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Eine der wichtigsten Fragen, die sich jeder Mensch immer wieder stellt, ist die, ob es ein selbstbestimmtes Handeln gibt. Ist der Mensch frei zu tun, was er will, oder ist er unfrei, determiniert und objektiv fremdbestimmt? In seinem erstmals 2002 erschienen Sachbuch "Selbstbestimmen" versucht der Ulmer Universitätsprofessor Manfred Spitzer dies aus der Sicht des Neurobiologen, gepaart mit psychiatrischen, philosophischen und didaktischen Erkenntnissen, zu klären. Oder besser, dem Leser Material zur Verfügung zu stellen, das es ihm ermöglicht, diese Frage rein subjektiv, aus seiner eigenen Sicht zu entscheiden.

In vier Kapiteln versucht Spitzer dabei einen sinnvollen, didaktischen Prinzipien folgenden Aufbau anzubieten, der in meist sehr einfacher Sprache Forschungsergebnisse präsentiert und Schlüsse daraus zieht. Jedem einzelnen Unterkapitel stellt der Autor eine These voran und fasst die Erkenntnisse in einem kurzen Fazit noch einmal zusammen. Demzufolge ist die Lektüre einfach und ohne wissenschaftliche Vorbildung leicht nachzuvollziehen. Einzig einige der Beispiele sind weniger populärwissenschaftlich verfasst und in der Kürze der Darstellung schwieriger zu verstehen. Dies ist aber nicht unbedingt notwendig, um dem Gedankengang Spitzers folgen zu können. Jedes einzelne Experiment wird zusammengefasst, in seiner Zielrichtung deutlich gemacht und in einfachsten Worten noch einmal wiederholt.

Fast schon zu simpel erscheint der Gang der Diskussion, sehr viele Erkenntnisse geraten so fast zu Behauptungen des Autors, die nur wenig aus den angeführten Beispielen erklärbar sind. Dies ist zum einen dem Umfang des Buches geschuldet, zum anderen aber Kalkül des Autors. Er will Ergebnisse darstellen, nicht den langwierigen Weg dorthin.

Nach einer kurzen Einführung in den Gegenstand der Betrachtung, das menschliche Gehirn und seinen äußerst komplexen Aufbau, versucht der Autor in den Kapiteln "Erfahren", "Bewerten" "Entscheiden" und "Handeln" sich seinem Thema zu nähern. Sprich, die subjektiv eindeutige Tatsache, dass man frei entscheidet und nicht fremdbestimmt ist, zu erläutern und zu verifizieren. In den vier Unterkapiteln "Spuren", "Vernetzte Ebenen", "Entwicklung" und "Genetik und Umwelt" des ersten Kapitels gelingt ihm eine wundervoll simple und humorvolle Darstellung der physiologischen Grundlagen des menschlichen Gehirns.

In "Bewerten" schildert der Autor in "Von der Lust zur Bedeutung", "Vom Bewerten zu Werten", "Fakten und Werte" und "Nicht wissen, aber glauben", wie das Gehirn seine Daten gewinnt, verarbeitet und welche Irrwege es geben kann.
Anschließend widmet der Autor sich in "Entscheiden" der Frage, inwieweit der Mensch zu einer freien Entscheidung überhaupt fähig ist, respektive, wie die Wissenschaft sich dieser Frage experimentell nähert.

Abschließend untersucht Manfred Spitzer Biologie und Verhalten im Kapitel "Handeln" die Frage, inwieweit der Mensch handelt, handelt sollte oder nicht handelt. In "Einsicht, "Moral und Ethik", "Selbstbehinderung" und "und endlich: Liebe Ulla!" zieht er ein humorvolles Fazit aus seiner wissenschaftlichen Forschung. Sehr liebenswert ist das abschließende Kapitel "Liebe Ulla!", das sich direkt an seine nun volljährige Tochter wendet und ihr Mut macht, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn dieses Kapitel auch einen allgemeinen Nutzwert hat, dann den, sich immer und jederzeit seiner Entscheidungen und den damit einher gehenden Beschränkungen im weiteren Leben klar zu werden. Zwar ist jeder Mensch frei, macht sich aber jeden Tag ein wenig unfreier - und das möglichst wissentlich.

"Selbstbestimmen" ist sehr wenig Fachbuch und sehr viel Lebensphilosophie. Spitzer wirft Jahrzehnte Erfahrung in die Waagschale, um dem Leser klar zu machen, dass er selber in seinem Inneren immer das Gefühl der Freiheit hat und ihm das kein Wissenschaftler je nehmen kann. Nicht immer sauber verbindet der Autor Experimente, seine Schlüsse daraus und seine Folgerungen für die Freiheit des Menschen. In diesem Sinn ist dieses Buch exzellente Lebenshilfe, die vieles erklärt, manches andeutet, aber nur sehr wenige Gewissheiten liefert. Vor allem aber ist es eine eloquente, leicht zu lesende und sehr humorvoll geschriebene Geschichte über die Freiheit des Geistes.

Stefan Erlemann
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