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TOP 500 REZENSENTam 30. Januar 2014
Der Name ist Musikliebhabern ein Begriff. Wie ein Monument steht er gewissermaßen stellvertretend für die deutsche Musikkritik der vergangenen Jahrzehnte: Joachim Kaiser. Nun ja, das ist eben eine Tatsache, aber es sollte keinesfalls den Blick dafür verstellen, daß dieser Joachim Kaiser ein sympathischer Mann ist, dessen Begeisterung für Musik den Leser oder Hörer regelrecht überwältigen und mitreißen kann. Das Buch "Leben mit Wagner" ist ein guter Beweis dafür.

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"Ich will es nicht leugnen: Manchmal erfüllt mich ein Überdruss gegenüber Wagner-Inszenierungen..."

Kaiser nimmt den Leser mit auf seine offenherzige Entdeckungsreise in den Wagner-Kosmos. Dabei verbindet er die zahlreichen persönlichen Eindrücke und Erfahrungen mit einem schier unerschöpflichen Fundus an Wissen und würzt das Ganze mit dem einen oder anderen Blick über den Tellerrand. Und das macht den Reiz des Buches einerseits aus: Hier erzählt jemand, der auch wirklich etwas zu sagen hat. Anderseits ist es Kaisers Stil, der mich begeistert.

Und wie kann es eigentlich sein, daß ein Kritiker einen Überdruß an Operninszenierungen verspürt? Woran mag das wohl liegen? So provokativ die Frage, so verlockend wie schlüssig Kaisers Antwort.

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"[Der Steuermann im Holländer] schläft zum Schluss ein – zu Tode entkräftet (in einer Bayreuther Inszenierung einst, zu allem Überfluss auch noch sinnlos besoffen)."

Der Autor beherrscht das Professorale, wo angemessen, genauso wie einen fein pointierten Stil, der mich hin und wieder an Kaisers leider bereits verstorbenen Freund Vicco von Bülow - Loriot – erinnert: Kann man sich denn überhaupt sinnvoll betrinken?

Hinzu kommt die Frische des Stils, das gelegentlich Plauderhafte, das seine Ursache in der Begeisterung für den Stoff findet.

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"Umso mehr verübelte diese Weltöffentlichkeit es Richard Wagner, der sechs Jahre vor Hitlers Geburt gestorben war, dass Hitler für ihn schwärmte und sich auf ihn berief."

"Leben mit Wagner" beginnt mit einem Exkurs zum Leben und Wirken Wagners, in dem sich Kaiser zum Beispiel zur Antisemitismus- und Rezeptionsthematik äußert. Seine Sicht ist wirklich sehr erhellend und nachvollziehbar bei diesem schwierigen Aspekt in Wagners Biographie. Mehr will ich hier aber nicht verraten.

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"...mit drei zwar nicht vollendeten, aber doch aufregenden, schönen und ergiebigen Opern. Es ist erfrischend und manchmal sogar beglückend, Wagners Frühwerk ernst zu nehmen."

Es folgt ein bewegendes und fundiertes Plädoyer für "Das verfehmte Frühwerk". Die Begeisterung des Autors ist hierbei so groß, aber nicht unreflektiert, daß ich beim Lesen direkt Lust verspürte, die Opern wieder zu hören. Danach schließen sich Kapitel zu Lohengrin, Tristan, Meistersingern, drei zum Ring und ein letztes zum Parsifal an. Thomas Mann, dessen Name so oft in Verbindung mit Wagner genannt wird, hat sein eigenes, interessantes Ring-Kapital.

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Es ist erstaunlich, wie wunderbar Kaiser Bekanntes neu verknüpft, tiefer durchdringt oder Unbekanntes aufdeckt, weil es schlicht übersehen wurde. Zwar frischt er die notwendigen Grundkenntnisse stets auf, doch meist sind sie die Grundlage für weiterführende Erörterungen. Und wenn es dann einmal zu sehr in die Tiefe ging, war ich offen gestanden froh, über ein gewisses Maß an Vorwissen zu verfügen.

Sicherlich ist das Buch nicht zum thematischen Entstieg in das Werk oder die Person Wagners geeignet. Denn es sollten schon ein paar Grundkenntnisse vorhanden sein. So schadet es nicht, das Opernwerk in seiner Breite und zumindest ein wenig in seiner Tiefe zu kennen. Gleiches gilt für die Biographie des Komponisten. Doch sind diese groben Orientierungspunkte vorhanden, dann kann man "Leben mit Wagner" genüßlich verschlingen.

"Leben mit Wagner" bietet insgesamt eine willkommene Abwechslung im Wagner-Bücherdschungel und den etwas anderen Blick auf den großen Komponisten - interessant, bereichernd, unterhaltsam, kurzum: ein großes Lesevergnügen.
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am 27. Mai 2014
Joachim Kaiser liebt Richard Wagner. So viel sollte - nach der Lektüre von "Leben mit Wagner" - klar sein. Der renommierte Musikschriftsteller macht keinen Hehl aus seiner Wagner-Begeisterung. In neun Kapiteln beleuchtet er unterschiedlichste Aspekte rund um Wagners Leben, Wagners Werk, Wagners Wirkung. Da geht es mal um die "Ring"-Handlung, mal ums musikdramatische Frühwerk, mal um "Lohengrins" Besonderheiten. Und immer merkt der Leser, dass Kaiser seinen Wagner liebt.

Es geht mit Begeisterung zur Sache. Joachim Kaiser findet, während er von Wagner und seinem Werk erzählt, zu durchaus prägnanten Formulierungen, originellen Einfällen und geistreichen Impulsen. Man erfährt, dass in der Mitte des zweiten "Tristan"-Aufzugs eine "unauffällige Peripetie" (S. 117) stattfindet. Man lernt, wie man im "Ring des Nibelungen" (beim Zuschauen und Zuhören) "eine Art Komplize des Schicksals" (S. 172) wird. Man sieht ein, dass "Wagners unergründliche Ambivalenz [...] die Negativfiguren wie Mime, Alberich, Beckmesser vor eindeutiger Negativität" (S. 212) rettet.

An pfiffigen Einsichten mangelt es wahrhaftig nicht. Aber erfreulicherweise bedeutet das nicht, dass Joachim Kaisers Wagner-Enthusiasmus zum schleimigen Gesülze gerät. Kaiser findet - bei aller Liebe - auch kritische Worte, wo sie Not tun. Wagner "ging es vordringlich darum, das eigene 'Wunderwerk', die eigene Wunderleistung durchzusetzen. Wer dabei schadete, wurde verdammt" (S. 15). Richard Wagner machte "aus seinen Erfahrungen, Beobachtungen, Vor- und Nachurteilen ein paranoides Wahnsystem" (S. 152). Dass Wagner dennoch (solcher Defizite zum Trotz) in der Lage war, Wunderwerke von bleibendem Wert und kaum überbietbarer Größe zu schaffen, ist das Wunder, an dem Joachim Kaiser sich orientiert und entlanghangelt.

"Leben mit Wagner" bedeutet wirklich ein langes Sich-Entlanghangeln: Kaisers Buch ist eigentlich eine kreative Ideensammlung im Brainstorming-Verfahren, bei der man sich von einem Apropos zum nächsten schwingt. Der Leser sollte wissen, dass ihn keine stringente Beweisführung erwartet. Kaisers Kapitel steuern nicht auf eine revolutionäre Kernthese zu; seine Argumente kreisen nicht um den Fixstern einer zentralen Einsicht. Vielmehr geht Kaiser assoziativ zu Werke. Man merkt, dass man es mit jemandem zu tun hat, der gern über Wagner plaudert und fachsimpelt. Und Kaiser vertraut auf den Fluss seiner Plauderei, indem er sich von ihm tragen lässt. Der Leser folgt ihm von einer Idee zur anderen, ohne wirkliches (argumentatives) Zentrum. Was den wissenschaftlich orientierten Leser schnell frustrieren mag, kann - wenn man sich darauf einlässt - beinah süchtig machen: Man lässt sich von Kaisers Wagner-Weisheiten berieseln. Den scholastisch-roten Faden kann man eh nicht verlieren, weil es ihn nicht gibt.

Das will nicht heißen, dass Joachim Kaisers Vorgehen unzulässig (oder gar doof) ist. Seine Gescheitheit spricht aus jeder Seite seines Buches; seine Belesenheit ist allenthalben spürbar (ohne aufdringlich zu werden). Umso erstaunlicher ist es, dass "Leben mit Wagner" kein Literaturverzeichnis enthält. Kaiser bezieht sich häufig und gern auf andere Autoren: Kaiser zitiert Theodor Adorno; Kaiser zitiert George Bernard Shaw und Friedrich Nietzsche; Kaiser zitiert Thomas Mann. Aber auf Grundlage welcher Textausgaben zitiert er? Woher stammen seine Zitate? Der Leser erfährt es nicht. Das geht so weit, dass Joachim Kaiser schreibt (als er Wolfram von Eschenbachs "Parzival"-Epos bespricht): "Ich zitiere eine modernisierte Übersetzung" (S. 93). Mancher Leser wird schon wissen wollen, woher die Übersetzung kommt. Und jeder Leser darf an solchen Stellen (mit Recht) Fußnoten erwarten.

Also möchte man Joachim Kaiser manches Mal in seinem Plauderfluss unterbrechen, weil man etwas zu ergänzen, anzumerken, zu meckern hat. Aber Kaiser fachsimpelt natürlich einfach weiter, und eigentlich hört man ihm gerne zu. Denn Kaiser redet mit einer ansteckenden Leidenschaftlichkeit, die den Leser alle Einwände schnell vergessen lässt. Bei Wagners Frühwerk spricht er z.B. von "aufregenden, schönen und ergiebigen Opern" (S. 86). Und manchmal wird sein Ton so feurig, dass er zur erfrischenden Polemik neigt. So bemerkt Kaiser, wenn er über die angebliche Wesensverwandtschaft von Wagner und Hitler spricht: "Das ist absurd, ist eine idiotische und unzulässige Aufwertung Hitlers" (S. 19).

Kaiser liebt Wagner nun mal. Und beim Lesen merkt man schnell: So eine Liebe ist ansteckend. Darum lohnt sich das Lesen von "Leben mit Wagner".
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am 8. August 2013
Brillant geschrieben, mit vielen tausendmal wiederholten Vorurteilen aufräumend, ein absolut lesenswertes Buch. Der Großmeister hat seine Erfahrungen mit Wagner auf diese Weise wundervoll weitergegeben.
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