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280 von 292 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Spaziergang, aber lohnend!
An dem vorliegenden Werk werden sich sehr wahrscheinlich die Geister scheiden. Mir hat es außergewöhnlich gut gefallen; dennoch würde ich dem typischen Leser historischer Romane gegenüber eine kleine Warnung aussprechen, die ich näher begründen darf.

Wölfe handelt vom Aufstieg des Thomas Cromwell zum Schatzkanzler und...
Veröffentlicht am 1. September 2010 von Caliban

versus
43 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bitte etwas kurzweiliger!
Hillary Mantels Booker-Price-gekrönter Roman "Wölfe" spielt in der Epoche des Tudor Königs Heinrich VIII, der bekanntlich die katholische Kirche in England zertrümmerte und den Anglikanismus begründete - nicht aus Frömmigkeit, sondern um eine Frau zu heiraten, die er nur wenige Jahre später wird hinrichten lassen. Erzählt wird die...
Veröffentlicht am 9. März 2011 von euripides50


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280 von 292 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Spaziergang, aber lohnend!, 1. September 2010
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
An dem vorliegenden Werk werden sich sehr wahrscheinlich die Geister scheiden. Mir hat es außergewöhnlich gut gefallen; dennoch würde ich dem typischen Leser historischer Romane gegenüber eine kleine Warnung aussprechen, die ich näher begründen darf.

Wölfe handelt vom Aufstieg des Thomas Cromwell zum Schatzkanzler und Privatsekretär Heinrichs VIII. Der Buchtitel erweist sich als etwas unsubtile, reißerische Übertragung des englische Originals Wolf's Hall. Der englische Titel bezeichnet vordergründig den Stammsitz von Jane Seymour, in einem zweiten tieferen Sinn dürfte er sich aber wohl auch den Hof Heinrichs VIII beziehen. Damit liegt die deutsche Übersetzung nicht falsch, fällt nur etwas plump mit der Tür ins Haus. Da ich nur das englische Original kenne, hoffe ich, dass dies der einzige Ausrutscher dieser Art ist. Denn dieser Stil passt nicht zum vorliegenden Werk, an dem praktisch nichts plump und direkt erscheint, sondern jede historische Entwicklung durch die beeindruckenden Charaktere der Hauptakteure dargestellt und in ihnen gebrochen wird. Äußerlich behandelt das Buch die erste Hälfte der Regierungszeit Heinrichs VIII. von England, die dem Fernseh- und Kinopublikum in regelmäßigen Abständen in Erinnerung gerufen wird (vgl. die aktuelle Fernsehserie und den Kinofilm mit Natalie Portman und S. Johansson). Von diesen populären Darstellungen unterscheidet sich der vorliegenden Roman vollständig und macht es dem Leser dabei nicht leicht. Denn die Darstellung ist nicht chronologisch sondern springt zwischen den Ereignissen zeitlich hin und her. Dadurch entsteht allerdings auch eine ganz neue Art von Spannung und darstellerische Vertiefung. Gleich der Anfang liefert ein sehr beeindruckendes Beispiel: Wir erleben Cromwell wie er von seinem Vater fast zu Tode geprügelt wird und darauf den elterlichen Hof verlässt. In der nächsten Szene sehen wir ihn Jahrzehnte später von einer Reise im Auftrag Kardinal Wolseys zurückkehren. Im Rahmen dieser zweiten stimmungsvollen Szene wird erst allmählich klar, dass es sich bei einem Gesprächsteilnehmer um genau diesen Thomas Cromwell handelt. Was zwischen den beiden Ereignissen lag, was also den Charakter Cromwells geformt hat, welche Geheimnisse diese Persönlichkeit birgt, enthüllt sich vor den Augen des Lesers im Rahmen der Darstellung erst nach und nach und keineswegs vollständig. Stets macht die Verfasserin aber den Leser auf diese Geheimnisse in besonderer Weise neugierig, weil Cromwell über ganz außergewöhnliche Erfahrungen und Fähigkeiten verfügt und aus dem Milieu der bornierten Adligen und Machtpolitiker als Charakter herausragt. Als geheimnisvolle, letztlich nicht durchschaubare Persönlichkeit trägt er so den Roman über die ganze Länge.

Eine weitere Besonderheit des Werkes besteht darin, dass es die bekannten Protagonisten am Hofe Heinrichs VIII. in völlig neuem Licht erscheinen lässt. In den bekannten Filmen (Ein Mann zu jeder Jahreszeit usw.) wird Thomas More stets als ein prinzipienbewusster Ehrenmann von tiefem Glauben gezeigt. Vorliegend erscheint er als sinistrer, freudloser Intellektueller und Machtpolitiker. Cromwell nimmt den Leser dagegen durch seine Menschlichkeit gefangen und man erlebt mit ihm, was es bedeutet in den politischen Machtapparat eingebunden zu sein. Praktisch alle Personen sind gegen den Strich gebürstet: Kardinal Wolsey zeigt Menschlichkeit und Wärme, Heinrich VIII. scheint fast aus zwei Persönlichkeiten zu bestehen und Anne Boleyn beeindruckt besonders durch Machtbewusstsein und Undurchsichtigkeit.

Die gesamte Darstellung lebt - wie bereits erwähnt - von der Entwicklung der Charaktere, die tendenziell eher in Alltagsszenen als in Hollywood-Szenarien agieren. Dabei zeigt sich allerdings auch, wie sorgfältig die Autorin die Zeitumstände recherchiert hat. Den Leser erwartet deshalb keine anachronistische Übertragung moderner Beziehungskrisen auf eine Renaissancekulisse, sondern ein prickelndes Portrait einer Zeit im Umbruch, wo etwa Bücher des deutschen Protestantismus zwischen Handelsware nach England geschmuggelt werden und dort heimlich, aber mit großer Wirkung gelesen werden, wo die Klassenhierarchie ins Wanken gerät und etablierte Eliten um ihren Rang fürchten. Die Autorin hat hierbei einen besonders anspruchsvollen Weg gewählt: Sie schildert die äußeren Ereignisse nicht einfach wie viele andere, die den historischen Ablauf mit konventionellen Spannungsmitteln anreichern, sondern bringt die Geschichte aus den Charakteren ihrer Hauptdarsteller heraus zum Leben. Dies gelingt uneingeschränkt, verlangt dem Leser aber auch wegen der indirekten, subtilen Art der Darstellung einiges ab.

Das Gesamtresultat mag dabei nicht jedermanns Geschmack sein; deshalb noch einmal: Dies ist nicht notwendig ein Buch für die Freunde von "Die Säulen der Erde", sondern etwas schwerere Kost, die aber auf ihre Weise sehr spannend und bereichernd erscheint.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll und glänzend geschrieben, 21. Mai 2013
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Broschiert)
Thomas Cromwell war kein angenehmer Zeitgenosse. Er war ein Intrigant, der zur Durchsetzung seiner politischen Ziele auch zu Einschüchterung und Bestechung griff.
Ein fieser Machtmensch als Protagonist eines Romans, geht das? Möchte man wirklich auf so vielen Seiten über einen unangenehmen Menschen lesen? Sogar noch in mehreren Bänden?
In diesem Fall ja. Hilary Mantel schafft es, Cromwell in seiner ganzen Vielschichtigkeit darzustellen. Kein Mensch ist eindimensional, jeder handelt aus unbewussten oder bewussten Motiven heraus, bei jedem spielt die eigene Geschichte eine wichtige Rolle beim Verhalten.
Das trifft auch auf Thomas Cromwell zu. Obwohl ich nicht viel von Machtmenschen halte, hat Hilary Mantel mir Cromwell so nahe gebracht, dass er mir über weite Strecken hinweg sogar sympathisch war.
Das beginnt schon mit der Eingangsszene. Cromwell wird von seinem Vater geprügelt, und zwar zunehmend brutaler. Damit er nicht eines Tages zu Tode geprügelt wird, reißt Cromwell aus.
Dreißig Jahre später wird die Handlung wieder aufgenommen, Cromwell ist bereits Privatsekretär des Kardinals, und wir erfahren erst nach und nach, wie es dem halbwüchsigen Thomas ergangen ist.
Hilary Mantel schafft es, eine besondere Nähe zu ihrem Protagonisten entstehen zu lassen, weil wir ihn hautnah in seinem Alltag begleiten, bis in die kleinsten Haushaltsdinge hinein. Auch beim Planen sehen wir ihm zu, sind bei seinen Gesprächen und Absprachen dabei, folgen seinen Gedankengängen.
Cromwell ist aber nicht der Einzige, der hier aus einem ungewohnten Blickwinkel gezeigt wird. Thomas More, in anderen Büchern durchweg positiv dargestellt, lernen wir hier von seiner dunklen Seite kennen.
Dieser Roman hat meiner Meinung nach zu Recht den Booker-Preis erhalten, denn er hebt sich von der Masse der historischen Romane deutlich ab.
Aufwändig recherchiert, glänzend geschrieben und auf einem hohen Niveau erzählt Hilary Mantel eine Geschichte, die bekannt ist, hier aber frisch und wie neu daher kommt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Buch für Unwissende, aber das beste seiner Art!, 3. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Broschiert)
Ich gebe es zu: anfangs tat ich mich schwer mit diesem Buch, da ich es eigentlich nicht mag, im Präsens geschriebene Bücher zu lesen. Ebenso wenig wie ich es mag, daß ein Buch aus mehr oder minder "nur" Dialogen besteht. Aber dieses Buch hat seine Auszeichnung mehr als verdient! Ich beschäftige mich seit langem mit der Ära "Henry VIII." und ich war aufgrund der hervorragenden positiven Rezensionen (und ebenso der "Verrisse" hier) wirklich gespannt.
Es handelt sich ja nun um eine Art Biografie von Thomas Cromwell, wenn auch nicht rein wissenschaftlich geschrieben, jedoch meines Erachtens perfekt recherchiert.
Thomas Cromwell kennt man zu 99% als wenig sympathischen Menschen, was auch aus heutiger Sicht sicher berechtigt ist. Zu seiner Zeit und in seiner Position (er war verständlicherweise auch damals nicht gerade beliebt) waren jedoch viele Sichtweisen, Umgangsarten und Handlungen durchaus legitim.
Was ich der Autorin wirklich sehr hoch anrechne ist, daß sie keine "Wertung" einbringt. Sie legt dar, wie es war und wie er gehandelt hat. Man kann ihn mögen, man kann es aber auch lassen - also ihn verstehen oder auch nicht. Sie macht ihn nicht zum Helden, lediglich zum "fast" Autobiografen.
Apropos Verstehen: Durch die Schreibweise ist es ab und an nicht ganz einfach, den Zeilen zu folgen. Ich mußte öfter einen Absatz nochmals lesen, um zu wissen, WER da etwas sagt, tut oder denkt.
Was an diesem Buch so gut, besonders, anders ist?
Ein Humor, von dem sehr viele hochgelobte Comedians nur träumen können, eine Wortwahl und Ausdrucksweise, die einigen unbedarften Lesern Kopfschmerzen und (hoffentlich und im besten Falle) wörterbuchwälzen bereiten, ...und einen Einblick auf "die dunkle Seite der Macht", die ein Einlassen auf diese Zeit vor knapp 500 Jahren voraussetzen.
Letzteres ist wirklich wichtig, und ich glaube, man sollte sich schon vor dem Lesen dieses Buches mit dem Zeitalter, den Persönlichkeiten von damals und auch mit dem Leben von Henry VIII. befaßt haben - sonst wäre das echt "schwere Kost".
Ich kann jedem, der gerne liest, sich ein wenig (oder besser mehr) mit dem 16. Jh. in England auskennt, dieses Buch ans Herz legen. Es lohnt sich... ich habe selten so lachen müssen, es ist gespickt mit Wortwitz, Situationskomik und englischem, sehr schwarzem Humor. Es ist einfach wunderbar!

Wer Unterhaltung, Ablenkung und das übliche Blabla will, bitte nicht kaufen, denn dieses Buch ist nichts für den Urlaubs- und/oder Gelegenheitsleser - echt nicht!

Alle anderen: Kaufen! Dieses Buch ist ein außergewöhnliches "Schmankerl", und das sage ich nicht wegen dem verliehenen "Booker-Price".
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine leichte Kost, aber als Hörbuch ein Genuss, 9. Mai 2014
Von 
Carmen Vicari "dg9tm" (Dossenheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Audio CD)
Putney, 1500. Der junge Thomas flieht vor den Schlägen seines Vaters zu seiner Schwester. Die schickt ihn, unterstützt von ihrem Mann, von zu Hause weg. Thomas geht und schlägt sich durch.

27 Jahre später ist Thomas Cromwell einer der erfolgreichsten Männer in England.

Die Geschichten um Thomas Cromwell haben mich schon immer fasziniert und so war ich sehr gespannt auf das Buch von Hilary Mantel und auf die Umsetzung als Hörbuch. Das Buch selbst ist 757 Seiten stark und das schlägt sich auf die Anzahl der CDs – trotz gekürzter Fassung – nieder. Das Hörbuch umfasst 8 CDs mit einer Gesamtspieldauer von 577 Minuten.

Zu Beginn hatte ich große Probleme mit der Geschichte. Ich kenne das Buch in gedruckter Form nicht und wusste daher nicht, was mich erwartet. Bald aber erkannte ich, dass die Geschichte und Schreibweise von Hilary Mantel einen ganz besonderen Stil hat, der keineswegs einfach ist. Bisweilen ist der Erzählstil auch sehr verwirrend und gewiss keine leichte Kost. Dazu kam Frank Stöckles rauhe Stimme, die mich zunächst etwas abschreckte.

Bisher war ich weichere, gefälligere Stimmen gewohnt, die den Hörer für sich einnehmen und umschmeicheln. Diese jedoch war rauhbeißig, aufwühlend und erregend.

Doch genau das braucht die Geschichte von Hilary Mantel. Der Erzählstil gepaart mit der Stimme von Frank Stöckle ergibt die optimale Kombination, die den Hörer – nach einer ersten Verwirrung – gefangen nimmt. Bald schon entstand ein wunderbares Kopfkino beim Hören, das mich ins vergangene England zu Zeiten Henry VIII. entführte.

Obwohl das Buch keine leichte Kost ist und man schnell den Überblick verliert, konnte ich mich im Hörbuch einfach wieder zurecht finden. Frank Stöckle haucht jedem Charakter ein eigenes Leben ein.

Fazit:
Ich bin sehr froh, dass ich diese Geschichte als Hörbuch gehört und mich nicht lesend durch das Buch geschlagen habe. So konnte ich mit viel Spaß der Geschichte um Thomas Cromwell folgen und mich von Frank Stöckle entführen lassen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig recherchierter Historienroman, 16. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Broschiert)
Heinrich VIII. ist der wohl bekannteste englische König. Um sich von seiner Frau scheiden zu lassen, brach er mit der katholischen Kirche und hatte nacheinander mehrere Ehefrauen, von denen einige sogar auf dem Schafott landeten, wenn er sich zu einer anderen hingezogen fühlte. Doch wer ist der Mann an seiner Seite, der in ihn bei allen rechtlichen und privaten Problemen zur Seite stand? Thomas Cromwell wurde als armer Sohn eines Schmieds in Wales geboren, floh vor seinem gewalttätigen Vater durch ganz Europa, lerne Recht und Wirtschaft kennen und wurde später zum Berater von Heinrichs Feind in der Kirche, Kardinal Wolsey. Nach dessen Tod arbeitet er sich bis zum engsten Berater und Vertrauten des Königs hoch.
Hilary Mantel beschreibt in diesem Buch detailliert den Aufstieg von Thomas Cromwell, seine Rolle bei der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und den gleichzeitigen Aufstieg von Anne Boleyn zur Königin von England. Dieser historische Roman unterscheidet sich von den meisten anderen nicht nur durch die großartige Rechercher und die detailreiche Beschreibung, sondern auch durch den völligen Verzicht auf Kitsch und die romantische Verklärung von vergangenen Zeiten. Der nüchterne Stil der Booker-Preisträgerin von 2009 passt zum kühl denkenden Analytiker Thomas Cromwell, der immer zwei Schritte weiter zu denken scheint, als alle in seinem Umfeld. Während alte Vertraute des Königs in Ungnade fallen, arbeitet er sich konstant immer dichter an das direkte Umfeld des Königs heran.
„Wölfe“ ist ein herausragender historischer Roman, von dessen Umfang (immerhin 760 Seiten) man sich keinesfalls abschrecken lassen sollte. Die Autorin näherte sich Heinrich VIII. aus einem neuen Blickwinkel, was das Buch auch für Leser, die sich schon viel mit seiner Geschichte beschäftigt haben, durchaus interessant werden lässt. Und mit „Falken“ ist bereits der zweite Band ins Deutsche übersetzte worden, auch für diesen erhielt Hilary Mantel 2012 den Booker Prize. Die Geschichte um Thomas Cromwell und eigenwilligen englischen König geht also weiter.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historischer Roman mit literarischem Anspruch, 21. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Broschiert)
Ein historischer Roman jenseits der Säulen der Erde. Spannend obwohl man ja das Ende kennt bzw. auf Wikipedia nachlesen kann, informativ und sehr gut geschrieben. Das Buch handelt vom Aufstieg Thomas Cromwells am Hofe Heinrichs VIII zur Zeit des Abspaltung der anglikanisches Kirche von Rom. Obwohl es sehr persönlich und häufig in der Form von Diaogen erzählt wird, ist es kein Roman über die private Person Cromwells, sondern der politischen Person im Zusammenhang mit der Herausforderungen eines Landes im Umbruch. Die Rückzugskämpfe des Katholzismus, die dynatischen Problem Heinrichs, der Aufstieg eines Bürgerlichen spielen eine tragende Rolle. Privates, wie die Liebe zu seiner Frau, werden erwähnt und runden das Bild ab, sind aber nicht Mittelpunkt des Romans.

Ein ungewöhnliches und leider nicht immer gelungenes Stilmittel ist die konsequente Bezeichnung von Cromwell in dritter Person singular. Also nicht "Cromwell invited him for dinner" sondern "He invited him for dinner". Das führt nicht nur einmal zu Konfusion und man muss dann wieder zurück zum Anfang des Abschnitts, um herauszubekommen, ob Cromwell einlädt oder eingeladen ist. Dabei ist es schon schwierig genug zu folgen, da die Personen wechselnd mit Vornamen, mit Familiennamen oder mit Titeln beschrieben werden. Also wahlweise Thomas Howard oder Duke of Norfolk, aber eben auch bei weniger wichtiger Akteuren. Dazu heissen alle Thomas oder Mary. Mary kann wahlweise Mary Howard sein (Ehefrau des Duke of Norfolk und Schwester Heinrichs VIII), oder Mary Boleyn, die Schwester Anne Boleyns, oder eben die Dowager Princess Mary, Tochter Heinrichs des VIII. Gut, Mantel kann die Figuren schlecht umbenennen, aber man kann zumindest am Anfang eines Kapitels andeuten, um welche Mary es gerade geht. Gut, soo schlimm ist es dann aber auch nicht, dass es einen Punkt rechtfertigen würde, denn das Buch ist hervorragend.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dichter, lebendiger und streng durchkomponierter historischer Roman, 16. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
"Wölfe" erzählt vom Leben Thomas Cromwells. Wir erleben seinen Aufstieg vom Sohn eines Schmieds zum wichtigsten Berater des Königs Henry VIII. im Zeitalter der Reformation. Der Roman gewann den Booker Prize 2009. Doch reicht das, um einen 750 Seiten starken historischen Schinken zu lesen?

Ja, denn es ist kein historischer Schinken. "Wölfe" ist ungeheuer lebendig erzählt. Man ist als Leser so nah an der Handlung und den Figuren, als sei man selbst mit dabei, als blicke man Cromwell über die Schulter. Damit ersteht die erzählte Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts vor den Augen des Lesers wieder auf. Der Roman ist an keiner Stelle trocken, altbacken oder langweilig, wie man es bei einem historischen Stoff vielleicht befürchten würde, und auch als Deutscher nimmt man regen Anteil an den Vorgängen in einem anderen Land.

Wie macht Hillary Mantel das?

1. Sie treibt die Handlung vorwiegend in Dialogen voran - Gespräche lassen Menschen und Vorgänge lebendig werden.
2. Als Erzählzeit wählt sie die Gegenwart.
3. Ihre Erzähltechnik ist einzigartig. Sie bezeichnet John Cromwell durchweg als "er". Diesem Kunstgriff mag stellenweise von den Bezügen her schwerer zu folgen sein, er wurde konsequent durchgehalten und gibt dem Buch seinen unkonventionellen, eigenen Ton; der Stil ist ungeheuer kunstvoll.

Doch auch inhaltlich lohnt das Buch. Warum?

1. Es hat mich beeindruckt, mitzuerleben, was für abscheuliche und grausame Taten auch in Europa vor nicht allzu langer Zeit im Namen des "richtigen" Glaubens begangen wurden, inkl. Folter und Hinrichtungen, bzw. wie elementar der Glaube war - aus heutiger, aufgeklärter Sicht wirkt das geradezu absurd, ist aber auch aktuell.
2. Ebenso beeindruckend war, wie sich das Leben am Hofe und das Interesse im Königreich weitgehend darum dreht, dass ein Thronfolger gezeugt wird; dass der König dafür die Frau bekommt, die er will; und dass seine romantischen Motive zu politischen Verwicklungen und Verwerfungen in ganz Europa führen.
3. Bei Hofe erwirbt sich Cromwell geschickt Einfluss auf Fürsten und ihre Frauen, Botschafter, Bischöfe aber auch Männer einfachen Ranges. Wie er schmeichelt, droht und argumentiert legt die Mechanismen der Macht offen, und es fällt leicht sich vorzustellen, dass es heute nicht wesentlich anders ist und auch der Lobbyismus in der heutigen Demokratie ähnlich funktioniert. Das macht das Buch aktuell.

Als kritische Punkte sehe ich, dass der Roman mit 750 Seiten bei kleiner Schrift recht lang geworden ist - daran liest man schon eine Weile, vielleicht länger als das Interesse am Thema groß ist. Zweitens tritt im Laufe der Zeit eine solche Vielzahl von Personen - z.T. auch mit gleichen Vornamen oder wechselnden Bezeichnungen für dieselbe Person - auf, dass man den Überblick verlieren kann. Am Ende hat der Verlag zwar eine Namensliste und Familienstammbäume abgedruckt, doch selbst ihm ist bei einem Namen ein Fehler unterlaufen. Drittens bricht das Buch auf Cromwells Höhepunkt ab - ich hätte auch gern vom Niedergang und Ende gelesen.

Insgesamt aber ein großes, lesenswertes Buch, eine faszinierende Lektüre und eine verdiente Preisträgerin.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Furioses Panorama der Tudor-Zeit in einer meisterhaften Lesung, 23. März 2014
Von 
Amazon reviewer (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
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Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Audio CD)
"Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived." - "Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt“. Mit diesem Abzählreim merkt man sich in England das Schicksal der sechs Frauen König Heinrichs VIII. Man könnte meinen, dass längst alles erzählt sei über diese Zeit, den König, seine Frauen und die Loslösung von der Kirche.

Doch die 1952 in Glossop in Derbyshire geborene Schriftstellerin Hilary Mantel rollt die historischen Ereignisse neu und vollkommen anders auf: Sie präsentiert mit „Wölfe“ und "Falken" zwei beeindruckende Bände einer als Trilogie angelegten Reihe um Aufstieg und Fall des Thomas Cromwell am Hofe des Tudor-Königs Heinrich VIII. Beide Werke wurden mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet, und sie sind großartig!

„Wölfe“ und der Folgeband „Falken“ konzentrieren sich auf die drei ersten Frauen Heinrichs VIII.: Katharina von Aragón, Anne Boleyn und Jane Seymour.

Im Mittelpunkt dieses gewaltigen historischen Abenteuers steht jedoch mit Thomas Cromwell (ca. 1485-1540) ein Mann aus einfachsten Verhältnissen, dem es gelingt, neben dem König zum mächtigsten Mann Englands zu werden. Dabei erweist sich die Biographie, die sich vor dem Hintergrund des historischen Stoffes auffächert, als erschreckend, aber auch als überraschend berührend und zeitlos.

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„Wölfe“
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„‚Und jetzt steh auf.‘
Niedergestreckt, benommen, stumm; er ist gefallen, der Länge nach hingeschlagen auf die Kopfsteine des Hofes. Sein Kopf wendet sich zur Seite; seine Augen richten sich auf das Tor, als könnte jemand kommen, um ihm zu helfen. Ein einziger gut platzierter Schlag könnte ihn jetzt töten.“

So beginnt „Wölfe“. Der junge Thomas Cromwell wird von seinem Vater halb tot geschlagen und flieht schließlich auf das europäische Festland. In der Folgezeit verdingt er sich unter anderem als Söldner und Tuchhändler. Nach seiner Rückkehr nach England studiert er schließlich Rechtswissenschaften, wird Anwalt und Privatsekretär Kardinal Wolseys. Nach dessen Sturz gelingt ihm der Aufstieg zur rechten Hand des Königs.

Er heiratet die Kaufmannstochter Elizabeth Wykes und erweist sich als besorgter Familienvater und Freund. Bis die Macht ihn immer stärker korrumpiert.

Der König will die Scheidung von Katharina von Aragón, die ihm keinen männlichen Thronfolger geboren hat, sondern „nur“ eine Tochter. Allerdings stößt dieses Ansinnen auf den Widerstand des Papstes der sich weigert, die Ehe zu annullieren. Dem Pragmatiker Thomas Cromwell fällt die Aufgabe zu, diese Scheidung herbeizuführen, was ihm auch gelingt.

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Sprachgewalt
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Sprachmächtig, anschaulich und frei von jedwedem Kitsch lässt die Autorin den machtbewussten Aufsteiger Cromwell die Geschicke des Landes mit seiner meisterhaften Rhetorik lenken. Dabei verwendet sie als Erzählzeit das Präsens, nutzt Gedankenfetzen oder lässt Sätze abreißen, was dem Geschehen eine überraschende Aktualität und Direktheit verleiht. Man fühlt sich beim Lesen in der Tat wie in den Alltag der Tudor-Zeit hineinversetzt.

Was erfreulicherweise fehlt, sind endlose schwülstige Beschreibungen von Menschen, Palästen oder Kleidung. Das historische Setting dient bei Mantel - anders als bei anderen Autoren dieses Genres - nicht nur als bloße Staffage; es wird lebendig zwischen den Buchdeckeln. „Wölfe“ als auch „Falken“ zeichnen ein glaubwürdiges Portrait der Epoche.

Das mag ein Stück weit die Faszination erklären, die von dem diesem dialogstarken Werk ausgeht. Einen allwissenden Erzähler, der über den Dingen schwebt, gibt es hier ebenfalls nicht. Vielmehr erlebt man alles aus dem Blickwinkel Cromwells mit.

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Vertraute Figuren in neuem Licht
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Charaktere, über die man bislang gewisse Bilder im Kopf hatte, werden aus einem frischen Blickwinkel beleuchtet und um etliche Facetten bereichert. So ist Thomas More, der Verfasser von „Utopia“, nicht unbedingt „Der Gute“, der gläubige und prinzipientreue Mensch; Thomas Cromwell mehr als der machtgierige, gewissenlose „Böse“.

Unverändert bleiben natürlich die historischen Tatsachen: Thomas Cromwell liefert Thomas More dem Henker aus. Bis zuletzt weigert jener sich, die Scheidung und die Loslösung des Königs von der katholischen Kirche anzuerkennen.

Hilary Mantel versteht es, für die Schicksale dieser historischen Persönlichkeiten einzunehmen. Obwohl die Geschehnisse bekannt sind - man weiß um die Ereignisse der Tudor-Zeit oder kann sie nachschlagen - machen die Bücher atemlos.

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Ein wunderbares Hörbuch
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Frank Stöckles Lesung macht dieses Buch und den Folgeband "Falken" zum Hörgenuss: Man lauscht von Anbeginn an gebannt, gefesselt und versunken in dieser ausdrucksvollen, facettenreichen Stimme, die sich Zeit nimmt für kleine Pausen und wirkungsvolle Betonungen und so sehr eins wird mit dem Text als sei Frank Stöckle direkt in die Personen und ihre Zeit hineingeschlüpft.

Gerade Thomas Cromwell wirkt stark und vielschichtig dank dieser stimmlichen Interpretation. Das, was ich selten erlebe, passierte hier: Frank Stöckles Stimme überlagerte meine eigne, die ich dem Buch in meinem Kopf verliehen hatte. Wann immer ich mich nun in den Text vertiefe, um erneuet die eine oder andere Passage zu lesen, höre ich Frank Stöckle vor meinem inneren Ohr.

Er füllt alle auftretenden Charaktere mit Leben und interpretiert die auftretenden Figuren durch seine nuancierte, sorgfältige Betonung. Den König spricht er prätentiös und arrogant mit etwas erhobener, gepresst klingender Stimme; Jane Seymour sanft und zurückhaltend.

Dem nicht gerade kleinen Figurenaufgebot zum Trotz behält man dank der versierten Lesung stets den Überblick. Ein mehrseitiges Booklet informiert über die auftretenden Personen und beinhaltet auch einen Stammbaum der Tudors.

Beide Hörbücher, "Wölfe" und "Falken" habe ich mehrfach von vorn bis hinten gehört. Ja, sie sind so gut. Beim Hören taucht man ein in ein Stück englische Geschichte und die wunderschöne Sprache Hilary Mantels. Es sind jedoch keine Hörbücher, die man nebenbei laufen lassen sollte. Das sind Bücher zum bewussten Hinhören.

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Präsentation
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Die gekürzte Lesung umfasst rund 577 Minuten und ist auf acht CDs verteilt. Sinnvoll gesetzte Tracks erleichtern den Wiedereinstieg, wenn das Hören doch einmal unterbrechen muss. Die Silberlinge stecken in zwei Multiboxen in einem bedruckten Pappschuber. Ein mehrseitiges Booklet mit einer Personenliste und Stammbaum der Tudors liegt ebenfalls bei.

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Fazit
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Hilary Mantels Bücher sind für mich literarische Ereignisse. Wer sich auf dieses Hörbuch einlässt, erlebt eine perfekte Synthese aus Geschichte und wundervoll interpretierter Literatur: einnehmend, geistreich und mitreißend. Mit Frank Stöckle wurde ein wirklich perfekter Sprecher gefunden!
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41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein historischer Roman neuen Typs, 22. September 2010
Von 
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
Eine Zeit lang habe ich viele historische Romane gelesen. Vor sehr langer Zeit Kunzes "Straße ins Feuer", der wahrscheinlich nicht mehr aufgelegt wird. Aber ein Werk von äußerster Qualität und Präzision. Historische Romane sind modern aber sehr langweilig geworden. Kaum einer ist noch lesenswert. Entweder gleiten sie an ins Reich der Fantasie, wass nicht schlimm ist, da ein Roman nun einmal kein Tatsachenbericht ist, aber machmal sehr skurrile Züge annimmt. Fazit die Qualität der historischen Romane hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht und mit fällt zur Zeit keiner ein, der empfehlenswert wäre. Das ist bei diesem Werk "Wölfe" völlig anders. Im Vordergrund stehen die Charaktere der Menschen am Hof Heinrich des 8. Im Prinzip sind sie alle gleich. Sie sind alle Erfüllungsgehilfen eines autoritären Herrschers, allerdings mit unterschiedlicher Machtfülle.
Die wichtigsten Personen werden akzentuiert charakterisiert. Die Bedeutung und Macht der Kirche konkurriert mit den Ansprüchen des Königs. Sich zu den Prinzipien der katholischen Kirche zu bekennen und dieses auch noch öffentlich zu tun,bedeutet den sicheren Tod. Ich habe eine Biografie über Thomas Moore gelesen, und musste auf Grund dieses Werkes(Wölfe) mein Bild revidieren. Ein Heiliger war er wahrlich nicht. Der Könighof wird so gezeichnet, wie er wahrscheinlich war. Der Moral wird der Stellenwert zugeordnet, wie sie praktiziert wird. Jeder war mit jedem irgendwie verwandt oder sonstwie verbunden. Echte Freundschaften gab es kaum. Was das Buch etwas schwer zu lesen macht, sind die vielen Personen. Mit welcher Leichtigkeit, die schwierigsten Probleme gelöst wurden, ist schon erstaunlich. Bloß das eine und wichtigste, die Anullierung der Ehe mit Katharina gelingt dem König und allen Helfern nicht. Der Preis, der für die Lösung des Problems gezahlt wird, ist hoch und wirkt immer noch nach. Ein außerordentlich fesselnder und gelungener historischer "Roman", der sich äußerst positiv aus der Masse heraushebt. Allerdings nicht ganz leicht zu lesen.
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38 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Cromwell gegen den Strich gebürstet, 12. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Wölfe (Gebundene Ausgabe)
Ach, es ist ein Kreuz mit dem Historischen Roman: der Schwulst, die Gefühlsdusseligkeit, die rauschenden Kleider - ein Ertrinken in überbordenden Vergleichen und einem Meer von Adjektiven.
Nicht so dieser historische Roman: Hilary Mantel erzählt zum dutzenden Mal das Leben am Hof Heinrich VIII - eine Obsession des historischen Interesses in England, aber wie anders erzählt sie diese Geschichte! Aus der Perspektive ausgerechnet des unsympathischen Emporkömmlings Thomas Cromwell, der zur bestimmenden Figur unter Heinrichs Ägide werden wird, nimmt die Geschichte seinen Lauf. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Fall im großen Räderwerk des Schicksals. Zu Beginn erlebt der Leser den dunklen Anfang des Underdogs Cromwell, der vor der Prügel seines Vaters aufs Festland flieht, unter verschiedenen Armeen anheuert und lernt zu überleben.
Auf der nächsten Station ist er bereits Vertrauensmann des machtvollen Kardinal Wolsey, der aber schon dem Untergang geweiht ist. Ein Untergang der Cromwells Aufstieg bedeuten soll. Immer stärker dringt der clevere Machtstratege in das Zentrum der Macht vor, immer unentbehrlicher wird er - und Mantel lässt es so scheinen, als läge diesem Aufstieg eine interesselose Notwendigkeit zu Grunde. Ja irgendwie scheint der knallharte Politiker, der bei der Bevölkerung in Wirklichkeit verhasst war, in seinen Handlungen immer moralisch gerechtfertigt, während ein Mann wie Thomas Morus, der ansonsten als Beispiel moralischer Integrität dargestellt wird, sehr ambivalent erscheint.
Sprachlich ist der Roman meisterhaft in seiner Lakonie und nüchternen Berichterstattung. Allerdings braucht es schon einiger Konzentration, da in Erzählpassagen die anwesenden Figuren häufig nur mit den Personalpronomen "er" oder "sie" bedacht werden und man nicht immer genau weiß, wer denn nun gemeint ist. Hierin drückt sich das Einsinken in das erzählende Bewusstsein der Hauptfigur aus, was zusammen mit dem teilweise elliptischen Satzbau in solchen Passagen gut funktioniert.
Insgesamt ein faszinierender Versuch, die Geschichte Heinrich VIII neu zu erzählen. Den Booker-Preis hat Mantel hierfür vollkommen zurecht erhalten.

Thomas Reuter
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Wölfe
Wölfe von Hilary Mantel (Broschiert - 5. April 2012)
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