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Die Ehre des Scharfrichters: Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Über Jahrhunderte hinweg kannten die europäischen Gesellschaften Berufe, die als "ehrlos" galten. Eine Berufsgruppe, die als besonders ehrlos angesehen wurde, waren Henker und Scharfrichter. Wer diesen Beruf ausübte, der wurde von seinen Mitmenschen gemieden und geächtet. Da Henker ein sozial isoliertes Dasein führten und Ehepartner aus ehrbaren Kreisen für sie und ihre Kinder unerreichbar waren, entstanden vielfach sogenannte Henkersdynastien. Mitglieder von Scharfrichterfamilien heirateten untereinander, und da Henkerssöhnen der Zugang zu ehrbaren Gilden und Zünften verwehrt war, wurde der Henkersberuf oft vom Vater auf den Sohn vererbt. Die Rückkehr in ehrbare Berufe und Kreise war schwierig, wenn nicht unmöglich.

In der Frühen Neuzeit waren grausame Körper- und Todesstrafen selbstverständlicher Teil der Strafjustiz, und deshalb konnten Landesherrn und städtische Kommunen auf Henker nicht verzichten. Trotz des Stigmas, das ihnen anhaftete, erfüllten Scharfrichter eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Mit dem öffentlichen Vollzug von Körper- und Todesstrafen lieferten sie den sichtbaren Beweis für die Handlungsfähigkeit der fürstlichen oder städtischen Obrigkeit. Im 16. Jahrhundert wurde die Strafverfolgung zunehmend eine staatliche Angelegenheit. Um private Selbstjustiz zu unterbinden, mussten Fürsten und Städte einen effektiven Justizapparat aufbauen. Unverzichtbarer Teil dieses Apparats war der Henker. Er vollzog Körper- und Todesstrafen an Delinquenten, die mit ihren Straftaten gegen die gängigen Werte und Normen ihrer Zeit verstoßen hatten.

Wie wurde man Henker, und wie lebte man mit diesem Beruf? Das sind die Hauptfragen, denen der amerikanische Historiker Joel Harrington in seinem Buch nachgeht. Harringtons Held - sofern man einen Henker als Helden bezeichnen kann - ist der fränkische Scharfrichter Frantz Schmidt (1553/54-1634), der von 1578 bis 1618 als festangestellter Henker der Freien Reichsstadt Nürnberg wirkte. In diesen 40 Jahren führte Schmidt ein Arbeitsjournal. In zwei Listen erfasste er die Körper- und Todesstrafen, die er im Auftrag des Nürnberger Magistrats vollzog. Im Laufe seiner "Karriere" richtete Schmidt mindestens 394 Personen hin, davon 10 Prozent Frauen (mehrheitlich Kindsmörderinnen). Unter den Hingerichteten waren allein 172 Diebe. Schmidts Journal ist kein Tagebuch im modernen Sinn. Über sich selbst schreibt Schmidt so gut wie nichts. Das Journal ist im Wesentlichen eine Zusammenstellung von Daten und Fallgeschichten: Namen, Herkunft und krimineller Werdegang der Straftäter (bei denen es sich oft um Wiederholungs- und Intensivtäter handelte); Art und Hergang des Verbrechens; Art der Hinrichtung bzw. Körperstrafe (z.B. Auspeitschen, Verstümmeln). Schmidts Journal bietet Aufschluss über die vielfältigen Formen von Kriminalität, mit denen eine Stadt wie Nürnberg Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts tagtäglich konfrontiert war: Diebstahl, Raub, Mord, Kindstötung, Banditentum, Münzfälschung.

Harrington beschränkt sich nicht darauf, nur Schmidts Journal zu analysieren. Er zieht eine Vielzahl weiterer Quellen heran und nutzt das Leben des Henkers Schmidt, um dem Leser eine ganze Welt zu erschließen. Das Leben eines Einzelnen, hier eines Scharfrichters, eröffnet eine Fülle von Perspektiven auf die Zeit um 1600. Harrington zeigt Schmidt in der Welt, in der er lebte. Verbrecher und Kriminelle gehörten zu den alltäglichen Bedrohungen, denen die Menschen im 16. Jahrhundert ausgesetzt waren. Öffentliche Hinrichtungen mit ihrem stark ritualisierten Ablauf boten ein "Theater des Schreckens". Sie sollten abschreckend wirken und das Vertrauen der Bürger in die Zuverlässigkeit ihrer Obrigkeit stärken. Die Strafjustiz wurde professioneller; der Bedarf an technisch versierten Henkern wuchs. Der Henkersberuf wurde anspruchsvoller, und mit den Ansprüchen der Dienstherrn stiegen auch die Verdienstmöglichkeiten. So makaber es klingen mag - Schmidt lebte im "Goldenen Zeitalter des Henkers" und war möglicherweise der bestbezahlte Scharfrichter im Heiligen Römischen Reich.

Harrington verfolgt Schmidts Lebensweg von der Zeit als Henkerslehrling bis zum Eintritt in den Ruhestand 1618 und der nachfolgenden Tätigkeit als Heiler. Nur durch eine unglückliche Fügung wurde Schmidts Vater Heinrich Anfang der 1550er Jahre Henker. Fortan war die Familie geächtet. Mangels beruflicher Alternativen ging Frantz Schmidt bei seinem Vater in die Lehre. Ab 1573 war er als selbständiger Henker tätig, erst in Hof und Bamberg, ab 1578 in Nürnberg. Ein Leitmotiv seines Lebens war der Kampf um die Wiedergewinnung der Familienehre. Schmidt kämpfte gegen das Stigma der Ehrlosigkeit an, indem er seinen Beruf mit Professionalität und Gewissenhaftigkeit ausübte. Selbst seinen kriminell gewordenen Schwager richtete er anstandslos hin. Mit einem betont ehrbaren Lebenswandel - Schmidt war frommer Christ und Abstinenzler - wollte er den Respekt seiner Mitbürger gewinnen. Statusverbesserungen blieben nicht aus: 1584 erhielt Schmidt eine Anstellung auf Lebenszeit, 1593 sogar das Bürgerrecht der Stadt Nürnberg. Im Alter gelang ihm schließlich die langersehnte Wiederherstellung der Familienehre durch ein erfolgreiches Gesuch an den Wiener Kaiserhof. Als er 1634 starb, wurde als sein Beruf "Arzt" angegeben.

In der Biographie des Henkers Frantz Schmidt spiegelt sich die Welt um 1600: Die prekären Lebensverhältnisse; die Allgegenwart von Gewalt und Kriminalität; das aus heutiger Sicht archaisch anmutende Bedürfnis der Gesellschaft nach harter Bestrafung von Straftätern; die Ständegesellschaft mit ihren starren Vorstellungen von Ehrbarkeit und Respektabilität. Harringtons wunderbares Buch ist eine darstellerisch und erzählerisch gelungene Verbindung von Sozial-, Mentalitäts- und Rechtsgeschichte. Nicht nur Fachleute, sondern auch Laien können dieses Buch mit großem Gewinn lesen. Selten wurden das Henkersmilieu und das Alltags- und Berufsleben von Henkern so farbig und anschaulich dargestellt wie hier. Es ist eine faszinierende Abwechslung, die Welt der Frühen Neuzeit einmal nicht aus der Perspektive von Fürsten, ehrbaren Bürgern oder Gelehrten zu betrachten, sondern aus der Perspektive eines sozialen Außenseiters, der von seinen Mitmenschen gebraucht, gleichzeitig aber auch weitgehend gemieden wurde.

Ein tolles, unbedingt lesenswertes Buch!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mit Scharfrichtern, im allgemeinen gern Henker genannt, hatte in der Geschichte wohl niemand gern zu tun. Aber Scharfrichter Frantz Schmidt kennengelernt zu haben, war mir doch eine Ehre.

Ein Freund von langen Vorworten bin ich noch nie gewesen, aber in diesem Falle, empfehle ich doch die 26 Seiten auch zu lesen. Sie führen nicht nur zum Thema hin, sondern machen den Kontext deutlich in welchem der Beruf Scharfrichter gestanden hat.

Aber dann ist der Weg frei und ich gehe die Lebensjahrzehnte mit Frantz Schmidt mit. Seine Kindheit und Jugend hat er in Hof verbracht. Mit 12 Lebensjahren beginnt er offiziell als Lehrling die Ausbildung des Scharfrichters bei seinem Vater. Danach schließen sich mehrere Jahre als Wandergeselle an.

Das Buch folgt nicht streng dem Tagebuch des Frantz Schmidt. Es sind auch die vielen kleinen Erklärungen über das Leben im 16. Jahrhundert, die hohe Arbeitslosigkeit und Inflation die das Leben bestimmten und die Kriminalitätsrate hoch steigen ließ.

Da ist aber auch immer wieder die Konfrontation mit dem Scharfrichter. Es wird beispielsweise erzählt wie der Vater von Frantz Schmidt zum Henker wurde und damit gleichzeitig auch zum verachteten Mann. Scharfrichter durften keiner Zunft angehören und mussten außerhalb der Stadtmauern wohnen.

Ein äußerst spannendes Geschichtsbuch!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. August 2014
Harrington präsentiert in diesem Buch anhand des Lebens und Wirkens eines ungewöhnlich anständigen und intelligenten Scharfrichters die Lebensumstände im ausgehenden Mittelalter. Er zeigt, welche Gründe und Ziele die zum Teil für uns heute unvorstellbar grausamen Urteile und die für uns völlig inakzeptablen Methoden der Folter als Mittel der Strafuntersuchung hatten.

Es wird auch deutlich, dass es keinesfalls nur darum geht, einen Unbelehrbaren definitiv aus dem Weg zu räumen, sondern dass bei jeder Hinrichtung die weltliche Gewalt ihre Macht demonstriert. Das gilt auch heute noch, insbesondere in Ländern wie den USA. Harrington selber nimmt keinen Bezug darauf, doch lassen sich die geschilderten Beweggründe der Obrigkeit im 16. Jahrhundert leicht im entsprechenden Diskurs der Gegenwart wiederfinden.

Das Buch ist m.E. dort am stärksten, wo es die Lebensumstände schildert. Auch die Darstellung der Motivation und des Selbstverständnisses des Scharfrichters sind erhellend und beeindruckend. Die unendlichen Schilderungen und Aufzählungen von Gewaltverbrechen und der folgenden Folterung und Hinrichtung hätte Harrington allerdings gerne auf etwa einen Drittel kürzen können.

Insgesamt ein gut lesbares Buch für jemanden, der sich emotional von all den geschilderten Grausamkeiten distanzieren kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juli 2014
Ich habe diese Buch von meiner Frau geschenkt bekommen und war anfangs mehr als skeptisch, da es viele Bücher über Henker etc. gibt die aber keinen Anspruch auf Richtigkeit bzw. Authentizität haben. Meist werden unwahrheiten geschrieben wie der "Mythos der eisernen Jungfrau".
Hier ist wirklich alles anders, der Author versteht es den Leser bereits ab dem Vorwort zu fesseln, schnell wird klar das das Buch sehr genau recherchiert wurde.
Die Brücke die zur Neuzeit aufgebaut wird, ja es klingt verrückt aber ist tatsächlich so, mit Begriffen wie soziale Kompetenz etc. finde ich verblüffend und bin begeistert. Es wird auch das Rechtssystem erläutert, das Warum und Wieso, das Verständnis dieser Zeit und es ist etwas ganz besonderes, da auch die Persönlichkeit des Nachrichters Meister Franz rekonstruiert wird, aber nicht willkürlich sondern mit Sachverstand und vorsichtig eingesetzter Spekulation.

Ich finde diese herausragend und kann es jedem empfehlen der sich für dieses Thema interessiert.
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am 8. August 2014
Sehr schöner und interessanter dokumentarischer Einblick in das Leben und Denken eines Scharfrichters. Besonders der Kampf um den, eigentlich unmöglichen, Ausbruch aus seinem Stand der Ehrlosen. Wirklich empfehlenswert für alle die sich schon etwas mehr mit dem Thema Strafvollzug im Mittelalter und dessen Akteure beschäftigt haben.
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am 4. Juli 2014
Gibt einen ausgezeichneten, leicht verständlichen Überblick über die Verhältnisse im 16./17. Jahrhundert und verwebt das persönliche Schicksal einer Familie in einer äusserst spannenden Form.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Mai 2014
Dieses Sachbuch ist sehr gründlich recherchiert und läßt historische Abläufe plastisch erscheinen.Nach der Publikation "The Unwanted Child"beweist der Autor Prof.J.F.Harrington erneut seine Sachkenntnis über das Mittelalterliche Europa
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juni 2014
Sehr interessant ung gibt einen guten Einblick in die sozialen Verhältnisse des Mittelalters. Die Zitate sind z.T. auch mit den Erläuterungen, schwer zu verstehen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Juli 2014
Wer ein interessantes Buh über diese mittelalterliche Zeit, über die unehrbaren Berufe lesen will, der ist mit diesem Buch gut bedient. Ein Buch, das zum nachdenken anregt.
Um das Jetzt zu begreifen ist es sicherlich hilfreich zu wissen, wo wir her kommen, warum unsere Rechtsprechung so ist, wie sie ist.
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1 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juni 2014
kann noch keine Bewertung abgeben, da ich noch keine Zeit zum Lesen. Hebe mir das Buch auf bis zum Urlaub.
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