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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Plakative politische Ideengeschichte, in der Noam Chomsky und Che Guevara einen Artikel bekommen haben, 5. Mai 2014
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Politikbuch: Wichtige Theorien einfach erklärt (Gebundene Ausgabe)
Dies ist vielleicht das beste Buch seiner Art für einen größeren Leserkreis, der sich über politische Denker und ihre Ideen informieren möchte. Der Originaltitel The Politics Book (Big Ideas Simply Explained) bringt das ganz gut zum Ausdruck. Konzeptionell hat es der britische Sachbuchverlag Dorling Kindersley genau richtig gemacht. Er hat ein Kollektiv von neun Autoren verpflichtet, sich der umfangreichen politologischen, philosophischen und biographischen Fragen anzunehmen. Der Verlag Springer Spektrum hatte mit 50 Schlüsselideen Politik ein vergleichbares Buchprojekt realisiert, das den alleinigen Autor Ben Dupré durch die Stoffülle aber vollkommen überforderte.

Inhaltlich überrascht das Buch mit einer ausgewogenen Mischung progressiver und konservativer Theoretiker aber auch Machtpolitiker. Daß der Jesus der internationalen Linken, der argentisch-kubanische Arzt und Revolutionär Ernesto Che Guevara und der amerikanische Linksintellektuelle Noam Chomsky genauso selbstverständlich wie der heilige Augustinus und der Philosoph John Rawls einen Artikel bekamen, hätte man nicht erwartet. Zumindest nicht in Deutschland, wo in einflußreichen Blättern wie taz, SZ und vor allem FAZ und DIE WELT die politischen Ideen Noam Chomskys zurückhaltend bis feindlich rezipiert werden. DIE WELT war ja so weit gegangen, den Antibellizisten Chomsky zu seinem achtzigsten Geburtstag als "Laberhannes" zu verspotten, was Norman Finkelstein zu der alarmierenden Analyse «Chomsky at 80: The Shame and Cowardice of Germany's "quality press"» veranlaßte. Bei Fragen von Krieg und Frieden und Leben und Tod ist es also prinzipiell eine gute Idee, BBC statt DLF zu hören und englische Bücher wie z.B. John Pilgers Freedom Next Time und Sven Lindqvists History of Bombing zu konsultieren. Im Gegensatz zu anderen gibt es das vorliegende erfreulicherweise auch auf deutsch.

Durch seine abwechselungsreiche Gestaltung in Form zahlreicher Graphiken, Piktogramme, Argumentationslinien und plakativ gestalteter Originalzitate ist das Buch ein Hingucker, in dem man gerne stöbert und sich festliest. Nur wenige Artikel sind zu zeitungsjournalistisch geraten, d.h. zielen auf Effekthascherei. Ansonsten ist nicht zu verstehen, wieso Malcom X mit dem bezeichnenden Zitat "Wahl oder Waffe" achtmal soviel Raum erhält wie der Philosoph Jürgen Habermas oder wie Juana Inés de la Cruz. Cato fehlt ganz. Dabei ist das Buch graphisch so attraktiv gestaltet, daß die Autoren sich eine noch etwas intellektuellere Ausrichtung ohne weiteres hätten leisten können.

Es geht los mit dem chinesischen Weisheitslehrer Konfuzius und endet mit dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Robert Pape. Hier ein kleiner Auszug der Artikelliste. Die hervorragend gewählten, kraftvollen, z.T. natürlich kontroversen Zitate sind jeweils die Artikelüberschriften:
• Konfuzius: Wenn Ihr das Gute wirklich wollt, so wird euer Volk gut werden
• Augustinus von Hippo: Was sind Reiche ohne Gerechtigkeit - wenn nicht große Räuberbanden?
• Ibn Klaldun: Die Regierung verhindert Unrecht — es sei denn, sie begeht es selbst
• Nicolò Machiavelli: Ein kluger Herrscher kann und darf sein Wort nicht halten
• John Locke: Der Zweck des Gesetzes besteht darin, die Freiheit zu erhalten und zu erweitern
• John Stuart Mill: Daß so wenige wagen exzentrisch zu sein, ist die größte Gefahr unserer Zeit
• Friedrich von Hayek: Das Hauptübel ist ein grenzenloser Staat
• Michael Oakeshott: Parlamentarismus und Rationalismus gehören nicht demselben System an
• Hannah Arendt: Jede bekannte und erwiesene Tatsache kann geleugnet werden
• Che Guevara: Befreier gibt es nicht. Das Volk befreit sich selbst
• Noam Chomsky: Alle müssen dafür sorgen, daß die Reichen glücklich sind
• John Rawls: Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen
• Frantz Fanon: Kolonialismus ist Gewalt im Naturzustand
• Robert Nozick: Kein Staat außer dem Minimalstaat kann gerechtfertigt werden
• Robert Pape: Selbstmordattentate sind vor allem eine Reaktion auf fremde Besatzung

SCHWÄCHEN
• Leider fehlen Angaben zur Sekundärliteratur. Wo haben die Autoren z.B. her, daß Guevara 1967 gegen den Willen der USA hingerichtet wurde? Auch einen genauen Zitatennachweis hätte man sich unbedingt gewünscht. Manchmal stimmt die Rechtschreibung nicht. So wird der Titel "Gerechtigkeit als Fairneß: Ein Neuentwurf" nicht ganz richtig zitiert.
• Schwerer wiegt, daß der Zusammenhang der Artikel anscheinend ein bißchen schwach ausgeprägt ist. Am Schluß des Artikels über den kubanischen Freiheitskämpfer José Martí heißt es: "Martí starb 1895. Drei Jahre später kontrollierten die USA Kuba. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden sie immer wieder beschuldigt, Militärputsche und Diktaturen in der Region zu unterstützen." Tja, durch wen wohl? Hier wäre der Hinweis auf Noam Chomsky als den nimmermüden Kritiker amerikanischer Außenpolitik hilfreich gewesen, zumal im Chomsky-Artikel ja nur eine Facette seiner Schriften zum Thema wird.
• Der Artikel über den Moralphilosophen Michael Walzer ist ärgerlich, denn er gibt Anlaß zu einem größeren Mißverständnis. Die Schlußpassage liest sich nämlich wie eine Verfälschung der Walzerschen Position und wie eine glatte Verharmlosung des britischen Terrorbombardements auf Dresden. Da steht: "So seien Entscheidungen nicht immer leicht, wie er (Walzer) am Beispiel der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg zeigte". In einer Buchbesprechung am 2.5.2004 zu "Firebombing" demonstriert aber selbst die New York Times eine realistischere Sicht und adäquatere Interpretation Walzers, wenn sie in Bezug auf Just and Unjust Wars: A Moral Argument with Historical Illustrations schreibt: «The bombardment of the German city of Dresden, brought home to Americans most famously in Kurt Vonnegut's 1969 novel, "Slaughterhouse-Five", is a frequently cited case in point. The political theorist Michael Walzer is not alone in condemning the raid as "terror bombing", a gratuitous and "savage attack" in which "something like 100,000 German civilians were killed", all "without moral (and probably also without military) reason."»

FAZIT
So erfreulich es ist, daß mittels der Übersetzung dieses britischen, in liberalem Geist verfaßten Politikbuches nun auch viele deutsche Leser u.a. etwas mehr über den Antibellizisten Noam Chomsky erfahren, so wird an anderer Stelle durch die Relativierung von Terrorbombardements der Blick auf die Realität wieder etwas getrübt. Besonders lobenswert ist aber die ansonsten durchgängig aufklärerische Haltung des Autorenkollektivs. Z.B. erschöpft sich der vierseitige Artikel über Carl Schmitt "Souverän ist, wer über die Ausnahme entscheidet" nicht in Erörterungen zur NS-Zeit, sondern schlägt den Bogen zum Ausnahmezustand nach dem 11. September 2001, den Anti-Terrorgesetzen in den USA und zu Guantánamo. Das graphisch und didaktisch gut gestaltete Buch ist insgesamt überaus lehrreich und für ältere Jugendliche und Erwachsense sehr zu empfehlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prima Überblick, 10. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Politikbuch: Wichtige Theorien einfach erklärt (Gebundene Ausgabe)
Für Interessierte oder Einsteiger ist dieses Buch sehr gut geeignet: Die knappen Einführungen & Zusammenfassungen sind zwar nicht erschöpfend, aber für eine erste Orientierung auf alle Fälle geeignet.
Über die Auswahl kann man wie immer streiten, aber die wichtigsten Theoretiker sind enthalten.
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Das Politikbuch: Wichtige Theorien einfach erklärt
Das Politikbuch: Wichtige Theorien einfach erklärt von diverse (Gebundene Ausgabe - 21. Januar 2014)
EUR 24,95
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