Fashion Sale Hier klicken calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen48
4,1 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 8. Juni 2007
Ruth Gilmartin, die zusammen mit ihrem kleinen Sohn im beschaulichen Oxford lebt und Erwachsenen Englisch beibringt, glaubt sich im falschen Film: Aus heiterem Himmel rückt ihre Mutter mit der Mitteilung heraus, in Wirklichkeit Eva Delektorskaja zu heißen, eigentlich gebürtige Russin und naturalisierte Französin zu sein, und während des Zweiten Weltkrieges Geheimagentin in britischen Diensten gewesen zu sein. Und nun, im Sommer 1976, fürchte sie um ihr Leben... Akute Paranoia und Hitzschlag scheiden als Erklärungen aus. Ruth liest kapitelweise Sally Gilmartins resp. Eva Delektorskajas Lebensbeichte, und unmerklich sickert die Spionage-immanente chronische Paranoia auch in ihr Leben. Sie erfährt mit jeder neuen Lieferung ihrer Mutter mehr über das Leben einer Spionin im allgemeinen und das ihrer Mutter im besonderen -- vor allem gewähren ihr deren Aufzeichnungen detaillierte Einblicke in die Folgen, die sich aus den besonderen Lebensumständen für die Einzelnen ergeben: Stetes Misstrauen als unverzichtbares Lebenselexier ("Was denkt er, dass ich denke, dass er glaubt, dass ich denke...") gehört ebenso dazu wie die daraus resultierende Unmöglichkeit menschlicher Bindungen; sogar die Wahrnehmung unterscheidet sich von der eines "normalen" Menschen. Die Frage nach der eigenen Identität stellt sich auf vielen Ebenen, und Skeptikern sei's gesagt: Das leicht abschätzig belächelte Genre des Spionage-Thrillers kann diesen Themenkomplex erfolgreich schultern.

Ruths Mutter Eva Delektorskaja gehörte unter verschiedenen Namen während des Krieges zu einer Einheit, die geschickt Falschmeldungen in den amerikanischen Medien lancierte, um so die USA endlich zum Kriegseintritt zu bewegen: Zunächst von Belgien aus, dann in England, schließlich direkt in den USA. Das liest sich weitaus spannender, als man glauben möchte, denn dass das eigene Leben immer in Gefahr ist, wird Eva schnell klar. William Boyd breitet keine verklärende Romantik über das Spionage-Gewerbe, sondern zeigt es als das knallharte Geschäft, in dem jedes Mittel recht ist -- wirklich JEDES Mittel.

Den Kapiteln, die sich mit den Umtrieben der verschiedenen Geheimdienste zwischen 1938 und 1942 befassen, merkt man William Boyds solide Recherche an. Die Täuschungsmanöver, Intrigen und Doppelspiele des BSC (British Security Coordination) beruhen auf Tatsachen, die erst allmählich ans Licht kommen, und die betreffenden Kapitel von "Ruhelos" sind geschickt aufgebaut.

Aber es geht hier nicht nur um das Doppel- und Dreifachspiel von Agenten und Geheimdiensten, in dem weder Ruhepausen noch Atemholen möglich sind; und es geht auch nicht nur um treffsichere Seitenhiebe auf All- und Ohnmacht der Medien: Es scheint mir nämlich kein Zufall, dass sich in letzter Zeit gleich zwei namhafte Autoren der Zeitspanne kurz vor Kriegseintritt der Amerikaner annehmen und darin die Rolle der damals recht zahlen- und zahlungskräftigen Nazi-Sympathisanten thematisieren (Naja; "namhaft" ist bei Philip Roth leicht untertrieben).

So oder so: Der psychologische Unterbau von "Ruhelos" ist gut in eine tatsächlich ruhelose Spionagehandlung integriert, und der in der Vergangenheit angesiedelte Teil des Romans ist ein solider Spionage-Thriller, der mit allen Dubiositäten des Genres sein souveränes Spiel treibt. Obwohl einen die eigene Le-Carré-Lesegeschichte scheinbar schneller auf den Trichter kommen lässt als die Protagonistin, und obwohl man sich gelegentlich fragt, wieso sie XY nicht schon eher auf die Schliche kommt -- die Auflösung am Ende birgt doch noch genug Überraschungen, und das Gute ist, dass man bis zum Schluss durchhält und diese Auflösung wissen will.

Was hingegen den zweiten Handlungsstrang von "Ruhelos" angeht, also die 1976er Gegenwart von Evas Tochter Ruth: Hier herrscht eher Rat- als Rastlosigkeit; Boyd rührt einen Sturm im Wasserglas an, auch wenn ich diesen Kontrapunkt der eigentlichen Romanhandlung nicht ganz abwatschen will (Schließlich haben nicht nur die absurden Erlebnisse der Lehrbuch-Familie Amberson einen gewissen Reiz).

Irgendwann ist Ruth nämlich angesteckt von dem Misstrauen, das die Manuskripte ihrer Mutter durchweht: Wir schreiben das Jahr 1976, und da ist ein dubioser Schwager aus Deutschland samt seiner Freundin ebenso assoziationsbeladen wie ein iranischer Ingenieur mit seinen Liebesschwüren -- Umsturzangst allerorten. Dieser zweite Handlungsstrang wirkt auf mich etwas hanebüchen, zu dick aufgetragen -- und das Gegengift zarter Ironie wird mit ihm nicht fertig. Zwar kann man das Geschehen durchaus als Seitenhieb auf die Kluft zwischen Schein und Sein auffassen, wenn man auch hier die Rolle der Medien im Hinterkopf behält -- aber das ist alles ein wenig konfus, weit hergeholt und nicht immer glaubwürdig. Dennoch spielt Boyd auch hier mit dem Vorwissen seiner Leser, und auch diese Handlungsebene ist ständig von einem Hauch diffuser Bedrohung durchweht. Nur stringenter könnten sie sein, diese Teile des Romans. Stringenter -- und kürzer!

Trotz einiger unübersehbarer Schwächen: "Ruhelos" entwickelt eine Sogwirkung auf den Leser, um dessen Ruhe es schon nach den ersten Seiten geschehen ist. Die Geschichte wird geradlinig erzählt, legt unmerklich immer mehr an Spannung zu und bleibt auch dann noch spannend, wenn man weiß, wer der Verräter in den eigenen Reihen war: Die niemals endende Unruhe der Eva Delektorskaja überträgt sich auf den faszinierten, wehrlosen Leser.
0Kommentar|51 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. August 2012
William Boyd hat mit "Ruhelos" einen seiner besten Romane abgeliefert. Ein Manko hat dieser Roman (wie alle anderen auch): Er kann nicht nur eine Geschichte erzählen. Er muss zwei Geschichten miteinander verweben, sonst klappt es nicht.

Ruth lebt in Oxfordshire, hat einen fünf Jahre alten Sohn Jochen und eine Mutter namens Sal(ly). Eines Tages im heißen Sommer 1976 eröffnet Sally ihrer Tochter: Ich bin eine geborene Russin, habe in Frankreich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gelebt und habe im Krieg für die Briten in der Welt spioniert. Wow, das hat gesessen, denn ab sofort hinterfragt Ruth Alles, aber auch Alles, was ihre Mutter ihr bis dahin erzählt hat. Die Mutter hat Alles aufgeschrieben und gibt es der Tochter zu lesen.

Eine wilde Geschichte entspinnt sich, von einer Eva Delektorskaja, in Frankreich angeworben, nach Schottland zur Spionageausbildung geschickt. Diese Eva (Sally) macht schnell Karriere und kommt Dank ihrer Arbeit und ihrer Fähigkeiten sogar in die sicheren USA. Dort überschlagen sich nach und nach die Ereignisse, bis zur Lebensgefahr...

Wie gesagt eine zweite Geschichte gibt es auch: Ruth ist gutbezahlte Nachhilfelehrerin in Englisch für Erwachsene. Als allein-erziehende Mutter führt sie ein ruhiges Dasein in einem kleinen Dorf außerhalb Oxford. Sie unterrichtet Erwachsene ausschließlich. Ein Schüler verliebt sich in sie. Der gut aussehende iranische Ingenieur Hamid (damals wurde der Iran noch vom Schah von Persien beherrscht, den Hamid erbittert hasst) verliebt sich in Ruth und macht ihr sogar einen Heiratsantrag, obwohl er nach Indonesien gehen soll. Und Ludger taucht auf, der Bruder von Jochens Vater aus Deutschland.....

William Boyd hat einen spannenden Roman abgeliefert. Unterhaltsam, gut recherchiert und intelligent verwoben scheinen die Geschichten ineinander zu greifen. Historisch punktgenau und dabei witzig erzählt er die Geschichte einer jungen Frau (Sally, Ruths Mutter) die viel verloren hat, die viel gewonnen hat und die immer wieder mit Verrat und Vertrauen, mit Angst und Mut sich durch die wilden Jahre geschlagen hatte, mit einem Bein im Grab und dem Anderen auf der Flucht oder der Karriereleiter. Genau das richtige Buch für ein verregnetes Wochenende, oder einen Strandurlaub. Viel Spaß beim Lesen.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
William Boyds neuester Roman hat mich von Beginn an gepackt.

Die Geschichte um die englische Spionin Eva Delektorskaja, die während des Zweiten Weltkrieges von Paris über London schließlich in die USA gelangt, ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich hervorragend ausgearbeitet.

Die Handlung um die Tochter (Oxford im überdurchschnittlich heißen Sommer 1976) bildet einen interessanten Rahmen. Dieser Erzählstrang soll, was die Spannung angeht, der Haupthandlung um Eva Delektorskaja keine Konkurrenz machen, sondern sie in einen Kontext betten, der die lebenslängliche Ruhelosigkeit der Ex-Spionin zusätzlich betont.

Hervorragend fand ich vor allem die Passagen, in denen die veränderte Wahrnehmung der Spionin zum Ausdruck kommt. Auf ihre Tätigkeit für den Geheimdienst getrimmt, kann sie sich zu keinem Zeitpunkt vom antrainierten Misstrauen und der geschärften Wahrnehmung lösen.

Bis zum Schluss ein Genuss. Spannend, sprachlich hervorragend, eine wirklich lohnende Lektüre.
0Kommentar|25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Februar 2012
Der britische Autor William Boyd Boyd (geb. 1952) hat bereits in "Die neuen Bekenntnisse" (1987), der Autobiographie eines Filmregisseurs, Wirklichkeit und Erfindung kunstvoll zu einem wunderbaren Roman vereint.
Mit "Ruhelos"", einem Spionageroman, den man wohl eher als Enthüllung über die Abgründe menschlicher Psychen lesen sollte, ist ihm erneut ein großer Wurf gelungen
Der wichtigste Grundsatz für einen Spion ist: "Traue niemandem!" Damit ist für diesen ein einsames Leben vorgezeichnet, ständig auf der Lauer und in Angst, dass der Freund der Feind sein könnte. Der britische Geheimdienst ist verzweifelt darum bemüht, die Amerikaner zu bewegen, in den Krieg gegen Deutschland aktiv einzutreten. Diese Aktionen sind keine Fiktion, sondern durch Dokumente geschichtlich belegt. Mitarbeiter der BSC (British Security Koordination) operierte bewusst mit Falschmeldungen, die eine reale und unmittelbare Bedrohung der USA suggerieren sollten. Desinformations-Agenturen lieferten weltweit erfundene Nachrichten. Der Grundsatz "Traue niemandem" galt also auch für die Medien.
In diese reale Geschichte baut Boyd seine erfundene Geschichte ein. Ausgehend von einer Gegenwartshandlung unternimmt er seine Reise in die Vergangenheit:
1976: Die mit ihrem Sohn allein lebenden Ruth Gilmartin besucht ihre Mutter auf dem Land. Die alte Dame fühlt sich verfolgt. Sie eröffnet ihrer Tochter, dass sie in Wirklichkeit nicht Sally Gilmartin heißt, sondern Eva Delektorskaja. Für ihre Tochter hat sie ihre Lebensgeschichte als Spionin aufgeschrieben. Die Vielfalt der Bemühungen an allen Fronten den Verlauf der Geschichte mit Desinformation, Lügen und kaltblütigem Morden zu beeinflussen bleibt jedoch fragwürdig und beschädigt oder zerstört letzendlich die Beteiligten.
Die Rätsel um die Verstrickungen Evas in die Machenschaften internationaler Geheimdienste werden erst in der Gegenwart aufgelöst. Damit bleibt der Roman bis zum Schluß spannend. Die Auflösung ist jedoch nicht die Erlösung. Die ehemalige Spionin wird ruhelos bleiben.
Diesmal eine nicht ganz so komplexe Geschichte wie "Die neuen Bekenntnisse", aber sehr lesenswert!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die Mutter-Tochter-Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und brillant geschrieben. Ruth (27) erfährt 1976 von ihrer Mutter (58), dass diese eigentlich nicht Sally Gilmartin sondern Eva Delektorskaja heißt und während des 2. Weltkrieges für den britischen Geheimdienst arbeitete, dem sie auch ihre heutige Identität verdankt. Zunächst verblüfft und ungläubig beginnt Ruth die Geschichte ihrer Mutter aufzuarbeiten und entdeckt dabei, dass diese keineswegs paranoid ist, sondern tatsächlich um ihr Leben fürchten muss. Das Wechselspiel zwischen 1939-45 und 1976 um das Leben der beiden Frauen lässt keine lange Weile aufkommen.Geheimdienstler, die Evas Leben mehr als einmal in Gefahr bringen, der zwielichtige Agentenführer, den sie liebt, aber dem sie eigentlich nicht vertrauen sollte, ziehen den Leser ebenso in ihren Bann, wie das Leben der selbstbewussten und bei aller Cleverness verletzlichen Ruth. Dabei ist der Bezug zu Deutschland während der Bader-Meinhoff-Zeit aus dem Blickwinkel einer Engländerin, die in Deutscher Geschichte promoviert(Ruth) ein zusätzliches Highligt dieses Romans.
Heftigst zu empfehlen!!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. März 2007
Spannend gemachter Spionage Thriller. Aber nicht nur das. Es ist auch eine Art Familiengeschichte, bzw. eher eine von Mutter und Tochter. Mitte der Siebziger in London. In Deutschland RAF Hysterie, die auch zwischendurch thematisiert wird und Ruth, die Tochter, macht sich Sorgen um ihre Mutter, die wohl, im vor Hitze stöhnenden Sommer in London, langsam zu spinnen anfängt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es entwickelt sich eine Agentinnenstory allererster Güte. Die ursprünglich als Kind russischer Einwanderer in Paris aufgewachsene Eva Delektorskaja eröffnet ihrer Tochter nach und nach die Geschichte ihres Lebens. Wir erfahren, für mich auch neu, dass der britische Geheimdienst am Anfang des zweiten Weltkrieges mit allen Mitteln versucht, die Großmacht USA zum Eintritt in den Krieg zu bewegen.

Mit Hilfe lancierter Meldungen, z.B. über gefakte U-Boot Angriffe, oder sonst irgendwelchen vermeintlichen Aufmärschen, soll das Pentagon bzw. Roosevelt provoziert werden, sich gegen Hitler zu stellen. Eva wird angeheuert, von einem

007 Typ namens Eric Romer. Ihre Tarnung ist eine Art Presseagentur für eben diese Zeitungsenten. Sie entwickelt sich zu einer Topagentin, behält aber immer ein gewisses Widerstandspotential, welches ihr mehrmals das Leben rettet.

Am Ende muss sie einsehen, dass sie auch nur eine Randfigur in einem konstruierten Verwirrspiel ist, sogar locker geopfert würde, und sie entzieht sich dem Zugriff ihres eigenen Geheindienstes. Aber die Story ist hier noch nicht zu Ende.

Tochter Ruth lernt mit und es kommt zu einem gemeinsamen Showdown, den ich aber nicht verraten will. Sehr gut gemacht und spannend bis zum Schluss.
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Oktober 2007
England im Sommer 1976. Ruth Gilmartin lebt mit ihrem Sohn als Englischlehrerin in Oxford. Regelmäßig besucht sie ihre Mutter Sally, die zurückgezogen einige Kilometer ausserhalb in einem kleinen Dorf lebt. Doch zusehends benimmt die rüstige ältere Dame sich merkwürdig: Der nahe Waldrand wird mit dem Feldstecher beobachtet und eines Tages sitzt sie - obwohl kerngesund - im Rollstuhl und will zum Einkaufen geschoben werden. Ist das schon das Alter ?

Die Antwort erhält Ruth nur wenig später, als sie von ihrer Mutter ein Dossier mit dem ersten Teil ihrer Lebensgeschichte überreicht bekommt; was sie dort liest, verwirrt sie zutiefst: Ihre Mutter, die sie zu kennen glaubte wie kaum einen zweiten Menschen auf der Welt, heisst in Warheit Eva Delektorskaja und war im Zweiten Weltkrieg als Spionin für England in Belgien, Frankreich und den USA im Einsatz.

Und was lange vorüber scheint, ist noch immer nicht wirklich Geschichte - die Vergangenheit wirft lange Schatten.

Mit jedem neuen Dossier taucht Ruth tiefer in die Geschehnisse zwischen 1939 und 1941 ein, und langsam durchsetzt das Gift des Misstrauens, das das Leben ihrer Mutter bestimmte, auch ihren Alltag: Was steckt hinter dem plötzlichen Auftauchen Ludgers, dem Bruder ihres früheren Lebensgefährten, der offenbar mit den radikalen Kreisen der RAF in Deutschland sympathisiert? Welche Rolle spielt Hamid, ihr arabischer Sprachschüler ? Nichts scheint mehr sicher und verlässlich.

Martina Gedeck leiht beiden Frauen in dieser Geschichte ihre Stimme - der Autobiographin Sally und der Erzählerin Ruth. Sie versteht es brillant, in allen Stimmungen den richtigen Ton zu treffen; die Unsicherheit Ruths, ihr Erstaunen und Unglauben angesichts der Enthüllungen ihrer Mutter, ebenso, wie der Kälte, Berechnung aber auch Todesangst von Sally während ihrer Missionen in den 40er Jahren.

Tiefgründige und spannende Unterhaltung.
0Kommentar|10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 25. März 2013
Zum Inhalt:

Ruth Gilmartin erfährt von ihrer Mutter, dass diese nicht in England, sondern in Russland geboren wurde und während des Zweiten Weltkriegs für den englischen Geheimdienst gearbeitete hat. Ihr eigentlicher Name sei Eva Delektorskaja und sie gehörte damals zu einer Unterabteilung des Geheimdienstes, die ab 1940 versucht hatte die USA zum Kriegseintritt zu bewegen. In dieser Zeit verliebte sie sich auch in ihren damaligen Chef Lucas Romer, der sie nach dem Tod ihres Bruders Kolja angeworben hatte.

Mein Fazit:

Eine interessante Geschichte um eine englische Agentin, die der Autor William Boyd in zwei zeitlich unterschiedlichen Erzählsträngen dem Leser darlegt. Da wäre zum einen die Lebensgeschichte der Eva Delektorskaja, beginnend im Jahre 1939, die der Autor verständlich, spannend und flüssig darlegt. Aus der Sicht der Tochter Ruth Gilmartin, die viele Jahre später (Oxford im Jahre 1976) von der geheimgehaltenen Vergangenheit ihrer Mutter erfährt, entwickelt der Autor dann in der sogenannten Ich- Form den zweiten Erzählstrang. Auch wenn mir das Ende der Handlung nicht ganz so gefallen hat (ich möchte an dieser Stelle aber nicht weiter darauf eingehen, da ich ja auch nicht zu viel verraten möchte, ich fand es halt einfach nur etwas überstürzt und teilweise auch nicht ganz schlüssig), so war die Geschichte dieses Buches und vor allem die flüssige Schreibweise des Autos absolut klasse. Ich habe dieses Buch kaum aus der Hand gelegt und es fast in einem Zug durchgelesen. Zugegeben, es ist jetzt nicht der Mega- Spionage- Kracher, denn da habe ich schon bessere Romane gelesen, aber es ist ein toll geschriebenes Buch mit einer interessanten Handlung, dass ich auch guten Gewissens weiterempfehlen würde. Aus diesem Grund vergebe ich auch gern vier von möglichen fünf Sternen.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. April 2011
Auch in "Ruhelos" schlüpft der begnadete Erzähler Boyd in die Rolle einer jungen Frau, einer Tochter unter vielen, die sich von anderen dennoch unterscheidet. In ihrer Herkunft!

Ruth Gilmartin wird eines Abends von ihrer Mutter Sally mit deren Vergangenheit konfrontiert - der Geschichte der Eva Delektorskaja - gebürtige Russin, in Paris als Agentin für die britische Krone rekrutiert, in Schottland unter höchster Geheimhaltung ausgebildet und in die Unterwelt des Zweiten Weltkriegs entsandt. Stück für Stück erörtert Sally ihrer Tochter die Aufzeichnungen ihres Agentenlebens, berichtet von ihrem aktiven Mitwirken auf die Entwicklung der US-amerikanischen Beteiligung am Weltkrieg, ihrer heimlichen Liebe und einem großen Verrat aus eigenen Reihen.

Parallel zu Eva Delektorskaja's Agentengeschichte verfolgen wir das Leben ihrer Tocher, der Englisch Lehrerin Ruth, eine allein erziehende Mutter Mitte der Siebziger Jahre in Oxford. Wobei vor allem die politischen Siebziger Jahre sehr gut dargestellt werden und mit ihren Protesten gegen den Schah von Persien und die Ausläufe des Bader-Meinhof-Komplexes als hervorragende Kulisse fungieren. Wie üblich porträtiert Boyd seine Charaktere durchaus stark und sehr individuell, ohne sie dabei zu Helden mutieren zu lassen. Er bringt sowohl die Siebziger Jahre der Rahmenhandlung sehr gut zur Geltung, als auch die Schrecken, das Misstrauen und die Ungewissheit einer Existenz im Zweiten Weltkrieg.

Der Roman zeichnet sich und (ein weiteres Mal) den großartigen Autor (ich bin befangen!) durch ein hohes Maß an Spannung und Erzähltalent aus. Dem nicht genug, bewundere ich an Boyd's Romanen am meisten, den für mich Leser fühlbaren jeweiligen Zeitgeist, der mit der Geschichte im Dialog steht.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Dezember 2009
Es war dies mein erstes Buch von W.Boyd und ich habe mich gut unterhalten. Die Geschichte spielt 1976. Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin, Ruth Gilmartin, erfährt von ihrer Mutter Sally, dass diese eigentlich jemand ganz anders war. Sally schreibt ein Manuskript und erzählt darin die Geschichte der "Eva Delektorskaja", die 1939-1941, also zu Beginn des WK II, spielt. Sally=Eva war für eine Geheimddienstorganisation tätig und wird von Lucas Romer ausgebildet und geführt. Die großen Zusammenhänge kann sie nicht verstehen, sie ist gefangen in ihrer kleinen Welt, in der sie Falschmeldungen im Umlauf bringt, um die USA zum Kriegseintritt zu bewegen. Später muss sie fliehen und lebt unter einem Falschnamen in England, bis sie sich dem letzten Duell mit Lucas Romer stellt.

Die Erzählperspektive wechselt je Kapitel zwischen der Ich-Perspektive Ruths und der objektiven Erzählung Sally=Eva. Dem Erzählfluss tut dies keinen Abbruch - im Gegenteil. Es ist spannend geschrieben und Stück für Stück nähert man sich der Auflösung.

Einen Kritikpunkt habe ich: Sally bittet ihre Tochter Ruth, Lucas Romer ausfindig zu machen, der mittlerweile auch unter falschem Namen als Lord lebt. Sally kann nicht wissen, wo und als wer Lucas lebt. Dennoch findet Ruth Lucas problemlos. Das ging mir viel zu einfach - oder ich habe etwas überlesen.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen