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4.0 von 5 Sternen Gut geschrieben, doch viel zu spekulativ
Das Buch ist gut lesbar, allerdings weist es einige Redundanzen auf. Sehr viel Neues über den Grundentwurf der Memetik in Richard Dawkins Das egoistische Gen erfährt man nicht, vielleicht mit Ausnahme der Memplexe (Religionen als Komplexe aus Memen) und einer auf Memen basierenden Altruismustheorie.

Die im Buch aufgeführten Anwendungsbeispiele...
Veröffentlicht am 12. November 2008 von Lulu

versus
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3.0 von 5 Sternen Wert darüber nachzudenken
Susan Blackmore stellt hier ein Modell zur kulturwissenschaftlichen Erklärung der Fortpflanzung und Durchsetzung kulturellen Guts vor. Dazu wendet sie die Vorstellungen zur Evolution der Biologie auf den menschlichen Geist an. Die Grundvoraussetzung für das Verständnis dieses Modells ist die Idee des "egoistischen" Gens von Dawkins. Doch muss man das Buch...
Vor 9 Monaten von Samuel Schmidt veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wert darüber nachzudenken, 11. Oktober 2013
Von 
Samuel Schmidt (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist (Taschenbuch)
Susan Blackmore stellt hier ein Modell zur kulturwissenschaftlichen Erklärung der Fortpflanzung und Durchsetzung kulturellen Guts vor. Dazu wendet sie die Vorstellungen zur Evolution der Biologie auf den menschlichen Geist an. Die Grundvoraussetzung für das Verständnis dieses Modells ist die Idee des "egoistischen" Gens von Dawkins. Doch muss man das Buch dazu nicht zwangsläufig gelesen haben. Ein ausführliches Vorwort von Dawkins selbst und die einleitenden Erklärungen von Blackmore reichen aus, um das Konzept zu verstehen.

Das Mem, angelehnt an dieses egoistische Gen, ist eine kleine Einheit kulturellen Guts, das bestrebt ist sich selbst zu vermehren. Natürlich nimmt Blackmore eine derartige Vermenschlichung der Meme nicht tatsächlich an. Zu sagen, das Mem sei bestrebt, erleichtert lediglich die Vorstellung dieses Prozesses. Ein Mem pflanzt sich fort, indem es imitiert wird. Das können Vorstellungen, Verhaltensweisen oder Ideen sein. Jedes Mem ist bestrebt sich möglichst erfolgreich auf andere Menschen zu übertragen. Dazu bedient es sich verschiedener Mechanismen wie Altruismus, die Bündelung von Memen, die sich gegenseitig begünstigen, sie haben eine beruhigend erklärende Wirkung, sie stellen sich als DIE Wahrheit vor usw.
Dabei spielt es keine Rolle wie sinnvoll, wahr oder nützlich die Durchsetzung eines Mems ist. Es geht lediglich um das Mem an sich und nicht um die Auswirkungen. Natürlich ist sich Blackmore bewusst, dass das Modell der Meme Probleme hat und benennt diese auch. Im Gegensatz zu Genen kann man ein Mem nicht einmal annähernd identifizieren, es hat keine Einheit und wir kennen das Vehikel der Forpflanzung nicht. Was Blackmore nicht benennt, sind die Probleme, die mit der Übertragung der biologischen Evolutionstheorie auf die menschliche Kultur einhergehen. Ist die Idee Dawkins' vom egoistischen Gen überhaupt korrekt? Kann die Evolutionstheorie überhaupt auf Prozesse der menschlichen Kultur angewendet werden? usw.

Die Stärke des Mem-Modells liegt aber nicht in erster Linie in der Theorie, sondern in der Praxis. Warum sich richtige, sinnvolle und gute Ideen durchsetzen ist dabei nicht die Frage. Doch Blackmore schafft es anhand des Mem-Modells plausibel zu erklären, warum auch flasche, schlechte und gar destruktive Ideen erfolgreich sind. Als Beispiele nennt sich neben Alienentführungen und Kartenlegen auch den Katholizismus. Natürlich stößt es demjenigen sauer auf, der daran glaubt. Dennoch sind diese Elemente menschlicher Kultur unbewiesen und werden dennoch geglaubt. Blackmore liefert hier eine mögliche Erklärung warum all das geglaubt wird. Im Modell der Meme ist das alles plausibel. Doch manchmal wirken ihre Erklärungen verkürzt. Menschliche Kultur, Alienentführungen und besonders Religion ist viel komplexer als sie es darstellt. Dennoch lohnt es sich das Mem-Modell in Erwägung zu ziehen. Es ist nicht abschließend und sicher nicht perfekt.
Doch bemerkenswert ist die Vorstellung, dass kleine kulturelle Elemente nicht immer einen Zweck haben oder richtig sein müssen, um erfolgreich zu sein. Es reicht, wenn die Bedingungen zur Imitation stimmen. Diese Bedingungen liegen oft in unserer Kultur selbst. Mir hat das Buch geholfen einen anderen aber verständnisvolleren Blick auf skurrile Strömungen und Elemente unserer Kultur, aber auch auf die Religion zu werfen.

Das Buch lag mir als deutsche Ausgabe aus dem Jahr 2000 vor. Ob sich das Mem-Modell nach 10 Jahren als erfolgreiche Ansammlung verschiedener Meme erweist, wird sich in der Zukunft zeigen. Sollte dies der Fall sein, würde ich mir eine besser fundierte Theorie und eine detailliertere Analyse wünschen, als sie von Blackmore vorgenommen wurde.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut geschrieben, doch viel zu spekulativ, 12. November 2008
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist (Taschenbuch)
Das Buch ist gut lesbar, allerdings weist es einige Redundanzen auf. Sehr viel Neues über den Grundentwurf der Memetik in Richard Dawkins Das egoistische Gen erfährt man nicht, vielleicht mit Ausnahme der Memplexe (Religionen als Komplexe aus Memen) und einer auf Memen basierenden Altruismustheorie.

Die im Buch aufgeführten Anwendungsbeispiele zur Memetik sind zwar recht interessant, leider aber auch zum Teil sehr spekulativ. Das ist überhaupt eines der großen Probleme der Memetik, denn noch nie konnte ein Mem konkret beobachtet bzw. gemessen werden.

Das Spekulative der Memetik drückt sich aber auch schon in der Kurzbeschreibung des Buches aus: "Als einzige Vertreter unter den Tieren verfügen Menschen über eine ausgeprägte Fähigkeit, andere zu imitieren, und so können wir Ideen, Angewohnheiten, Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Erfindungen, Lieder und Geschichten voneinander kopieren. All das sind Meme - Einheiten, die ähnlich wie Gene danach 'streben', sich zu verbreiten und zu vermehren. Meme wetteifern darum, in so viele Gehirne wie möglich zu gelangen und sich dort zu behaupten, und diese Konkurrenz der Meme hat unseren Geist und unsere Kultur geformt."

Dies ist in mehrerlei Hinsicht äußerst problematisch:
1. bekommt man den Eindruck, dass die Initiative bei der kulturellen Evolution von den Memen (und nicht von Menschen bzw. Akteuren) ausgeht, denn Meme "streben" gemäß Blackmore nach Verbreitung und Vermehrung. Sie selbst scheinen also zu konkurrieren, und nicht die Akteure.

2. Ironischerweise begründet Richard Dawkins im Das egoistische Gen seine Memetik mit einer Vogelart, und zwar den Neuseeland-Lappenstaren. Diese würden nämlich hin und wieder eine neue Melodie erfinden und ggf. ihrem Melodiepool hinzufügen. Wie Zoologen nachweisen konnten, werden die Gesangsmuster jedoch nicht genetisch vererbt, sondern durch Imitation erworben (und dann ggf. verändert). Der Mensch ist also in der Hinsicht keineswegs einzigartig, wie Susan Blackmore behauptet. Schlimmer noch: Der Gesang der Lappenstar-Männchen ist für die Weibchen so etwas wie ein Fitnessindikator. Folgte man den Ausführungen Richard Dawkins und Susan Blackmores, dann wollten Pfauenmännchen ihren Weibchen durch einen genetisch vererbten Schweif imponieren, Lappenstare dagegen durch kulturell erworbene Fitnessindikatoren. Die kulturellen Fitnessindikatoren könnten dabei eigendynamisch als Meme evolvieren (ohne "Schöpfer" und unabhängig von den Lappenstaren), während die genetischen Fitnessindikatoren dies nicht könnten (sie benötigten einen "Schöpfer", nämlich die Pfauen). Bevor sie weitermachen, sollten die Vertreter der Memetik zunächst einmal erklären, wie sie das mit der Darwinschen Theorie in Einklang bringen wollen.

3. Jablonka und Lamb machen in Evolution in Four Dimensions: Genetic, Epigenetic, Behavioral, and Symbolic Variation... deutlich, dass es nicht die Fähigkeit der Imitation ist, die Menschen in der Natur auszeichnet, sondern die der symbolischen Kompetenzspeicherung (Schrift etc.).

4. Mersch erklärt in Die egoistische Information: Eine neue Sicht der Evolution die kulturelle und technische Evolution viel plausibler und auch einfacher als dies das besprochene Buch tut. Eine Memetik mit separaten, fiktiven Replikatoren ist demgemäß überhaupt nicht erforderlich.

Ich möchte zwei im Buch behandelte Anwendungsfälle der Memetik beispielhaft herausgreifen und an ihnen deutlich machen, wie wenig ausgereift die Theorie letztlich ist.

A. Im Kapitel 10. "Ein Orgasmus rettete mein Leben." (das ich zuerst gelesen habe - wer möchte nicht gerettet werden?) beschreibt Susan Blackmore, dass Sex zum alles beherrschenden Thema in unserer Gesellschaft geworden ist. In diesem Zusammenhang analysiert sie den Geburtenrückgang (den demografischen Wandel). Sie führt aus (201):

"Wir haben den Akt, das Vergnügen und die Vermarktung von Sex weitgehend von seiner Fortpflanzungsfunktion getrennt. Es gibt im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, diese Scheidung zu erklären. Die erste ist die Antwort der Soziobiologie: Das moderne Sexualverhalten wird immer noch von den Genen bestimmt, und unsere Geburtenkontrolle ist (vom Standpunkt der Gene gesehen) ein Fehler, der möglich wurde, weil die Gene nicht voraussehen konnten, wie wir unsere Intelligenz gebrauchen würden. Die zweite ist die Antwort der Memetik: Das moderne Sexualverhalten wird von den Memen bestimmt. Obwohl unsere fundamentalen Instinkte und Lüste noch immer genetisch determiniert sind und beeinflussen, welche Gene erfolgreich sind, sind es nun die Meme, die diktieren, wie wir uns verhalten."

Susan Blackmore stellt dann die memetische These auf, dass heute keine Partner mehr zur optimalen Verbreitung der eigenen Gene, sondern von Memen gesucht werden. Mit anderen Worten: Wir paaren uns mit den besten Imitatoren. Sie fasst zusammen (213):

"Eine meiner Schlüsselannahmen ist, dass die natürliche Selektion nach Entstehung der ersten Meme begann, Menschen zu favorisieren, die sich für eine Paarung mit den besten Imitatoren oder den besten Benutzern und Verbreitern von Memen entschieden."

Ein solcher Erklärungsansatz ist jedoch äußerst problematisch. Denn erstens liefert die moderne Demografie eine weitere, von Susan Blackmore nicht erwähnte Erklärung für den Geburtenrückgang ("Opportunitätskosten von Kindern"), und zweitens dürfte man die entscheidenden eigenen Meme wohl eher über berufliche Tätigkeiten verbreiten können als ausgerechnet über einen Sexualpartner.

B. Das andere Thema ist der Altruismus. Hier macht sie zunächst noch einmal (richtigerweise) deutlich, dass die Theorie der egoistischen Replikatoren (Das egoistische Gen) im Grunde eine Theorie zur Erklärung von Altruismus ist (241):

"Wenn man die Replikatoren ins Zentrum der Evolution stellt und die Selektion als Prozess ansieht, der einige Gene fördert, andere hingegen nicht, dann ergeben viele Formen des Altruismus auf einmal einen Sinn. Nehmen wir beispielsweise elterliche Fürsorge."

Nun ist aber gerade beim Menschen oftmals ein reiner, uneigennütziger Altruismus (der selbst aus gen-egoistischer Sicht keinen Sinn machen würde) anzutreffen. Richard Dawkins erwähnte als Beispiel das Blutspenden. Susan Blackmore behauptet nun, dass sich ein solcher Altruismus recht gut memetisch erklären lässt (250):

"Stellen Sie sich eine Welt voller Gehirne vor, in der es weitaus mehr Meme gibt, als unterkommen können. Welche Meme werden mit größerer Wahrscheinlichkeit einen sicheren Unterschlupf finden und weitergegeben werden? Ich vermute, dass sich unter den erfolgreichsten Memen altruistische, kooperative und großzügige Verhaltensweisen befinden."

Explizit wird von ihr als Beispiel der erfolgreiche Steinzeitjäger erwähnt, der einen Teil seiner Beute generös anderen Familien zur Verfügung stellt. Sie behauptet, ein solches Verhalten könne leicht imitiert werden und sich auf diese Weise in der Population durchsetzen. Dabei übersieht sie, dass die scheinbar altruistische Handlung eine Demonstration der Stärke ist, denn leisten können sich solche Wohltaten nur ausgesprochen geschickte und erfolgreiche Jäger, die regelmäßig mehr erbeuten, als sie und ihre Familien verbrauchen können. Mit anderen Worten, das Verhalten demonstriert die eigene Fitness (Fitness-Indikator). Altruismus ist in diesem Fall ein sog. Handicap (siehe: Signale der Verständigung: Das Handicap-Prinzip). In der Fachliteratur fällt es unter "indirekte Gegenseitigkeit", weil mit der Handlung ein Prestigegewinn in der Gruppe verbunden ist. In der Altsteinzeit dürften Männer mit solchen Verhaltensweisen einen überdurchschnittlich hohen Fortpflanzungserfolg gehabt haben. Wie man sieht, kann man fast alles auch ganz anders und mit herkömmlichen biologischen Mitteln erklären.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standortbestimmung, 1. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Wenn es um Verhalten geht, hat es jede neue Wissenschaft schwer, sich zu etablieren. Die Soziobiologie etwa brauchte mehr als 20 Jahre, um als seriös zu gelten. Zugleich begleitet jede solche Wissenschaft der Geruch einer Ideologie. Die Anfeindungen gegen die Memetik sind dadurch sehr groß. Susan Blackmore hat sich der Herausforderung gestellt und ein Werk abgeliefert, welches noch lange für Diskussion sorgen wird. Sie hat nicht nur ihre Vorläufer berücksichtigt, sondern auch der Kritik der Gegner, deren es nicht gerade wenige gibt,gestellt. Überzeugend und flüssig legt sie dar, was unter Mem zu verstehen ist und was nicht. Sie benutzt die Meme als Erklärung für viele Phänomene, welche bisher nicht glaubwürdig genug von anderen Theorien erklärt wurden. So wird die Größe unseres Gehirns und die Sprachentstehung auf das Wirken der Meme zurückgeführt. So abenteuerlich sich das auch anhört, so plausibler wird es, im Vergleich zu anderen Theorien. Besonders gut fand ich, daß sie die Memetik nicht als Gegentheorie zur Soziobiologie und zur Evolutionspsychologie darstellt, sondern sie ergänzend dazu aufbaut. Die Theorie der Memetik reiht sich damit als 4. narzistische Kränkung des Abendlandes ein. Kopernikus warf die Erde aus dem Mittelpunkt des Universums. Darwin reihte den Menschen ins Tierreich ein. Freud nahm den Kindern die Unschuld. Blackmore nimmt dem Menschen die Vision der Selbstbestimmung.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniale Ergänzung zur Soziobiologie, 29. Mai 2001
Susan Blackmore greift eine Idee von Richard Dawkins auf, die dieser in seinem Buch "Das egoistische Gen" publiziert hatte. Es geht um die Einführung eines zweiten Replikators, der neben den Genen eine Rolle spielt. Dawkins nennt diesen Replikator Mem (ein Kunstwort, abgeleitet aus dem Altgriechischen, mit Anklängen an Gen). Ein Mem ist ein Replikator, der von Gehirn zu Gehirn springt und sich wie alle Replikatoren durch Kopiergenauigkeit mit kleinen Variationen, Dauerhaftigkeit und Konkurrenz mit anderen Replikatoren (Selektion, "survival of the fittest") auszeichnet. Meme sind Melodien, Gedanken, Moden, politische Parolen, religiöse Vorstellungen. Susan Blackmore zeigt sehr eindrucksvoll, daß die "Memetik", die Theorie der Meme, mehr ist als eine Soziobiologie. Meme und Gene können, müssen sich aber nicht parallel entwickeln.
Voraussetzung von Memen sind Gehirne mit Fähigkeit zur Imitation. Blackmore zeigt, daß eine Koevolution von Genen und Memen die gewaltige Vergrößerung des Hirnvolumens vom Australopithecus zum Homo sapiens besser erklären könnte als rein evolutionsbiologische Ansätze.
Blackmore deutet and, daß die Memetik - in Übereinstimmung mit den modernen Neurowissenschaften - es nahe legt, das Individuum bzw. das Ichbewußtsein (cogito, ergo sum nach Descartes) als Artefakt zu verstehen. Dies hätte Folgen für das christlich-abendländische Menschenbild (Begriff der Person, Menschenwürde) und seine politischen Implikationen (Embryonenforschung!).Nach meinem Eindruck ist die Memetik hervorragend geeignet, zutreffende soziologische Modelle zu entwickeln.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verlockend..., 31. Mai 2004
Von 
Stefan Schröder "Libraraptor" (Ostentrop, Sauerland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Autorin, Psychologin Susan Blackmore, hat während einer langen Krankheit, die sie ans Bett fesselte, viele Ideen zu diesem Buch entwickeln können. Zunächst verortet Blackmore ihr Buch in der aktuellen Diskussion. Dann führt sie aus, warum es nicht nur in der Biologie einen evolutionären Mechanismus geben muss, sondern auch in der Entwicklung des Geistes. Die Analogie von Genen und Memen wird nicht überstrapaziert; diese Klippe umschifft Blackmore glücklicherweise sehr gekonnt. Gekonnt sind denn auch die Beispiele angeführt, anhand derer Blackmore Beweise für ihre Thesen sucht. Warum bleiben Priester ehelos? Wieso essen einige Menschen kein Fleisch? Was ist das Geheimnis der erfolgreichen Weltreligionen? Und schließlich: gibt es so etwas wie das "Bewusste Ich" wirklich, oder ist dieses nichts anderes als ein Konstrukt der Meme, die uns zu Werkzeugen degradieren? Ein fantastisches Buch. Wenn man nicht gut aufpasst, sieht man sein Weltbild auf den Kopf gestellt.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr davon!, 6. Mai 2001
Von Ein Kunde
Es ist erstaunlich, dass angesichts der Brisanz des Themas dieses und das andere verfügbare Buch von Wegener "Memetik" keinen größeren Absatz finden. Schließlich ist es eigentlich Alltagswissen, dass sich Gedanken wie Viren verbreiten können und quasi ein Eigenleben führen. Aber es tut halt weh, wenn alte Denkmodelle aufgegeben werden müssen - und die werden in Deutschland nach wie vor von den Geisteswissenschaften bestimmt. Blackmore formuliert das breit und konsequent aus, was Dawkins angedacht hat, geht aber nicht darüber hinaus. Wegener berücksichtigt auch die Ebene mentaler Repräsentationen. Für beide gilt: Nach dem Lesen hat sich das Weltbild des Lesers nachhaltig verschoben. Die neue Weltsicht ist kälter und realitätsnäher aber zugleich auch ehrlicher. Dennoch: Die Trauer über den Verlust der Magie bleibt.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine aufsehenerregende Theorie von einer großen Gelehrten ausführlich dargestellt., 28. November 2009
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist (Taschenbuch)
Dieses Buch enthält das gesamte Rüstzeug, das nötig ist, um sich selbst mit der neuen aufsehenerregenden Theorie der Meme, an der Schnittstelle zwischen Biologie und Sozialwissenschaften, intellektuell auseinanderzusetzen.
Susan Blackmore erklärt zunächst was Meme sind, wo die Gemeinsamkeiten zu den Genen bestehen und inwieweit sie wie die Gene einen eigenen Replikator darstellen (Begriff wird im Buch ausführlich erklärt). Danach geht sie daran zu beweisen, dass die memetische Evolution sich nicht nur von der genetischen Abgekoppelt hat sondern diese, im Falle des Menschen, hinter sich "herzieht". Dieser Teil nimmt großen Platz in Anspruch, und Blackmore findet zahlreiche Beispiele dafür, dass die memetische Theorie die physiologische und verhaltensbiologische Entwicklung des Menschen besser beschreibt als die klassische, auf der Auslese der Gene basierende, "biologische" Evolutionstheorie. Das heißt z.B., dass sie die Entwicklung des vergleichsweise riesigen menschlichen Großhirns mit seiner Anpassung an die Aufnahme und Weitergabe von Memen erklärt und nicht durch den biologischen adaptiven Nutzen, den es für die Spezies mit sich bringt.
In den letzten Kapiteln des Buches wendet Blackmore nun die Memtheorie auf den Bereich des Sozialen und der Kultur an; wie haben Meme dazu beigetragen, ihren Trägern solche Vorteile zu verschaffen, dass sie (die Meme) sich wiederum besser "fortpflanzen", also ausbreiten, konnten. Im Falle der Religionen könnte dies z.B. dann der Fall sein, wenn die Religion die Menschen zu Kinderreichtum und Kindesliebe anhält, sodass bestimmte Religionen (= "Memplexe") sich besonders rasch über wenige Generationen ausbreiten.
Abschließend muss gesagt werden, dass Susan Blackmore keine besondere Stilistin ist und sich stets bemüht, ihre Theorie von der abgekoppelten Mem-Evolution wirklich mit möglichst vielen Beispielen zu untermauern. Dadurch kommt es zu einigen Wiederholungen, die ein wenig Durchhaltevermögen erfordern. Andererseits erkennt man aber während der Lektüre die große Tragweite der Memetik und ist beeindruckt von der fundierten Sachkenntnis und der weiten intellektuellen Perspektive der Autorin, die von der Soziobiologie bis zum Zen-Buddhismus reicht.
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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Bogen wurde überspannt, 7. Juli 2004
Von Ein Kunde
Ich habe dieses Buch erwartungsvoll zu lesen begonnen, wurde aber ziemlich enttäuscht: Das Buch liest sich - rein sprachlich gesehen - recht leicht, andererseits recht schleppend, da sich doch sehr vieles wiederholt. Den Inhalt des Buches hätte man mit Sicherheit um einiges komprimieren können. Man erfährt meiner Meinung nach nicht sehr viel Neues in dem Buch, wenn man die Grundidee der Mem-Theorie einmal verstanden hat - und das lässt sich recht schnell wiedergeben: Blackmore meint mit Dawkins, dass neben der genetischen Evolution auch eine memetische Evolution stattfindet. Meme sind z.B. Ideen, Informationen, Erfindungen usw., die nach den Gesetzen der Evolution (in Kurzform: Der Beste gewinnt) in der Kultur um ihren Erfolg streiten und durch Imitation weitergegeben werden. Die erfolgreichsten Meme setzen sich schließlich durch.
Etwa die Hälfte des Buches wird dann nach der recht ausführlichen Darstellung der Memtheorie von Beispielen gefüllt. Hier wird der Bogen jedoch meiner Meinung nach oft überspannt, indem Blackmore die Memtheorie einfach auf zu viele Bereiche ausdehnt. Zudem verwendet sie ein missverständliches Vokabular, dass die Meme als eigenständig handelnd darstellt (was sie eigentlich vermeiden will). Immerhin war ihr Artikel über Religionen als "Memplexe" und über ihre Forschungsgebiete UFOs usw. noch ganz interessant war (hatte jedoch mit dem eigentlichen Thema Memtheorie auch nicht mehr so viel zu tun).
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschliche Gesellschaft aus Sicht der Meme, 10. November 2011
Von 
karin1910 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist (Taschenbuch)
Der Begriff "Mem" wurde erstmals von Richard Dawkins in seinem Buch "Das egoistische Gen" aufgeworfen, wo er aber eigentlich nur zur Abrundung eines Werkes dienen sollte, dessen Hauptthema etwas anderes war.
Susan Blackmore macht sich hier nun daran, diese Idee zu einer richtigen Theorie der menschlichen Kultur auszubauen.

Ihrer Meinung nach ist die wesentliche Eigenschaft, die den Menschen von anderen Tieren unterschiedet, unsere Fähigkeit zur Imitation, also die Möglichkeit, andere nachzuahmen. So ist neben den altbekannten Genen ein zweiter Replikator entstanden - das Mem.
Blackmore vertritt nun beispielsweise die These, dass sich das große Gehirn des Menschen und die menschliche Sprache in erster Linie deshalb entwickelt haben, weil sie der Verbreitung von Memen dienlich sind. Auch diverse andere Aspekte des menschlichen Lebens - wie die Trennung von Sex und Fortpflanzung oder der Altruismus - sollen mit Hilfe der Meme erklärt werden. Letztlich kommt sie sogar zu dem Schluss, dass es so etwas wie unser "Selbst" oder ein unabhängiges Bewusstsein gar nicht gibt, sondern dieses uns in Wirklichkeit praktisch von den Memen vorgespielt wird.

Es gelingt der Autorin dabei stets, auch komplizierte Gedankengänge in einer klaren Sprache zu schildern und so leicht nachvollziehbar zu machen. Das Buch ist keine trockene Wissenschaft, sondern sehr lebendig geschrieben und mit einigen Anekdoten aus dem Leben der Autorin gewürzt.

Auch wenn ich den Eindruck hatte, dass Frau Blackmore sich durch ihre Begeisterung für die Meme bisweilen zu sehr gewagten Spekulationen hinreißen lässt und mit diesem Konzept etwas zu viel erklären will, halte ich ihr Buch dennoch für sehr gelungen, da es eine interessante neue Perspektive auf den Menschen und seine Kultur eröffnet. Weiters werden eine Reihe von Fragen (etwa ob es einen freien Willen gibt oder warum viele Leute an Entführungen durch Außerirdische oder ein Leben nach dem Tod glauben) unter einem neuen Blickwinkel betrachtet und interessante Antworten und Lösungsansätze angeboten.
Auch wenn sich vielleicht nicht alle in diesem Buch enthaltenen Ideen als richtig herausstellen werden, ist es sehr spannend, einmal in einer ungewöhnlicheren Richtung zu denken.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen interessant aber nicht gänzlich überzeugend, 11. Mai 2004
Meine Besprechung aus der Zeitschrift Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken Heft 1/2004

Alle Lebewesen auf der Erde sind Wunderwerke der Evolution. Wir Menschen verfügen zudem über etwas, das uns von allen anderen Lebensformen unterscheidet: Wir verfügen über Schrift und Sprache, haben Kunst und Musik entwickelt, Religionen und Techniken konstruiert und jagen verschiedenen

Trends und Ideologien hinterher. Doch wozu dienen diese Errungenschaften? Und warum haben sich einige Einstellungen, Verhaltensweisen, Traditionen und Erfindungen in der menschlichen Kultur durchgesetzt und andere nicht? Die britische Psychologin Susan Blackmore versucht diese Entwicklungen

durch die so genannte Memetik zu erklären. Sie argumentiert, dass die Kultur der Menschen nicht im Dienste der Gen-Evolution steht, sondern unabhängig von ihr ist bzw. in einigen Aspekten mit ihr koevoluiert.

Die kulturelle Einheit, genannt 'Mem', ist genauso wie ein Gen eine sich selbst replizierende Einheit, ein Replikator, und würde daher ebenfalls einem evolutionären Prozess unterliegen, da die eigentliche Einheit der

natürlichen Selektion jede Art von Replikator ist. Blackmore schreibt dazu (S. 47): 'Die Evolutionstheorie beschreibt, wie durch den Wettbewerb zwischen Replikatoren Gestaltung geschaffen wird. Gene sind ein Beispiel

für Replikatoren und Meme ein anderes. Die allgemeine Theorie der Evolution muss sich auf beide anwenden lassen, doch im Detail können sich die Arbeitsweisen beider Replikatortypen stark unterscheiden.'

Doch was genau sind Meme? Meme sind z. B. Geschichten (Wandersagen), die erzählt werden, oder Verhaltenselemente (Beten, Tanzen), die imitiert werden können. Das ist ziemlich allgemein und tatsächlich kann

selbst Blackmore nicht genau sagen, was ein Mem ist. Im Gegensatz zu ihren Kritikern sieht sie darin jedoch kein prinzipielles Problem. Ihrer Meinung nach ist die Definition aufgrund der hohen Komplexität der Kultur auch schwierig. Viele Beschreibungen der Memetik stellen Analogien aus der Genetik dar. Die Nähe zur Genetik hat jedoch zu viel Verwirrung und zu Widerständen gegenüber der Memetik geführt. So wird ihr oft ein Sozialdarwinismus light' vorgeworfen. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass der Memetik zufolge die kulturelle Entwicklung nicht im Dienste der Fitnesssteigerung der Individuen und somit im Dienste der Gene stehen. Ein

Hauptunterschied zwischen kultureller und genetischer Evolution besteht darin, dass Meme nicht nur von Eltern an Kinder weitergegeben werden können, sondern jeder mit jedem Meme austauschen kann. Dadurch

ist die kulturelle Evolution offener für Veränderungen und auch viel schneller als die genetische. Blackmore geht auch der Frage nach,

welchen Vorteil unser Sprachvermögen hat. Die bisherigen Erklärungen für die Evolution der menschlichen Sprachfähigkeit betonen vor allem den Nutzen für die Gene. Sprache hatte demnach einen Selektionsvorteil,

insofern, als sich diejenigen erfolgreicher behaupten konnten, die über diese Fähigkeit verfügten. Auch die Ursache für die ungewöhnliche

Größe unseres Gehirns wird von Blackmore diskutiert. Niemand weiß bis heute

genau, warum unser Gehirn im Vergleich zu anderen Säugern mit ähnlicher Körpergröße ' trotz der damit verbundenen biologischen Nachteile ' so groß ist. Zum einen hat das Gehirn einen großen Energieverbrauch, zum anderen macht es die Geburt gefährlicher. Blackmore meint, diese Entwicklung

sei rein biologisch nicht plausibel zu erklären, und vermutet, dass es die Meme waren, die größere Gehirne gefördert haben, ebenso wie die komplexe Sprachentwicklung der Menschen. Die zunächst imitierten Meme (welche Pflanzen isst mein Nachbar, wie fange ich ein Tier in der Gruppe) waren auch aus gen-evolutionärer Sicht nützlich und förderten somit diejenigen, die über die Fähigkeit verfügten, Meme besser zu beherbergen. Zunehmend wurde es demnach wichtiger, ein guter Imitator zu sein und die richtigen Personen und Dinge nachzuahmen. Jedenfalls wurden von einem gewissen Punkt an Techniken, Ideen und Praktiken weitergegeben, auch wenn es aus gen-evolutionärer Sicht keinen Nutzen mehr gab. Wahrscheinlich waren es zu Anfang nur geringe Unterschiede zwischen den Gehirnen früherer Menschen

und anderer Hominiden. Mit der Zeit entwickelten sich die Unterschiede deutlich heraus und der Mensch besetzte mehr und mehr die kognitive Nische. Von einem gewissen Zeitpunkt an verfügte er über komplexe kognitive Fähigkeiten (wie z. B. Antizipation künftiger Bedürfniszustände oder vorausschauendes Planen) und schlussendlich über all das, was wir heute unter Kultur verstehen. In weiteren Kapiteln widmet sich Blackmore

Themen wie Sex in der modernen Welt, dem Altruismustrick, Memen des New Age, Religionen als Memplexe (d. h. Komplexe von Memen), dem Internet u. v. m. Sehr spannend ist das Kapitel 'Was bin ich?' zu lesen. Viele Menschen gehen davon aus, dass wir eine Seele haben, unser wahres inneres Selbst, das mehr oder weniger vom Körper unabhängig sei. Diesen Dualismus hinterfragt Blackmore und stellt die berechtigte Frage, wie denn die Schnittstelle für diese beiden Teile ausschauen soll. Das Selbst ist schwer zu fassen, Erinnerungen und Persönlichkeitseigenschaften sind nicht losgelöst vom Gehirn zu sehen und das Selbst kann zum Teil als soziale Konstruktion verstanden werden: Wir beschreiben uns als Lehrer, Vater

usw. und nehmen Aspekte dieser Rollen in unser Selbstbild auf. Jedenfalls gibt es keine Art von Befehlszentrum, in dem unser Selbst residiert: keinen Ort, an dem alle Eingangssignale zusammenlaufen und anschließend alle Befehle gegeben werden. Blackmore kommt zu dem Ergebnis, dass unser Selbst nur schwer zu fassen ist und als eigenständige Entität eine Illusion ist. Doch welche Funktion hat das Selbst? Es nimmt nicht wunder, dass Blackmore das Selbst als Ansammlung diverser Meme betrachtet. Das Selbst beschützt die zahlreichen Meme. Das Mem 'Iss einen Joghurt' ist weniger erfolgreich

als das Mem 'Ich mag Joghurts'. Dazu Blackmore (S. 367): 'Es gibt ein Gehirn, das Wissen über Astrologie und die Neigung speichern kann, darüber zu sprechen, aber es gibt nicht zusätzlich dazu ein Selbst, das diese

Überzeugung besitzt. Es gibt ein biologisches Wesen, das jeden Tag Joghurt isst, aber es gibt da drinnen kein zusätzliches Selbst, das für sein Leben gern Joghurt isst.' Sie kommt zum dem Schluss, das wir alle ein Haufen von Memen, so genannte Memplexe oder ' etwas technokratischer formuliert '

'Mem-Maschinen' sind. Das Buch ist verständlich geschrieben. Trotzdem bleibt nach der Lektüre ein etwas unangenehmer Nachgeschmack. Blackmores

Memetik ist konsequent zu Ende gedacht äußerst pessimistisch. Wir haben weder eine vom Körper unabhängige Seele noch einen freien Willen, sondern sind eine riesige Ansammlung von Memen, deren geschicktester Zug es ist, uns vorzumachen, dass wir ein Selbst haben und unsere Entscheidungen frei

treffen. Es ist verständlich, dass solch eine omnipotente Theorie, die so stark an zentralen Fragestellungen der Menschheit herantritt, sich der interdisziplinären Kritik stellen muss. Auch Blackmore gelingt es nicht, den Leser davon zu überzeugen, dass die Memetik notwendig ist, um Kultur zu erklären. Es entsteht der begründete Verdacht, dass hier alter Wein in neue Schläuche abgefüllt wird. Die Kulturwissenschaften, die Soziologie

und die Psychologie wissen schon lange, dass die Kultur nicht im Dienste der Verbreitung unserer Gene steht. Was erklärt die Memetik nun Neues? Dass etwa aus evolutionärer Sicht unsere großen Gehirne höchst unwahrscheinlich

sind und daher die Memetik als Erklärung herhalten muss, ist nicht wirklich

zwingend, denn es ist ja gerade das Beeindruckende am dem Evolutionsgeschehen,dass es auch scheinbar höchst Unwahrscheinliches hervorbringt. Hinzu kommt, dass sich die Memetik als 'New Science'

versteht und die bis dato gewonnen Erkenntnisse der Anthropologie, Soziologie oder Psychologie nur unzureichend reflektiert. Doch Blackmore versteht ihr Buch als Anstoß zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchungder Memetik, die sicherlich zahlreiche Veränderungen als System nach sich ziehen wird. Das Buch macht neugierig auf mehr und sorgt für Diskussionsstoff. Sollte es Meme doch geben, dann wäre die Memetik zumindest ein erfolgreiches Beispiel dafür.
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Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist
Die Macht der Meme. Oder die Evolution von Kultur und Geist von Susan Blackmore (Taschenbuch - 22. April 2010)
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