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Mütter und Andere: Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat
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am 31. Mai 2010
Über eine Rezension in der Zeit bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Nach der Lektüre kann ich sagen, dass meine Erwartungen mehr als erfüllt wurden.

Mit unglaublicher Akribie und vielen Beispielen sowohl aus der Welt der Menschenaffen als auch aus den Lebensgewohnheiten noch ursprünglich lebender Völker belegt sie Ihre These, dass es ohne die Unterstützung von Verwandten im weitesten Sinne ("Alloeltern") niemals zur Entwicklung des Homo Sapiens gekommen wäre. Das alles ist sehr detailreich und nach meinem Dafürhalten methodisch und wissenschafltich sauber beschrieben. Selbstverständlich kann man über die aufgestellten Thesen auch trefflich streiten. Sie sagt jedoch selbst an vielen Stellen, dass man es letztlich nie genau wird wissen können. Der vermeintliche Zeitraum, in dem nach ihrer Analyse die entscheidenden Weichen gestellt wurden, liegt eben über 1 Million Jahre zurück.

Allerdings gewinnen Hrdys Analysen vor dem Hintergrund einer stetig sinkenden Geburtenrate in den Industrieländern eine hochaktuelle Bedeutung. Dass letztlich die fehlende Unterstützung einer jungen Familie durch ein Netz an Helfern (Alloeltern in der Terminologie Hrdys) letzlich der Grund dafür ist, dass sich immer mehr junge Frauen gegen Kinder entscheiden, sollten zunehmend auch diejenigen zur Kenntnis nehmen, die glauben mit Kinder- und Elterngeld etc. Anreize schaffen zu können, in der heutigen Zeit Kinder in die Welt zu setzen. Dass dies nicht funktionieren kann, dafür liefert Baffer Hrdys Buch meines Erachtens ein paar verdammt gute Argumente.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. März 2010
Erlauben Sie mir als Mann in der Evolutionsforschung (v.a. zum durchschnittlichen Kinderreichtum religiös vergemeinschafteter Menschen arbeitend) eine vielleicht überraschende Feststellung vorab: Viel zu lange war unser Forschungsbereich nicht nur personell, sondern auch begrifflich fast völlig von Männern dominiert. Dadurch wurden Themen wie Jagd, Kampf und Konkurrenz oft überbetont, Fragen von Familien, Liebe und Kooperation bisweilen übersehen oder unterschätzt. Es ist mutigen Wissenschaftlerinnen wie Sarah Blaffer Hrdy zu verdanken, dass an die Stelle der Klischees passiv auf ihre jagenden Männer harrenden Frauen endlich ein viel dynamischeres Bild der so komplexen Wechselwirkungen tritt, die uns zu Menschen machte. Und in "Mütter und Andere" legt sie die bislang umfassendste Gesamtschau ihres anthropologischen und primatologischen Lebenswerks vor.

Hrdy beginnt mit ebenso präzisen wie weitreichenden Beobachtungen: Menschen sind im Gegensatz zu anderen Primaten in der Lage, auch mit Fremden zusammen ein Areal zu bewohnen oder ein Flugzeug zu besteigen. Und Menschen haben es im Gegensatz zu allen anderen Primaten vermocht, zwei eigentlich unvereinbar scheinende Ziele gleichzeitig zu verwirklichen: Sie haben die Geburtenabstände (etwa im Vergleich zu Schimpansen und Orang-Utans) deutlich verringert, gleichzeitig aber die Kindheitsphase inklusive der Ausreifung des Gehirns erheblich ausgeweitet. Wie war das möglich?

Hrdy zeigt auf: Durch gemeinschaftlichen Kinderaufzug. Nicht mehr nur die Mütter, sondern auch Väter, Geschwister, Großeltern, schließlich Vertrauenspersonen unter Gruppen- und Glaubensgenossen kooperier(t)en beim Aufzug von Kindern. Und diese sich über Verwandtschaftsgrade erweiternde Familien- und Gemeinschaftsstruktur belohnte umgekehrt auch sozial und kognitiv befähigte Vorfahren. Heute fällt uns gar nicht mehr auf, dass kein anderer Primat sein Kind z.B. in einen Kindergarten, eine Schule, eine Geburtstagsparty geben könnte. (Und die aktuellen Diskussionen um Gewalt- und Missbrauchsfälle an Menschenkindern unterstreichen, wie evolutionär neu und anfällig diese Entwicklung weiterhin ist!) Nicht primär im Bearbeiten von Waffen und Werkzeugen, in intriganten Machtspielen oder konkurrierenden Kampfgruppen evolvierten unsere Vorfahren ihr immer komplexeres Sozialverhalten, sondern im Aufbau lebensförderlicher Gemeinschaften!

Dass Hrdy vor der Anthropologie und Primatologie kulturwissenschaftliche Studien betrieben hat (und im übrigen auch selbst mehrfache Mutter ist), merkt man ihrem Buch dabei sehr wohltuend an. Sie führt nicht nur sehr kundig familienbezogene Traditionen verschiedenster Menschenvölker (und empirische Studien dazu) an, sondern schreibt auch so klar, lebensnah und verständlich, dass sie von Kolleginnen und Kollegen anderer Disziplinen und auch interessierten Laien problemlos verstanden wird.

Meinen Studierenden sowie Freunden und Bekannten - mit Interesse an Evolution oder auch "nur" aktueller Familienpolitik - empfahl ich schon den englischen Titel immer wieder. Dass nun endlich eine ordentliche, deutsche Übersetzung von "Mothers and Others" erhältlich ist, ist ein Glücksfall für die deutschen Diskussionen rund um die Evolution des Menschen. Und eine Chance, unsere faszinierende Spezies in neuem Licht zu sehen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. April 2010
Ich habe sofort vergessen, dass "Mütter und Andere" ein Fachbuch mit einer sehr speziellen These ist. Es liest sich so wunderbar, und es liest sich für einen Laien wie mich auch als Überblick über den Stand der Forschung zur Entwicklung der Menschheit.

Sarah B. Hrdy geht es um die Bedeutung von geteilter Kinderbetreuung für unsere Spezies. Sie hat es ermöglicht, dass relativ unentwickelte Neugeborene in relativ rascher Folge geboren werden konnten. Die geteilte Kinderbetreuung hat Phänomene wie das gegenseitige Verstehen (Empathie, Übertragung, Spiegelneuronen) sich bei uns entwickeln lassen. Nach ihrem Verständnis viel wichtiger als die Entwicklung von Sprache oder Werkzeuge.

Weit über die Grundthese von Sarah B. Hrdy hinaus enthält dieser Band sehr umfangreiche und aktuelle Ergebnisse aus sehr unterschiedlichen Forschungsrichtungen. Sie selbst ist Biologin. Ergebnisse aus der Primatenforschung und weiteren Tieren spielen hier eine große Rolle. Aber auch Ergebnisse der Anthropologie, Ethnologie und Paläoanthropologie finden einen breiten Raum.

Insgesamt kann ich diesen großen und interessanten Genuss aus ganzem Herzen empfehlen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 24. April 2010
Sarah Blaffer-Hrdy stellt in ihrem Buch ihre interessante und zum Teil auch äußerst einleuchtende These vor, dass das menschliche Gehirnwachstum nur aufgrund der gemeinschaftlichen Kinderaufzucht möglich war. Ferner sei diese für die Empathiefähigkeit des Menschen verantwortlich.

Ich will das nicht abstreiten. Wer großköpfige Kinder als Frühgeburten zur Welt bringt (beim Menschen ist das der Fall), die dann auch noch über viele Jahre großgezogen, unterrichtet und sozialisiert werden müssen, ist im Grunde dazu gezwungen, einen Teil der Erziehungsaufgaben an andere zu delegieren. Mich stört eigentlich nur die gelegentliche Überstrapazierung der These, zum Beispiel dann, wenn darin auch noch die Hauptursache für das Gehirnwachstum beim Menschen gesehen wird (siehe z. B. auch: Evolution und Kultur des Menschen). Dazu dürfte jedoch viel mehr erforderlich gewesen sein (insbesondere die spezifische Ernährungsweise in der Altsteinzeit).

Auch kann ich nicht erkennen, dass die offenkundige Empathiefähigkeit des Menschen nun gerade darauf zurückzuführen sein soll. In menschlichen Sozialstaaten gilt das Recht des Besitzenden (und nicht des Stärkeren - etwas, was Kinder sehr früh lernen müssen), und allein daraus leiten sich viele komplexe soziale Interaktionen ab, die auch so etwas wie Empathie voraussetzen.

Wichtig an solcher Forschung ist aber in jedem Fall, dass sie die enorme Bedeutung der Nachwuchsarbeit für die menschliche Entwicklung deutlich macht, wodurch sie ein wenig der in den Gesellschaftswissenschaften priorisierten irrigen gleichheitsfeministischen These vom Primat der Erwerbsarbeit (d.h. dem Jagen) entgegenwirken könnte.
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am 3. Mai 2015
Es fügt sich eins zum anderen und es ist völlig logisch, das es mit der Menschheit so ging, wie es ging!
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am 21. April 2013
Frau Hrdy ist bekannt für ihre Sicht zur menschlichen Evoliution, dafür habe ich das Buch gekauft. Mehr Frauen in der naturwiss. Forschung schadet nicht :-)
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