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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles was ein gutes Buch braucht - und noch ein bißchen mehr
Jahrelang war ich der irrigen Annahmen, Margaret Atwood sei nur eine weitere dieser ganzen Krimiautorinnen à la Donna Leon, Elizabeth George etc... und habe um jedes Buch von ihr einen großen Bogen gemacht.
Spät, aber immerhin nicht zu spät klärte sich dann meine Unwissenheit auf, und ich las das erste Mal ein Buch von ihr - "The Blind...
Veröffentlicht am 22. August 2004 von Inion@web.de

versus
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3.0 von 5 Sternen Der blind Mörder
Dieses Buch wurde als Geschenk gekauft und hat - soweit mir bekannt - dem Beschenkten eine sehr große Freude bereitet.
Vor 6 Monaten von Reinhard veröffentlicht


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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles was ein gutes Buch braucht - und noch ein bißchen mehr, 22. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder (Broschiert)
Jahrelang war ich der irrigen Annahmen, Margaret Atwood sei nur eine weitere dieser ganzen Krimiautorinnen à la Donna Leon, Elizabeth George etc... und habe um jedes Buch von ihr einen großen Bogen gemacht.
Spät, aber immerhin nicht zu spät klärte sich dann meine Unwissenheit auf, und ich las das erste Mal ein Buch von ihr - "The Blind Assassin". Es sollte der Anfang einer langen, bewundernden Leser-Autoren-Beziehung werden...
Erzählt wird die Geschichte von Iris, die achtzigjährig auf ihr langes, ereignisreiches Leben zurückblickt. In die Geschichte ihres Lebens als Tochter eines idealistischen Knopffabrikanten mischt sich die Tragödie um die wirren des Krieges und der nachfolgenden Rezession, die dafür verantwortlich sind, dass die Familie verarmt. Iris und ihr jüngere, zerbrechlich wirkende Schwester Laura sehen sich konfrontiert mit einem Vater , der an der Realität zerbricht, einem von der Polizei gesuchten Mann, den sie verschwörerisch verstecken und einem skrupellosen Großidustriellen, der es (nicht nur) auf den alten Familienbetrieb abgesehen hat.
In diese Lebensgeschichte verwoben ist die Erzählung vom blinden Mörder, einem geschulten Attentäter in einer fernen Welt, in der stumme Mädchen finsteren Göttern geopfert werden und eine große Zivilisation vor ihrer Vernichtung steht - erzählt von einem mysteriösen Mann bei den heimliche Treffen mit seiner gutsituierten, aber unglücklichen Geliebten. Dies ist die Handlung von Lauras erstem und einzigem Roman, den Iris nach ihrem frühen Tod veröffentlicht hat...und nach und nach verweben sich die Erzählstränge zu einem wunderbaren Gesamtbild, einer großen Familien- und Lebensgeschichte und einem (wenn man vom unvermeidlichen Ende des Buches mal absieht) ungetrübten Lesevergnügen.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Atwood Buch, wie man es sich erwartet!, 11. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder (Broschiert)
Margaret Atwood ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen und auch mit diesem Werk hat sie meine (hohe) Erwartungshaltung an ihre Bücher erfüllt.
The Blind Assassin ist eine dunkle Familiengeschichte, die zwar in den ersten 100 Seiten zäh vorankommt, sich danach aber so facettenreich entfaltet, dass ich dieses Buch kaum mehr weglegen konnte.
Zuerst fiel mir die Verstrickung von beinahe 4!, zunächst unzusammenhängenden, parallelen Erzählsträngen schwer, doch nachdem ich erkannte, dass sie alle ineinander verwickelt sind und im Prinzip als Hintergrund die selbe Story (nämlich die Familientragödie der Haupterzählerin Iris) gemeinsam haben, war ich von dieser Erzähltechnik begeistert. Ausserdem steigern sich alle 4 Stränge parallel in der Spannung, was die Nächte länger werden liess :-).
Interessant fand ich auch die Zeitungsartikeln, die von Margaret Atwood elegant eingebracht werden. Sie verraten immer schon im voraus, was passiert. Nach und nach findet man dann heraus, warum es zu diesen Ereignissen gekommen ist.
Gefallen hat mir übrigens auch die kühle, pragmatische Erzählart von Iris, der Haupterzählerin, die sich im understatement übt, obwohl alles rund um sie zusammenbricht. Am Anfang traut man Iris deshalb auch nicht tiefergehende Gefühle zu, doch - Stille Wasser sind tief - sie ist von Schuldgefühlen geplagt und es steckt weit mehr hinter ihrem Charakter als man ursprünglich annehmen könnte. Trotz aller Tragik wird nie auf die Tränendrüse gedrückt, denn Iris behält ihren kühlen Erzählstil bis zum Schluss bei.
Margaret Atwood hat die Macht, wunderschöne Sätze zu konstruieren, die ich einfach aus Genuss nochmals gelesen habe. Abschliessend kann ich nur noch sagen, dass ich bereits "The Robber Bride", "A Handmaid's Tale" und "The Edible Woman" verschlungen habe, und dass jetzt "Alias Grace" dran ist. Ach ja, noch was: Margaret hat sich den Booker Prize wirklich verdient!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dicht gewebte Geschichte, die einen mal wieder in den Bann menschlicher Abgründe zieht, 24. Oktober 2010
Von 
Pj - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch ist wie eine russische Matrioschka...da versteckt sich in der Geschichte eine Geschichte und noch eine Geschichte und noch eine...und alle vier zusammen ergeben auch in diesem Margaret Atwood Buch das Psychogramm einer Frau, die in ihrem nach aussen normalen Leben am Abgrund tanzt.

Die obere Ebene/der Einstieg ist die Geschichte von Iris, einer alten Dame die in unserer heutigen Zeit lebt, und die vor ihrem Tod das Bedürfnis hat, ihre Lebensgeschichte für ihre verschollene Enkelin aufzuschreiben. Es gibt Dinge, die diese Wissen sollte und da sie außer ihr niemand mehr weiß geht das nur in Form einer Niederschrift. Das Buch, das wir lesen ist quasi diese Niederschrift.

Die zweite Ebene ist der Rückblick in die Kindheit von Iris und ihrer Schwester Laura, einer finanziell privilegierten Kindheit in den 20er und 30er Jahren, einer Kindheit die jedoch emotional arm bleibt, da die Mutter früh stirbt und der Vater sie zwar liebt aber überfordert ist. Aus Kindern werden junge Frauen, Iris heiratet - um sich und ihre Schwester abzusichern - den deutlich älteren neureichen industriellen Richard. So kühl und distanziert wie in einem alten Schwarzweißfilm beschreibt Iris ihre Ehe, Richard bekommt keine Kontur. Typisch Atwood ist es eine Frau, die die Ehe zur Hölle macht: Richards Schwester Winifred, die eigentlich das Zepter in der Hand hält und alles dransetzt Iris klein zu halten. Emotional und fast beängstigend hingegen die Beziehung zu ihrer seltsamen Sund unnahbaren chwester Laura, mit deren Selbstmord im Alter von 25 Jahren das Buch beginnt.

Die dritte Ebene ist ein Roman namens "Blind Assassin", welchen Laura in ihren jungen Jahren geschrieben hat. Sie beschreibt in diesem Roman ihre heimliche heiße Affaire mit einem Mann der auf der Flucht ist, der Leser vermutet, daß es sich um Alex handelt, einem Sozialisten, den die Schwestern als junge Frauen kennengelernt haben. Laura schämt sich nicht, Leidenschaft und Körperlichkeit deskriptiv zu beleuchten...ein Skandal, aber da sie sich bei Erscheinen des Buches bereits umgebracht hatte geht die Empörung der Kritiker und Gesellschaft ins Leere. Heute - während Iris ihre Erinnerungen niederschreibt - wird Laura als verkanntes Genie gefeiert.

Die vierte Ebene ist eine Science Fiction Geschichte in Lauras Roman, welche der Mann ihr während der Treffen erzählt. Es geht darin um einen Blinden Mörder auf einem anderen Planeten, der gemeinsam mit einem stummen Mädchen die Vernichtung einer Stadt herbeiführt. Für die ich Erzählerin im Blind Assassin ist diese Geschichte das Brett, an das sie sich in ihrer schwierigen Beziehung klammert. Es muß ein nächstes Treffen geben, die Geschichte muß fortgesetzt werden.

Natürlich bringt Atwood uns am Schluß noch eine kleine Überraschung mit, aber das ist nicht das wichtigste. Es ist einfach mal wieder ein Buch, welches man am liebsten nicht mehr weglegen möchte. Es ist dicht gewoben, fantsievoll, sehr schön geschrieben und so spannend wie ein Kriminalroman. Unbedingt lesenswert!
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Perfektes Lesefutter für Literaturhungrige, 3. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder (Gebundene Ausgabe)
Man sollte sich von der Dicke dieses Romans auf keinem Fall abschrecken lassen, denn schließlich umfasst er auf 700 Seiten nicht nur die Lebensgeschichte einer Frau, sondern auch die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts. Die Ich-Erzählerin IRIS schildert ihr Leben, das im Vergleich zu den Erwartungen ihres "großbürgerlichen" Umfelds äußerst turbulent ausfällt. Eine Schwester die Selbstmord begeht und in einem posthum veröffentlichten Roman mit den damaligen Vorstellungen von Sexualität und Liebe aufräumt. Ein neureicher, sadistischer Ehemann, eine snobistische, im Herzen verhärtete Schwägerin, oder ein kommunistischer Agitator sind nur einige der Personen die ihr Leben maßgeblich beeinflussen und sie schließlich zu einer Frau machen die im hohen Alter auf ihr bewegtes Leben zurückblicken kann. Stets unterhaltend und ohne oberflächlich zu wirken schrieb Magaret Atwood einen Roman, den man nur ungern wieder aus der Hand legt.
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4.0 von 5 Sternen Die Geschichte zweier Schwestern, 23. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder: Roman (Taschenbuch)
Die betagte Iris blickt auf ihr Leben zurück. Damit spart sie weder mit Sarkasmus noch Kritik und schon gar nicht mit den Unannehmlichkeiten des Alterns.

Iris und ihre jüngere Schwester Laura wuchsen als Töchter eines reichen Knopffabrikanten in Kanada auf. Bis die Wirtschaftskrise auch über diese Fabrik ihren dunklen Schatten warf. Da wird Iris an den ambitionierten und wohlhabenden Richard verheiratet, der sich auch sofort um die jüngere Schwester Laura kümmert.

Doch Laura beging mit 25 Jahren Selbstmord, woraufhin ihr das Buch „Der blinde Mörder“ postum zu großer Berühmtheit verhalf.

Aber war sie wirklich die Autorin? Und was geschah einst hinter der Fassade?

Hierbei handelt es sich nur um den Grundzug der Hauptgeschichte. Tatsächlich wartet Margaret Atwood mit 4 Erzählsträngen auf, die sogar unabhängig voneinander spannend und interessant zu lesen wären. Kaum ein Genre wird dabei ausgespart. Der Leser bekommt einen Familienepos, Science Fiction, eine Liebesgeschichte mit einer Portion Zeitgeschichte geliefert und darf sich trotz dieser gewagten Komplexität an einem mitreissenden Roman erfreuen.

Abgerundet wird dieses Werk durch Margaret Atwoods fesselnden Schreibstil. Während sie den Protagonisten pralles Leben einhaucht, lässt sie den Leser durch fantasievolle Welten reisen, nur um ihn anschließend umso härter auf den Boden der Tatsachen knallen zu lassen.

Teilweise hatte das Buch aber seine Längen, was wohl an den komplexen Handlungen liegt.

Wer sich also gleichzeitig in die 30er-Jahre, auf fremde Planeten und düstere Familiengeschichten begeben will, ist mit Margaret Atwoods „Der blinde Mörder“ gut beraten.
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5.0 von 5 Sternen Mitreißende Lebensbeichte, 15. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder: Roman (Taschenbuch)
Ich bin Margaret Atwood verfallen, so wie ich zuletzt im zarten Alter von sechzehn Stephen King verfallen war. Meine Güte, was schreibt diese Frau gut. Obwohl mir das Thema des vorliegenden Romans eigentlich fremd ist – das Leben einer Frau in den Dreißigern in Kanada, ein geheimnisvolles Buch, eine Liebesgeschichte und ein Familiendrama – kann man sich dem Sog der Erzählung kaum entziehen. Spannend, authentisch, ganz nebenbei wird ein komplettes Jahrhundert betrachtet, analysiert, gesellschaftlich, sozial. Im wieder tauchen geradezu lyrische Passagen auf, die sich in diesem Pageturner nicht zu verstecken brauchen. Zudem gelingt Atwood das Zauberstück, innerhalb des raffiniert verschachtelten Romans mehrere nicht minder faszinierende SF-Geschichten einzuweben. Das ist große Literatur, die auf jeder Seite Spaß macht.
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21 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichneter Mehrgenerationen - Frauenroman, 2. November 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder (Gebundene Ausgabe)
Elfriedes Gedanken zu:
Margaret Atwood : Der blinde Mörder - the blind Assassin
Dies ist das Buch einer Frau, das von Frauenschicksalen über mehrere Generationen hinweg, erzählt. Die Beschreibungen von Charakteren und Persönlichkeiten werden sensibel und glaubhaft von Margaret Atwood entwickelt, ausgeformt und abgerundet. Der Inhalt des Buches hat wider Erwarten siebenhundert Seiten lang mein Interesse wachhalten können und mein credo „ alles über vierhundert Seiten ist unhöflicher Narzißmus des Dichters dem Lesenden gegenüber" in diesem Fall unwirksam werden lassen. Was also hat mich an dem Buch fasziniert ?
Zuerst einmal der Schreibstil der Atwood.
Klar und subtil beschreibt sie Charaktere, Umwelten, Realitäten und Träumereien. Sie kann sich blendend in Menschen und deren Schicksale hineinversetzen und hat einen akribisch sezierenden Hang Dingen bis auf den Grund zu kommen.
Weiters hat sie die Kraft, auch lange Geschichten zu Ende erzählen zu können. In analytischer Art entflechtet sie das Erzählte und rundet es ab. Kaum etwas bleibt offen und fraglich, das 700 Seiten Puzzle wird unausweichlich der grausamen Synthese zugeführt. Diese Synthese - das Ende - jedoch ist nicht befriedigend oder macht Genugtuung, sondern ist bitter und zerstörerisch. Die Frauen in ihrer Geschichte zerschellen am eigenen Schicksal, sind mehr die Leidenden, als die, die erfolgreich Schweres meistern und aktiv ihr Leben konstruktiv zu gestalten versuchen.
Ein interessantes Stildetail auch die kurzen,eingeschobenen Pressemeldungen, die die beschrieben Kleinstadtwelt blendend widerspiegeln und mich an Inselgazetten von Mauritius oder Hawai erinnern.
Dann die Charaktere und Schicksale der Frauen in dieser Mehrgenerationen- geschichte von Großmutter Adelia bis Ururenkelin Sabrina:
Die Großmutter Adelia bleibt eine einzige unfaßbare Legende, nur greifbar über Porzellan, Glasfenster, Mobiliar und Kochbücher. Sie scheint nur dann leben zu können, wenn sie von außen Anerkennung bekommt. Dafür setzt sie ihre Kraft ein, vergeudet sie und stirbt schließlich an einer unaussprechlichen Frauenkrankheit.
Die Mutter - wie war doch ihr Name ? - ist eher blaß, willensschwach, wenig realitätsnah und selten handfest. Sie stirbt an den fleischlichen Begierden ihres Mannes im Zuge einer Fehlgeburt. Sie erleidet ein typisches Frauenschicksal in Kriegszeiten. Aus dem Krieg kehrt ein anderer Mensch zurück als der, den sie jung geheiratetet hat. Sie flüchtet sich enttäuscht in Religion und Wohltätigkeit.
Iris - die Enkelin Adelias -, erlebt als kleines Mädchen noch eine halbwegs versorgende Mutter. Allerdings hat sie in ihrer frühen Kindheit keinen real anwesenden Vater. Es gibt nur die Fantasie eines strahlenden Helden und Siegers. Was sie dann weiter erlebt ist das Gegenteil davon. Der aus dem Krieg Zurückgekehrte ist ein gebrochener Verlierer und monströsen Krüppelvater, der durch sein „Nicht kontrollieren können" das kleine Kind verschreckt. Er ist nicht liebevoll und kümmert sich nicht voll Stolz um seine Tochter. Er ist viel zu sehr vom Krieg traumatisiert und nicht in der Lage seinem weiblichen Kind Wertschätzung entgegenzubringen. Er fühlt sich abgewertet und gibt dieses Gefühl seinen Töchtern weiter. Er scheint Frauen auch zu fürchten und so erlebt Iris auch kein Elternpaar das miteinander kommunizieren kann. Iris möchte ihm die liebe, folgsame und pflegeleichte Tochter sein. Sie versucht über Angepaßtheit dem Desaster zu entkommen, scheitert letztlich an dieser Angepaßtheit, die zur Realitätsferne verkommt und an ihrer zerstörerischen Persönlichkeit.
Laura , die jüngere Schwester von Iris ist von Anfang an ein belastetes Kind. Sie hat eine depressive Mutter, die ihr keine Zuwendung bieten kann und einen enttäuschten Vater, der einen Sohn hätte haben wollen. So geht sie in eine Traumwelt, wo nur ihre Realitäten gelten und diese sind ganz klar und lauten: keine wirkliche Anpassung, nur die eigenen Bedürfnisse zählen und werden von ihr starr, bis zur Selbstzerfleischung verfolgt. Laura möchte durch Protest und Außergewöhnlichkeit Aufmerksamkeit erringen. Ihr Suizid ist ein Zeichen dafür, daß sie selbstständig und für sich in der wirklichen Welt nicht existieren kann. Sie katapultiert sich an diesen Ort zurück, wo sie Verschmelzung und Einheit mit Alex Thomas erfahren hat. Sie vereinigt sich symbolisch mit dem im Krieg Gefallenen. Auch sie fällt - im wahrsten Sinne des Wortes - von der Brücke und ist „unter der Brücke" mit ihm nun wiederum vereint. Damit bringt die Autorin in feiner, aber deutlicher Art den persönlichen Verfall von Laura und auch den Abstieg ihrer Familie zum Ausdruck und schließt so den Kreis.
In einer Welt der Morbidität und Realitätsferne versuchen die beiden Schwestern zu überleben, was ihnen rein äußerlich auch eine Zeit lang gelingt. Allerdings sind sie nicht in der Lage, über ihre echten und wirklichen Wünsche miteinander Austausch zu pflegen. Sie sprechen in einer Geheimsprache um sich dem Wirklichen zu entziehen und bleiben sich dadurch fern. Deshalb können sie sich nicht wirklich weiter entwickeln und werden keine wirklichen Partnerinnen, die sich aufeinander verlassen und einander in den realen Wirrnissen, Schwierigkeiten und Rivalitäten des Lebens vertrauen können. Zuviel Neid, Eifersucht und Groll verhindert eine tragfähige Beziehung miteinander, die in der erzählten Geschichte oft möglich gewesen wäre. Als Andere, Dritte in dieses fragile Beziehungsgeflecht einbrechen - nämlich Alex Thomas, Richard und Winifred - kann es dieser realen konflikthaften Belastung nicht standhalten. Die Beziehung wird noch mehr eine äußere Fassade, ein „als ob" das zerstörerisch wird. Es entsteht ein perverses Miteinander, das schließlich im Chaos endet.
Winifred, die um einiges ältere Schwägerin von Iris wiederum scheint sich nie von ihrem Bruder Richard getrennt zu haben und führt mit ihm eine enge geschwisterliche Beziehung, die massiv inzestuös getönt ist. Dadurch sucht und findet sie keinen realen Lebenspartner. Was sie möchte ist das Kind des Bruders um mit ihm weiter in dieser Beziehung zu bleiben. Sie versucht machtgierig Einfluß und Wohlstand zu erringen und erhalten und kämpft beinhart dafür.
Auch die Tochter von Iris, Aimee setzt diese Wohlstandsverwahrlosung und Destruktion fort. Aimee konnte von ihrer Mutter in deren damaligen Gefühlszustand nicht emotional versorgt werden. Sie sucht in der Sucht das Ersatzobjekt Mutter, die letzendlich aber tötlich ist.
Die Enkeltochter von Iris, Sabrina flüchtet sich in die reale Distanzierung und hat dadurch vielleicht eine echte Chance.
Das einzig gute Objekt in dieser kalten Leere ist die Hausbedienstete Reenie, die versucht den beiden Schwestern Iris und Laura die Mutter zu ersetzen, jedoch durch ihre soziale Stellung begrenzt ist. Sie führt fast eine Art Sklavendasein; ist immer anwesend und wird nie gelobt. Als sie nicht mehr gebraucht wird, wird sie vor die Türe gesetzt. Sie bleibt dem realen Leben verhaftet und kann es nach ihren Wünschen etwas gestalten. Sie erinnert mich ein bißchen an eine schwarze Sklavin.
Es finden sich noch andere Frauengestalten in dem Roman: Die Hauslehrerin, die wie eine Art Neutrum - Schattenwesen aus vergangenen Zeit, auftaucht und wieder ins Unbekannte verschwindet und damit besonders das Alte und Abhängige verkörpert. Die Geliebte des Vaters von Iris und Laura , Callie ist das Gegenteil davon. Sie ist relativ selbstständig, in die Zukunft schauend und sexuell aktiv. Sie kann sich mit Situationen real auseinandersetzen, meistert ihr Leben und kann sich anpassen ohne sich damit aufzugeben.
Das einzig Unaufgelöste ist für mich der Titel des Buches. Warum heißt es „Der blinde Mörder"? Warum hat dieses Buch, daß in so feiner Form die Geschichte von Generationen von Frauen erzählt einen Titel, in dem das Männliche im Mittelpunkt steht? Können Frauen wirklich nur von Männern aus ihrer Opferrolle befreit werden ? Ich hätte in den Titel etwas Weibliches hineingenommen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mord im Tal der Blinden, 2. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder: Roman (Taschenbuch)
Die Schwestern Laura und Iris wachsen in den 1930er Jahren als Töchter eines wohlhabenden Knopffabrikanten im Norden Kanadas auf. Während der Depression geht es der Fabrik zunehmend schlechter, doch die Schwestern sind vor allem mit ihren romantischen Gefühlen für den Gewerkschaftsagitator Alex Thomas beschäftigt. Als dieser einige Jahre später im Krieg stirbt, stürzt sich Laura mit dem Auto von einer Brücke und ist sofort tot. Zurück bleibt ein Manuskript mit dem Titel Der blinde Mörder, das Laura postum berühmt macht. Doch ist sie wirklich die Autorin?
Hier hat Margaret Atwood glaubwürdige Figuren geschaffen und in eine spannende doppelbödige (eigentlich sogar dreifachbödige) Geschichte verpackt...

Fazit: anspruchsvoller Schmöker, verfasst in feiner Ironie und niemals langweilig
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der blind Mörder, 31. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch wurde als Geschenk gekauft und hat - soweit mir bekannt - dem Beschenkten eine sehr große Freude bereitet.
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4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen, 3. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der blinde Mörder (Gebundene Ausgabe)
Zwar ist das wahrscheinlich als "überraschendes Ende" geplante Finale ziemlich vorhersehbar, jedoch tut das der Spannung und dem Lesevergnügen keinen Abbruch. ich habe vorher von der Autorin noch nichts gelesen, werde dies aber nach diesem Buch unbedingt nachholen.
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Der blinde Mörder: Roman
Der blinde Mörder: Roman von Margaret Atwood (Taschenbuch - 17. Oktober 2009)
EUR 14,99
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