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Kundenrezensionen

38
4,3 von 5 Sternen
Vom Atmen unter Wasser: Roman
Format: TaschenbuchÄndern
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. August 2010
Zuerst war der Film: Vom Atmen unter Wasser" und Lisa-Marie Dickreiter schrieb das Drehbuch dazu. Dass sie parallel dazu aus derselben Geschichte auch einen Roman entstehen ließ, war eine beglückende Eingabe und Idee, denn das, was Filme auslassen, können Worte erreichen - die Einbeziehung der eigenen Phantasie, des selbst Erlebten: ein ganz besondere Buch.

Vom Atmen unter Wasser" erzählt in einer ungewohnt präzisen, fesselnden Sprache vom Auseinanderbrechen einer Familie, in die der Tod von Sarah, der 16jährigen Tochter, wie ein Erdbeben eingebrochen ist - und nichts mehr so sein lässt, wie es einmal war.
Jeder der drei Protagonisten erlebt dieses Verbrechen, das nur aus den Gedankenfetzen der Mutter Anne noch einmal rekonstruiert wird, völlig anders und abgetrennt vom anderen:
Anne begeht am 1. Todestag von Sarah einen Suizidversuch und soll nun, auf Wunsch des Vaters Jo, der der unstillbaren Trauer seiner Frau völlig hilflos gegenüber steht, von Simon, dem gemeinsam Sohn, der das Elternhaus bereits verlassen hatte, beschützt werden.

Simon, der immer im Schatten seiner kleineren Schwester stand, und - unglaublich schön erzählt auf den ersten Seiten des Romans - als Kind einen Versuch machte, sich dieser kleinen, ungeliebten Schwester zu entledigen - zieht in das Elternhaus zurück und versucht auf seine Weise, mit Anne in Kontakt zu treten, sich ihr in ihrer Trauer zu nähern.

Für mich, die ich selbst trauernde Mutter bin und weiß, wie sich der Verlust eine Kindes anfühlt, sind die Szenen des Buches, die die Trauer von Anne und ihre Angst, Sarah könnte verloren gehen", aus der Welt fallen, so wie Anne selbst aus dieser Welt gefallen ist das Eindringlichste, Berührendste und Schönste, was ich seit langem gelesen habe: Wenn Anne im Keller des Hauses den Wäschekorb, den sie vor den anderen versteckt hält, öffnet und die Wäschestücke, die Sarah getragen hat, einatmet, dann wird Trauer" sichtbar gemacht und ihr Ausmaß schmerzhaft erfahrbar!
Wenn Anne weiterhin mit Sarah spricht, Sarah dem kleinen Mädchen, Sarah am Abend des Mordes, als sie sich für die Party fertig macht und das Haus verlässt, dann ahnt man, dass dieses Nichtloslassenwollen", diese imaginäre Verbundenheit - ein wesentlicher Bestandteil der Trauer ist.
Jo hat den Zugang zu seiner Frau völlig verloren und aufgegeben. Simon gelingt er über ein gemeinsames Filmprojekt über Sarah und dieses Mutter-Sohn-Projekt" ist berührend schön geschrieben! Für kurze Zeit kann Simon Anne erreichen, dann trennen sich auch die Welten von Mutter und Sohn.

Hier noch einmal der kleine Monolog, der mich besonders berührt:
Anne (in die Videokamera von Simon):

Manchmal hab ich einen sehr schönen Traum. Ich lauf durch die Strassen und zieh einen Koffer hinter mir her. Wenn mich etwas an Sarah erinnert, dann pack ich es ein. Eine Stimme... ein Lachen... dieselbe Haarfarbe...Ich finde immer mehr, mein Koffer füllt sich, wird schwer. Ich bin glücklich.
Ich geb dann den vollen Koffer am Friedhof ab, und da steht sie am Tor und wartet auf mich. Ich wink und renn auf sie zu. Und sie steht da und lächelt. Ich renn schneller - dann wach ich auf."

Unsere Gesellschaft ist sich offenbar darin einig, dass der Tod eines Kindes das Schrecklichste ist, was einer Familie, einer Mutter, einem Vater widerfahren kann. In der konkreten Konfrontation allerdings erweisen sich eben diese Menschen sehr oft als unfähig zum entsprechenden Verständnis und der notwendigen Toleranz.
Dass es einer jungen Autorin gelingt, ein Familienschicksal so authentisch und überzeugend in einer immer wieder überwältigenden Sprache niederzuschreiben, das grenzt für mich an ein buchstäbliches Wunder. Ich möchte dieses Buch vor allem auch Menschen in der Trauer sehr ans Herz legen. Unter meinen Büchern hat es schon jetzt einen besonderen Platz!

Ich hoffe, dass wir von Lisa-Marie Dickreiter noch viel zu lesen bekommen und freue mich auf das nächste Werk von ihr! Danke, liebe Lisa-Marie Dickreiter für dies herausragende Buch!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. März 2012
Meine Meinung:
Erster Satz: Mit sieben Jahren beschloss ich, meine kleine Schwester für immer loszuwerden.

Dieser allererste Satz klang für mich sehr spannend und ich habe mich sehr gefreut dieses Buch zu lesen. Aber als ich dann die weiteren Seiten gelesen habe, war das Buch so öde geschrieben. Vorallem mit dem Schreibstil kam ich überhaupt nicht zurecht. Die Autorin schreibt so kurze Sätze, das man echt bei jedem Satz nachdenken muss, was sie dir eigentlich damit sagen will. An sich ist das eine schöne und traurige Geschichte, aber man hätte das viel weiter ausbauen können. Das Buch wird aus der Sicht des Sohnes, der Mutter und des Vater erzählt. Alle drei Charakter erzählen ihre Trauer und wie sie mit dem Tod von Sarah umgehen. In diesem Buch passiert nichts wirklich Überraschendes, darum habe ich auch schnell die Lust an dem Buch verloren. Ich habe mich dennoch durch das Buch gequält in der Hoffnung am Ende passiert noch etwas. Das Ende war dann doch ergreifend, aber nicht sonderlich überraschend. Ich denke mal das sich viele für solche Themen wie in diesem Buch interessieren, aber der Schreibstil ist einfach sehr anstrengend und langatmig.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. August 2010
Über die Geschichte wurde schon viel gesagt: ein Jahr, nachdem die 16jährige Sarah ermordet wurde, suchen ihre Eltern Anne und Jo und ihr älterer Bruder Simon nach einem Weg, mit ihrer Trauer weiterzuleben. Bald wird deutlich, dass sie dabei nicht als Familie handeln, sondern dass sich jeder der drei etwas anderes wünscht. Anne möchte alles bewahren, was ihre Tochter in ihren Gedanken lebendig erhält, und reagiert mit Verzweiflung und Wut auf jeden, der ihr etwas wegzunehmen scheint. Jo kämpft darum, im Alltag so etwas wie Normalität aufrecht zu erhalten, hat sich innerlich aber schon weit zurückgezogen. Und Simon, der immer im Schatten der Schwester stand und die Familie eigentlich schon verlassen hatte, lässt sich von seinem Vater als Hüter seiner Mutter einspannen, findet tatsächlich Zugang zu ihr und ihrer Trauer und wird so immer stärker mit der Aggession konfrontiert, die sich in dieser Trauer verbirgt.

Was mich an "Vom Atmen unter Wasser" so fasziniert, ist die Sicherheit und Präzision, mit der Lisa-Marie Dickreiter diese drei Personen für uns zum Leben erweckt. Da gibt es keinen falschen Ton, keine unnötige Erklärung, keine einzige weichgespülte Kante - und vor allem: keine Parteinahme. Wir sehen die drei Personen agieren, wir erleben mit, wie sie sich gegenseitig verletzen; wir werden genau so unmittelbar mit ihrer Situation konfrontiert wie sie, so dass die Frage, wer von ihnen "im Recht" ist, sinnlos wird.

Dass es dem Roman gelingt, uns so tief in die Geschichte hineinzuziehen, liegt vor allem an der wunderbar genauen Sprache, die auf den ersten Blick so schlicht wirkt, in Wirklichkeit aber mit großer Sorgfalt komponiert wurde, mit einem feinen Gehör für Rhythmus und einem klaren Blick für das Wesentliche. So gut mir der Film mit Andrea Sawatzki als Anne gefallen hat - für mich erzählt der Roman die Geschichte der Bergmanns neu und anders, mit Mitteln, die nur einem Roman zur Verfügung stehen. Ein unbedingt lesenswertes Buch.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. August 2010
Nichts ist in Ordnung in der Familie Bergmann.

Vor einem Jahr ist die sechzehnjährige Sarah auf dem Heimweg von einer Party ermordet worden. Jetzt, als das Leben einigermaßen seinen Weg zu gehen scheint, schneidet Anne Bergmann sich die Pulsadern auf. Ihr Mann Jo, hilflos, bittet Sohn Simon, wieder zu Hause einzuziehen und seiner Mutter beizustehen. Und so unterbricht Simon sein Studium und kehrt ins Elternhaus zurück.
"Ach Mama ... Ich hab gedacht, es geht dir besser ..."
Das Haus, das seine Mutter, gefangen in ihrer Trauer, zu einem Schrein für Sarah gemacht; das Haus, in dem er seit der Geburt seiner Schwester die zweite Geige gespielt hat. Und während seine Eltern kaum zu normaler Kommunikation fähig sind, gelingt es ihm langsam, die Mauer aufzubrechen. Er, der Zwanzigjährige, geht dabei bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit und erweist sich als reifer als die, die ihn in ein erwachsenes Leben geleiten sollten.

Ein brutaler Mord, eine Familie, die lernen muss, damit weiterzuleben.
"Ich will so nicht weiterleben."
Kein schönes Thema, auf den ersten Blick.
Kein Buch, das man mal eben als Lesefutter vernascht.
Ein Coverbild, das Beklemmung erzeugt: Ein leeres Bett, die Falten des Lakens wirken wie Wellen; kaputte Stofftiere, glühende Augen im Dunkeln.
Ein Buch, das berührt, das unter die Haut geht. Sätze, die mit präzisem Werkzeug herausgemeißelt scheinen, jedes Wort an seinem Platz, kein Wort zu viel, der Text verdichtet, nichts wird aufgebläht.
Es gelingt der Autorin, uns die Protagonisten so nahe zu bringen, als wären wir selbst ein Teil der Familie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive von Anne, Jo und Simon erzählt, ihre Namen stehen als Kapitelüberschrift, im Text wird der Perspektivträger nicht mehr namentlich genannt. Der Leser folgt der Figur, als wäre er mit einer unsichtbaren Kamera auf ihrer Spur und erlebt die Gefühle hautnah mit.
Die stummen Vorwürfe, die Schuldzuweisungen, die Verletzungen. Man möchte die Protagonisten schütteln beim Lesen, ihnen zurufen: "Jetzt redet doch endlich miteinander!"
Auch Sarah, obwohl tot, ist sehr präsent. In kurzen, kursiv abgesetzten Rückblenden und Dialogfetzen wird aus der anfänglichen Skizze des ermordeten Engels ein Teenager aus Fleisch und Blut, mit Ecken und Kanten, und sie ist nicht die kleine Göttin auf dem Podest, zu der ihre Mutter sie in ihrem Gedenken erhoben hat.
"Nichts kann ich festhalten."

Lisa-Marie Dickreiter hat Drehbuch studiert und ihr Sinn für Dramaturgie ist in jeder Zeile, in jedem mit präziser Absicht gesetzten Absatz spürbar. Innerhalb jedes Kapitels steigert sie die Spannung und das ganze Buch läuft auf einen unerwarteten Höhepunkt hinaus. Nach dem Lesen fragte ich mich, wie so viel von allem, Emotionen, Handlungshöhepunkte, Bilder, auch durchaus komische Szenen in dieses auf den ersten Blick kurze Werk passen können.
Selbst nach dem Zuklappen des Buches konnte ich es nicht einfach abschütteln und zur nächsten Lektüre übergehen. Aber wer sagt denn, dass man das muss?
Es bietet sich geradezu an, nach Seite 272 wieder zu Seite 1 zurück zu blättern und es ein zweites Mal zu lesen.
Schon während Lisa-Marie Dickreiter an dem Roman arbeitete, konnte sie vier Arbeits- und Aufenthaltsstipendien dafür gewinnen, und aktuell ist der Roman für den Klaus-Michael Kühne Preis nominiert, der im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals verliehen werden wird.
Auf weitere Bücher aus ihrer Feder bin ich sehr gespannt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2012
Da schon viel geschrieben wurde, hier nur eins: mir ist die Sprache und Beobachtung zu präzise, irgendwann verliert man den Faden, weil man selbst nur noch beobachtet, da so wenige echte, ungefilterte, lebendige Gefühle vorkommen, kann man auch selbst kaum Gefühle dabei haben, so zumindest ging es mir. Die Menschen darin sind trotz heftiger Ausbrüche ständig gebremst, festgezogene Handbremse und dann fahren, so kommt es mir vor.
Aber vielleicht ist das beabsichtigt: die Erstarrung wird nicht oder nur kaum gelöst. Auch wenn jede Menge passiert im Buch, am Ende sind die Menschen innerlich bis auf Nuancen genau dort wo sie am Anfang waren. Vielleicht muss der Augenmerk auf den Nuancen liegen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Februar 2012
Klappentext:
Ein Jahr ist vergangen, seit Sarah, die sechzehnjährige Tochter der Bergmanns, ermordet wurde. Inzwischen ist der Täter verurteilt, das Leben geht wieder seinen normalen Gang. Für alle ' bis auf die Bergmanns. Was geschieht mit denen, die zurückbleiben, die nicht einfach so weitermachen können? Mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen entwirft Lisa-Marie Dickreiter das intime Porträt einer Familie, die am Verlust der Tochter zu zerbrechen droht.

Meine Meinung:
Das Buch beschreibt die Welt der Familie Bergmann ein Jahr nachdem die 16-jährige Sarah ermordet wurde. Die Vorkommnisse haben alle verändert und trotzdem versuchen sie wieder im Leben anzukommen. Simon, der Bruder von Sarah, setzt sein Medizinstudium fort, versucht durch das Lernen Ablenkung zu finden, der Vater geht seiner Arbeit als Bewährungshelfer nach und versucht so, den Alltag wieder näher zu kommen. Nur die Mutter findet kein Ventil für ihre Verzweiflung, ihre Trauer nimmt überhand und sie wird nach einem Selbstmordversuch in eine Klinik eingeliefert.
Wieder wird das Leben aller Beteiligten erschüttert, die Dinge ändern sich und jedes Klammern an den Alltag mag nicht so wirklich gelingen.
Simon, der eigentlich in einem Studentenwohnheim wohnt, zieht wieder zu Hause ein, um ein Auge auf seine Mutter zu haben, während der Vater bei der Arbeit ist. Zwischen Selbstaufgabe und ständiger Rücksichtnahme, versuchen alle langsam einen Weg für sich selbst zu finden.

Die Geschichte wird aus der Sicht der drei Familienmitglieder erzählt, jeder kommt abwechselnd zu Wort und erzählt über sein Leben und die Veränderung seit dem Tod von Sarah.
Mutter Anne vergräbt sich in ihrer Trauer und Verzweiflung, schließt ihren Sohn und Mann vollkommen aus und verbringt ihre Tage mit Erinnerungen an Sarah.
Vater Jo sehnt sich nach der Familie, die sie einmal waren, nach Geborgenheit und Liebe. Dem Gefühl von verstanden werden, doch scheint es unerreichbar, so dass er andere Weg wählen muss, um zu erreichen, wonach er sich sehnt.
Simon nimmt sich nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter ein Urlaubssemester, wobei dies eher geschieht, weil sein Vater ziemlichen Druck auf ihn ausübt. Er versucht zu seiner Mutter vorzudringen, möchte ihr den Schmerz nehmen und scheitert doch immer wieder. Die Beziehung zu seinem Vater ist eher doch Ablehnung und Enttäuschung geprägt. In meinen Augen verlangt sein Vater auch einfach viel zu viel von dem gerade erst 20-jährigen. Natürlich ist es verständlich, dass untereinander Rücksichtnahme herrschen sollte, aber sein Vater entzieht sich oft Situationen und lastet sie Simon auf, vielleicht weil er sie selbst nicht ertragen kann, nicht weiß wie damit umgehen, aber sie deswegen dem Sohn aufzulasten, wahrscheinlich nicht der richtige Weg, wobei es eine Extremsituation ist, so dass vermutlich jeder so reagiert, wie er kann. Mir als Leser kamen einige Handlungen von Jo und Anne ziemlich egoistisch vor, da besonders Simon immer zwischen den Parteien stand und nicht wusste wohin. Besonders seine Zerrissenheit war für mich deutlich wahrnehmbar, seine Eltern scheinen ihn beinahe zu vergessen, sind zu sehr auf sich bedacht. Klar, jeder muss seinen Weg zurück ins Leben finden, durchaus mal egoistisch sein, aber dabei den Sohn komplett außer Acht lassen? Es war auf der einen Seite verständlich, auf der anderen wieder nicht, wobei man bei so einer Geschichte vermutlich nie wirklich etwas versteht, solange man solch eine Situation nicht selbst erlebt hat.

Was mich ein wenig gestört hat, war die fehlende Emotion, während des Lesens fühlte ich nicht sonderlich mit den Beteiligten mit. Die Gefühle sind nicht wirklich zu mir durchgedrungen.
Trotzdem was das Buch einzigartig, weil es die Zerstörung einer Familie in Worte fasst, die mich als Leser ziemlich erschüttert hinterlassen haben. Möchte nicht sagen 'Die Geschichte ist gut', weil es irgendwie nicht passt, viel eher ist sie beklemmend, beklemmend realistisch.

Fazit:
'Vom Atmen unter Wasser' behandelt kein leichtes Thema und doch gelingt es der Autorin, Worte für das Unaussprechliche zu finden. Lesenswert.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. August 2010
Vom Atmen unter Wasser ist ein Buch, das mich sehr tief berührt hat. Das mich aufgesogen hat in seine Handlung, hinein in das Leben seiner Figuren. Es ist ein intensives Buch, eines, das man aus der Hand legt, weil man darüber nachdenken muss, und es doch schnell wieder weiterliest, weil man davon gefangen genommen wird.
Lisa Marie Dickreiter beherrscht ihr Handwerk. Das ist in jedem Satz zu spüren. Sätze, die nahezu perfekt durchdacht sind und so ihre Wirkung beim Leser erzielen. Jede Szene, jeder Dialog hat seinen Sinn, gibt dem Leser etwas zurück, öffnet eine Welt, die man betritt, die bisweilen weh tut und aus der man manchmal zu flüchten wünscht und doch wiederkehrt.
Lisa Marie Dickreiter erzählt in ihrem Debütroman von einer Familie, die ein Jahr nach dem Tod der Tochter beinahe unter diesem Schicksalsschlag zerbricht. Da ist die Mutter, die die Tochter abgöttisch geliebt und deren Tod nicht verarbeitet hat, da ist der Vater, der nicht in der Vergangenheit verharren, der wieder leben will, und da ist der Sohn Simon, der längst mit zu Hause abgeschlossen hat und nun zurückkehrt, weil ihn der Vater um Hilfe bittet.
Das Buch taucht tief in die Psyche der drei Protagonisten ein und zeigt in einer wunderschönen, schnörkellosen Sprache, wie die Familie mit dem Tod der Tochter zurechtkommt, wie das Leben der drei weitergeht, oder eben auch nicht.

Fazit:

Ein sehr schönes, nachdenklich machendes Buch mit einem ausdrucksvollen Cover, das ich jedem nahelegen möchte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juni 2014
Wenn ich mir hier so manche Rezension durchlese, scheinen sich Viele mit wirklich erstaunlich wenig zufrieden zu geben. Ein extrem klischeehaftes, unglaubwürdiges und hüftsteifes Buch voller Platitüden. Wahnsinn, was heutzutage alles von Verlagen rausgebracht wird.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. August 2011
Beschreibung

Familie Bergmann ist eigentlich eine ganz normale Familie, doch als die sechzehnjährige Tochter Sarah ermordet wird frisst sich die Trauer ihren Weg durch die Familie. Ein Jahr nach Sarahs Tod begeht ihre Mutter Anne einen Suizidversuch und ihr Mann Jo weiß einfach nicht mehr weiter. In seiner Verzweiflung wendet er sich an seinen Sohn Simon, der sein ganzes Leben im Schatten seiner jüngeren Schwester stand. Ausgerechnet er soll nun das Gleichgewicht der Familie wiederherstellen und seinr psychisch labilen Mutter zur Seite stehen.

Langsam gelingt es Simon durch die dicke Mauer aus Trauer und Wut zu seiner Mutter durchzudringen, doch auf diesem Weg droht er sich selbst zu verlieren'

Meine Meinung

Lisa-Marie Dickreiter beschäftigt sich in ihrem Roman >>Vom Atmen unter Wasser<< mit einer berührenden Familiengeschichte voller Trauer, Wut und vergessener Liebe. Als die sechzehnjährige Sarah nach einer Partynacht ermordet wird droht Familie Bermann an der unglaublichen Trauer zu zerbrechen. Sarahs Bruder Simon macht sich Vorwürfe über längst vergangene Geschwisterstreitigkeiten, Mutter Anne zieht sich so tief in ihren inneren Kokon zurück dass weder ihr Mann Jo noch ihr Sohn zu ihr durchdringen können. Gerdade jetzt als die Familie Kraft und Zusammenhalt benötigt scheint alles zu zerbrechen. Jo findet keinen Zugang zu seiner Frau und wendet sich in seiner Verzweiflung an seinen Sohn. Eine emotional geladene und zutiefst berrührende Familiengeschichte nimmt ihren Lauf.

>>Vom Amten unter Wasser<< ist ein sprachliches Meisterwerk, es lässt mich regelrecht mit Familie Bermann mitleiden und mitfiebern. Durch sich wiederholende Gedanken- und Erinnerungsfetzen bereitet mir die Autorin ein Gänsehautgefühl erster Klasse. Eindringlich und aufrüttelnd beschreibt Lisa-Marie Dickreiter den schwerer Trauerprozess den ein jeder in der Familie durchstehen muss. Die Autorin befasst sich hierbei mit den unteschiedlichsten Trauerarten uns setzt diese gekonnt in Szene. Durch >>Vom Atmen unter Wasser<< wird einem schmerzlich bewusst wie tief Trauer reichen kann, wie sie Menschen auseinander und wie sie Menschen noch näher aneinander binden kann.

Besonders die starke Figur von Simon hat mich beeindruckt, denn trotz seiner Verletztheit schafft er den Sprung über den eigenen Schatten und steht seiner Mutter in einer Zeit größter Not bei. Obwohl nicht immer als fair erscheint bezwingt Simon einen steinigen Weg.

In >>Vom Atmen unter Wasser<< nimmt Lisa-Marie Dickreiter kein Blatt vor den Mund sondern erzählt eine ungeschönte Familiengeschichte die dramatischer und aufrüttelnder nicht sein könnte. Stärken und Schwächen der Figuren werden nicht kaschiert sondern besonders in den Vordergrund gestellt. Die konturlose Atmosphäre der Trauer kommt einfach wunderbar zum tragen und die Autorin hat es auf eine fesselnde Art und Weise geschafft Trauer mit Worten zu beschreiben.

Dieses Meisterwerk der Sprache und Atmosphäre bekommt von mir 5 von 5 Sterne.

Fazit

Ein sprachgewaltiges Familien-Drama das einem den Atem raubt!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Vor einem Jahr wurde Simons Schwester ermordet. Warum hat seine Mutter sich jetzt, nach einem Jahr, die Pulsadern aufgeschnitten?

Simon versteht das nicht. Und jetzt will auch noch sein Vater, dass er wieder zu Hause einzieht. Dabei studiert er, hat eine eigene Wohnung. Doch sein Vater möchte, dass jemand auf Mutter aufpasst. Wer weiß, was sie als nächstes tut.

Eine kleine Familie sind sie jetzt wieder. Doch keine glückliche. Denn zwischen ihnen steht immer noch Sarah. Unsichtbar, aber sie bestimmt alles. Denn die Mutter hat den Tod immer noch nicht überwunden. Ganz im Gegenteil, für sie ist Sarah jetzt erst recht präsent. Sei es durch den Geruch ihrer Kleider, sei es durch ihr Zimmer, in das sich die Mutter immer öfter flüchtet.

Lisa Dickreiter schildert das Psychogramm einer Familie, die immer stärker in den Sog der Toten gerät, darein, was diese getan hat, darein, dass die Mutter sich nicht lösen kann von dem toten Kind und immer mehr alle anderen Beziehungen davon zerstört werden. Die Mutter reagiert immer unverständlicher, die anderen können sie nicht auffangen und sprechen darüber kann erst recht keiner. Denn welche Sprache gäbe es, in der man über das reden kann, was keiner begreift?

Das Buch ist kein Pageturner, denn immer wieder legt man es aus der Hand. Zu bedrückend ist das, was die Autorin schildert. Und doch muss man immer wieder zum Buch greifen, um weiter zu lesen. Bedrohlicher als mancher Horrorroman ist das, was hier geschildert wird, unverständlich, kaum nachvollziehbar, wie hier eine Frau in der Trauer über ein totes Kind alle anderen lebenden Personen vergisst. Wer es nicht miterlebt hat, wie der Tod einer nahen Person alles verändert, kann es oft nicht nachvollziehen. Dabei ist der Tod der häufigste Grund für psychische Abstürze. Lisa Dickreiter lässt das mit sezierender Genauigkeit nacherleben, schier unerträglich ist das Buch oft, aber ebenso schwer, es nicht doch zu Ende zu lesen.

Gekonnt geschrieben, kriecht es in seine Figuren hinein und verstört den Leser durch die Nähe des Todes und dadurch, was der mit den Überlebenden macht. Keine einfache Kost.

Das einzige, was dem Buch fehlt, wäre vielleicht ein Nachwort. Denn was hier geschildert wird, ist nichts außergewöhnliches, auch wenn es manchem Leser vielleicht so erscheinen mag. Oft können Außenstehende gar nicht ermessen, was in denen vorgeht, die einen Menschen durch den Tod, gar durch einen Mord, verloren haben. Dass das oft über Jahre hinweg einschneidende Folgen hat, Personen verändert, so dass die anderen sie kaum wiedererkennen.

So entstand ein bestürzendes Psychodrama über den Tod und die Folgen für die, die zurückbleiben. Ein Buch über Sprachlosigkeit und darüber, das bestimmte Traumata oft gar nicht benannt werden können.

Hans Peter Roentgen
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