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Kundenrezensionen

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am 1. April 2011
Vom Atmen unter Wasser - besser könnte ein Titel die Geschichte nicht treffen.

Um unter Wasser atmen zu können benötigt man Hilfe in Form technischer Gerätschaften. Um mit dem Tod eines Kindes fertig zu werden bedarf es auch großer Hilfe; aber bevor man diese Hilfe annimmt, ehe man zu ersticken droht und das Leben wieder einigermaßen erträglich ist, geht man durch alle Untiefen von denen man vorher keine Ahnung hatte.

Sarah Bergmann wurde mit 16 Jahren auf dem Nachhauseweg von einer Party ermordet. Zurück bleiben Simon der Bruder und die Eltern.
Simon wohnt nicht mehr bei seinen Eltern und wird vom Vater, nach einem Selbstmordversuch der Mutter, gebeten wieder nach Hause zu kommen. Er, der Vater, würde das nicht mehr alleine schaffen und man kann doch die Mutter jetzt nicht alleine lassen. Einer muss auf sie aufpassen. Darf ein Vater seinen Sohn bitten dieses Paket zu schultern? Darf ein Mann seinem Sohn die Aufgabe übertragen auf seine Ehefrau aufzupassen?
Was kann ein 20jähriger ausrichten, den die Mutter garnicht sehen will.....

Ein Haus voller Trauer, Schmerz und unterdrückter Wut ("Ich will mich aber nicht mehr zusammenreißen"). Es gibt kein Patentrezept mit so einem schrecklichen Ereignis umzugehen.
Bei den jeweiligen Versuchen der Familienmitglieder mit dem Geschehen fertig zu werden kommt es unweigerlich zu weiteren Verletzungen. Man redet nicht miteinander, man kennt die Beweggründe nicht.....

Sehr eindringlich und schnörkellos erzählt die Autorin die Geschichte über eine Familie der das Schlimmste widerfährt: Die Ermordung des eigenen Kindes. (dk)
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TOP 1000 REZENSENTam 14. Dezember 2013
NEIN!
Wirklich nicht, nicht eine der begeisterten Rezensionen kann ich teilen.
Ich habe mich auf dieses Buch vorallem wegen der total begeisterten Meldungen unter den Büchermenschen gefreut und letztlich war ich von der ersten bis zur letzten Seite verärgert.
Es gab nicht eine Figur in diesem Buch, die bei mir Empathie, Sympathie, Mitgefühl oder gar auch nur Mitleid wecken konnte.
Jeder der Figuren hätte ich am Liebsten mal ordentlich in den Hintern getreten. Es mag sein, daß ich durch meinen Job, zu nah an dieser Thematik dran bin, daß sich mein Verständnis für die unterschiedlichen Formen der Trauer dadurch minimiert, dann hätte mir aber zumindest der ja so gelobte Schreibstil gefallen müssen.
Doch auch das war für mich nicht der Fall. Langsam, langatmig, wenig berührend und dabei irgendwie gepresst kam mir der Text an vielen Stellen vor. Dies wäre definitiv ein Buch gewesen, das ich nicht beendet hätte, wenn ich nicht in der Einöde eines Fortbildungsinstituts ohne weiteren Lesestoff gesessen hätte und beim Lesen irgendwie immer auf der Suche nach der Begeisterung gewesen wäre, die andere offenbar für das Buch empfinden.

Ich fand es flach, schlichtweg flach und oberflächlich, an der Realität einer um ein Mordopfer trauernden Familie, die um jede weitere Normalität ringt, geht es für mich, die ich ja durchaus in diesem Bereich tätig bin, komplett vorbei und verliert sich in Banalitäten und Oberflächlichkeiten.

Schade, der Wunsch den Film zu sehen, hat sich bei mir mittlerweile auch komplett verflüchtigt.
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am 30. November 2010
Vor einem Jahr ist die sechzehnjährige Sarah auf dem Heimweg - von einer Party kommend - ermordet worden. Etwas wie Normalität ist bei Familie Bergmann längst nicht wieder eingekehrt. Anne, die Mutter, versucht, sich umzubringen, um der lähmenden Traurigkeit zu entkommen. Der Versuch scheitert, und fast minütlich wächst die Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit bei den drei Hinterbliebenen. Der Mann, Johannes, tröstet sich mit einem Seitensprung und stürzt sich zur Ablenkung mehr als nötig in seine Tätigkeit als Sozialarbeiter, im Rahmen derer er ausgerechnet Mädchen in Sarahs Alter davor zu bewahren hat, auf die allzu schiefe Bahn zu geraten. Simon, der Sohn, der eigentlich für sein Physikum pauken müsste, wird vom Vater in die Rolle des Mutterbeschützers gedrängt. Anne aber kämpft gegen das schleichende Vergessen an, sucht nach Schuldigen, obwohl der Täter gefasst und verurteilt ist. Sie wird bei Sarahs bester Freundin Elena fündig. Denn den Grund dafür, dass Sarah recht früh die Party verlassen hat, hat sie geliefert. Und ausgerechnet mit Elena hat Simon inzwischen ein Verhältnis.

Dieser größtenteils bemerkenswerte und bedrückende Roman ist entstanden, nachdem Lisa Marie Dickreiter das Drehbuch für den gleichnamigen Film geschrieben hatte. Dass sich die Autorin hier auf fachfremdem Boden bewegt, ist dem grandios betitelten Werk hin und wieder anzumerken. Ihre Bemühungen, den Verzicht auf die visuelle Komponente durch knappe, emotionsarme, prägnante Sprache, die zuweilen an Regieanweisungen erinnert, zu kompensieren, gelingt nach meinem Gefühl aber nicht immer. Es entsteht eine seltsame Distanz, aus dem Leser wird ein Zuschauer, was häufig durchaus packend und berührend wirkt, aber die Architektur des Romans lässt nie zu, dass diese Distanz gänzlich überwunden wird. Dickreiter lässt ihre Figuren agieren, dringt nur selten in sie ein, beschreibt Gefühlswelten mit Hilfe vieler kleiner Szenen und erzählerischer Tricks, was tatsächlich den merkwürdigen Eindruck vermittelt, einen Film zu lesen, eine Geschichte anzuschauen, aber unterm Strich fehlt an entscheidenden Stellen jene Nähe, aus der Empathie entstehen könnte. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Autorin hat das Szenario auf vortreffliche Weise dramaturgisch verpackt, aber ich vermisste beim Lesen den wesentlichen Schritt in die Figuren hinein; es ist, als wäre die Hilflosigkeit ihres Romanpersonals manchmal auf die Autorin übergegangen. Zudem wirken einige Handlungselemente wie die Beziehung zwischen Simon und Sarahs Freundin oder der Seitensprung des Vaters, die im Film sicherlich nötig waren, um die Zuschauer fortwährend zu fordern, ein wenig überzogen, um nicht zu sagen überflüssig. Weniger wäre hier meiner Meinung nach tatsächlich mehr gewesen, zugunsten einer stärkeren Fokussierung auf diejenigen, die weiterleben müssen, obwohl ein wesentlicher Teil von ihnen gestorben ist. Stewart O'Nan hat das in seinem fantastischen Roman "Alle, alle lieben dich", der eine recht ähnliche Geschichte erzählt, dann doch etwas besser hinbekommen.

Aber das ist Nörgelei auf sehr hohem Niveau. "Vom Atmen unter Wasser" zeigt eindrucksvoll das Schicksal jener, die nicht strafrechtlich Opfer sind, aber als Überlebende und im Wortsinn Hinterbliebene ohne Hilfe von außen mit einer Situation zurechtkommen müssen, die nach menschlichen Maßstäben nicht zu bewältigen ist. Das Buch präsentiert eine ausweglose, deprimierende und sehr nachvollziehbar geschilderte familiäre Grenzsituation, vermittelt anschaulich die Wucht und Dramatik, im Kleinen wie im Großen, und großartigerweise unter Verzicht auf naheliegende Effekthaschereien. Lisa Marie Dickreiter ist zweifelsohne eine exzellente Studie gelungen, die vielleicht perfekt geworden wäre, hätte es das Drehbuch vorher nicht gegeben.
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am 30. Oktober 2010
Ich finde das Thema sehr spannend. Und finde jede Figur zu Anfang sehr spannend. Und ich fand auch den Film gut und berührend. Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut.

Aber dann fand ich das Buch nach 30 Seiten - puh.... langatmig, schwerfällig, anstrengend, kaugummi, nervig. Ich mag die Erzählstimme einfach irgendwann nicht mehr, dieses kleinteilige Abarbeiten von Geräuschen, Kleidergeraschel hier, Karottengeknurpse im Kopf da, alles Geräusche die nichts mit dem zu tun haben was da gerade in der Szene erzählerisch, gefühlsmäßig für die Figuren passiert, und dem was da erzählt wird keine zusätzliche Dimension geben, sondern einfach nur immer wieder die Subjektive vermitteln.

Mir kam es so vor als hätte sich die Autorin ihr Drehbuch und den Film Szene für Szene vorgenommen und dann Hausaufgaben gemacht: Und die Szene aus einer Fiugurenperspektive durchgespielt - inklusive allen sinnlichen Eindrücken dieser betreffendne Figur.....uähhhh.....das ist erzählerisch vielleicht "interessant", intellektuell interessant aber emotional langweilig und literarisch....wirkt es auf mich wie eine Etüde.

Im Film funktionieren für mich auch einige der Gespräche besser, da sehe ich Leute, Gesichter, Menschen - und interetiere da was rein, denke mir, was die wohl denken. Die Gedanken, die den Charakteren dann im Buch gegeben wurden, waren dann im Vergleich dazu manchmal richtig flach, haben dem was shcon gesagt wurde nichts hinzugefügt, haben keine literarisch erzählerische Dimension aufgemacht. Und diese "im Kopf und Körper"-Subjektiven waren irgendwann nicht mehr sinnlich, sondern nervig für mich.

Also für mich wars enttäuschend. Auch wenn das Ende mit seinen zarten, wundervoll emotional logischen Lösungen für jeden einzelnen der Charaktere noch immer toll ist. Einfach toll erzählt, toll erfunden und gefunden.
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am 18. Februar 2011
Erst mal tief Luft holen ...

Die Bergmanns sind eine ganz normale Familie. Der Vater ist Sozialarbeiter, die Mutter hat im Krankenhaus gearbeitet, auch die Kinder scheinen zu wissen, wohin es sie beruflich zieht. Man hat Freunde, gemeinsame Erinnerungen, war zusammen im Urlaub, man lebt sein Leben. Dann, auf dem Nachhauseweg von einer Party wird Sarah, die Tochter, ermordet.
Nun ist nichts mehr wie es war. Der Verlust erschlägt die Angehörigen regelrecht; die Trauer bringt die Mutter sogar dazu sich die Pulsadern aufzuschneiden. In ihrer grenzenlose Liebe zu ihrer Tochter und der unsagbaren Pein über ihren Tod vergisst sie ihren Mann, ihren Sohn Simon und sich selbst. Und während der Sohn seine Trauer in dem Kampf um die eigene Identität verarbeitet, entfernen sich der Vater und der Rest der Familie derart voneinander, dass ein Flug zum Mond dagegen wie ein Spaziergang anmutet ...

Bücher aus der Sicht des Täters gibt es zuhauf. So hat mich nicht nur der grandiose Titel (der alleine schon fünf Sterne wert wäre) an dieses Buch gelockt, sondern auch der Inhalt.
Ein sechzehnjähriges Mädchen wird auf dem Nachhauseweg von einer Party ermordet. Ein Fall, wie er leider desöfteren durch die Gazetten geistert. Das Dunkle, das uns Menschen innewohnt, lässt uns bei solchen Meldungen traurig den Kopf schütteln - und gleichzeitig begierig weiterlesen auf der Suche nach Antworten. Was ist da passiert? Wer war das? Wie kriegt so etwas jemand fertig? Und warum??
Es ist stets das Interesse für den Täter da. Doch wer fragt nach denen, die zurückbleiben? Eltern, Geschwister, Freunde - sie alle leiden unter dieser Tat; ihre Leben werden ebenfalls zerstört oder zumindest auf grausame Art und Weise ins Negative verkehrt.

Lisa-Marie Dickreiter hat sich eines Themas angenommen für das es längst Zeit wurde. Sie versteht es, sich einfühlsam in die Personen hineinzuversetzen und dem Leser ein ums andere Mal einen Kloß in den Hals zu platzieren. Der Roman ist im Präsens geschrieben, was an sich nicht mein Ding ist. Hier jedoch passt es perfekt. Ich finde ihre Art zu Schreiben schlicht großartig. Knappe Skizzierungen wechseln sich perfekt mit Satzgefügen ab, die am Ende jedesmal etwas zu sagen haben. Kein Wort zuwenig, und vor allem keins zuviel. Hut ab!

Warum ein Stern Abzug? Sehen SIE, werter Leser, diesen fehlenden Stern als subjektive Entscheidung an. Es gab im Verhalten einiger Protagonisten Stellen, die ich für leicht (ich betone: leicht) realitätsfern halte. Gerade gegen Ende ging mir eine wichtige Entscheidung des Vaters etwas zu glatt ab.
Ich weiß, man soll nicht so pingelig sein, aber ich denke, die Autorin kann mit meiner Entscheidung ganz gut leben. Immerhin - und das tue ich gerne - rate ich Ihnen, sofern Sie dieses Buch interessieren sollte, dringend zum Kauf.
Denn wie ich schon schrieb: Es hat selten jemand geschafft mir während eines einzigen Romans derart dicke Klöße (ich spreche vom Plural!) in den Hals zu setzen.

Bon Voyage, Frau Dickreiter. Ihre weitere Reise durchs Land der Literatur werde ich mit Interesse verfolgen.
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am 17. August 2010
Sarah Bergmann ist 16 Jahre jung als sie ermordet wird. Ihr Tod hinterlässt eine Lücke im Leben der Zurückgebliebenen, die zu schließen, den Eltern und dem Bruder unmöglich ist. Sarahs Todestag wird von nun an das Leben der Familie in ein Leben nach und vor dem tragischen Verlust teilen. Aber wie geht das - "danach" weiterleben?
In den beiden letzten Sätzen dieses Buches, in der Danksagung, wendet sich die Autorin an die "betroffenen Eltern und Geschwister", die ihr "in langen Gesprächen und mit viel Offenheit einen Einblick in ihre Welt schenkten." Lisa Marie Dickreiter schafft einen beklemmenden Einblick in diese "Welt", in der für Mutter Anne, Vater Jo und Bruder Simon der schmerzliche Verlust in die Einsamkeit führt. Annes Schmerz wird selbstzerstörerisch, Vater Jo schafft sich eine Parallel-Welt außerhalb der Einsamkeit und Simon versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. In einer glasklaren Sprache führt die Autorin vor, wie Familie Bergmann darum ringt, sich in ihrem Leben, dem Leben "danach", zurechtzufinden, doch die Leerstelle, die der Mord an Sarah hinterlassen hat, ist unüberwindlich.
Ein Buch, das ohne Kitsch und Pathos geschrieben, mir zumindest, die Kehle zuschnürte, mich mit den Figuren verzweifeln und leiden ließ. Eine leise Geschichte, in der man auf jeder Seite eine Liebe der Autorin zu ihren Figuren zu spüren glaubt, da sie diese, mit ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten, nie verrät und verurteilt.
Vielmehr bekam ich als Leser eine Ahnung, dass ich selbst, in einer vergleichbaren Situation, ebenso kläglich scheitern und zerbrechen würde. Eine Erkenntnis, die dazu führte, dass ich, als ich das Buch schloß, ein klein wenig anders auf die eigene Familie schaute und für den Moment den Alltag ein Stück intensiver genießen konnte. So wie er ist - vollständig, ohne Leerstellen - eben gemeinsam!
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am 14. September 2010
Vom Atmen unter Wasser" ist ein berührendes Buch über eine Familie, die sich in einer Verfassung der Trauer und Wut befindet. Ein Familienmitglied, die 16jährige Tochter, wurde ermordet.
Ein solcher Verlust aufgrund einer Gewalttat wirkt wohl besonders schlimm auf die zurückbleibenden.
Die Autorin zeigt jetzt in rotierenden Kapiteln jeweils die Gedankenwelt der Mutter Anne, des Vaters Jo und des Bruders Simon. Dabei geben die Protagonisten auch einen Blick auf die anderen, das finde ich sehr überzeugend.
Es wird nicht aus der Ich-Perspektive" erzählt, dennoch ist der Leser sehr dicht an den drei Beteiligten dran. Das Zusammenspiel von Dialog und Gedanken erlaubt einen tiefen Einblick in das Innere der Protagonisten.
Jeder von ihnen geht mit der Situation anders um, durch die gute Romanführung kann man Verständnis und Mitgefühl für alle aufbringen.
Der Roman besitzt trotz seiner Thematik ein überraschend hohes Tempo, das keine Langeweile aufkommen lässt und die 270 Seiten gut ausfüllt.

Der intensive Stil und der geschickte Romanaufbau schaffen es den leser zu fesseln. Es funktioniert so gut, weil die Geschehnisse und Verhaltensweisen realistisch geschildert werden, es rutscht nie ab in reine Betroffenheit. Die Figuren bleiben glaubwürdig!

Das Buch ist auch äußerlich sehr ansprechend. Eine gute Arbeit des Berlin-Verlags!

Ein beeindruckendes Buch, das ich sehr empfehlen kann!
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am 22. August 2010
Mit Vom Atmen unter Wasser" ist Lisa-Marie Dickreiter ein eindringliches Romandebüt gelungen. Hautnah lässt sie den Leser die zerstörerische Kraft maßloser Trauer miterleben. Dennoch geht es nicht in erster Linie um Trauma und Trauerarbeit, sondern um Eifersucht und verschmähte Liebe: Simon hat ein Leben lang darunter gelitten, dass seine Mutter Anne ihm die kleine Schwester Sarah vorzog. Dann wird Sarah ermordet. Anne kommt über den Verlust nicht hinweg und versucht sich das Leben zu nehmen. Sie wird gerettet. Simon fragt sich: Hätte sie das auch getan, wenn ich tot wäre? Wohl nicht. Die Mutter braucht Halt, und vielleicht ist das ja seine Chance, sie endlich für sich zu gewinnen.

Ohne Kitsch und Pathos, in geradezu meisterlicher Schlichtheit, führt Lisa-Marie Dickreiter dieses verzweifelte Ringen um Liebe vor, das in der teils bitteren, teils tröstliche Erkenntnis kulminiert: Liebe kann man sich nicht verdienen - und muss es auch nicht.

Unbedingt empfehlenswert!
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am 13. August 2010
Sarah, die 16jährige Tochter der Bergmanns, ist vergewaltigt und getötet worden. Ihr Mörder sitzt längst hinter Schloß und Riegel, das Leben sollte irgendwie weitergehen, aber was tun, wenn es einfach nicht gehen will, schon gar nicht 'weiter'?!

Etwa ein Jahr später, kurz vor dem Jahrestag des Mordes, wird Simon, der Bruder der Getöteten und eine der drei Perspektivfiguren, von seinem Vater Jo ins Krankenhaus beschieden: Mutter Anne Bergmann hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Vater bittet den 20jährigen, der übers Jahr versucht hat, in seinem Medizinstudium, in einem Studentenwohnheim ein eigenes Leben aufzubauen, wieder zu Hause einzuziehen, um die labile Mutter zu überwachen, die den Tod der geliebten Tochter nicht überwinden kann und nicht überwinden will. Aber kaum wieder im Elternhaus eingezogen, stellt Simon fest, daß die Familie längst zerbrochen ist und er zum Spielball der komplexen Elternbeziehung und der Trauerarbeit seiner Mutter wird. Weil aus Sarahs Lebzeiten nur wenige Super8-Filme existieren, beginnen Simon und Anne, Filme zu drehen, die Tod und 'Nachleben' des Mädchens dokumentieren. Das ganze entgleitet, und Simon wird immer tiefer in die Abgründe der mütterlichen Trauerarbeit gerissen.

'Vom Atmen unter Wasser' ist ein Buch über das Überleben. Eines der genauen Beobachtung und der lebendigen realistischen Schilderungen. Psychologisch höchst raffiniert in seinen Symbolen und Bildern, dabei so eindringlich, daß mir beim Lesen so mancher Szene ein Kloß im Hals drückte und der Schweiß auf der Stirn stand; ein Roman, der szenisch perfekt gebaut ist, mit größter erzählerischer und stilistischer Raffinesse geschrieben, aber dabei so gestaltet, daß er auch Wenigleser beeindrucken wird durch seinen Tiefensog, durch den Spannungsaufbau und die äußerst lebhafte Gestaltung seiner Charaktere, die, mit ihren ganzen Schwächen, dem Leser im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz wachsen.

'Vom Atmen unter Wasser' pulverisiert nachgerade einen Gutteil der neueren deutschsprachigen Literatur und läßt dessen Bücher zu Büchlein werden. Wenn die Jury des deutschen Buchpreises nicht ganz bescheuert ist, dann weiß sie, daß es dieser Roman mindestens in die Short List bringen muß.
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am 13. August 2010
Lisa-Marie Dickreiter hat sich in ihrem Debütroman auf sehr gefühlvolle, gleichzeitig aber auch offene und kompromisslose Weise dem Thema Trauer genähert.
Ich kenne Trauer, doch ist mir noch niemand, den ich liebe, gewaltsam genommen worden. Genau das ist aber Familie Bergmann geschehen. Anne und Jo wurde die Tochter, Simon die Schwester genommen: Sarah war gerade 16 Jahre alt, als sie auf dem Nachhauseweg von einer Party auf einem Spielplatz zu Tode gewürgt wurde. Mittlerweile, ein Jahr später, ist der Täter verurteilt und die Welt dreht sich auch ohne Sarah weiter - nur nicht für die Bergmanns, die in ihrem Schmerz, ihrer Wut und ihrer Trauer kein normales Leben mehr führen können.
In dieser Zeit, wo sie als Familie eigentlich einander beistehen sollten, finden sie einfach nicht zueinander. Anne kann nur noch an Sarah denken, vergisst dabei aber ganz ihren Mann und ihren Sohn, die keinen Zugang mehr zu ihr finden. Jo wünscht sich die Geborgenheit der Familie zurück, doch weder seine Frau noch sein Sohn können ihm dies geben. Und Simon - ja, Simon sitzt zwischen den Stühlen. Er vermisst seine Schwester, trauert, macht sich Vorwürfe wegen Rangeleien unter Geschwistern, wie sie eigentlich normal sind, doch die er nun nie wieder gutmachen kann. In all dies platzt Annes Selbstmordversuch hinein und zwingt Simon dazu, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Hilflosigkeit zu überwinden...

Dieses Buch hat mich tief berührt. Es zeigt deutlich, wie Trauer Menschen trennen, sie aber auch vereinen kann. Trauer verändert uns und wir sehnen uns nach dem was war. Trauer kann zerstören und doch sollte an ihrem Ende die Heilung stehen. Und Trauer ist nicht fair, wir sind in der Trauer nicht fair. Wir sind selbst so tief verwundet und verletzten darin oft die Menschen, die wir lieben, indem wir ungerecht sind oder selbstsüchtig. Die Trauer entschleunigt das Leben, nimmt ihm die Farben und die Konturen. Trauer kann man nicht in Worte fassen, doch Lisa-Marie Dickreiter hat es geschafft. Dabei bezieht sie nie Partei, sie zeigt Anne, Jo und Simon mit all ihren Ecken und Kanten und verschweigt auch ihre Fehler und Schwächen nicht.

Dieses Buch ist keine leichte Kost und ich musste es mehrmals zur Seite legen und tief durchatmen, doch ich kann es wirklich nur empfehlen! Und für alle Cineasten: bevor es diesen Roman gab, gab es ein Drehbuch. "Vom Atmen unter Wasser" wurde 2007 verfilmt. In den Hauptrollen Andrea Sawatzki, Adrian Topol und Thorsten Merten.
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