien aus dem Nichts erzeugen, das kann er großartig. Ernsthafte Innenschau und tiefe Erkenntnis sind eher nicht sein Metier. Und so darf Boyd Sätze schreiben, die auch ein bisschen trivial sind, im Kontext aber nicht so wirken (S. 429):

„Sind wir nicht alle Schauspieler? Zumindest in unseren wachen Stunden. [..] Niemand kann sagen, was echt ist. Darüber gibt es keine Gewissheit.“
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Spion, der aus … Österreich kam, 13. August 2013
Von 
Sommerwind - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
William Boyds Roman „Eine große Zeit“ (engl. Orig. "Waiting for Sunrise", 2012) ist eine gekonnte Mischung aus Liebes-, Kriminal- und Gesellschaftsroman. Wie nahezu alle Romane des 1952 in Ghana geborenen Schriftstellers.

Im Mittelpunkt steht der englische Schauspieler Lysander Rief, der sich für eine Psychoanalyse nach Wien begibt und dort einer ruchlosen Kindfrau verfällt. Deren Intrigen machen die Flucht aus Wien mit Hilfe englischer Diplomaten notwendig. Die wiederum lassen sich ihre Unterstützung einiges kosten. Lysander Rief wird zwangsverpflichtet und dient der Krone fortan als Geheimagent. Diesseits und jenseits des Kanals. Gefahren, erotische Verwicklungen und schmerzhafte Verluste säumen seinen Lebensweg. Am Ende steht ein verhaltenes „Happy End“.

All das wird von Boyd mit viel Verve und Lust am Fabulieren, mit viel Gespür für Atmosphären und Atmosphärisches erzählt – einzig die Glaubwürdigkeit erleidet den einen oder anderen Lackschaden, vor allem gegen Ende der Erzählung. Das schmälert das Lesevergnügen aber nicht im Geringsten: "Eine große Zeit" ist unglaublich spannend, farbenfroh, abwechslungsreich, niveauvoll und elegant. Ein echter Boyd und ein absolut lesenswerter "europäischer" Unterhaltungsroman.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hier schreibt einer, der schreiben kann, 22. Juni 2012
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ein gutes Buch ist was Wunderbares. Eine spannende, logisch strukturierte, toll erzählte Geschichte mit sympathischen Charakteren, für die man genau die richtigen Gefühle empfindet, lassen schnödes Papier zwischen zwei Buchdeckeln zum Leben erwecken. Unter dem Berg an jährlichen Neuerscheinungen befindet sich natürlich viel qualitativer Mist. Es ist schön, wenn manche Schriftsteller eine sichere Bank bieten und man sich beim Kauf des neuen Werkes sicher sein kann, dass einem ein Leseerlebnis der besonderen Art erwartet. Ein solches bietet "Eine große Zeit" von William Boyd.

Nach seinen letzten wahrlich großartigen Romanen "Einfache Gewitter", "Ruhelos" und dem brillanten "Eines Menschen Herz" entführt uns der Fabuliermeister ins Wien der 1910er Jahre und lässt uns am Leben seines Protagonisten Lysander Rief teilhaben. Besagter Schauspieler ist aus London in die österreichische Hauptstadt gereist, da er ein pikantes Problem hat und dies vor seiner Hochzeit gerne geklärt wissen möchte. Als er im Wartezimmer des Psychiaters Dr. Bensimon auf Hettie trifft, verändert sich sein Leben schlagartig...

Boyds Schreibstil ist nach wie vor herausragend. Die Kunst mit Sätzen zu jonglieren, in ihnen mehr als nur den vermeintlich eindeutigen Inhalt zu verbergen und nebenbei einen vielschichtigen Charakter mit all seinen Schwächen und Stärken vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen, beherrscht er gekonnt. Kurz: Das Lesen macht Spaß. Die Seiten fliegen einem durch die Finger. Sie werden wissen wollen, wie die Geschichte ihr Ende finden wird. Boyd lässt seinen Protagonisten eine Art Gedankentagebuch (die "Autobiographischen Untersuchungen") schreiben, in dem er notieren soll, was ihn bewegt, was er denkt und fühlt. Durch diesen Clou ist der Leser noch dichter am eigentlich Geschehen und blickt ganz tief in eine (kaputte) Seele. Auch die Beschreibung von Wien mit seinen Bewohnern ist atmosphärisch so dicht, dass Sie stellenweise den Eindruck haben werden, dass William Boyd eine Zeitmaschine entwickelt und Sie mit nach Wien der 1910er Jahre genommen hat.

"Eine große Zeit" entwickelt sich nach und nach zu einem Agenten-/Spionageroman, in dem Lysander einige Abenteuer zu bestehen hat. Diese Komponente ist ein stilistischer Bruch in der Geschichte, der sich zweifelsohne spannend liest. Leider hält sich meine Begeisterung für dieses Subgenre des Thrillers arg in Grenzen, wodurch meine vorherige überbordende Begeisterung etwas gedämpft wurde. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch in der zweiten Hälfte des Romans ist er ausgesprochen lesenswert, verliert für mich aber ein wenig im Vergleich zum tollen Anfang.

William Boyd ist mit "Eine große Zeit" ein interessanter, literarisch niveauvoller Pyscho-/Spionageroman gelungen, der stes unterhält, wahnsinnig gut geschrieben und fesselnd ist. Er kann schreiben, der Mr. Boyd. Der Beweis: "Eine große Zeit".
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Ahnung, wie William Boyd das macht, aber er macht es gut ..., 6. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Eine große Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bis heute habe ich nicht herausgefunden, was mich an den Büchern von William Boyd so fasziniert. Aber irgendwas muss ja dran sein. Wie immer war es kein reißender Roman, aber ein spannender. Ein Buch, dass zu überzeugen weiß, ohne dass man weiß, warum.

William Boyd, 1952 geboren, verbrachte seine Kindheit als Sohn schottischer Eltern vorwiegend in Afrika. Er studierte Französisch, Englisch und Philosophie an verschiedenen Universitäten.
Seit Anfang der 1980er Jahre schreibt und veröffentlicht er Bücher, wobei ihm in Deutschland sein Roman "Ruhelos" bekannt machte. Neben seinen Romanen schreibt Boyd auch Erzählungen und Drehbücher.
Er lebt heute abwechselnd mit seiner Familie abwechselnd in England und Frankreich und hat den Weinbau für sich entdeckt.

Zum Buch:

In den Jahren 1913-1915 kommt Lysander Rief, ein junger und kurz vor der Hochzeit stehender Schauspieler, aus London nach Wien, um sich einer Psychoanalyse zu unterziehen. Dabei lernt er Hettie Bull kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Nach rauschhaften Erlebnissen mit Hettie und in der Künstlerwelt landet er im Gefängnis. Durch zwei britische Agenten wird er vor einem Skandal gerettet. Einige Zeit später fordern diese jedoch eine Gegenleistung von ihm.

Lysander Rief bewegt sich wischen Wien und London und gerät zwischen die Fronten des Ersten Weltkriegs. Im Hintergrund scheinen sich alle Ereignisse für Lysander miteinander zu verbinden. Aber wer steckt dahinter?

Der Roman arbeitet mit zwei Erzählebenen. In der einen wird über Lysander berichtet, in den "Autobiographischen Untersuchungen" dagegen, kommt Lysander selbst zu Wort. Dies ist eher selten in der Literatur zu finden, versetzt aber den Leser in die Lage, besser mit Lysander mitfühlen zu können. Man erlebt die Handlung als Betroffener quasi mit.
Die Zeit vor und während des ersten Weltkriegs wird sehr gut dargestellt und die Handlungsorte sind hervorragend beschrieben. William Boyd lässt eine Welt vor dem inneren Auge entstehen.

Sprachlich gesehen bewegt sich Boyd wie immer sicher durch sein Buch. Häufig auf hohem Niveau, dabei aber trotzdem gut lesbar. Die Übersetzung ins Deutsche kam mir jedoch an einigen Stellen recht hölzern vor.

Die Hauptcharaktere sind wunderbar gezeichnet, nur mit Hettie hatte ich so persönlich meine Probleme. Ihre Handlungen schienen mir trotz gelieferter Begründung an den Haaren herbeigezogen.
Lysanders Mutter dagegen, sein Onkel oder seine Pensionsmitbewohner in Wien dagegen sind mir im Gedächtnis geblieben.

Eine atemlose Spannung wird in meinen Augen nicht aufgebaut. Unbestreitbar ist jedoch, dass ein Spannungsboden gespannt wird. Erst am Schluss des Buches wird diese Spannung thrillerartig aufgelöst. Ich kann die Einordnung in den Thriller-Bereich ehrlicherweise aber nicht nachvollziehen.

Und trotzdem große Kunst, wie ich finde. Wie eingangs schon erwähnt. Ich habe keine Ahnung, wie er es macht, aber er macht es gut.
"Eine große Zeit" kann nicht ganz mit anderen Büchern William Boyds mithalten, erhält von mir aber trotzdem gute 4 Sterne.

Zur Wertung:

Originalität: ***
Charakterzeichnung: ****
Handlung: ****
Sprache: ****
Humor: *
Gesamtwertung: 4 / 5
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Eine große Zeit: Roman
Eine große Zeit: Roman von William Boyd (Taschenbuch - 13. August 2013)
EUR 9,99
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