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Welche Rolle wird Europa im 21. Jahrhundert spielen? so der Wortlaut einer Frage von Matthias Nass, internationaler Korrespondent bei der ZEIT, der Helmut Schmidt auf seiner Reise im Mai 2012 begleitete und bei dem dreitägigen Gespräch zwischen Schmidt und seinem Freund Lee Kuan Yew, dem ersten Premier von Singapur, mit anwesend war und gelegentlich moderierend das Gespräch ein wenig lenkte. Die Antwort konnte Schmidt-typischer gar nicht ausfallen: "Das Wort >Rolle< stammt aus der Welt des Theaters. Im Theater spielt man entweder eine Tragödie oder eine Komödie. Wir hatten genügend Tragödien..., jetzt ist es Zeit für eine Komödie! ... Der Ulk enthält leider einen wahren Kern. Die Europäer machen sich nämlich zum Narren!"

Nun, was hat das ganze mit China zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten aber, den Blick über den Tellerrand und in die schon nahe Zukunft hinein und auf das künftige globale Machtgefüge, dann eben doch eine ganze Menge. Dennoch sollte man den Untertitel des Buches "Begegnungen mit der Weltmacht China" nicht allzu sehr überbetonen. Der Haupttitel des neuen, des 45. (!) Buches von Helmut Schmidt deutet präziser auf den wesentlichen Teil des Inhalts - "Ein letzter Besuch".

Nach einem zwanzigseitigen Vorwort, dass Helmut Schmidt erst vor wenigen Wochen zur Fertigstellung dieses Buches schrieb, folgt dann über etwa 130 Seiten das Gespräch mit Lee Kuan Yew, geführt vor bald einem Jahr. Und es ist ein Gespräch, dass diese Bezeichnung verdient, ein großer Dialog, ein Austausch und Abgleich von Erkenntnissen, ohne dabei in einen hochtrabenden Duktus zu verfallen. Das hat keiner der beiden nötig. Kein Gedanke, der nicht in globalem oder historischem Kontext gedacht wird. Das unterscheidet den Staatsmann vom Politiker. Und es geht keineswegs nur um China, seine Entwicklung und anzunehmende zukünftige Bedeutung im internationalen Gefüge. China ist nur der Bezugspunkt für alle Überlegungen, was in Anbetracht der zu erwartenden und in Teilen bereits erlangten neuen Stärke Chinas auch geboten scheint.

Es geht um die großen Stränge der weltweiten Entwicklungen, die unterschiedlichen Gesellschaftsmodelle, ihre Vorzüge, ihre Nachteile - und um ihre jeweilige Berechtigung! Und natürlich nimmt einen großen Teil des an drei Nachmittagen in Singapur stattgefunden Gesprächs auch die in einigen Bereichen nur noch vermutete Stärke Amerikas ein, sowie die leider nicht nur vermutet derzeitige Schwäche Europas und das kolossale Unvermögen allzu vieler Europäer zu begreifen, dass sie sich nur gemeinsam international werden behaupten können, andernfalls in die Bedeutungslosigkeit absinken, samt verheerender Folgen für das soziale Gefüge. Es geht um die Notwendigkeit von Solidarität und verantwortungsvoller Führung. In beiden Disziplinen sind alle Staaten Europas derzeit nicht in ihrer besten Phase und vertun kostbare Zeit mit kindischem Geplärr. Europa agiert gegenwärtig geschäftig an der eigentlichen Herausforderung vorbei.

Gerade in diesen Punkten wiegen die Worte Lee Kuan Yews in der Überzeugungskraft bald noch schwerer als die Helmut Schmidts, auch wenn beide in ihren Schlüssen nah beieinander sind. Doch gerade Europa-Skeptiker könnten Schmidt unterstellen wollen (und tun dies ja auch zuweilen), er setze sich beharrlich für ein Gelingen der europäischen Integration ein, weil er nun schon über 60 Jahre dafür einsteht und es ihm letztlich auch um die Verteidigung seines Lebenswerks ginge. Das ist zwar hanebüchener Unsinn, aber die Ebene der Sachlichkeit wird in der Europa-Debatte leider immer häufiger verlassen. Bei Lee griffen solche Unterstellung ins Lehre. Er gilt neben Deng Xiaoping als wohl der herausragendste Staatsmann Asiens des letzten halben Jahrhunderts, ausgestattet mit einem seltenen internationalen Überblick. Sein Schicksal und das seines Landes ist denkbar unberührt vom Wohl und Wehe der EU. Um so gewichtiger seine Einschätzung mit Blick von außen.
Man möchte diese Passage gern den Vertretern der rückwärtsgewandten "Alternative für Deutschland" vorlegen und sie geradezu auffordern dem argumentativ entgegenzutreten - ihr Kleinstaaterei-Gestammel erschiene gleich noch um einiges erbärmlicher.

Insgesamt ist es ein Gespräch zweier großer Staatsmänner, die, auch wenn sie denkbar unterschiedlich kulturell verwurzelt sind, ein spürbar tiefes Grundvertrauen einander entgegenbringen und auf einem nahezu identischen Wertefundament stehen. Keineswegs sind sie in allen Einschätzungen d'accord, aber sie wissen das Wort des andern ist bedacht und hat Gewicht und führen unterschiedliche Ansichten zu einer Betrachtung aus mehren Perspektiven zusammen. Die Lust zu verstehen, zu begreifen und immer wieder neu zu lernen eint sie und ist zwischen allen Zeilen spürbar.

Lee und Schmidt sind nur zwei von vier alten Freunden, die anderen beiden sind die US-Amerikaner Henry Kissinger und George Shultz, inzwischen alle über 90. Daher wohl auch der zutreffenden Titel "Ein letzter Besuch". Dieses Treffen mit Lee, dieses große Gespräch über drei Tage war auch der Abschied zweier Freunde. Beide haben ihr Leben lang in weltweiten Fragen stets an das Machbare gedacht und nicht an wünschenswerte Träumereien, da sind sie im Privaten realistisch genug zu wissen, dass keiner der beiden noch einmal die Strapazen einer solchen Reise wird auf sich nehmen können. Es gibt dem Buch auch eine sehr anrührende Facette, was nun bekanntlich nicht unbedingt typisch ist für Helmut Schmidt. Sie werden sich schreiben, aber sehen werden sie sich nicht mehr.

Die Emotionalität (die zu keinem Zeitpunkt in schmierige Gefühlsduselei abdriftet, es ist immer noch ein Helmut Schmidt Buch!) erfährt ihren Höhepunkt in einem sehr erfreulichen Anhang.
Der bereits erwähnte Matthias Nass, der die Reise begleitet und auch bei einem Zusammentreffen mit den andern beiden Freunden zwei Wochen nach dieser Reise in Berlin dabei gewesen ist, verfasste einen zehn Seiten umfassenden, meines Erachtens preisverdächtigen Text über die Freundschaft dieser vier Staatsmänner, der vor Monaten bereits in der ZEIT zu lesen war. Dieser Artikel wurde hier mit ins Buch genommen. Auch wenn dieser Text nicht von Schmidt selbst stammt, sagt er doch viel über ihn aus, über den hohen Wert, den er dieser Vierer-Freundschaft beimisst. Auch Schmidt kann nicht kontrollieren was über ihn geschrieben wird und er selbst hätte den Text wohl auch nicht so abgefasst, aber dass er diesen Artikel mit in sein Buch hinein nimmt, deutet auf eine weiche Stelle im hanseatischen Gefühls-Panzer. Das macht ihn menschlich.

Die Freundschaft dieser Männer existiert in einigen Zweierkonstellationen bereits seit über 50 Jahren (Schmidt-Kissinger seit 1958), alle vier trafen erstmals 1982 im Hause von Shultz aufeinander und seither verbindet sie eine tiefe vertrauensvolle Freundschaft.
Man kann zu jedem der vier stehen wie man will und man sollte sie auch kritisch sehen, Respekt und Achtung gebührt aber jedem der vier. Sie hätten mit ihren Fähigkeiten in der freien Wirtschaft Multimillionäre werden können, haben sie nicht getan. Sie hätten sich lange schon zur Ruhe setzen können, haben sie auch nicht getan. Stattdessen sind sie, jeder auf seine Weise, unermüdlich unterwegs und Ringen nach Wegen für eine bestmögliche globale Gesellschaft, ohne sich dabei selbst zu inszenieren, vieles, das meiste, findet im Verborgenen statt.

Kissinger, Shultz und Schmidt sehen sich immer noch mehrmals im Jahr. Harry Lee, wie sie ihren Freund aus Singapur nennen, ist in den Gesprächen im Geiste immer dabei. Bei dem Treffen in Berlin fragte Nass in die Runde: "Aber heißt es nicht immer, in der Politik könnte es wahre Freundschaft nicht geben?" - "Ja, das ist ein Irrtum." raunzt Schmidt ohne weitere Ausführungen zurück. Wenn man ihn ein wenig kennt, weiß man um die emotionale Tiefe, die in diesem kauzigen Satz steckt.
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am 5. Mai 2013
Höhe- und Mittelpunkt des Buchs ist das Gespräch mit dem knapp 90-Jährigen Lee Kuan Yew, der der erste Premierminister des Singapurs und bis 1990 im Amt war. Die beiden weisen Staatsmänner unterhalten sich nicht nur über China, sondern auch über andere Themen wie die (gesellschaftlichen, demografischen) Entwicklungen in den USA, europäische Kultur und Geschichte, die europäische Staaten-Integration (EU), über politische Führung und Führungspersönlichkeiten allgemein, über Terrorismus, Atomkraft, den Iran, über Privates (H. Schmidt z. B. über Loki, übers Rauchen) und, und, und...

Ich war beim Lesen auch immer wieder beeindruckt von Lees klaren Gedanken und seinen treffenden Aussagen. Dazu drei Beispiele:

"Deutsch­land ist von zwei Welt­krie­gen be­las­tet und hat das Schuld­ge­fühl nicht ab­ge­schüt­telt. Es will nicht als do­mi­nant er­schei­nen, aber es ist das ein­zi­ge Land in Eu­ro­pa, das die Kraft be­sitzt, ein Kern­eu­ro­pa zu schaf­fen. Die An­sicht, dass Frank­reich auf glei­cher Stufe mit Deutsch­land steht, ist eine Wunsch­vor­stel­lung. Ich weiß nicht, was die Eu­ro­pä­er den­ken, aber au­ßer­halb Eu­ro­pas glaubt dies nie­mand. Sar­ko­zy kann Mer­kel tref­fen, er kann sie auch über­tö­nen, aber sein Frank­reich kann Deutsch­land nicht über­tref­fen. Das ist der Ein­druck, den die Welt hat."

Auf die Frage von Moderator M. Nass, an welche mo­ra­li­schen Maß­stä­be sich Po­li­ti­ker hal­ten soll­ten, antwortete Lee:
"Ich denke, wenn man das Ver­trau­en der Men­schen ge­win­nen will, muss man auch in der Lage sein, etwas durch­zu­set­zen. Wenn man nur Ver­spre­chun­gen macht oder den Leu­ten nur nach dem Mund redet, ge­nügt das nicht; man muss deut­lich ma­chen, dass man meint, was man sagt, und dass man tut, was man an­kün­digt. Ob man damit am Ende Er­folg hat oder schei­tert: Man muss es ver­su­chen..." Ergänzend mein Schmidt: "Ich denke, man soll­te ge­zielt alle Ver­spre­chun­gen ver­mei­den, von denen man nicht si­cher weiß, dass man sie spä­ter er­fül­len kann."

Und was braucht man, um ein po­li­ti­scher Füh­rer, ein Staatsmann zu sein? Dazu Lee: "Nun, es gibt ver­schie­de­ne Ab­stu­fun­gen zwi­schen einem Po­li­ti­ker und einem Staats­mann. Ein Po­li­ti­ker will nur sich selbst be­kannt ma­chen und ein Amt er­obern. Dann ge­nießt er den Stolz, es aus­zu­fül­len. Ein Füh­rer hat eine Mis­si­on. Er will an die Macht, um be­stimm­te Dinge zu tun. Ein Staats­mann ist je­mand, der nicht nur nach Macht strebt, um be­stimm­te Dinge zu tun, son­dern der auch in der Lage ist, die Macht an einen guten Nach­fol­ger zu über­ge­ben."

+++++ Mein Fazit:
Der Dialog und die Gedanken der beiden Staatsmänner sind unterhaltsam, weise und klug. Es gibt zwar keinen festgelegten Ablauf, dennoch führt das Gespräch immer wieder zu neuen spannenden Themen - egal ob historisch oder aktuell. So wird das Lesen nie langweilig, selbst wenn einen vielleicht die ein oder andere Stelle persönlich auch nicht so interessiert. Für Abwechslung sorgen noch eingestreute historische Fotos von Schmidts China-Besuchen.

Ein "Kleinod" im Anhang ist die Do­ku­men­ta­ti­on eines Ge­sprächs zwi­schen Schmidt und Deng Xia­o­ping im Mai 1990 in Pe­king. Lee hatte Deng im Gespräch mit Schmidt als be­deu­tends­ten po­li­ti­schen Füh­rer un­se­rer Zeit eingestuft. Lee: "Hätte Mao Ze­dong wei­ter­ge­lebt und Deng Xia­o­ping nicht die Macht über­nom­men, wäre China zu­sam­men­ge­bro­chen und hätte sich selbst und den gan­zen Fer­nen Osten ins Un­glück ge­stürzt."
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am 10. Januar 2016
'Ein letzter Besuch' ist ein 191 Seiten starker Gesprächsband. Die beiden inzwischen verstorbenen Weltpolitiker und Freunde Helmut Schmidt und der erste Premierminister Singapurs, Lee Kuan Yew trafen sich im Mai 2012 ein letztes Mal in Ostasien um sich in drei Gesprächsrunden an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter der Moderation von Matthias Nass ein letztes Mal über die große Weltpolitik auszutauschen.

Eingebettet ist der Gesprächsband in ein etwa 18 Seiten starkes Vorwort aus dem März 2013 von Helmut Schmidt, der hier ebenso eine kurze Einführung in die Historie Chinas liefert wie die Zeittafel im Anhang des Buches. Neben dem Hauptteil, der Wiedergabe der Gesprächsrunden, findet sich noch ein Abschnitt von Matthias Nass sowie ein zeithistorisch dokumentiertes Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Deng Xiaoping aus dem Mai 1990 in Peking in dem Buch. Dieses Gespräch ist insofern interessant, als dass es relativ kurz nach dem Tian'anmen-Massaker stattfand. Hier zeigt sich in der Form und Inhalt des Austausches wohl sehr gut, welche Verbindung Helmut Schmidt zu China hatte und wie viel Verständnis er für die dortige Führung aufbrachte. Durch diese ergänzenden Kapitel erhält der Leser eine gewisse Vor- und Nachbereitung um ein besseres Verständnis für die Gesprächsinhalte zwischen Schmidt und Lee Kuan Yew zu gewinnen.

Die dreitägige Gesprächsrunde ist protokollartig wiedergegeben und mit interessanten, meist historischen, Bildern der beiden versehen. Auf empathische und für Helmut Schmidt typische Art und Weise nähern sich die beiden an und lassen die Leser so an der privaten Verbundenheit dieser beiden Staatsmänner teilhaben. Nach kurzem privatem Austausch, u.a. über ihre beiden verstorbenen Ehefrauen, der sehr berührend und freundschaftlich-höflich respektvoll wirkt, widmen sich die beiden den eigentlichen Themen dieser Gesprächsrunden. Ein letztes Mal diskutieren sie die großen Linien der europäisch-amerikanisch-asiatischen Weltpolitik. Sie tauchen sowohl in ihre persönliche Vergangenheit und Erfahrungen des letzten halben Jahrhunderts ein, als auch in die Geschichte der Länder. Hierbei beweist Helmut Schmidt einmal mehr sowohl sein fundiertes Wissen als auch seinen Respekt vor den asiatischen Kulturen und weiß hieraus als einer der wenigen seiner Zeit weise Schlüsse zu ziehen. Auf der anderen Seite ist es interessant, aus dem Erfahrungsschatz Lee Kuan Yews zu schöpfen und von seinem Blick auf Europa (er lebte einige Jahre in England) zu erfahren. Das Bereichernde an diesem Werk ist, dass sich die Freunde zwar respektvoll austauschen, ohne dabei jedoch ihre Streitlust abzulegen und auch Widersprüche, zwar freundlich, aber klar formulieren ' und dies mit einer politisch-fachlichen Prägnanz, Fachkenntnis und Klarheit wie sie nur wenige walten lassen. Probleme der Weltbevölkerung, die uns heute immer mehr beschäftigen, erkannten die beiden bereits damals.

In dem abschließenden Kapitel stellt Matthias Nass die besondere Vierer-Freundschaft zwischen den beiden Gesprächsteilnehmern sowie Henry Kissinger und George Shultz heraus und ordnet somit dieses Gespräch auch nochmal persönlich vor diesem Hintergrund ein.

Lediglich eine etwas intensivere (kritischere) Beschäftigung mit dem Demokratie-Verständnis von Lee Kuan Yew wäre hier noch wünschenswert gewesen. Ansonsten ist dieses Buch eine Bereicherung für den politischen und historischen Kosmos, um aus ihm zu lernen und zu einem besseren Verständnis zwischen China, Ostasien und dem Westen beizutragen.
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am 27. Juli 2015
Wie schon viele Male zuvor, war das Lesen dieses Buches von Helmut Schmidt ein großer Gewinn für mein Verständnis von Politik in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nach einer zwanzigseitigen Einführung vom Altbundeskanzler persönlich zur Intention dieses Buches, wird ein hochinteressantes letztes Gespräch zwischen Helmut Schmidt und dem Staatsgründer Singapurs Harry Lee Kuan Yew (1923-2015) aus einer Begegnung in Singapur im Jahr 2012 wiedergegeben. Dabei steht China und seine Rolle in der Zukunft im Mittelpunkt der stets informativen Diskussion zwischen beiden Elder Statesmen. Nicht immer sind sie sich einig, aber durch die unterschiedlichen Perspektiven aus asiatischer und europäischer Sichtweise wird deutlich, wie sich die Welt derzeit darstellt mit all ihren Problemen und Herausforderungen. China als älteste Kulturnation der Welt wird jedoch noch eine Weile benötigen, bis es eine ähnliche Stellung erreichen kann wie die heute einzig verbliebene Weltmacht, die Vereinigten Staaten von Amerika. Ohne eine europäische Integration, also dem Zusammenwachsen aller Staaten unseres Kontinents, so sind sich beide sicher, könnte Europa der große Verlierer zukünftiger Entwicklungen sein. Abgerundet wird das Buch mit einem Artikel aus der Wochenzeitung "Zeit" zu einem Treffen von vier Freunden, neben den beiden Gesprächsteilnehmern noch die früherern US-Außenminister Shultz und Kissinger. Am Ende wird ein historisches Treffen und der Wortlaut dargestellt von einer Begegnung von Chinas Staatsmann Deng Xiaoping und Helmut Schmidt aus dem Jahr 1990. Man sollte es dem Altbundeskanzler nicht verübeln, wenn er Deng mit großen Worten lobt, obwohl dieser maßgeblich für die Niederschlagung der Studentenunruhen im Juni 1989 verantwortlich gewesen sein soll. Die Hintergründe zur jüngeren Geschichte Chinas werden hier sehr anschaulich diskutiert, die Entwicklung und den Einfluß von Deng Xiaoping seit der Staatsgründung 1949 kontrovers dargestellt. "Ein letzter Besuch" ist für politisch Interessierte ein absolutes Muß, für Schmidt-Fans sowieso einfach unentbehrlich. Hier treffen zwei große Kenner des Reichs der Mitte aufeinander und man darf sich freuen, an ihren intelligenten Gedanken teilnehmen zu dürfen. Leider gibt es solche Politiker wie z.B. Helmut Schmidt in der heutigen Zeit nicht mehr. Umso mehr freut man sich, wenn es weiterhin Veröffentlichungen von ihm zu aktuellen politischen Themen gibt. Möge es noch lange so weitergehen, ein Gewinn ist es immer !
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Die Schauspieler Hanns Zischler und Hans Peter Hallwachs spielen dieses Gespräch, gelgentlich unterbricht ein Sprecher (es soll der Moderator sein) - es ist eine große Alterskomödie. Nicht nur um (große) Politik geht es, sondern auch um das Alter. Wie könnte es bei diesen beiden hochbetagten Protagonisten auch anders sein? Helmut Schmidt betont mehrmals, dass dies sein "letzter Besuch" in dieser Region der Welt sein wird.

Zwischen das Spiel der beiden Schauspieler sind gelgentlich Originalaufnahmen der Politiker gestellt. Beide, Schmidt und Lee Kuan Yew, sprechen ein flüssiges Englisch.

Kommt ein pazifisches Jahrhundert, dominiert von China, also ein Jahrhundert, dass die Schwerpunkte von der westlichen Welt nach Asien verlagert? Und wird Europa je zusammenwachsen? Diese beiden Fragen bilden den politischen Kern des teilweise weit in die Zukunft weisenden Gesprächs. Gerade beim Thema China merkt der Zuhörer, dass Helmut Schmid sich eine eigene Meinung erlaubt - eine Meinung, die sicherlich von seinen Parteikollegen nicht geteilt wird.

Im (Hör-)spiel der beiden Schauspieler merkt man, wie präzise Lee (Hans Peter Hallwachs) antwortet; er antwortet noch präziser als Helmut Schmidt. Hanns Zischler, in der Rolle des Kanzlers a.D. doziert gelegentlich, da Schmidt dies auch bei längeren Monologen macht.

Abschließend: dieses Gespräch macht erst richtig Spass, wenn man es als HÖRSPIEL hört. Das Lesen dürfte in diesem Fall nicht den Unterhaltungswert der Hörfassung besitzen.

( J. Fromholzer )
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Endlich mal wieder ein aktuelles Buch von Helmut Schmidt. Seine besondere Liebe zu China und seine große Achtung und Wertschätzung vor der Jahrtausende alten Tradition Chinas stehen im Mittelpunkt. Zunächst schreibt der Altkanzler eine 25 Seiten lange Einleitung. Einleitungen sind immer so eine Sache, diese hier ist lesenswert. Des Autors Darstellung von der Niederschlagung des Protestes im Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens, habe ich so noch nicht gehört. Sollte sie den Tatsachen entsprechen, haben wir hier im Westen einiges in unserer Denkweise über China zu korrigiern.

Dann folgt der eigentlich interessante Teil dieses Buches. Helmut Schmidt war im Mai ein letztes Mal in Fern Ost. Er traf dort seinen alten Freund Lee, der drei Jahrzehnte Singapur regierte. Die geführten Gespräche der alten weisen Männer wurden aufgezeichnet und werden hier wiedergegeben. Ein sehr eindrucksvolles Geschichtszeugnis.

Danach ist auf wenigen Seiten von der Begegnung zwischen George Shultz, Lee Kuan Yew, Henry Kissinger und Helmut Schmidt zu lesen. Dieser Teil ist etwas wehmütig geworden. Vielleicht war es ja auch das letzte Treffen. Die beiden letzten Sätze des Buches: "Dann ruft Schmidt nach seinen Leibwächtern. 'Rollt mich hier raus!'"

Ich vermute, dies ist wohl das letzte Buch von Helmut Schmidt. Lediglich auf den letzten Seiten werden wehmütige Töne hörbar. Davor jedoch klingt Schmidt munter wie eh und je, nimmt kein Blatt vor den Mund und weist mit seinen Aussagen deutlich in die Zuknuft!
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am 12. August 2014
interessantes buch, schnell zu lesen. es wird insbesondere darauf verwiesen dass die missionierende art des westens in china nicht angebrachr ist, china ist ein stabiles land und mit der demokratie des westens würden das wahrschenlich nicht so sein. chinas kultur ist 5000 jahre alt und die chinesen müssen selber ihren weg gehen.
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am 29. Mai 2013
Ein letzter Besuch ist das aktuell bzgl. dieses Thema das interessanteste auf dem Markt. Hierbei unterhalten sich zwei alte Staatsmänner, der eine in seiner Heimat mit mehr, der andere mit etwas weniger Erfolg gesegnet, aber beide politisch absolut versiert und mit langjähriger Erfahrung gesegnet. Ich bin per se kein Anhänger der SPD und kann auch mit Helmut Schmidt nicht immer viel anfangen, aber die Sichtweise über China, für Singapur sehr nah, für uns zumindest geografisch sehr, sehr weit entfernt, ist erfrischend und sehr lesenswert. Auch mein Wissen über China wird größtenteils über westliche Medien erzeugt, die ich zwar kritisch beäuge, aber doch noch am meisten konsumiere. In diesem Buch erfährt man aber auch einiges Neues aus der Hand eines (Fast)anreiners, der natürlich vieles anders sieht, als der Westen / Deutschland.

Daher kann man auch diesen Band nur empfehlen, ich habe ich vor allem deshalb gekauft, weil ich bereits mit 16 Jahren, anno 2000, durch ein Spiegel-Spezialheft auf den damals noch eher neuen Aufsteiger – zumindest bei uns neu – aufmerksam wurde und erkannt habe, dass China eben nicht mehr eine Art Nordkorea in groß ist. Als nächstes werde ich das Buch meinem Vater geben, der ein Kind der schmidtschen Ära ist und der Person noch eher nahesteht.
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am 25. Mai 2013
Sehr interessante Sichtweise auf die Entwicklung in China und die Bedeutung von Deng Xiaoping

Abgesehen davon, daß ich alle Äußerungen des von mir hoch verehrten Helmut Schmidt für sehr bedenkenswert halte, hat mich hier ganz besonders das Thema "China" interessiert. Wir neigen in unserem heutigen Europa dazu, die Entwicklung in China zu sehr unter ideologischen und moralischen (unseren moralischen) Blickwinkeln zu betrachten. Es ist hochinteressant, was hochintelligente und pragmatisch denkende Staatsmänner wie Helmut Schmidt (aus Europa) und Lee Kuan Yew (aus Asien) dazu sagen. Jedem, der bereit ist, auch in Bezug auf uns Europäer selbstkritisch zu denken, werden die Gespräche der beiden weisen Männer Erleuchtung und Bestätigung mancher eigener Ahnungen bringen.
Die ungekürzte Hörbuchfassung, die ich wegen der Möglichkeit, sie mir während längerer Autofahrten in mich aufzunehmen, bevorzuge, ist gut. Störend fand ich die Umsetzung des jeweils kurzen Lachens des einen Gesprächspartners bei einer witzigen Bemerkung des anderen. Dies "Lachen" wirkt unnatürlich und gewollt.
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am 19. November 2015
Das Buch ist sehr interessant. Es ist ein Austausch zweier Staatsmänner über unterschiedliche Themen der Weltpolitik.
Ich habe mir das Buch jedoch in erster Linie gekauft, weil ich mehr über China erfahren wollte. Etwas enttäuscht muss ich jedoch feststellen, dass der Informationsgehalt über China gering ist (im Vergleich zu "Nachbar China" von Frank Sieren und Helmut Schmidt). Der Buchtitel ist somit irreführend.
Der Titel "Ein letzter Besuch" lässt darauf schließen, dass Helmut Schmidt über seinen letzten Besuch in China und die Begegnungen dort informiert. Es geht aber eben in erster Linie um den Austausch von ihm und seinem Freund Lee Kuan Yew über sämtliche politische Themen.

Dieses Buch ist interessant und unterhaltsam. Jedoch kritisiere ich den irreführenden Titel und Buchrücken, die nicht darauf schließen lassen, dass es eben AUCH um China geht. Wer wirklich mehr über China erfahren möchte, sollte sich nach einem anderen Buch umsehen.
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