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5.0 von 5 Sternen Archiv einer fiktiven Erinnerung, 17. Januar 2014
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht (Gebundene Ausgabe)
Die "erste Heimat" wurde in 11 Teilen 1984 im Fernsehen ausgestrahlt. Die Serie beschrieb das Leben im fiktiven Dorf Schabbach im Hunsrück in der Zeit vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1982, mit einem Schwerpunkt auf den Ereignissen im Dritten Reich. Ich beginne deshalb meine Besprechung mit der "ersten Heimat", weil ich mich daran erinnere, dass mein Vater von der Serie regelrecht absorbiert war, so faszinierte ihn die absolut realistische Rekonstruktion dieses filmischen Schabbach. Er selber ist in den späten Dreißiger- und Vierzigerjahren in einem saarländischen Dorf großgeworden und nicht nur der Dialekt hatte starke Parallelen zum Hunsrück.

Diese manchmal schon beängstigende Perfektion in der Wiederbelebung der Vergangenheit gibt auch der im Schabbach des 19. Jahrhunderts spielenden "anderen Heimat" ihre Grundatmosphäre, zusammen mit dem langsamen Erzähltempo, das die einzelnen Figuren so ungeheuer intensiv werden lässt. Der Film und auch das hier vorliegende Buch haben aus dem Grund fast etwas Voyeuristisches. Bis ins allerkleinste Detail werden die unsäglichen Lebensumstände der Dorfbevölkerung dargestellt, um 1843 tatsächlich ein Kampf ums Dasein. Ernteausfälle infolge eines zeitweiligen Klimawandels führten dazu, dass viele Hunsrücker auswandern mussten. Ein riskanter Schritt, denn Sicherheiten gab es auch in der Fremde nicht. Aber zuhause wartet ein Leben in faktischer Sklaverei.

Die Hauptfigur Jakob Simon ist ein Außenseiter. Er bringt sich selbst das Lesen bei und aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe wäre ihm eine akademische Karriere so gut wie sicher - wenn die finanziellen Mittel für ein Studium vorhanden wären. So träumt Jakob nur vom Brasilien und den Indianern seiner Bücher, sehnt sich nach Freiheit und flüchtet schließlich aus dem Dorf. Dass am Ende nicht er, sondern sein Bruder die Gelegenheit zum Auswandern bekommt und Jakob im Hunsrück zurückbleibt, es mag in dieser kurzen Zusammenfassung banal klingen, aber in der erzählten Geschichte ist es von tiefer Tragik. Jakob ist noch jung und doch ahnt der Zuschauer, dass er am Beginn eines vergeudeten Lebens in Unglück und Unfreiheit steht.

Das Buch fängt in einigen Hundert ausgewählten schwarz-weißen Filmbildern, ergänzt durch Kommentare aus Jakobs Tagebuch und andere Zitate, nicht nur die bedrückende Atmosphäre dieses armen Bauerndorfes und seiner Bewohner ein, es verdichtet die ganze Geschichte in diesen wenigen Bildern. Manchmal erinnern die Aufnahmen an früheste Daguerreotypien aus der Anfangszeit der Fotografie, so authentisch sind sie, so wahrhaftig. Es ist wie das Archiv einer fiktiven Erinnerung. Der Leser ist fasziniert und erschüttert zugleich, denn diese Fiktion war die Wirklichkeit unserer Vorfahren und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dieses Schabbach von 1843 im geringsten Maße weniger real ist, als das Schabbach von 1943 für meinen Vater. Mich hat auch diese Geschichte wieder vollkommen gefesselt und gerade Edgar Reitz' behutsames Erzähltempo, das bereits in der "ersten Heimat" eine ungeheure Sogwirkung erzeugte, vermittelt auch in der anderen Heimat eine Melancholie und erzählerische Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Ob nun als Film oder im Bild. Ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, was wahre Kunst vermag.
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5.0 von 5 Sternen Schönes Buch., 11. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht (Gebundene Ausgabe)
Es ist genau wie ich es mir vorgestellt habe . Tolle Fotos auch der Text ist gut. Das ganze Buch ist stimmig!
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Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht
Die andere Heimat: Chronik einer Sehnsucht von Edgar Reitz (Gebundene Ausgabe - September 2013)
EUR 49,80
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