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Kundenrezensionen

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am 27. Dezember 2010
Nichts ahnend, mich mal auf etwas neues einlassend (Japan ist weit weg), unvorbereitet trifft mich dieses Buch. 4 Tage und zum Teil auch Nächte habe ich einen neuen Autor für mich entdeckt und muss zu meiner Schande eingestehen, dass es sich da wohl um eine Bildungslücke handelte. Murakamis neues Werk hat mich gefesselt wie kaum ein Buch zuvor. Grandios!

Auf eine Inhaltsangabe kann ich getrost verzichten, davon gibt es hier bereits genug. Aber meine Eindrücke möchte ich doch schildern.

Was ist das für ein Buch? 2 faszinierende Biografien, 2 Menschen, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen und deren Geschichten sich unmerklich ineinander verweben. Ein Buch im Buch, das eine große Rolle spielt. Eine lang angelegte, großartige Erzählung. Viele kleine Erzählungen. Ein Roman, ein bischen Irving, eine Portion King, ganz viel Paul Auster, Märchen, Fantasy, Sience-Fiction, Prosa, Übersinnliches und allzu Menschliches, in keine Schublade passend. Aber dieses Buch ist wohl vor allem eins: Murakami.

Die einfache, schnörkellose Sprache ist aus meiner Sicht eher Pluspunkt als Manko (Mir liegt Lenz näher als Jelinek oder Müller).

Ein ganz besonderes Buch. So dermaßen in den Bann ziehend, dass ich mich nach Beendigung der Lektüre durch einen Blick nach draußen vergewissern musste, dass am Himmel nur ein einziger Mond steht.

Eine späte Entdeckung, aber nicht zu spät. Und noch ganz viele ungelesene Murakami-Bücher liegen vor mir!
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am 2. Dezember 2010
Viel wurde im Vorfeld zu Veröffentlichung von Murakamis neustem Werk gesagt und geschrieben. Schlagworte wie "Magnum Opus" und "sein bestes Werk" fielen dabei nicht selten. Entsprechend erwartungsvoll fieberte ich dem Buch mit dem seltsamen Titel ("Q" wie "kyu" für 9 im Japanischen) entgegen- Murakami hat mich schliesslich noch nie enttäuscht. Im schlechtesten Falle hat er mir "bloss" ein paar unterhaltsame Lesestunden beschert, im besten Fall eines meiner absoluten Lieblingsbücher vorgelegt.

In welche Kategorie fällt nun der vorliegende Roman?

Zur Handlung: 1Q84 dreht sich um die hübsche Aomame, Fitnesstrainerin und Racheengel für misshandelte Frauen, und Tengo- seines Zeichens Mathematiklehrer und mässig erfolgreicher aber talentierter Schriftsteller. Während Aomames letzter Auftrag als Killerin sie zu dem Oberhaupt einer verschwiegenen Sekte führt, soll Tengo den Text eines exzentrischen 17-jährigen Mädchens überabreiten und ihr so zu einem Literaturpreis verhelfen. Beide ahnen noch nicht mit was für Mächten sie sich dabei anlegen.

Zunächst ist alles wie gewohnt bei Murakami: Die Geschichte erzählt alternierend von zwei Personen zwischen denen keinen Zusammenhang zu bestehen scheint. Dabei handelt es sich um die typischen Figuren eines jeden Romans des japanischen Autoren- quasi die "Murakami-Prototypen". Jung, durchschnittlich und erfolgreich. Aber auch oft in einer Phase von persönlichen Krisen und seltsam passiv in der Interaktion mit ihrer Umwelt. Sie treiben durch die Geschichte und werden von persönlichen Dämonen der Vergangenheit verfolgt. Der Leser darf so tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der jeweiligen Protagonisten eintauchen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasma zusehends und es entsteht langsam eine mystische Parallelwelt irgendwo im Schnittpunkt aus Illusion und Wirklichkeit.

Alle diese Versatzstücke welche die Bücher Murakamis ausmachen sind auch hier vorhanden. Und in der Tat spürt man den Eifer des Schriftstellers dieses Mal alles noch ein Stück weiter zu treiben und ausführlicher zu machen. Das zeigt nur schon die schiere Länge des Romans. Die vorliegende Ausgabe umfasst über tausend Seiten und damit die ersten beiden Teile einer Trilogie, welche in Japan in drei einzelnen Bänden erschienen ist. Doch genau hier liegt der Hund begraben. Das Buch ist zu lang. Wünschte ich mir noch oft die Geschichten Murakmis mögen kein Ende nehmen, fand ich mich hier nach 400 Seiten einigermassen gelangweilt. Der gesamte erste Teil des Buches könnte man in wenigen Sätzen zusammenfassen- ohne dabei irgendein relevantes Detail auszulassen. Die Geschichte plätschert vor sich hin und die Hauptpersonen werden langfädig eingeführt. Zum Glück hat Murakami die Gabe selbst profanste Dinge und Abläufe (zumindest formal) spannend zu verpacken. So bleibt das Buch auch die ersten paar hundert Seiten ein "page-turner". Nun könnte man argumentieren dass bei Murakami die Personen, und nicht primär die Geschichte, im Vordergrund stehen bzw. dass sich die Geschichte aus den Personen heraus entwickelt . Das stimmt. Wer zum Beispiel "Mr. Aufzievogel" kennt weiss, dass es sich dabei quasi um ein Psychogramm auf 800 Seiten handelt. Aber da schafft es Murakami tief in die Hauptperson einzutauchen und uns eine abstrakte, fremde Gedankenwelt näher zu bringen. In 1Q84 aber bleiben die Protagonisten seltsam flach und uninteressant. Das ist nicht nur das Schicksal der Schlüsselfiguren. Auch die, im Verlaufe des Romans zahlreich, eingeführten Nebenfiguren und Nebenhandlungen verlaufen sich des Öfteren im Sande oder verschwinden wieder (mal mehr- mal weniger spektakulär) komplett aus der Geschichte. Dies wirkt beim wiederholten Male ermüdend und man stumpft als Leser den Ereignissen gegenüber ab.

Wer sich allerdings geduldig durch die erste Hälfte des Buches liest wird schlussendlich doch noch mit einigen Spannungsmomenten belohnt. Die Geschichte gewinnt an Tempo und langsam beginnen sich auch einige Schlüsselthemen herauszukristallisieren (insbesondere interessant für jene die "Untergrundkrieg" gelesen haben). Da werden auch einige anregende Fragen zu Themen wie Schuld, Willensfreiheit und Individualität aufgeworfen.

Zum Schluss muss man sich drauf gefasst machen mit der letzten Seite ein wenig unbefriedigt zurückgelassen zu werden. Dies hängt allerdings mehr mit der Veröffentlichungspolitik der Verlage, als mit dem Buch an sich, zusammen. Es handelt sich ja nicht um das definitive Ende der Geschichte um Aomame und Tengo. Ein krasser Cliffhanger wurde aber glücklicherweise vermieden.

Fazit: Nicht Murakmis Bester, aber trotz einiger Längen noch immer über dem Durchschnitt der gegenwärtigen Bellestrikveröffentlichungen. Die 3-Sterne Wertung bezieht sich somit auch auf den direkten Vergleich zu anderen Werken des Autors und die, damit einhergehenden, hohen Erwartungen. Für Murakami-Verhältnisse ist die Geschichte allerdings ziemlich zugänglich und somit auch für Einsteiger in den Kosmos des Schriftstellers geeignet. Allerdings würde ich zu diesem Zwecke eher auf "Hard-Boiled Wonderland" verweisen. Für Fans wird das Buch sowieso Pflichlektüre sein. Insgesamt: (Nur) Empfehlenswert- und damit leider auch hinter den/meinen Erwartungen geblieben.
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am 2. August 2011
Dunkel und enigmatisch ist der neue Murakami, anspielungsreich und voller Querverweise. In Japan hat das Buch sämtliche Verkaufsrekorde gebrochen, über zwei Millionen Exemplare wurden aus dem Stand verkauft. Es ist ein verschachteltes, mehr als tausend Seiten starkes Buch, das auf verschiedenen Ebenen funktioniert.

Da ist die souveräne Martial-Arts-Kämpferin Aomame, die im Auftrag einer alten Dame Männer tötet, die Frauen missbraucht haben. Aomame gerät auf dem Weg zu einem Mord vom Jahr 1984 ins Paralleljahr 1Q84. Da ist Tengo, mit dem die liebesunfähige Aomame gemeinsam zur Schule ging und mit dem sie einen Moment der reinen Liebe teilte. Tengo ist Miterschaffer der Parallelwelt 1Q84, er schreibt mit der Tochter eines Sektenführers an einem Roman im Roman: "Das leere Gespinst" heißt er, auf die Luftkokons der Little Pople anspielend. "Ich frage mich ständig, ob die Welt, in der ich mich jetzt gerade befinde, die wirkliche Welt ist", sagte Haruki Murakami einmal.

1Q84 ist das Werk, dass Murakami selbst als sein "größtes Buch" bezeichnet. In ihm finden sich alle Motivstränge, derer sich Murakami in seinen Romanen der vergangenen dreißig Jahre bedient hat: die Parallelwelten, Halluzinationen und persönlichen Apokalypsen. Vor allem aber die Zweiteilung, unter der der moderne Mensch leidet: Mann und Frau, Beziehung und Sex, Wunsch und Realität. Und die Überwindung dieser Widersprüche durch die heilende Kraft der Liebe.

Ein ebenso verstörendes wie großartiges Buch, das federleicht in Abgründe führt.

Den einzigen Abzug in der Wertung gebe ich für die Länge des Buches. Die insgesamt über 1.000 Seiten ziehen sich an manchen Stellen doch ganz schön. Hätte man gewiss auch kürzer fassen können ohne dass dem Buch etwas gefehlt hätte.
Ist allerdings nur meine subjektive Meinung. Wen die Länge des Buches nicht stört, kann meine Rezension daher ruhigen Gewissens als eine 5-Sterne-Wertung ansehen.

Wer Murakami mag, wird dieses Buch lieben.
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am 5. März 2011
"Nicht ich bin verrückt, sondern die Welt ist es", stellt Aomame bei Betrachtung des zweiten Mondes, der sich in ihre Welt, ihre Zeit gestellt hat, fest. Das ist quasi auch das Fazit des Romans, vermutlich fast aller Romane Murakamis. Deren Helden sehen sich mit phantastischen und nicht sehr angenehmen Entwicklungen konfrontiert und müssen sich mit ihnen arrangieren. Am Ende von "1Q84", zumindest dieser Ausgabe, wird nicht ganz klar inwieweit das gelungen ist.

Es ist mir auch nicht ganz klar, inwieweit der Roman selbst als gelungen zu betrachten ist. Die Geschichte kommt zunächst langsam, nach meinem Geschmack doch zu langsam, voran, windet sich etwas gezwungen um immer dieselben Probleme, immer die gleichen Konstellationen finden statt, um dann ab der Hälfte des Bandes zu einem düsteren und durchaus spannenden Fantastik-Thriller anzuziehen und in ein etwas unbefriedigendes nebulöses Ende zu münden, das wohl als Bereitschaft für eine Fortsetzung dient. Schließlich sind ja längst noch nicht alle Geheimnisse der Geschichte enträtselt und die beiden Helden, "in welcher Form auch immer" sie nunmehr existieren mögen, haben sich noch immer nicht gefunden.

Ich weiß nicht, ob ich das wirklich wissen will. Ich bin kein großer Fan von Geschichten, in denen die Protagonisten ein weltentscheidendes Schicksal in sich tragen und ihre Begegnung und Vereinigung unglaublich wirkungsmächtig ist, sodass der Moment immer wieder hinauszuzögern ist. Ich mag auch nicht mehr die Konstruktion sehen, bei der ein Autor reale Ergebnisse seiner eigenen Geschichte erlebt. Wer damit keine Probleme hat, der wird hier bei Murakami in seiner so ungewöhnlichen Art zu erzählen mehr als anständig bedient. Ich selbst hatte, spätestens als Aomame mit dem 'Leader' zusammentrifft und dieser ihr dann alles so darbietet, was er weiß und was er sagen darf, eher das Gefühl bei Akte X zu sein als einen würdigen Schüler Kafkas anzutreffen. Und doch, obwohl ich mit der Geschichte ziemlich fremdelte, war ich gebannt von der Konsequenz und Intensität, mit der Murakami sie durchzog. Während ich bei den ersten fünfhundert Seiten manchmal überlegte, ob das Weiterlesen lohnte, konnte ich danach nicht mehr davon ablassen, war dann aber auch froh als es vorbei war.

Murakami hat natürlich bemerkenswerte literarische Qualitäten. Seine Figuren sind immer einfühlsam und gewissenhaft konstruiert, die Art wie sie ihre Leben regeln, ihre Vorstellungen begründen, lösen beim Lesen immer Sympathie und Anteilnahme aus. Sie haben Charakter, kommen daher plausibel und plastisch bei mir an, ihre Skurillität ist niemals prätentiös und nur bei Murakami wirkt es glaubhaft, wenn ein Bodyguard Chechov zitiert. Überhaupt setzt er das Heranziehen von westlicher Kultur erstaunlich erfolgreich als Mittel ein, seine Geschichten mit noch mehr Bedeutung zu unterfüttern, auch wenn der Bezug zu Orwells "1984" dann doch etwas zu Trickreiches hat. Besonders stark sind seine Dialoge; es ist fast immer ein Vergnügen, wenn Tengo mit der wortkargen Fukaeri um ein paar Erkenntnisse ringt oder sich die verblümten Drohungen des fiesen und undurchdringlichen Ushikawa anhört, und Tengos Mentor Komatsu ist immer für einen exzellent sarkastischen Wortwechsel zu haben.

Bei dem deskriptiven Voranbringen der Geschichte bin ich mir nicht so sicher. Ich empfand zunächst das Hin- und Herschalten zwischen Tengo und Aomame als zu starr durchgehalten. Die recht kurzgehaltenen und in zu viele Abschnitte unterteilten Kapitel störten oftmals meinen Lesefluss, mein Gefühl für den Rhythmus. Irritierend empfand ich die Lakonik, mit der Murakami Aomame die Veränderung ihrer Welt entdecken lässt; da schien mir der Autor es sich zu leicht zu machen. Die Qualität der Metaphern und Analogien schwankte erheblich; viele waren ausgezeichnet, andere schienen etwas plump und weit hergeholt. Ärgerlich fand ich die thematischen Wiederholungen und Redundanzen. Immer wieder wird Tengos Vergangenheit angesprochen, immer aufs Neue die Kindheitsbegegnung mit Aomame durchgekaut (ein sowieso recht kitschiges Thema); Tengo reist gen Ende gleich zweimal zu seinem Vater und ungefähr zwischen den Seiten 200 und 450 lässt Murakami keine Gelegenheit aus uns über diversen Kanälen mitzuteilen, dass sich die radikalen Akebono von den liberalen Vorreiten abgespalten haben und letztere nach dem Schusswechsel der Radikalen mit der Polizei zu einer religiösen Sekte mutierten...

Trotz dieser Kritik will ich dieses Werk zu den guten Romanen zählen, weil er doch eine spektakuläre Wiederbegegnung mit einem sympathischen und unglaublich erfindungsreichen Schriftsteller ermöglichte, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann, wenn sein Name mit dem Nobelpreis in Verbindung gebracht wird.
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am 1. Mai 2013
Ich habe das Buch gerade zu Ende gelesen, allerdings unter großer Anstrengung. Murakami spricht einige interessante Aspekte in seinem Roman an, z.B. das Motiv der wahren, aber unerfüllten Liebe (= Sinn des Lebens), Verlust, die Einsamkeit des Menschen in der Großstadt, die Folgen kollektiver Macht auf die Identität des Einzelnen und der sie umgebenden Gesellschaft oder auch die Konsequenzen von Gewalt auf die menschliche Psyche. Das Setting situiert sich im Spannungsfeld zwischen Realem und Irrealem.
Allerdings ist das nichts, was ich nicht schon von anderen Schriftstellern kenne, vor allem aus dem südamerikanischen Bereich. Mit dem Unterschied, dass Autoren wie Juan Carlos Onetti, Julio Cortázar, Roberto Bolaño, Mario Vargas Llosa u.v.a. darin zu einer Meisterschaft gelangt sind, die ich in "1Q84" nicht entdecken kann. Vielleicht liegt das auch an zum Teil langatmigen Einstellungen und diversen Wortwiederholungen, was Darstellung und Ausdruck manchmal dilettantisch wirken lässt. Ob das an der Übersetzung liegt oder bereits im japanischen Original zu finden ist, kann ich nicht beurteilen. Insgesamt war ich erstaunt, weil ich zuvor Murakamis "Gefährliche Geliebte" gelesen hatte und ich diesen Roman als beeindruckend präzise konstruiert empfunden habe.
Eine Zumutung fand ich die Passagen, in der der Missbrauch von minderjährigen Mädchen durch den "Leader" von der Erzählerstimme Aomames quasi relativiert wird, indem sie seine Taten mit seiner außergewöhnlichen Ausstrahlung kontrastiert. Sicherlich darf der "Leader", gerade vor dem Hintergrund seiner halbgaren religiösen Überzeugungen, seine Sicht der Dinge zum Besten geben, andererseits hätte ich von der Figur Aomames ausgehend, die nicht den Eindruck eines unzuverlässigen Erzählers macht, eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema "Missbrauch" erwartet.
Natürlich könnte man Lesern, die "1Q84" nicht mögen, Unverständnis für die Thematik des Romans vorwerfen. Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Unterschied besteht zwischen Texten, die für ungeübte Leser nicht verständlich sind (Borges, Bioy Casares) und Texten, die nerven. Murakamis Werk gehört für mich leider zu den Letzteren. Abgesehen davon hätte er um die Hälfte kürzer sein können.
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am 6. Oktober 2010
1022 Seiten, eine großartig gebundene Ausgabe (ohne Schutzumschlag) und über 1 Kilo Gewicht; das sind die "technischen" Daten zu Haruki Murakamis opus magnum "1Q84".

Nun zum Roman selbst...

Zwei Hauptprotagonisten, beide knapp an die dreißig Jahre alt, Aomame und Tengo.
In konsequent abwechselnden Kapiteln treibt Haruki Murakami die Plots der beiden vorerst unabhängigen Geschichten voran.

Während Tengo ein, oberflächlich betrachtet, eher typischer Murakami Protagonist ist, also unverheiratet, ohne Karriere und nur eher oberflächliche Beziehungen zum anderen Geschlecht pflegend, ist Aomame, auch wenn ihre Ohren (und nicht nur die Ohren) unterschiedlich groß sind und auch ihre Beziehung zum anderen Geschlecht sich nur sporadisch und ohne Bindung vollzieht, eine eher untypische Murakami Protagonistin, da sie eine Auftragsmörderin ist. Zwar eine Auftragsmörderin im Dienste der Gerechtigkeit an geschundenen und misshandelten Frauen, aber doch eine Mörderin.

Nachdem Aomame unwissentlich im ersten Kapitel in eine Parallelwelt gewechselt ist, eine Welt, in der es zum Beispiel einen zweiten Mond gibt, überschlagen sich die Ereignisse. Als sie, viel später bemerkt, dass sie in einer Parallelwelt leben muss, nennt sie diese Parallelwelt 1Q84.

Der angehende und bisher unveröffentlichte Schriftsteller Tengo bekommt von seinem Redakteur den Auftrag, ein Manuskript einer siebzehnjährigen Autorin so weit zu redigieren und umzuschreiben, dass der Verlag diesen Roman für den Debütpreis einreichen könne.
Fukaeri, die junge Autorin, ist eher zurückhaltend und scheint an einem Erfolg wenig interessiert zu sein, gibt aber ihre Zustimmung zur Überarbeitung.

Langsam kristallisiert sich die Sekte "Die Vorreiter" als Motor in diesem Treiben heraus, während die "little People" (eine Art Fabelwesen) eine immer wichtigere, aber relativ unklare Rolle in diesem Roman spielen.

Während man also das Leben und die sexuellen Eskapaden Aomames verfolgt, arbeitet Tengo an der Überarbeitung des Manuskripts. Der Roman wird in der überarbeiteten Form ein sensationeller Erfolg und gewinnt der Debütpreis. Da der Roman aber die Machenschaften der "Vorreiter" und der "little People" beschreibt, löst die Erscheinung des Romans auch für Tengo eine Flut von Unannehmlichkeiten aus. Tengos zehn Jahre ältere Geliebte verschwindet spurlos und Fukaeri wird vermisst.

Langsam wird klar, dass der Ursprung der Unfähigkeit der beiden zu lieben, die unerfüllte Liebe zueinander ist. Eine Liebe, die nur auf einer langen Berührung vor neunzehn Jahren begründet ist. Aomame und Tengo machen diese Erfahrung erst im Verlauf des Romans und versuchen danach den jeweils anderen zu finden.

Und so führt Haruki Murakami die beiden Plots auf extrem spannende Art und Weise immer näher aneinander heran.

"1Q84" ist ein extrem vielschichtiger Roman mit ganz vielen Handlungssträngen, die hier anzuführen einfach zu weit gehen würde und auch den Spaß beim Lesen mindern würde. "1Q84" setzt stilistisch dort an, wo die großartigen Romane Wilde Schafsjagd", Tanz mit dem Schafsmann" und Hardboiled Wonderland" aufgehört haben, führt aber mit neuen, erweiterten und gereiften Stilmitteln viel weiter.

"1Q84" ist ein Roman, den man nach ein paar Seiten schon gar nicht mehr aus der Hand legen kann oder will, ein richtiger Pageturner. Spannend und mitreißend, großartige Unterhaltung und ein, im besten Sinne des Wortes, typischer Murakami!

Großartig auch die Übersetzung von Ursula Gräfe, die diesen Roman aus dem Japanischen übersetzt hat, während z.B. "Mr. Aufziehvogel" ja "nur" eine Übersetzung der englischen Übersetzung war...

Obwohl mir das Design des Buches (und der grüne Aufdruck MURAKAMI am Seitenrand) persönlich nicht gefällt (was nicht weiter wichtig ist), möchte ich lobend sagen, dass die Bindung des 1022 Seiten Romans großartig ist. Endlich wieder ein gebundenes Buch, das man beim Lesen einfach vor sich legen kann und beim Blättern den Buchrücken nicht knicken muss, weil das Buch einfach offen bleibt. Toll!
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am 30. Dezember 2014
In drei Bänden verknüpft Murakami die verhinderte Liebesbeziehung zwischen Aomame und Tengo mit dem Machtausbau der militanten Sekte Sakigake. Er platziert sein Magnum Epos im Jahr 1984, allerdings einem 1984, das in einer Art Parallelwelt stattfindet und in dem gottähnliche Wesen, die wie die sieben Zwerge wirken, durch das Maul einer toten Ziege zu Tage treten, Puppen aus Luft bauen und die Herrschaft über die Menschheit anstreben.

Der erste Band hat mich mitgerissen – Aomame ist als Killerin tätig, die gewalttätige Männer beseitigt, und Tengo wirkt als Ghostwriter der mysteriösen Eriko Fukada und produziert mit ihr einen Bestseller. Die Verstrickungen von Eriko Fukadas Roman mit Sakigake und den sieben Zwergen war erst faszinierend, und die Aktivitäten von Aomame fand ich mitreißend. Ich erwartete einen großen Wurf, einen weltbedrohlichen Konflikt, was GANZ GROSSES. Der zweite Band flachte dann schon etwas ab, und im dritten Band kommt die Handlung fast zum Stehen und leuchtet viel Klein-Klein aus. Waren die beiden Perspektiven von Aomame und Tengo in den ersten beiden Bänden gelungen, so hat mich im dritten Band überrascht, dass Privatdetektiv Ushikawa eine eigene Perspektive bekommt. Davor war er für mich eine unheimliche Gestalt, vielleicht sogar erschaffen von den sieben Zwergen, jedenfalls ihr Sprachrohr, und im dritten Band wurde er als profaner Gescheiterter in allen Lebenslagen demaskiert, was mich ernüchterte. Sein Ende ließ mich dann rätseln, welche Funktion er überhaupt als dritte Erzählperspektive hatte, was der Autor mit Ushikawa als Erzählstimme bewirken wollte, außer dass der Roman immer langsamer und zäher wurde.

Langsam ist 1Q84 von Anfang an, aber spätestens im dritten Band wurde aus Langsamkeit Langeweile. Nichts war's mit großem Weltentwurf, sondern die drei gewichtigen Bände enden im Besingen der Kernfamilie. 2 Sterne. Schade.
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am 26. Mai 2013
Ich lese oft und viel. Haruki Murakami ist einer der besseren Schriftsteller. Der Aufbau und die Führung der Geschichte ist grandios, jedoch wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Erstens sind es nicht 3 Bücher sondern eines, da die Handlungen pro Buch nicht in sich abgeschlossen sind. Zweitens gibt es keine Auflösung während dem Verlauf der Geschichte. Das könnte man ja noch akzeptieren (wenn auch widerwillig), da es die Spannung erhält. Jedoch werden selbst im dritten Teil die Fragen nicht aufgelöst und es bleibt ein offenes Ende. Find ich ziemlich krass, anderen mag das gefallen. Bücher philosophischer Natur haben aus meiner Sicht das Recht dazu, Fragen offen zu lassen, nicht aber ein Märchen wie dieses. Des weiteren hatte ich mir eine Anlehnung an 1984 erwartet, hatte sogar das Buch von George Orwell vorgängig gelesen. Absolut umsonst. Wenn Du damit leben kannst, kauf es, sonst lass es.
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am 6. Februar 2014
Haruki Murakami hat mit "1Q84" für mich eine neue Art der Romanschreibung implementiert!
Die Geschichte ist nicht wie üblich auf Spannung aufgebaut, sondern beschreibt das Leben der Hauptpersonen sehr genau und sehr detailvoll. Die Geschichte hinter dem Buch ist ungewöhnlich und fasziniert auch nicht aufgrund großer Spannung, sondern berührt den Leser mit einer tiefsinnigen Story.
Absolute Abwechslung und sehr empfehlenswert für all jene, die auch gern mal ihren eigenen Gedanken nachhängen.
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Eine Frau namens Aomame sitzt im Taxi und steckt im Stau. Um ihren wichtigen Geschäftstermin einzuhalten, steigt sie aus und versucht über eine Nottreppe und weitere Umwege noch pünktlich an ihr Ziel zu kommen. Aber es handelt sich um keinen normalen Geschäftstermin, denn Aomame ist eine Serienmörderin im Dienst der Gerechtigkeit. Und irgendwie ist seit diesem Tag alles ein bisschen seltsam.
Ein Schriftsteller namens Tengo soll ein von einer 17jährigen eingereichtes Romanmanuskript überarbeiten. So stark überarbeiten, dass es eigentlich schon an Betrug grenzt. Tengo will das Einverständnis der Autorin und trifft sich mit ihr. Aber sie entpuppt sich als Legasthenikerin, die den Titel ihres Romans nicht kennt, andererseits aber eigene Kindheitserfahrungen zu beschreiben scheint. Und irgendwie ist seit diesem Tag alles ein bisschen seltsam.
Irgendetwas ist schräg. Und irgendwie scheinen die beiden Geschichten, die kapitelweise abwechselnd erzählt werden, zusammen zu hängen. In beiden Erzählsträngen spielt ein Händedruck eine große Rolle, wird die Sinfonietta von Janacek gehört, beide Protagonisten waren in ihrer Kindheit auf die eine oder andere Art Außenseiter. Und beide sehen plötzlich zwei Monde am Himmel.
In die Handlung eingebettet ist die Beschreibung der Situation der Frauen in der japanischen Gesellschaft, sowohl beruflich als auch in der Partnerschaft. Von Unterdrückungsmechanismen und Gewalt wird berichtet, aber auch von der Kraft der Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen und aktiv werden, um der Männergewalt etwas entgegen zu setzen. Zumindest im Roman geschieht dies auch sehr handfest, wie man an Aomame und ihrer Auftraggeberin sieht.
Nach und nach wird die Verbindung, die zwischen den beiden Protagonisten besteht, sichtbar. Die Erzählstränge bewegen sich aufeinander zu, aber nicht linear, sondern eher in einer Art Schleife. Die Verbundenheit zwischen Aomame und Tengo wird immer deutlicher. Und auch, wie der Roman der 17jährigen und die religiöse Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen ist, mit allem zusammenhängt. Auch die Auftraggeberin der Morde an Kinderschändern und sogar die Täter selbst gehören zum großen Ganzen der Geschichte um Aomame und Tengo.
Ich bin ja immer ein wenig skeptisch, wenn im Vorfeld ein solch großer Hype zum Erscheinen eines Buches veranstaltet und es als opus magnus angekündigt wird. Zu oft wird übertrieben. Aber nicht in diesem Fall.
Dieses Buch ist wirklich ein opus magnum, ein echtes Meisterwerk! Es ist so brilliant geschrieben und so genial komponiert, die diffizile Mischung aus Gesellschaftsroman, Krimi und Fantasy ist so harmonisch gelungen, dass es mir den Atem verschlagen hat. Die Charaktere sind plastisch und tief, selbst die Nebenfiguren sind liebevoll ausgestaltet.
Was im Buch über den von Tengo überarbeiteten Roman gesagt wird, trifft auch auf das Buch selbst zu:
'Die Geschichte handelte zwar von surrealen Erlebnissen in einer phantastischen Welt, rief jedoch natürliche Anteilnahme hervor. Wahrscheinlich weckte die Geschichte Empfindungen, die sich unterhalb der bewussten Ebene abspielten. Die Leser gerieten in den Sog dieser Empfindungen und verschlangen das Buch.'

So ging es mir auch. Ich habe dieses Buch verschlungen und bin völlig begeistert. 1Q84 hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen, und der Umfang hätte ruhig noch größer als 1030 Seiten sein dürfen. Seitdem ich dieses Buch gelesen habe, hat Haruki Murakami jedenfalls einen Fan mehr.
Kurz: Kaufen, schenken lassen, ausleihen ' egal, aber: Lest dieses Buch!
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