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59 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns...
Vor 12 Monaten von Joerg Kilian veröffentlicht

versus
95 von 120 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Machen Sie Urlaub, Herr Murakami !
Ich nehme vorweg, dass ich (noch immer) ein Murakami-Fan bin und jeden in unseren Breiten verfügbaren Roman des Meisters mehrmals gelesen habe. Ich habe Romane wie Hard boiled Wonderland, Kafka am Strand oder Mister Aufziehvogel etc. genossen und bin sehr dankbar für die vielen schönen Stunden, die ich beim Lesen verbringen durfte.
Murakamis neuestes...
Vor 13 Monaten von Lector Tony veröffentlicht


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5.0 von 5 Sternen 'Aber es gibt keinen Ort mehr, an den es dich zurückzieht, nicht wahr? Keinen vertrauten Ort der vollkommenen Harmonie.', 10. November 2014
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Im Alter von 36 Jahren lernt Tsukuru Tazaki Sara kennen, eine Frau, die ihn sehr interessiert, der er vertraut und bei der er sich zum ersten Mal seit Jahren öffnen kann. Er erzählt ihr die tragische Geschichte seines Lebens: von seinen vier besten Freunden, mit denen er alles teilen konnte und die ihm vor 16 Jahren urplötzlich und ohne Angabe von Gründen die Freundschaft gekündigt haben. Tsukuru Tazaki hat unter der Trennung von seinen Freunden sehr gelitten, war depressiv und suizidal. Doch über die Jahre hat er die Trauer und das Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit tief in sich begraben. Sara ist sich sicher, dass Tsukuru noch immer von der Geschichte belastet ist und rät ihm, seine alten Freunde aufzusuchen und um Erklärung zu bitten.

Mein Eindruck:
Ich habe schon sehr viele Bücher von Haruki Murakami gelesen, und auch 'Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki' hat mir sehr gut gefallen.

Der Roman liest sich flüssig und ist unterhaltsam. Sprachlich fand ich das Buch bisweilen etwas zu banal. Dies hat zwar dazu geführt, dass ich den Roman sehr schnell lesen konnte, allerdings empfand ich den Schreibstil stellenweise als sehr simpel und dadurch etwas enttäuschend.

Inhaltlich hat mir das Buch aber so gut gefallen, dass ich dennoch großen Spaß am Lesen hatte und ich dem Roman dennoch 5 Sterne geben möchte. Murakami konnte mich durchweg neugierig auf den Verlauf der Geschichte und die Auflösung machen und mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Die Reisen, die Tsukuru unternimmt, um seine alten Freunde zu treffen, wurden zudem so bewegend geschildert, dass ich den Roman stets spannend und mitreißend fand.

Mein Resümee:
Meiner Meinung nach ein hervorragender Einstieg in Murakamis Werk: spannend, unterhaltsam, bewegend.
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4.0 von 5 Sternen "Ein großer Roman über Freundschaft und Liebe, Schmerz und Schuld"? Oder eigentlich über ein ganz anderes Thema?, 26. Januar 2014
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Wenn man auf das Marketing-Getrommel zu diesem Buch hörte, dann wird man sich bis zur Hälfte des Textes mindestens einmal gefragt haben, was denn an diesem Buch eigentlich so besonders ist. Der Anlauf, den Murakami braucht, um seine Geschichte dahin zu bringen, wo sie seine Leser vielleicht nachdenklich werden lässt, ist erheblich. Doch dann verdichten sich besonders im letzten Drittel des Buches Andeutungen und Lebensläufe zu einem Strang, der auf die eigentliche Frage hinausläuft, um die es hier geht.

Tsukuru Tazaki hält sich für einen farblosen Niemand. Er lebt alleine, hat gelegentlich Sex mit Frauen, merkwürdige Phantasien und leidet unter seiner Einsamkeit und einer schmerzlichen Wunde aus einer lange zurückliegenden Vergangenheit. Er hatte einmal vier enge Freunde in Nagoya, zwei Mädchen und zwei Jungen. Zwischen ihnen herrschte eine wunderbare Harmonie. Doch dann zog es Tsukuru nach Tokio zum Studium, während die anderen in Nagoya blieben. Während seiner Abwesenheit musste irgendetwas passiert sein, denn aus für ihn unerfindlichen Gründen wollten die anderen vier über Nacht nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Die Gründe für dieses abrupte Verhalten erfuhr Tsukuru nicht. Und er unternahm offenbar auch keine hartnäckigen Versuche, um sie zu finden. Vielleicht hatte er nicht den Mut, vielleicht fehlte ihm das nötige Selbstvertrauen, oder sein farbloses Selbstwertgefühl ließ ihn einfach kapitulieren. Und haben wir so etwas nicht auch schon selbst erlebt? Unsere Selbstwahrnehmung filtert unsere Sichtweise auf die Wirklichkeit. Wir sehen daher manche Dinge nicht. Vor allem können wir nicht begreifen, dass andere ein völlig anderes Bild von uns haben als wir selbst und uns aus Gründen, die wir nicht verstehen, mögen oder ablehnen.

Erst als Sara in Tsukurus Leben tritt und ihn auffordert, endlich einmal den Dingen auf den Grund zu gehen, beginnen die von Tsukuru selbst geschaffenen Verdunklungen der Wirklichkeit langsam zu verschwinden. Seine aus Blindheit verlorenen Lebensjahre wird Tsukuru nicht zurückbekommen, aber vielleicht eine neue Chance. Ob er sie nutzen wird, erfährt der Leser nicht, denn dort bricht Murakami die Handlung ab.

Wenn man sich auf dieses Buch einlässt, wird man sich vielleicht am Ende auch fragen, ob man selbst immer versucht hat, den Dingen auf den Grund zu gehen, oder ob nicht eine falsche Selbsteinschätzung den eigenen Blick trübte und man etwas übersah, was das eigene Leben in eine ganz andere Richtung geführt hätte.

Westliche Leser mögen einige Stellen in diesem Buch als etwas merkwürdig oder gar befremdlich empfinden. Insbesondere wenn Murakami über Sex schreibt, liest sich das recht spröde und wenig romantisch. Das ist jedoch der japanischen Kultur geschuldet, die wir sicher nicht immer verstehen.

Nach einem etwas holprigen Beginn hat mich dieser Roman besonders am Ende gefesselt und nachdenklich gemacht. Ich hätte das bis zur Hälfte nicht mehr erwartet.
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4.0 von 5 Sternen Im Bahnhof spielt die Musik, 15. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
wir lesen hier über eine Problematik, die scheint's im Kulturraum Tokio besondere Relevanz hat. Also überall dort, wo man rasch mit dem Shenzen hinkommt. Hier hat man eben auf längere Sicht Pech, wenn der eigene Rufname keine Farbe enthält. Dann wird man früher oder später ausgegrenzt von der überwältigenden Mehrheit, bei denen irgendeine Farbe im Namen enthalten ist. Mit 'grau' könnte es gerade noch klappen, obwohl das eigentlich keine Farbe sei, so der Autor.

Also sehr lehrreich und spannend zugleich. Empfehlung!

Dabei hat sich der Vater des 'farblos' Scheiternden vorher massig Gedanken gemacht. Eben über die optimalste Benennung seines männlichen Erstgeborenen. Alle Mühe irgendwie umsonst. Schon sehr traurig, wenn man bedenkt, dass jener in der Namengebung so kläglich versagende Erzeuger im Business ein denkbar großes Rad dreht. Stirbt dann verfrüht - so ein Versagen muss sich wohl irgendwie rächen.

Womit wir beim Personal insgesamt wären. Hochinteressante junge Leute, wie sie bei uns die Vorabend-Soaps bevölkern. Nur mit viel weniger von dieser überflüssigen Handlung, die solche Soaps immer zur reinen Qual machen.
Hier geht man statt dessen schonmal Schwimmen oder kocht sich was. Selbstverständlich (Japan halt!) dreht es sich nebenbei auch um klassische europäische Kammermusik, das ganze Niveau ist einfach ein unsagbar hohes.

So, weiter bin ich im Unterschied zu hunderten weiteren Rezensoren noch nicht; einfach mal ein Zwischenbericht vom aktuell coolsten Lesespaß ...
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gähnende Leere, 24. Februar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Farblos, allzu farblos kommt der Herr Tsukuru Tazaki daher und der Herr Murakami gleich mit, als hätten sich beide abgesprochen.
Sechzehn Jahre ist es her, dass ihn seine vier Jugendfreunde verstoßen haben. Von Sara, seiner einzigen Vielleicht-Freundin, ermuntert, begegnet Tsukuru den Ehemaligen und findet heraus, warum er mit Einsamkeit gestraft wurde. Wer sich auf die Reise begibt, vor allem nach so vielen "Pilgerjahren" (?) soll belohnt werden, und so wird der Protagonist am Ende zum ersten Mal in seinem Leben aktiv und gesteht Sara seine Liebe.

Aus diesem Dilemma könnte sich eine interessante Geschichte ergeben. Doch der Autor verliert sich in endlosen Beschreibungen, Nebensträngen, allzuvielen Andeutungen und Banalitäten, Wiederholungen, streut hier mal einen Traum hinein und dort noch eine Frage, fast als gelte es, seine Rätselhaftigkeiten zum Dogma zu stilisieren, um die Marke Murakami zu erhalten. Seine Hauptfigur ist passiv, unfähig zwischen Traum und Realität zu unterscheiden, ein blasser, langweiliger Konformist, der auch noch ständig von Schuld und Selbstzweifeln geplagt wird.
Die Sprache ist klar, wie es sich für einen Autor dieser Klasse gehört, gespickt mit philosophischen Fragen, ein paar schön formulierten Sätzen und künstlerischem Symbolismus, doch sie wirken wie vereinzelte Farbtupfer in der Farblosigkeit und Eindimensionalität der Hauptfigur in einer Geschichte, der es grundlegend an erzählerischer Dichte mangelt.
Ich fühle mich verarscht – auch Wochen später noch.
Mag sein, dass Murakami gute Bücher voll 'tiefgründiger Poesie' geschrieben hat. Dieses, mein erstes, gehört mit Sicherheit nicht dazu. So bleibt nicht mehr als ein wunderschönes Cover, das die gähnende Leere darin kaschiert.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttaeuschend banal, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Ich moechte mich nicht gerade als Murakami-Fan bezeichnen, aber ich habe seine Romane - besonders "Kafka am Strand" und "Mister Aufziehvogel" - mit Vergnuegen gelesen und als bereichernde Lektuere empfunden. Der neue "Herr Tazaki", den ich mir sofort gekauft habe, war hingegen eine Enttaeuschung. Zwar sind viele der bewaehrten Murakami-Zutaten auch hier wieder dabei: ein Geheimnis, das aufgeklaert werden muss; ein Protagonist, dessen Innenleben von Problemen belastet ist; das sexuelle Motiv; und die eingeschobene Erzaehlung einer seltsamen Geschichte. Aber diesmal geriet mir das Lesen fast zur Qual.
Ob dies an der Uebersetzung liegt oder daran, dass auch das Original nicht so gut gelungen ist, kann ich nicht beurteilen; jedenfalls sind die Seiten mehrheitlich angefuellt mit entsetzlichen Banalitaeten, und dies zudem in einer Sprache, die sich nicht mehr mit dem Attribut "schmucklos" verteidigen laesst.
Ganze Kapitel lang wird Kaffee bestellt und getrunken, die Kleidung oder Gesichter von Personen beschrieben usw. Die Dialoge sind weitgehend entweder anspruchslos ("Du hast einen guten Geschmack", "Die Krawatte steht Dir gut". "Freut mich, dass sie Dir gefaellt") oder lange, geradezu theoretische Abhandlungen und Analysen, die in gesprochener Sprache eigentlich nicht vorkommen und seltsam unrealistisch und hoelzern wirken.
Haeufig habe ich mich ueber schlampige Beschreibungen oder Behauptungen geaergert. Zum Beispiel, als der alte Haida einen Fremden Klavier spielen sieht: "Wegen der raschen und kraftvollen Beherrschung seiner Finger vermutete Haida einen namhaften Pianisten in ihm". Wirklich? Was ist "rasche Beherrschung von Fingern"? Und wieso namhaft - wohl eher geuebt oder kompetent? Und etwas spaeter wird die Wirkung der Musik so beschrieben: " Ihre ungezwungene Schoenheit erschien ihm wie das harmonische Zusammenwirken zwischen frischer, ozonerfuellter Luft und einem klaren, kuehlen Bergbach". Ozonerfuellt? Meinen wir sauerstoffreich? Und wie wirken die beiden denn nun zusammen? Ich habe ja nichts gegen originelle Ausdrucksweise, aber dieses Buch wirkt ueber lange Strecken einfach schnell und lieblos heruntergeschrieben (oder -uebersetzt) und ohne Ueberarbeitung gedruckt. Da helfen auch die vielen, nicht selten originellen Metaphern nicht mehr.
Schliesslich fehlt mir auch die Spannung, die Murakami gewoehnlich so subtil und anhaltend erzeugen kann. Nicht einmal, als unser Herr Tazaki nach langem Hin und Her endlich mit seinen ehemaligen Freunden ueber das bedrueckende Raetsel sprechen kann, kommt Spannung auf. Etwa in der Mitte des Buches habe ich das Interesse an Tazaki und seinem Geheimnis verloren.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswerte Wirkung!, 3. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Ein bemerkenswertes Buch!
Der Weg des durch ein Jugendtrauma von seinen Leidenschaften und seiner eigenen Lebendigkeit abgetrennten Tsukuru Tazaki, von einem langweiligen, farblosen und nur funktionierenden Menschen, hin zu einem fühlenden, erlebenden und lebendigen Menschen, wird durch die erzählerischen Mittel wunderbar dargestellt. Zunächst war ich verärgert über die anfänglich leblosen, klischeehaften und banalen Sätze, die eher an schlechte Schulaufsätze erinnerten, und ich war drauf und dran abzubrechen. So nach und nach wurde ich jedoch in die Geschichte hineingezogen, begann mitzuerleben und mußte das Buch in einem Zug zu Ende lesen. Die Sprache des Autors veränderte sich analog zur Entwicklung Tsukuru Tazakis. Murakami hat hier seine Sprache in der Form dem zu Erzählenden laufend angepaßt. Zuerst banal, hölzern und simpel aneinanderreihend, uninteressant und farblos (eben dem Charakter Tsukurus entsprechend), dann lebendig und emotional involvierend werdend - analog zur wachsenden Empathiefähigkeit des Protagonisten. Das ist sehr mutig für einen Autoren, denn man weiß seine Leistung erst mittendrin und am Ende richtig einzuschätzen.
Allen, die meinen, es käme in der Literatur nur auf die Handlung, den "Plot", an, sei gesagt: Mitnichten! Murakami gelingt es hier mit dem Vehikel einer Story etwas über das Leben zu sagen, etwas, das man annehmen und auf sich übertragen kann, etwas, bei dem man etwas über das Leben lernen kann. Und DARAUF kommt es in der Literatur an.
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30 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschliche Abgründe, gewieft verwobene Charaktere - Ein pralles Stück Literatur, 11. Januar 2014
Von 
Ulrich Groh (Mittelhessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben: Ich habe dieses Buch anfangs eher skeptisch zur Hand genommen. Ein japanischer Bestsellerautor, der sich über Millionenauflagen freuen und genussvoll zurücklehnen kann, in deutscher Übersetzung, gehypt von Teilen durchaus ernstzunehmenden Feuilletons, Erfolg infolgedessen vorprogrammiert? Eine etwas verschachtelte Story, in eher kühl anmutender Diktion dargeboten, mit dem zu erwartenden japanesken "Lokalkolorit", das für europäische Leser eher gewöhnungsbedürftig geraten dürfte? Kann das wirklich bereichernd sein und nicht dazu angetan, das Werk als eher Schales Hinterlassendes in den Schrank zu befördern? Verkaufen sich die Bücher auflagenstarker Autoren nicht ohnehin quasi von selbst, weil "man" der Überzeugung nachhängt, dass viel Gelesenes automatisch auch gut und wertvoll sein muss?

Keine dieser Fragestellungen hätte es vor der Lektüre bedurft, zumal es ohnehin klüger ist, sich unvoreingenommen auf ein Buch einzulassen und sich eben NICHT auf Besprechungen im Feuilleton zu stützen, die häufig genug keineswegs mit dem eigenen Eindruck korrespondieren. Den Interessierten erwartet ein Buch voller Schicksal, voller Leben, wie es nicht der Otto Normalverbraucher oder Hinz und Kunz zu meistern haben, das aber dennoch nie skurril, zurechtgebogen oder fern der Realität anmutet, sondern in seiner Schilderung durchaus sehr real wirkt. Ich möchte mich infolge der ausführlichen Besprechungen meiner Vorrezensenten hier nicht in inhaltlichen Details verlieren; vielmehr will ich die nicht alltägliche Erzählkunst des Autors hervorheben, dem es gelingt, eine anspruchsvolle, niemals realitätsferne Geschichte auf eine Art und Weise zu erzählen, dass man in die Lage versetzt wird, die Gedanken, Handlungen, Sehnsüchte und Abgründe der Protagonisten bis ins i-Tüpfelchen nicht nur(!) nachzuvollziehen, sondern diese darüber hinaus selbst zu empfinden. Gewieft verwebt Murakami die Schicksale seiner Handlungsträger zu einem hochinteressanten Ganzen, deren Lebenswirklichkeit trotz aller Distanz zur eigenen Realität niemals fremd erscheint, die sich subtil unter die Haut schleicht und deren Auflösung man zunehmend entgegenfiebert.

Fazit: Ein von Sehnsucht, Liebe und Freundschaft, diffizilen Beziehungsgeflechten und menschlichen Abgründen berstendes Buch fern jeglichen Kitsches, den man bei einer solchen Spezifizierung eigentlich erwarten müsste; ein pralles Stück anspruchsvoller und dennoch unterhaltender Literatur, wie man es nicht tagtäglich vorfindet. Meine Empfehlung!
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nett, aber nicht überragend, 10. Februar 2014
Tsukuru Tazaki ist 36 Jahre alt, lebt in Tokio und arbeitet in seinem Traumberuf – er entwirft und baut Bahnhöfe. Seit einiger Zeit trifft er sich außerdem mit Sara und von außen betrachtet scheint sein Leben ziemlich geordnet und erfüllt. Doch Sara bringt einige Ereignisse aus seiner Vergangenheit ans Licht und drängt Tsukuru sich diesen zu stellen. Denn 16 Jahre zuvor wurde er aus einer Gruppe von fünf Freunden plötzlich ausgeschlossen, ohne Ankündigung und Begründung. Dieses Ereignis hätte ihn beinahe das Leben gekostet…
So ganz überzeugen konnten mich „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Murakami leider nicht. Das Buch enthält einige interessante Gedanken über Freundschaft und Liebe und wie einen beides verändern kann. Es geht vor allem darum, was man anderen geben kann oder sollte, um eine Beziehung zu bereichern. Und darum sich selbst einzuschätzen, aber auch wertzuschätzen. Die zahlreichen Metaphern mit Farben haben mir gut gefallen, so haben zum Beispiel die vier anderen Freunde alle eine Farbe im Namen, nur Tsukuru nicht, deshalb ist er der „farblose Herr“. Doch leider gefiel mir der Schreibstil nicht, alles wirkt sehr nüchtern und trocken, was ganz besonders bei den Szenen zwischen Tsukuru und Sara auffällt. Die besondere Liebe, die Tsukuru empfindet, kam bei mir nicht wirklich an.
Auch das Ende hat mich etwas enttäuscht, da doch einige Fragen offen geblieben sind. Da wird man als Leser etwas alleine gelassen und einige Erzählstränge versanden auch mitten im Buch und werden nicht wieder aufgegriffen.
Positiv hervorheben möchte ich noch das Cover, das wirklich sehr gelungen ist. Der Schutzumschlag ist teilweise durchsichtig und bringt so wieder ein bisschen Farbe auf das eigentlich grau gehaltene Buch.
Insgesamt kann ich sagen, dass „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ ein nettes Buch ist, das an manchen Stellen auch durchaus zum Nachdenken anregt. Doch dem ganzen Wirbel, der gerade darum gemacht wird, kann es dann doch nicht gerecht werden. 3,5 Sterne von mir.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leer., 6. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
„Alles hat seine Grenzen. Auch das Denken. Man sollte diese Grenzen respektieren, aber sich auch nicht fürchten, sie zu durchbrechen.“

Der Kult-Autor Murakami hat wieder einen Bestseller ausgespuckt. Und leider liest es sich so auch. Im Zentrum des Geschehens steht Tsukuru Tazaki, der rückblickend seine Jugend mit seinen besten Freunden erzählt und tiefe Wunden aufreißt. Doch denen muss er sich nun stellen. Die Farbensymbolik, die bereits beim Umschlagdesign des Buches aufgegriffen wird, zieht sich durch die gesamte Lektüre. Die Story ist vielversprechend, aber leider nicht tiefgehend genug. Der Protagonist bezeichnet sich als farblos, weil sein Name nicht wie die seiner Freunde im Farbspektrum zu finden ist. Die Freundschaft zerbricht eines Tages und wird zum Gegenstand der Lektüre. Wäre Tazaki Künstler und kein Ingenieur, hätte das sogar interessant werden können – im tiefsten Leid Großes erschaffen. Doch dem ist nicht so, Tazaki erklärt jedem genau, welchen Beruf er ausübt und selbst gen Ende bleibt der Leser nicht mit hohlen Vergleichen verschont. Charakter-Klischees werden ebenso bedient, tiefsinnige Gespräche bleiben dabei leider zu selten.

„Freies Denken heißt im Grunde, sich auch von seinem Körper zu trennen. Sein Gefängnis zu verlassen, die Ketten zu sprengen und sich in die reinen Höhen der Logik emporzuschwingen.“

Der Titel von Murakamis neustem Werk klingt vielversprechend, die hochwertige Verarbeitung des Buches vom Dumont-Verlag ebenfalls. Das Buch ist auch sehr flüssig zu lesen, doch trotz philosophischer Gedankenflüge und unterschwelliger Spiritualität bleiben die Dialoge leer. Zuweilen hoffte ich, es läge nur an der Übersetzung, aber im Angesicht der vielversprechenden Idee die Thematik unterzubringen, schleppt sich die Geschichte zunächst dahin, um anschließend in rasender Geschwindigkeit ein Ende zu finden – und sich mit der Vergangenheit in Wohlwollen auszusöhnen. Abgründe werden aufgezeigt und im selben Atemzug wird sich versöhnt. Die Belohnung für all das ist – wie soll es anders sein: eine Frau. Originalität ist anders.
Die Geschichte bietet so viel Potential, doch der Autor verliert sich, es wirkt lieblos. Hoffentlich hat der Nachfolger wieder mehr zu bieten.
Für Murakami-Verehrer sicherlich ein Muss im Bücherschrank, für mich eignet es sich aufgrund der kreativen und hochwertigen Verarbeitung lediglich als dekoratives Schmuckstück – ohne Inhalt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen fesselnd, 11. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist für mich das zweite von diesem fantasievollen Autor - und es hat mich gleich gefesselt. Es geht um einen Mittdreißiger, Tsukuru Tazaki, der ein recht eintöniges Leben führt, seit er 16 Jahre zuvor von seinen Freunden verstoßen wurde. Diese vier Freunde hatten alle eine Farbe im Namen, wodurch er sich stets ein klein wenig als Außenseiter fühlte. Tatsächlich wird Tsukuru als eine etwas farblos-langweilige Person beschrieben, die sich für Bahnhöfe begeistert, sonst aber wenige Interessen hat und zurückgezogen lebt. Nur einmal hat er sich bisher für etwas richtig angestrengt (die Aufnahmeprüfung an der Technischen Hochschule).
Er verliebt sich in eine Frau, Sara, die merkt, dass er eine unverarbeitete Vergangenheit hat und ihn auffordert, dem Vorfall damals nachzugehen. So macht er sich auf die Suche nach den Freunden von damals und stellt fest, wie wichtig er für die anderen war und dass er nicht als Außenseiter gesehen wurde, sondern als festes Mitglied der Runde. Das hebt sein Selbstwertgefühlt und am Ende des Buches kämpft er endlich wieder für etwas. Tsukuru ist eher ein Anti-Held als ein Held, wird aber sympathisch beschrieben und ich konnte mich in ihn hineinfühlen. Wer zweifelt nicht manchmal an sich selbst?
Die "Pilgerjahre" im Titel deuten zum einen auf Tsukurus Vergangenheitsbewältigung an, aber auch auf die "Pélérinages" von Liszt, insbesondere ein Stück daraus, das immer wieder vorkommt. Nicht alle Nebenhandlungen lösen sich auf (was wird aus Haida?), aber vielleicht führt genau das dazu, dass man auch nach Ende der Lektüre noch über den Roman nachdenkt.
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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami (Gebundene Ausgabe - 10. Januar 2014)
EUR 22,99
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