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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dr. Hans W. Wieczorrek Mehr als eine Parabel von Kain und Abel
Willkommen in Falconer ist das erste Werk Johne Cheevers, das ich gelesen habe und ich muss sagen ich habe es nicht bereut. Da ich kein Literaturkritiker bin, bemühe mich auch gar nicht eine objektive literarische Bewertung abzugeben, sondern gebe meine subjektiven Empfindungen wieder. Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen. Ich halte es für...
Veröffentlicht am 12. Juni 2012 von Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek

versus
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen hat mich nicht überzeugt
Unter dem Titel Falconer" erschien dieser Roman bereits 1977, als vierter Roman des Autors Cheever. Der Erfolg in Europa respektive Deutschland war jedoch bescheiden, sodass nun eine Neuübersetzung auf den Markt kam, auch um dem Gesamtwerk Cheevers gerecht zu werden. All das erfährt man im Nachwort des Journalisten und Autors Peter Henning, der zugleich noch...
Vor 10 Monaten von Krenberger veröffentlicht


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dr. Hans W. Wieczorrek Mehr als eine Parabel von Kain und Abel, 12. Juni 2012
Von 
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
Willkommen in Falconer ist das erste Werk Johne Cheevers, das ich gelesen habe und ich muss sagen ich habe es nicht bereut. Da ich kein Literaturkritiker bin, bemühe mich auch gar nicht eine objektive literarische Bewertung abzugeben, sondern gebe meine subjektiven Empfindungen wieder. Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen. Ich halte es für große Literatur. Die sprachliche Brillianz Cheevers, kommt durch die hervorragende Übersetzung voll zum Ausdruck. Im Mittelpunkt der Handlung steht der drogensüchtige Hochschulprofessor Ezekiel Farragut, der seinen Bruder erschlagen hat. Der Auslöser für diese Affekthandlung war, dass sein Bruder ihm nahezu beiläufig mitteilt, dass er von seinem Vater nie geliebt wurde und dieser seine Mutter zur Abtreibung zwingen wollte. Dennoch wir er wegen Mordes verurteilt, zwar nicht zum Tode, sondern zu einer langen Haftstrafe, die er in dem berüchtigten Gefängnis Falconer absitzen soll. Das ist die Hölle auf Erden. In dieser brutalen trostlosen Welt erlebt der mit einer wunderschönen Frau in einer belanglosen Ehe verheiratete Farragut die auch körperliche Liebe zu einem Mitgefangenen. Diese intime Beziehung wird durch dessen auf kuriose Weise inszenierte Flucht beendet. In der Unfreiheit des Gefängnisses erkennt Farragut, indem er sein Leben Revue passieren wird, dass er nie in seinem Leben frei gewesen ist. Er war immer abhängig und eingeengt, wobei seine seit seiner Jugend bestehende Drogensucht eine dominierende Rolle spielt. Aber auch seine Ehe glich einem Gefängnis. Aus einem Gefängnis kann man durch die Flucht entfliehen. Und dieser Gedanke beginnt ihn zu beherrschen, zumal er seine Drogensucht ohne sein Zutun überwunden hat, weil seine tägliche Methadondosis vom Gefängnisarzt heimlich durch ein Placebo ersetzt wurde. Die Flucht gelingt und Farragut geht einer zwar ungewissen aber freien Zukunft entgegen. John Cheever kann die Gefängniswelt so exakt und facettenreich schildern, weil er einige Jahre im Hochsicherheitstrakt von Sing Sing unterrichtet hat. Das Werk enthält m.E. starke autobiographische Züge Cheevers, der sexuell außerordentlich aktiv war, wie auch Farragut, und zudem alkoholabhängig.Ein außerordentliches Buch. Unbedingt lesenswert!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abgründe und Glück, 24. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
Schon die Sprache gefiel mir sehr gut. Sie schildert klar und lässig ohne erhobenen Zeigefinger. Sie ging mir so angenehm ein, dass ich "Willkommen in Falconer" - obwohl reine Fiktion - als so authentisch ge- und beschrieben empfand, dass ich mich während des Lesens fast selbst in diesem Knast eingesperrt gefühlt hatte, und mit den Sinnen des Protagonisten roch, sah und hörte.

Ezekiel Farragut - Spitzname Zeke oder einfach Farragut - ist ein kluger Kerl, mit dem man sich leicht identifizieren kann.

Was treibt einen so verständigen Mann in die Heroinsucht? Wahrscheinlich so etwas wie sich vor einem nächsten Schuss einmal mehr zu sagen "ach scheiß drauf..." und rein damit...

Was brachte ihn in die Lage zu morden? Es sind nicht zuletzt die menschlichen Makel, die die Geschichte sehr glaubhaft werden lassen. Die menschlichen Makel waren es auch im Affekt diesen saudummen Fehler zu begehen (oder war es Schicksal?). Mord ist freilich niemals zu entschuldigen und bildet das absolute Extrem menschlichen Handelns gegenüber anderen. Der Roman wirft nun geradewegs solche scharfkantigen Fragen auf.

Ja, der Text birgt zweifellos Wahrheiten, die permanent meine Neugier reizten und mich zum Weiterlesen getrieben hatten.

Thema Schuld: Die Schuld wurde von jedem Insassen verdrängt bzw. bis auf null heruntergespielt. Aus eigener Betrachtung heraus war jeder einzelne Gefangene unschuldig. Dieser Punkt im Roman hatte mich zunächst ins Schmunzeln versetzt und auf den zweiten Blick verblüfft. Auf den Vorwurf von Schuld scheint die allzu übliche und natürliche Reaktion des Menschen "Ich? Niemals!" oder "Ich bin unschuldig!" zu sein.

Thema Homosexualität: In einem Knast mag es vollkommen Usus sein, dass sich dort Männer mangels Frauen gegenseitig auf die ein oder andere Art "Erleichterung" verschaffen. Farragut - seiner Meinung nach wie die meisten Männer - durch und durch hetero, entdeckt hier nun nicht nur gewisse sexuell neue Züge an sich, sondern entwickelt sogar eine tiefe Liebe zum Mitgefangenen Jody, dessen Weggang ihn richtig schmerzt.

Auch hieran will der Autor deutlich machen - nach meinem Dafürhalten gelingt ihm das wirklich überzeugend - auf welch weitem Feld sich menschliche Existenz abspielt und wie ungeahnt das Undenkbare, das Unmögliche und wenn man so will das moralisch Verbotene wider Erwarten - irgendwie... irgendwann... Umstände-bedingt... - doch möglich und akzeptabel werden kann, im Negativen wie im Positiven.

Ein anderer Aspekt: Ungefragt reduzieren die Verantwortlichen Farraguts Metadondosis und ersetzen es schließlich durch ein Placebo, so dass er sogar ohne Entzugsbeschwerden von seiner Sucht befreit wird.

All das geschieht im relativ kleinen Kosmos eines Hochsicherheitsgefängnisses.

Weiterdenken angesagt: Wie vorteilhaft ist es mitunter zu seinem Glück gezwungen zu werden? Was passiert, wenn dein Ego bröckelt? Was ist eigentlich Freiheit? ...

Die beiden erfolgreichen Fluchtversuche (zuerst Jodys) und schließlich am Ende des Romanes Farraguts eigene Flucht nehme ich dem Autor zwar vom Verstand her nicht so ganz ab; hiergegen sträubt sich mein Realitätssinn ein wenig. Aber! Man möchte ihm diese Aktionen so gerne abnehmen. Denn diese Kniffe machen die ganze Geschichte richtig gehend sympathisch und rund. Zudem steckt Symbolik darin. Und vom Happy End an bleibt Farraguts Zukunft - wie beabsichtigt: wie unser aller Zukunft - offen...

John Cheever ist ein beeindruckender Wurf gelungen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Biographische Fiktion, 31. Dezember 2012
Von 
Sarah F. (Norddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Ezekiel Farragut, der von allen Farragut gennant wird, wurde verurteilt weil er seinen Bruder im Drogenrausch mit dem Schülerhaken erschlagen hat. Er selbst behauptet unschuldig zu sein, denn an diesem Abend war sein Bruder ebenfalls betrunken, und ist deswegen bei dem Angriff schlecht ausgewichen, gestürzt und unglücklich mit dem Kopf aufgeschlagen. Zumal ein Streit vorausging, erwartete er eine milde Strafe. Das Gericht sieht das anders und verurteilt ihn. Nicht zu Tode, aber zu einer hohen Haftstrafe. Er kommt in das Gefängnis Falconer in den Block F. Es ist ein halbwegs ruhiger Block und er findet auch schnell Anschluss. Als drogensüchtige Universitätsdozent ist diese Welt jedoch ein regelrechter Schock für ihn. Streunende Katzen, die im Gefängnis Alltag sind, werden zu Brei geschlagen, während ihrer Freunde das Blut der getöteten Katzen trinken; ein kleines Vergehen reicht aus um seine Methadondosis nicht zu erhalten und auch die Übergriffe von anderen Gefangenen zeigen ihm, das freie Menschen ihre Freiheit nicht zu schätzen wissen. Er versucht sich zu erhängen und wird sogar vom stellvertretenden Gefängnisdirektor brutal zusammengeschlagen. Die Zeit im Gefängnis bietet ihm jeoch auch viel Gelegenheit über all die Dinge in der Vergangenheit nachzudenken. So lässt er seine gescheiterte Ehe, bei der seine Frau ihn mit anderen Frauen betrügt, und seine Kindheit Revue passieren. Ihm wird klar, dass er nie wirklich frei war. Erst als er eine Liebesbeziehung mit einem anderen Gefangenen anfängt, fühlt er sich zum ersten Mal wirklich frei und glücklich.

===Sarahs Meinung===
Das Thema „Gefängnis“ ist ein sehr interessantes und beliebtes Thema. Für Außenstehende ist der Alltag in einem Gefängnis zwar durch zahlreiche TV Sendungen, Dokumentationen oder Berichte anschaulicher, aber trotzdem unverständlich. Vielleicht interessieren sich deswegen so viele Menschen für das Leben hinter Gittern. Auch ich finde dieses Thema faszinierend, sodass mich das Buch sofort angesprochen hatte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mir manchmal nicht sicher war, was ich von diesem Buch halten soll. Von der Grundidee dachte ich, dass es sich um eine Biografie handeln müsse. Da solche Sachen jedoch immer im Klappentext erwähnt werden, ging ich davon aus, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelte. Ich muss zugeben, dass genau dieser Reiz, nicht zu wissen welches schon mal dieses Buch nun eigentlich ist, die Lust auf das Buch selbst noch steigerte.

In dem Buch selbst gibt es ein Nachwort von dem Übersetzer, welches ich jedoch vorab gelesen habe. Dies kann ich wirklich jedem empfehlen, denn man erfährt einiges über das Buch. So habe ich auch erfahren, dass dieses Buch schon einmal ins Deutsche übersetzt wurde, allerdings so schlecht, dass es floppte. Der neue Übersetzer fand jedoch, dass der amerikanische Klassiker genügend Potenzial bietet, sofern man das Original vernünftig übersetzt. Ebenfalls erwähnt dieser Übersetzer, dass es sich um eine indirekte Biografie des eigentlichen Autors handelt. Dieser war nämlich in seiner Ehe sehr unglücklich, hatte Probleme mit Drogen und Alkohol, und heimliche Fantasien Homosexueller Art. Sind Informationen, die ich persönlich lieber in ein Vorwort gepackt hätte. Kommen wir nun endlich zum eigentlichen Inhalt des Buches.

Der Einstieg in die fiktive Geschichte beginnt mit der Fahrt nach Falconer. Warum Farragut ins Gefängnis musste, weiß der Leser zwar durch die Klappentext, die genauen Hintergründe gibt es jedoch erst im Verlauf der Geschichte. So ist diesem Gefängnis kommt recht blass und für mich auch fremd. Dadurch versucht der Autor seine Leser zum einen zu fesseln, indem er vieles erst später aufklärt, und zum anderen zeigt er den wahren Farragut, denn im Gefängnis muss auch dieser sich neu kennen lernen. Nach und nach lernt der Leser den neuen, aber auch den alten Menschen kennen. Er ist leicht gestrickt, aber nicht unbedingt eine Figur mit der man sich identifizieren kann. Für mich ist er eine intelligente Persönlichkeit, die jedoch die Realität nicht akzeptieren kann, und nur unter Drogen das Gefühl hat zu leben. Die Gründe hierfür liegen in seiner Ehe, aber auch in seiner Kindheit. Mit immer neuen Einwürfen voller Einführungen setzt sich das Bild zusammen. In meinen Augen ist es ein Bild von einem Menschen der alles andere als stark ist. Seine Frau betrügt ihn ständig und er nimmt es einfach. Auf sein Vater hat ihn nie wirklich gewollt geschweige denn geliebt. Kein Wunder, dass aus ihm ein solcher Mensch geworden ist. Während diese Erlebnisse der tiefgründig, bewegend und schockierend sind treffen sie auf ein brutales Gefängnisleben.

Der Gefängnisalltag wird auf poetische, berührende, dramatische und trotzdem brutal, ehrliche Art geschildert. Es sind nur Happen, die dem Leser hingeworfen werden. Man sollte also keinen detaillierten Tagesablauf erwarten, sondern nur Erlebnisse, die für Falconer und für Farragut normal waren. Wie zum Beispiel die Ermordung der Katzen. Es sind brutale Beschreibungen, die jeden Menschen, der auch nur etwas Tierliebe in sich hat, das Herz schwer machen. Aber auch die anderen Schilderungen, wie zum Beispiel die kurze Zeit, wenn sich das Methadon verspätet oder ähnliches. Diese Beschreibungen sind so realistisch, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Zumal es in einer Zeit spielt, die für viele Leser zu einer unbekannten Vergangenheit gehört, da sie viel später geboren wurden.

Trotzdem merkt man deutlich, dass es sich um die eigenen Gefühle, Gedanken und Wünsche des Autors handelt. Das hätte man sowohl mit als auch ohne die Kenntnis des Nachwortes erkannt. Es ist jedoch auch beängstigend, was für Fantasien Cheever einbaut. Deswegen ist es wichtig, dass genau wird, um auch zu erkennen, welche Dinge Cheever aus seinen eigenen Wünschen eingebaut hat. Vieles ist so versteckt, dass man es gar nicht merkt.

Auf der einen Seite interessant, aber ich empfand es stellenweise auch unter der Gürtellinie, wie zum Beispiel die grausame Ermordung der Katzen. Aber auch die „Verharmlosung“ von Drogen finde ich nicht unbedingt gut. Zudem habe ich persönlich einfach mehr Gefängnisalltag erwartet. Man merkt hier, dass der Autor, zwar selbst mal in einem Gefängnis gearbeitet, aber eben nicht den Alltag als Wärter oder Gefangener wirklich erlebt hat. Nichtsdestotrotz ist es ein wertvolles Buch. Ob diese Übersetzung allerdings besser, als die erste kann ich nicht sagen. Mir gefällt zwar hier der direkte und knappe Stil, aber mir fehlt leider der Vergleich. Alles in allem ist es ein nettes Buch, dass man Lesen kann, aber in meinen Augen kein Klassiker, den man unbedingt kennen muss. Auf Grund seines Inhalts und Stils jedoch ein Buch, dass man gut und gerne im Deutsch Unterricht behandeln kann. Es bietet viel Diskussionsmaterial und dürfte mit einigen Passagen auch die fast einschlafenden Schüler wecken und interessieren.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bekanntes neu entdeckt!, 21. März 2013
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
1978 erstmals in Deutschland erschienen, ist "Willkommen in Falconer" nun von Thomas Gunkel neu übersetzt und "entstaubt" worden. Das hat dem Roman definitiv gut getan und es bleibt zu hoffen, dass nun vielleicht doch der eine oder andere Leser diesen großartigen, leider aber bereits 1982 verstorbenen Autor neu entdeckt.

Cheevers Romane sollte man nicht lesen, ohne auch dessen Biografie und Lebensumstände zu beachten, denn sie sind immer bitterböse und ein Abbild des amerikanischen Suburb-Grauens, wo hinter der Fassade der Bürgerlichkeit Abgründe lauern. Konventionelles Leben, lieblose Beziehungen, Süchte, die die Leere füllen sollen - das sind die Themen, die Cheever umtreiben und sich sowohl in seinem Alltag als auch in seinem literarischen Werk niederschlagen.

Bestes Beispiel dafür ist der heroinabhängige Ezekiel Farragut, Protagonist in "Willkommen in Falconer", der nach dem Mord an seinem Bruder eine Haftstrafe abbüßen muss. Der Gefängnisaufenthalt wird für ihn zu einer Zeit der Reflexion, in der sein bisheriges Leben hinterfragt: die unglückliche Kindheit, seine Heroinsucht und die Ehe mit Marcia, die eigentlich nur noch auf dem Papier existiert, und sein immerwährendes Sehnen nach Nähe und Intimität. Dies führt schließlich auch dazu, dass er sich mit seinen homosexuellen Neigungen konfrontiert sieht und eine Beziehung mit Jody, dem intelligenten und attraktiven Mithäftling eingeht. Auch wenn diese nur von kurzer Dauer ist, da Jody offenbar seine Partner nur nach dem Nützlichkeitsaspekt auswählt. Wunderschön die Passagen, in denen Cheever Farraguts Sehnsucht beschreibt, die er wahrscheinlich so auch am eigenen Leib gespürt hat.

Das Buch ist aber weder Gefängnis- noch Coming Out-Roman, sondern beschreibt eindrucksvoll, dass es manchmal des äußeren Kerkers bedarf, um innere Freiheit zu erlangen, um sich von Konventionen zu befreien und erdrückenden Ballast abzuwerfen - und sich am Ende wie Phönix aus der Asche zu erheben und ein neues, ein besseres Leben zu beginnen.
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4.0 von 5 Sternen Willkommen im Knast, 3. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
Hier wird teilweise drastisch über das Leben im Knast berichtet. Der Kampf mit Drogen und dem Alltag hinter vergitterten Fenstern. Allerdings reflektiert der Hauptprotagonist über sein Leben und wie es sich anfühlt wegen eines Mordes hinter Gittern zu sitzen.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen hat mich nicht überzeugt, 8. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Willkommen in Falconer (Gebundene Ausgabe)
Unter dem Titel Falconer" erschien dieser Roman bereits 1977, als vierter Roman des Autors Cheever. Der Erfolg in Europa respektive Deutschland war jedoch bescheiden, sodass nun eine Neuübersetzung auf den Markt kam, auch um dem Gesamtwerk Cheevers gerecht zu werden. All das erfährt man im Nachwort des Journalisten und Autors Peter Henning, der zugleich noch über wesentliche Inhalte des Buches informiert, Rückbezüge zum Werk und zur Persönlichkeit Cheevers herstellt und das Buch in einen Gesamtkontext stellt. Das ist ein wunderbarer Service für den Leser, ist aber, sofern man an das Buch nur" als belesener Laie herangeht, etwas erdrückend, gar einschüchternd, wenn man soeben die Lektüre beendet hatte und sich nach dem Nachwort fragt, ob man dasselbe Buch wie Henning gelesen hat. Denn den schwelgerischen Beschreibungen Hennings kann bzw. mag ich mich nach der Lektüre des Buches nicht anschließen. Ich nehme dafür gerne den Vorwurf der Ignoranz in Kauf, gerade was den Bezug zum Restwerk Cheevers, das angeblich zutiefst Religiöse" des Romans oder das verdichtete Amerikabild angeht, aber mich hat das Buch einfach nicht überzeugt und schon während der Lektüre wunderte ich mich doch, warum es unisono in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Süddeutschen Zeitung und im SPIEGEL im Feuilleton so positiv angepriesen wurde, gar als Empfehlung für die Urlaubslektüre. Denn auch wenn man das Buch bis zum Ende durchlesen möchte, und sei es nur aus dem Wunsch, dass doch endlich mal etwas Zug in die Erzählung kommen und ein passabler Handlungsfaden in Erscheinung treten würde, ist der Gesamteindruck fad bzw. man hat stets das Gefühl, dass aus Einzelthemen mehr hätte gemacht werden können.

Worum geht es? Der Protagonist Ezekiel Farragut wird in ein amerikanisches Gefängnis, Falconer, eingeliefert, weil er des Mordes an seinem Bruder für schuldig befunden wurde, während er mehrfach betont, es sei eine Körperverletzung mit tödlicher Folge gewesen, was ihm aber vor Gericht nicht geglaubt wurde. Die eigentliche Szene, die diese Verletzung ausgelöst hat, kommt erst ganz am Ende des Buches zur Sprache und man vermisst lange vorher eine Aufarbeitung der Familiengeschichte von Farragut, auch was die Beziehung zu seiner Frau und seinem Sohn angeht, die nur ganz nebenbei und am Anfang in den Blickpunkt geraten. Über das Leben Farraguts im Knast erfährt man dann so einiges, vom Leben in der Zelle, den möglichen Beschäftigungen, dem Verhältnis zum Wachpersonal und den Mithäftlingen, der Drogensubstituierung und vor allem über das Sexualleben bzw. die sexuellen Bedürfnisse der Häftlinge. Davon liest man für meinen Geschmack viel zu viel, wenngleich die Szene, in der die Häftlinge in einem dunklen Pissoirraum nebeneinander stehen und einvernehmlich und einmütig onanieren schon gespenstisch daherkommt. Die Liebesbeziehung Farraguts zu einem später entflohenen Mithäftling ist angesichts seiner vorher beschriebenen klaren und erfolgreichen Fixierung auf den Verkehr mit Frauen einfach unglaubwürdig und wird erst ein wenig mehr erklärbar, wenn man später Hennings Hinweis auf die zunehmenden homosexuellen Neigungen Cheevers selbst, dessen Alter Ego Farragut nicht selten sein dürfte, zur Kenntnis nimmt. Unnötige Längen offenbaren sich in diversen Briefen Farraguts, in denen er dem Gouverneur und dem Bischof seine Sicht der Dinge darstellt, aber auch die Erzählungen anderer Mithäftlinge, z.B. über die Seitensprünge der Frau eines Insassen namens Hahnrei" werden ohne jeglichen Kontext hineingepfropft. Generell sind die Namen der Mithäftlinge inkonsequent übersetzt: einmal werden so altertümliche Begriffe wie Hahnrei" benutzt, andererseits heißt ein Mithäftling Chicken number two" - irgendwann spät erfährt man en passant, dass er Selbstgespräche führt und sich dabei so nennt. Dagegen werden starke und beeindruckende Szenen wie diejenige der Katzenausrottung oder das innere Beben der Häftlinge, das die Nachricht von einer Revolte in einem anderen Gefängnis des Landes auslöst, viel zu selten in den Fokus gestellt, auch ein Aspekt der Unausgewogenheit des Buches. Zum Schluss gelingt Farragut die Flucht in einem Leichensack und man wird wie auch an vielen vorherigen Stellen des Buches daran erinnert, dass das Werk in den 70ern spielt und die Sicherheitsvorkehrungen eher lächerlich im Vergleich zu heutigen Strafanstalten waren.

Letztendlich würde ich das Buch niemandem mit Nachdruck zur Lektüre empfehlen. Sprachlich hat mich das Buch nicht überzeugt, inhaltlich auch nicht und auch der Erzählduktus weist Nachlässigkeiten auf. Wer jedoch als Literaturprofi das Buch als Ergänzung zu Cheevers Gesamtwerk schätzen lernen möchte oder das Amerikaselbstbild der 70er Jahre als Forschungs- und Interessengegenstand für sich beansprucht, der wird mit diesem Buch viel Freude haben.
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Willkommen in Falconer
Willkommen in Falconer von John Cheever (Broschiert - 21. Mai 2013)
EUR 9,99
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