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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hohelied auf die Selbstbesessenheit, 28. November 2013
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ach, dieses Paradies (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman "Ach dieses Paradies" ist kurz vor dem Tod von John Cheever erschienen. Im Gegensatz zu seinen anderen Werken, die jetzt auch in einer neuen Übersetzung im DuMont Buchverlag erscheinen, ist es ein Buch das zwar das amerikanische Roman-Soll nicht erfüllt, aber es ist ganz große Literatur.

Der 1912 in Massachusetts geborene Cheever starb im Jahr 1982. Er erhielt für seine Werke unter anderem den Pulitzer Preis, den National Book Award und die National Medal for Literatur. Man kannte Cheever, den man als den "Homer" der amerikanischen Vorstädte bezeichnete, bisher mit seinen weit ausholenden Passagen in seinen Prosadichtungen. In diesem Buch zeichnen sich die eher cineastisch angelegten Textpassagen durch Kürze und Treffsicherheit in der Ausdrucksweise aus.

Die Episoden, in den insgesamt elf Kapiteln, bleiben entweder abrupt bestehen oder sie gehen ganz zwanglos in divergente oder fortführende Geschehen mit anderen Personen oder auch ganz anderen Lokalitäten über.

Der Autor meint im Rückblick, diese erzählte Geschichte sei eine ausgezeichnete "Bettlektüre für eine Regenacht". Sie ist vielmehr, denn es ist ein wahrer Lesegenuss wie Cheever als großer Stilist, mit versteckten Kunstgriffen und viel Esprit, doch nie mephistophelisch, die Unzulänglichkeiten seiner Protagonisten und ihre Verknüpfung mit den täglichen Heimtücken liebevoll fokussiert. Er versteht es auf bezaubernde Weise, Charaktere zu schaffen und vor unserm geistigen Auge lebendig zu machen.

Zum Plot: Der Protagonist Lemuel Sears, ein aus New York kommender Geschäftsmann und leidenschaftlicher Naturfreund fährt gerne, je nach Jahreszeit, zum Angeln oder Schlittschuhlaufen zum Beasley -Pond nach Connecticut. Eines Tages soll dieses idyllische Plätzchen zu einer Mülldeponie für Giftmüll umgewandelt werden. Mit allen Mitteln kämpft Sears dagegen, weder die Affäre mit seiner Sex besessenen und exzentrischen Geliebten Renée, noch sein Intermezzo mit dem Fahrstuhlführer können ihn in seinem wilden Engagement bremsen. Ganz unerwartet erhält er dabei auch eines Tages noch wirkungsvolle Unterstützung bei seinem Kampf. Allen Figuren dieses Buches ist eines gemeinsam, wo immer sie glauben, ethisch zu handeln, sich moralisch für die Umwelt einzusetzen, letztendlich handeln sie nur aus Eigennutz.

Ein Roman der in ganz besondere Art und Weise, vielleicht insbesondere wegen seiner scharfzüngigen und leicht mit Humor verwebten Ironie, zum Nachdenken auffordert. Die Sprünge, die Anachronismen, die Details und natürlich die süffige, sprachliche Darstellung beschäftigen einen noch lange nach der Lektüre. Der DuMont Verlag bezeichnet Ach dieses Paradies" als Roman, ich meine es ist eine auf 121 Seiten ganz exzellent gelungene Novelle, so spannungsgeladen, dass man sie nicht aus der Hand legen möchte. Ein Lesevergnügen, weil man zwei Sachen genießen kann, das Medium der Darstellung und das Dargestellte. Ich wünsche diesem wunderbaren Buch viele Leser.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paradies der Vergangenheit, 10. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ach, dieses Paradies: Roman (Kindle Edition)
Beginnend mit der poetischen Landschaftsbeschreibung eines kleinen Städtchens im Osten der USA erscheint uns dieses wie ein idyllisches Plätzchen Erde, wo es sich gut leben lässt. Die Stadt heißt „Janice“ nach der ersten Frau des Fabrikbesitzers im Ort und liegt im US amerikanischen Staat Connecticut.

Lemuel Sears ist ein alter Mann, ehemaliger Geschäftsreisender und passionierter Schlittschuhläufer. In diesem Winter ist der Teich Beasley’s Pond in Connecticut einmal zugefroren, und er kann geruhsam darauf seine Runden drehen.
Die äußerliche Idylle findet ausführlich Erwähnung und regt die Fantasie an, sich die Künstler des 19. Jahrhunderts hier malend vorzustellen. Ein Ausflug in die Welt holländischer Malerei wie Brueghel u.a. mit ihren Schlittschuhszenen komplettiert die Außenansicht dieser landschaftlich so schönen Gegend.

Als Sears nach einer Woche erneut zu einem Schlittschuhausflug startet, macht er die erschreckende Erfahrung, dass der Teich als Müllkippe benutzt wird.

Hier deutet sich zum ersten Mal an, dass Sears ein ausgewiesener Naturschutzfan ist. John Cheever veranschaulicht auf eindrückliche Weise in seinem Roman eine Gegenüberstellung der einladenden Natur mit ihrer Schönheit im Kontrast zur schmutzigen Zivilisation mit ihren Auswüchsen aller Art. Dazu gehören auch die technischen Neuerungen auf dem IT Markt, die manches einfacher und leichter machen, den Menschen aber innerlich verarmen und vereinsamen lassen.

Auch Lemuel Sears leidet an Einsamkeit und macht sich Gedanken über die Liebe und ihre Annehmlichkeiten, die er nun wohl bald vermissen würde.
Doch kleine Affären und erheiternde Begegnungen machen ihn nicht schwankend bei seinen Bemühungen, der Umweltverschmutzung den Kampf anzusagen. In hinreißenden Bildern erlebt man seine letzten Liebeserfahrungen, die bei aller Leidenschaft von Melancholie und Vergänglichkeit gezeichnet sind.

Schwermut, Ironie und Sarkasmus färben die Erzählung, die einem Abriss von Erinnerungen gleicht. Der Held Lemuel Sears verdeutlicht mit seinen Erlebnissen einmal mehr, wie die Vorzeit mit ihren Naturschönheiten unsere Gegenwart überstrahlt, und dass es einiges zu bewahren gilt. Schön und luftig geschrieben bietet uns die Geschichte einen Abriss über das, was man leicht übersehen könnte: dass aller Fortschritt auch Verlust von den Paradiesen der Vergangenheit mit sich bringen kann!

Der 1912 geborene und 1982 verstorbene Autor John Cheever ist lange unentdeckt bei uns geblieben. Der Dumont Buchverlag hat ihn in unser Bewusstsein gerückt und in der Übersetzung von Thomas Gunkel diesen letzten Roman von John Cheever neu herausgebracht. Man kann ihn getrost als eine Perle im Reich der amerikanischen Erzähler betrachten.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einigkeit zwischen Peter Handke und mir, 11. Juni 2014
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ach, dieses Paradies (Gebundene Ausgabe)
"Dies ist eine Geschichte, die sich vortrefflich als Bettlektüre für eine Regennacht in einem alten Haus eignet." Mit diesen Worten eröffnet John Cheever seinen letzten Roman, der im Original 1982 erst kurz vor seinem Tod erschien. Nun, die Situation, während ich diese Zeilen las, hätte konträrer kaum sein können; es war hellichter Tag, die Sonne brannte bei schwülwarmen 33 Grad und ich saß aufrecht an einem Tisch im Schatten eines gewaltigen Baumes, der zuweilen den Eindruck erweckt, als wäre es nur seiner Freundlichkeit geschuldet, dass er mit seiner mächtigen Astkrone die ihn umstellenden Häuser, in deren Hofgarten er residiert, nicht einfach beiseite schiebt.
Ich ignorierte die Vortrefflichkeitsempfehlug des Autors und las, den denkbar größten Gegensatz der Situation beschmunzelnd, einfach weiter, um 120 begeisternde Seiten und etliche die Hitze einigermaßen erträglich machende Eistee später dann den letzten Satz auf der letzten Seite, John Cheevers nüchterne Beschwichtigung zu ein paar offenbleibenden Fragen, zu lesen: "...aber darum geht es hier nicht, und wie ich schon zu Beginn sagte, ist dies bloß eine Geschichte, die sich vortrefflich als Bettlektüre... usw."

Was ich beim ersten Satz noch nicht wissen konnte, beim letzten mir aber umso deutlicher schien: Cheever hat tiefgestapelt, sehr tief! "Ach, dieses Paradies" ist keine Einschlafhilfe-Literatur, keine leichte nur schon fast im Halbschlaf noch irgendwie ganz hübsch zu findende Schreibe. Im Gegenteil. Das Buch verdient die aufrechte Haltung des Lesers bei der Lektüre und wache Sinne, um all die Feinheiten, die vielen brillanten, meist subtilen Andeutungen zu bemerken, seinen lapidaren Schreibstil, der keine Szene übermäßig bis ins kleinste Detail auserzählt, sondern wortmalerisch mit denkbar knappen Schilderungen auskommt, zu bestaunen und sich daran zu erfreuen.

Dieser 2013 neu übersetzten Ausgabe von "Oh what a paradise it seems" - es erschien erstmals bereits 1984 in einer deutschen Übersetzung unter dem unsinnigen Titel "Kein schöner Land"; diese kenne ich zwar nicht, aber allein die Unsitte den Titel derart zu entstellen, erzeugt in mir unweigerlich Abwehr - steuerte kein geringerer als Peter Handke ein sechsseitiges Nachwort bei. An dieser Stelle gestatten Sie mir bitte einen kurzen Moment des intellektuellen Größenwahns, die Illusion des Höhenrauschs mit dem großen Handke auf einer Flughöhe zu sein. Denn auch Handke kommentiert Cheevers gleichwohl einleitenden wie abschließenden Satz, Zitat: "...meine Leseerfahrung dazu: >Regennacht<, ja, aber ebenso auch Tag oder Tage mit Sonne, Wolken, auch Wind und Wellen. Aber: Diese besondere Paradies-Story eine Bett-Lektüre? Nein, und abermals nein! Sie ist etwas zum Aufrechtsitzen und Aufrechtlesen..." Danke Handke! Ich steige jetzt auch wieder brav in die Niederungen kleiner Rezensions-Artikel-Schreiber hinab...

Cheever ersinnt keine großen Heldenfiguren als Protagonisten, in den Handlungen keine kolossalen Dramen. Er verharrt im amerikanischen Alltag und stattet seine Figuren mit allem Menschlichen aus, was wir in uns selbst und um uns herum auch erfahren. So schafft er scheinbar ohne Mühe eine vertraute Atmosphäre. Und weil dem Leser alles so vertraut scheint, ist es auch gar nicht nötig irgendwas über die Maßen detailliert mit Worten zu überschwemmen. Das gilt für mehr oder weniger normale Alltagsbefindlichkeiten - im Kern geht es im Buch um Menschen, die zwar bestrebt sind gutes vordergründig durchaus auch für andere zu tun, dabei allerdings kaum uneigennützig sind - wie auch für außergewöhnliche Momente. Wenn Gewalt aufkommt und einer sterben muß, dann stirbt er binnen zweier Zeilen, aus. Keine seitenlange Orgie der Eskalation, keinen zeilenlanges Beschreiben der Flugbahn des Projektils, kein endloses Ausmalen des Gesichtsausdrucks des Opfers beim letzten Atemzug und des Zuckens der Braue des Schützen beim Anvisieren. All das hat Cheevers Sprache nicht nötig, ohne dabei an Kraft zu verlieren. Er erspart dem Leser auch (wie leider in vielen Romanen zu finden) völlig deplatzierte Versuche irgendwie ein paar Seiten mit etwas unbeholfener, pseudoerotischer Sinnlichkeit zu füllen. Sex findet bei Cheever selten länger als eine Zeile lang statt. Wie ausführlich es wirklich gewesen sein könnte und ob in Anlehnung an gleich mehrere olympische Disziplinen, bleibt des Lesers Phantasie überlassen.

So knapp schreibt Cheever grundsätzlich und schafft es vielleicht gerade deshalb Welten entstehen zu lassen. Er konzentriert sich auf die Essenz, macht kluge Andeutungen, die den Leser in eine eindeutige Denkrichtung stoßen und überlässt es ihm, wie weit er dahin denken will, wie genau er sich die Szene ausmalt. Ein wunderbarer Stil. Auch hier läßt sich noch einmal Peter Handke bemühen, der im Nachwort genau diesen Eindruck der inhaltliche Fülle bestätigt. Er hatte das Buch vor Jahren bereits im englischen Original gelesen, und nun erneut, zum Verfassen seines Beitrags; und er erwähnt verwundert, dass ihm viele Begebenheiten des Buches als Seiten füllend in Erinnerung waren, die sich beim erneuten Lesen als nur wenige Zeilen umfassend präsentierten. Das liegt nicht an der Übersetzung, das ist Cheevers genialer Stil, das Original war auch nicht ausführlicher.

Wunderbarer Autor, wunderbares Buch! Schön, dass in den letzten Jahren etliche seiner Bücher in neuen Übersetzungen erschienen sind und so ein wertvoller Beitrag geleistet wurde John Cheever nicht zu vergessen oder überhaupt erst zu entdecken.
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4.0 von 5 Sternen Eine Erzählung mit Leuchtkraft, 3. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ach, dieses Paradies (Gebundene Ausgabe)
Heiter und trotzdem schwermütig, humorvoll aber auch traurig, klug und doch nicht überheblich, so habe ich diese äusserst kurzweilige Erzählung empfunden. Es sind vor allem die einzelnen Episoden rund um den früheren Naturschutzteich, der in jüngster Vergangenheit zu einer Müllhalde verkommen ist, die im Gedächnis hängen bleiben: die nachbarschaftlichen Gehässigkeiten, eine kurze aber intensive Liebesaffäre, ein unbeschwerter Familienausflug, der eventuell tragisch endet.

Mir hat dieser kurzweiliger Roman gut gefallen, eher etwas bemühend fand ich das gestelzte Nachwort von Peter Handke, dessen Verschachtelung der Sätze einfach nicht mein Geschmack ist.
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Ach, dieses Paradies
Ach, dieses Paradies von John Cheever (Gebundene Ausgabe - 8. Oktober 2013)
EUR 17,99
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