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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns...
Vor 1 Monat von Joerg Kilian veröffentlicht

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gähnende Leere
Farblos, allzu farblos kommt der Herr Tsukuru Tazaki daher und der Herr Murakami gleich mit, als hätten sich beide abgesprochen.
Sechzehn Jahre ist es her, dass ihn seine vier Jugendfreunde verstoßen haben. Von Sara, seiner einzigen Vielleicht-Freundin, ermuntert, begegnet Tsukuru den Ehemaligen und findet heraus, warum er mit Einsamkeit gestraft wurde...
Vor 1 Monat von BeaMilana veröffentlicht


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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann schlechtes Gewissen töten?, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Andere Rezensenten haben sich auf Schilderung von Handlung und Personen konzentriert. Ich möchte einen Blick auf die eher weichen Faktoren dieses Meisterwerks werfen. Es ist einige Zeit seit der letzten Lektüre eines Murakami vergangen.

Doch mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt wieder ein großartiges Buch vor uns – auch wenn "Kafka am Strand", das ich sowohl in der deutschen als auch in der englischen Fassung gelesen habe, mir nach wie vor als sein bemerkenswertestes Werk erscheint.

Der Einband mit dem transparenten Schutzumschlag ist alles andere als farblos und deutet grafisch die Farbensymbolik der Geschichte an. Sehr praktisch und wertig auch das leuchtend rote Lesebändchen. In Zeiten digitaler Bücher spielt der bibliophile Charakter von Hardcover-Büchern eine zunehmend wichtigere Rolle.

Wie immer bei Dumont sind Typografie und Papier optimal auf einander abgestimmt. Im Gegensatz zu den Einbänden der IQ84-Trilogie bleibt das Buch – einmal aufgeschlagen – jedoch nicht offen liegen.

Wie kaum ein anderer beherrscht Murakami die Kunst, den Leser absolut mit der Handlung zu verschmelzen; als würde der Leser das Buch selbst schreiben, während er es liest! Man hat das Gefühl, dass alle seine Bücher in den gleichen Landschaften spielen.

Die Personen scheinen miteinander verwandt und sind in ihren Wesenszügen so klar und reduziert, dass einem die sonst eher fremden Japaner hier sonderbar vertraut vorkommen. Ebenso geht es dem Protagonisten, der sich auf seiner ersten Auslandreise in Helsinki zwar einsam – aber nicht fremd fühlt.

Während frühere Bücher häufig in zeitlosen Räumen des vergangenen Jahrhunderts spielen, so ist diese Handlung fest in unsere Jetzt-Zeit gesetzt. Ein bei Murakami auffälliges Stilmittel hierfür, ist die unverblühmte Nennung von Markennamen wie Facebook, Lexus, Marlboro, TAG Heuer.

Wiederkehrendes Stilelement ist auch die Inszenierung vordergründig unbedeutsamer, spekulativer und bizarrer Gegebenheiten – wie in diesem Buch der sechste Finger, der im Laufe der Geschichte zu einem mystischen Hintergrundmotiv aufgeladen wird.

Auch die Verwendung seltener Worte und Fremdworte ist ihm lieb: "Diese Möglichkeit schwebte wie eine feste, kleine Lenticulariswolke ständig über ihnen." Erst ein Blick in Wikipedia gibt Aufschluss: eine Wolke in Linsenform, die an ein außerirdisches Raumschiff erinnert.

Und wer hat Beiläufigkeit besser so konzis inszeniert: "Sara nahm einen Schuck von ihrem Mojito und inspizierte die Form des Minzblatts von allen Seiten."

Synästhesie, das Zusammenklingen und Überlagern verschiedener Sinneseindrücke um Stimmungen zu erzeugen, ist wohl sein wichtigstes Stilmittel. Meist benutzt er dafür Musik, hier das Thema "La Mal du Pays" aus den Années de Pèlerinage von Franz Liszt. Die wiederkehrenden Erinnerungen daran legen einen Schleier grundloser Trauigkeit über die Handlung.

Und immer wieder das Spiel mit der fast nicht wahrnehmbaren feinen Linie, die das Realistische vom Phantastischen trennt: "Er hatte gelebt wie ein Schlafwandler … wie jemand, der von einem Orkan überfallen wird, sich von einer Straßenlaterne zur nächsten hangelt."

"Er hing gerade noch an der Welt wie die trockene Hülle eines Insekts, die an einem Ast schaukelt und kurz davor ist, vom nächsten Windstoß für immer davon geweht zu werden." Ständig grenzüberschreitend, Assoziationen auslösend, abschweifend jedoch immer wieder in den Alltag zurückkehrend: " … und stupste mit einer sanften Geste, die an die weiche Nase eines großen Hundes denken ließ, eine Taste des Haustelefons an."

Oder wenn seine Gedanken sich nächtens im Kreise drehen und er immer wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrt: "Es war wie bei einem Schraubenkopf ohne Schlitz – er wußte nicht mehr, wo er noch ansetzen sollte."

Den wie gelähmten Zustand zwischen Träumen und Wachen, kann kein anderer so gut beschreiben wie Murakami: "Er konnte weder seine Lippen noch seine Zunge bewegen. Nur lautloser, trockener Atem entströmte seiner Kehle."

Wenn es in dem Buch Längen geben sollte, sind diese so gut bemessen, dass genau in dem Moment, wo man sie wahr nimmt, wieder ein spannendes Element auf der Bühne erscheint. Beim Lesen wird Bewußtheit erzeugt – oft durch das Dehnen und Zusammenziehen von Zeitempfindung.

Das Buch lebt von dem Faszinosum der Versenkung; lebt von der Suche nach Erkenntnis und endgültigen Wahrheiten in philosophischen Dialogen: "Die Freiheit des Denkens kann man nicht erreichen, wenn man willentlich danach strebt."

Manchmal ahnt man eine Verwandschaft zu Hermann Hesses "Glasperlenspiel": die Bewunderung der Perfektion des Geistes und die Ohnmacht und Zerissenheit gegenüber der Unvollkommenheit und Hinfälligkeit des Körpers.

Vermutlich ist auch in diesem Buch viel Autobiografisches eingearbeitet. Es geht um die metaphysischen Transformationen menschlicher Existenzen, die mit unsichtbaren Schicksalsfäden aneinander gebunden scheinen: Verhaftung überwinden, loslassen, überleben …

Es geht um Schuldigkeit, Todessehnsüchte und Identitätsverlust… Kann schlechtes Gewissen töten? Es geht um die Sinnhaftigkeit des Lebens, darum für andere bedeutsam zu sein.
Ein Leitmotiv des Buchs ist unterdrückte Sexualität und die Angst von deren Auswüchsen, die scheinbar immer unterhalb der Oberfläche lauern.

Im letzten Kapitel werden alle Geschenisse noch einmal kontemplativ zusammengefasst:
"Es ist schon seltsam … dass diese wunderbare Zeit vorbei ist und niemals wieder so sein wird. Dass der Fluss der Zeit all unsere fabelhaften Möglichkeiten mit sich fortgetragen hat und sie nun verschwunden sind."

Das Ende ist diffus optimistisch, fast heiter – aber auch melancholisch, immer mit der Melodie des Themas von "La Mal du Pays" im Ohr …
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143 von 167 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft ist gelb, 10. Januar 2014
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Wer Glück malen möchte, braucht viel Blau: Für den weiten Himmel, das Meer und einen Hauch von Freiheit. Wer wütend ist, sieht rot. Wir werden gelb vor Neid oder ärgern uns schwarz. Farben sind untrennbar mit Gefühlen verbunden. Zehn Millionen Farbtöne kann der Mensch unterscheiden. Ein magischer Regenbogen, der sich seit Urzeiten in unserer Seele widerspiegelt. Farben sind aber auch Signale, werden weltweit verstanden und sind in ihrer Wirkung seit Jahrhunderten gleich. Dennoch interpretiert sie jede Kultur auf ihre ganz eigene Weise. In den traditionellen japanischen Handwerkskünsten zum Beispiel nehmen sie oft eine wichtige Rolle ein. Das glänzende Schwarz und erdige Rot der Lackwaren, das unergründlich tiefe Indigo-Blau von Noren (Vorhänge), der intensive Kontrast japanischer Schlösser mit ihren weißen Wänden und Renraku-gebrannten Kacheln in Anthrazit, die fein abgestimmten matt-erdigen Töne einer vermeintlich einfachen Teeschale und natürlich die immense Farbenvielfalt der prächtigen Kimono-Stoffe.

Farben spielen auch im neuen Roman Huraki Murakamis eine tragende Rolle. Fünf junge Leute zwischen sechzehn und siebzehn bilden den Kern. Alle eint eine zufällige Gemeinsamkeit: Sie tragen in ihrem Nachnamen eine Farbe. Die beiden Mädchen heißen Shirane (weiße Wurzel) und Kurono (schwarzes Feld), die Jungen Akamatsu (Rotkiefer) und Oumi (blaues Meer) und rufen sich auch in ihren Farben: Aka, Ao, Shoro und Kuro. Zudem verfügen sie jeder über ganz individuelle Eigenschaften. Shiro ist eine musisch begabte Schönheit, Kuro eine anregende, unermüdliche Leserin mit einem einmaligen Sinn für Humor, Aka ein bescheidener Schüler mit einem hervorstechenden Intellekt und Ao ein physisch markanter, geradliniger Typ und zudem ein herausragender Rugby-Spieler. Stop! Das sind erst vier! Da fehlt doch noch einer. Richtig: Tsukuru Tazaki teilt als einziger die farbliche Stofflichkeit der anderen nicht. Sein Name verweist auf keinen kolorierten Bezug. Dieser Umstand, der ihm schwer zu schaffen macht, lässt ihn glauben, dass er in allem eher mittelmäßig sei (einzig eine besondere Affinität zu Bahnhöfen ist ihm eigen). Tsukuru fühlt sich farblos, fad, unauffällig und reizlos. Um Robert Musils berühmtes Werk heranzuziehen: Er hält sich für einen Mann ohne Eigenschaften.
Ein einschneidendes Vorkommnis zerbricht die freundschaftliche, intensive Bande der fünf radikal. Ab sofort wird Tazaki von den anderen geschnitten, aus ihrem Kreis ausgestoßen. Er fällt in ein schwarzes Loch und steht kurz vor der Selbstaufgabe. Knapp zwanzig Jahre soll er seine Freunde nicht mehr sprechen und sehen. Nun, mit 36 Jahren und einer neu beginnenden, zarten Liebe zu Sara, macht er sich auf den (Pilger-)Weg in seine Vergangenheit, um die Ursache des damaligen dramatischen Zerwürfnisses herauszufinden. Vielleicht aber auch, um doch noch Farbe in sein Leben zu bringen, das die letzten Jahre nichtsagend an ihm vorbeigeglitten ist und das auch sein neuer, ebenfalls "farbiger" Freund Haida ("graues Feld") nur kurz beleben konnte. Denn dieser verschwindet ebenso mysteriös und symbolhaft wie die Vier zuvor.

Für surreale Beschreibungen von dystopischen Welten ist Haruki Murakami schon lange bekannt. Gefühlsmäßig verarmte und vereinsamte Menschen, mitunter Gewalt, Paralleluniversen, deren Grenzen zur realen Welt fließend und daher von dieser kaum zu unterscheiden sind, durchziehen das gesamte Oeuvre des japanischen Autors. Sein neuestes Werk allerdings bildet hierbei eine Ausnahme. Das Surreale hält sich dezent zurück, auch wenn es einige schwer greifbare Situationen gibt. Der mysteriöse Herr Midorigawa ("grüner Fluss") zum Beispiel, der die ganz individuellen Farben eines jeden Menschen sehen kann, dafür aber bald sterben wird, die in Formaldehyd eingelegten, kleinen, 6.!! Finger eines Menschen oder diverse andere vage angedeutete symbolische Botschaften. Zudem durchlebt sein Protagonist zeitweise wirre (Wach-)Träume an der Grenze zum Übergang in ein anderes Bewusstsein. Aber auf mystische Wesen wie die nächtens aus dem Maul einer toten Ziege steigenden und aus imaginären Fäden eine "Puppe aus Luft" spinnenden "Little People" ("IQ84") oder sprechende Schatten und mysteriöse Einhörner ("Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt") wird der Leser vergeblich warten. Dies könnte die Murakami-Fan-Gemeinde vielleicht enttäuschen, wie die sehr gespaltenen Meinungen auf dem japanischen Buchmarkt, wo das Buch bereits im Frühjahr 2013 erschien, aufzeigen.

Warum gefällt mir der Roman trotzdem ausgesprochen gut?
Die Stilistik ist es jedenfalls nicht. Mit seinem lapidar-kühlen Duktus und einfachem Satzaufbau zählt Murakami nicht zu den Sprachkünstlern. Bei ihm liegt die Finesse im Detail: im formalen Handlungsaufbau, in seiner gewieften Erzählweise, in der strukturellen Melange unterschiedlicher Themen. "Vereinfacht ausgedrückt war es die Aufgabe einer Geschichte, eine bestimmte Problematik in eine andere Form umzuwandeln. Durch Merkmale und die Richtung dieser Wandlung deutete sich auf der erzählenden Ebene eine Antwort an.", ist in "IQ84" zu lesen. Darin ist Haruki Murakami zweifelsohne ein Meister. Soziologie, Literatur und Musik fließen in einem wohldurchdachten Potpourri zusammen, werden perspektivisch verwirbelt und zeitlich verschliffen, auch wenn dies im jüngsten Werk nicht direkt ins Auge sticht, sondern eher zwischen den Zeilen verborgen liegt. Neben dem zentralen Farbthema finden sich zum Beispiel immer wieder Einschübe zu Franz Liszts "Le mal du pays" (Heimweh). Entstand diese Musik doch gleichfalls als Teil eines Entwicklungsprozesses bei dem der Komponist unter dem Eindruck seiner Reisen musikalisch immer mehr zu sich selbst fand. Ein Merkmal, das auch Murakamis Protagonist auszeichnet. Der japanische Autor fungiert jedenfalls erneut als souveräner Strippenzieher, als Mittler zwischen Vergangenheit und Jetztzeit. "Bald tauchen, wie von der Melodie angelockt, gewisse Bilder hinter seinen Augenlidern auf - tauchen auf und verschwanden wieder. Es war eine Reihe von Schemen ohne Form und Inhalt. Verschwommen stiegen sie vom dunklen Rand seines Bewusstseins auf, durchquerten lautlos sein Gesichtsfeld und gelangten auf die andere Seite, wo sie verschluckt wurden und verschwanden. Wie winzige Lebewesen mit einem rätselhaften Umriss, die die Linse eines Mikroskops durchquerten."

Murakamis jüngstes Werk entpuppt sich als Buch über die Bedeutung der Werte im Leben eines Menschen, der Entdeckung seines wahren Ichs und dessen möglichen Freiheiten. Es ist ein sensibler Text über Einsamkeit, die Wichtigkeit von Freundschaften und persönliche Wertigkeiten. Dem Japaner ist es erneut hervorragend gelungen, seine an der Wegkreuzung der Gegenwart stehenden Figuren, von dort aus die Vergangenheit genau in Augenschein nehmen zu lassen und Wege zur Zukunftsgestaltung zu entwickeln. Ein Buch, das voller Wahrheiten über das Leben steckt und den Leser in einen permanenten Sog zieht. Es liest sich flüssig, ohne flach zu sein. Einen nicht unerheblichen Anteil hat daran gleichfalls die Übersetzerin Ursula Gräfe, die dem deutschen Leser das japanische Werk ohne spürbare Qualitätsverluste zugänglich machte. Auch wenn das offene Ende den Leser grübelnd und nachdenklich zurücklässt. Aber: "Ein Schriftsteller ist kein Mensch, der Fragen löst. Es ist ein Mensch, der Fragen aufwirft." Denn auch wenn einiges im Unklaren bleibt, so hat Haruki Murakami alles gesagt. Oder vielleicht doch nicht? Für mich persönlich ist Tsukuru Tazaki keineswegs so farblos, wie er sich selbst hält. Er strahlt in einem warmen, goldenen Sonnununtergangsgelb. Ein Gelb, das neben Rot und Blau zu den Primärfarben gehört und Bestandteil der schillernden Orange- und Grüntöne des Schmetterlingsflügels auf dem außergewöhnlich schönen Buchcover ist. Und letztendlich ist Gelb in Japan eine kaiserliche Farbe. Sie steht für Mut und Stärke, Weisheit, Glück und für die Zukunft. Eine Zukunft, die Tsukura vielleicht neu gestalten wird. Auch wenn er zunächst noch ziemlich ratlos vor ihr steht: "Das Leben war wie eine schwierige Partitur (...). Sechzehntelnoten und Zweiunddreißigstelnoten, seltsame Zeichen und kryptische Anmerkungen. Alles richtig zu lesen war eine Aufgabe, die beinahe unmöglich zu bewältigen war, und selbst wenn man alles richtig lesen und sogar in die richtigen Töne umwandeln konnte, hieß das noch lange nicht, dass man den Sinn verstanden hatte und anderen verständlich machen konnte. Ganz zu schweigen davon, jemanden glücklich zu machen. Warum musste das Leben so unendlich kompliziert sein?"

Haruki Murakami, meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum 65. Geburtstag am 12. Januar 2014!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gähnende Leere, 24. Februar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Farblos, allzu farblos kommt der Herr Tsukuru Tazaki daher und der Herr Murakami gleich mit, als hätten sich beide abgesprochen.
Sechzehn Jahre ist es her, dass ihn seine vier Jugendfreunde verstoßen haben. Von Sara, seiner einzigen Vielleicht-Freundin, ermuntert, begegnet Tsukuru den Ehemaligen und findet heraus, warum er mit Einsamkeit gestraft wurde. Wer sich auf die Reise begibt, vor allem nach so vielen "Pilgerjahren" (?) soll belohnt werden, und so wird der Protagonist am Ende zum ersten Mal in seinem Leben aktiv und gesteht Sara seine Liebe.

Aus diesem Dilemma könnte sich eine interessante Geschichte ergeben. Doch der Autor verliert sich in endlosen Beschreibungen, Nebensträngen, allzuvielen Andeutungen und Banalitäten, Wiederholungen, streut hier mal einen Traum hinein und dort noch eine Frage, fast als gelte es, seine Rätselhaftigkeiten zum Dogma zu stilisieren, um die Marke Murakami zu erhalten. Seine Hauptfigur ist passiv, unfähig zwischen Traum und Realität zu unterscheiden, ein blasser, langweiliger Konformist, der auch noch ständig von Schuld und Selbstzweifeln geplagt wird.
Die Sprache ist klar, wie es sich für einen Autor dieser Klasse gehört, gespickt mit philosophischen Fragen, ein paar schön formulierten Sätzen und künstlerischem Symbolismus, doch sie wirken wie vereinzelte Farbtupfer in der Farblosigkeit und Eindimensionalität der Hauptfigur in einer Geschichte, der es grundlegend an erzählerischer Dichte mangelt.
Ich fühle mich verarscht – auch Wochen später noch.
Mag sein, dass Murakami gute Bücher voll 'tiefgründiger Poesie' geschrieben hat. Dieses, mein erstes, gehört mit Sicherheit nicht dazu. So bleibt nicht mehr als ein wunderschönes Cover, das die gähnende Leere darin kaschiert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ist packend, aber letztlich auch irgendwie unbefriedigend, 13. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Ich lese die Romane von Murakami seit vielen Jahren und hab auch diesen in wenigen Tagen und größtenteils mit Begeisterung verschlungen, aber letztlich fand ich die Auflösung der Geschichte sehr unbefriedigend, und dieses Gefühl nimmt zu, je mehr ich über die Einzelheiten nachdenke. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass ich den Charakteren ihr Verhalten nicht abnehme. Ich finde es unglaubwürdig, dass gerade die drei jungen Männer aus der Clique sich so passiv und in ihr Schicksal ergeben verhalten. Gerade angesichts des Ausmaßes der Vorwürfe und zumal die Gruppe ohnehin kurz darauf zerfiel und sich damit auch die Loyalitätsverhältnisse weitgehend auflösten, nehme ich ihnen diese Starre und das Schweigen nicht ab. Was ist das für eine Freundschaft? Die Hauptfigur erscheint mir auch viel zu isoliert. Was ist mit der Mutter, der Schwester, mit Klatsch und Tratsch? Tazaki fuhr ja trotz allem regelmäßig nach Hause und hätte in der Wirklichkeit sicherlich über Hörensagen etwas von den Ereignissen, dem Gerede mitbekommen. Mir erscheint das alles zu rigoros, zu Scharz-Weiß, zu unwirklich, zu lebensfremd. Zu gewollt harmonisch, später melancholisch. Und dann diese wohltemperierten höflichen Gespräche. Die Japaner mögen sehr höflich und förmlich sein, aber das erscheint mir alles zu weichgespült. Schade.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Murakami zurück in der Realität, 12. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
In Murakamis neuem Roman wird der Leser nach seinen letzten Fantasy-Ausflügen in die nüchterne Realität zurückversetzt. Wem etwa 1Q84 zu fiktiv war, ist mit "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" gut beraten. Alle Murakami-Fans werden es ohnehin verschlingen.

Tsukuru Tazaki zieht als Einziger einer eingeschworenen Clique zum Studium nach Tokio. Er nutzt aber jede Gelegenheit, die alten Freunde in der Provinz zu besuchen und die Freundschaft zu pflegen. Bei einem seiner Besuche ist jedoch plötzlich niemand mehr für ihn erreichbar, schlimmer noch: nach verzweifelten Kontaktversuchen wird ihm schließlich mitgeteilt, die Freunde wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben, der Grund dafür bleibt schleierhaft. Tazaki leidet im Stillen und konzentriert sich fortan auf sein Studium und sein eintöniges Leben in Tokio. Bis er sich in eine Frau verliebt und erstmals von der alten Geschichte erzählt. Von der neuen Liebe ermutigt, fasst Tazaki endlich den Mut, den Grund für die Verstoßung durch seine Freunde herauszufinden.

Murakami schafft es, den Leser schnell zu fesseln. Die Story ist spannend erzählt und berührt. Lediglich das Ende hat mich ein wenig enttäuscht, daher ein Stern Abzug. Aber das möchte ich hier nicht vorweg nehmen und ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Daher kann ich das Buch dennoch uneingeschränkt empfehlen.
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76 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Machen Sie Urlaub, Herr Murakami !, 20. Januar 2014
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ich nehme vorweg, dass ich (noch immer) ein Murakami-Fan bin und jeden in unseren Breiten verfügbaren Roman des Meisters mehrmals gelesen habe. Ich habe Romane wie Hard boiled Wonderland, Kafka am Strand oder Mister Aufziehvogel etc. genossen und bin sehr dankbar für die vielen schönen Stunden, die ich beim Lesen verbringen durfte.
Murakamis neuestes Werk allerdings ist gelinde gesagt eine Frechheit. Weniger eine Frechheit vom Autor selbst, denn es erscheint mir fast klar, dass ein Schriftsteller, der schon so viel geschrieben hat und alle Jahre einen neuen dicken Schmöker rauswerfen muss, irgendwann beginnt, von sich selbst abzukupfern. Genau das tut Murakami immer öfter - und ganz besonders in diesem Text!
Eine Frechheit ist es jedoch vor allem vom Verlag, der sich erdreistet, dieses Buch in so großartigen Tönen anzupreisen, als sei es ein neuer Meilenstein der Literaturgeschichte. Haben die Verlage heutzutage keine professionellen Lektoren mehr?! Das war und ist ein Hype sondermaßen um diesen Roman. Wirklich kaum zu fassen!
Ich frage mich, ob ein ehemals vielfach preisgekrönter und für den Nobelpreis gehandelter Autor, der in den letzten Jahren nur mehr von sich selbst abschreibt und wirklich nichts nennenswert Neues mehr produziert noch immer dieselben positiven Kritiken und Vorschusslorbeeren verdient wie früher.
Wäre der vorliegende Text der Debütroman eines jungen Autors, so würde ich sagen: Na ja, ganz gut, da können wir ja vielleicht noch einiges erhoffen. Dieser Text jedoch wurde von einem MEISTER des Erzählens verfasst und verdient deshalb auch eine schärfere Kritik. Offensichtlich gelangweilt und ideenlos geschrieben bezieht er sich auf ein gutes Dutzend Protagonisten aus früheren Murakami-Romanen, mit den selben Ängsten und Schwächen und Vorlieben und Handicaps und Symbolen und Metaphern. Der selbe Duktus, die selbe Leier, die gleichen erotischen Episoden, ein Haufen uralter Versatzstücke aus dem Fundus früherer Texte und ein Schluss, der so viel offen lässt, dass man sich fast schon genarrt fühlt. Nicht dass ich mehrdeutige Schlüsse rundweg ablehne (es gäbe hier viele großartige Beispiele in der Literatur), aber in diesem Text wirkt es so, als schaltete man mitten im Finale einer Sonate den CD-Player einfach ab und überließe den frustrierten Hörer der Stille.
Ich finde, auch wenn jetzt mancher Fan protestieren wird, dass Herr Murakami eine Pause nötig hat. Vielleicht zwei oder drei Jahre, wo er mal was anderes macht, als zu schreiben. Dann klappt's vielleicht auch wieder mit den neuen Ideen.
Ich bleibe ein Murakami-Fan, aber der vorliegende Roman verdient meiner Meinung nach nicht mehr als zwei Sterne.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttaeuschend banal, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Ich moechte mich nicht gerade als Murakami-Fan bezeichnen, aber ich habe seine Romane - besonders "Kafka am Strand" und "Mister Aufziehvogel" - mit Vergnuegen gelesen und als bereichernde Lektuere empfunden. Der neue "Herr Tazaki", den ich mir sofort gekauft habe, war hingegen eine Enttaeuschung. Zwar sind viele der bewaehrten Murakami-Zutaten auch hier wieder dabei: ein Geheimnis, das aufgeklaert werden muss; ein Protagonist, dessen Innenleben von Problemen belastet ist; das sexuelle Motiv; und die eingeschobene Erzaehlung einer seltsamen Geschichte. Aber diesmal geriet mir das Lesen fast zur Qual.
Ob dies an der Uebersetzung liegt oder daran, dass auch das Original nicht so gut gelungen ist, kann ich nicht beurteilen; jedenfalls sind die Seiten mehrheitlich angefuellt mit entsetzlichen Banalitaeten, und dies zudem in einer Sprache, die sich nicht mehr mit dem Attribut "schmucklos" verteidigen laesst.
Ganze Kapitel lang wird Kaffee bestellt und getrunken, die Kleidung oder Gesichter von Personen beschrieben usw. Die Dialoge sind weitgehend entweder anspruchslos ("Du hast einen guten Geschmack", "Die Krawatte steht Dir gut". "Freut mich, dass sie Dir gefaellt") oder lange, geradezu theoretische Abhandlungen und Analysen, die in gesprochener Sprache eigentlich nicht vorkommen und seltsam unrealistisch und hoelzern wirken.
Haeufig habe ich mich ueber schlampige Beschreibungen oder Behauptungen geaergert. Zum Beispiel, als der alte Haida einen Fremden Klavier spielen sieht: "Wegen der raschen und kraftvollen Beherrschung seiner Finger vermutete Haida einen namhaften Pianisten in ihm". Wirklich? Was ist "rasche Beherrschung von Fingern"? Und wieso namhaft - wohl eher geuebt oder kompetent? Und etwas spaeter wird die Wirkung der Musik so beschrieben: " Ihre ungezwungene Schoenheit erschien ihm wie das harmonische Zusammenwirken zwischen frischer, ozonerfuellter Luft und einem klaren, kuehlen Bergbach". Ozonerfuellt? Meinen wir sauerstoffreich? Und wie wirken die beiden denn nun zusammen? Ich habe ja nichts gegen originelle Ausdrucksweise, aber dieses Buch wirkt ueber lange Strecken einfach schnell und lieblos heruntergeschrieben (oder -uebersetzt) und ohne Ueberarbeitung gedruckt. Da helfen auch die vielen, nicht selten originellen Metaphern nicht mehr.
Schliesslich fehlt mir auch die Spannung, die Murakami gewoehnlich so subtil und anhaltend erzeugen kann. Nicht einmal, als unser Herr Tazaki nach langem Hin und Her endlich mit seinen ehemaligen Freunden ueber das bedrueckende Raetsel sprechen kann, kommt Spannung auf. Etwa in der Mitte des Buches habe ich das Interesse an Tazaki und seinem Geheimnis verloren.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wieder eine kleine Enttäuschung, 10. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Fast alle Bücher von Murakami habe ich gelesen, ja er war sogar die Inspiration für mich Japan zu bereisen. Bewußt habe ich die ersten Rezensionen abgewartet um nicht wie beim letzten erschienen Buch (Bibliothek) enttäuscht zu werden. Diese ersten 5 Sterne Rezensionen sind für mich bei der Gesamtbetrachtung von Murakamis Werk unverständlich. Auch bei diesem, für mich farblosen Roman, habe ich , wie manche Vorrezensienten den Eindruck, auf die Schnelle wurde etwas zusammengeschrieben, ohne Pep, ohne Murakamis Hintergründigkeit, ohne Überraschungen. Dabei gab es doch Personen im Roman, Phantasien auszuarbeiten, wie sein verschwundener Schwimmfreund, der rätselhafte Mord an seiner Freundin oder der "Selbstmordverkäufer" ! Ich glaube, ich muß mir einen anderen Lieblingsautor suchen...
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59 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Murakami in Höchstform, 9. Januar 2014
Von 
deep read - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Gebundene Ausgabe)
Äußerlich fehlt es Tsukuru Tazaki an nichts. Und dennoch hat er vor 16 Jahren das Wertvollste verloren, das er je besaß: seine vier besten Freunde. Warum sie ihn verstoßen haben, weiß Tsukuru nicht. Die drei Jungen und zwei Mädchen lernen sich in der 10. Klasse kennen und bleiben bis zum Ende ihrer Schulzeit eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie sind wie fünf Finger einer Hand. Alles machen sie möglichst gemeinsam, um die Harmonie dieser Einheit nicht zu zerstören. Dennoch fühlt sich Tsukuru von Anfang an ein wenig ausgeschlossen, denn die anderen nennen sich in Anlehnung an ihre Familiennamen Aka (Rot), Ao (Blau), Shiro (Weiß) und Kuro (Schwarz). Nur Tsukuru bleibt Tsukuru, wie das Verb für “etwas machen”. Seinem Namen Genüge leistend verlässt er als Einziger der Fünf die Stadt Nagoya, um Bahnhofsarchitektur zu studieren.

Oberflächlich betrachtet führt der erwachsene Tsukuru ein Leben ohne große Probleme. Er ist bei der Eisenbahn angestellt, wird von seinen Vorgesetzten geschätzt. Er besitzt eine schöne Zweizimmerwohnung in Tokio. Er ist allein, aber nicht einsam. Seine Schwestern behaupten sogar, das Single-Leben sei ihm zu angenehm und er würde deswegen keine Lust haben zu heiraten. Dann aber verliebt sich Tsukuru in Sara und die merkt gleich, dass in ihrem Freund noch die Wunde von früher schwelt. Besonders skeptisch macht es sie, dass es in Tsukurus Fünferclique nie eine Romanze gab. Tatsächlich hat er sich nur nachts erotischen Träumen mit Shiro und Kuro hingegeben, was ein untrennbares Gewirr aus Schuldgefühlen und Sehnsüchten in ihm auslöste. Sara stellt Tsukuru vor die Wahl: Entweder, er trifft sich noch einmal mit jedem Einzelnen seiner Freunde, um herauszufinden, warum sie ihn verstoßen haben, oder sie beendet die Beziehung.

Ich glaube, man lernt viel über die japanische Mentalität, wenn man Murakami liest. Die Sprache ist zweckmäßig und aufgeräumt, die Sätze so aseptisch sauber, dass sie jedem überflüssigen Füllwort entbehren. Das gilt auch für die Figuren, die fast wie am Reißbrett entworfen wirken, die sich in Dialogen kühl und höflich analysieren, als wenn es sie selbst nichts angeht, und Pläne schmieden, die sich immer ohne großes Aufhebens in die Tat umsetzen lassen. Andere Dinge dagegen bleiben unausgesprochen und rätselhaft. Denn immer lauert im Verborgenen auch eine dunkle und unbekannte Realität. Eine Schattenwelt, wo die Menschen ein zweites Gesicht haben, wie Freuds Ich und Es.

All diese Erzählelemente muss man mögen, sind sie doch für westliche Lesegewohnheiten eher ungewöhnlich. Dennoch ist "Herr Tazaki" ein sehr gut zugänglicher und auch spannend zu lesender Murakami, will man doch unbedingt hinter das Geheimnis der Fünf kommen. Wer sich auf die irritierend schöne Andersartigkeit der magisch-realistischen Romanwelt einlässt, wird belohnt.
Genauso wenig wie ich jeden Tag Sushi essen oder einen Art House Film sehen will, möchte ich jeden Tag Murakami lesen. Aber wohldosiert bleibt’s eine besonders köstliche Delikatesse, die - zumindest meinen - europäischen Gaumen schult.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nett, aber nicht überragend, 10. Februar 2014
Tsukuru Tazaki ist 36 Jahre alt, lebt in Tokio und arbeitet in seinem Traumberuf – er entwirft und baut Bahnhöfe. Seit einiger Zeit trifft er sich außerdem mit Sara und von außen betrachtet scheint sein Leben ziemlich geordnet und erfüllt. Doch Sara bringt einige Ereignisse aus seiner Vergangenheit ans Licht und drängt Tsukuru sich diesen zu stellen. Denn 16 Jahre zuvor wurde er aus einer Gruppe von fünf Freunden plötzlich ausgeschlossen, ohne Ankündigung und Begründung. Dieses Ereignis hätte ihn beinahe das Leben gekostet…
So ganz überzeugen konnten mich „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Murakami leider nicht. Das Buch enthält einige interessante Gedanken über Freundschaft und Liebe und wie einen beides verändern kann. Es geht vor allem darum, was man anderen geben kann oder sollte, um eine Beziehung zu bereichern. Und darum sich selbst einzuschätzen, aber auch wertzuschätzen. Die zahlreichen Metaphern mit Farben haben mir gut gefallen, so haben zum Beispiel die vier anderen Freunde alle eine Farbe im Namen, nur Tsukuru nicht, deshalb ist er der „farblose Herr“. Doch leider gefiel mir der Schreibstil nicht, alles wirkt sehr nüchtern und trocken, was ganz besonders bei den Szenen zwischen Tsukuru und Sara auffällt. Die besondere Liebe, die Tsukuru empfindet, kam bei mir nicht wirklich an.
Auch das Ende hat mich etwas enttäuscht, da doch einige Fragen offen geblieben sind. Da wird man als Leser etwas alleine gelassen und einige Erzählstränge versanden auch mitten im Buch und werden nicht wieder aufgegriffen.
Positiv hervorheben möchte ich noch das Cover, das wirklich sehr gelungen ist. Der Schutzumschlag ist teilweise durchsichtig und bringt so wieder ein bisschen Farbe auf das eigentlich grau gehaltene Buch.
Insgesamt kann ich sagen, dass „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ ein nettes Buch ist, das an manchen Stellen auch durchaus zum Nachdenken anregt. Doch dem ganzen Wirbel, der gerade darum gemacht wird, kann es dann doch nicht gerecht werden. 3,5 Sterne von mir.
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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami (Gebundene Ausgabe - 10. Januar 2014)
EUR 22,99
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