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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geahnt hat man es schon immer - nun weiß man es
Nichts, was Zeruya Shalev in diesem Roman erzählt, wird irgendeinem ihrer Leser unbekannt vorkommen - es sind die sattsam bekannten Implosionen und Explosionen der Zweisamkeit und die Exzesse von Kränkung und Lebensgier, Hoffnung und Angst, die die Protagonistinnen und Protagonisten innerhalb und außerhalb ihrer Ehen quälen. Jeder erlebt es alle...
Veröffentlicht am 28. Dezember 2005 von euripides50

versus
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hochsensibler zweiter Roman
Nach Shalevs hocherotischem und einfühlsamen Erstling "Liebesleben" fühlt man sich als Leser des zweiten Romans "Mann und Frau" schier erschlagen: Diemal geht die Autorin nicht nur einfühlsam, sondern hochsensibel mit der Psyche der Hauptfigur um, jeder Satz bietet neue tiefgreifende und z.T. schockierende Einblicke in das Seelenleeben...
Am 8. Januar 2002 veröffentlicht


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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geahnt hat man es schon immer - nun weiß man es, 28. Dezember 2005
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau: Roman (Taschenbuch)
Nichts, was Zeruya Shalev in diesem Roman erzählt, wird irgendeinem ihrer Leser unbekannt vorkommen - es sind die sattsam bekannten Implosionen und Explosionen der Zweisamkeit und die Exzesse von Kränkung und Lebensgier, Hoffnung und Angst, die die Protagonistinnen und Protagonisten innerhalb und außerhalb ihrer Ehen quälen. Jeder erlebt es alle Tage. Warum also noch darüber lesen? Weil die Art und Weise, wie die Autorin ihre Geschickten erzählt, für den Leser eine Katharsis bereithält, die er so noch nicht erfahren hat. Weil der Seelensud, auf dem der moderne Mensch zerköchelt, in das helle Licht einer ausgefeilten Sprache gehoben wird und weil das dumpfe-allzumenschliche, von dem man immer glaubte, es sei nicht literaturfähig, endlich einmal so dingfest gemacht wird, dass es nicht mehr entkommen kann. Insofern sind Na´ama und Udi, ein israelisches Ehepaar in den mittleren Dreißigern, das exemplarische Ehepaar unserer Zeit. Ihnen geht es wie allen anderen auch: sie leiden an der Liebe, könne aber auch nicht ohne Liebe leben – oder um es in den Worten der Autorin selbst zu sagen: „sie wollen lieben, wissen aber nicht wie.“ Auch der Leser weiß am Ende des überaus packend geschriebenen Seelenromans keineswegs „wie“ es funktioniert, dafür sind die Paradoxien der modernen Subjektivität einfach zu unhintergehbar geworden. Aber er hat eine Landschaft voller Gefühlsverirrungen durchwandert und die unterschiedlichsten Pfade durchmustert, die alle voller Hoffnung beginnen um am Ende im Chaos zu enden. Da ist der labile Ehemann Udi, der vor dem Stress seiner krisenhaften Ehe in eine Konversionshysterie flüchtet, da ist seine agile Ehefrau Na´ama, die es allen recht machen will und am Ende von ihrem Mann verlassen wird, da ist Na´amas Mutter, eine schöne und begabte Frau, die aus reiner Lebensgier Ehemann und Kinder sitzen ließ um dann festzustellen, dass das Leben auch für die Lebensbereiten nur Einsamkeit und Enttäuschung bereithält, da ist Na´amas Vater mit seinem unfehlbaren Quecksilberthermometer, der am Liebesleid zugrunde geht, da ist der namenlose Rechtsanwalt, der nur als „Gast im leben anderer Menschen gegenwärtig ist, um seine augenblickliche Lust zu befriedigen“, da ist die geheimnisvolle Sohara, die die Glücks- und Liebeskranken mit tibetischen Sprüchen zu befriedigen sucht – und da sind die wahren Opfer dieser Totentänze: die Scheidungs- und Trennungskinder, denen die Welt in Scherben fällt, weil ihren Eltern die Kraft abgeht, ihrer Verantwortung zu genügen. Dass in der Annahme dieser „Verantwortung“, in dem „versteinerten Verzicht“ auf das trügerische Liebes und Glücksversprechen der Moderne zugunsten von Verlässlichkeit und Vertrauen möglicherweise das einzige Gegengift gegen die Verhexungen der modernen Liebe besteht, wird zwar von der Autorin so deutlich nicht herausgearbeitet, erscheint aber hinter allen Einzelschicksalen wie eine undeutliche „Moral von der Geschicht.“ Geahnt hat man es schon immer, nach der Lektüre von "Mann und Frau" hat man das Gefühl: nun weiß man es.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz besonderes Buch, 14. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau: Roman (Taschenbuch)
Nach der Lektüre von Shalevs "Liebesleben" war ich ziemlich hin- und hergerissen: inhaltlich konnte ich mich mit der Handlung überhaupt nicht identifizieren, sprachlich war das Buch allerdings erstklassig.

Jetzt habe ich auch Shalevs zweites Buch gelesen - ein besonderes Buch. Die schnörkellose Erzählweise ohne echte wörtliche Rede und mit nur wenig Absätzen kannte ich bereits aus dem "Liebesleben". Schon dieses Buch zog mich in seinen Bann, obwohl ich mich über die Handlung häufig geärgert habe, aber bei "Mann und Frau" war es völlig um mich geschehen. Shalev reißt den Leser in einen Strudel aus Ereignissen und aufgewühlten Gefühlen, so daß es ziemlich schwierig ist, das Buch aus der Hand zu legen.

Wie diese Familie zerbricht, wie Na'amas kleine heile Welt in sich zusammenstürzt und ihr Leben vollkommen durcheinandergerät, schildert sie auf eine sehr berührende und trotzdem gänzlich unsentimentale Art. Und sie wagt es, auch die kleinen, unangenehmen Dinge anzusprechen, die unseren Alltag begleiten und die man meist schweigend hinnimmt, die sich aber über lange Sicht anhäufen können, bis das "Maß voll" ist. Sehr menschlich gezeichnet fand ich auch die Passagen über Na'amas Arbeit mit schwangeren Teenagern. Und auch in diesem Buch wieder ein eher offener Schluß, den ich sehr gelungen fand.

Mit diesem Buch hat mich Zeruya Shalev endgültig überzeugt, diesmal kam zu der wunderbaren Sprache eine Geschichte hinzu, in die ich mich wirklich hineinversetzen konnte. Auch ein Buch, das zum Nachdenken über Freiheit in Beziehungen anregt.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Szenen einer Ehe - wunderbares Buch, 29. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau: Roman (Taschenbuch)
Ein israelisches Ehepaar - Udi, Fremdenführer, und Na'ama, engagierte Sozialarbeiterin - zusammen seit Jugendjahren, sind nun Anfang vierzig und in einer scheinbar ausweglosen Beziehungssituation. Zwei Ereignisse, die lange zuvor passiert sind, haben ihre Spuren hinterlassen und wirken so auf die Beziehung der beiden ein. Vor Jahren hatte Na'ama sich in einen Maler verliebt und Udi fast betrogen. Als ein paar Jahre später eine gemeinsame Tochter zur Welt kommt, und Udi, der eine sehr innige Beziehung zu ihr aufbaut, sie als Kleinkind vom Balkon fallen lässt, ist dies der zweite Meilenstein des Anfangs vom Ende. Das Kind Noga überlebt ohne weitere gesundheitliche Schäden, doch Udis Gefühle zur Tochter haben sich geändert.

Die Krise manifestiert sich auf Udis Seite in psychosomatischen Problemen wie vorübergehende Lähmungserscheinungen und Blindheit, jedes Mal als Reaktion auf Streit mit Na'ama. Bei ihr macht sich dieses lang zurückliegende Ereignis in ständigen Gewissensbissen bemerkbar. In fast krankhafter Weise versucht sie Udi alles recht zu machen, verwöhnt und bedient ihn. Noga, die gemeinsame Tochter, ist für die Beziehung der beiden mehr Hindernis als Hilfe. Mitten in der Pubertät hat Nogi selbst mit Teenagerproblemen zu kämpfen und bekommt nicht viel Hilfe bei ihren Eltern. Zusätzlich belastet sie natürlich die zeitweise unerträgliche Spannung zwischen ihren Eltern, wobei Noga sich meist auf die Seite des Vaters stellt.

Als die Ärzte keine körperlichen Ursachen für Udis Beschwerden finden können, lässt Na'ama eine junge Heilerin ins Haus kommen. Die junge Frau übt eine eigenartige Faszination auf die beiden aus und schafft es, Udi Zuversicht und Stärke zu geben, erkennt auch, dass auch Na'ama und Noga Hilfe benötigen und versucht in einigen Sitzungen auch die beiden Frauen in eine andere Denkweise zu lenken. Leider passiert sehr bald etwas, das Na'ama lange nicht richtig erkennt. Zu sehr vertieft in ihren eigenen Heilungsprozess und die langsame Wiederannäherung an ihre Tochter, ist Na'ama überrascht, als Udi plötzlich auszieht. Verzweifelt versucht sie noch, ihn zu halten, obwohl ihr längst klar ist, dass diese Beziehung nicht mehr funktionieren kann.

In den nächsten Tagen und Wochen verbessert sich die Mutter-Tochter-Beziehung und es entsteht eine Art Freundschaft zwischen den beiden, die die übertrieben innige, eher einseitige Beziehung Nogas zu ihrem Vater relativiert. Udi meldet sich gelegentlich telefonisch, und als einmal im Hintergrund Babyweinen zu hören ist, begreift Na'ama dass Udi bei Sohara, der Heilerin, und ihrem Baby ist.

Na'ama beginnt eine Affäre mit einem Architekten, deren intensive erotische Natur ihr zur Offenbarung wird. Und siehe da - nun, da die Trennung vollzogen ist, finden Udi und Na'ama langsam wieder zueinander, der Hass ist verschwunden und sie finden eine neue Basis, die vielleicht eine Chance für einen Neuanfang sein könnte.

So endet dieses betroffen machende, mitreißende, ergreifende Buch und lässt dem Leser somit viel Raum für Eigeninterpretation. Zeruya Shalev versteht es meisterhaft, die Gefühle und Zwiespälte wiederzugeben, denen die Hauptpersonen ausgesetzt sind. Manche Passagen sind erschreckend real und doch sehr fern, man erkennt sich und eigene Beziehungsmuster wieder.

Dieser Roman hat mich sehr berührt und betroffen gemacht. Betroffen über die Kälte, die sich in Beziehungen einschleichen kann, betroffen über die Gedankenwelt, die jeder der Partner für sich behält, nicht mit dem anderen teilt, verdrängte Schuldgefühle, die sich in Taten und Worten äußern, von denen man nie vermuten würde, woher sie ursächlich kommen.

Shalevs Stil zu schreiben ist für mich einzigartig, eine Art Aneinanderreihung der Gedanken, ein Eigenleben des Unterbewusstseins, ein Brainstorming von Gefühlen. Einfach schön!
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Würdiger Nachfolger von "Liebesleben", 20. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau (Taschenbuch)
Nach „Liebesleben" waren meine Erwartungen in Zeruya Shalev's neues Buch „Mann und Frau" entsprechend hoch. Dennoch war ich anfangs noch nicht so sehr von der Geschichte von Na'ama und Udi angetan, zumal sich die ersten Kapitel, die sich vorwiegend mit Udi's Krankheit beschäftigen, ziemlich in die Länge ziehen. Danach aber gewinnt die Geschichte rasant an Vielschichtigkeit und erzählerischer Dichte und nimmt den Leser gefangen, so dass man gar nicht mehr aufhören möchte zu lesen.
Am Beispiel einer einer zerrütteten Ehe beschreibt Zeruya Shalev den schmerzlichen Selbstfindungsprozeß einer Frau, die aus Liebe zu ihrem Mann und zum Wohle ihrer Familie nach und nach unbewußt ihr eigenes Leben aufgegeben hat. Erst als ihr Mann Udi sie und die gemeinsame Tochter Noga verlässt, wird ihr allmählich bewusst, dass sie bereits viel früher schon verlassen wurde - und zwar von sich selbst. Doch diese Erkenntnis wird von Na'ama erst durch einen schmerzlichen Prozeß gewonnen, der von Selbstmitleid, Wut und Trauer durchzogen ist.
Zeruya Shalev versteht es dabei meisterhaft, durch intelligente Symbolik und Metaphern der Handlung und ihren Charakteren Tiefe zu verleihen:
Udi verlässt Na'ama und Nogi am selben Tag, als das Mädchen Chani ihr Baby zur Welt bringt und entsetzt feststellen muß, dass ein anderes Mädchen den Pullover, den Chani für das Neugeborene gestrickt hatte, absichtlich aufgetrennt hat. Genau so steht Na'ama nun vor ihrer zerrütteten Ehe, die wie der selbst gestrickte Pullover brutal zerstört wurde. Sie erkennt, dass sie sich in den Wollfäden des aufgetrennten Pullovers verstrickt hat und, dass man diesen „Pullover", ihre Ehe mit Udi, nicht einfach so wieder neu stricken kann.
Der Neuanfang in Na'amas Leben äußert sich symbolkräftig in ihrer Affäre mit einem Architekten. In dessen Musterwohnung lieben sich die beiden nicht nur, sondern hier wird ihr auch durch ihn unmissverständlich klar gemacht, dass ihre Vorstellungen von Familienleben und von sich selbst auch nichts weiter waren als ein scheinheiliges Modell in ihrem Kopf.
Weitere gelungene Metapher ist eine Bibelgeschichte, anhand derer Udi schon am Wochenendausflug mit Na'ama (S. 136) zu erkennen vermeint, dass er nicht mehr denselben Weg zurück gehen kann, den er gekommen war. Erst viel später (S. 384 ff.) versteht Na'ama, was Udi damit gemeint hat.
An Na'amas Geschichte demonstriert Zeruya Shalev anschaulich, dass Tiefpunkte im Leben wie Scheitern und Verlust auch durchaus ein Gewinn sein können - Selbsterkenntnis und die Chance auf einen Neubeginn zum Beispiel. In Na'amas Fall kommt zusätzlich noch die Aussöhnung mit der Mutter hinzu, mit der sie erstmals über die Familienvergangenheit spricht und die sie nun zum ersten Mal zu verstehen beginnt. Sie erkennt, dass der Vater ihr als Kind ein falsches Bild von sich vermittelt hat, dem sie später blindlings nachgeeifert ist und damit den selben Fehler begangen hat, wie einst er. Und sie erkennt, dass sich ihre Tochter Noga bereits auf einem ähnlichen Weg befindet.
Fazit: „Mann und Frau" ist fast sogar noch besser als „Liebesleben", mindestens jedoch genau so gut!!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hochsensibler zweiter Roman, 8. Januar 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau (Gebundene Ausgabe)
Nach Shalevs hocherotischem und einfühlsamen Erstling "Liebesleben" fühlt man sich als Leser des zweiten Romans "Mann und Frau" schier erschlagen: Diemal geht die Autorin nicht nur einfühlsam, sondern hochsensibel mit der Psyche der Hauptfigur um, jeder Satz bietet neue tiefgreifende und z.T. schockierende Einblicke in das Seelenleeben der Hauptfigur, Na'ama, für die nicht nur ihre Ehe, sondern ihr ganzen Leben ein Geflecht aus unausgesprochenden, intensiven Gefühlen und Geheimnissen ist. Dieses Buch ist ein schon fast erschütterndes Seelenporträt und streckenweise schwer verdaulich.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erst erschlagend niederdrückend, dann berauschend wahr, 13. Januar 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau (Taschenbuch)
Ein wahrhaftiges und ein atemberaubendes Buch. Nach zwei Tagen und zwei Nächten war ich zwar seelisch und körperlich unsagbar erschöpft, doch zugleich bereichert von dieser vagen Empfindung, ganz nah dran zu sein - zu sehen, ob nun alles mit allem zusammenhängt oder es am Ende gar keinen Konsens gibt.
Eiskaltanalytisch und doch warmherzig
dumpf-verklärend und doch hellsichtig
lethargisch und leidenschaftlich
wahrhaftig und berauschend
die ersten hundert Seiten waren eine Qual, dann wollte ich es nie mehr aus der Hand legen -
EIN GROSSER GEWINN !!!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Szenen einer Ehe, 28. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau: Roman (Taschenbuch)
Der Beginn der Geschichte lässt keine Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Dramas zu, sondern könnte aus jedem X-beliebigen „Frauen-Roman“ stammen:
Ein Mann wird morgens wach; beide Beine sind gelähmt; Frau und Tochter sind wie paralysiert; alle vorhandenen Probleme lösen sich wegen der Krise in Dunst auf; Fahrt zum Krankenhaus; dort stellt ein gütig lächelnder Arzt die hoffnungsvolle Diagnose nebst zukunftsträchtiger Prognose; Vater – Mutter – Tochter sinken sich glücklich in die Arme; der Vorhang fällt, das Publikum tobt, der Kritiker auch.
Diesen klebrig-süßen Verlauf erspart uns die israelische Erfolgsautorin Zeruya Shalev zumindest teilweise, denn nur bis zur Einlieferung in das Krankenhaus folgt sie diesem schon fast ausgelutschten Schema und selbst dafür benötigt sie nur wenige Minuten des fünf CDs umfassenden Hörbuches. Danach entgleitet die Story in ein knallhartes Psychogramm einer sich letztendlich selbst zerstörenden Ehe. Bis auf die Grundmauern erschüttert die Autorin das bei uns übliche Selbstbildnis der sich für die Kinder aufopfernden Mutter, des treusorgenden Ehemanns und des verwöhnten, jedoch folgsamen Einzelkindes. Udi, so heißt der männliche Protagonist dieser Geschichte, ist Reiseleiter und fast nie zu Hause. Und wenn er zu Hause ist, zwingt er der Familie seinen Rhythmus auf, stört die zerbrechliche Harmonie zwischen Mutter und Tochter; einer Tochter, die er weitestgehend ignoriert. Na’ama, Ich-Erzählerin und Udis Frau, arbeitet als Sozialhelferin in einer karikativen Einrichtung, die sich um junge Mädchen kümmert, die ungewollt schwanger wurden. Die 9-jährige Tochter Noga findet weder in der Familie noch in der Schule halt. Einzige Bezugsperson ist ihre Großmutter, bei der sie ihre Nachmittage verbringen muss.
Realitätsnah wird aus der Krankheit kein verbindendes Element sondern Auslöser für heftige Rededuelle zwischen den Eheleuten, bei denen keiner einen Deut nachgibt und Schuldzuweisungen wie Pistolenkugeln verschossen werden. Zermürbend langsam der Erkenntnisprozess, dass es so etwas wie Liebe zwischen ihnen nicht mehr gibt, sondern dass die Beziehung einer Symbiose zweier Lebewesen gleicht, deren Nahrung die gegenseitigen Vorwürfe sind. Erst durch die erzwungene Nähe kann die nötige Distanz entstehen, die für beide nötig ist, um ihr Leben neu zu ordnen. Dabei gehen beide unterschiedliche Wege, die jedoch eines gemeinsam haben: sie führen in verschiedene Richtungen – ein gemeinsames, glückliches Leben rückt in den Bereich der Utopie. Und erst, als diese Befreiung vollzogen ist, gelingt es Na’ami, wie von außen objektiv ihr Leben zu betrachten. Erst nun schafft sie es, membrandünne Ordnung in ihr emotionales und psychisches Chaos zu bringen und denkt zum ersten Mal in ihrem Leben nur an sich – dabei bleibt sie Mutter, aber sie ist nicht mehr die „Über-Mutter“, die ihre Tochter vor allem beschützen will und dabei genau das Gegenteil erreicht.
Aber der Roman besticht nicht nur durch psychologische Tiefe, sondern auch durch die klare, moderne Sprache. Dabei ist der Roman nicht frei von Metaphern, Ironie oder Archetypen doch die Autorin vermeidet jedwedes Klischee und paralysiert den Hörer förmlich mittels kraftvoller Bilder, strukturiertem Aufbau, pulsierendem Sprachrhythmus und mitreißender Dynamik. Dabei destruiert sie Karte für Karte das bereits schwankende Kartenhaus der 20-jährigen Ehe, bezieht dabei aber nie Partei, so dass am Ende der Hörer entscheiden muss, wer denn nun den „Schwarzen Peter“ auf der Hand hält.
Hörspiel par excellence
Keine Soundeffekte, keine Musik und doch wird hier ein Hörerlebnis geboten, dass herkömmliche Lesungen weit in den Schatten stellt. Anika Pages liest nicht Na’ama, sie spielt Na’ama. Dabei durchlebt sie alle Höhen und Tiefen der zerbrechenden Beziehung. Eindringlich wird es, wenn sie von den Problemen der schwangeren Teenager berichtet. Erotisch, wenn sie gemeinsam mit ihrem Mann den längst fälligen Urlaub vom Alltag macht – hoffnungslos, da auch dieser nichts mehr kitten kann. Hoffnungsvoll, wenn es an der Tür klopft oder das Telefon klingelt. Sehnsüchtig, wenn sie sich das Bild ihres Mannes vor Augen ruft, wie er ein fremdes Baby auf den Armen wiegt. Eifersüchtig, wenn sie an die neue Geliebte denkt. Hasserfüllt, wenn sie von ihrer Mutter spricht. Gleichgültig, wenn sie über sich selber spricht. Es ist, als lausche man einem Method-Actor bei einem Kammerspiel – eine unglaubliche Intensität und Körperlichkeit wird erzeugt, die süchtig macht.
Fazit: Hervorragend geschriebenes und außergewöhnlich eindringlich gespieltes Hörbuch einer großen israelischen Autorin. Völlig ohne Pathos, Klischees oder Stereotypen schildert sie unparteiisch vom Ende einer großen Liebe, ohne den Hörer zu langweilen oder in tiefe Depressionen zu stürzen, denn der Roman hat tendenziell einen optimistischen Unterton, der beachtet werden will. Das ideale Geschenk für alle, die befreundeten Ehepaaren einen Spiegel vorhalten wollen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So müssen Bücher sein,, 10. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau (Taschenbuch)
dann klappt es auch mit dem Lesen. Die Autorin hat es geschafft, ein schwieriges, mit Tabus behaftetes Thema so näherzubringen, das auch die Leserin oder der Leser, welche/r sich noch nicht lebhaft mit der Brisanz einer zerbrechenden Partnerschaft auseinandersetzen musste, dazu hingeleitet wird, dies, wenn nicht bereits irgendwann schon geschehen, alles daran setzten wird, auch zukünftig zu vermeiden. Es lässt sich nicht verleugnen, das man sich beim Lesen irgendwie beobachtet fühlt, und immer wieder stellt man fest, das die Abgründe der Menschen sich doch alle sehr ähneln. Die fast 400 Seiten des Buches sind so voller Leid und gleichzeitiger Hoffnung, das man diese nur beiseite legen kann, wenn man vor Erschöpfung zwischenzeitlich beinahe einzuschlafen droht. Ein packendes, außergewöhnliches Buch, das man kennen sollte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atemlos, schockiert, traurig, glücklich und um einiges weiser..., 12. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau: Roman (Taschenbuch)
...hat mich dieses Buch heute wieder ausgespuckt, nachdem es mich letzte Woche in seinen Bann gezogen hat. Ein Gefühl als hätte man einen langen, verwirrenden und doch so eindeutigen und klaren Traum gehabt aus dem man aufwacht und ein bischen wehleidig ist, dass das Buch zuende ist, aber auch sehr glücklich, dass man selber ein schöneres Leben führt als Na`ama, die Hauptfigur. Ich habe mich leicht gefühlt und von vieler Last befreit...denn so schön das Buch ist, so magisch ihre Sprache auch sein mag...so grausam ist es auch, so deprimierend ist es in die Seele dieser Frau zu sehen. Manchmal mag man wegsehen und nicht wissen was sie denkt...oft erkennt man sich selbst in ihren Beschreibungen.
Eines der besten Bücher die ich seit langem gelesen habe.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Szenen einer Ehe, 28. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Mann und Frau (Audio CD)
Der Beginn der Geschichte lässt keine Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Dramas zu, sondern könnte aus jedem X-beliebigen „Frauen-Roman“ stammen:
Ein Mann wird morgens wach; beide Beine sind gelähmt; Frau und Tochter sind wie paralysiert; alle vorhandenen Probleme lösen sich wegen der Krise in Dunst auf; Fahrt zum Krankenhaus; dort stellt ein gütig lächelnder Arzt die hoffnungsvolle Diagnose nebst zukunftsträchtiger Prognose; Vater – Mutter – Tochter sinken sich glücklich in die Arme; der Vorhang fällt, das Publikum tobt, der Kritiker auch.
Diesen klebrig-süßen Verlauf erspart uns die israelische Erfolgsautorin Zeruya Shalev zumindest teilweise, denn nur bis zur Einlieferung in das Krankenhaus folgt sie diesem schon fast ausgelutschten Schema und selbst dafür benötigt sie nur wenige Minuten des fünf CDs umfassenden Hörbuches. Danach entgleitet die Story in ein knallhartes Psychogramm einer sich letztendlich selbst zerstörenden Ehe. Bis auf die Grundmauern erschüttert die Autorin das bei uns übliche Selbstbildnis der sich für die Kinder aufopfernden Mutter, des treusorgenden Ehemanns und des verwöhnten, jedoch folgsamen Einzelkindes. Udi, so heißt der männliche Protagonist dieser Geschichte, ist Reiseleiter und fast nie zu Hause. Und wenn er zu Hause ist, zwingt er der Familie seinen Rhythmus auf, stört die zerbrechliche Harmonie zwischen Mutter und Tochter; einer Tochter, die er weitestgehend ignoriert. Na’ama, Ich-Erzählerin und Udis Frau, arbeitet als Sozialhelferin in einer karikativen Einrichtung, die sich um junge Mädchen kümmert, die ungewollt schwanger wurden. Die 9-jährige Tochter Noga findet weder in der Familie noch in der Schule halt. Einzige Bezugsperson ist ihre Großmutter, bei der sie ihre Nachmittage verbringen muss.
Realitätsnah wird aus der Krankheit kein verbindendes Element sondern Auslöser für heftige Rededuelle zwischen den Eheleuten, bei denen keiner einen Deut nachgibt und Schuldzuweisungen wie Pistolenkugeln verschossen werden. Zermürbend langsam der Erkenntnisprozess, dass es so etwas wie Liebe zwischen ihnen nicht mehr gibt, sondern dass die Beziehung einer Symbiose zweier Lebewesen gleicht, deren Nahrung die gegenseitigen Vorwürfe sind. Erst durch die erzwungene Nähe kann die nötige Distanz entstehen, die für beide nötig ist, um ihr Leben neu zu ordnen. Dabei gehen beide unterschiedliche Wege, die jedoch eines gemeinsam haben: sie führen in verschiedene Richtungen – ein gemeinsames, glückliches Leben rückt in den Bereich der Utopie. Und erst, als diese Befreiung vollzogen ist, gelingt es Na’ami, wie von außen objektiv ihr Leben zu betrachten. Erst nun schafft sie es, membrandünne Ordnung in ihr emotionales und psychisches Chaos zu bringen und denkt zum ersten Mal in ihrem Leben nur an sich – dabei bleibt sie Mutter, aber sie ist nicht mehr die „Über-Mutter“, die ihre Tochter vor allem beschützen will und dabei genau das Gegenteil erreicht.
Aber der Roman besticht nicht nur durch psychologische Tiefe, sondern auch durch die klare, moderne Sprache. Dabei ist der Roman nicht frei von Metaphern, Ironie oder Archetypen doch die Autorin vermeidet jedwedes Klischee und paralysiert den Hörer förmlich mittels kraftvoller Bilder, strukturiertem Aufbau, pulsierendem Sprachrhythmus und mitreißender Dynamik. Dabei destruiert sie Karte für Karte das bereits schwankende Kartenhaus der 20-jährigen Ehe, bezieht dabei aber nie Partei, so dass am Ende der Hörer entscheiden muss, wer denn nun den „Schwarzen Peter“ auf der Hand hält.
Hörspiel par excellence
Keine Soundeffekte, keine Musik und doch wird hier ein Hörerlebnis geboten, dass herkömmliche Lesungen weit in den Schatten stellt. Anika Pages liest nicht Na’ama, sie spielt Na’ama. Dabei durchlebt sie alle Höhen und Tiefen der zerbrechenden Beziehung. Eindringlich wird es, wenn sie von den Problemen der schwangeren Teenager berichtet. Erotisch, wenn sie gemeinsam mit ihrem Mann den längst fälligen Urlaub vom Alltag macht – hoffnungslos, da auch dieser nichts mehr kitten kann. Hoffnungsvoll, wenn es an der Tür klopft oder das Telefon klingelt. Sehnsüchtig, wenn sie sich das Bild ihres Mannes vor Augen ruft, wie er ein fremdes Baby auf den Armen wiegt. Eifersüchtig, wenn sie an die neue Geliebte denkt. Hasserfüllt, wenn sie von ihrer Mutter spricht. Gleichgültig, wenn sie über sich selber spricht. Es ist, als lausche man einem Method-Actor bei einem Kammerspiel – eine unglaubliche Intensität und Körperlichkeit wird erzeugt, die süchtig macht.
Fazit: Hervorragend geschriebenes und außergewöhnlich eindringlich gespieltes Hörbuch einer großen israelischen Autorin. Völlig ohne Pathos, Klischees oder Stereotypen schildert sie unparteiisch vom Ende einer großen Liebe, ohne den Hörer zu langweilen oder in tiefe Depressionen zu stürzen, denn der Roman hat tendenziell einen optimistischen Unterton, der beachtet werden will. Das ideale Geschenk für alle, die befreundeten Ehepaaren einen Spiegel vorhalten wollen.
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