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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bascombe ist zurück!
Richard Ford bleibt den Feiertagen und, wenn sie denn zelebriert werden, deren hektisch-langweiliger Tristesse treu. Nach dem "Sportreporter" von 1986 (Ostern) und dem 1995 erschienenen "Unabhängigkeitstag" (4. Juli), gibt es nun das Buch "Die Lage des Landes", das sich um den neben Weihnachten (noch frei für einen eventuellen 4. Teil - Abschied vom Leben?)...
Veröffentlicht am 7. August 2007 von Helga Kurz

versus
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ausleben
Wer Richard Ford durch die drei Romane seines Frank Bascombe gefolgt ist, wird zugeben müssen, daß er ein großer Autor ist, der sein Land stets kritisch im Auge behält.

Erinnern wir uns daran, wie die Geschichte begann: Da gab es einen Sportreporter, der einmal Schriftsteller war, sich aber nicht für gut genug befand. Es war die...
Veröffentlicht am 24. Oktober 2007 von Code


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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bascombe ist zurück!, 7. August 2007
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Richard Ford bleibt den Feiertagen und, wenn sie denn zelebriert werden, deren hektisch-langweiliger Tristesse treu. Nach dem "Sportreporter" von 1986 (Ostern) und dem 1995 erschienenen "Unabhängigkeitstag" (4. Juli), gibt es nun das Buch "Die Lage des Landes", das sich um den neben Weihnachten (noch frei für einen eventuellen 4. Teil - Abschied vom Leben?) wichtigsten Familienfeiertag im Lauf eines amerikanischen Jahres rankt: Thanksgiving.

Frank Bascombe ist also wieder da. Wie schön. Er ist rund 10 Jahre älter geworden und die Sechzig ist schon fast in Sichtweite. Das erhoffte nahe Verhältnis zu seinem mittlerweile erwachsenen, noch immer aber infantilen Sohn, ein zentrales Thema in "Unabhängigkeitstag", hat sich nicht ergeben. Dafür steht ihm nun seine Tochter zur Seite. Er hat sich damit abgefunden, dass Clarissa lesbisch ist, aber jetzt ist ein Mann an ihrer Seite, der Bascombes lethargische Toleranz überfordert. Ann, die eine Zeitlang für ihn nur "X" war, seine erste Frau, ist mittlerweile verwitwet und sucht abermals seine Nähe. Aber es gibt keinen Weg zurück in die Vergangenheit, außer über die verschlungenen Wege der Erinnerung, die in der Realität nicht sichtbar und schon gar nicht begehbar sind. Der Grübler und ewige Glückssucher Bascombe weiß das nur allzu gut.

Er ist immer noch Immobilienmakler. Seine Auslassungen über Häuser, deren Marktwert und stadtsoziologische Befindlichkeiten im Lauf der Zeit füllen etliche Seiten des nahezu 700 Seiten umfassenden Werks. Das beschauliche, kleinbürgerliche Haddam hat er hinter sich gelassen. Er lebt nun mit seiner zweiten Frau Sally an der Küste in "einem Haus mit Meerblick", was in der Maklersprache für "du hast es geschafft" steht. Aber Frank Boscombe ist, wieder einmal und wie stets an Feiertagen, nicht glücklich.

Da ist der jahrzehntelang verschollene, tot geglaubte erste Ehemann seiner zweiter Frau. Kaum taucht er auf, ist Sally weg und seine erste Frau macht die Verwirrung mit ihren Annäherungsversuchen komplett. Statt eines angenehmen, ruhigen Lebens zu Beginn des frühen Alters präsentiert ihm die Gegenwart Unordnung und spätes Leid. Dazu kommt, dass seine Gesundheit vom real gewordenen Alptraum aller Männer bedroht wird. Boscombe hat Prostatakrebs (und ist damit in Gesellschaft vieler anderer Figuren männlicher, alternder Schriftsteller). Aber das amerikanische Familienfest will und soll zelebriert werden. Die Familienzusammenführung erfüllt die auf tönernen Füßen stehenden Hoffnungen jedoch wie befürchtet nicht. Thanksgiving endet im Fiasko.

Kein anderes Buch genießt zur Zeit so viel Aufmerksamkeit wie "Die Lage des Landes", ein schweres Buch mit gewichtigem Titel eines erfolgreichen amerikanischen Schriftstellers. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften, egal ob es sich um "Die Zeit" (mit differenziertem Blick auf gewohnt hohem Niveau) oder um "Brigitte" handelt (die eher die Aspekte von "Schöner wohnen und leben mit Richard Ford" zur Geltung bringt und Personenkult betreibt), bringen groß aufgemachte Artikel über den Autor und sein neuestes Buch. In den Buchhandlungen liegen mehrseitige Flyer mit Leseproben, Lobeshymnen und Terminankündigungen über seine bald beginnende Lesereise in Deutschland aus. Jawohl, Ford kommt. Ein Superstar der Literatur. Fords Trilogie um den amerikanischen Durchschnittsmann ist unbestritten weit über dem Durchschnitt angesiedelt. Seine Bücher bereiten stundenlanges Lesevergnügen, wenn auch manche Längen überwunden werden müssen und seine Sprache munter zwischen philosophischen Betrachtungen, Männerslang beim abendlichen Absacker und markigen Maklerworthülsen hin und her springt. Dennoch sollte man die Kirche im Dorf lassen und über dem lauten Tamtam der großen Werbetrommel, die diese Neuerscheinung begleitet, nicht taub werden. Es gibt auch 2007 viele andere gute neue (und alte) Publikationen, die ebenso die Aufmerksamkeit möglichst vieler Leser verdient haben.

Ein Vergleich ist meiner Meinung nach überhaupt nicht zulässig, wenn er auch häufig bemüht wird: Frank Bascombe hat, von augenfälligen Äußerlichkeiten abgesehen, nicht viel mit Harry Angstrom gemein. So vital und wach wie sich John Updikes Rabbit auch in aussichtslos erscheinenden Situationen präsentiert, ist Bascombe selbst auf den Höhepunkten seines Lebens nicht. Um es mit den Worten des "Sportreporters" auszudrücken: Bascombe und Angstrom lieben dasselbe Spiel mit dem gleichen Ziel, aber in unterschiedlichen Ligen. Der eine ist Spieler durch und durch - der andere erzählt vom Spiel.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Den Kopf über Wasser halten, 5. Januar 2009
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Lage des Landes: Roman (Taschenbuch)
Mit diesem 3.Band hat Richard Ford seine Frank-Bascombe-Trilogie abgeschlossen. Wieder dreht sich alles, wie in den beiden Vorgängern, um einen Feiertag, hier also "Thanksgiving". In Band 1 war es noch Ostern, das Fest der Wandlung und Auferstehung, die dann allerdings für Frank ausblieb, er spielte nur mit der Möglichkeit, nach dem Tod seines Sohnes Ralph und der Scheidung von seiner Frau ein neues Leben zu beginnen und sich zu ändern, ließ sich aber dann so dahintreiben.

In diesem Buch ist Frank Bascombe nach wie vor der sympathische, empathische, freundliche Durchschnittsmensch, der sein Schäfchen ins Trockene bringt und im Übrigen die Dinge nimmt, wie sie kommen. Aber jetzt, 15 Jahre später, fühlt er sich mit 55 Jahren schon alt. Kein Wunder, denn er hat Prostatakrebs, und dieser persönlichen Situation entsprechend ist das ganze Buch geprägt von einer Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod, was sich in der "Lage des Landes" widerspiegelt, indem sich hier das meiste zum Trostlosen und Beängstigenden hin geändert hat: der Immobilienmarkt boomt, Frank verkauft Häuser mit verrotteten Stahlträgern und verfaultem Interieur (aus dem bei der Besichtigung symbolisch und schockhaft ein stinkender Fuchs springt). Haddam in New Jersey ist kein Ort mehr, in dem Frank sich wohlfühlen könnte, deswegen ist er ans Meer gezogen, aber auch da entgeht er der Realität nicht, das moderne Dasein erscheint ihm wie ein reißender Fluss, "über dessen seifigem, braunen, von Baumstämmen zugemüllten Wasser die meisten von uns mit Müh und Not den Kopf behalten können, um unsere Pflichten zu erkennen und zu tun." (318). Mit dieser Haltung zeigt er sich als Mensch unter Menschen, der Leser kann sich leicht in Frank Bascombe wiedererkennen, indem er ihn 2 Tage vor Thanksgiving und an diesem Feiertag selbst auf einer Tour durch das Amerika Bushs im Jahr 2000 begleitet. Am Schluss gerät Frank in eine Schießerei und erhält zwei Kugeln in die Brust, wobei er nur knapp mit dem Leben davonkommt. Der Leser findet viel Interessantes und Lebenskluges, es schreibt jemand, der die Höhen und Tiefen des Lebens kennen gelernt hat, der sich immer noch mit seiner ersten Frau (Ann) trifft, während ihm die zweite (Sally) schon wieder weggelaufen ist, der allerhand Desillusionierendes (aber auch Schönes) mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern erlebt und bei der Reihe von deprimierenden Erfahrungen den kaltschnäuzigen Humor nicht verliert. Das Buch ist trotz der teilweise düsteren Themen immer witzig, manchmal geraten die Schilderungen der Verhältnisse allerdings zu weitschweifig und drohen zum Selbstzweck zu werden.
Stärker noch als in Band 1 versucht Bascombe hier unablässig , sein Leben psychologisch zu analysieren. Da ist viel die Rede von der "Permanenzphase", in der er sich befinde. Seine Ausführungen darüber sind wortreich, aber nicht immer deutlich, kurz gesagt: Er will aufhören, immer neue Varianten seines Lebens durchzuspielen, er spricht von "Selbstauslöschung, zum Instrument werden" (565), aber gleichzeitig möchte er ein "Charakter" werden (wie sein alter Kumpel Ernie, an dessen Beerdigung er nostalgisch teilnimmt), sein Ich "annehmen". Am Schluss, als er mit anderen Rekonvaleszenten im Flugzeug sitzt, wieder genesen und wieder mit Sally vereinigt , überwiegen - passend zu "Thanksgiving" - die Gefühle der Dankbarkeit und der Demut: "Geht es nicht vielmehr darum, sich bereit zu machen? Um das Leben als Vorspiel?" (669).

Die ständige psychologische Selbstanalyse des Ich-Erzählers will mir etwas aufgesetzt erscheinen, fast so, als wolle der Autor dem Leben seines Helden am Schluss auf jeden Fall noch einen richtigen Sinn verpassen. Das mag etwas sehr Amerikanisches sein, ist auch immer bedenkenswert, aber dennoch halte ich mich lieber an das realitätsgesättigte, zwar reichlich trübe, aber liebevoll und komisch präsentierte Panorama des modernen Amerika.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ausleben, 24. Oktober 2007
Wer Richard Ford durch die drei Romane seines Frank Bascombe gefolgt ist, wird zugeben müssen, daß er ein großer Autor ist, der sein Land stets kritisch im Auge behält.

Erinnern wir uns daran, wie die Geschichte begann: Da gab es einen Sportreporter, der einmal Schriftsteller war, sich aber nicht für gut genug befand. Es war die schlingernde Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach sich war, und wie unter dem Seziermesser seine Umgebung wahrnahm.

Im Unabhängigkeitstag zum Immobilienmakler geläutert, folgten wir ihm in die Verästelungen seiner Sorgen um den Sohn, den Auswirkungen seines beruhigenden Wohlstands, den Ausflüchten wie der Entscheidung, es womöglich noch einmal mit so etwas Ähnlichem wie einer Familie zu versuchen. Ein Mann, der schon ein Kind verloren hatte, begab sich auf die Suche nach dem, was ihm als Familie geblieben war, streifte wieder durch Amerika und spiegelte es in seiner Zeit.

Nun nach den vielen Häutungen des Frank Bascombe kommt er da an, wo er vielleicht die ganze Zeit war: im Stillstand, in der Existenz des Beobachters. An Handlung hat Die Lage des Landes nicht viel zu bieten, auch wenn ein Vierzehnjähriger glaubt, mit einer Maschinenpistole in der Vorstadt Rambo spielen zu müssen und Prostatakrebs bei Frank festgestellt wurde. Die immer wieder gleichen Themen werden behandelt: der Immobilienmarkt, Bush, Bascombes Frauen, die ihn verließen, sein Sohn, die Tochter und das über knapp siebenhundert Seiten.

Wer Richard Fords Erzählungen kennt, weiß, in welch knapper Form er zu beschreiben versteht. Bei Die Lage des Landes ist ihm vieles aus dem Ruder gelaufen, zu viel will er sagen und wiederholt es, als bestände die Gefahr, dass man es übersieht. Es gibt betörend schöne Stellen in diesem Roman, kluge politische Analysen, scharfe Charakterzeichnungen, doch wirkt Bascombe mit einmal ermüdend. Daß der Autor einen Begriff wie Permanenzphase als Begriff einführt, um das Lebensalter zu beschreiben, das Frank Bascombe durchschreitet, ist traurig genug. Ausdruck, dessen was hier versucht wird.

Es fehlt die Leichtigkeit, trotz des Humors, der gelegentlich aufscheint. Bascombe nimmt sich zu ernst. Vielleicht tat er das früher schon, nur ist es da nicht so aufgefallen. Ein Roman, der einem viel Zeit abverlangt, der einen nicht unbefriedigt zurückläßt, der aber doch enttäuscht, weil die Erwartungen an ihn zu hoch waren. Leben, leben, ausleben, nimmt Bascombe sich am Ende vor. Er wird es erst wieder lernen müssen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Richard Ford nicht ganz in der Blüte seiner Jahre, 12. September 2007
Als erstes: ich liebe normalerweise die Bücher von Richard Ford. Sein Dahin-Sinnieren über die Welt und ihre Erscheinungsformen hat mir immer gefallen, man kann sozusagen sich mit seinen Gedanken dahintreiben lassen. In diesem Buch kommt er mir ziemlich rabiat vor, fast wie auf Speed. Man merkt, jetzt kommt das Alter und mit ihm wenig erfreuliche Begleiterscheinungen. Frank Bascombe ist nun eigentlich ziemlich desillusioniert, was an sich nicht schlecht ist. Trotzdem grenzt es manchmal schon an eine Verbitterung, die schwer zu ertragen ist. Dabei war Frank früher manchmal richtig warmherzig, aber jetzt? Lesenswert ist Ford freilich immer, weil der Mann eine enorme Bildung zuzüglich Intelligenz hat und das auch einfließen lassen kann.
Trotzdem: ellenlange Berichte über die Immobiliensituation der Gegend, - da muss man schon Durchhaltevermögen beweisen. Man wird dann aber wieder belohnt durch die eine und andere hervorragend beleuchtete Szene, besonders Familiensituationen weiss Ford hervorragend zu beschreiben. Eingeschrieben ist seinem gesamten Werk eine tiefe Melancholie. Oder ist es bloss Fatalismus? Ich weiss nicht. Es war zwar streckenweise harte Arbeit, das zu lesen,denn manche Seiten waren wirklich langweilig, - trotzdem vergisst man das Buch sicher nicht. (Mir jedoch gefiel 'Der Sportreporter' am besten!)
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch als Spiegel einer ganzen Generation, 24. Oktober 2007
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Frank Bascombe, den wir vor noch im alten Jahrtausend als "Sportreporter" kennen gelernt haben und der uns in "Independent Day" vor einem Jahrzehnt als Mitvierziger wieder begegnete, ist nun ( wie viele seiner Leser in Echtzeit! ) ein Mittfünfziger geworden. Nach der "Existenzphase", die das Thema von "Independent Day" gewesen ist, hat Bascombe nun die "Permanenzphase" erreicht, jene Phase, in der man sich selbst ins Gesicht sehen und sich ehrlich eingestehen muss: Das war es! Es kommt nichts mehr. Ich bin genau der, der ich geworden bin.

Fords Werk aber besäße nicht seinen außergewöhnlichen Rang, wenn das, was es bei dieser Lebensbilanzierung zu lernen gibt, nicht weit über Bascombes private Existenz hinausweisen würden. Frank Bascombes Reflexionen, Besuche und Gespräche im Umfeld des Thanksgivingfestes des Jahres 2000 präsentieren dem Leser stattdessen wirklich und wahrhaftig die "Lage des Landes" - und das gleich in einem mehrfachen Sinn. Zunächst geht es um das, was die Amerikaner als "State of the Nation" bezeichnen, also eine Gesamtschau der politischen und wirtschaftlichen Zustände, die sich gerade am Ende des Jahres 2000 im Angesicht des einbrechenden Technologiemarktes und des Bush-Gore Wahldebakels alles andere als heiter ausnimmt. Sodann umschreibt die Wendung "Die Lage des Landes" die Lage eines Hauses oder Grundstückes, was auf die Bascombesche Berufstätigkeit als Immobilienmakler anspielt. Und schließlich kennzeichnet die Wendung "Die Lage des Landes" die Befindlichkeit eines Menschen innerhalb einer sozialen Gemeinschaft. Indem Ford diese im Titel konnotativ verschlungenen Ebenen scheinbar mühelos ineinander verschachtelt, entsteht ein ungemein verästeltes aber stimmiges Vexierbild der modernen Gesellschaft, zugleich aber auch das Portrait eines postmodernen "Mannes ohne Eigenschaften", in dem sich ein jeder, wenn er nur genau genug hinschaut, wieder erkennen kann.

Denn die Schicksalsschläge, die Bascombe im "Sportreporter", in "Independent Day" und nun in der "Lage des Landes" bewältigen muss, besitzen ja beileibe nichts Außergewöhnliches. Sein Unglück ist das Unglück von Millionen, das deswegen trotzdem nicht weniger schmerzt. Nun, im dritten Teil der Bascombe Trilogie, hat ihn, mitten im Hochgefühl eines insgesamt gelungenes Lebens, seine zweite Frau Sally verlassen, weil ihr jahrzehntelang verschwundener und durchgeknallter Ehemann Wally plötzlich wieder aufgetaucht ist, und als sein dies nicht genug, wird kurz darauf bei Bascombe Prostatakrebs diagnostiziert. Das ist das Bühnenbild, auf dem nacheinander die alten Bekannten aus den ersten beiden Bänden der Bascombe Trilogie auftreten, um ihren Part in diesem Lebensschauspiel zu spielen. Da ist natürlich die durch und durch egomanische erste Ehefrau Anne Dykstra, sodann die lesbische Tochter Clarissa, der schräge und eigenwillige Sohn Paul, die diversen Partner der Kinder, die Freunde und Nachbarn, und sogar die dralle Vicky, die dem armen Frank dereinst im "Sportreporter" das Herz gebrochen hatte, gibt nun mit fünfzehn Kilogramm mehr auf den schönen Hüften ein kurzes Gastspiel.

Was Bascombe und den Seinen in den drei Tagen rund um das Thanksgivingfest im Einzelnen widerfährt und sich schließlich in einem schrillen Finale entlädt, braucht hier nicht erzählt zu werden. Eigentlich ist es nicht viel, und doch umfasst das wenige, was geschieht, in seiner literarischen Präsentation den Bedeutungsgehalt eines ganzen Lebens. Die unglaubliche Vielfalt an Realität, an Reflexion, aber auch an untergründigem Humor, an Weisheit und sprachlicher Brillanz, die der Autor dabei entfaltet, kann man überhaupt nicht zusammenfassen - sondern einfach nur lesen. Alles in allem glaube ich, dass es nur ganz wenige geben wird, die das Buch am Ende nicht ergriffen beiseite legen werden - ergriffen nicht nur von der Genialität des Autors sondern auch von dem Erlebnis, einen tiefen Einblick in die literarische Blaupause der eigenen Existenz erhalten zu haben. Anders kann nicht es nicht sagen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sandy zeigt, wie desolat die Lage des Landes ist!, 8. November 2012
Von 
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Lage des Landes: Roman (Taschenbuch)
Ich habe bisher 2 Werke Richard Fords gelesen, und zwar Kanada und zur Lage des Landes. Ergo "fehlen" mir 2 Werke aus der Bascombe-Trilogie. Während Kanada mir ausgesprochen gut gefallen hat, kann ich das von der Lage des Landes nicht uneingeschränkt sagen. Daher werde ich die beiden fehlenden Bände auch nicht lesen(vielleicht ein Fehler). Wie das Leben so spielt, ist die Handlung des Buches in New Jersey und zwar überwiegend in der Küsteregion angesiedelt. Das ist genau die Gegend, die vor ca. einer Woche vom verheerenden Wirbelsturm heimgesucht wurde. Nun ist ein Hurrikan von derart gigantischen Ausmaßen sicher auch für die geplagte Ostküste außergewöhnlich. Aber die Fernsehbilder zeigen ein Ausmaß an Zerstörungen, die die völlig marode und verrottete Infrastruktur des Landes zeigen. Die wahnsinnig teuren Häuser wurden wie Spielzeuge durch die Gegend geschleudert, das Stomnetz wurde fast völlig zersört, weil die Leitungen alle über der Erde an maroden Masten hängen. An eine Normalisierung der Lage ist überhaupt noch nicht zu denken. In dieser Gegend einem Kaff in New Jersey ist der Held unserer Geschichte, Frank Bascombe, als Häusermakler tätig. Er verkauft die völlig überteuerten Hütten an vermögende Kunden.Die Handlung des Buches spielt im Jahre 2000, aber die Lage des Landes hat sich offensichtlich nicht gebessert. Amerika ist auf dem absteigenden Ast, wie auch Frank Bascombe, der zwar Geld scheffelt aber sein Leben ist ihm entglitten. Er ist, wie er originell erkennt in die sogenannte "Permanenzphase" seines Lebens eingetreten. Einer Phase, in der kaum noch bahnbrechende Ereignisse seinen Lebensweg beeinflussen werden. Doch ein Ereignis hat ihn getroffen, er hat Prostatakrebs mit ungewissen Ausgang. Er ist zweimal geschieden, seine Kinder sind ihm ziemlich fremd, Freunde hat er wenige. Sein Geschäftspartner in seiner Maklerfirma, kurioserweise ein Nepalese, überlegt sich anderswo zu engagieren bzw. Frank das Geschäft abzukaufen. Thangsgiving soll die Familie wieder einigermaßen wieder zusammenführen, aber alles endet in einem Fiasko. Frank wird von einem 14-Jährigen angeschossen, kommt aber mit den Leben davon.
Das Buch hat trotz der Erzählkunst Fords viele Längen, die ellenlangen Abhandlungen über den amerikanischen Immobilienmarkt,verlangen dem Leser viel ab. Gut gelingt Ford die Charakterisierung der Charaktere der Protagonisten, obwohl alle scheinen mir stark überzeichnet zu sein.Auch einige Handlungsstränge sind unglaubwürdig. Warum sollte seine 2. Frau Sally zu ihrem 1. Mann, den sie zudem für tot erklärt hat, und der sie vor ca. 30 Jahren verlassen hat zurückkehren? Kurioserweise tritt er nach so langer Zeit wieder in Sallys Leben. Eine plausible Begründung für Sallys Entschluss, mit ihm fortzugehen und Frank zu verlassen, gelingt Ford nicht. Das ist alles fadenscheinig. Überhaupt scheint es in dem Buch keine "normalen" Menschen zu geben. Franks Sohn ist infantil seine Tochter lesbisch usw. Aber vielleicht will Ford die anormale Lage des Landes zeigen, indem er die Anormalität auf die Menschen adaptiert? Dass er damit manchmal überzieht, ist sicher seiner Intelligenz und und seiner "Verliebheit" in seine sprachliche Gewandheit geschuldet. Aber so ganz in der Trost- und Hoffnungslosigkeit will der Autor uns dennoch nicht zurücklassen. Er scheint geheilt und seine geliebte Frau Sally kehrt zu ihm zurück. Es scheint für Amerika doch noch Hoffnung zu geben.
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26 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Her mit dem Nobelpreis, 18. Juli 2007
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich habe Ende der Achtziger Richard Ford für mich entdeckt.-Verdammtes Glück-schon der Titel seiner ersten veröffentlichten Kurzgeschichten, hatte etwas Doppeldeutiges. Neben seiner vielen Short Story Bände gibt es, ähnlich wie bei John Updike (Harry Angstrom - Rabbit), eine gewisse Chronologie im Leben des Frank Bascombe. Vordergründig Ein Mann ohne Eigenschaften, aber alles in allem der perfekte Mensch, den Lauf des Lebens mit all seinen Wundern, Enttäuschungen, Dramen, Fluchten, Beziehungen, etc. zumindest in Ansätzen nachzuvollziehen. Der Sportreporter, vor ca. 10 Jahren, Unabhängigkeitstag, vor fünf Jahren und jetzt dieses sensationelle Buch Die Lage des Landes. Ich bin schier sprachlos über das, was ich da lese. Und ich lese verdammt viel. Dies ist das beste Buch seit Jahren und ich würde es lieber im Moment von vorne anfangen, als nach diesem epochalem Werk was anderes zu lesen. Was mich auch vollkommen überzeugt, ist die Übersetzungsarbeit, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass das Buch im englischen Original the lay of the land noch mehr hergeben kann. Die einsame Klasse von Richard Ford macht sich vor allem in der Verwendung von Verben fest. Ein Wald zum Beispiel ist nicht ein Wald, sondern - eine pockennarbige, ansonsten heitere Baummischung, die da im milchigen Licht eines glanzlosen New Jersey Cocktailnachmittags herumlungert, hinter der zugezogene, verschnupfte Rassenhasser, ihr einsames, verzweifeltes Glück zu finden hoffen, die aber ihre schorfigen Hirne einem dürftigen Ende entgegen heulen-. (Na ja, das war jetzt kein Zitat, aber es ist einfach ein literarischer Genuss den Wortgemälden Richard Fords zu folgen) Bascombe, mittlerweile 2 mal dubios geschieden, immer noch (manchmal entsetzter, manchmal verliebter Vater) Prostatakrebs erkrankt und erfolgreicher Immobilienmakler an der New Jersey Küste. So, und dieser Frank Bascombe setzt sich in einer getränkesatten Bar, im gemütliche Zwielicht eines Feierabends, neben dich, und fängt an aus seinem Leben zu erzählen. Und du ertappst dich dabei, immer mehr wissen zu wollen, und du spiegelst dein eigenes verdammtes Leben, ständig in dem nicht enden wollenden Fluss der Bascombe Geschichten. Ich schlage Richard Ford für den Literatur-Nobelpreis vor.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Respekt!, 19. Februar 2008
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit Sinn für ein zeitlupenhaftes Erzähltempo, für sprachliche Ästhetik auf hohem Niveau, für eine gute Beobachtungsgabe, für feingesponnene Ironie und bösen, versteckten, dabei aber nie verletzenden Sarkasmus und mit Neugier auf in ihrer Banalität geniale, dabei äußerst skurrile Charaktere wird dieser Roman, der den Leser den Unterschied zwischen "einem Buch" und "Literatur" spüren läßt, zum Genuß. Wie wurde hier bereits gesagt? "Her mit dem Nobelpreis!" - dem kann ich mich nur anschließen. Respekt, Mister Ford !
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4.0 von 5 Sternen Wohlstandsprobleme, 20. Februar 2014
Von 
Marc Ahlburg (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Lage des Landes: Roman (Taschenbuch)
Frank Bascombe, aus den Romanen „Der Sportreporter“ und „Unabhängigkeitstag“ bekannt (mir jedenfalls nicht, aber dazu gleich mehr), lebt sein Leben mittlerweile in dem kleinen, fiktiven Küstchenstädtchen Sea- Clift in New Jersey, in dem er als Immobilienmakler tätig ist. Die Geschichte steigt 3 Tage vor Thanksgiving im Jahre 2000 ein und beleuchtet die Ereignisse und Tätigkeiten von Frank in seiner Umgebung bis zu Thanksgiving, zu dem ihn seine zwei Kinder Paul und Clarissa mit ihren jeweiligen Partnern besuchen werden, um mit ihm gemeinsam Thanksgiving zu feiern. Dabei erlebt und erfährt man einen Mann in seinen Mitfünziger- Jahren, der sehr viel durchlebt hat und dies in den Tagen vor Thanksgiving reflektiert. Das wären zum Beispiel die Trennung von seiner zweiten Ehefrau Sally, die ihn für ihren tot geglaubten ersten Ehemann verlassen hat, seine Krebserkrankung an der Prostata spielt auch eine große Rolle, die ihn seit einem Jahr beschäftigt und sehr in Sorge versetzt, der vernachlässigte Kontakt zu seinen Kindern und das Immobiliengeschäft, in dem er tätig ist, dem er sich aber irgendwie gleichzeitig nicht mehr so richtig gewachsen fühlt. Zu diesen ganzen Gedanken und Tätigkeiten, die sich in den Tagen vor Thanksgiving ansammeln, schwelt im Hintergrund noch die Präsidentenwahl um Gore und Bush, der Skandal des knappen Wahlausgangs und der Handauszählung der Stimmen in Florida, der einigen sicher noch im Bewusstsein sollte, sofern die Anschläge auf das World Trade Center, dieses „unbedeutende“ Ereignis nicht überblendet haben.

Dieses Buch habe ich eher durch Zufall auf einem Krabbeltisch entdeckt und nur eingesteckt, weil ich den Autor Richard Ford und sein neuestes Werk „Kanada“ im Auge hatte und mit diesem Buch die Gelegenheit nutzen wollte, seinen Stil kennen zu lernen. Leider habe ich mit „Die Lage des Landes“ ein Buch erwischt, dass (quasi) der dritte Teil einer Trilogie über das Leben des Frank Bascombe ist und mir somit gewisse Vorkenntnisse über diesen Charakter fehlen, weshalb er mir irgendwie fremd und fern blieb. Zusätzlich kann das auch an seinen Aussagen liegen, die eine gewisse Angst vorm Alter erkennen lassen, welche ich nicht kenne und (noch) zu abgehoben vorkommt. Möglicherweise lese ich dieses Buch in 10-15 Jahren mit anderen Augen, aber hier und heute gingen mir manche der Sachen, die in dem Buch beschrieben werden, einfach nur auf den Senkel und waren mit zu pessimistisch angehaucht, was aber bei den Lebensumständen, die Frank Bascombe begleiten, einfach nur logische Begleiterscheinungen sind. Die Geschichte selbst schleppt sich auf knapp 700 Seiten dahin wie zäher Kaugummi, man hat irgendwie nur das Ziel Thanksgiving zu erreichen, damit dieser Spuk ein Ende hat. Zwischendurch erheiterten mich einige nette Passagen und hielten mich bei der Stange, aber das waren nicht sehr viele. Was mich daran hinderte zu überblättern, war die Sprache von Richard Ford, die von Frank Heibert gut ins Deutsche übersetzt wurde, was ich an dieser Stelle einfach mal in Unkenntnis des Originals in den Raum werfe. Sie bringt den Pessimismus von Frank und sein relativ biederes Leben (Stichwort Permanenzphase) auf den Punkt und beschreibt das (manchmal zu oft) sehr genau. Wie die Lage des Landes ist, wird immer mal wieder angerissen, besonders in den Momenten, als es um die Präsidentenwahl von 2000 geht, die damals Bush mit einem sehr kuriosen Ausgang in Florida gewann, wenn das noch einigen im Gedächtnis ist. Man hatte den Schritt ins neue Jahrtausend geschafft und war nun an einem Punkt, an dem man nicht so richtig wusste, wie es weitergehen wird. Man hatte sich auf allem ausgeruht, was in den 90ern geschaffen wurde und es waren halbwegs ruhige Zeiten, bevor es den großen Knall des 11.September 2001 gab. Das lässt Richard Ford sehr schön in das Buch einfließen und zeigt in meinen Augen sehr gut, wie um die Jahrtausendwende in Amerika (vor allem auf dem Land – die großen Städte lasse ich aus dieser Betrachtung mal außen vor) ausgesehen haben könnte, was die Menschen bewegte und in welchen eingefahrenen Wegen sich die meisten befanden.

Ohne Erwartungen an das Buch heran gegangen, erwischte ich einen schweren Brocken, was natürlich auch an der Tatsache lag, dass es ein dritter Teil zu einer Trilogie war, weshalb mir der Hauptcharakter Frank Bascombe relativ fern blieb und ich mich mit ihm nicht identifizieren konnte. Der zweite Punkt war sicher der, dass mich seine Altersprobleme relativ unberührt ließen, auch wenn sie gut beschrieben sind, aber das war einfach zu langatmig (zu viele Palaver um nichts), zu pessimistisch und irgendwie auch einen Ticken zu real. Auch wenn das dem vorhergehenden widerspricht, werte ich das Buch an dieser Stelle trotzdem als lesenswert ein. Man muss sich nur den angesprochenen Kritikpunkten gewiss sein. Ich denke mal, dass ich in dieses Werk in ein paar Jahren noch mal einen Blick werfen werde. Anderen Büchern von Richard Ford werde ich sicher noch Gelegenheit geben, sich in mein Bücherregal zu verirren, denn sprachlich hat es mich auf jeden Fall begeistert.
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5.0 von 5 Sternen Ein tolles Buch, 2. Juni 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Lage des Landes: Roman (Taschenbuch)
Keine Frage: die Lektüre von Richard Fords "Die Lage des Landes" ist eine Herausforderung.
Das Buch ist dick (über 680 Seiten), und es ist kompliziert. Man kann es nicht so nebenher lesen, sondern muss sich konzentrieren und Zeit nehmen, um den Gedankengängen der Hauptfigur Frank Bascombe immer folgen zu können. Doch wer diese Herausforderung annimmt, wird reich belohnt. "Die Lage des Landes" steckt voller Wahr- und Weisheiten über die Beziehungen von Männern und Frauen, Vätern und Kindern - kurz: über das Leben selbst. Es ist zudem überaus witzig und manchmal sogar richtig spannend. "Die Lage des Landes" dürfte - ganz gleich, was jetzt noch kommt - zu den literarischen Höhepunkten des Jahres 2007 gehören. Nicht umsonst wird es derzeit in den überregionalen Feuilletons hoch gelobt.

Frank Bascombe ist 55 Jahre alt und Immobilienmakler an der Küste von New Jersey. Er hat Prostatakrebs, und seine zweite Frau ist gerade mit dem totgeglaubten Ex-Mann durchgebrannt. In dieser Lebensphase versucht Frank eine Thanksgiving-Party für seine lesbische Tochter und seinen verhaltensgestörten Sohn zu arrangieren. Außerdem muss er sich mit seinem beruflichen Partner herumschlagen, einem tibetischen Einwanderer, der ihm seine Firma abkaufen will. Und dann ist noch das verhasste Nachbars-Ehepaar ... Die gesamte Handlung erstreckt sich auf wenige Tage rund um Thanksgiving 2000, eine Zeit, in der in den USA der Wahl-Patt zwischen George W. Bush und Al Gore das beherrschende Thema war. Viele Bezüge im Text weisen darauf hin, so dass "Die Lage des Landes" auch ein politisches Buch ist - übrigens mit eindeutigem Statement pro Gore.

Richard Ford, geboren 1944, erhielt 1996 den Pulitzer-Preis und auch den PEN/Faulkner-Award. Der vorliegende Roman, der im Original 2006 unter dem Titel "The Lay of the Land" erschien, ist bereits der dritte Teil der "Bascombe-Trilogie". "Der Sportreporter" (1986) und "Unabhängigkeitstag" (1995) heißen die ersten beiden Bände mit Frank Bascombe als Hauptfigur. Doch auch wer die Vorgänger nicht gelesen hat, kommt gut in "Die Lage des Landes" hinein. Ein tolles Buch!
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Die Lage des Landes: Roman
Die Lage des Landes: Roman von Richard Ford (Taschenbuch - 15. November 2008)
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