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54 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert trotz kleiner Schwaechen
"Man wird niemals einen Goldfisch im Walzertakt tanzen sehen, weil es nicht die Toene eines Walzers, sondern die Beziehungen zwischen diesen Toenen sind, die einen Koerper tanzen lassen. Diese Beziehungen - nicht zu erfassen, der Beobachtung nicht zugaenglich, schwierig zu beschreiben und zu klassifizieren - sind die /eigentliche Musik/, nicht die Schwingungen...
Am 4. Oktober 2001 veröffentlicht

versus
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wohltemperiertes Gehirn
Ganz nettes Buch, viele interessante Details - egal, ob man allen vertretenen Thesen wirklich zustimmen mag. Manche sind nicht besonders gut belegt, sondern mehr einfach so dahergesagt. Mich hat besonders gestört, dass viele, wirklich allgemein bekannte Dinge fast unertraäglich lange und of wiederholt wurden. Lieferung durch Amazon ging - wie gewohnt - schnell...
Veröffentlicht am 1. Juli 2009 von Horst D. Schulz


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54 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert trotz kleiner Schwaechen, 4. Oktober 2001
Von Ein Kunde
"Man wird niemals einen Goldfisch im Walzertakt tanzen sehen, weil es nicht die Toene eines Walzers, sondern die Beziehungen zwischen diesen Toenen sind, die einen Koerper tanzen lassen. Diese Beziehungen - nicht zu erfassen, der Beobachtung nicht zugaenglich, schwierig zu beschreiben und zu klassifizieren - sind die /eigentliche Musik/, nicht die Schwingungen der Luftmolekuele, die von Musikinstrumenten erzeugt werden."
Wem dieser Abschnitt zu abstrakt erscheint, der kann an dieser Stelle aufhoeren zu lesen. Wer jedoch neugierig geworden ist, was Robert Jourdain ueber die Musik und ihre Wahrnehmung zu sagen hat, dem empfehle ich sein Buch "Das wohltemperierte Gehirn: Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt." Jourdain, der Musiker und auch Wissenschaftsjournalist ist, stellt in seinem Buch anschaulich dar, wie aus physikalischen Klang-Ereignissen im menschlichen Kopf (erst) Musik entsteht.
Er beginnt mit dem Phaenomen Schall und arbeitet sich systematisch ueber Ton, Melodie, Harmonie und Rhythmus zur Komposition und Auffuehrung vor. Dabei muss auch schon einmal der Vergleich mit einem Pantoffeltierchen oder dem bereits erwaehnte Goldfisch herhalten, um unser menschliches Musik-Erleben zu verdeutlichen. Aber auch die Gegenueberstellung verschiedener musikalischer Kulturen - von der Musik der Kaluli in Neu-Guinea bis hin zu einer Frankfurter Auffuehrung des zeitgenoessischen Komponisten John Cage - wirft manches Mal ein anderes Licht auf das, was uns als "normal" erscheint.
Muehelos laesst Jourdain dabei Ergebnisse der Neurowissenschaften und der Psychologie einfliessen. Fachbegriffe dieser Disziplinen werden jedoch immer alltagstauglich erklaert und aufeinander aufbauend eingefuehrt, so dass das Buch interessant und teilweise spannend zu lesen ist.
Ein wenig wird das Vergnuegen dadurch getruebt, dass die Uebersetzung an ein paar Stellen sprachliche Eleganz vermissen laesst, manchmal sogar Raum zum Raetseln laesst. Ausserdem erscheinen gewisse Aussagen - vor allem aus dem Bereich der Entwicklungs- und Sozialpsychologie - angreifbar bzw. nicht hinreichend diskutiert. Der Autor sieht sein Buch jedoch nicht als wissenschaftliches Kompendium: "In den folgenden zehn Kapiteln gehen wir auf eine Entdeckungsreise, die uns von den Schwingungen der Luftmolekuele zu den Freudenspruengen des Geistes fuehrt. Unsere Reise beginnt ganz ruhig - eigentlich lautlos - in den gleichsam unendlichen Urzeitmeeren und endet in den Tiefen moderner Philosophie; was dazwischen liegt, ist zweifellos ein faszinierendes Feld."
Diese Entdeckungsreise kann man tatsaechlich mit Jourdain gemeinsam unternehmen, und deswegen empfehle ich dieses Buch jedem musikinteressierten Leser, egal ob Profi oder Laie. Kenntnis musikalischer Grundbegriffe sollte allerdings vorhanden sein, weil sonst das Lesen muehsam werden koennte. In guter wissenschaftlicher Tradition steht die Aufmachung mit Glossar, Endnoten, Literaturverzeichnis, Sach- und Namensindex. Ein zusaetzliches Bonbon ist der guenstige Preis.
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Volltreffer! 7 Sterne!, 1. Dezember 2003
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
Dies ist ein ganz besonders schönes, gutes, vielschichtiges und amüsantes Wissenschaftsbuch. Es öffnete mir wie ein magischer goldener Schlüssel neue Tore zu Erkenntnissen auf dem Gebiet der Musik. Außerdem ist es klar im Aufbau, und ausgezeichnet recherchiert. Ich habe jede einzelne Seite, jedes Kapitel und das Buch als Ganzes genossen!
Robert Jourdain verflicht Anekdoten aus dem Leben von Musikern mit neuesten neurobiologischen Erkenntnissen und umfangreichen Wissen aus Klangforschung und Instrumentenbau, dem Aufbau von Melodien, der Rhythmik und Harmonielehre, der Musikgeschichte sowie der Psychologie zu einem wunderbar leicht lesbaren Werk, das dabei anspruchsvoll und tiefgängig ist.
Herrlich originell sind Jourdains Kapiteleinführungen, die die Musik aus den ungewöhnlichsten Perspektiven beschreiben und neue amüsante Vergleiche ziehen: Da spielen Außerirdische die Goldschallplatte der Voyager II ab, man entdeckt das Trompetenorgan eines Dinosauriers, und eine Aufführung klassischer abendländischer Musik im Konzertsaal wird direkt verglichen mit der Musik bei einem afrikanischen Dorffest... ach, lesen Sie lieber das Buch, anstatt meine Lobeshymne; denn Jourdain kann das alles viel besser schreiben und beschreiben als ich! Folgen Sie ihm bei der Analyse von Henry Mancinis berühmter Melodie " The Pink Panther" in die aufregenden Geheimnisse der Musik: wie sie entstanden ist, wie sie gemacht wird, und wie wir sie erleben!
Man schaue sich nur einmal die Überschriften der zehn einzelnen Kapitel an, wie sie aufeinander aufbauen:
Vom Schall ...
... zum Ton ...
... zur Melodie ...
... zur Harmonie ...
... zum Rhythmus ...
... zur Komposition ...
... zur Aufführung ...
... zum Hören ...
... zum Verstehen ...
... zur Ekstase
Es versteht sich, dass dieses Buch am Ende ein Glossar, Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis sowie Sach- und Namensindices enthält und dadurch hohen Nutzwert hat.
"Das wohltemperierte Gehirn" ist eine Bereicherung der Hausbibliothek und ein wunderbares Geschenk für alle, die Musik mögen oder auch ausüben, und sie noch besser verstehen möchten - Querdenker werden es lieben.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Darstellung der Neurobiologie der Musik, 31. Januar 2004
Von 
Gernot Ernst (Kongsberg, Norwegen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Jourdain schreibt ueber die Wirkung von Musik auf das Gehirn unter Beruecksichtigung eines breiten Hintergrundwissens. Er zitiert interessante Untersuchungen, erlæutert mit musikhistorischen Beispielen und musikwissenschaftlichen Hintergruenden und betrachtet das Thema auch im Hinblick zu anderen Kulturen.
Mein Hintergrund ist der eines neurobiologisch vorgebildeten Lesers. Fuer mich war Jourdains Buch sehr interessant und bot manchen neuen Aspekt. Neurobiologisch und kognitionspsychologisch ist das Buch auf aktuellen Stand, der Auor vermeidet es auch, einseitig zu argumentieren. Das Buch ist durchaus anspruchsvoll, selbst wenn es leicht geschrieben ist, doch dass liegt am dem komplexen Thema, nicht am Autor. Ich kann allerdings nur schlecht beurteilen, wie das Buch auf einen musikalisch gebildeten, aber neurobiologischen Laien wirkt.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fachwissen pur!, 21. Februar 2003
Wer sich ernsthaft für Musik interessiert, dem dürfen auch nicht die biologischen Grundkenntnisse und was dazu gehört fehlen!
Dieses Buch überhäuft einen regelrecht mit Informationen. Dabei ist es gut gegliedert, beginnend mit der urzeitlichen Entwicklung des Hörsinnes, über Verarbeitung der Musikstücke im Gehirn, bis hin zur kompletten Komposition.
Für den Musiker fällt selten Nützliches direkt ab. Jedoch hilft dieses Buch die Faszination Musik besser zu verstehen!
Mit Hilfe dieser Informationsfülle, lassen sich wesentlich bewusster Klänge und Techniken in ein Musikstück einarbeiten.
Aber nicht nur Musiker, sondern auch leidenschaftliche Musikgenießer können mit diesem Buch ihren Horizont stark erweitern!
Mir fällt es schwer viele Seiten nacheinander zu lesen, weil die Informationsflut einen überwältigt. So lese ich ab und zu immer mal wieder kurze Abschnitte und habe wirklich eine wahre Freude daran!
Wer wie ich erkannt hat, dass Musik viel mehr ist als nur ein Zeitvertreib ist, der sollte sich dieses Werk unbedingt zulegen!
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr lesenswertes Buch, 23. Juli 2003
Von 
Ingrid Biegel-Kraus (Altdorf bei Nürnberg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Buch, das viele offene Fragen beantwortet und viele Details erklärt. Ich werde dieses Buch sicher öfter als einmal lesen und bin über viele Erklärungen dankbar. Man kennt ja viele Dinge aus der Erfahrung als Musikpädagoge, aber so manches wurde erst in den letzten Jahren durch die Fortschritte in der Gehirnforschung belegt. Die Zusammenhänge werden klarer. Für jeden, nicht ausschließlich für ausführende Musiker eine tolle Lektüre. Ich habe dieses Buch bereits an interessierte Schüler verschenkt, die genau so begeistert davon sind wie ich.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musik ist toll, und jetzt wissen wir warum!, 6. Februar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist anspruchsvoll und amüsant gleichermaßen, lehrreich und unterhaltsam, wirklich klasse!

Hier ist ein Komponist und Journalist auf die Suche nach der Wirkung von Musik im Kopf gegangen und erklärt absolut verständlich und nachvollziehbar, was der Unterschied ist zwischen ein paar Schallwellen und dem Erlebnis Musik. Selbst als Musiker erfährt man so viel Neues und Ungeahntes, dass man Musik aus einer anderen Perspektive wahrnimmt und viel bewusster hört.

Es gibt auch viel Information zur Musik allgemein, die man irgendwann in der Schule abgehakt hat, hier aber in zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext eingebunden sind und sich darum viel anschaulicher präsentieren. Man erfährt darum nicht nur etwas über Musik, Neurophysiologie und Physik, sondern in aller erster Linie über Menschen, darum ist dieses Buch so gut.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen interessant & kontrovers, 3. Januar 2014
Ich habe mir das Buch vor Jahren angeschafft und bin beim ersten Lesen irgendwann nicht mehr weiter gekommen, habe erst jetzt einen zweiten Anlauf geschafft und bin mit der Ausbeute zufrieden. Das erste Mal war die Flut der Informationen wohl irgendwann zu groß. Diesmal bin ich portionierter drangegangen und hatte auch schon etwas mehr neurowissenschaftliche Lektüre hinter mir, was sich als durchaus nützlich erweist. Von dieser Erfahrung her kann ich mich weder der Fraktion der Kommentare anschließen, die diese Lektüre supereinfach, noch denen, die sie völlig unmöglich finden. Für mich hat sich die Lektüre gelohnt. Ob das für andere auch der Fall ist, hängt allerdings stark von der Ausgangslage ab:
Wer sich mit den neurobiologischen & physikalischen Grundlagen noch nicht so auskennt, ist vielleicht bei Manfred Spitzer besser aufgehoben, der prinzipiell sehr gründlich an seine Sachen rangeht, sehr publikumstauglich schreibt und in der Regel einen guten Überblick über die Forschungslandschaft der letzten Jahrzehnte gibt.
Wer einen einfachen, alltagsbezogenen Einstieg sucht und erst einmal gar nicht mit Unmengen an Daten aus unterschiedlichen Bereichen bombadiert werden will, sollte eher mit dem 'genetischen Notenschlüssel' von Christian Lehmann anfangen.
Wer eher die neuropsychologische Seite beleuchten will und auf den ganzen musikgeschichtlichen und physikalischen Kram liebend gerne verzichtet, ist bei Oliver Sacks 'Der einarmige Pianist' an der richtigen Adresse.
Und wer es ganz ausführlich liebt, aber keinen Nerv für den ewigen Lobrpeis harmonischer Komplexität und klassisch-romantischer Musikgenies hat, sondern es lieber poppiger, peppiger, moderner mag, kann einen ähnlich ausführlichen Rundumschlag bei Daniel Levintin 'Der Musik-Instinkt' finden.
Dennoch finde ich Robert Jourdains 'Wohltemperiertes Gehirn neben all den anderen Alternativen lesenswert. Jedenfalls bekomme ich eine Menge Informationen und Interpretationen geliefert, die ich durchaus brauchbar finde.

Robert Jourdain, so erfahre ich im Buch, ist Pianist, Komponist, Wissenschaftler und Wisseschaftsjournalist. Leider wird nicht gesagt, welcher Wissenschaft er angehört, ob es sich um die nahe liegende Musikwissenschaft, die im Text oft erwähnte Musikethnologie, Experimentalpsychologie oder gar experimentelle Neurowissenschaft handelt, weiß ich nicht.

Es gibt hier unter den Rezensionen und auch im Internet kritische Stimmen, die vor allem den mangelnden Respekt gegenüber so genannter U-Musik wie auch gegenüber außereuropäischen Musik-Kulturen anprangern. Auch Widerlegungen von Einzelstellen finden sich. Ganz so einfach liegt die Sache für mich nicht:
Einerseits geht auch mir die Voreingenommenheit für die klassische, europäische E-Musik, die den Blick immer wieder einschränkt, auf den Geist. Auch die Fixierung auf die gleichstufige Stimmung, den Mangel an Verständnis für Barockmusik und andere improvisatorisch geprägte Richtungen - von Jazz, Pop & Rock ganz zu schweigen. Auch dass temperierte Stimmung kurzerhand mit gleichstufiger Stimmung gleichgesetzt wird - und das fortwährend - ist unerfreulich.

Andererseits finde ich gerade in diesem Buch erhellende Beschreibungen von außereuropäischen Musikkulturen, der Funktionsweise von Musik etwa bei den Ureinwohnern Australiens, in Afrika, Indonesien oder Neu-Guinea, die ich sehr hilfreich und nützlich finde. Und ausgerechnet der entschiedene Klassik-Fan Jourdain benutzt das Thema des'Rosaroten Panthers' von Mancini, um alle erdenklichen Aspekte der Kompositionstechnik zu demonstrieren. Auch die Musikgeschichte jenseits der hochgelobten Klassiker findet einigen Raum. Wer sich hier schon gut auskennt, wird wohl manche Lücke und auch den einen oder anderen Fehler finden. Wer nicht, findet einen ersten Überblick und anregende Gedanken.

Auf der einen Seite steht das - oft stereotype - Bekenntnis zur westlich-klassischen Musiktradition - zusammen mit Genie-Kult und Abwertung der angeblich 2. oder 3. Garnitur unter den Komponisten: Saint-Saens, Mendelsohn etwa. Auf der anderen Seite schildert Jourdain die Faszination für indonesische Gamelan-Musik, die Debussy mit fremden Tonleitern experimentieren lässt, die polyrhythmische Musik eines afrikanischen Stammes im Vergleich zur rhythmisch eher armen europäischen Klassik. Und er vermutet, dass die Erneuerung der westlichen Musik vielleicht nicht von einem Europäer oder Amerikaner kommt, der sich von indonesischer oder mongolischer Musik inspirieren lässt, sondern vielleicht von einem Indonesier, der aus seiner Tradition heraus die westliche E-Musik bereichert.
Zwar finde ich den einschränkenden Klassik-Begriff unglücklich und unerfreulich, habe aber andererseits meine Freude an Überlegungen und Schlussfolgerungen, die diese ausgetretene Bahn verlassen - und davon gibt es viele. Nützlich finde ich etwa die Überlegungen zur organisierenden Funktion von Rhythmus und Metrum für jede musikalische Interpretation, auch wenn mich die Begriffsbestimmung von Rhythmus, Metrum und Phrasierung nicht ganz glücklich macht.
Gelungen ist für mich auch der Abschnitt über die bewegungstechnische Seite von musikalischer Interpretation, und vor allem die Idee, dass es nicht einfach motorische Befehle und deren möglichst perfekte Umsetzung sind, die einen Menschen zu einem guten Musiker machen, sondern nur eine komplexe Organisation aus motorischen Befehlen und sensorischen Feedback-Schleifen. Speziell bezogen auf das Klavier hat Jourdain hier en passant einiges zu bieten.
---- Die Überlegung, dass jede feinabgestimmte Bewegung, egal, ob es sich um Sprechen, um Musik Machen oder handwerkliche Kustfertigkeit handelt, nur über komplexe Rückkopplungsschleifen funktioniert, dass es sich also letztlich um eine Frage der Wahrnehmung, nicht des Willens handelt, geht, so weit ich weiß, auf den russischen Mathematiker, Bewegungs- und Neurowissenschaftler Nicolai Bernstein zurück, der groß angelegte Forschungen zu Bewegungsabläufen bei Sportlern, Arbeitern - und Musikern - angestellt und seine Standardwerke bereits in den 30-er und 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts veröffentlicht hat. Seine Vorstellung wurde dann von verschiedenen anderen Wissenschaftlern aufgegriffen - u.a. den Vertretern der Biophysik und Biomechanik, aber auch von Neurowissenschaftlern wie Alexander Luria. Diese Sicht nun von einem gut informierten praktizierenden Musiker in einfacher Form angewandt zu finden, finde ich durchaus nützlich und lesenswert. -----
Ein anderer Aspekt (von vielen), den ich hier herausgreifen will, ist die Tatsache, dass Frauen- und Knabenstimmen bei gleicher Tonhöhe unterschiedlich hoch klingen und dass - so Jourdain - dafür nicht primär die kürzeren und kleineren Stimmbänder der Knaben verantwortlich sind, sondern deren kleinere (Resonanz)-körper. Instrumente mit kleinem Resonanzkörper haben generell einen hohen Klang, weil nur die hohen Tonlagen verstärkt werden - Beispiel: Geige im Verhältnis etwa zum Cello.
Natürlich würde ich mir wünschen, dass der Autor dergleichen nicht nur beiläufig erwähnt, sondern auch weiter - und vielleicht auch zu Ende - denkt. Etwa, dass die menschliche Stimme letztlich eine Kombination aus einem Saiten-, einem Blasinstrument und einem hochkomplexen Bewegungsapparat ist, dass der Resonanzraum nicht feststeht wie bei der Geige, dass er aufgeteilt ist, unterschiedlich bespielt werden kann, dass ein komplexer Muskelapparat 1000 Möglichkeiten parat hat, einen einzelnen Klang zu zerlegen und zu modulieren ... etc. (Was ist eigentlich Stimmsitz? Wie organisiert die Position der Stimmprojektion Reseonanz- und Artikalutionsräume? ... Das Buch, das diesen Fragen neuropsychologisch-biomechanisch und pragmatisch nachgeht, habe ich noch nicht gefunden.)
Aber ich denke, man kann nicht immer alles haben. Jourdain hat sich vorgenommen, eine möglichst eingängige und umfassende Zusammenschau von Musikgeschichte, Musikethnologie, physikalischen Grundlagen der Musik, heutiger Musikpraxis mit Experimental-, Gestalt-, Entwicklungs-, Kognitions- & Neuropsychologischen Standarts zu verknüpfen und zu interpretieren. Das ist verdammt viel. Und jedem steht frei, dort, wo der Autor aufhört, Daten zu liefern, selbst weiter zu fragen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierender Einblick in die Sensation der Musik., 24. Mai 2013
Faszinierender Einblick in die Sensation der Musik. Trotz wissenschaftlichem Fundament sehr gut verständlich geschrieben und angenehm zum Lesen. Empfehlenswerte Hirnnahrung.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wohltemperiertes Gehirn, 1. Juli 2009
Von 
Horst D. Schulz (Warnemünde, MV) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ganz nettes Buch, viele interessante Details - egal, ob man allen vertretenen Thesen wirklich zustimmen mag. Manche sind nicht besonders gut belegt, sondern mehr einfach so dahergesagt. Mich hat besonders gestört, dass viele, wirklich allgemein bekannte Dinge fast unertraäglich lange und of wiederholt wurden. Lieferung durch Amazon ging - wie gewohnt - schnell und problemlos.
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21 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kulturfaschismus & Wissenschaft, 14. Februar 2011
Vielerorts wurde der 'sloppy' Stil des Verfassers gerühmt und anfangs gestaltet sich das Buch auch als überaus informative, nichts voraussetzende und flüssig zu lesende Gutenachtlektüre. Allerdings beginnt der Autor dann relativ schnell seine persönlichen Vorlieben (also Mozart, Brahms und alles andere leicht verdauliche sowie kulturell approbierte) über alles andere zu setzen, Bartok zu schmähen und Pop/Rockmusik sowieso. Nun, ich war geneigt ihm diese zuweilen auch ganz lustigen Ausrutscher zu vergeben, aber wenn der Autor dann mit der Überlegenheit der westlichen Musik gegenüber aller anderen (also z.B. indischen od. japanischen) anfängt und gleichzeitig sich als der Musik die er schmäht nicht im mindesten kundig erweist, muss es aus sein mit der Nachsicht. Wenn Sie also gerne objektive Wissenschaft mögen und nicht an die Überlegenheit der weißen Rasse und europäischen Kultur glauben, dann:
UNTERSTÜTZEN SIE NICHT DIESEN KULTURFASCHISTEN & MACHEN SIE EINEN BOGEN UM SEINE BÜCHER.
Eine angenehmere Welt wird es Ihnen danken.
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Das wohltemperierte Gehirn: Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt
Das wohltemperierte Gehirn: Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt von Robert Jourdain (Gebundene Ausgabe - 22. September 1998)
Gebraucht & neu ab: EUR 13,79
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