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am 11. Februar 2013
Es gibt Bücher, die nimmt man am Bahnhofs-Kiosk in die Hand, und plötzlich stellt man überrascht fest, dass man 500 Kilometer nach Berlin gefahren ist, ohne es wahrzunehmen, und ohne dass man das Buch aus der Hand gelegt hat.

"Die Kunst des Feldspiels" hat mich vom Büchertisch aus angeschaut, ich habe keine Ahnung warum, ich glaube, es war dieses überaus schlichte, etwas altbacken wirkende Cover mit den ein wenig psycho wirkenden Streifen. Außerdem habe ich etwas für Debütromane übrig: Wenn man Glück hat, findet man wirklich Neues, Bewegendes in ihnen.

Die Beschreibung des jungen Protagonisten Henry Skrimshander hat mich noch im Laden magisch ins Buch hineingezogen. Außenseiter, mager, ungelenk, aber als Talentspäher Mike Schwarz ihn sieht und auf den ersten Blick die selbstvergessene Eleganz seiner Bewegungen wahrnimmt, die jeder sehen kann, und von der nur Henry nichts ahnt, habe ich mich sofort in den kleinen Kerl verguckt. Ich habe dennoch nicht viel von dem Buch erwartet, weil ich keine Ahnung von Baseball habe, und weil ich dachte, vielleicht langweilt es mich nach ein paar Kapiteln.

Doch als Autor Chad Harbach langsam beginnt, die anderen Charaktäre in die Geschichte hineinzuweben, den schwulen Owen, den sich in Owen verliebenden Direktor des College, Affenlight, der eigentlich Hetero ist, aber nun die Liebe entdeckt, dessen Tochter Pella und nicht zuletzt den Co-Helden Mike Schwarz, der im wahren Leben ein Versager ist, hat sich dieses Buch vor mir geöffnet, als wäre es der träge Lauf des Mississippi: breit, langsam, aber mit einem die Seele füllenden Zauber.

Ein Buch über Leidenschaft, über Unvollkommenheit, ein Buch, das irgendwie gar nicht um Baseball geht, sondern um Menschen, die lieben, und dennoch voller Fehler stecken.

Ich war etwas verstimmt, als mein IC in Berlin einlief, ich bin nach Hause, ohne es in der S-Bahn aus der Hand zu legen, ich habe mich in meinen Lieblingssessel gesetzt und weitergelesen, bis in den frühen Morgen. Ein Wahnsinnsbuch!
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am 23. September 2012
Eigentlich ist Baseball ja langweilig - so dachte ich. Dieses Buch hat mich allerdings eines Besseren belehrt. Wobei ich nicht so sehr die Regeln dieses Spiels gelernt habe, sondern etwas anderes: Die Liebe zu dem, was uns das Leben schenkt.

Ein junger, unglaublich begabter Mann wird entdeckt und soll neues amerikanisches Baseball-Genie werden. Diese Begabung trägt ihn durch alle Widrigkeiten, die sich in und um ihn herum entwickeln. Die schwierige Beziehung zu seinen Eltern, der Wechsel auf das abgelegene und fremde College, die Konkurrenz im neuen Team.
Aber es geht weniger um Baseball an sich. Es geht um die Liebe zu diesem Spiel. Henry trainiert nicht, weil er muss, sondern weil er es braucht. Nur so kann er glücklich sein. Nur so ist er überhaupt er selbst. Und er lehrt damit den Leser etwas, das vielleicht viel zu oft vergessen wird: Die Liebe zur eigenen Fähigkeit.

Allerdings zeigt sich bald, dass auch diese Liebe eine Grenze hat. Henrys Wunsch perfekt zu sein treibt ihn so weit, dass man sich schließlich fragen muss, ob er es überlebt.

Ein wunderbares Buch über die amerikanische Baseballwelt, die dünne Grenze zwischen Perfektionismus und Obsession und die Frage, ob ein Handschuh manchmal nicht einfach nur ein Handschuh ist.
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Wenn ich vorwiegend Fachbücher bespreche, heißt das nicht, auf meinem Bücherstapel würden keine Romane liegen. Aber da es gute Spezialisten für Rezensionen von Belletristik gibt und persönliche Glaubendmodelle bei der Bewertung von Geschichten eine noch stärkere Rolle spielen, behalte ich meine Leseerfahrungen bei Romanen meistens für mich. Zumindest solange die Geschichten nicht in meiner Hörbuchsammlung stehen.

Bei diesem Debütroman des Amerikaners Chad Harbach, möchte ich mit meiner Besprechung dazu beitragen, dass die Ein-Sterne-Bewertung eines verärgerten Lesers nicht allzu viel Gewicht bekommt. Denn man kann sich durchaus fragen, ob der 1975 geborene Autor und Redakteur der literarischen Zeitschrift n+1 die Höchstnote verdient, aber sein Erstlingswerk undifferenziert zu zerreißen, scheint mir doch ein kleiner Verrat an der Objektivität.

Haupt- und Nebenhandlungen sind schnell erzählt. Der schüchterne Junge Henry Skrimshander wird von Mike Schwartz, dem Kapitän eines College-Basballteams als Jahrhunderttalent entdeckt. Und was er auf dem Weg zum Star durchlebt und was zu den Rückschlägen führt, steht im Zentrum der 600 Seiten. Zu den wichtigsten Nebenhandlungen, die selbstverständlich gekonnt mit der Geschichte von Henry Skrimshander verknüpft werden, sind in den Themen Vater-Tochter-Verhältnis und Homosexualität angesiedelt. Und zu verraten, wie der Autor die Handlungsfäden am Schluss zu einem stimmigen Ende verknüpft, würde die Spannung nehmen.

Spannend war mich auch, eine Welt zu entdecken, die mir trotz ihrer Bekanntheit fremd ist. Ich meine damit das amerikanische Nationalspiel Baseball. Und obwohl der Autor dafür sorgt, dass selbst Laien das Regelwerk mit der Zeit begreifen, bildete ich mich schon zu Beginn der Lektüre mit Wikipedia weiter. Denn verständlicherweise geht Chad Harbach als Amerikaner nicht davon aus, dass ein Leser beim Wort Baseball nur Bahnhof versteht. Diese Informationslücke möglichst schnell zu schließen, empfehle ich auch anderen Sportbanausen.

Wer mit klassischen Hollywood-Geschichten nichts anfangen kann, den wird auch wenig begeistern, wie perfekt Chad Harbach die Regeln für ein gutes Drehbuchs beherrscht. Mich hingegen fasziniert es, wie der Autor den Plot entwickelt, an den richtigen Stellen Verzögerungen einbaut, Helden und Widersacher charakterisiert und ihnen die passenden Helfer zur Seite stellt. Und ich fand es großartig, wie er seine Figuren zum Leben erweckt, ihre inneren Widersprüche aufzeigt, den Zufall ins Spiel bringt und letztlich den amerikanischen Mythos „You can get it if you really want“ neu inszeniert.

Mein Fazit: Ob dieser Debutroman tatsächlich so vollkommen geglückt ist, wie der bedeutende amerikanische Romancier Jonathan Franzen meint, lasse ich dahin gestellt. Sicher ist aber, dass es Chad Harbach glänzend versteht, selbst Europäer für eine Welt zu begeistern, die für das Verständnis der amerikanischen Kultur von großer Bedeutung ist. Gäbe es ein vergleichbares Buch über Fußball und europäische Gesellschaftsgeschichte, würden die Amerikaner wohl einiges besser einordnen können, was jenseits des großen Teichs vor sich geht. Und da der Druckteufel bei Erstauflagen immer sein Unwesen treibt, störten mich die wenigen Rechtschreibfehler herzlich wenig. Zumal die beiden Übersetzer Stephan Kleiner und Johann Christoph Maass ihr Handwerk bestens beherrschen.
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Chad Harbachs Debüt einen "Baseball-Roman" zu nennen, greift zu kurz, denn es ist so viel mehr: sicher ein Sportroman, aber ebenso ein Entwicklungsroman, Coming-of-Age- oder Bildungsroman. Das Lob, das er für dieses vielschichtige Werk von namhaften Autoren wie Jonathan Franzen, John Irving und Bret Easton Ellis einheimste, spricht für sich. - Es ist ein geniales Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Der amerikanische Traum scheint wahr zu werden für den gerade 17-jährigen Henry Skrimshander. Der schmächtige Junge aus der Provinz mag ein bisschen schwerfällig und wortkarg scheinen, auf dem Baseballfeld jedoch ist er ein absolutes Ausnahmetalent: Mit unglaublicher Eleganz und Leichtigkeit holt er jeden Ball aus der Luft und befördert ihn mit seinem "goldenen Arm" genau dorthin, wo er ihn haben will.

Es ist Mike Schwartz, Student und Kapitän der Baseballmannschaft des Westish College, der auf die beeindruckende Begabung des ansonsten so unscheinbaren Jungen aufmerksam wird und ihn ans College holt. Henry wird zur großen Hoffnung der bislang wenig erfolgreichen "Harpooners"...

Zunächst scheint alles vollkommen: Henry fühlt sich wohl am College, schließt Freundschaft mit seinem schwulen Mitbewohner Owen Dunne und genießt die Freiheit, die die Distanz zu seinem Elternhaus mit sich bringt. Immer dabei ist Zero, der Handschuh, den Henry seit seinem neunten Lebensjahr verwendet. In seiner Fangtasche steht der Name des größten Baseballspielers der St. Louis Cardinals: "Aparicio Rodriguez". Dabei handelt es sich um einen fiktiven Sportler, der das Baseball-Standardwerk schlechthin verfasst hat: "Die Kunst des Feldspiels", Henrys Bibel.

Um den Muskelaufbau voranzutreiben, trainiert er hart mit Freund und Mentor Mike Schwartz und supplementiert seine Nahrung mit Eiweißpräparaten. Während Schwartz als Fänger auf dem Feld steht, überzeugt Henry in der Position des Shortstop zwischen dem zweiten und dritten Base. Scouts der großen Clubs haben das junge Talent längst im Visier, und seine Zukunft als hochbezahlter Profi-Spieler scheint gesichert. Ein beispielloser Höhenflug. - Bis Henrys Glückssträhne plötzlich endet: Zum ersten Mal verfehlt der Ball des erfolgsverwöhnten Jungen das anvisierte Ziel und trifft stattdessen den auf der Bank sitzenden Owen...

Sportlich ein Desaster für Henry Skrimshander, doch Autor Chad Harbach gelingt mit der Geschichte um das Scheitern des Perfektionisten der ganz große Wurf. Denn erst damit bricht eine neue Zeit für den Jungen an, der erstmals erlebt, was es bedeutet, mit einer Niederlage umgehen zu müssen.

Ungekannte Gefühle und Ängste werden wach und ersetzen die alte Selbstsicherheit durch lähmende Zweifel... durch Gedanken. Was vorher wie von selbst einfach funktionierte, wird Gegentand bewusster Reflexion und verliert damit seine Magie. Kann die "Rückkehr zum gedankenlosen Sein" jemals gelingen? Wie soll Henry je wieder auf dem Feld bestehen? Sein Fehlwurf hat weitreichende Folgen, die nicht nur ihn selbst betreffen, sondern auch das Leben von vier anderen Menschen, die ihm nahestehenden, beeinflussen...

So erkennt Mike Schwartz, Henrys Entdecker und unermüdlicher Förderer, der “sein (...) Leben lang” getrieben von der Sehnsucht, “irgendein übernatürliches Talent zu besitzen", dass er sich selbst vollkommen verloren hat. Mit seinen kaputten Knien gibt es für den Fänger kaum eine Zukunft im Profisport. Er steht kurz vor dem College-Abschluss. Doch was kommt dann?

Ein weiterer zentraler Handlungsfaden dreht sich um den 60-jährigen College-Präsidenten Guert Affenlight - seinem bisherigen Selbstbild nach eigentlich ein ausgemachter Womanizer - der sich zum ersten Mal in seinem Leben wirklich verliebt. Und zwar in Owen Dunne. Der gebildete, scharfsinnige und überaus wortgewandte junge Mann übt eine nahezu unwiderstehliche Anziehungskraft auf Affenlight aus. Als jener von Henrys Ball getroffen auf der Ersatzbank zusammenbricht, fährt Affenlight im Krankenwagen mit...

Es knistert nicht nur intellektuell, und schon bald geht ihre Beziehung über eine rein platonische hinaus, denn der selbstbewusste Owen erwidert Affenlights Gefühle nicht nur, er wünscht sich auch Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität. Affenlight ergreift die Chance, und er riskiert alles. Um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen - leitenden Angestellten sind Beziehungen zu Studierenden untersagt - finden ihre privaten Begegnungen abseits des Colleges statt. Entdeckt wird ihre Liebesbeziehung trotzdem. Zwar gibt man sich in Westish offiziell tolerant, doch "so liberal" ist man dann doch wieder nicht. Als privates College ist die Institution auf Spendengelder angewiesen, und die Gunst der doch eher konservativen Sponsoren darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Wäre die Reaktion wirklich dieselbe, wenn Owen eine junge Frau und kein junger Mann wäre?

Letztlich entpuppt sich das College als Spiegelbild einer Gesellschaft, in der vordergründig Toleranz geheuchelt, aber Intoleranz gelebt wird, und Affenlight gerät zunehmend unter Druck.

Zudem kehrt seine erwachsene Tochter Pella nach einer gescheiterten Ehe zurück zu ihrem Vater. Für ihren Mann hat sie die High School abgebrochen, alles aufgegeben, und nun steht sie mit leeren Händen da. In Mike Schwartz findet sie eine verwandte Seele, denn auch er neigt zur Selbstaufgabe, dazu, sich zurückzunehmen, seine eigenen Bedürfnisse zu vergessen... Doch auch Henry spielt eine Rolle in diesem Beziehungsgeflecht, denn er glaubt den Schuldigen für sein Scheitern gefunden zu haben, und zieht Konsequenzen.

Baseball - die vielleicht amerikanischste Sportart überhaupt - wird hier zur Metapher für das erfolgsorientierte Denken der Amerikaner, ja, für das Leben selbst. Wer die erforderliche Leistung bringt, gewinnt. Wer es nicht schafft, ist raus ("out"). Die Welt teilt sich in Sieger und Verlierer, denn beim Baseball gibt es kein Unentschieden. Man muss sich unablässig immer wieder aufs Neue beweisen.

Das gilt letztendlich ebenso für das Leben: Einerseits sind wir Teamplayer und das, was wir tun, unsere Entscheidungen, berühren das Leben derer, die uns nahe sind. Doch wenn es darauf ankommt, stehen wir dennoch mutterseelenallein auf dem Platz und üben uns zwischen Planung und Zufall in der "Kunst des Feldspiels" - mit all seinen Konsequenzen. Manche stehen nach einer Niederlage wieder auf. Andere bleiben liegen, zerfressen von Selbstzweifeln und gelähmt vor Angst...

Was durch die 600 Seiten trägt, ist nicht zuletzt der ganz eigene Humor, der vor allem Dialoge zu einem absoluten Vergnügen macht, zum Beispiel, als Owen im Krankenhaus wieder zu sich kommt:
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»Der Arzt meinte, mich hätte ein Ball getroffen. Aber ich erinnere mich nicht, geschlagen zu haben.«
»Du warst auf der Spielerbank. Henry hat schlecht geworfen.«
(...) Owen schloss die Augen. »Ich erinnere mich an gar nichts. Habe ich gelesen?«
Affenlight nickte. »Ich habe dich gewarnt. Es ist ein gefährlicher Zeitvertreib.«
Die unverletzte Seite seines Mundes verzog sich zu etwas, das Ähnlichkeit mit einem Lächeln hatte.
»Es ist schön, dich zu sehen«, sagte Affenlight.
_______

Wortwitz, Situationskomik, aber auch berührende Momente nehmen beim Lesen so sehr gefangen, dass es unmöglich ist, diesen Roman beiseite zu legen. Freude machen auch die vielfältigen literarisch-philosophischen Untertöne und Anspielungen: Neben Herman Melville, auf dessen Erbe sich das Westish College konzentriert und den Affenlight zutiefst verehrt, begegnet man etwa Walt Whitmann oder Henry David Thoreau.

Harbach zeichnet den amerikanischen Traum mit all seinen Facetten, beleuchtet Leistung und Sieg, Obsessionen, aber auch Niederlage, Zweifel und das Scheitern. Im Zentrum seines Roman stehen Beziehungen der unterschiedlichsten Art, Freundschaft und Einsamkeit, das Erwachsenwerden und die Liebe. Wenn es etwas zu kritisieren gibt an diesem grandiosen amerikanischen Roman, dann, dass sich alles am Ende vielleicht ein wenig zu perfekt auflöst. Aber das ist wirklich Nörgeln auf höchstem Niveau.

Ein echter Home Run!
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"Was für ein langweiliges Spiel! Ein Spieler warf einen Ball, ein anderer fing ihn, ein dritter hielt einen Schläger in der Hand. Der Rest stand in der Gegend herum." Baseball, diese uramerikanische Sportart mit den überaus seltsamen Regeln und Finessen, ist für Neulinge kein leichtes Spiel und für nicht eingeweihte Zuschauer ein nicht nachvollziehbares Rätsel. "Pitcher", "Batter", "Base Hit", "Home Run" oder "Shortstop" klingen für Unkundige eher nach dem Trainingsparcours einer Hundeschule als nach Geschichte, Tradition und Kultur einer ganzen Nation, ja, dem Symbol des "American Way of Live" schlechthin. Doch genau das zeichnet diese Sportart aus. Selbst Hemingways "alter Mann" Santiago ließ die "New York Yankees" die Stärke und Kultur Amerikas verkörpern.

Jeden Sommer aufs Neue zieht der Mythos Baseball Millionen von Amerikanern in ihren Bann. Dieser "national pastime", dieser "Zeitvertreib der Nation", spielt eine entscheidende Rolle im in den USA vielbeachteten und gefeierten Debüt von Chad Harbach. "Die Kunst des Feldspiels" ließ die dortige Presse, aber auch Schriftstellerkollegen wir Jonathan Franzen, Bret Easton Ellis und John Irving zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Aber können über 600 Seiten eines Buches, in dem sich ein Großteil der Handlung um Baseball dreht, auch die Leser in einem Land mitreißen, die dieser Sportart völlig ignorant, bestenfalls "nur" verständnislos gegenüberstehen? Doch, sie können. Und das sogar ganz und gar formidabel. Der amerikanische Autor, der als Redakteur der literarischen Zeitschrift n+1 arbeitet und zehn Jahre an seinem Erstling schrieb, verwebt die Rahmenhandlung zwar untrennbar mit dem Geschehen auf einem In- und Outfield und geizt auch sonst nicht mit dem für nicht Eingeweihte recht rätselhaften Fachjargon, doch der Roman verfolgt einen weit tieferen Sinn. Chad Harbach zeigt auf eindrückliche Art und Weise was uns ausmacht: die Fehler wie die Obsessionen und was es bedeutet, hier und heute ein Mensch zu sein. Denn letztendlich ist es völlig egal, um welchen Sport es geht. "Man liebte ihn, weil man ihn für eine Kunstform hielt: ein auf den ersten Blick sinnloses Unterfangen, das Leute mit einer speziellen Begabung betrieben, das sich jedem Versuch, den eigenen Wert in Worte zu fassen, verwehrte und trotz allem auf eine Weise irgendetwas Wahres oder gar Entscheidendes über das Menschsein an sich zum Ausdruck zu bringen schien. Wenn man Menschsein grob so fassen wollte, dass wir alle am Leben waren und so etwas wie Schönheit kannten, sie mitunter gar selbst hervorbrachten, bis wir eines Tages starben und Schluss damit war."

Diese Aussage stammt von Mike Schwartz, einem Studenten am fiktiven Westish College im Nordosten von Wisconsin, am Ufer des Lake Michigan. Als Kapitän der "Harpooners", des hiesigen Baseballteams, rekrutiert Schwartz den schüchternen, aber hochtalentierten Henry Skrimshander, der ob seines übernatürlichen Talents schon bald zum Shooting-Star aufsteigen soll. Eine enge, fast symbiotische Freundschaft entwickelt sich zwischen den körper- und charakterlich so verschiedenen Beiden. Diese bildet das Rahmengerüst von Harbachs Roman. Um sie herum siedelt der Autor noch eine Handvoll Leute an, die alle mehr oder weniger miteinander vernetzt sind und agieren. Da ist zum einen Pella, die Tochter des College-Präsidenten Guert Affenlight, die mit Mitte Zwanzig psychisch bereits am Ende angekommen zu sein scheint. "Sie war so schnell vorgeprescht, dass es sie aus der Kurve getragen hatte und sie nun weit hinter den anderen zurücklag. (...) Das echte Leben hatte sie eingeholt und war an ihr vorbeigezogen." Ihr Kampf, wieder in ihre Jugend zurückzufinden steht konträr zum souveränen Vater, der im Gegenzug Hals über Kopf in eine verhängnisvolle Affäre schlittert, an der der intellektuelle Owen Dunne, homosexueller Mitbewohner von Henry, nicht ganz unbeteiligt ist. Der Skrimmer wiederum, wie Henry von seinen Freunden genannt wird, kämpft von heute auf morgen mit einer mentalen Blockade, die ihn völlig aus der Bahn wirft.

Chronologisch, mit eingestreuten Rückblenden, begleitet der Leser die Protagonisten über deren gesamte Studienzeit und ihren persönlichen Reifeprozess. Dies klingt nach altbewehrtem Strickmuster typisch amerikanischer Collegeromane. Doch "Die Kunst des Feldspiels" wächst weit über dieses Genre hinaus. Virtuos verwebt Chad Harbach die einzelnen Biografien miteinander. Er erzählt vom Gewinnen und Verlieren, vom Lernen und Lieben, von zu hoch gesteckten Zielen, verborgenen Sehnsüchten und dem Ringen mit sich selbst und seinem Leben, das mitunter "zwangsläufig derselbe unveränderliche Haufen Mist blieb, nichts anderem geschuldet als der eigenen Anwesenheit" und mitunter gar eines rigiden Bruches bedurfte. Immer wieder findet man Reminiszenzen an Hermann Melvilles Opus Magnum "Moby Dick". Das Westish College hat eine besondere Beziehung zu dem großen Schriftsteller. Die Verbindungen lässt der amerikanische Autor virtuos und latent in seine Handlung einfließen.

"Einen Satz zu schreiben war einfach, wollte man hingegen ein Kunstwerk erschaffen, so wie Melville, musste jeder einzelne zu dem vorangegangenen passen und zu dem ungeschriebenen, der darauf folgen würde.", sinniert der junge Guert Affenlight im Buch.
Chad Harbachs Roman steht zwar noch nicht auf einer Stufe mit diesem großartigen Schriftsteller, aber ein beachtliches Zeichen hat er gesetzt. "Die Kunst des Feldspiels" ist flüssig zu lesend, tiefsinnig, intelligent und ungemein fesselnd. Der amerikanische Autor überrascht mit einem raffinierten und sorgfältig verschachtelten Plot und hervorragend gezeichneten Protagonisten. Stilistisch und kompositorisch folgt er damit seinem literarischen Vorbild David Forster Wallace. Sein Werk atmet im wahrsten Sinne des Wortes Seele, die sich im Laufe des Lesens mehr und mehr durch die Versuche und Irrtümer seiner "Helden" herausbildet. Dass diese Seele spürbar wird, ist gleichfalls zu einem nicht unerheblichen Anteil den beiden Übersetzern Stephan Kleiner und Johann Christoph Maass zu verdanken, die das englischsprachige Original ohne Brüche ins Deutsche übertragen haben.
Die Kritiker-Ikone der "New York Times" Michiko Kakutani urteilte über Chad Harbach, er habe "die seltene Fähigkeit, mit einem ehrlichen und tief empfundenen Gefühl zu schreiben, ohne jemals in Sentimentalität abzudriften, und eigenwillige, verletzliche und runde Charaktere zu schaffen, die sich sofort in unserem Herz und Hirn niederlassen". Ein völlig unangestrengtes Debüt ohne vorauskalkulierte Erwartungen... vielleicht gerade deshalb so gut.

"Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." (Friedrich Schiller)
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am 23. Oktober 2015
Ich bin verliebt. Schwer verliebt. So schwer verliebt, dass ich es mir von der Seele schreiben muss. Mein Herz gehört ab sofort ganz und gar Chad Harbach und seinem wundervollen Roman „Die Kunst des Feldspiels“.
Es bedurfte eines glücklichen Zufalls, dass es dazu kam, dass ich Bücher über Baseball recherchierte. Ich begann nämlich kürzlich, mich für diese amerikanischste aller Ballsportarten zu interessieren. Aus heiterem Himmel. Weder eine Wiederholung von „Die Indianer von Cleveland“, noch ein Traum von „Die Bären sind los“ können als Erklärung herhalten. Vielleicht sandte das Universum diesen Impuls, damit mir dieses Buch nicht entgeht. Inständig hoffe ich, meine Begeisterung übersteht die Winterpause der deutschen Baseball-Bundesliga. Dann werde ich alles daran setzen, mich im nächsten Frühjahr sonntags vormittags – verkatert oder nicht - zu den Heimspielen der Bonn Capitals zu schleppen. Bis dahin habe ich bestimmt auch die Regeln verstanden (und wer jetzt denkt, das ist doch wie Brennball, der hat sie auch nicht verstanden).
„Die Kunst des Feldspiels“ handelt aber nur am Rande von Baseball. Streng genommen könnte auch Fußball den Rahmen bilden, auf den Harbach seine Geschichte webt. Eigentlich aber auch nicht, weil Fußball sich anders anfühlt. Zu meinem großen Bedauern, viel kleiner. Henry Skrimshander, ein schmächtiges Landei, verschlägt sein Talent als Shortstop (ja ja, genau wie Brennball) ans kleine Westish College in Wisconsin. Unermüdlicher sportlicher Ehrgeiz und eifriges Training jenseits der Besessenheitsgrenze, befeuert durch seinen älteren Teamkameraden und Protegé Mike Schwartz, rücken Henry schnell in den Blickpunkt der Talentsucher. So verstärkt erspielt sich das bis dato unterirdische College Baseball Team der Harpooners nie geahnte Erfolge. Soweit alles, wenn auch formidabel erzählt, nicht neu. Aber dann kommt es anders und ich wäre ein Schuft, würde ich hier mehr verraten. Nur soviel, es wird dramatisch, aber ohne Drama, mal ehrlich, ist doch alles scheiße.
Die große Stärke dieses Romans sind seine Figuren und ihre feingliedrigen Verwicklungen miteinander. Da ist Guert Affenlight, Präsident des Colleges, ein smarter Literat in den besten Jahren, tief verwurzelt in seiner staubigen Junggesellenbude auf dem Campus und seine Tochter Pella, die es nach Jahren der Abwesenheit zurück an den Herd des Vaters verschlägt. Mike Schwartz, ein Bär von einem Kerl, ein Motivator, der Motor des Teams, dennoch geplagt von Schmerz und Ängsten. Owen Dunne, Henrys homosexueller Mitbewohner, ein charmanter Intellektueller und Filou. Jede Figur ist authentisch, auf ihre Art speziell, ohne auch nur in einer Zeile überzeichnet oder unglaubwürdig zu sein. Das ist die ganz große Erzählkunst. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass „Die Kunst des Feldspiels“ die schönste homosexuelle Liebesgeschichte erzählt, die ich je lesen dürfte.
Unzählige Botschaften habe ich zwischen den Zeilen gefunden. Über die Liebe, das Durchhalten, Freundschaft, Familie. Aber es wären nur Plattitüden, schrieb ich sie hierher, den Eingeweiden der Geschichte entrissen.
Abend für Abend freue mich, wenn die Zeit kommt, ins Bett zu gehen. Die Katze auf dem Bauch, das Buch auf der Brust, auf geht’s zum Westish College. Unbedingt lesen.
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am 14. Januar 2015
Ein amerikanischer Sportroman über Baseball? Der deutschsprachige Leser zuckt hier vermutlich erst mal ratlos mit den Schultern, was er damit anfangen soll. Doch der Autor Chad Harbach bietet hier so viel mehr als einfach nur eine Geschichte über Baseball, dass man sich in sie hineinstürzt und sie verschlingt, während man auf der anderen Seite traurig feststellt, dass es leider keine wirklich entsprechenden deutschsprachigen großen Gesellschaftsromane gibt die im Sport spielen.

In „Die Kunst des Feldspiels (The Art of Fielding)“ geht es dann auch gar nicht so sehr um diese Sportart, welche dem größten Teil der Europäer ein einziges Rätsel ist. Weder muss man dieses Spiel mögen, noch seine Regeln kennen, auch wenn natürlich Spielszenen beschrieben werden. Doch geht es dabei vielmehr generell um das was jede Mannschaftssportart wohl ausmacht: Der Zusammenhalt, die Auseinandersetzungen, die Spiele, das Training, das Innenleben in der Kabine, die Trainer, Hierarchien, quälende Selbstdisziplin, Gegensätze, die Besessenheit, Kameradschaft, Konkurrenz, Einsamkeit usw.

Diese Geschichte könnte auch in einer anderen Sportart so verlaufen. Nur dass Harbach eben mit dem College-Baseball und Campus-Leben eine typische amerikanische Geschichte erzählt. Es handelt sich hierbei um einen großen, ja ich möchte fast sagen Gesellschaftsroman aus der Mitte Amerikas vor der Kulisse eines Colleges. Hierbei stehen vor allem junge Menschen im Mittelpunkt, die noch auf der Suche nach ihrem Lebensweg sind, dabei im Mannschaftssport einen festen Anker finden und unter denen sich dann von heute auf morgen ein einzigartiges großes Sporttalent befindet, das so gar nicht in das öffentliche Heldenbild passt.

Doch was passiert, wenn all die Hoffnung, die in dieses Jahrhunderttalent mit dem wunderbaren Namen Henry Skrimshander gesetzt wurde und welche er lange Zeit nährte, auf einmal abrupt und unerklärbar nicht mehr erfüllt werden kann? Wenn weder er noch sein Mentor Rat wissen? Wenn der Protagonist sprachlos dieser Verantwortung nicht mehr gerecht werden kann und mit der Versagung seines Talents von jetzt auf gleich und seiner schmächtigen Erscheinung gar in gewisser Weise an einen modernen Oskar Matzerath erinnert? Was hat das für Folgen, wenn sein Förderer merkt, dass er eigentlich nicht sein eigenes Leben gelebt hat, sondern durch jahrelanges tagtägliches Einzeltraining mit Skrimshander und aufopferungsvolle, leidenschaftliche Hingabe für diesen Sport und dieses Talent, dass ihm selbst nicht gegeben war, sein Leben für einen anderen aufgeopfert hat? Es ist dieser schmale Grat zwischen Hoffnungen, Sehnsüchten, Illusionen, Erwartungen und Enttäuschungen an einen selber und an andere, die in junge Menschen und in den Sport projiziert werden, da man ansonsten keinen Halt im Leben findet, der hier prall und facettenreich um sich greift. Es ist auch ein Roman über Einsamkeit und Liebe. Der große Bogen wird durch den alternden Universitäts-Rektor Affenlight geschlagen, in dem sich diese Diskrepanz zwischen Liebe und Einsamkeit auf mehreren Ebenen widerspiegelt. Denn zum einen ist da seine Tochter, mit der er ein schwieriges Verhältnis pflegt, und zum anderen verliebt er sich auch noch in einen Studenten...

Harbach (und die gelungene deutschsprachige Übersetzung, auch wenn sie natürlich nicht jeden Wortwitz verständlich machen kann) findet eine virtuose warmherzige Sprache, die sich allmählich und intensiv ihren Figuren nähert. So gerät man immer tiefer in den Sog der Protagonisten und kann sich sehr gut mit ihnen identifizieren, in sie hineinversetzen. Darüber hinaus wird der ganz eigene Kosmos eines amerikanischen Hochschul-Campus von Harbach immer wieder mit feinem Wortwitz und guter Beobachtungsgabe liebevoll auf die Schippe genommen, wenn es bspw. um irrwitzige Merchandising-Artikel der Universität geht.

Ein wahrlich großer, intensiver Roman, der sich hervorragend lesen lässt und aufzeigt, wie toll und tiefgreifend Sportromane sein können, wenn sie zwar in eine Sportwelt eintauchen, jedoch letztlich einfach das Leben im allgemeinen und in solch einem amerikanischen Kosmos widerspiegeln. Und: keine Angst vorm Baseball, der ist hier nur Mittel zum Zweck. Es sind die Menschen und ihre Geschichten, die einen fesseln, den Baseball muss man dafür nicht lieben und verstehen, auch wenn man hier obendrauf auch noch den einen oder anderen Fachbegriff aus diesem Sport lernt.
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TOP 1000 REZENSENTam 30. Juni 2013
Ich wurde von einem Freund seit Wochen mit diesem Buch "genervt". Das ist toll, lies das mal. Du mußt das lesen. Bitte lies es. Willst du es wirklich nicht lesen?

Letztlich hat er es mir, die ich mir nie Bücher leihe, sondern sie immer besitzen muß, geliehen und ich kam nun nicht mehr drumherum, es auch zu lesen.

Grundsätzlich läßt sich sagen, daß mir Harbachs Schreibstil tatsächlich sehr zusagt. Er schreibt detailliert, ohne sich im Detail zu verlieren, seine Charaktere sind ausgereifte und sinnvoll handelnde Figuren. Die Geschichte ist eine spannende und interessante und der Leser wird ganz klar von dieser zumindest mir gänzlich fremden Welt der amerikanischen Colleges und des Baseball eingenommen. Zwar fehlte mir häufig das Verständnis, sei es über das amerikanische Schulsystem oder aber über die Abläufe beim Baseball, dennoch fand ich den Text von Harbach gut zu lesen und nachvollziehbar, wenn mich auch die englischen Begriffe etwas gestört haben, da hätte ich mir auch bei den Baseballfachbegriffen entweder eine Erklärung, ein Glossar oder aber eine verständliche Übersetzung gewünscht, so mußte ich doch recht häufig googlen, was denn nun ein Shotstop oder sonstiges ist.
Das läßt sich aber verschmerzen, warum dieses Buch trotz seiner durchaus faszinierenden Handlung und des wirklich sehr angenehmen Stils von mir nicht die volle Punktzahl erhält, erkläre ich gern.
Im Buch sind verschiedene Handlungsstränge miteinander verwoben, einer der zum Ende hin immer mehr Gewicht bekommt, ist der um die schwule Beziehung des Studenten Owen und den Westish Präsidenten Affenlight. Ich bin sicherlich nicht homophob veranlagt, ich mag auch Bücher um lesbische oder schwule Liebesbeziehungen, aber dies hier war für mich schlichtweg unrealistisch oder aber die Gefühle des Präsidenten nicht klar genug dargestellt. Ich konnte beim Lesen die Beweggründe für diese absurde Beziehung einfach nicht nachvollziehen und daher hat mich dieser Erzählstrang total gestört und mir auch viel vom bestehenden Lesegenuß genommen.

Dennoch würde ich sagen, daß "Die Kunst des Feldspiels" ein wirklich guter Entwicklungsroman ist, der die ganzen Sehnsüchte, die Zerrissenheit, das Chaos von jungen Menschen wunderbar darstellt und der beim Lesen auch sehr viel Spaß gemacht hat, während er gleichzeitig zum Nachdenken und Verweilen einlud.
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am 25. März 2013
Die "Kunst des Feldspiels", Chad Harbachs Debütroman, war einer der wohl meist gehypeten Romane des Jahrs 2011 in den USA. Das schürte schon im Vorfeld der Veröffentlichung der deutschen Erstausgabe im Spätsommer 2012 auch diesseits des Atlantiks große Erwartungen. Auch ich selbst war angesichts der überschwänglichen Lobeshymnen in diversen Feuilletons, insbesondere der NZZ und der FAZ, mehr als gespannt auf Harbachs Erstling. "Die Kunst des Feldspiels" ist ein Baseball-Roman, der um den aus South Dakota stammenden hochbegabten Spieler Henry "The Skrimmer" Skrimshander und dessen Mannschaft, die Westish Harpooners aus Wisconsin, kreist. Auffallend sind von Anfang an bereits die Verweise des Romans auf "Moby Dick" von Herman Melville, die gleichsam ein Leitmotiv von "Die Kunst des Feldspiels" bilden. Harbach entspinnt eine Geschichte um die Harpooners, denen eigentlich nicht der Nimbus eines herausragenden Teams anhaftet, die jedoch mit Fleiß und Disziplin von Henry Skrimshanders Mentor und Entdecker Mike Schwartz nach und nach zu einer sehr schlagkräftigen Truppe ausgebaut werden. Als Henry in einem Spiel als gesetzter Shortstop jedoch völlig unerwartet durch einen fehlgeleiteten Ball einen seiner Mannschaftskameraden am Kopf trifft und ins Koma befördert, beginnt für ihn eine schwere Formkrise. Seine herausragenden Fähigkeiten, die er zu perfektionieren versucht, entgleiten ihm in der Angst, weitere Fehler zu machen, und es beginnt auch mannschaftsintern heftig zu kriseln. In einem weiteren Handlungsstrang lernt der Leser den Direktor der Westish Universität, Guert Affenlight, kennen, der sich in einen der Spieler der Mannschaft verliebt. Unglücklicherweise kann Affenlight sich nicht hierauf konzentrieren, da seine Tochter Pella sich von ihrem Ehemann trennt und mit Sack und Pack nach Westish fliegt, um für eine Weile bei ihrem Vater unterzukommen. Harbachs Roman handelt von Freundschaft, sportlichem Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und dem Scheitern an der Perfektion. "Die Kunst des Feldspiels" ist sprachlich recht ausgereift und geradlinig erzählt. Der Verzicht auf aufgesetzte sprachliche Grazie zeigt sich sehr wirkungsvoll gerade auch an den Stellen, an denen so etwas wie ein universitärer Slang imitiert wird. Herausragend an "Die Kunst des Feldspiels" ist die Energie, mit der die Zielstrebigkeit der Hauptfiguren, allen voran Henry und Mike, geschildert wird, die ein klares Ziel vor Augen haben und dieses um jeden Preis erreichen wollen, das Streben nach Perfektion. Insoweit wartet "Die Kunst des Feldspiels" wirklich mit großen Momenten auf. Nicht so gut gelungen sind die leider sich oft zu sehr aufdrängenden Querbezüge zu Melvilles "Moby Dick" oder auch der etwas kraftlos erzählte Mittelteil, was jedoch angesichts der eindeutigen Qualitäten des Romans zu vernachlässigen ist. Zu einem wirklich großen Roman fehlen am Ende leider ein wenig die Originalität und der Ideenreichtum, wie sie etwa andere Baseball-Romane, beispielsweise "The Great American Novel" von Philip Roth auszeichnet. Insgesamt aber ist Harbachs Romandebüt überaus lesenswert. Man darf sehr gespannt sein, was Harbach auf diesen Roman noch folgen lässt. Die Messlatte hat er mit "Die Kunst des Feldspiels" jedenfalls schon sehr hoch gelegt.
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am 12. August 2015
"Er hat versucht, sich von innen zu ertränken, so hat es einer von den Ärzten gesagt."
Ich habe keine Ahnung von Baseball (auch nach der Lektüre des Buches nicht) und dennoch war es keine Sekunde langweilig.
Skrimmers Geschichte nimmt einen mit auf eine sehr amerikanische Reise, mit Baseball, College, Campusleben...
Und natürlich ist es eine Geschichte der Entwicklung vom unscheinbaren, schmächtigen Jugendlichen zum fast gefeierten Baseballstar.
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