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Es gibt so viele Bezüge in diesem Buch. Bezüge in die Vergangenheit und in die Gegenwart. Literarische und religiöse. Und einen ganz persönlichen Bezug habe ich auch: Einige der 33 Tempel auf dem Saigoku Pilgerweg kenne ich von früheren Besuchen und ich liebe den Zauber, der von diesen Stätten der Ruhe und Meditation (normalerweise) ausgeht. Cees Nooteboom hat über einen Zeitraum von 13 Jahren, verteilt auf 5 Etappen, alle Tempel gesehen, hat sich ihnen im wahren Sinn "gewidmet" und ist den Spuren echter und fiktiver Pilger in Japans Geschichte gefolgt. Es ist nicht seine erste Pilgerroute, und obwohl er den Zugang zu den japanischen Religionen und der Kultur nie wirklich findet, nähert er sich mit Respekt, ja manchmal sogar mit Verehrung. Dabei betont er, dass er zwar in die Fußstapfen der Pilger tritt, selber jedoch nie als Pilger reist. Er beobachtet, lässt Stimmungen und Orte auf sich wirken und fasst dann Empfindungen und Wissen in Worte. Das sind Sätze ohne unnötigen Ballast, dabei poetisch und kraftvoll. Sie verknüpfen die "Geschichte des Prinzen Genji" aus dem 11. Jahrhundert mit den Tempeln der Gegenwart und zeigen eine ungebrochen starke Tradition, die in der japanischen Gesellschaft bemerkenswert fest verankert ist. Überhaupt hat sich Nooteboom sorgfältig vorbereitet. Gemäß dem Motto "Man sieht nur, was man weiß", wälzt er Literatur und Pilgerhandbücher, nur um irgendwann (und keineswegs resigniert) festzustellen, dass auch nach 13 Jahren das erworbene Wissen nicht ausreicht, um wirklich alles zu verstehen. Aber wer versteht schon alles in dieser Welt.

Manchmal belästigt er seine Leser aber auch mit einem etwas aufdringlichen Bildungsbürgerhabitus. Er muss partout vermelden, wenn Ovid seine Bettlektüre ist, dabei beiläufig erwähnend, dass er diesen natürlich auf Latein genießt. Auf der anderen Seite ist sein Hang zu Originärem wiederum gebremst, wenn die Dinge seinen Horizont übersteigen: "Es ist wohltuend, die Aufschriften nicht lesen zu können." Da schmeckt man geradezu, dass ihm die zu hoch hängenden Trauben sauer sind. Was ein Cees Nooteboom nicht weiß, das lohnt eben nicht zu wissen - so muten diese unangenehmen Passagen zumindest an. Sie sind zum Glück nicht allzu häufig.

Viel lebensnaher ist dagegen die eigentliche Beschreibung seiner Reise. Die Schwierigkeiten, Transport und Unterkunft zu organisieren, die beschwerlichen Aufstiege, die Riten der "echten" Pilger, das überaus interessante Sozialverhalten der Japaner im Alltag, der Kontrast zwischen Hektik und Stille: Das ist elegant und präzise formuliert und dabei so wunderbar genau beobachtet, dass man bildlich mitreist.
Die Fotos hat Simone Sassen beigesteuert. Sie fangen die Atmosphäre der Tempel sehr authentisch ein, mal in Details, mal mit dem großen Blick. Herbststimmung, schneebedeckte Tempeldächer, moosüberwachsene Statuen und goldene Altäre. Das alles in einem edlen Layout, das den Raum auf einer Seite wirken lässt. Keine Schnörkel, sondern gerade und klar im Design - wie ein japanischer Tempel. Die Faksimile der Kalligrafien aus Nootebooms Pilgerbuch wirken dabei wie wiederkehrende Initialen zu Beginn eines jeden Kapitels.

Es ist ein schönes Buch geworden. Ein Buch, das die Kraft japanischer heiliger Orte genauso transportiert, wie es kulturelles Wissen und Stimmungen authentisch übermittelt. Wer sich für Japan interessiert, wird das Buch lieben. Ich für meinen Teil gehöre dazu.
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am 24. September 2013
Natürlich bin ich ein erklärter Fan von Cees Nooteboom, deshalb habe ich mir dieses schöne, reichlich bebilderte Buch gekauft. Dieses Buchschlägt einen Bogen vom alten ins neue Japan, was nicht immer zu Gunsten des heutigen Japan ausfällt. Eine Verklärung des alten Japan findet trotz solcher Stellen wie im Kapiel 16 (Kiyomizu - Dera) des Buches nicht statt: "Hätte ich meine Tour hier angefangen, so hätte ich die Pilgerreise vielleicht nicht fortgesetzt, zuviel Lärm, zuviel Tourismus. Dies ist die narzistische Generation,...es geht nicht um die Tempel, die lichtet man ab...ohne wirklich hinzuschauen... Man muß schließlich beweisen das man da war."
Auch Cees Nooteboom muß auf seiner Pilgerweg-Reise versuchen sich vom Termpel-Tourismus abzusondern, um einen mentalen Bogen ins Japan einer grauen Urzeit, respective jener in Verbindung mit der Geschichte vom Prinzen Genji und der Göttin Kannon zu finden.
So habe auch ich den großen Wert dieses Buches darin gefunden, wieder einmal zu erfahren, dass die schönsten Reisen im Kopf stattfinden.
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Saigoku – dieser japanische Begriff steht für 33 buddhistische Tempel, die im Bereich der Präfekturen Kyoto, Nara, Osaka, etc. (Kansai-Region auf der Hauptinsel Honshu) liegen und Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit, gewidmet sind. Kannon präsentiert sich den Pilgern und anderen Interessierten je nach Entstehungsgeschichte in ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen, so z.B. als Pferd oder tausendarmige Göttin. Wer den Saigoku-Pilgerweg mit Erfolg absolvieren möchte, muss alle 33 Tempel gesehen haben. Die einzelnen Tempel sind zwar durchnummeriert, eine feste Reihenfolge für ihren Besuch ist aber nicht vorgeschrieben. Die Saigoku-Kannon-Route gehört zu den schwierigsten und wichtigsten Pilgerwegen in Japan.

Seit dem Jahr 1998 hat es sich nun der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom zur Aufgabe gemacht, den Saigoku-Pilgerweg etappenweise (bis zum Jahr 2010) zu bewältigen. Ein ungewöhnliches Unterfangen für einen Europäer, wie Nooteboom an den erstaunten Reaktionen vieler Japaner feststellen konnte. Cees Nooteboom, der 1933 in Den Haag geboren wurde, schreibt seit einigen Jahrzehnten erfolgreich Romane, Gedichte und Reiseberichte (z.B. "Rituale", "Allerseelen", "Die folgende Geschichte", "Der Buddha hinter dem Bretterzaun") und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Anne-Frank-Preis, dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur und dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Entscheidend beigetragen zu Cees Nootebooms Entschluss, die physisch anstrengende Pilgerreise auf sich zu nehmen, hat die Lektüre von "Die Geschichte vom Prinzen Genji". Dieser erste Roman der Weltgeschichte wurde zwischen 1004 und 1011 von Murasaki Shikibu, einer Hofdame von Kaiserin Akiko, geschrieben. Da einige der Tempel schon damals existierten, durchzieht die Welt von Prinz Genji wie ein roter Faden das Buch von Cees Nooteboom. Neben Zitaten aus dem Roman von Murasaki Shikibu führt der Niederländer aber auch viele andere japanische Legenden und Geschichten an, die die Tempel und ihren Bau betreffen. Daneben stellt Nooteboom Vergleiche zwischen Buddhismus, Shintoismus und Katholizismus an und geht auf die indischen Wurzeln des Buddhismus ein. Das heutige Japan nimmt ebenfalls Raum ein, denn mancherorts hat man mit Rolltreppen und ähnlichem dem Komfort der Pilger Vorschub geleistet, und technische Neuerungen wie Digitalkameras sind von den Tempelarealen auch nicht mehr wegzudenken. Nicht immer zur Zufriedenheit des Autors.

Das Buch im Bildbandformat (eine Neuerscheinung aus dem Schirmer/Mosel Verlag) ist so angelegt, dass die verschiedenen Tempel in der Reihenfolge ihrer Nummern vorgestellt werden. Auf jeweils ein paar Seiten erzählt Nooteboom, auf welche Weise (z.B. per Fuß oder mit einer Seilbahn) er zum jeweiligen Tempel gelangte und welche Assoziationen und Gefühle die Statuen und Gebäude bei ihm auslösten. Dabei nimmt er ein Reisetagebuch zu Hilfe, denn teilweise sieht Cees Nooteboom die Tempel schon zum zweiten Mal und kann so seine ersten Eindrücke prüfen und verschiedene Jahreszeiten auf sich wirken lassen. Auch die typischen Rituale beim Erreichen eines Tempels, wie z.B. das Abstempeln des Pilgerbuchs, werden beschrieben und mit den japanischen Ausdrücken versehen. Von der faszinierenden Andersartigkeit der verschiedenen Stempel und ihrer Kalligraphie kann der Leser sich selber ein Bild machen, denn sie sind jedem Tempel beigefügt.

Die vielen stimmungsvollen Farb-und vereinzelten Schwarzweißfotos der Tempel von außen, von Gärten, Gehwegen, Statuen, Grabsteinen, Schnitzereien, etc. stammen von Simone Sassen, Cees Nootebooms Ehefrau und professionelle Fotografin. Aussagefähige Bilder vom Inneren der Tempel gibt es dagegen nicht. Nooteboom betont in seinem Vorwort, dass Text und Fotografien völlig unabhängig voneinander entstanden sind. Simone Sassen selbst kommt nicht zu Wort und taucht auch sonst im Text nicht explizit auf. Die Abbildungen wirken persönlich und natürlich, so als wenn der Leser sie sich in seinem eigenen Reise-Album ansehen würde.

Cees Nooteboom ist bei seinen Ausführungen sehr ehrlich mit sich selbst und gibt Lücken in seinem Wissen um die japanische Kultur und Denkweisen offen zu. Was er weiß, ist aber schon mehr als genug, um die Seiten des Buchs zu füllen und gibt die Sicht eines Europäers auf ein sehr fremdartiges Land voller eigentümlicher Bräuche frei, das sich trotz seiner festen Verankerung in der Moderne viele Oasen der Ruhe und des spirituellen Umgangs mit der Natur und seiner Vergangenheit bewahrt hat. Ein schönes, Gelassenheit ausstrahlendes Buch, dem man gedanklich gern folgt und das zum Innehalten und Sich-Sammeln verleitet. In unserer hektischen Zeit ein durchaus sinnvolles Unterfangen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
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am 20. Dezember 2015
Weder finde ich die Beschreibung der Tempel besonders lebendig oder gar poetisch, noch schwingt mir dabei so etwas wie Religiosität mit und schon gar nicht in Bezug auf die erhabene, spirituelle Dimension die die Kannon vertritt. Ich will auch gar nicht behaupten, der Autor sei knausrig mit geschichtlichen und literarischen Bezügen aller Art - aber sie liegen wie zufällig gestreute Kiesel auf dem Weg - und werden kaum durch das angesagte Überthema 'Pilgerweg der Kannon' gefasst. Auch die Fotographien sind - zwar hübsch - aber eher mässig. Zudem, was man bei einem Buch über einen Pilgerweg mit 33 Stationen erwarten darf, ist ein Übersichtsplan, eine Karte mit dem Weg - auch diese fehlt ganz unerklärlicherweise. Alles in allem ein etwas enttäuschendes Buch, das weder die Begeisterung die ich selber von meiner ausgedehnten Japanreise zurückgebracht habe, zu widerspiegeln vermochte, noch ihr etwas Essenzielles beizufügen hatte. Ein mittelmässiger Bildband eben, zum schmökern ganz ok, aber mehr leider nicht...
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